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Full text of "Acta Germanica: Organ für deutsche Philologie"

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ACTA GERMANICA 



Organ für deutsche Philologie 



herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und Julius Hoffory. 



Band III. 




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Berlin. 

Mayer & Müller. 

1894. 



ITHENEW YOKK 

PUBLIC LIBRARY 

200281 

A8TO«, LENOX ÄND 
TILDEN FOUNDATIONS. 






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INHALT. 



Seite 

Das Yerbnin reflexivam und die Superlative im West- 
nordischen von Friedrich Specht. 1 

Die Hvenische Chronik in diplomatischem Abdruck nach 
der Stockholmer Handschrift nebst den Zeugnissen 
Yedels und Stephanius und den Hvenischen Yolks- 
flberlieferungen herausgegeben von Otto Luitpold 
Jiriczek. 57 

Die Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts von Max Osborn. 97 

Die Mondsee-Wiener Liederhandschrift und der Mönch von 
Salzburg. I. Teil, von F. Arnold Mayer und Heinrich 
Bietsch. uc-P^^cr^J i ^'^^' 332 



Vorwort. 



Die Hvenische Chronik wurde zum ersten Male von 
Svend Gnmdtvig in Danmarks gamle Folkeviser (DgF) I 
(1853) S. 38—44 nach der Kopenhagener Handschrift heraus- 
gegeben. Bereits in den Nachträgen zu demselben Bande S. 
423 machte Grundtvig auf eine von ihm übersehene Notiz 
Molbechs (Hist. Tidsskr. 1843 IV 138) über eine Stockhohner 
Handschrift der Hv. Chr. aufmerksam. In DgF III (769 f.) 
kam er auf diese Stockholmer Handschrift zurück, erkannte 
in ihr das Original der Kopenhagener und äusserte sich über 
ihren Wert dahin : 'sie gibt uns zwar nur eine mittelmässige 
Abschrift, die Kopenhagener jedoch noch weniger, nämlich 
eine schleuderhafte Abschrift jener.' Doch musste er sich 
damit begnügen, die wichtigsten Lesarten mitzuteilen. 

Eine neue Ausgabe der Hv. Chronik, welche den ältesten 
uns erreichbaren Text zum ersten Male veröflFentlicht, dürfte 
daher nicht überflüssig erscheinen. Ermöglicht wurde dieselbe 
in erster Linie durch die Güte des Hm. Grafen C. Snoilsky, 
Oberbibliothekars der Kgl. Bibliothek zu Stockholm, der nicht 
nur die Zusendung der Handschrift nach Kopenhagen gestattete, 
sondern auch, als sich der Druck verzögerte, den Termin zu 
ihrer Benützung bereitwilligst verlängerte. Der Herausgeber 
hat hiefür auch an dieser Stelle Hm. Grafen Snoilsky 
seinen aufrichtigsten und ergebensten Dank auszudrücken, der 
in gleichem Masse auch Hrn. Universitätsbliothekar S. Birket- 
Smith, der das Gesuch um Übersendung der Handschrift 
gütigst unterstützte und die Benützung derselben dem Heraus- 
geber in jeder Weise erleichterte, gebühi-t. 

Kopenhagen, den 18. Februar 1892. 

Der Herausgeber. 



4 



Emleitung. 

Die Hvenische Chronik'*') ist uns in zwei Hand- 
iriften erlialten, der Stockholmer (S) und der Kopen- 
»gener (K). 

I. Der Handschriftenband der kgl. Bibliothek zu Stock- 
>hn Hia. Dansk K. 23. in 4^ (19-7 X 15-7 cm) enthält 
lehrere ursprünglich selbstständige Papierhandschriften, die 
Tirch Zusammenbinden vereinigt worden sind. 

1. Auf 160 unpaginierten Seiten (in 10 Lagen zu 8 
blättern) steht: 

a) eine dänische Reimchronik, die mir Hr. 
ixel Olrik freundlichst als J?er Berthelsens (f 1682) 
im oni danske honger (gedruckt in 0. Bang, Sämling af ad- 
Wlige opbyggelige og nyttige Materier [1743—47] H 170—92 
>38— 82) nachgewiesen hat. 

Die Beimchronik beginnt auf Bl. 2 (Bl. 1 leer) und endet 
luf BL 74 r. (S. 147); 74 v. (S. 148) und Bl. 75 sind frei; die 
Sandschrift ist von einer Hand um 1600 herum geschrieben. 

b) Ein Prosastück: Om dee Mectige Aore Krigflier^^^ 
ric) och folch fom i fordum dage ere vddragne äff Danmarch 
»erf wjben och verie efter Krigs wüs. Dieses Prosastück steht 
luf Bl, 76—80, doch sind Bl. 79 v und 80 v leer; die Hand 
Bt eine andere als in a, jedoch ungefähr gleichzeitig; dass 
tieses Prosastück keine selbstständige Handschrift gebildet hat, 
[eht daraus hervor, dass es in einer Lage beginnt, deren erste 
Irei Seiten noch von der Beimchronik gefüllt werden. Dieses 
9- W. ungedruckte Prosastück ist ein kurzer Auszug aus: 
fn wdschrift äff gamble krönnicker om nogle slaags foUc och 
^fdtnger (Chr. Pedersens Danske Skrifber udg. af 0. J. 



*) Der Name ist nicht handschriftlich bezeugt, kommt jedoch bei 
edel 20,2 vor. 



VI jmiCZEK 

Brandt, V 334—53), welches Werk nach Brandt (1. c. S. 538) 
im j. 1521 von Chr. Pedersen verfasst worden ist. 

2. Eine andere Hdschr. von 18 unpaginierten Blättern 
(in zwei Lagen 8 -f- 10 Bl.) enthält ein dänisches Lied von 
der Eroberung Calmars durch Kristian IV (1611) in 
150 numerierten Strofen mit dem Refrain: Saa taber hon 
CcUmar hin graa under Danmarch (in verschiedenen Variationen). 
Das Lied beginnt auf dem zweiten Blatte (dessen Bückseite frei 
ist) mit dem weitläufigen Titel, der die ganze Seite füllt; das 
letzte Blatt ist frei. Die Handschrift fällt in die ersten Jah^ 
zehnte des 17. Jhds. Auf die Vorderseite des freigebliebenen 
ersten Blattes hat eine fremde Hand ein latein. Citat ans 
Polyh. lib. 12 Hill, gesetzt: Augenzeugen seien die besten 
Geschichtsschreiber. — Das Lied wird (nach Mitteil. A. Olrik's) 
in DgF aufgenommen werden. 

3. Eine andere Handschrift enthält die Hvenische Chronik 
auf 16 unpaginierten Blättern (in den Lagen : 6 -|- 2-|-6 -f- 2 BL); 
durch Einfalten ist ein 3 cm breiter Band geschaffen, der un- 
beschrieben ist ; das letzte Blatt ist ganz frei. Die Handschrift 
ist von einer Hand geschrieben, die wol jünger ist als das in 
der Nachschrift genannte Datum 1603, aber keinesfalls über 
die erste Hälfte des 17. Jhds. reicht; Grundtvigs Annahme 
(DgF III 769 a), die Hdschr. stamme aus der zweiten Hälfte 
des 17. Jhds. kann nicht richtig sein. S ist also nicht das 
Original von 1603, sondern eine Abschrift. 

In der Hdschr. hat eine jüngereHand Verbesserungen 
vorgenommen: sie fügt Interpunctionszeichen (3^1, ^3, 5^^, lln)» 
vergessene i-Punkte und 6-Striche (\%q [Ijg] — li, 4^3, 12^) 
hinzu, frischt undeutliche Buchstaben auf (1^4), oder ändert 
ihre Form (I13, 3^, lO^^, llii»i«> 12^, 14,3: alles gotische e 
[der form nach etwa durch ö wiederzugeben], die in lateinische 
e verwandelt sind; das t)-zeichen muss der jüngeren Hand 
lästig oder schwer lesbar gewesen sein; ein System ist jedoch 
nicht befolgt, denn alle übrigen e (dh. ö) sind unverändert 
geblieben); 1^ ändert sie nögle zu nögell; 4^ beseitigt sie eine 
Dittographie ; 113,4 schiebt sie je ein Wort ein, was sie auch 



EINLEITUNG VII 

^^, löj^, 19^ beabsichtigt zu haben scheint; endlich stammt 
las Marginale 2^^ von ihr. Aus den Schriftzügen des Margi- 
QSiles und der Binschübe entnimmt man das Becht von einer 
jüngeren Sand zu reden ; an der hiebei verwendeten gelblichen 
Tinte erkennt man auch mit Sicherheit jene anderen unindivi- 
daellen Zusätze^ Änderungen etc. als der jung. Hand zugehörig. 
Schmerigkeiten macht die Zuweisung der Zusätze 13^^, 25^4, 
27,4, ^®i ^^^ ^^^ Änderung von t) zu e 3^, : die Schriftzüge 
Btimmen zu der jüngeren Hand, die Tinte ^st jedoch eine andere, 
von jener der Hdschr. kaum zu unterscheiden; diese Gruppe 
nenne ich H^ (H^ = jüngere Hand.) Da indes die Änderung 
ü : e unmöglich vom urspr. Schreiber kann vorgenommen worden 
sein, da femer die Zusätze H^ in der Abschrift K sich nicht 
finden, kann nur an eine fremde Hand zu denken sein. Ob 
diese dieselbe ist wie H^ — die Schriftzüge sprechen dafür 
— oder diese Änderungen von einem anderen Individuum her- 
rühren, lässt sich nicht entscheiden, ebensowenig, ob die Ein- 
tragungen von H^ jenen von H^ vorangehen oder folgen; 
die Abschrift kennt weder H* noch H"* (s. s. IX)*; die ver- 
schiedene Tinte beweist, dass sie nicht gleichzeitig erfolgt sind. 
II. Die Kopenhagener Papierhandschrifb Bibl. Univ. 
Haun. Add, 107. foL enthält auf 7 Blättern (1 eingelegt -|- 
eine Lage von 6 Bl.) die Hvenische Chronik von einer Hand 
aus dem Schlüsse des 17. Jhds. Nach dieser Handschrift ist 
die Hv. Chr. bei Grundtvig a. a. o. buchstabengetreu (jedoch 
unter Durchführung der DgF I s. VI f. auseinandergesetzten 
Normalisierungsprincipien) abgedruckt.**) 

Das Verhältnis beider Handschriften zu ein- 
ander hat schon Grundtvig erkannt : K ist eine Abschrift von 

*) Daraus ergibt sich auch die verhältnismässig späte Eintragungs- 
zeit der beiden Gruppen. 

♦*) An Fehlem des Abdruckes habe ich nur bemerkt, dass 27,, var. 
9 in der Hs. hvüched steht (Gr. hvilchen), und Gr. bei ßn 24a versäumt 
hat zu bemerken, dass es über der Zeile (von derselben Hand) nachgetragen 
ist; Kleinigkeiten, wie dass ich hie und da hvelcherit et u. ä. zu lesen 
glaube, "WO Gr. hvilchen, it usw. liest, übergehe ich. 



JIRICZEK 

. '• .-.U--.'>3i. welches AVerk nach Brandt (1. c. .- 
"i. ■■ - i']_r, Pfdersen Terfasst worden ist, 
^" ~ .iidvrr Hdschr. von J8 uiij)aginierten B! 
. l-}.;iz 5 — lO Bi.) enthält ein däniacheä LiiM 
r ':tT-:,s Calmars durch Kristian IV ri6] 
-i^-r-irTr- STri'iVn mit dem Eefrain: Siia i.ii, 
■ •■■■'■ ■■ 1 1 ihmarrli (in verschiedenen Variati 
-i :iz:~z.\ ,-.ui" dorn zweiten Blatte (dessen Büekseii 
i-TL w;:-.:- ;f.;e!i Titel, der die ganze Seite fiiHt 
.1-:: .«: :-=■:". P:e Handschrift fallt in die ersten 
-■■- '". w..:# Aul* die Vorderseite des freigebliel 
^■..■.;::-j i.i: eiv.o fremde Hand ein latein. Cita 

■ .i .":'.*. iivsetzi: Aiigeiizeugeii seien die b 
: :ss.-:.rv;:-e7 — Pa# LieJ wiid (nach 3Iitteil. A. Ol 

■ :::>;- ~~eu werden. 

'i:.-: !,-:.l-Ti Ha::isclirit't enthält die Hvenische Ch] 
■..si---r:fiPL"i:tern(indenLagen:6-f-2-f-6 + 2 
-.\i,:-:~. -.i: i-b 3 cui breiter Rand geschaffan, dei 
-■:- :s: .:.i« 1: :zte Blatt ist ganz frei. Die Hand« 
:.- H.i::i fc^chrieben, die vol jänger ist als dl 
>. 7.7-.:^ ^ossnie Datum 1603, aber keinei&Ua 

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"';.;> ij-i: ;::oiit richtig sein. S ist aK 
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: s,:. ;:«A .'urvh p wiederzngrfiöi], t" 

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1, .■i"..i;T: sie ■- jj/^ zu «yyefl;, 4 
;:,., #.\iicbt sie je ein Wdi^ 




EINLEITUXG VU 

15,^, 19j beabsichtigt zu liaben scheint; endlich stammt 

Marginale 3,, von ihr. Aus den Schriftzügen des Margi- 
ts und der Einschübe entnimmt man das Recht ron einer 
;eren Hand za reden ; an der hiebei verwendeten gelblichen 
te erkennt man auch mit Sicherheit jene anderen unindivi- 
llen Zusätze, Änderungen etc. als der jung. Hand zugehörig, 
.vierigkeiten macht die Zuweisung der Zusätze 13^^, S6,^, 
„ S8j und der Änderung von t) zu e 3,,: die Schrift^ge 
imen zu der jüngeren Hand, die Tinte ^st jedoch eine andere, 

jener der Hdschr. kaum zu unterscheiden; diese Gruppe 
De ich H^ (H^ = jüngere Hand.) Da indes die Änderung 

unmöglich vom urspr. Schreiber kann vorgenommen worden 
I, da femer die Zusätze H'^ in der Abschrift K sich nicht 
len, kann nur an eine fremde Hand zu denken sein. Ob 
ie dieselbe ist wie H'' — die Schriftzäge sprechen dafür 
oder diese Änderungen von einem anderen Individuum her- 
ren, Usst sich nicht entscheiden, ebensowenig, ob die Ein- 
pingen von H^ jenen von H^ vorangehen oder folgen; 

Abschrift kennt weder H^ noch H^ (s. s. IX)*; die ver- 
iedene Tinte beweist, dass sie nicht gleichzeitig erfolgt sind. 
II, Die Sopenhagener Pupierhandschrift Bibl. Univ. 
m. Aild. (*■' jjljL «ithält aof 7 Blättern (1 eingelegt -^- 
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VI JIBICZEK 

Brandt, V 334—53), welches Werk nach Brandt (1. c. S. 538) 
im j. 1521 von Chr. Pedersen verfasst worden ist. 

2. Eine andere Hdschr. von 18 unpaginierten Blättern 
(in zwei Lagen 8 -f- 10 Bl.) enthält ein dänisches Lied von 
der Eroberung Calmars durch Kristian IV (1611) in 
150 numerierten Strofen mit dem Refrain: Saa taber lum 
Calmar hin graa under Danmarch (in verschiedenen Variationen). 
Das Lied beginnt auf dem zweiten Blatte (dessen Bückseite frei 
ist) mit dem weitläufigen Titel, der die ganze Seite füllt; das 
letzte Blatt ist frei. Die Handschrift fällt in die ersten Jahr- 
zehnte des 17. Jhds. Auf die Vorderseite des freigebliebenen 
ersten Blattes hat eine fremde Hand ein latein. Citat ans 
Polyh. lib. 12 Hiü. gesetzt: Augenzeugen seien die besten 
Geschichtsschreiber. — Das Lied wird (nach Mitteil. A. Olrik's) 
in DgF aufgenommen werden. 

3. Eine andere Handschrift enthält die Hvenische Chronik 
auf 16 unpaginierten Blättern (in den Lagen : 6 -|- 2-|-6 + 2 BL); 
durch Einfalten ist ein 3 cm breiter Band geschaffen, der un- 
beschrieben ist ; das letzte Blatt ist ganz frei. Die Handschrift 
ist von einer Hand geschrieben, die wol jünger ist als das in 
der Nachschrift genannte Datum 1603, aber keinesfalls über 
die erste Hälfte des 17. Jhds. reicht; Grund tvigs Annahme 
(DgF III 769 a), die Hdschr. stamme aus der zweiten Hälfte 
des 17. Jhds. kann nicht richtig sein. S ist also nicht das 
Original von 1603, sondern eine Abschrift. 

In der Hdschr. hat eine jüngereHand Verbesserungen 
vorgenommen: sie fügt Interpunctionszeichen (3^1, j^, 5jg, ll^i), 
vergessene i-Punkte und 6-Striche (192^, [Ijg] — 1^, 4^^, 12^) 
hinzu, frischt undeutliche Buchstaben auf (1^4), oder ändert 
ihre Form (li 8, 3^, lO^^, llii»i«> 12^, 14,3: alles gotische e 
[der form nach etwa durch t) wiederzugeben], die in lateinische 
e verwandelt sind; das t)-zeichen muss der jüngeren Hand 
lästig oder schwer lesbar gewesen sein; ein System ist jedoch 
nicht befolgt, denn alle übrigen e (dh. ö) sind unverändert 
geblieben) ; 1^ ändert sie nögle zu nögell ; 4^ j beseitigt sie eine 
Dittographie ; 113,4 schiebt sie je ein Wort ein, was sie auch 



k 



EINLEITUNG VII 

®i6> ^^i5> ^% beabsichtigt zu haben scheint; endlich stammt 
das Marginale 2^^ von ihr. Aus den Schriftzügen des Margi- 
nales und der Einschübe entnimmt man das Recht von einer 
jüngeren Hand zu reden ; an der hiebei verwendeten gelblichen 
Tinte erkennt man auch mit Sicherheit jene anderen unindivi- 
duellen Zusätze^ Änderungen etc. als der jung. Hand zugehörig. 
Schwierigkeiten macht die Zuweisung der Zusätze 13^^, ^ö^^, 
27,4, 2®i ^^^ ^^^ Änderung von ü zu e S^, : die Schriftztige 
stimmen zu der jüngeren Hand, die Tinte ^st jedoch eine andere, 
von jener der Hdschr. kaum zu unterscheiden; diese Gruppe 
nenne ich H' (H^ = jüngere Hand.) Da indes die Änderung 
u : e unmögUch vom urspr. Schreiber kann vorgenommen worden 
sein, da femer die Zusätze H^ in der Abschrift K sich nicht 
finden, kann nur an eine fremde Hand zu denken sein. Ob 
diese dieselbe ist wie H^ — die Schriftzüge sprechen dafür 
— oder diese Änderungen von einem anderen Individuum her- 
rühren, lässt sich nicht entscheiden, ebensowenig, ob die Ein- 
tragungen von H^ jenen von H* vorangehen oder folgen; 
die Abschrift kennt weder H^ noch H"* (s. s. IX)*; die ver- 
schiedene Tinte beweist, dass sie nicht gleichzeitig erfolgt sind. 
II. Die Kopenhagener Papierhandschrift Bibl. Univ. 
ßaun. Add. 107. fol. enthält auf 7 Blättern (1 eingelegt -j- 
eine Lage von 6 Bl.) die Hvenische Chronik von einer Hand 
aus dem Schlüsse des 17. Jhds. Nach dieser Handschrift ist 
die Hv. Chr. bei Grundtvig a. a. o. buchstabengetreu (jedoch 
unter Durchführung der DgF I s. VI f. auseinandergesetzten 
Normalisierungsprincipien) abgedruckt.**) 

Das Verhältnis beider Handschriften zu ein- 
ander hat schon Grundtvig erkannt : K ist eine Abschrift von 

*) Daraus ergibt sich auch die verhältnismässig späte Eintragungs- 
y.eit der beiden Gh-uppen. 

♦•) An Fehlern des Abdruckes habe ich nur bemerkt, dass 27 g, var. 
9 in der Hs. hmiched steht (Gr. hmlchen), und Gr. bei fm 24» versäumt 
hat zu bemerken, dass es über der Zeile (von derselben Hand) nachgetragen 
ist; Kleinigkeiten, wie dass ich hie und da livelchenj et u. ä. zu lesen 
glaube, wo Gr. hvilchenj \Jt usw. liest, tibergehe ich. 



VTTT JIRIOZEK 

8. Hiefür haben wir, worauf bereits Gr. (DgF III 770 a 
Anm.) hinweist, einen graphischen Beweis : für mukenede 28g 
hat K mufacedet] das ist eine Conjectur von K, veranlasst da- 
durch dass der Langstrich des p in paa 28^ tief herabgezogen 
ist und zwischen mu und k .,. . durchgeht, sodass mufk . . . 
zu stehen scheint; das war natürlich unverständlich und gab 
Anlass zu der Conjectur. Diesem graphischen Beweis kann 
noch ein zweiter hinzugefügt werden: die Zeile 5^^ fehlt voll- 
ständig in K, da 5^, ebenfalls mit fkuUe beginnt ; diese Aus- 
lassung setzt S als Vorlage för K voraus. Endlich können 
in diesem Zusammenhange auch jene Fehler von K in Betracht 
kommen, die auf falscher Lesung von einzelnen Buchstaben be- 
ruhen : das t erscheint in S oft nur als kurzer Strich, der leicht 
verkannt werden kann, namentlich tt ist oft von n kaiun zu 
unterscheiden: daraus erklären sich die falschen Lesarten fin 
für ßtt 18g, nogen f. nogett 19^8' AniZcA^n f. huückett 21,g u. ö ; 
umgekehrt kann daher ein anderer Buchstabe auch als t auf- 
gefasst werden; so erklärt sich die merkwürdige Form CcAhei- 
denborg für Carheideburg (heute Karheja ausgesprochen), das 
sinnlose Effter 16^ für offrer u. dergl. m. — Die Abschrift 
K muss eine höchst schleuderhafte genannt werden ; ganz ab- 
gesehen davon, dass der Schreiber sich nicht streng an die 
Vorlage hält, sondern Wortformen und Constructionen variirt 
bzw. modernisiert^ lässt er sich die gröbsten Versehen und 
Auslassungen zu Schulden kommen, durch die ganze Sätze 
sinnlos werden: man vrgl. 1 var. ^g, 3 var. g, 5 var. ^,, 10 
var. ai,gg, 12 var. i^, j„ 22 var. ,g, 27 var. ^o, 27 var. ^^—^^ 
u. a. m. Diese Schleuderhaftigkeit schliesst natürlich nicht 
aus, dass hie und da Zusätze gemacht und Besserungen ver- 
sucht worden sind: vrgl. 5 var j, 9 var. g, 15 var. j,, 23 var. ^^ 
u. a. m.; mitunter mögen diese Verbesserungen das Bichtige 
treffen, kritischen Wert haben sie jedoch natürlich nicht. — 
Die Abschrift K wurde von S genommen, als darin H^ 
und H* noch fehlten. Betrachtet man nämlich die in Frage 
kommenden Fälle von H^, so stimmt K allerdings zu 1^ 
nögdl (H^ ; nögle H*) und hat 4ii die Dittographie huücken 



EINLEITUNG IX 

(das erste von H^ durchstrichen) vermieden. Aber K hat 
überhaupt überall ndgel für nögU (S), und vermeidet auch 
16^2 und 19,^ die Dittographie von S, ohne durch eine 
Streichung veranlasst zu sein. Dagegen fehlt der Einschub 
von H^ 11^ in K und jener 11, ist wol von K selbstständig 
vorgenommen worden, wie die umgekehrte Wortstellung wahr- 
scheinlich macht; K ergänsst auch ohne Vorgang mitunter 
unentbehrliche "Wörter (3. oben). Was H^ betrififfc, so stimmt 
K 27,^ und 28j^ zu H^, aber diese Fälle beweisen nichts, da 
K diese unentbehrlichen Zusätze selbstständig gethan haben 
kann, speciell zu 28^ vrgl. 23^, wo K selbstständig das Gten. 
8 hinzugefügt hat; dagegen fehlt in E der Zusatz 25,^, und 
13^^, wo der Mangel eines Poss.-Pron. besonders fühlbar ist, 
hat E tooTj H' Hn: ein klarer Beweis, dass E H^ noch 
nicht vorfand. 



Ueber die bei vorliegender Ausgabe befolgten Grund- 
sätze ist folgendes zu bemerken. Die Blattzahlen von S und 
E stehen am 1. bzw. r. Bande. Der Text von S ist in diplo- 
matischem Abdruck wiedergegeben, so genau, als es die typo- 
graphischen Mittel zuliessen. Da die Zeilenlänge der Hdschr. 
sich in das Format des Buches einfugte, ist sie beibehalten 
worden; der Nachteil der unschönen Unregelmässigkeit wird 
durch das Yermeidlichwerden der ebenso unschönen und weit 
störenderen Zeilenstriche aufgewogen. Die Interpunction der 
Hdschr., die mitimter recht wichtig ist (vrgl. 28^^, und var. 16), 
ist beibehalten worden ; bei der Leichtigkeit des Textes ist an 
Stellen, wo sie minder richtig ist, ein Missverständnis nicht zu 
befürchten; nur wo besondere Qründe dafür sprachen, ist vom 
Herausgeber eine Interpunction ergänzt worden, worüber die 
Anmerkungen Bechenschaft geben. Ebenso ist mit der Hdschr. 
der Unterschied von Majuskeln und Minuskeln, f und s, J und I 
festgehalten. Componierte Wörter, die in der Hdschr. getrennt 
geschrieben sind, werden in dem Abdruck ebenso beibehalten *) ; 
das Gegenteil, dass zwei Wörter zusammengeschrieben sind, 

^) Daher ist 10 1, kein Silbentrennungsstrich hinter Huor ergänzt. 



X JIRICZEK 

kommt nur 23^^ vor, wo das Conglomerat der Yerständlichkeit 
halber aufgelöst und in den Anmerkungen darüber Bechenschaft 
gegeben ist. Mitunter kann es zweifelhaft sein, ob das Spatium 
in 6inem Worte zufallig oder beabsichtigt ist; der Abdruck 
befolgt das Princip, in solchen Fällen das Spatium zu belassen, 
wenn die Trennung zwei Compositionsteilen entspricht. — Fehler 
der Hdschr. sind in den Anmerkungen als solche bezeichnet*) 
und verbessert; nur fehlende Punkte über i (j) und Striche 
über ö **) sowie ähnl. Kleinigkeiten sind in dem Texte ergänzt 
worden (doch unter ausdrücklicher Angabe in den Anm.). — 
Vollständig kann kein Abdruck die Handschrift ersetzen: so 
mussten aus typographischen Rücksichten der Bogen über u 
und die zwei Punkte über 7/ (das Fehlen derselben in der Hs. 
verzeichnen die Anm.), sowie Querstriche über Zahlen wegfallen; 
ebensowenig Hessen sich die Ligaturen von fk, fl, ft u. s. w. 
wiedergeben. Die grösste Veränderung liegt in der Anwendung 
lateinischer Buchstaben für die „gotischen" („deutschen") der 
Handschrift. Alle Eigenheiten der Hdschr., Correcturen, Rasuren 
usw. finden sich in den Anmerkungen verzeichnet; diese werden 
im Verein mit dem Texte, auf dessen Correctur ich die grösste 
Sorgfalt verwendet habe, und in den kein Strich eingetragen 
ist, ohne dass darüber in den Anmerkungen Rechenschaft 
gegeben wäre, die Handschrift hoffentlich so weit reproducieren, 
als es mit den gegebenen Mitteln erreichbar war***). 

*) Nicht geschehen ist dies bei rein orthographischen Fehlern, 
da sich hier eine Grenze schwer ziehen lässt; so könnte man thyrannnj 
267 W0I sicher als Fehler betrachten, zweifelhafter sind schon die zwei ii 
huückiitt 22 1, u. ö., und gar Fehler wie a für aa sind in den altdän. 
Hdschr. und Drucken so häufig, dass man hierin fast eine vom Usus 
sanctionierte Rechtschreibung zu sehen hat. Über auffällige Schreibungen, 
die teils als individuelle, teils als dialectische Eigenheiten des Schreibers 
zu betrachten sind, geben die Anmerk. Auskunft : \Tgl. zu 22» 4,, 4^ ^ u. ö. 

^) Bezeichnet 0; so schreiben die Dänen noch heute ihr 
Druck-0 (ö) ; da sich typographisch die genaue Wiedergabe erreichen liess, 
zog ich vor das Zeichen 6 zu behalten, damit der (allerdings rein äusserliche) 
Unterschied, den die Hdschr. zw. 6 und macht, nicht verwischt würde. 

*•*) Um Zweifeln, die bei Abweichungen der von Grundtvig DofF 
III 769 f. mitgeteilten Lesarten von vorliegender Ausga)>e entstehen 



EINLEITUNG XI 

Da bisher die Hvenische Chronik nur in dem Text K 
bekannt war, glaubte ich die Varianten von K vollständig 
mitteilen zu sollen; denn da alle Untersuchungen über die 
Chronik sich auf den Text K gründen, muss es in den Wünschen 
jedes Forschers auf diesem Gebiete liegen, sich bei jedem Citate 
überzeugen zu können, ob und inwieweit der vorliegende Text 
eine Änderung bringt, ohne selbst die Mühe der CoUationirung 
zu haben. Die Grundsätze, die mich bei der Mitteilung der 
Varianten geleitet haben, sind folgende. Rein orthographische 
Varianten sind nicht aufgenommen, ausser bei den Eigennamen, 
da diese bei den Untersuchungen nach der Quelle der Chronik 
ein wichtiges Material gebildet haben (die rein graphischen 
Varianten zwischen f und s, k und c, J und I sind nicht 
berücksichtigt).*) Ebensowenig sind Varianten von gleich- 
berechtigten Wortformen mitgeteilt, wie Var. zwischen Juim und 
h armem, dem und dennem, n^gle und n^gel (dass 1 var. ^^ n^gel 
mitgeteilt ist, erklärt sich aus dem besonderen Verhältnis 
der Stelle s. Anm. zu Zeile 6), zwischen zwei- und drei- 
silbigen schwachen Prseteritis z. B. bereite und berettedey talte 
und taUde u. s. w. ; hingegen sind alle syntactischen Varianten 
(auch wo der Sprachgebrauch im Dänischen keinen Unterschied 
macht, wie z. B. in der Anwendung der Singularform des 
Verbums für den Plural u. ähnl.) mit aufgenommen. Ab- 
weichungen der Interpunktion, worunter ich auch die Anwendung 



könnten, vorzubeogen, bemerke ich, dass alle Abweichungen a. a. o. ent- 
weder Normalisierungen oder Fehler sind : ausdrücklich sei hervorgehoben , 
dass folgende Angaben Grrundtvigs falsch sind: 16,2 Hs. der der xnde 
(Gr. der inde), 15, ^ offuir (Gr. offuer\ 18 1, dyd (Gr. d^d, besonders 
hervorgehoben), 18, j Mandedige (Gr. mandelige)^ 25 5 hungret (Gr. 
hungrät), 26g Harffe (Gr. ttraffe), 283 mukenede (Gr. muckenede)^ 
28, , Huücken (Gr. huückenn), 28,, Huenn vrgl. d. Anm. (Gr. Hueenn), 
— Die Richtigkeit meiner Lesung wurde mir durch eine GoUationierung 
der betr. Stellen in Stockholm, welche Hr. Graf C. Snoilsky auf meine 
Bitte gütigst vornehmen liess, bestätigt; als ich auf jene Abweichungen auf- 
merksam wurde, war nämlich die Handschrift nicht mehr in meinen Händen. 

•) Des Principes halber sei hier nachgetragen, dass 7g K Siger- 
rteen hat (Sigerfteenn S). 



XII JIRIOZEK 

von Klammem rechne, sind nicht aufgenommen, ausser wo sie 
eine Sinnesabweichung yerursachen. — Die Varianten sind in 
der Schreibung der Handschrift mitgeteilt. — 

Auf eines möge noch hingewiesen werden: nicht selten 
steht in K hvilche für hvächen und hvilched; die grosse Häufigkeit 
der Fälle lässt nicht zu, an Schreibfehler zu denken, trotzdem 
hväche in keinem dän. Wörterbuch belegt ist; wir haben es 
wol mit einer Schreibereigenheit zu thun, welche die nach- 
lässige Aussprache wiedergiebt (ähnlich wie die Schreibungen 
befyndeligfied u. a* in S, s. 4,0 Anm.); oder sollte an eine 
Erweiterung der in Ealkars Ordbog til d. seldre danske sprog 
angeführten Form hvük zu denken sein? In S kommt nur 13^, 
Huilcke für hmUcet vor (was bei seiner Singularität in S auch 
als Schreibfehler betrachtet werden könnte). Mag nun in K 
hvüke eine grammatisch berechtigte Form oder eine Schreiber- 
eigenheit sein, so wird es doch mit den Normalformen 
ganz promiscue gebraucht, und ist deshalb nicht unter die 
Varianten aufgenommen ; die betr. Stellen sind bei Grundtvig, 
der den mangelnden Endbuchstaben in Klammer beifügt, leicht 
zu ersehen. 

Schliesslich mögen hier einige Bemerkungen zum Texte 
folgen, deren Platz in den Anmerkungen gewesen wäre, wenn 
nicht die Bücksicht auf den Baum dem widerstanden hätte. 

4g omfeer: über diese form hat mich Hr. Pastor O. 
Kaikar durch gütige Mitteilung folgender Stellen aufgeklärt : 
'Die Form omfeer habe ich nicht, doch häufig omsejr: 
Tavsen 247 hand omseyr betog hinde den dieffU wiisdom ; eben- 
daselbst 97 ; Tavsen Post, sommerd. 15 de mue omseyr leere 
att kende hanom; Tidemand Hier. For8t0r. b 3v am seyer 
want han slottet; Tavsen Post, vinterd. 178v omseyr tradze 
icke alleneste den f^l^se verden. Ebenso omsier: Tavsen 123 
omsier vogne op i lieluede; P. LoUe nr. 621 then stheen wordher 
omsycer wodh, som hver mand spytther vppa; Bauch 359 omsier 
han trygle loerer; Colding Etym. 1366 tum demum^ daa omsiet,^ 

4j thül ftregs : man könnte versucht sein, dies auf str0g 
zu beziehen; vrgl. Vidensk. Ssk. D. Ordbog s. v. str0g: naar 



EINLEITUNG XIII 

du kommer paa atr^get = paa den Kant^ hvor jeg boer. Doch 
wage ich nicht diese Yermatiing aufrecht zu halten, da sich 
Hr. P. O. Kaikar in anderem Sinne (brieflich) ausspricht: 
'Mir scheint es kaum zweifelhaft, dass stregs an der betr. 
Stelle === strig (streg) i. e. slag; vrgl. Yedel (Saxo) 33 hm 
det f^sU strig oe dag skulde gi^e; Hvitf. IX bb 4 haade 
adelen^ borgere oc bandet finge hugg oe strig äff guds 8u0be oc 
rije; D. Saml. 3. R. VI 344 gjorde han et streg med vcarget; 
Psalmedigtn. I 329 a hans Kindbeen er sat i lafve, der hand 
optog mangen streg; Terkelsen Hustr. 76 der med htm sin mand 
en strege gtfoer fiux ..... oc med det samme slag da hugger hun 
hans hofved fra kroppen. Es läge somit nahe das Wort von 
Elampf (Wettkampf?) zu nehmen ; indes sehe ich, dass Sanders 
Wb (unter Streich 2e) hat: y^mit einem gut zu Streiche 
kommen «» gat auskommen'S was hier wol passen könnte.' — 

11^^ Att handt offuerf6re fkuUe: K fägt hinter handt 
hannem zu; eine scheinbar sehr richtige Ergänzung; ich bin 
indes gegen die Besserungen von K ziemlich skeptisch imd 
kann hier nicht die Vermutung unterdrücken, dass S doch das 
Richtige hat: handt als Accusativ kommt nicht nur im Alt- 
dän. Yor (s. Elalkar s. v.), sondern lebt auch noch heute 
vrgL Ej-istiansens Ordbog over gadesproget s. v. Der Mangel 
des Subjectes würde sich sehr leicht durch enge Übersetzung 
aus einem lat. ut se trajiciat o. ä. erklären. Man wird über* 
haupt bei Fehlern von S sich immer fragen müssen, ob ein 
in der schriftlichen Tradition entstandener oder ein Über« 
setzungsfehler des Originals anzunehmen ist; vrgl. zu 18^,, 2320« 

13, Suebugenn =» Schwibbogen; da das Wort in den mir 
bekannten dän. Wb. nicht vorkommt, mögen hier einige Stellen 
folgen, die ich wiederum freundlicher Mitteilung des Hm. 
Ealkar verdanke: *Vocab. 1514 /omw?, süei/büe; Colding 
Etymol. 77 süibtoe; K0benhavns Dipl. I 468 lade mure enn 
kwellmng oc stoegbuge offner samme lille strede (1575); D. Saml. 
V 170 om wij toille haffue kircken formalitt vnder huelffningen 
och vnder süebogne (1587).' 



XIV JIBICZEK 

Die Angabe der Nachschrift, der dänische Text sei aus 
dem Lateinischen übersetzt, ist nicht zu bezweifeln; P. E. 
Müllers Zweifel gegen die Yerlässlichkeit der Nachschrift sind 
von Grundtvig schon längst widerlegt worden. Die Steifheit 
des Ausdruckes verrät die Übersetzung auf den ersten Blick ; 
weniger beweisen einzelne Latinismen, die jedem Gelehrten der 
damaligen Zeit auch im Dänischen unterlaufen konnten. Eine 
Bestätigung der Yerlässlichkeit der Nachschrift ergibt sich aus 
den von ihr angeführten chronologischen Daten: sie nennt 
J. Jacobsen als lebend und Professor in Kopenhagen, und 
sagt von seinem Vater, er sei lange Jahre Pfarrer in Lands- 
krona gewesen, spricht also von ihm als Verstorbenem. Das 
ist für das Datierungsjahr 1603 vollkommen zutreffend : Jon*) 
Jacobsen Venusinus wurde 1600 Universitätsprofessor in 
Kopenhagen und starb 1608. Sein Vater Jacob Jonson 
war Pastor auf Hven, dann 1563—1600 (f) in Landskrona.**) 
(Vrgl. H. Fr. R0rdam, Kirkehist. saml. III. rsekke, I. bind 
s. 241 — 310 „Jon Jacobsen Venusinus"; Cawallin, Lunds 
Stifts herdaminne III 269). — Während man auf Grund des 
Textes von K nur wusste, dass J. Jacobsen Venusinus der 
Besitzer der lat. Hv. Chr. gewesen sein soll, besagt der Text 
von S, dass er der Schreiber (also Aufzeichner) des lateinischen 
Originales sein soll. Ich halte diese Nachricht für einen 
sicheren Fingerzeig. Soweit unsere Kenntnis reicht, kann 
niemand als lateinischer Aufzeichner einer Hvenischen Sage 
in Betracht kommen, als der Pastor der Insel Jacob Jensen 
und sein auf Hven geborener Sohn, der Theolog und Historiker 
Jon Jacobsen. Ob der Übersetzer bezw. dessen Gewährsmänner 
mit Recht die Hand des Sohnes in dem Original erkannten^ 
oder etwa die Handschrift die des Vaters war, lässt sich nicht 
ausmachen; in dem Ausdruck ett gamble mukenede oc roffne 
papir liegt nichts, was die Autorschaft des Sohnes zweifelhaft 
machen könnte; schon vor 1691 hat Vedel das Manuscript 

*) Dies der richtige Name: Jens (in K) ist ein weitverbreiteter 
Irrtum s. Rerdam a. a. o. 242. 

**) K nennt ihn auch Proviat, was er in der That auch war. 



EINLEITUNG XV 

gekannt (der Ausdruck : den Buenfke Chr0nicke geht notwendig 
auf ein Schriftstück, nicht auf mündliche Tradition) und da 
J. Jacobsen vor 1559 geboren ist, kann die Aufzeichnung 
schon bedeutend früher erfolgt sein. Das Schriftstück mag 
in Landscrona gelegen und dann nach Noseby gekommen 
sein; dort wurde es 1603 übersetzt; der reichen Kenntnis H. 
Fr. B.0rdam8 in der kirchlichen Personalhistorie Dänemarks 
ist es gelungen mit grosser Wahrscheinliclikeit den Mester 
Niels Michelsen Aalborg (seit 1600 Pfarrer in Noseby), der 
mehrfach als Übersetzer ähnlicher Werke thätig war, als den 
Übersetzer der Hv. Chr. ausfindig zu machen. (S. Ny kirke- 
hist. Saml. VI 588 — 603.) Dass S nicht das Original seiner 
Übersetzung, sondern eine Abschrift ist, wurde schon bemerkt. 



In den Anhang habe ich Vedels Einleitung zu den 
drei Idedem von Grimilds Rache nach dem Vorgange Grundt- 
vigs aufgenommen, da die Stelle als Quellenzeugnis, das über 
den erhaltenen Text herausreicht, von grösster Wichtigkeit ist ; 
der Originaldruck ist genau (auch in der Zeilenbreite) wieder- 
gegeben; auch das lateinische Epigramm, das Qr. nicht ab- 
druckt, ist mit aufgenommen. — Vedels Erzählung geht oflFen- 
bar auf das lat. geschr. Original zurück; die Abweichungen 
von dem uns erhaltenen Text 30^ (it Hörn), 30, (giorde hun 
Pact met hannem) 30^^ (fick der fit Banefaar) und 30^ ^ 

(Grimilds fomtycke, paa det etc.) erklären sich aus 

ungenauer Wiedergabe des Gelesenen, bei der das Streben 
nach besserer Begründung und Erklärung der verworrenen 
Erzählung seine Rolle gespielt haben mag. — Woher Vedel 
den Namen Niding hat, ist unbekannt. Eine Contamination 
aus Kenntnis der Wielandssage ist umso wahrscheinlicher, als 
der Name von Nidings Gattin, Bodild (in den Liedern bei 
Vedel = Dg F I j^), ebendarauf hinweist. 

Die Stelle aus Stephanius hat keinen selbstständigen 
Wert, da sie (mit willkürlichen Abweichungen bzw. Ausmalungen 
32ij, 32,^ [paulo antea] ganz aus Vedel geschöpft ist; ich 
habe sie nur mitgeteilt, da das Original schwer zugänglich 



XVI JIRICZEK 

ist, und bei blosser Besprechung vielleicht doch hie und da 
der Wunsch, die Stelle nachzusehen, hätte aufkommen können. 
Grundtvig meint, in der Bezeichnung HvenUds als gigantisMa 
liege ein Anklang an die von Sjöborg mitgeteilte Sage [B]; 
das scheint mir doch sehr zweifelhaft : der Begriff giga» liegt 
schon im dän. kcempe und schon Yedel spricht im Epigramm 
von giganteis mris. Den Namen B etil da hat Stephanius 
aus den Grimildliedern bei Yedel, wo ja die Mutter Hagens 
Bodild gen&nnt wird. 

Endlich habe ich im Anhang die Hvenischen Volks- 
Überlieferungen gesammelt: A— C stammen aus Sjöborg,*) 
D— G habe ich im Januar 1893 bei einem Aufenthalte auf 
Hven aus der mündlichen Überlieferung geschöpft. Dass ich 
diese mir schwedisch (skänisch) erzählten Sagen deutsch 
bringe, erklärt sich daraus, dass ich mir im Augenblicke der 
Erzählung nur Notizen machen konnte ; die spätere B,edaction 
aus dem Gedächtnis war mir nur deutsch möglich. In diesem 
Zusammenhange möge erwähnt sein, dass ich von den vier 
„Schlössern^ und „Grimilds Grab^ keine spur mehr gesehen 
habe, der Pflug und Ziegelbrennereien haben die letzten 
Spuren verlöscht. Dass ehemals Beste, wahrcheinlich von Ver- 
teidigungswerken, existiert haben, bezeugen Yedel aus dem 
16., Sjöborg aus dem Beginn des 19. Jhd.; noch meine Gewährs- 
männer, alte Bauern, bestätigten mir, in ihrer Jugend Beste von 
Wällen gesehen zu haben. Zu dem Zeugnis Yedels stellt sich 
nach das ungefähr gleichzeitige Tycho Brahes, der „auf seiner 
Karte von Hven in epistoke astronomiccB und in AstronomicB 
restauratce mechanica vier Punkte verzeichnet, die er als 
Spuren von vier Burgen, die ehedem auf der Insel gewesen, 
bezeichnet^ (Heiberg in der unten cit. Schrift s. 188). 



*) Grundtvig teilt AB mit, C aber nicht; die stelle in ,,Sam- 
lingar etc.** muss ihm offenbar unbekannt gewesen sein, sonst hätte er 
nicht in Stück B Z. 8 v. u. hon für han vermuten können. 



EINLEITUNG XVII 

Schliesslich möge hier ein Verzeichnis der wenigen 

Schriften folgen, die sich mit der Insel Hven beschäftigen. 

Für die Sagengeschichte bringen sie ausser Sjöborg nichts bei. 

G. J. ßillberg, Dissertatio historica de insula Huen. 
Liind I 1793 II 1795 (mit einer Karte)*) 

NH Sjöborg, Forsök tili en nomenklatur för nordiska 
fornlemningar (1815) s. 81 If. 

Derselbe Samlingar för Nordens foniälskare (1830) III. 
71 — 85 (mit einer Karte) 

J. L. Heiberg, Hven tilforn Danmarks Observatorium m 
Urania 1846 (s. 55 — 170) (mit zalreichen An- 
sichten von Hv^n); auch abgedruckt in seinen 
Pros. Skr. IX 147—274. 

Olof Gustaf 8 son Beskrifning öfver ön Hwen m Mal- 
möhusläns kgl. Hushälls Sällskaps Handlingar XXI 
(1850) s. 90—115.*) 

*) Die Kentnis dieser Abhandlung verdanke ich dem Volksschal- 
lehrer auf Hven, Hrn. Rosenqviet. 



XVI JIRIOZEK 

ist, und bei blosser Besprechung yielleicht doch hie und da 
der Wunsch, die Stelle nachzusehen, hätte aufkommen können. 
Qnindtyig meint, in der Bezeichnung HvenUds als gigantissa 
liege ein Anklang an die von Sjöborg mitgeteilte Sage [B]; 
das scheint mir doch sehr zweifelhaft : der Begriff gigas liegt 
schon im dän. kcempe und schon Yedel spricht im Epigramm 
von giganteis mris. Den Namen Botilda hat Stephanius 
aus den Grimildliedern bei Yedel, wo ja die Mutter Hagens 
Bodild gen&nnt wird. 

Endlich habe ich im Anhang die Hvenischen Yolks- 
überlieferungen gesammelt: A— C stammen aus Sjöborg, "*") 
D— Q habe ich im Januar 1893 bei einem Aufenthalte auf 
Hven aus der mündlichen Überlieferung geschöpft. Dass ich 
diese mir schwedisch (skänisch) erzählten Sagen deutsch 
bringe, erklärt sich daraus, dass ich mir im Augenblicke der 
Erzählung nur Notizen machen konnte; die spätere Bedaction 
aus dem Gedächtnis war mir nur deutsch möglich. In diesem 
Zusammenhange möge erwähnt sein, dass ich von den vier 
„Schlössern^ und „Grimüds Grab^ keine spur mehr gesehen 
habe, der Pflug und Ziegelbrennereien haben die letzten 
Spuren verlöscht. Dass ehemals Reste, wahrcheinlich von Yer- 
teidigungswerken, existiert haben, bezeugen Yedel aus dem 
16., Sjöborg aus dem Beginn des 19. Jhd.; noch meine Gewährs- 
männer, alte Bauern, bestätigten mir, in ihrer Jugend Beste von 
Wällen gesehen zu haben. Zu dem Zeugnis Yedels stellt sich 
nach das ungefthr gleichzeitige Tycho Brahes, der „auf seiner 
Karte von Hven in epistoke astronomicce und in AstronomicB 
restauratce mechanica vier Punkte verzeichnet, die er als 
Spuren von vier Burgen, die ehedem auf der Insel gewesen, 
bezeichnet^ (Heiberg in der unten cit. Schrift s. 188). 



*) Grund tvig teilt AB mit, C aber nicht; die stelle in „Sam- 
lingar etc.** muss ihm offenbar unbekannt gewesen sein, sonst hätte er 
nicht in Stück B Z. 8 v. u. hon für han vermuten können. 



EINLEITUNG XVII 

Schliesslich möge hier ein Verzeichnis der wenigen 

Schriften folgen, die sich mit der Insel Hven beschäftigen. 

"Für die Sagengeschichte bringen sie ausser Sjöborg nichts bei. 

G. J. Eillberg, Dissertatio historica de insula Huen. 
Liind I 1793 II 1795 (mit einer Karte)*) 

NH Sjöborg, Forsök tili en nomenklatur för nordiska 
fornlemningar (1815) s. 81 If. 

Derselbe Samlingar för Nordens fomälskare (1830) III. 
71 — 85 (mit einer Karte) 

J. L. Heiberg, Hven tilforn Danmarks Observatorium in 
Urania 1846 (s. 55 — 170) (mit zalreichen An- 
sichten von Hv^n); auch abgedruckt in seinen 
Pros. Skr. IX 147—274. 

Olof Gustafs son Beskrifning öfver ön Hwen in Mal- 
möhusläns kgl. Hushälls Sällskaps Handlingar XXI 
(1850) 8. 90—115.*) 

*) Die Kentnis dieser Abhandlung verdanke ich dem Volksschul- 
lehrer auf Hven, Hm. Rosenqviet. 







ACTA GERM 




Organ für deutsche Philologie 



lh'rau^ut*Lrr'b«Mi 



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Budolf Hciiiiiiig uiiii Julius Hoffory. 

Band III, Heft 1. 

Das Verbum reflexivum und die Superlative im 

Westnordischen. 

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Friedrich Specht« 



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Berlin, 

il a Vit Sc M üll <t 




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Die vorliegende Schrift bildet das erste Hef 
des dritten Bandes der ACTA GERMANICA, eines 
periodischen Organs für die deutsche Sprach- iinc 
Culturkunde. 

Die ACTA GERMANICA setzen sich die Auf 
gäbe, für die vielen werthvoUen Arbeiten, die wegei 
ihres Unifanges oder ihres Charact^rs in den vor 
haudenen gennanistischen Zeitschriften oder iip^^ir^-^" 
sehen Publication«?* ^ ! \". ... iiiueü v 
und als Einzelschi -r i«; «tr r vi.'ile'c\»t :^. *?■ 
hinreichende BeacLt.:^.. ■ •:...;xv.ii würden, einen neuer 
Sannnelpunkt zu bilden. 

Diesem Zwecke entsprechend sollen die ACTA 
GERMANICA nur grössere Abhandlungen aus den: 
(Jesannntgebiete der deutschen Philologie im weitester 
Sinne bringen. 

Die ACl^A GERMANICA erscheinen in Bänden 
von etwa HO Bogen zum Subscriptionspreise von 
M. 12. — . Jedes Heft bildet ein in sich abgeschlossenes 
Ganzes und wird auch einzeln mit besonderer Pagi- 
nirung zu einem erhöhten Preise abgegeben. 

Bestellungen auf die Band- und Heft -Ausgabe 
der ACTA GER^IANICA werden von jeder Buch- 
handlung, wie auch direct von der unterzeichneten 
Verlagsbuchhandlung entgegengenonunen. 

Berlin W. Mayer & Müller. 



ItHENEW YO n K 

PUBLIC LIBR AK Y 

200281 

ASTOR, LF.NGX --> 
TILDEN FOUNf ' r J'.S. 

R 19^0. :. 



ACTA GEKMAXICA 



Organ für deutsche Philologie 



herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und Jnlius Hoffory. 



Fr. Specht; Das Verbum reflexivum und die Superlative 

im Westnordischen, 




Berlin, 

Mayer & Müller. 
1891. 



DasVerbum reflexivum und die 
Superlative im Westnordischen. 



Ein Beitrag zur nordischen Grammatik 



von 



Friedrich Specht. 



--H-®^- 



Berlin. 

Mayer & Müller. 
1891. 



" ^. 



V'ü- 



thenewyorkI 
PUBLIC LIBRARYi 

200281 ! 



A8TOR, LENOX /NO 
TILDEN FOUNDATIONS. • 
R 19^0. L 



Jjie germanischen Sprachen haben bis auf wenige Trümmer 
das uralte indogermanische Mediopassiv verloren. In das 
Sonderleben der nordischen Sprachen hat sich heite *ich werde 
genannt, runisch hatte (Kragehul), hafi/te-ka (Lindholm), 
haiti'ka (Seel. bract,), got. *haita, ae. *häte (aber ae. hätt£ 
(hcgtte) = g. haitadoy EttmüUer, Lex. ags. 445. 447, Grein, 
Ablaut 37. = mndl. Iiette^ Franck, Et Wtb.) als einzige Spur 
hinübergerettet (Scherer, Z. G. D. SU97 «307; Sievers, P. B. 
B 6, 561 f; Joh. Schmidt, K. Z. 26, 43 f; Noreen, An. Gr. 
I p. 186; Fr. Burg, D. alt. nord. Runeninschriften p. 37; 
Kluge, Grundriss d. germ. Phil. I 383). Während die deut- 
schen und anglischen Dialekte diese Lücke durch Umschreibungen 
auszufüllen strebten, erwuchs den nordischen Sprachen ein sehr 
bequemes und schönes Ausdrucksmittel des mediopassiven Ver- 
hältnisses aus dem Anwachsen eines -7nk resp. -sk an die 
Activformen, in denen man Verkürzungen der persönUchen 
Fürwörter inik und sik sieht. Inschriftlich sind solche Formen 
seit dem 9. Jahrhundert bezeugt in BARPUSK (Aarhus) und 
KV^SK (kvask oder kvesk, cf. P. G. Thorsen, De danske rune- 
mindesmserker II103J auf dem Aars-runenstein u. a. In 
imseren ältesten Handschriften ist das Verbum reflexivum voU- 
.ständig eingebürgert und gern verwandt. Das frülizeitige Fest- 
werden dieser Endungen bestätigen Entlehnungen wie neueng- 
lisch biuk (Skeat, Etym. dict. 53) und ne busk (aus an. buask), 
das schon mittelenglisch (husche) vollständig wie ein ererbtes 
Verb conjugirt und dann, worauf mich Dr. J. Luther aufmerk- 
sam macht, von neuem mit dem Reflexipronomen versehen 
wird, zb. in John Barbour's The Bruce 1, 142: he huskyt 
hym; 9, 179 thai buskit thame. So nimmt es nicht wunder, 

1 



2 Specht 2 

dass -mA, -sk trotz des daneben vorliegenden mik, sik in 
unseren Handschriften als blosse Endungen gefühlt und als 
solche allmählich bis zur Unkenntlichkeit umgestaltet werden 
konnten, letzteres erscheint zb. als sk, zk, z, tz, zsk, zs, zt, 
Z8t, st und 8, — 

Die G'eschichte dieser Wandlungen an der Hand eingehen- 
der Stoffsammlung festzustellen, ist der Vorwurf der folgenden 
Untersuchung. 

Um späteren besonderen Erörterungen vorzubeugen, gebe 
ich nachstehend eine Übersicht über die von mir benutzten 
Handschriften in zeitlicher Folge. Ich beziehe mich dabei für 
die ersten fünfzehn isländischen und die ersten dreizehn nor- 
wegischen Handschriften auf J. Hoffory's Verzeichniss (Gr. G. 
A. 1884 p. 478 ff), für die späteren auf die Angaben der 
Herausgeber, auf 0. Brenner's Altnordisches Handbuch und 
den Arnamagnseanischen Catalog (Kopenhagen I 1888) mit 
Zuziehung von G. Vigfasson's Einleitung in seine Ausgabe der 
Sturlunga-saga (London 1879). 

I. Isländische Handschriften. 

1. Am. 237. fol. In den Leifar fomra kristinna froeÖa 
islenzkra p. 162 — 67 mit beibehaltenen Kürzungen von />. 
Bjamarson Elaupmannahöfn 1878 herausgegeben. Alter : etwa 
1160 bis 1176. 

2. Reykjaholts-mäldagi. 1885 zu Kopenhagen neu herausg. 
von dem Samfund til udgivelse af gammel nordisk litteratur. 
Teü I: 1179—1193. 

3. Cd. 1812, 4^ Gml. kgl. Sml. der kgl. BibUothek zu 
Kop. Der älteste Teil ist mit peinlicher Genauigkeit und 
cursivirten Kürzungen herausgegeben von L. Larsson: Aldsta 
delen af Cd. 1812, 4^ Gml. kgl. Sml. Kop. 1883. Aus der- 
selben Zeit wie Nrr. 1 u. 2. 

4. Am. 674, A, 4^ das älteste Bruchstück des isländi- 
schen Elucidarius. Ein photolithographischer Abdruck ist be- 
sorgt von der Kommission für das Amamagnseanische Legat 



3 ' Isländische Handschriften. 3 

Kop. 1869. Mit cursivirten Kürzungen gab es K. Gislason 
in den 'Annaler for nordisk oldkyndighed 1858 p. 51 flf. 
heraus. Citirt ist diese Ausgabe unter Eluc. Alter: erste 
Jahre des 13. Jahrhunderts. 

6. Cd. Holm. 15, 4 ^, St(ockholmer) H(omilienbuch), Mit 
cursivirten Kürzungen gab es Th. Wisßn 1872 zu Lund heraus 
als 'Isländska Homilier'. Vgl. dazu L. Larsson, Studier over 
den Stockholmska Homilieboken. I— II. Lund 1887; Th. 
Wis^Uy Textkritiska anmärkningar til den St. H. ; L. Larsson, 
Svar p& profässor WisSns Textkrit anm. til den St. H.', Lund 
1888; Wisßn, Mgra ord om den St. H. (Lund 1888), Arkiv 
for nordisk filologi IV. 193. Alter: erste Jahre des 13 
Jahrh. 

6. Am. 673 A, 4 ^, Jetzt neu herausg. von V. Dahlerup : 
Physiologus i to islandske bearbeidelser. Mit Facsimile. Aarb0ger 
for nordisk oldkyndighed 1889, 199 ff. Vorher zum Teil von Th. 
Möbius, Analecta*, p. 246 — 51, zum Teil von E. Kölbing, 
Ztschr. f. deutsch. Altert. 23, 258—61. Gleichen Alters mit 5. 

7. Am. 673, B, 4 ^, jetzt herausg. als Pläcittisdr&pa efter 
Hs. 673 B, 4 ^, etc. von F. Jonsson. Separatabdruck aus den 
'Opuscula philologica', udgivet af det phil. bist. samf. Kop. 
1887. — Gleichzeitig mit Nr. 6. 

8. Am. 113 A. u. B. fol. — Am. 113 B. ist mit bei- 
behaltenen Kürzungen und den abweichenden Lesarten aus 
Am. 113 A. abgedruckt in den Islendinga sögur I 362 — 383, 
Kop. 1843. Etwas jünger als Nr. 7. 

9. Am. 315 fol. litr. D. Mit cursivirten Kürzungen 
herausg. von V. Finsen, Grägä^ II 219—226, Kop. 1852. 
Nur wenige Jahre jünger als Eluc. u. St. H. 

10. Am. 677, 4*^, herausg. von p, Bjarnarson mit cursi- 
virten Kürzungen in den Leifar etc. Kop. 1878 pp. 1 — 16, 
19 — 150. Vgl. Dahlerups Eecension, Tidskrift for filologi, n. 
r. IV. 149—54. Wohl etwas jünger als Nr. 8 u. 9. 

11. Am. 921, unedirt. 

12. Am. 645, 4®. Der ältere Teil ist vortrefflich herausg. 
von L. Larsson : Isländska handskriften nr. 645,4^ i den Amam. 



4 Specht 4 

sml. pä universitetsbiblioteket i Kop. i diplomatariskt aftryck, 
I. Lund 1885. Gleichzeitig mit Am. 677, 4«. 

Von dem etwas jüngeren Teil II hat mir Herr Dr. L. Larsson 
in liebenswürdiger Bereitwilligkeit eine eigenhändige Ab- 
schrift überlassen, wofür ich ihm hier meinen besten Dank 
ausspreche. 

13. Am. 655, 4 ®, eine Sammlung verschiedener Fragmente 
geistlichen Inhaltes, von denen II— IV. XIV. XV. XIX. 
XXIIL aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts stammen. 
VI ist aus der Zeit des Elucidarius, XXIII gleichaltrig mit 
Am. 645, 4*^. II. Herausgegeben sind a) mit aufgelösten 
Kürzungen, wie alle üngerschen Ausgaben, von C. R. Unger 
in den H(eilagra) m(anna) s(ögur), Kristiania 1877 : Frg. III 
in Bd. II 41—46, Frg. IV in Bd. II 281—86, Frg. V in I 
363—68 II 280. 81, Frg. XV in I 278. 79; b) diplomatisch 
getreu sind von K. Gislason in den *Um fruraparta islenzkrar 
tüngu i fornöld' (Kop. 1846) herausgegeben Frg. I p. LXVII — 
LXIX, von Frg. II eine Probe p. LXIX f., Frg. XXIII, 
soweit isländisch, p. LXXXII f. Die übrigen Fragmente sind 
teils unedirt, teils kommen sie hier nicht in betracht. 

14. Am. 686 B. u. C. — B. ist mit beibehaltenen Kürzungen 
herausg. von ]\ Bjarnarson, Leifar 167—68, 175—79; 
Am. 686 C. diplomatisch getreu von Gislason, Frumpartiir 
C — C III. üngefälir gleichzeitig mit Am. 645, 4*^, II. 

15. Am. 623, 4^, herausg. von C. R. Unger, H. m. s II 
9—14, 211—19, 236—40; I 23—27. 256—64. 265—69 und 
P(ostola) s(ögur) Kristiania 1874 p. 455—65. Alter : ca. 1230. 

16. Nr. 137 fol. Kgl. Sml., herausg. von V. Finsen unter 
dem Titel ^Grägas, Islaendemes Lovbog i Fristatens Tid efter 
det kgl. BibUotheks Haandskrift' Kop. 1850. 52. Citirt unter 
Grg. Kaum viel jünger als Nr. 15. Vgl. indes K. Maurer, 
Germania 15, 1—17; Th. Möbius, Bibliographisches Ver- 
zeichniss, Leipzig 1880. 

17. Kgl. Sml. Nr. 1009 der kgl. Universitätsbibliothek 
zu Kopenhagen, herausg. von C. R. Unger Kristiania 186? 
unter dem Titel : Morkin8kinna,Pergamentsbog fra &rsteHalvd<^el 



5 Isländische Handschriften. 5 

af det trettende Aarhundrede. Vigfusson (a. a. 0. CCXII datirt : 
1260, der Herausgeber und Möbius, Anal ^ XVII u. a.: ziemlich 
zeitig in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. 

18. Pergamenthandschrift der grossen Olafsage herausg. 
Ton P. A. Munch & C. R. Unger als 'Saga Olafs konungs 
ens helga^, Kristiania 1853. Ausführlichere Saga von König 
Olaf dem Heiligen nach der ältesten vollständigen Pergament- 
handschrift in der grossen kgl. Bibliothek in Stockholm. 
Alter: 1. Hälfte des 13. Jahrh. 

19. Am. 291, 4 **. Danach ist von C. af Petersens herausg. : 
Jömsvfkinga saga efterAm. 291, 4^ i diplomatariskt aftryck. 
Citirt unter Jömsv.*) Alter: 2. Hälfte des 13. Jahrh. 

20. Am. 334 foL, StaÖ'arholsbök. Von V. Finsen herausg. 
als Grägas efter Am 334 fol., Kop. 1879. Citirt unter Gr&g. 
Alter: ca. 1260—1280. 

Für die folgenden Hss., soweit sie die Gr&g&s betreffen, 
folge ich den Angaben in 'Grägäs, Stykker som findes i det 
A. M. Haandskrift Nr. 351 fol., Skälholtsbök og en Raekke 
andre Haandskrifter' Kop. 1883, p. XXXVI ff. Dieselben 
sind mit kursivirten Kürzungen herausgegeben. Citirt unter 
Skälh. 

21. Am. 279a, 4®, ))ingeyrab6k, herausg. Skälh. p. 379 ff., 
Facsimile V, Alter: ca. 1280. 

22. Skinnboken Nr. 7, 4 ^ der kgl. Bibliothek zu Stockholm. 
Danach hat G. Oederschiöld herausg. * Jömsvlkinga saga efter 
Skb. 7, 4®. . . .* in Lunds universitets ärskrift, XI 1874/75. 
Citirt unter Jomsv. Vgl. auch R. C. Boer, 9^^^ " ^ddssaga 
Leiden 1888. — Alter: Anfang des 14. Jahrh. 

23. Am. 675, 4 ^ ein Fragment des isländischen Elucidarius. 
Abgedruckt mit beibehaltenen Kürzungen von K. Gislason 
in den Annaler 1858 p. 99 ff. Citirt unter Eluc. II. Alter : 
ungefähr 1300. 

24. Am 132 fol. Danach ist von H. Gering herausg.: 
Finnboga saga hins ramma. Halle 1879. Alter: ca. 1300^ 

25. Am. 315 fol., litr. A, Skälh. p. 447 ff. Alter: ca. 1320- 



6 Specht G 

26. Am. 346 fol., Staffarfellsbok. Skälh. p. 55 ff, Facs. V. 
Alter: ca. 1330. 

27. Am. 173 0, 4<>. Skälh. p. 275, Facs. VI. Alter: 
ca. 1340. 

28. Am. 344a, 4^, benutzt von C. R. Boer fiir die 
Qrvar-oddssaga, Leiden 1888. Alter: ca. 1350 bis 1400. 

29. Am. 675 B, 4^, älterer Teil, zu gründe gelegt in H. 
Gering Islendzk -ääventyri, Halle 1882. 83. Alter: ca. 1350. 

30. Am. 351 fol., Skälholtsbök. Skälh. p. 1 ff., Facs. VI. 
Alter: ca. 1360. 

31. Am. 226 fol., Sammelhandschrift. Nach ihr sind 
herausg. 1) von Unger: Stjöm, Kristiania 1848, 2) von G. 
))orldk88on: Györinga saga, en bearbeidelse fra midten af det 
13. ärh. ved Brandr Jonsson, Kop. 1881. Vgl. ferner 
K. Gislason, Frumpartar IX— XI. Alter: ca 1360—1370. 

32. 347 fol., Belgsdalsbok, Skalh. p. 93 ff., Facs. VI. 
Alter: ca. 1370. 

33. Nr. 1005, Gml. kgl. Sml. in der kgl. BibKothek zu 
Kopenhagen, Flateyjarbök. Mit aufgelösten Kürzungen in 
drei Bänden herausgegeben Elristiania 1860. 1862. 1868. Die 
älteren Teile: ca. 1370 bis 1380. 

34. Vatnshyrna oder Codex Resenianus, verbrannt 1728; 
vgl. Eyrbyggja saga, herausg. von G. Vigfusson, Leipzig 1864, 
p. XXni ff. Alter: ca. 1380. 

35. Am. 135, 4 ^ Amarbselisbök (Skdlh. p. 147 ff., Facs. VI). 
Alter: ca. 1380. 

36. Nr. 1008, Thomasskinna , Gml. Sml. der kgl. Bibl. 
zu Kopenhagen, zu gründe gelegt dem Teil II von 'Thomassaga 
erkibyscups*, herausg. von C. R. Unger, Kria. 1869. 

Die beiden ältesten Teile aus dem Schluss des 14. Jahrh. 

37. Am. 657, B, 4^ Teil C\ benutzt von H, Gering, 
Islendzk ^ventyri. Alter: ca. 1400. 

38. Am. 158 B, 4^ Skälh. p. 193 ff. Alter: ca. 1420. 

39. Am. 173 D, 4^ Skälh. p. 455 ff. Alter: ca. 1420. 

40. Am. 162 R fol., sieben lose Pergamentblätter, von 



7 Norwegische Handschriften. 7 

denen ein Blatt herausg. bei H. Gering, Finnbogasaga, XXI bis 
XXIV. Alter: 1. Hälfte des 15. Jahrh. 

41. Am. 238 foL, drei Bruchstücke (A, B, C) des isländischen 
ElncidariuS; diplomatisch getreu herausg. von El Gislason, 
Annaler 1858. CStirt unter Eine. HI. Alter: 1. Hälfte des 
16. Jahrh. 

42. Am. 604 A, 4 ^, der Universitätsbibliothek zu Kopen- 
bagen, zu gründe gelegt, mit Normalisirung, in den 'Biddara- 
rimur', efter handskriftema utgifha af Th. Wis^n. Kop. 
1881. Alter: Mitte des 16. Jahrh. 

43. Am. 136, 4^ Skinnastaffabök. Skälh. p. 463. Alter: 
ca. 1480. 

44. Am. 148, 4<>, Skälh. p. 369. Alter: ca. 1480? Amam. 
Cat. I 103 indes: Alter: 1651. 

46. Am. 471, 4^; zu gründe gelegt in *£j*ökarefssaga 
og Eürökarefsrlmur* von P. Pälsson. Kop. 1883. Vgl. J. 
SigurJsson, IsL sögur (1846) II p. XL VIII. — Alter: 2. 
Hälfte des 16. Jahrh. 

46. Am. 68, 8^ Skälh. 231 ff., Alter: ca. 1500? Nach 
dem Amam. Cat p. 36 aus dem 17. Jahrh. 

47. Am. 610, 4 *^, mitbenutzt in Gering Finnboga saga, 
zu gründe gelegt in C. af Petersens' Doctorschrift : J6ms- 
vikinga saga samt Jömsvikinga dräpa, Lund 1879. Alter: 
ca. 1500. 

48. Am. 551 c, 4 *^, zu gründe gelegt in K. K&lund's 
Ausgabe: Fljotsdoela hin meiri eller den Isengere Droplaugar 
sona-saga, Kop. 1883. Alter: ca. 1600—1630. 

49. Am. 181, 4 ^ Skälh. p. 291, datirt vom 29. Oct. 1685. 



n. Norwegische Handschriften. 

1. Am. 656, 4^ Frag. IX A. B. C, von C. R. Unger 
herausg. in den H. m. s. II 207—209, I 269—271 und 
P. s. 823—25. Alter: 12. Jahrh. 

2. Drei Pergamentblätter im Reichsarchiv zu Kristiania, 
mit kursivirten Kürzungen herausg. in 0. Brenner Speculum 



8 Specht 8 

regale, München 1881, pp. 6—15, 21—23, 24—27, 35—39. 
Citirt unter Fr. N. Alter: Anfang des 13. Jahi'h. 

3. Drei in Am. 315 foL enthaltene Fragmente des älteren 
Gulathingsgesetzes, herausg. von R. Keyser & P. A. Munch 
in ihrer Ausgabe *N(orge8) g(amle) l(ove)', I 111 — 115 sub 
Ca, Cb, Cc. Ungefähr gleichzeitig mit Nr. 2. 

4. Im Reichsarchiv zu B^ristiania aufgefundenes Fragment 
des älteren Gulathingsgesetzes (N. g. 1. II 495— 500). Gleich- 
zeitig mit Nr. 3. 

5. Ebenda aufgefundenes Fragment des älteren Ei^iva- 
things- oder Borgarthingsgesetzes ; cf. N. g. 1. 11 522—23. 
Gleichzeitig mit Nr. 4. 

6. Am. 619, 4*^, das norwegische Homilienbuch , als 
Gammel norsk Homiliebog mit aufgelösten Kürzungen von 
C. R. Unger Elria. 1864 herausgegeben. Alter: Anfang des 
13. Jahrh. 

7. Am. 243 B. fol. , unter dem Titel 'Speculum regale, 
München 1881, mit aufgelösten Kürzungen von 0. Brenner edirt. 
Etwas jünger als das Norw. Hom. 

8. Cod 235, g, 4 ^, Ny. kgl. Sml. der kgl. Bibl. zu Kopen- 
hagen, herausg. mit cursivirten Kürzungen in 0. Brenner's 
Spec. reg. p. 89 — 93. 

9. Od. 137, 4 ®, 'e donatione variorum', in der Universitäts- 
bibliothek zu Kopenhagen, Haupthandschrift des älteren Gu- 
lathingsgesetzes, cf. N. g. 1.13 — 110. Wohl gleichen Alters 
mit Spec. reg. 

10. In Am. 315 fol. enthaltenes Fragment des älteren 
Gulathingsgesetzes, cf. N. g. 1. I 115—118 sub D. Ungefähr 
gleichzeitig mit Nr. 9. 

11. Drei im norwegischen Reichsarchiv aufgefundene Frag- 
mente des älteren Frostathingsgesetzes, cf. N. g. 1. II 501 bis 
515, 520—21, 521. 22. Ungefähr gleichzeitig mit Nr. 10. 

12. Zwei in Am. 315 fol. enthaltene Fragmente des älteren 
Frostathingsgesetzes und ein ebendaselbst vorhandenes Fragment 
des Bjarkörechtes , cf. N. g. 1. I 121 flf. sub X, N. g. 1. I 
121 sub Y N. g. L, I 334—36. Gleichzeitig mit Nr. 11. 



9 Norwegische Handschriften. 9 

13. Cd. 8 fol. der Delagardeschen Manuskriptsammlung 
in der Universitätsbibliothek zu Upsala, die ^egendariscbe 
Olafsaga', herausg. von C. E. Ungar (Kria. 1849) unter dem 
Titel: Olafs saga hins helga. En kort Saga om Kong Olaf 
den Hellige fra anden Halvdeel af det tolfte Aarhundrede. 
Wohl aus der Mitte des 13. Jahrb. 

14. Cd. membr. Nr. 4 — 7 fol. derDelagardeschenManuskript- 
sammlung in der Upsaler Universitätsbibliothek. Blatt 17, 
2 — 43 dieses Cod. sind mit aufgelösten Kürzungen (Kria. 
1850) von R. Keyser & C. R. Unger herausg. unter dem 
Titel : Strengleikar e3"a LjöSrabök. Eine Sammlung romantischer 
Erzählungen nach bretonischen Volksgesängen (Lais). Ueber- 
setzt auf Veranstaltung von König Haakon Haakonssön aus 
dem Französischen ins Nordische um die Mitte des 13. Jahr- 
hunderts. 

15. Pergamentscodex Nr. 6 fol. in der kgl. schwedischen 
Reichsbibliothek, zu gründe gelegt in Keyser & Unger's Aus- 
gabe 'der Barlaams og Josaphats Saga Kristiania 1851. 
Alter: Mitte des 13. Jahrb. 

16. Me II, 2 in der kgl. Universitätsbibliothek zu Tübingen, 
iierausg. von E. Sievers als ^Tübinger bruchstücke der älteren 
Prostuthingslög', Tübingen 1886. Alter: ca. 1260—1270. 

17. Cd. Nr. 17, 4 ^, norwegisch-isländische Pergamenthand- 
schrift in der kgl. Bibl. zu Stockliolm, abgedruckt in ^Thomas 
saga erkibyskups', Teil I. (Ausgabe von C. R. Unger, Kria. 
1869). Alter: ca. 1300. 

18. En notitsbog paa voxtavler fra middelalderen ved 
H. J. Huitfeldt-Kaas, BWstiania 1886. Alter: ca. 1300. 

19. Cdd. Nrr. 98 u. 99, 4 S der Universitätsbibliothek in 
Kopenhagen, herausg. von P. A. Munch (Kria. 1845) unter 
dem Titel: Codex diplomatarius monasterii sancti Michaelis, 
Bergensis Dioecesis, vulgo Munkalif dicti, conscriptus anno 
Chr. MCCCXXVII. 

Man vergleiche femer das 'Diplomatarium Norvegicum', 

Kristiania 1849 £F. bis jetzt, herausg. von Lange & Unger. 

Am. 325, (2), 4 ^ endlich ist eine nach einer norwegischen 



10 Specht 10 

Vorlage abgeschriebene isländische Pergamenthandschrift; sie 
ist (Kop. 1880) diplomatisch getreu von V. Dahlerup herausg. 
unter dem Titel: Agrip af Noregs konunga sggum. Nicht 
viel jünger als Am, 677, 4^ 



I. 
Schicksale der Hedio - Passiv - Endung -sc in den islän* 

dischen Handschriften. 

Das eigentliche Genuszeichen des Medio -Passivs in den 
ältesten isländischen Handschriften ist, wenn wir von den 
ei*8ten Personen absehen, -sc resp. -sk. 

Die Schreibung -sk für diese Endung tritt immer nur ver- 
einzelt auf. So hat zb. L. Larsson im Cod. 1812, 4**, 60 -sc 
neben nur 2 -«A, im Cd. Am. 645, 4 ^, I 442 -sc neben 8 -sk 
gefunden, und ich habe im St H. neben 1018 Endungen -sc 
nur 6 'sk gezählt, ungerechnet das Dutzend -zk neben -zc. 
Einen ähnlich geringen Procentsatz von «A-formen wird die 
Durchforschung der übrigen alten Handschriften ergeben. Auf 
die Verwendung von -sk oder -sc (vgl. auch L. Larsson, Am. 
645, 4 ®, I p. LXXII) hat sich somit ein Unterschied nicht er- 
streckt, wie der für die Benutzung der einfachen Zeichen k 
und c, dass nämlich k vorwiegend vor hellen Vokalen, c an 
allen anderen Stellen eintritt (vgl. u. a. Holtzmann, Altd. Gr. 
IU05, Dahlerup, Agr. p. XXV; E. Sievers, Literaturbl. f. 
germ. u. rom. Phil. 1882 p. 51, Tübinger Bruchstücke der 
älteren Frostuthingslög p. 14; L. Larsson, Cd. 1812 p. XVI, 
Am. 645, 4 <>, I p. LXXII ; Noreen, An. Gr. § 40 ; Dalüerup, 
Aarb0ger 1889 p. 251). 

Vor diesem sc vereinfachten sich verdoppelte Verschluss- 
laute oder Spiranten (HoflEbry, Altnord. Consonantenstudien, 
B. B. z. K. d. idg. Spr. IX 57): hl^sc Eluc 4^^ für m^ssk 
Hliss 'Sk, fexk (= */«*«*, ""fekhik) Am. 645, 4^1 27^, gectc 
ebenda 33, ^ u. 16g mdzk (Part. Prt. Refl.); St. H. grizk 
(= *gritt -sk von gripask) Ih^^^j setsc (Part Prt. Refl. von 



11 Die Mediopassivendangen in den isländischen Handschriften. H 

ftttask) 94t^^,me6tsk (P. P. von mitask) 128^; Mork. fecsk 226^, 
lecz 208,^; OH. fecz 2\^^^ ßZg^ff., gecz 194, u. a. — 

Trifft 8c auf ein t oder rf, so tritt es mit demselben, 
ebenso wie mit dem p unbetonter Endungen (vgl. über das- 
selbe Dahlerup, Ägr. XIX. XX.; Hoffory, An. Cons. 30, 
31 Anm., L. Larsson, Am. 645, 4^ I p. LXV und LX VII; 
A. Noreen, An. Gr. § 188 und Grundriss für germ. Phil. I 471) 
> tsc zusammen : vgl. aus dem St. H. die Partt. Prset. faritsc 
169jj, vitrapetsc 1313^, vitratsc 132^, mcelltsc 19528; ^^® ^* ^8- 
Prses. Ind. sttiizc (==*stent-8k für *8tend-sk) 3I3J 142,,, kellz 
(z=s^heÜ8k für ^held-sk) Zl^^^ und die 2. Perss. Plur. Prses. 
bipetsc 195og, geritsc IQS^^^ u. s. w. aus *bipep-sk, *gerip-8k. 

In einigen vielgebrauchten Wörtern geht selbst das wurzel- 
hafte p vor dem « der Reflexivendung in t über : qvatsc St. H. 
7^^ 9,. 95„ Am. 677, 4^ 70,3 ^^%o^ Am. 645, 4^ II II23,; 
/irM StH. 192,8, Am. 677, 4 ^ 27^0 46^8 für qvapsc (St. H. 
139^ 153j, u. a.) uudhrep8c (Gislason, Um frumparta islenzkr- 
ar tüngu i fomöld p. 93; Hoffory, An. Cons. 31). 

Für und neben diesem ts verwendet Am. 237 fol. das 
Zeichen c* {vU^(fk 5, für vitrazk St. H. 132^), die Plä^citüsdrapa 
t^ (leitfk 4^), te, tfc (travJlc 4,^, retck 8^, heRc 9,, 8itfc 9,3 
neben sitz 9^4) und z {8tallz 1,^, Unz 10,3 u. a.). Dieses z 
lur ts verwenden noch in der Minderheit der Fälle neben ts 
Cd. 1812 (zb. f^zc 323, fizc 31,^ neben setfc 31,3), Am. 677, 4 ^ 
(z.B. Hrezcpu 129,^ 135,^^ neben hretfc 21 ^^ 46,8) ^"^ St. H. 
(z.B. pvaezc (2 PI. Prs.) 623, aber öetsc 87^0 ; lezk (3. Sg. Prt.) 
58,j>, vilzk (P. P. Refl.) 7633, aber mcBlltsc (P. P. Refl.) 195,^ 
u. s. f.). Mit der Abfassungszeit von Am. 645, 4 ®, I ist die 
Schreibung ts durch die Schreibung z verdrängt. 

Den Lautwert dieses z als ts hat I. Hoffory (a. a. O. 69 ff.) 
auf Grund der älteren isländischen Handschriften festgestellt. 
Für denselben Lautwert des z auch in den späteren Handschriften 
sprechen genau dieselben Gründe. Ich begnüge mich daher 
damit, auf einige verbale Reflexivformen der späteren Hand- 
schriften hinzuweisen, die durch ihr -tz neben gewöhnlichem 
blossen -z die Existenz des t = dementes beweisen : geratz 



12 Specht 12 

(3. Plur. Prs. Refl.) Grg. II 161^, kaNatz (P. P. Refl.) Grg. I 
172i,, setjatz Am. 344 a, 4^ 102, g, kuetz Flatey. b. I 33,5, 
biotz i braut OH. 133i, <roÖ<^^z (P. P. Refl.) Gräg. 468,^ ebenso 
seütz 8621 und selbst tektz (3 Sg. Prs. ; vgl. toczc Strengl. 4632) 
Thomassaga (Frag, aus der 1. Hälfte des 13. Jahrb.) 4732,. 
Dazu friputz (Superl. neben fripusi) Grg. I 83,^ u. a. 

Gelegentlich geht dieses z (= ts) in tp und p über : 
Agr. 19^ hetpt (= betst)^ ö?,^ bwptu, 29g qvapc (= qvazc), 
51,7 bapc (= bazc), 31g grera/) /?a (= geraz pd) u. s. f. (siehe 
bes. Bugge, Aarb0ger 1870 p. 195 ; Dahlerup, Ägr. p. XXI. ; 
Noreen, An. Gr.§43; über den phonetischen Vorgang bei einem 
AVandel von ts >tp, p handelt R. Lenz, K. Z. 29, 27. 44). 
Vereinzelte Formen wie «^/jc (für s^ze) Cd. 1812, 4^ 31g und 
andererseits undrazisc (für xmdrapisc 239,,) Am 623, 4", H. m. 
8. 239, und ivazezc (für ivapezc) Leg. OL Sag. 13g„ sind da- 
gegen wohl lediglich verschrieben. 

1. Entwickelang der Endung sc > zc > z. 

Nach den gemachten Vorbemerkungen haben wir als Medio- 
Passiv-Endung zu erwarten : zc resp. tscj wo sc Nachbar eines 
t, d oder p (unbetonter Endungen oder im Stammausgang häufig 
gebrauchter Wörter) wurde, an allen übrigen Stellen -sc. Dieser 
Zustand wird frühzeitig in verschiedener Richtung durchbrochen. 

Diese Thatsachen werden wir im folgenden durch Über- 
sichten über das betreflfende Material feststellen und in einem 
anschliessenden Teile zu erklären versuchen. 

A. SC an stelle von zc (tsc) 

zeigen: in Am. 113 A & B die Partt. farisc 371^, proask 
B 379^; im Phys. glthtc (?) (2. PI. Prs.) IX^, in Am. 677, 
4 ^, die 2. Perss. Plur. hreßisc 66^g (aber hreßizc 20^), dvhfc 
45jj und das Part. Prt. matafc 146,,^ ; in Am. 645, 4 ^, I vml> 
raßesc (P. P.) 6^^ ; in Am. 645, 4^ 11 bim dasc (P. P.) 131,^ ; 
in Am. 623, 4^ die Partt. /ynV melsc H. m. s. II 217,, vmb- 
rapisc II 12,,, smiisk I 262^3, ^'V^'^*^ P« 8- 461jjq, smiisc 
P. s. 4623 und die 2. Perss. Plur. ißsc H. m. s. II %^y hrepisc 



13 Die Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 13 

n 9j5, ibjrkisc II 215^2, hr^pUc I 266^3, pickisc I 2632^, 
muiic P. s. 46233*, in Morkinsk. stensc lOöj,, vgl. steN[clj8c 
St. H. 15221 ' endlich qvafc Am. 677, 4 ^ 87i2 923, quask 
Am. 665, 4®, IV (Leifar 2823^) und in dem norwegischen 
Am. 655, 4^ IX C (P. s. 82422) ^^^en 9^'^^^<^ St.H. 73^ 9^« 
S5g, Am. 645 II 1123^, Am. 677, 4^ 1263^ etc. und qvapsc 
St. H. 139j^ 15822 ^- a. — 

Dem entsprechend zeigen auch einige Superlative -st an 
stelle von -zt: ag^str Am. 113 A & B 376,i, helFt Am. 677, 
^^ 6ss ^3 132, '^^'^ ^25 neben heltft St. H. 1072o 1942^, 
^A« Pläcitüsdr. XI3 neben 0tnan g^«. Am. 655, 4 ^ IV ä«/^ 
(Leifar 283g) u. a. (lieber heUIt, helft u. s. w. vgl. noch 
Hoffory, a. a. 0. 82, Anm. 2.) 

Q^(^sk kann nun die Reflexivform zu der von Sievers 

(P, B. B. 63^2) erschlossenen, in der jungen Finnboga zweimal 

— allerdings vor /»a (Noreen, An. Gr. 209 Anm. 1.) — belegten 

Praeteritalform kva sein. Jedenfalls spricht KUJcSK auf dem 

Bonenstein von Aars für ein beträchtliches Alter der Form 

ktask (vgl. Bugge, Tidskrift 1866/67 p. 250; P. G. Thorsen, 

De danske runemindesmserker I 33, II 103). 

Die übrigen Bildungen verdanken offenbar 
dem Übergewicht der Formen mit blossem sc resp. 
st als Endung ihre Entstehung: Denn an eine Angleichimg 
des Dentals an das folgende s oder etwa einen Ausläufer der 
schon urgermanischen Vernichtung eines Dentals vor s, in der 
Regel s+ Consonant (got. ns aus germ. "^utsj J. Schmidt, Idg. 
Neutra 220 Anm.; g. andavleizn neben vlits u. a.) für diese 
Fennen zu denken, ist durch das Danebenliegen der zahl- 
reicheren regelrechten ts, z in derselben Handschrift verwehrt. 
Einen grösseren Umfang gewinnt 

B. das Eindringen von z an die Stelle von s. 

ha) Die Übersieht über den Stoff 
s 
aj z au stelle von s, sc der Endung des Mediopassivs. 

Das Eindringen eines t vor s hat nach II und nn seine 



14 Sp«h: 14 

sprachgeschichtliche Begrändimg (Hofforr. a. a. O. 78 f. ;Mogk, 
Anzeiger für deatsch. AlL X 62 £.). In dieser Stellung ist es 
daher am frühesten heimisch. Ich nenne ron reflexiTen Ter- 
baiformen nnd Snperlativen verwandter Art^): 

Cd. 1812, 4* rhizc 26„ St. H. nAzk 8, 82„ 121^^, fajfze 
8,^ nebai /lA'ÄT ^ln» «t- mLsziu 192^, minzjm 68,^. ,-, in Saperll. 
tNzto 80,^ (Larsson, Hoffory : iat^/o Wisen, die Yermittelnngs« 
Schreibung nach iivr«/r 116,^.,,, ix^ta 103^^ 125^), mmst 126^ 
neben misBt 157^^ 201^.. ndxita 110.^; Phrsiologns ßnzc 
248,^: ßn$c 249^; Am. 113 A & B /avrr 370.; Am. 315 fol. 
litr. D noch inet^ 221^ ; Am. 677, 4 •, ßnzc 64i^. 5^, fanzc 60^, 
neben yiw/b 36,^ nnd Ȋnlhi 37 jj 39,, ^jj? SnperlL minzt 96^^, 
minzto 76,, minztan 105,^ neben minüa 37^^ 39^^ ^ii* i?- if so 
138,,, rniVi/lö 38,^ 50, ; Am. 645, 4 ^ IfaNzc 3^ 8^.^. ,j 22i,. ^^ 
23, 90^, /anzi 20jj, kein/aA'ifJt; nuNzt 18,, »11112/ 19,^, minztv 
lloji^, kein minsL 

Mit der Abfassungszeit von Am. 645, 4*, I — dem 2. 
Viertel des 13. Jahrhunderts — ist / in diesen Stellungen 
anerkannt. 

In den übrigen Formen macht es erst seit dieser Zeit, 
in der die Schreibung ts gegenüber z verschwindet, eigentliche 
Fortschritte. 

Im St. H. finden wir unorganisches t in minnetsc 110,^ 
(3. Sg. Prs. Conj. Refl.), qplatsc (Inf. Praes.) 158,^, qplatsc (3 PL 
Prs. Ind.) 96jj und in festeste (3. Sg. Prt. Ind.) 14420? ^^^ 
welchem, entsprechend qvidasth (Part. Prt.) 1563^ (Larsson, 
Hofforj' a. a. 0. 21; AVisen: qvislasck) und forßestc (2. PI. 
Prs.) 104^ wie auch a/2c/a/?c (Part. Prt.) Am. 677, 4^ 139^^, 
das Umstellungszeichen für 8 und t vergessen oder undeutlich 
geworden sein könnte; ich erinnere zb. an Wisßn-Larsson's 

'^) Statt nn wird in den Hss. meist N geschrieben, auch n kjbmmt 
vor. — Verbalformen und Superlative auf Uz begegnen ausserhall^ des 
Wortes halda & heldr kaum. j<t 



15 Die lEediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 15 

fyttestc könnte allerdings nach dem ersten lediglich ver- 
schrieben sein. 

In Placit. dr., Am. 677, 4^ und Am. 645, 4^1 fehlen 
verbale Beflexivformen mit unorganischem -ts resp. z. Am. 
921, 4®, ist leider noch unedirt; es zeigt wahrscheinlich hier 
einschlagende Formen. Denn in dem allerdings etwas jünge- 
ren Am. 645, 4 ^, II haben schon ein Drittel aller Formen 
blosses z als Endung (67 postvocalische -z : 138 postvocali- 
schen -sc + 6 postconsonantischen -sc). Zwischen -sc und -z 
in der Mitte steht das -zc in seczc 112jg und etwa in letze 
IIS,^. Am. 655, 4^ zeigt in seinen älteren Teilen an ^-formen 
lizk H. m. s. n 42jg.3^ imd vpp Iwzk H. m. s. II 44^8 für 
"^lauksk, etw a eine Erleichterung eines vorauszusetzenden 
"^laukzk (vgl. seczc Am. 645 II II23J, ßreifzc Mork 129^^ u. a. 
in der Art von t^fk (= tdksk) Am. 1812, 4 ^ 37^,^, gefc (= geksc) 
Ägr. 36|(j etc., wenn HoflPory, Altn. Cons. 74., und Noreen, 
An. Gr. § 194 Anm., darin Recht haben, dass in dem in dieser 
Handschrift mehrmals für x erscheinenden z (avaztar, ozn, 
Jteilaz) ein dialektischer Übergang von ks >t8 zu sehen ist. 
In den erhaltenen Resten von Am. 686 C finden wir nur -sc. 
In Am. 686 B aber hangen nur noch 7 Formen am alther- 
gebrachten -sc (postvocalisch), 14 huldigen dem neuen -z (post- 
consonantisches z nur in hr^pz 178jg); gblabezc (3. Sg. Prt.) 
178j^ steht in derMitte, neben ihm die 2. PI. Prs. sezc 179^ 5. 
Am. 623, 4 ®, scheint einen etwas älterenZustandwiederzuspiegebi. 
Hier hat die Mittelpartei -zc (28 Formen) im Bunde mit dem 
altadeligen -sc (160 postvocalisch, 6 postconsonantisch) dem 
extremen -z nur 4 Sitze tiberlassen {wplaz til H. m. s. I 26853, 
snuaz til I 267^,, undrapiz penna I 27g + minztu I 23 ^ 2)) ^^c 
15 von Alters her berechtigten -zc (in 2. Plur., Part. Prt., nach 
wn, pj d, t) haben 13 unorganische -zc nach sich gezogen 
(reiptzc pu H. m. s. II 216jg; {kann) minnizc I 268^^ (kann) 
hreddizc P. s. 456jj, (kann) syndizc H. m. s. I 26^3, 
seüzc I 23j5; Inff. : ottazk II 215^^, up komazc I 2663«, vip 
varazc I 2633^, egnazc I 25^^, comazc I 27^^, scirazc P. s. 459^, 
vinMLzc P. 8. 460,^ imd hredduzc I 25728), dafür aber an -sc 



16 Specht 16 

wieder 12 Plätze abgetreten, die p. 12 genannten 2. Plur* 
di/rkisc, ifisc, hr^pisc, snuisc, pichisc, und Partt. Prt, unib rapisCy 
b^pisc eignasc, fyrir ftielsc, snuisc, snuisk. Im Cod. reg. der 
Grägäs ist die -zc = gruppe auf 17 zusammengeschrumpft 
(14 davon postconsonan tisch, 3 postvocalisch), zc zählen wir 
46 (36 postvocalisch, 10 postconsonantisch, darunter die 3. 
Perss. Sg. Prs. hefzc vpp 1 2% 36^, bi/^zc II 26^, scUzc I 
224jq), von deuQn nur etwa die zc in den Partt. gerzc I 73^ 
und sellzc 1 215,,, sowie die Formen mit Bewahrung des stamm- 
haften t IcBtzk I 42i^j 51^0» ^^^^ I ^^^i' '^* I ^^12 ihr Recht 
verbrieft haben. Der -z sind es 613 (postvokalisch 513, post- 
consonantisch 100) geworden. Dasselbe Spiel in der Morkin- 
skinna: 950 -z (nach Consonanten davon 94), 112 -zc (37 nach 
Vocalen, 75 nach Consonanten, darunter die Inff. ketazc 194^ 
und jninnazc ISS^^ imd die 3. Perss. Sg. preifzc 1293^ und 
lyhjzc 215jq), 152 sk (54 davon postconsonantisch) und die 
vielleicht zc zu lesenden zt in frattrazt miok (Inf.) 1062, und 
qvezt 62^^; und ebenso in der 0. H. : 1250 -z (ca. 100 post- 
consonantisch), 21 'ZC (darunter hugfestizc (3. Sg. Prt.) 733^,, 
vndrazc (3. PI. Prs.) 223^, falozc (3. PL Prt.) 1 835) und 17 sk 
(ohne danebenliegendes z oder zc darunter harsc 7I33 ^S^^, 
hersc 2152g, falsc 393^, telsc lOe^^). Die Jomsv* zeigt 370 
'Z (postconsonantisch 25): 45 -zc (nur einsilbige Formen^ 
darunter hefzk 363^ 50^^, roepzk 52^,): 11 -sk (berfk 112^^, 
ferfk 4^^ I820. 30 ^3,, fpr/rfk 2I2 42^2 ^S^^, dvdfk 43„ tdfk 
58j und komfc 119g). Die StaÖ'arholsbök bringt 900 -z (davou 
126 nach Consonanten), 12 -zc (unorganische Formen : andazc 
9225, f^^^ 1^^7? p<^rnazk 320^; dazu scetzc 341^^, metzc 299^^ 
3O82Q 356^) und 57 -sc (darunter 54 einsilbige Formen, in 
denen fast immer dem sc ein r, l vorhergeht). Eluc. II, um 
1300 geschrieben, hat nur noch 3 -sk (ber£ 140,, forFk 114ju, 
hliopJl 115j^ der Annaler f. nord. olk. von 1858) zu 12 uner- 
warteten --?c (3. Perss. Sg. Prs.: kallazc lOU^, r^kkmzc 11 Ij^, 
Jcpizc lOljj, rymzc 992U, virt^xzc lOö^g ; 3. PI. Prs.: fpfxzc 
1382, ßfazc 100^, hr(je(%)nfazc 136^, h^Fazc 99^^,; 3. PI. Prt. 
lö^vzc \l%^, rtyrktSvzc IO621 ; Inf. /<rarc 114^) und 200 post- 



17 Die Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 17 

Tokalischen -z, ))ingeyrabök hat -k nur in seksk und vinzk 
(Skalh. 401^ & 505J und Am. 315 fol. litr. A (circa 1320 
geschr.) in versk (Skälh. 452,), sonst -z. 

Um 1320 ist somit der Sieg des blossen -z auf der ganzen 
Linie entschieden. In dem vielleicht noch etwas älteren Cod. 
Holm. Ij 4^; (JomsY.) und in Am. 132 fol. steht kein einziges 
sc oder zc mehr, aber schon sind dort eine Reihe Formen mit 
den jüngeren Endungen -zt und -st versehen und deuten so 
neue Yendckelungen an. Allerdings finden sich in dem von 
Yigfusson ins Jahr 1320 gerückten Cod. B. der Sturlunga, 
Am. 122 a fol., ein schwacher Procentsatz von -zc- und noch 
schwächerer Frocentsatz von -«c-formen, der Codex ist aber 
möglicherweise noch ein wenig älter als Cd. Holm. 7, 4 ^^ imd 
Am. 132, die um 1320 geschrieben sind. Wenn aber im 
übrigen Text der Sturlunga Saga (Oxford 1878, 2 Edd.), der 
auf den 24 'schmutzigen und verblassten Fetzen' von Am. 
122 b aus dem Jahre 1350 (nach Yigfusson) oder 1400 (Am. 
Cat. I p. 86) und seinen Abschriften von 1690, 1650 und 
1735 vorwiegend beruht, die Mediopassivendungen wie im 
St. BL verteilt sind, nur noch genauer in -sk und -zk geschieden, 
und nur hin und wieder sich ein sty z, zt in den sehr umfang- 
reichen Text verirrt, so wäre dies eine Erhaltung der alten 
Formen durch fast zwei Jahrhunderte hindurch, die nur in 
einer Brahmanenschule oder als bewusste Wiederaufnahme einer 
vornehmen Zierform aus der Urväter Hausrat denkbar ist. Für 
grammatische Zwecke scheint mir diese Ausgabe der Sturlunga 
Saga nur in äusserst bescheidenem Masse brauchbar. 
ß. 2 an stelle von -«-, -st der Superlativendungen. 

Für die richtige Würdigung der Einschmuggelung des z 
in das Yerbum reflexivum ist das Yerhalten der Superlativ- 
endungen recht lehrreich. Auch bei ihnen drängt sich z 
an die Stelle von -«-, «<, imd dieses Yordringen hält, nur etwas 
bescheidener, ungefähr gleichen Schritt mit der Umgestaltung 
des verbalen -sk zu -z. 

In den Handschriften Nrr. 1 bis 15 imserer Zählung geht 

es, abgesehen von 'überladenen' Formen, wie hatzt St. H. 21 9,^ 

2 



18 Specht 18 

heltzt 44^0, iptsta I9O34, ipzta 123,^; haztst Am. 677, 2^^, 
heldzt 140j^ u. 8. f. regelmässig zu, soweit Superlative in Frage 
kommen. Die Formen mit nn, II vor dem Superlativzeichen 
sind schon (p. 16 f.) genannt. Erwähnenswert ist noch etwa 
ynnxti Am. 623 c (H. m. s. II. 218^ = *f/nksti) neben yngsti 
21735 (vgl. Gislason, Frumpartar 103; Holtzmann, Altd. Gr. I, 
p. 111 u. 130; Noreen, An. Gr. 34 Anm. 3 u. a.). 

Im Cd. reg. derGrägäs bedeuten die mit dem neumodischen 
-z geschmückten optaz I 1722^ II 197^^^, rktaz II 134^^ I 81, 
79,1, ^^^^«- I ^% ^^13 l^Ojjj, Akazt I 18^, rettazt I Sö^, 
I2O20, rettazt I 861^, rettazta I 182ii imd saNozt I 4632 80^ 
85i7 120^0.20 (daneben noch rettast I 462^ 2311, und seine 
Ableitungen I 52i, 62^^ l^^aa) schon 25 Procent aller Superlativ- 
formen. In der Morkinskinna machen die zt-, z-formen zwar 
ein Viertel aller vorkommenden Superlativforraen aus, als un- 
organisch sind mir indes nur qvenna friputz 833^^ (neben fripust 
I2I11, fripost 174.^Q und enji frizta (Hoffory. a. a. O. 32) IB^g), 
optazt i 174jg, herscazter 873^ aufgefallen. 0. H. bietet uns 
rund 300 st- gegenüber einem halben Hundert ^-formen, un- 
organisch darunter fribvz 77j2, fribvzt 122^1 u (aber fripastr 
1433 99^ 273j^), optaz 7\^ (aber optast 71^) 134,, 161^, 
sciotaz 191g, sciotazt 1^%q (aber skiotastr 117^3 292^ 1^429 ff.), 
scyndiligaz ^2^^ (scyndiligast 37- 42, ^ ff.), ttSaz 1433, vendiligaz 
693ß, vitraztir 103,^ (neben vitrastr 303^ 60^^ ff.). Wie man 
sieht, steht hier z stäts postvocalisch. In Jomsv* (Am. 291, 4 ^) 
stehen 48 s<- formen 35 (postvocalischen) ^-formen (11 -ztj 
24 -z) + scapfellctazllr 6622 und dgcezftr 64,^ (^z über der Zeile 
bemerkt der Herausgeber) gegenüber, abgerechnet die dreissig 
und einige erwarteten -r-formen. Die juristische Sta3"arhölsb6k 
stellt optaz 73,9 3382g ^^^ Eluc. II unter den wenigen Super- 
lativen trvlegaz II82. Finnb. (Am. 132) zeigt in 34 Formen 
(50% aller) unorganisches, postvocalisches -^, -zt (-z in: bez 
47,3, dolgligaz 72^^, fastaz 45^, IverfiUgaz 6,^^, hcegligaz 7803, 
likaz 82, Q, samligaz 90^, skiotaz 31,.); und Jomsv. (Cd. Holm. 
7, 4 ^,) hat, wiederum von bezt, minnzt u. Gen. abgesehen, 23 
moderne -zt (darunter postconsonantisches zt in fraligzti 7629, 



19 Die Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 19 

fr^gzti 11 ^-^y leingzt 71^3, et snarpligzta 29^^) bei nur 21 «<- 
formen. Zur Alleinherrschaft kommt indes -z, -zt auch in 
den späteren Handschriften nicht Jvk (Am. 510, 4^), um 
1500 geschrieben, hat ausser in first 48^,, mestur lO^g u. a. 
schon wieder st in fremster 78^,, frcegastur lO^g, hcestur 22^^ 
(vgl. hinum hcezta Györ. Sag. 53^), hraustasti 99^^^ und yngsta 
47,, (vgl. yngztu GyÖ". Sag. öB^j), und selbst Thomasskinna 
(Nr. 1008 fol.), Am. 675 B teil B, Am. 226 fol. (GyS*. Sag.) 
und die Flateyjarbok, Handschriften des 14. Jahrhunderts, die 
nach Vocalen kaum noch -st im Superlativ (ausser in Worten 
wie mest und flest') aufweisen, bewahren es nach dem compara* 
üven r (H. Gering, Xsl. sevent. p. XVIII), dem stammhaften 
^ C/y^«*^* ^f^str, fegrstr, letzteres zb. Gyä". S. 77^^ Flatey. b. 
I 34^) und häufig nach einfachem Z, n (vdcehtr, vinsaslstr, 
gr^nstr, v^nstr u. s. w.). 

b. Erklärender Teil. 

a) Die Endung -zc. 

Fragen wir nun, wie hat -z als Reflexivzeichen das ältere 
'SC abgelöst, so ergiebt unsere Übersicht über die würklich 
vorkommenden Formen deutlich zwei Processe : den Ersatz des 
sc durch zc und die Vernichtung des auslautenden c. 

Was zunächst den ersteren betrifft, so hat -zc allerdings 
es in keiner der Handschriften zur AUeinherrschaft gebracht ; 
unsere Belege sind indes zahlreich genug und zeitlich so ver- 
teilt, dass an dem einstigen Vorhandensein einer würklichen 
Übergangsstufe -zc nicht gezweifelt werden kann. Der Anstoss 
zu der Ersetzung des -sc durch -zc ging natürlich von den 
Formen aus, in denen lautgesetzlich ein -zc entstand, also von 
Formen der 2. Plur., 2. Sg. Prt. Ind. starker Verben, des Part. 
Prt., und bei starken Verben, die t, d, nn, II als Wurzelauslaut 
haben, noch von einigen anderen Formen (cf. Hoffory, a. a. O. 85). 
Am -wenigsten Hindemisse fand das vordringende z im Verbum 
reflexivum wie im Superlativ nach Vokalen. So zog schon 
im St. H. das Part. Prt. qplatsc Ih^^^ 210^^ u. ö. den Inf. 

qplaUc 15824 und die 3. PL Prs. qplatsc 96^1, die 2. Plur. Prs. 

2* 



20 Specht 20 

*minnet8c (vgl. bipetsc ISS^g, giritsc 158,3, glepetsc 49g3, fit/k- 
cetsc 114jg u. a.) und Farticipia ^ie bepetsc 129^^. ^^, farüse 
169,, die 3. Ferss. auf i, e vor der Beflexivendung nach sich 
(vgl. St. H. ndnnetsc, 3. Sg. Prs., llOgj und fystestc 144,^, 
wenn es fÄr "^fystetsc steht), so zogen endlich 2. Perss. Plur. 
Prt. wie m^ltozc Am. 645 I 5O3 die 3. PI. Prt. wie falaze 
O. H. 18j5 und ItyrhSvzc Eluc. II Annaler 1858, 106,^ nach 
sich. Die Stämme auf nn, ü, in denen z das s der Endung 
frühzeitig ersetzte (s. p. 14), sowie die Stämme auf alveolaren 
Dental, die häufig ihren stammhaften Dental vor z bewahrten 
(zb. lüzc 0. H. 45,j>, Mork. 32, SS^^, setze Mork. ISSj. ^^ 
O. H. 6730) und in den späteren Handschriften fast durchweg 
wieder eingeführt haben (vgl. zb. Am. 657 B, 4®, Gering's 
Ausgabe p. XYIII f.), verschleppten dann das z hinter die 
übrigen Consonanten. Als Möbius (Hattatal I p. 21 f.) die 
Einsilbigkeit für die Erhaltung des sc als ausschlaggebend 
ansah, hatte er also insofern nicht ganz unrecht, als die 
Formen mit Vokal vor -«(?, -zc, -z der Endung fast durchweg 
mehrsilbig sind. 

ß, Schwund des auslautenden Consonanten c im 
Verbum reflexivum, t im Superlativ. 

Dem Schwund des auslautenden c medio-passiver Formen 
begegnen wir schon in den ältesten Denkmälern. Einen festen 
Stützpunkt finden diese c-losen Formen an der mit dem nach- 
gestellten Pronomen der 2. Pers. Sg. versehenen 2. Pers. Sg., 
deren Endung mit dem pü > -stu (-ztu) verschmilzt. Diesen 
Vorgang haben schon Munch und ünger 1847, Norr0na sprogets 
grammatik, Kria. 1847, § 127 ; ebenso P. A. Munch, Foms- 
venskans och Fornnorskans spr&kbyggnad , Stockholm 1849, 
§ 46, angemerkt, während die späteren Grammatiken*) ihn 

*) Von grösseren Untersuchungen und Grammatiken, die das Medio- 
passiv mitbehandeln, seien noch genannt: Rask, Vejledning til det old- 
nordiske sprog', Kopenhagen 1864, § 128; von demselben: Anvisning 
tili Isländskan, Stockholm 1818; J. Crrimm, Deutsche Gram., besonders 
B. ly, 89 fif.; C. A. Holmboe, Det oldnorske verbum oplyst ved sammen- 



81 Die Hediopassivendangen in den isländischen Handschriften. 21 

gar nicht erwähnen, und die Ausgaben einschlagende Formen 
in der Regel nur als besondere Unregelmässigkeiten der be- 
treffenden Handschrift anfbhren. Ansätze zu derselben Neigung^ 
das € abzuwerfen, zeigen dann in denselben alten ELandschriften 
die Mediopassivformen, denen mit p, t, s oder A anlautende 
Enklitiken und ähnliche Worte folgen. 

Es sei mir gestattet^ diese Beobachtungen etwas ausführ- 
licher zu belegen. 

I. Die 2. Pers. Sg. Bell. + >ü. 

Am. 237, B. M., Cd. 1813, 4®, und Eluc. zeigen keine 
3. Pers. Sg. Befl. St. H. hat iprastu 50^, (Las iprasc Jni 
bemerkt dazu Wis6n), hrätstu lOS^g, segatu 192,^, snustü 51jg, 
nuMBiu \1^^ 192,,, ffirmtu 192j^. Im Physiologus, der Pl&citüs- 
dräpa. Am. 113 A & B und Am. 113 fol. litr. D fehlen 
wiederum 2. Perss. Sg. Befl. Am. 677, 4 ^, zeigt minJtv 37^^ 
39s« 4833, »«nc/lü 141„ 142,, Am. 645, 4^ I dragHv 5^^, 
ger/tv 128,^, gHatv 94^3, pikiftv 40^. Morkinskinna bringt 
bt/8tv 47,,, gerJlv I273, und Sturlunga II 130ju minnstü. 

Hierher gehören femer die -z Ar -zc nach nn in miNztu 
St. H. 192^, minzßu 68,^.37, mitiztv Am. 645, 4^ I 115gj 
und minztu Am. 623, 4^, e, H. m. s. I 23^^' Schon in der 
Mork. ist aber, entsprechend dem allgemeinen Eindringen des 
z in die Stellung des «, -ztu häufiger als -stu (vgl. setzte 1003^, 
fncdztv I883J u. a.). 

In berstv des späten Codex Am. 510, 4^ (Jvk. 4933) liegt 
nach Ausweis von kann berrst 5635, hann berst 56^3 st+pu 
zu Grunde. In den späteren Handschriften ist die gewöhnliche 

ligning med sanskrit .... Kria. 1848, p. 29—33; Rydqvist, Svenska 
Bpr&kets lagar I, Sthlm. 1860, p. 462 ff: ; M. Heyne, Kurze Laat- und 
Flezionslehre der altgerm. Spr., Paderborn 1862, § 85; Wimmer, PhiL- 
hist. samf. mindeukrift 184 fif. und An. Gr., deutsch von E. Sievers, Halle 
1877, § 167, sowie Fomnordisk formlära, Lund 1874, § 167 f. ; 0. Brenner, 
Altnord. Handbuch, Leipzig 1882, § 98 ; A. Noreen, An. Qr. I, Halle 1884, 
§ 467 ff. ; Th. Wisen, Arkiv for nord. phil. I 870—84 ; J. Hoffory, Alt- 
nordische Consonantenstudien B. B. z. K. d. idg. Spr. IX, 1 ff. ; Grundriss 
fdr germ. PhiL, Bd. I, Altnord. Gr. 



22 Specht 22 

Mediopassivendimg -st, und so kam auch -stu wieder zu Ehren 
(zb. Fljötsdoßla 81^ Legstu nidur) und ist im Neuisländischen 
derVertreter des singularen Imperativs geworden (berstu, kaUastUj 
lästu (geschrieben Idztu) u. s. w., Carpenter, Neuisl. Gr., Leipzig 
1881, § 115). 

Der Übergang von -sc + fm > stti vollzog sich augen- 
scheinlich so, dass zunächt das c zwischen den tonlosen 
Spiranten s und ß ähnlich, wie häufig der mittlere dreier 
zusammentreffender Consonanten, schwand (Gislason,Frumpartar 
110 & 115 ; Noreen, An. Gr. § 224, Grdr. f. germ. Phil. I 464 ff.). 
Durch das nunmehr unmittelbar vorangehende .«? wurde dann 
die tonlose interdentale Spirans ß (9) zu t gewandelt (Hoffory, 
a. a. 0. 28 ff.), wie die inschriftlich mehrfach bezeugten raisjny 
raispu > reisti^ reistu wurden. Es wurde also ein "^snusc -^t« 
> *8nu8 '&u > ^smistti, vgl. srmsc pu St. H. 106^^ > sntis pu 
Norw. Hom. 32g > snxistü St. H. 51,3 ^^^ ebenso hrezcpu 
Am. 677, 4^, 129^^: miNzJm St. H. 682^.3,, minnz /»u Norw. 
Hom. 162i(^, 8<Btz pu 97^ 170^5 : hrdetstu^i, H. 192ig, miNzUi 
St. H. 192g u. a. Denn Formen wie qvangast pu Mork. 83^^, 
minzt pu N. H. 154^ 196^ und inschriftlich raistpi (Liljegren, 
Runurkunder Nr. 1128) beweisen wohl nichts für einen Über- 
gang von sk -\- pu';;> st-\' pu > stu, sondern werden durch das 
gleichfalls inschriftliche risptu (Liljegren 1181) als nachträg- 
liche Compromissversuche zwischen raispi und reisti, qvan- 
gase pu und qvangastii verraten. 

Ausnahmslos durchgeführt ist dieses Gesetz nicht. Wir 
treffen schon imSt.H. snyscpu 193,^, teleskpu 60^^, scilscpu 200^^, 
u. a. und in Am. 677, 4^, auf gkpfc pu I2933, tevasc pu 31, g 
u. s. f. Ob diese Formen auf Becomposition beruhen oder 
von vom herein unter gewissen Bedingungen sich erhielten und 
etwa mit dem Wechsel von betontem pu und unbetontem 3*m 
irgendwie zusammenhängen (Noreen, An. Gr. $ 184, 2 ; J. Schmidt, 
Idg. Neutra 219 ff. Anm.), wird sich schwer entscheiden lassen; 
letzteres wird schon aus dem Grunde sich schwer beweisen 
lassen, weil zb. im St. H. unter den 230 pu — damnter 138 
nachgestellte pu — nur eins gleichsam aus Versehen accentuirt 



23 ^® Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 23 

ist (P, Hemnann, Studien über das St. H. p. 15; vgl. auch 
L. Larsson, Am. 645, 4^ I p. LXV & LXVII). 

IL Sonstiger Schwund des auslautenden c der Medio- 
passiTendung in den älteren Handsclirlften. 

Warum nun andere mit p beginnende Enclitica principiell 
auf den vorhergehenden Auslaut anders gewürkt haben sollten 
als pUj ist nicht abzusehen. Und so finden wir denn auch 
würklich noch Spuren derselben Neigung das c zu vernichten 
ausserhalb der 2. Pers. Sg., so in Cd. 1812, 4^, 37^^, drigt 
Pat, bjcf p<a 13ij. j,.jj 1421, lycf pcLt 15i^; in St. H. 683, 
leiprettes puiat; in Mork. 93,, abyrgs pic. In diesem Zusammen- 
hange zeugen auch Verschreibungen "wie pekcezct p6 St. H. 4ig 
(Xiarsson: pekceczt, vgl, aber farezct Iiaf&e Norw. Hom. 72,3) 
und cystost pw St. H. IS,, für eine Aussprache "^pekceztö, 
^cystostw oder *pekcez p6, *ct/8t08 pw. 

Vor s und t finden wir den Schwund in lengef fein Od. 
1812, 32^ ; St. H. 18,^ leipas si/nper, 26, syndes sipar, 18,3 
snuas tu (vgl. ülenz(k)t, bei8(k)t etc. Noreen, An. Gr. § 224); 
in Am. 677, 4®, löO^^ tategif fpamaNzenf und endlich in 
heüz sa (3. Sg. Prs. Ind.) St. H. 713^ und latez fcirafc ffür 
latezk 2. PI. Prs.) Am. 645 I 98,,. 

Auch vor Ä konnte das c leicht unterdrückt werden: 
qveps kann St. H. 141, ^j, bergs kann Gräg 1973 , fundis hqfpom 
(tflr fundizk, P. P. Refl.) Orvarodds Saga 188,^, und vor Bila- 
bialen schwand es in varaf vitS Am. 677, 4^, 73,^, [vjykf vip 
Jomsv* 233, leynas fra Am. 645, 4^, II 112^, Jielgopos vot7i 
St. H. 80,1, ^^^^ ^^ St. H. 21,4 und lycf blaltm Cd. 1812, 16,. 

Formen wie *berc8c, *gengsc, Hegsc, deren s zwischen zwei 
Gutturalen stand, bereiteten der Aussprache der Nordländer 
würkliche Schwierigkeiten, das lehrt der andere Versuch der 
Erleichterung der Aussprache dieser Formen durch Ausstossung 
des stammhaften c in Formen wie tifk Am. 1812, 4*, 37^^, 
gefe Agr, 36,^,, fefc Agr. 92,,, tofc Agr. 39^; Igtifc N. H. 
175,, fcBBc 171i^, tösc I683, u. a. Bildungen von solchen 



24 Spcdit 24 

Gnttundstämmen hatten also schon ganz al^esdien von 
folgender Consonanz ein Bedärfioiss zor AbwerAmg Ton Conso- 
nanten^ das sich im Sandhi nor noch eriiohte. Und sie ver- 
schleppten daher den Schwvnd des < auch ror Tdadiacheii 
Anlaut (St H. 3,^ oeng* d, 119^ Uqs d: Jomsr^ 95^^ bercfd) 
und gaben den Anstoss za einer nachlassigeren Aussprache^ 
die schliesslich ein </r€/^ ejtir Mork. 107«« und snmas i St. EL) 
h\^ durchschlüpfen liess. 

m. AllsemeiBer Sekwiud des k der Endns -ik. 

Mit der Ersetzung der Mediopassivendung 9c durch zc 
waren die BeflexiTformen noch schwerfalliger geworden. Der 
Abfall des c kam sonach hier einer noch dringenderen Forderung 
der Aussprache entgegen als bei s€. Ich habe nun leider 
nicht vom Anbeginn meiner Excerpte auf die den Mediopassiv- 
formen folgenden Wörter geachtet, glaube aber doch behaupten 
zu dürfen, dass zb. in den Sagas, die in der altnordischen 
Prosa einen so breiten Baum einnehmen, gut einem Drittel 
aller Mediopassivformen mit p, U s und h anlautende Prono- 
mina und Partikelchen folgten. Bechnen wir die mit anderen 
Consonanten anlautenden Enklitiken und sonstige an die Y erbal- 
form sich anlehnende ünbetontheiten hinzu, so leuchtet ein, 
dass die Bewegung auf Vernichtung des c, erst einmal durch 
den thatkräftigen Yorstoss der folgenden fi, t, s und h ins 
Bollen gekommen, nicht eher zum Stillstand gelangte, als bis 
sie auch die letzten c vor vocalischem Anlaut erdrückt hatte, 
unterstützt durch übermässige Consonantenhäufung, man denke 
an entstehende "^gengtsc, *bergtsc, '^s0k(^k)tsk und ähnliche 
Lautungetüme. 

IT, Schwund des aualaatenden t im Superlativ. 

Dass der Anstoss zur Yemichtung des Endconsonanten 
nicht in den betroffenen Formen selber zu suchen ist, hilft 
uns, ausser den 2. Perss. Sg. Prt. wie Ih, veU für Uzt und 
veizt (Noreen, Grdr. f. germ. Phil. I 474), der Superlativ 



25 ^ie Hediopassivendnngen in den isländischen Handschriften. 25 

^härten. Denn auch seinem t wird, und zwar vorwiegend 
bei yocalischem Element im Superlativthema , der Frocess 
gemacht. Die Hauptmasse dieser <-losen Formen stellen natur- 
gemäss die Adverbien, deren erstarrte Form durch keine Flexions- 
endung beunruhigt wird. 

Ich nenne: St. H. sits 9g, sitz vir Sö^g 1583^, Grg. opto-e*) 
(2 mal), rittaz (6 mal) sünoz (3 mal); 0. H. fritSvz^ optaz 
(3 mal), adotaz, Hcyndiligaz, tiSaz, vendütgaz; Jomsv*: Jiz, 
wß^azt CDpgvz, harßaz, likaz, optaz, ralligaz, saNaz, sciotaz, tipaz, 
vegligaz, vürligaz, vcenligaz; Gräg. optaz (2 mal), dz; Jomsv. 
jriSvZy hafligazy scidtaz, titSaz (2 mal); Eine. II trvlegaz; Finnb. 
bes, dolgügaZf fastaz, herßligaz, hcegligaz, likaz, samligaz, skiotas. 

Ueber hdlz^ heiz und die sonstigen Schreibungen des 
Superlativs heizt vgl. J. Hoffory, a. a. 0. 82. 

In einigen späteren Handschriften ist es B,egel geworden, 
auslautendes t der Superlative , deren Nom. Masc. auf -aztr 
endigen würde, abzuwerfen, zb. in Am. 657 B, 4 ®, B (Gering, 
Isl. »vent. I p. XVni). 

2. Uebergang der Medio-passiv-Endung z in zt, st. 

Mit der ELaführung des blossen z zur Bezeichnung der 
Superlativfunction war die Endung des Verbum reflexivum mit 
der des Superlativs identisch geworden. Ein weiterer Wandel 
der einen wird demnach ohne Berücksichtigung der anderen 
nicht zu erklären sein. Suchen wir wiederum zunächst für 
die weitere Entwickelung 

A. eine Übersicht Aber den Thatbestand 

zu gewinnen! — 

Jomsv. hat neben 170 2: ^ zt (bardizt et 29^^, ahyrgzt 
Jng sialfr 65,3, hellzt (Part. Prt.), legzt nu 63^9, letzt uel 55,, 
leizt pa 69^4, rosknatSizt ok 55^^, sezt ddan SS^j, veriazt l\^)y 
Finnb. (Am. 132) 95 -?: 8 zt {sezt 68^, quezt 38,0 40^0, l>y^ 
39,, snyzt at 45j^, sezt 19,, hellzt 64^, rizt 14^). 

*) Die Belege tind p. 18 f. gegeben. 



W ^«^ 26 



I>K Grt pa ^hands: Lrifiea fairen Ciät rar -r. so Inngejrabök, 
Am. 315 foL litr. A. StA^Ar£ciI4>^k laor 2 -rt: abyr^H m 66,^, 
ffh^/rfnzt k^muk 77,1. Am. 173 C. 4^ Skühohsbok (ausser in 
hsUzt rPart. Prt.» 3Ö.,». BelssdalsbSL Araarhi&lisbok. Am. 168 
B. 4 % .Skiniiasta^äbok. Am. 14öl 4 *. und selbst noch Am. 60, 
H \ Ebenso hat Gy<!. Sag. nur r. Dagegen bringt Am. 344a, 
4\ Hand I gewöhnlich ^. Hand 11 gewohnlich r. In der 
Flat^ijarbok tritt an stelle und neben r. zt auf r#/ (FLit«y- 
jsLrhfßk p. XXII> und zwar gebrancht die ^ehr isländische' 
Hand z*t mit Vorliebe. Die YatnshTma mag ein ähnliches 
AVrhältnLss gezeigt haben (Yigtuss«>n, Eyrbyggja p. XL). 
Nr. 1008 foL. Thomasskiiina, hat r^i/ neben zt und r (zb. 
>r;/^*/i/j 295,,, andadiz 297.: /«-ir/ 299^, fr^oizt 299^: /fe:^ 
344j,;. Am. 657 R 4*. C scheint -cj«* vor -r/ m bevorzagen 
((xeringf I&L «rent. p. XXIH). ebenso Am. 173 D, 4*, (das 
FrsLfnneui zeigt noch 9 r^: 3 z). Diese z^t leiten dann — 
w<-nn wir von den zt des Cod. Am. 162 B. fol. absehen — 
rjb^;r zu dem in Am. 238 fol. (£lnc. TU) allein herrschenden 
it'. Dies Fragment zeigt nämlich ober ein halbes Hundert 
-^/ Yit^hen nur 1 zt {fkygndvztj Annaler f. n. o. 1858, 169^,). 
Dieser Cd. Am. 238 fol. stammt nach K. Gislason (Annaler 
f. n. o. 1858) und dem Amam. Catal. L p. 203, aus der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, und da nun die Annahme 
wenig Glauben finden dürfte, es habe ein einzelner Schreiber 
zu einer Zeit, wo alle Welt z, zt schrieb und sprach, den Mut 
gi;habt, ohne irgend welche Nötigung aus blosser Liebhaberei 
d<*m Verl)um reflexivum in dem -st eine neue Endung zu geben, 
HO Hind wir berechtigt, für den Sieg des st in der Aussprache 
<l(;r Elldung des Mediopassivs — imd für den Superlativ gilt 
«lasHelbe — das Jahr 1450 anzusetzen. 

A. Noreen nimmt (De nordiska spraken, Upsala 1887, 
p. 17&Grdr. f. germ. Phil. 428 vom Jahre 1889) wohl im 
AiiHchluBS an Vigfusson-Moebius (Eyrbyggja Saga XL) für 
(liesini Übergang die Zeit der Reformation (1550) an. 

Selbstverständlich ist die Schreibung zt und sogar z noch 
ni(!lit Hofoi*t aus den Handschriften verschwunden. In der 



27 ^i® Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 27 

Krökarefssaga, in Am. 471, 4 ^, und Am. 510, 4 ^, (Jvk) bilden 
sogar die Mediopassiv- und die Superlativformen mit zt und 
selbst z noch die Mehrheit. Aber die Schrift bleibt ja hinter 
der Aussprache immer zurück. Ueberdies hatte sich in dieser 
nachklassischen Periode eine rege Abschreiberthätigkeit ent- 
faltet, die den Sinn für orthographische Consequenz, ohne 
dessen Erwachen das goldene Zeitalter der isländischen Ortho- 
graphie miverständlich bleibt, im Anschluss an ihre Vorbilder 
förderte. Ich erinnere als deutlichstes Muster ähnlicher 
Bestrebungen nach Bewahrung alten Sprachgutes an die 
Wiederaufnahme des z als Eeflexivendung in den Jahi-en 1770 
bis 1794 (Vigfusson, Eyrbyggja XL). Die Berechtigung, in 
dieser Zeit noch den würklich gesprochenen Laut zu vertreten, 
sprechen zudem dem z gleichzeitige Reime ab, wie die der 
Riddararlmur vannz: hans: sanns: manns (Konr. Bim. VII 
48), Finm: vinnz (K. R. VIII 8), vannz: fians (K. R. VIH 
82), manns: Franz (Herb. Rim. II 12), wenn auf dieselben 
auch vielleicht kein voller Verlass ist. 

B. Erklärender Teil. 

Das schluss-t der Mediopassivformen auf zt verdankt seine 
Einführung augenscheinlich der Einwürkung der Endung -zt des 
Superlativs und der 2. Sg. Prt. Ind. Act. starker Verben mit 
Dentalstämmen. Waren doch durcli den Abfall des t eine 
Reihe dieser Formen (s. p. 24 f.) mit solchen des Verbum 
retlexivum lautlich identisch geworden. Ein Ihtu, U(t)z pu 
und pu U(t)z (zb. Mork. I73, 79jg I882,) kann activisch 
(gleich ursprunglichem Uzt) und medial (gleich liz(c) + pu) 
aufgefasst werden, und einem siztu, baztu kann sezt pu, bazt 
pit, und Biz(c) pu, baz(c) pu zu Grunde liegen. Hellz ist St. H. 
71,jo 3. Sg. Prs. Ind. Refl., dagegen Am. 646 II, 4^ 98^, Grg. 
81j Superlativ. Ebenso können Formen wie minz, lettaz, likaz, 
rittaz, sannaz u. a. ihrer lautlichen Gestalt nach in dieser Zeit 
sowohl Superlative wie verbale Reflexivforraen sein. War man 
nun gewohnt, in dem ersteren Falle die 2. Sg. Prt Act. und 



28 So^ä^ 28 

R^fl. durch di^s«?Ib^ LdTirvvrt>L:iUTiii^ anszudrackeii; so konnte 
num leicht dazu ^b^rgvh^c. :iaoh die Fonnen auf zt^ die 
eigentlich aar der 3. S^. Ptt. Acc mk^men. fSr Activ und 
MediopsissiT zu venrenden: wad hatte man einmal lautlich 
identische* blo^sse r^fonuea sowohl mr den Superlatir wie ffir 
das Terbaui reflexiv um im Gebrauch, so war es nur eine Frage 
der Zeit» auch die rr-tormen. die ursprunglich die Besonderheit 
des Superlative warv^u» tur beide Arten ron Bildungen zu 
benutzen. Waren aber ^rst tiumal einige Beihen r^formen 
geschaffeiu so tmden diese rt ei&ige Unterstützung an den 
Superlativ-:?, die durch gebeugte Formen immer wieder in 
Erinnerung gebracht wurden, und Kraft zu allgemeinerer Ver- 
breitung. Und tur die Aunahme einer lautmechanischen 
Wechselwirkung i^i^chen Superlativ und Mediopassiv ist die 
Thatsache, dass Yerschreibungeu wie mf//*ci.v St H. 58^^ und 
jt^in .^>?/>/i'.w>k- Am. 6S6 t\ 4*, H. m. s, El 216,^ im Super- 
lativ überhaupt möglich waren, immerhin beachtenswert, wenn 
man ihr auch kein besonderes Gewicht einzuräumen willens ist. 

Nun könnte jemand, der nicht an tlie Möglichkeit einer 
Beeinflussung der Mediopassivendnng durch die des Super- 
lativs glauben will, diese verbalen rMormen dem Einflüsse des 
Norwegischen zuschreiben (^vgl. Flateyjarbök p. XX), in 
welchem in dieser Zeit des Anschlusses von Island an Nor- 
wegen -:t im Mediopassiv einen breiten Raum einnahm. Eine 
solche Beeinflussung müsste sich indes sicher in den aus 
Norwegen eingeführten Gesetzbüchern vorwiegend geltend 
machen, und gerade die Gragashandschriften dieser Periode 
bieten nur äusserst spärlich mediopassive cMbrmen. 

Die Übergangszeit der Endmig zt in st wird charakterisirt 
durch die Schreibung r.<^ Wir fanden sie in grösserem 
umfange verwandt in Aul 657 B, 4^ G\ Flatey. b., Tatns- 
hyma, Thomasskinna und Am. 173 D, 4 ^ also von der Mitte 
des 14. bis gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts. Diese 
Schreibung zf*, zst an stelle von s ist nicht auf den Superlativ 
und das Mediopassiv beschränkt, sondern tritt überall und 
für jedes z ein. Flatey. b. schreibt zb. auch merdzfim I 46,^, 



29 ^^6 Mediopassivendungen in den isländischen Handschriften. 29 

gcBzdu III 8j 9^, priozsku I 9^3, Ozsurr I 43^. ^^u, innlenzkt 
I öTgg u. s. f. Einer vielleicht gleiches bezweckenden Schrei- 
bimg begegnen wir in den althochdeutschen zs, zss (auch sz) 
Isidors und anderer (Holtzmann, Altd. Gr. p. 295 flf. ; W. 
Braune, Ahd. Gr. § 160 Anm. 2.). 

Die Endung st selber nun ist nach r sowohl im Superlativ 
wie im Mediopassiv nicht durch z, zt hindurchgegangen. Man 
überschaue die unimterbrochene Folge der ßeflexivfonnen von 
*c>^ in: O. H. barsc Tlgg 73,^, bersc 215^3; Jomsv* berfk 
112,^, ferfk 4,^ 18,0- «o 43„ fpi/rfk 2I3 42,, 48,^; StaÖar- 
hölsb. barsc 137,^, bersc (bersk) 85^, 127,^^ I285 1372, I6I3, 

166,3.,, 197, 300,,. ,e 329,, 333„ 382,, 438,, 477,, 495,o, 
fersk tö^^ 517 ^Qf f6rsk 626,^, spyrsc 71,.,^. ,q 95,. g 368g, 
versc {versk) 13,, 146,g 157,^ 163^, 166,,. ,, 219,g 241,, 254,g 
865,g 342,, 351,g 430,g — fast die einzigen «c-formen der 
Sta&. h. b. gegenüber fast tausend ;8r-formen (p. 18); Jomsv. 
spyrst 60,5 ; Eluc. II beri \4Q^j fyrer jortk Ä 114,u; Pinnb. 
verst 49,^.,,, farst 51,,^, ^orst 38g ; in den in Skälh. ver- 
öffentlichten Am. 316 foL litr. A versk 45 2,, Staöarfellsb. 
ofuerst % 63g, ferst i 82,, Am. 173 C, 4^ verst Ä 281,«; aus 
Am 344 a, 4 *^, erwähnt Boer (Qrvarodds.) ^ost (für giorst) 107^ ; 
Skälh. b. verst Ä 10,u; Belgsd. b. wr« Ä 105,g, Arnarbselisbök 
uerst 155g, Am. 158 B, 4^ verst X 200,g. Eluc. III hat nur 
st (Jerst 167g) und Krokarefss. bringt ferst 23,g, berst 33,g, 
skerst 21,^, t?er#^ 33,,, endlich Jvk. (Am. 510, 4^) berstu 49,g, 
berst 56,g, berrst 56,,. -rz, -t'zt, die nicht aus -rps(k) resp. 
-rpst entstanden sind (Hoffory, a. a. 0. 78^) finden sich nur 
ganz vereinzelt. 

Zu dieser Thatsache stimmt auf das schönste, dass die 
Superlative bei Bewahrung des stammhaften r oder des compa- 
rativischen r ihr st beibehalten und sich so ein Gegensatz von 
'Ztr: 'Tstr herausbildet: Finnh.f ramazt 36,g; Staöarf. h.framaz 
78,g: siparst 61ga, süS^arst 60,; Am. 173 C, 4^ nur sidazt 
280, ; Am. 676 B, B hat die Regel -aztr : -arstr durchgeführt 
(Gering, Isl. aev. I p. XVIII); Skalh. sidazst 7„ sidaz 9,„ 
Gyö. 8. eiSarst 21,^ 75,g, fegrsta 77,g, nersta 99,,: fastaz 10,,, 



30 Specht 30 

aluarligaz, rikaztir 27^^ etc. und selbst hoezta b\ und yngztu 
58jj; Belgsd. b. d^arsta 14:1^^^: rikazt 112g; Fiat. h. framazst 
I 423, sidazstr I 46ju: fegrstum 34^ ; Amarb. b. mdaz 153,^, 
sidazta 188^^: sidarst 152, u. s. f. 

Eine ähnliche Festigkeit besitzt die Verbindung -Is- (nicht 
4h-) und -/>«-: Grg. dyhk I 43jj, elsk I 5,^ T^^» ^^^ I 248, u; 
Mork. scilsc Jm 1543^, Ä seihe VJ^^ 27, 1 10 j^, /a&c 148^.^1 
149ij; Jomsv* dvelfk 43^, ife//fc 58^; Gräg. e&c 6j,, seUe 
Ö6ii-i8 l^^i7 266^5, ««&c488j; Finnb. dveht A5^^] Am. 344a, 
4^ Aw/«i 88^; Skälh. b. eist j 3g, eht sua S^^^, Belgsd. b. ceh 
ma 101^,, CP& j r« 99^, Am. 158 B, 4^ eh j 195^a. 

Mork. hrauffse 220^, ravpse 226 j, re/>sc 109 j^,, r«35c 118^^; 
Gräg. hytSse 139,, rT/ÖTsc 99^ iröäTdc 409^2 u. s. w. Weitere 
Beispiele der späteren Zeit siehe bei Gering, Isl. sev. p. 

xvin u. a. 

Für das Verhalten des einfachen -n + «- im MediopassiT 
fehlen mir Belege, doch lässt der Vergleich der Superlative 
(zb. Finnb. stäts grcenstr, gegnstr, seinstr. ucenstr u. a.) ähnliches 
vermuten. 

Von der Stellung hinter diesen Consonanten, denen sich 
hin und wieder noch jp und g, k anreihen, eroberte das -st 
das ganze Gebiet wieder, das einst das mediopassive sk und 
das Superlative st an z, zt verloren hatten, und hat es bis 
heute auf Island behauptet (Holtzmann, Altd. Gr. I^ p. 131; 
Carpenter, Isl. Gr. § 3, e.). 



IL 
Schicksale der Medio-Passiv-Endung in den norwegisclien 

Handschriften. 

Sc als durchgehende Reflexiv-Endung zeigt von den nor- 
wegischen Handschriften nur der noch dem 12. Jahrhundert 
angehörige Cod. Am. 655 IX (ausser in mintstu H. m. s. 
823^^ durchweg -«c, darunter quase P. s. 824^2 ). Schon Fr. N. 
(aus dem Anfange des 13. Jhdts.) zeigt neben gersc pu 12^^, 



31 Die Mediopassivendungen in den norwegischen Handschriften. 31 

snysc 262g und 8 -zc {pu pytSzc 9jg, Ä sezc 22i^.,^. ^g, sem per 
sffnezc 14jQ, dazu die InflF. andazc SO^g, berazc 13^,, fortSazc 
26^) 2 'Zt in ir sezt um 7jg, «e-z^ eigi 22,^ und 1 -«< in hauast 
ai 7j^, sowie 27 2; CÄ:(^ir 37^,, haldez 13,^, A^yr«z 373 j, «yn«^ 
?w«r 85 j, ISgj etc. üoroz u. 8. f.). Auch die kleinen Fragmente Nrr. 
3, 4, 5 unserer Zählung (p. 8.) lassen noch diesen wenig einheit- 
lichen Charakter ihrer einstigen vollständigen Handschriften 
ahnen : Am. 315 fol. C. bringt ßri nemasc N. g. 1. I III13. 14. 20^ 
jiri nemsc lllja neben den unorganischen callazc 113^, firrizk 
114jg, pcBckizc 111,, abyrgizk IIS^^, Fceckiazc 112j ; Nr. 4 
(Gulath. Fr.) blandafc N. g. 1. 11 496,. jg, genFc 497^^, t^cfc 
497i„ abyrgiaFc 499^, Zi^c 498^2, aber Nr. 5 (Borgarth. Fr.) 
ef Jxm hcermazk N. g. J. II 5233 ^^^ innw^: 523^0. Das norw. 
Hom. hat rund 650 -sc (darunter Iqusc 1752, tcesc 171^^, tose 
I683, mit Verlust des stammhaften A) : 25 zc (darunter fystizc 
kann \^\^ , gertSezc hann I6532): 50 -z: 10 -8 (sntistu 3jj 56^2 ^ 
snusjm 32g, loegestu 17^, Icegstu 17j — npj? hceßsctu, wohl 
Terschrieben für *hceßstu — lycs npp 23^, Zycs oc 59^, «%5 
y/fr 49^3 51^ 53^ 54i): 12 -st (rcedost pceir 12920» ^*^^«^ >(Fem 
83j,, snt/st til 232, n^^g^t frvS 14425, *^y*^ Avoprr 242, *'*y** 
aptr 22^, hcelgast 88, 132^^ I423. ,, ^0rs« 79^,,. 20)« Die gleiche 
Mannigfaltigkeit zeigt Spec. reg.: 4 sc {tynisk itSidega 62^3, 
spyriasc um 76^, py^ascoc 76g, py^asc Ä 76^), 45 unorganische 
postvocalische ^c+ ftar-jc (P. P. Refl.) lOlgj, 470 z (darunter 
minnztu I783, minnzpu 162jo, scetzpti 97^ l^^is ? fifiz pat 
100,), 100 r< (darunter mmn^^ >m 154^ I962), 2 «i (sMst pat 
124jo, feörs« nocco^ lö^j?)- Und so geht es fort. Cd. 235 
g, 4*^: 2 InflF. auf -zc (dreiicozk*) ifir 9I30, fvW^^^^' ^^ ^\q)> 
6 anteconsonantische postvocalische z, 2 zt heitSazt allir 91jg, 
lukizt hcerwetna 932^) und 2 s (Iceggs til 9O25, ^^99^ unndir 
902g); Cd. 137, 4^ (e donatione variorum): 102 sc(sk)j 2 -2c 
(koe^zc 3O23, «ö?w^c ö^is)? ^* meist post- und antevocalische 
zt, 20 postvocalische st (ausser legst N. g. 1. 1 I63U 27,7 36i8 363 
und dem Part. Prs. undan fcerst 862^); Am. 316 fol. D.: 5 



♦) Mit w bezeichnet der Herausgeber das geschwänzte v des Textes. 



32 Specht 38 

postvocalische -c/V ieUdhft N. g. 1. I 116,^, fynizA 117j«, 
ubf/rffizA 117, ; Iiiff. am-az/t II604, gefazJt 116jj) und 2 It 
(lef/kA 116... ae/A 116,J; Frostath. Fr. (Nr. 11): 7 /c (fer A 
X. g. 1. n 502,,^ 504,^ ölO^n 515^, til talfc 504i., n^wiA' 607„, 
ßnnaffc/ 507^,), 4 :c (ld*zc 502^ u? ^«'-^^ 504ij, maiSize 512,,, 
#rtcr (P. P. Kert.) 514., 4 / [barf til 504,i, %/ meST 505,,, 
vttnef /uFimildar manne 512^^, Icptfpf a. 6. im. 510,ii), 13 r; 
Am. 315 (Bjarköret) : 4 fc (^/icejiasc N. g. l. I 366^3. ,«. ,„ 
Äa//:' 336^u), 6 postvocalische zt (feckizt N. g. 1. I 131i, 
iih/rgizt 131,^, gerezt 155,.^, peckizf 155jg. ,j, abyrgiazi ISSj,); 
Leg. Ol. Sag.: 18 sc einsilbiger Formen und zwar 10 nach r, I 
fbergkec 53.^, /(vrsc 29^-, persc 33^. hcprsc pu 68^^^ barse ^1^^^ 
joiifc 13,<j. ih/lsc 37.,. (/c^F&it 37^, tcekk 5833, <'«»&c (P. FW. 
Refl.!) 11.,.; dazu (^/^PÖriJ/t 33^, ge/sk 82j^, Aemw* 27,^ 46,., 
gafsk 86^5. /lopY 83.,,,, nam^k 49..^ und barSesc llj): 11 4( 
((/yfe^ 83,, m/*/. En (p. prt. refl.) 643.^, /lygst 33, ,, r0d«4( 
75.J.V >Wi>^ 32,,^, kamst 81,^ 82^3, <oA-^ 26,^^ 71,, vceikst 42^,, 
rtvi/nast 43,^): rfv/<?^w 733^,: rund 270 -zr (fast nur postvocalisch) : 
174 zt (fast nur postvocalisch): 13 c (kvez 44^, qvez 3^,, ^'£«ü 
43,^, bioz 28... /V??*; 11^, fannz 50,^, ^•?£az 5.,. 3^^ 71,^^, kvaz 
7^^, «ff^/ir 71^4, sampt/ctuz 14-, biotSaz 3\^^j hellztu 50^^. 

Strengl. bringt 17 *c (dvcFfsk 8^, spyrsk 16,^^, wpr«A 12,^, 
komsk 4.^ 10g 34, j kudSsk 7^^ 35, ^j, «<o3«ä 32^, dvaldesk 4^,, 
girntiifk 24.,^, hamskiftitik 35^nj huildisk 8.,., fundusk 12,,, 
diudiaftk 7.,^, komask ll^e» snuask 27.^): 2 -«f {cehka^ost pan 
S(o^^, frceg<^08t ov l^o): 6 -» {gcertSes hann 39-, «wy« /m^r 39,nf 
/«/« eihsaman 66^, ^jiadVf wra 2^3 q, dvels i 85, u, 6jww oc SB^«): 
2 r«c {giniizsk (3. Sg. Prs.) 29..., Ifrynizsk (3. Sg. Prs.) 1,^): 
1 -z«^ (frfvgizst i 2^) : rund 300 -cc* (selbst «oe^t^ 4535 , tipj» 
%i<? 67,, u. a.): 100 -^: 60 -c«. Die Tüb. Bruchst. enthalten 
1 'SC (jiemsc 3^): 3 -* (j'cti^es dant^a 1,3, <Jy/iW kirkiu 2., ccbit» 
a%i 3^) : 20 -z (fallaz, faUez, renz, f(vllz, scpkkiz, sceckiz, haUdaz, 
t'omaz), Bari. og. Jos. s. rund 900 -zt (ztt): 1 -zst (stnvaazt 
14,„): 12 'St {ottatSnmst ec 197 (196), gerst alldrigi (Lper.) 192 
(192), ottaSest pu 111 (118), sfnuist fm {2, PL Ipr.!) 173 (172), 
firir ferst eigi 78 (78), i&rist sinna 116 (121), syndist honom 



33 J^e Mediopassivendungen in den norwegischen Handschriften. 33 

208 (208), potUst saddr 199 (198), stnerest nu 154 (156), ve/st 
(detenta, B 86g,, A. verst) 86g,, lysttst allr 87gg und berstzt 
(3 Sg. Prs.) 87 (88)). Die 'Notitsbog p. voxt/ hat endlich 
S. 6 Z. 8: badsdizst. 

Schöpfen wir hier einmal Atem und suchen wir den Faden 
zu gewinnen, der uns aus diesem bunten Wirrsal anscheinend 
gleichberechtigter Formen herausführt! Denn selbst wenn wir 
annehmen, dass einige dieser Lesungen durch etwaige spätere 
diplomatisch getreue Textabdrücke wieder beseitigt werden, 
so ist die Masse der Beispiele doch zu überwältigend, um das 
Nebeneinander von sk zk zsk, st zt zat, z und 8 als Medio- 
passi vendungen des 13. Jahrhunderts zu leugnen. In diesen 
Zeitraum drängen sich also die Umwälzungen in der Bezeich- 
nung der mediopassiven Function zusammen, die die Bewohner 
des abgelegenen Insellandes im Grossen und Ganzen hübsch 
nach einander in Angriff nahmen und sich auf mehrere Jahr- 
hunderte verteilten. So sehen wir sich kreuzen die Bewe- 
gungen : 

1. auf Verdrängung des s durch z (vgl. Norw. Hom. 
650 sc: 25 zc, Leg. Ol. s. 18 sc: 270 zc, Strengl. 17 sc: 300 
zc) und 

2. auf Vernichtung des c resp. Ersetzung desselben durch 
t, die sc in st, s und zc in zt, z umwandelt. Erhalten ist s 
auch norwegisch, freilich nicht so regelmässig wie im Islän- 
dischen, vorwiegend nach r, / und gelegentlich einigen anderen 
Consonanten. Die Richtung auf Erhaltung des s im Amte 
bleibt aber vorläufig eine Unters trömung, vgl. N. H. 674 sc, 
st, s: 75 zc, z, Cd. 137, 4^ 122 /c, ft: 64 zc, zt, Leg. Ol. s. 
29 sc, st: 458 zc, zt, z, Strengl. 25 sc, st, s: 3 zsc, zst: 460 
zc, z, zt, Spec. reg. 6 sc, st: 616 zc, z, zt, Bari, og Jos. s. 
12 st: 900 zt, zU. 

Die ^losen Endungen (z, s) sind nun norwegisch, wie 

68 scheint, nicht älter als die mit t (zt, st). Beide treten in 

den Handschriften von vom herein neben einander auf. In- 

bezug auf ihren Wechsel unter einander habe ich überdies 

gefunden, dass z. B. von den 100 -zt des Spec. reg. (: 470 -z) 

3 



32 Specht 3 2 

postvocalische -ztt {elldizit N. g. 1. I llö^^, fynizä llTju» 
ahyrffiztt 117j ; Infif. amazit II624, gefazft 116^ 5) und 2 It 
(cßykft II622, gefft 116, J; Frostath. Fr. (Nr. 11): 7 fc (berfc 
N. g. 1. n 502,^ 504,^ ölO^n 515,,, tu toslfc 504,,, nm/c 507^^, 
finnaffc] 507^5 ), 4 zc (Ukzc 502^0, scezc 504,1, mcetSizc 512^3, 
s(ezc (P. P. Refl.) 514^, 4 / {barf til 5042,, loegF ineti 505^„, 
vcenef hmmildar manne 512,^, hej/pf a. b, m. 510gu), 13 z; 
Am. 315 (Bjarköret): 4 fc (hceßasc N. g. 1. I 36613.30. ^n, 
hceffc 336^u)> 6 postvocalische zt (feckizt N. g. 1. I 131i, 
abi/rgizt 131,^, gei^ezt 155,3, peckizt 155ig. ,g, abyrgiazt 156ig); 
Leg. Ol. Sag.: 18 «c einsilbiger Formen und zwar 10 nach r, / 
(ierskec 532^, fcersc 29,,, gersc 33^, beer sc pu ßS^^j bar sc 41^^^ 
forsc 13,Q, di/lsc 37^,, dvcehk 37^, toelsk 533g, dvalsc (P, Prt. 
Refl.!) 11^2 5 ^3.zu gUxtSsk 33^, gefsk 82g,, koemsk 27^^ 46g,, 
gafsk 8635, liopsc 83.,^, namsk AQ^r, und bartSesc 11,): 11 «< 
fdy&^ 83,, seilst, En (p. prt. refl.) 6435, hygst 33g2, rcpär^^tt 
7535, pickist 323Q, ^öm«i 81, ^ 82^3, tokst 26jg 71,, üCPife^ 42^,, 
rceynast 43^^) : dyfo^w 733^,: rund 270 -zc (fast nur postTocalisch) : 
174 zt (fast nur postvocalisch) : 13 2; (kvez 44g, qivez 3,g, pikciz 
43,^, Jtoz 2822, /a?is 11^, fannz 50,^, Aixaz 52e» 30 ^Ij^,, itwz 
73g, «cpttt-2; 7I24, sampyctuz 14,, biotSaz Slg^), hellztu 50,^^. 

Strengl. bringt 17 »c {dvcehk 8^, spyrsk 16,^,, wpr«i 12^^^, 
komsk 4^ 10g 34,, kua^sk 7^^ 35,^,, »ioär«Ä 32^, dvaldssk 4jg, 
gimtisk 242^, hamskiftisk 35^ u, hmldisk 803 j fundnsk ISgg, 
dxicßliask 7^^^ komask llje? smiask 27^^: 2 -«i (celskä&ost Jhm 
36^^, frcegi^ost oc l,^): 6 -« {gcer^es kann 39,, «ny« /m^r 39^ „, 
/a& einsaman 66^, ÄuaS"« vera 253^,, rfwe/« t 85, u» Jmws oc 38^^): 
2 -2«c (ßimizsk (3. Sg. Prs.) 2922, Iceynizsk (3. Sg. Prs.) 1,^): 
1 -2;»^ (frcegizst i 2^) : rund 300 --zc (selbst toczc 4533 , tip;> 
Ae^zc 67„ u.a.): 100 -z: 60 -0^ Die Tüb. Bruchst. enthalten 
1 -«c (nemsc 3g): 3 -» (rce^es dawSa 1,3, iy/u« kirkiu 2^^ ccem» 
aeigi 3,^) : 20 -^ (fallaz, faüez, rdnz, fceUz, scekkiz, sceckiz, haUdcu^ 
comaz), Bari. og. Jos. s. rund 900 -zt (ztt): 1 -zst (stnvaszt 
14,^): 12 'St {oUa»umst ec 197 (196), gerst alldrigi (Lper.) 192 
(192), otta^estpu 111 (118), stnuist fra (2. PI. Ipr.!) 173 (172), 
firir ferst eigi 78 (78), i&rist sinna 116 (121), syndist honom 



33 Die Mediopassivendangen in den norwegischen Handschriften. 33 

208 (208), pottest saddr 199 (198), sinkest nu 164 (156), ve/st 
(detenta, B 86g,, A. verst) 865,, lystist cUlr 87gg und herstzt 
(3 Sg. Prs.) 87 (88)). Die 'Notitsbog p. voxt/ hat endlich 
S. 6 Z. 8: bceisdizst 

Schöpfen wir hier einmal Atem und suchen wir den Faden 
zu gewinnen, der uns aus diesem bunten Wirrsal anscheinend 
gleichberechtigter Formen herausführt! Denn selbst wenn wir 
annehmen, dass einige dieser Lesungen durch etwaige spätere 
diplomatisch getreue Textabdrücke wieder beseitigt werden, 
BD ist die Masse der Beispiele doch zu überwältigend, um das 
Nebeneinander von sk zk zsk, st zt zst, z und s als Medio* 
passivendungen des 13. Jahrhunderts zu leugnen. In diesen 
Zeitraum drängen sich also die Umwälzungen in der Bezeich- 
nung der mediopassiven Function zusammen, die die Bewohner 
des abgelegenen Insellandes im Grossen und Ganzen hübsch 
nach einander in Angriff nahmen und sich auf mehrere Jahr- 
hunderte verteilten. So sehen wir sich kreuzen die Bewe- 
gangen : 

1. auf Verdrängung des s durch z (vgl. Norw. Hom. 
660 sc: 25 zc, Leg. Ol. s. 18 sc: 270 zc, Strengl. 17 sc: 300 
zc) und 

2. auf Vernichtung des c resp. Ersetzung desselben durch 
ty die sc in st, s und zc in zt, z umwandelt. Erhalten ist s 
auch norwegisch, freilich nicht so regelmässig wie im Islän- 
dischen, vor¥riegend nach r, / und gelegentlich einigen anderen 
Consonanten. Die Bichtung auf Erhaltung des s im Amte 
bleibt aber vorläufig eine ünterströmung, vgl. N. H. 674 sc, 
st, 8: 75 zc, Zy Cd. 137, 4^ 122 /c, hx 64 zc, zt. Leg. Ol. s. 
29 sc, st: 458 zc, zt, z, Strengl. 25 sc, st, s: 3 zsc, zst: 460 
zc, z, zt, Spec. reg. 6 sc, st: 616 zc, z, zt, Bari, og Jos. s. 
12 st: 900 zt, zU. 

Die ^losen Endungen (z, s) sind nun norwegisch, wie 

es scheint, nicht älter als die mit t (zt, st). Beide treten in 

den Handschriften von vom herein neben einander auf. In- 

bezug auf ihren Wechsel unter einander habe ich überdies 

gefunden, dass z. B. von den 100 -zt des Spec. reg. (: 470 -z) 

3 



34 Specht 34 

47 vor vocalischem Anlaut stehen, 18 vor />, 12 vor «, 
4 vor n (nach Formen wie slnuazt etc. besonders in der Bari, 
og Jos. 8., wohl nicht uninteressant), 2 vor t u, s. f. Rechnen 
wir dazu das Dutzend -zt vor grossen Interpunktionen, so 
wird wahrscheinlich, dass das t, unter gewissen Bedingungen 
direct aus k entwickelt (cf. Lenz, K. Z. 29, 27. 42), erhalten 
blieb vor Vocalen, in der Pause und zum Teil yot p» U s, n, 
denen sich c anähnlichte. Blosses -z begegnet allerdings eben- 
falls in allen diesen Lagen, aber -s erscheint neben -st so 
gut wie nur vor Consonanten, wie die Beispiele lehren; ich 
erinnere auch an das analoge Verhalten der isländischen 
Beflexivendung -«. 

Die wenigen -zsc und -zst dieser Reihe sind Vermittlungs- 
versuche zwischen sc und zc, st und z, zt. 

In der Bari, og Jos. s. trafen wir keine -sc- oder -2:c-form 
mehr — es verschwand das altnorwegische -c also schon in 
der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts — herrschend ist zt (ztt) 
neben st geworden. Und das nimmt bei der analogen Ent- 
wicklung des Superlativs nicht "Wunder. Schon in Fr. N. 
des Spec. reg. weichen die postvocalischen superlativischen 
'St dem -zt (Ausnahmen: liosastr 224 3 und vacrastan 831). 
Norw. Hom. hat, wie beim Verbum reflexivum -sc, so hier 
mit wenigen Ausnahmen -st bewahrt (zt in aldyggvazta 29 n 
und inzsto 91, u. Gen.). Spec. reg. führt neben seltenem st 
{foegrst 99^, 184,, I643,, sitSarst 56, 60, 144,, I743,, stoerster 
ö^i ^^5? wcerst 79j^, löG,,, Icengster 48,^. ,, 49^, miskunn- 
samaste 160, und ßestr, mestr, hasstr u. ä.) durchgehends -zt; 
Leg. Ol. s. neben seltenem -st (staersto 36, 62,,, aspsta 663^, 
vcBnstr 30,, 34,, liclecstan 79,,, frcegstr 31,, dyrlegsta 7O3,, 
loBngstr u. a.) erwartetes zt und 34 unorganische postvocalische 
zt. Die Strengleikar verwenden -st und -zt ungefähr gleich- 
berechtigt neben einander (nach r steht nur st) ; Bari, og Jos. s. 
aber hat neben verschwindenden «^-formen (darunter natürlich 
fegrstr 74^, 153,,, 161,,, 186,,^, stoet'sta7^, hcerstr (an Stelle 
von gewöhnlichem hcestr) 135,3, 18„ 41,, 127, ,g 141,,, 179,,^ 
192,9, ^^^i98> «'^^«^^ und fyrstvy auch Ungst 81,3 198, ^^ neben 



35 Die Mediopassi venduDgen in den norwegischen Handschriften. 35 

lengzt 156, j^) nur zty von denen rund 150 -zt postvocalisch 
stehen. Formen auf -zst giebt es nur wenige, wie inzsto N. H, 
91,, vtryggvazsta'ßdsl. & Jos. s. 152 (154), hcezstom Strengl. 3,^. 
Zur Alleinherrschaft gelangt -zt im Norwegischen weder 
im Superlativ noch im Verbum reflexivum. Den Rest des 
13. und das ganze 14. Jahrhundert hindurch treffen wir 
zwar immer noch zt und z, die Formen mit s aber (zst^ st) 
rücken stätig vor. Einige Belege, die ich dem Dipl. Norw. 
I & U entnehme, mögen genügen. Allerdings scheinen eine 
Heihe dieser Verkaufsurkunden und Vertragsinstrumente nicht 
in reinem Norwegisch abgefasst, sondern mit einer Art Kauf- 
mannswälsch durchsetzt zu sein,. sie bieten indes andererseits 
den Vorzug, datirt zu sein. 

1. zt zeigen: oör/ozt af I 73 ^^ (vom Jahr 1292), profaSezt 
pa I 76, 83 (1294), syndizt ose II 32, 35 (1295), pmr roeynazt 
i I 83, 91 (1300). hcrfdoztpceir 1 175, 215 (1332), skUzt ok JUslzt 
undir I 220 (1341), kendizt ok I 307, 402 (1368), si/näzt pa 
I 348, 470 (1382), seighizt at, nemnazt j, ßrinemzt ok II 387, 
501 (1387), okcenduzt of (^ ok kcenduzt) I 429, 594 (1404) u. a. 

2. z zeigen: hon halldez vi&r I 28, 29 (1291), diruiz pesa 
I 82, 90 (1299), vcntaz mellom I 174, 213 (1331) ek kennez 
mer 1 270, 340 (1354), kodndiz fir I 302, 393 (1367), han 
profuatz at I 337, 451 (1378), mytz Pen I 360, 491 (1384) 
kendoz pau I 377, 516 (1389), fanz meer I 405, 559 (1397) u. a 

3. Z8i: lotnazst a II 11, 13 (1266), ßrir ncemizst a< I 79 
86 (1297) ; berazsU Iceggizst tu, lykzst Iceggiazst I 85, 92 (1300) 
segiazstf haUdazst und sidadzsta (Superl.) 11 132, 154 (1324) 
namfnizst II 253, 308 (1351); fyrnrnnzü I 223, 280 (1342) 
Uomdizst meder I 285, 367 (1360); gafwozst 1323, 426 (1374) 
Parfttazst II 347, 449 (1377), nem/nazst 1 378, 516 (1389) 
radadzut (Inf. Eefl.) I 417, 577 (1401), haldazst (Inf.) II 434, 
571 (1402) u. 8. w, 

4. 8t: at komastJl20, 20 (1283), barost firi 29, 31 (1292), 
haldast I 90, 98 (1303), skUdist I 151, 178 (1324), gerdest II 
137, 161 (1327), andcBdest 1 279, 355 (1358), kendist I 315, 
413 (1371), kendüt II 352, 452 (1379), tnV^er kennüt ek I 343, 

3* 



36 Specht 36 

461 (1380), kmuiütßa I 366,^499 (1386), kmnnüt ek I 412,570 
(1400), kendost ad pau I 421, 582 (1402) u. s. f. 

Das Jahr 1319 hatte Norwegen mit Schweden in Personal- 
union vereint; das 15. Jahrhundert vereinigte es auch mit 
Dänemark. Diese Unionen bringen dem Norwegischen eine 
Reihe Svecismen und eine grosse Menge Danismen (Noreen, 
De nord. spräken 22, ürdr. f. germ. Phil. I 430). Ostnordisch 
ist nun die Medio-Passiv-Endung schon so frühzeitig > s ge- 
worden, dass A. Noreen diese Endung nicht aus -sk, sondern 
aus einem vorauszusetzenden -*«ä ('^ses) ableiten zu müssen 
geglaubt hat (Grd. f. g. PL I 425 sub 9, 424 sub 22). 
Ihren baldigen Sieg in der norwegischen Schriftsprache wird 
daher die Endung -« dem Einflüsse des Ostnordischen zu 
danken haben. Denn seit dem 2. Viertel des 14. Jahrhunderts 
wird das Verbum reflexivum durch die Endungen zs & sz, zss 
& ssz bezeichnet, die um die Mitte dieses Jahrhunderts durch 
8s und 8 abgelöst werden. Ich gebe einige Belege aus dem 
Dipl. Norw. I & II: 

1. 8z, SSZ, Z8f zss: kaupgerdesz II 137, 161 (1327); vcentesz 
fyr, fengosz paUi ncumfdisz, syntysz oss I 244, 307 (1347); hmjdisz 
I 250, 317 (1349), ek koeiinisz pcett I 299, 390 (1366), seinarfue 
kalladessz vera II 340, 439 (1375), gefuazss II 349, 452 (1378), 
uidcpMcenduzs II 363, 467 (1381), kceindisz pa I 326, 431 (1375), 
vider kenduzs I 333, 442 (1377), kendusz I 340, 454 (1379), 
famz mer I 405, 559 (1397), kendusz pa II 427, 562 (1400), 

kendoszpau II 432, 568 (1401), ringiasz Peer I 417, 577 (1401). 

2. s, 88 : hon andadess ok II 349, 452 (1378), dirfuas t'd 
311, 408 (1370), hoittras, at 1 312, 409 (1370), kennas pa 
I 388, 534 (1391), Joech kioennois thet 1 415, 575 (1401), haue 
kcennes meth I 477, 619 (1409), kenndos pa badr I 454, 627 
(1410), kcendes pa I 498, 695 (1424), ther gafuos giofuinar I 
502, 699 (1424), sagdes sik II 513, 690 (1426), koendis Poes 
I 515, 718 (1427), nmtifnas tili II 524, 699 (1429), ka>ndiss 
Pess I 526, 732 (1431), keiides fornemd 1 532, 737 (1432), 
kenniss ek I 560, 774 (1440), kendis pa II 600, 799 (1453) u. s. f. 

In der Schriftsprache ist -s als Endung des Verbum 



37 IHe ersten Personen. 37 

reflexivum seit 1450 — also um dieselbe Zeit, wie -st im 
Isländischen — die Regel. Gelegentliche Schreibungen wie 
ef han proffwazss I 721, 999 (1500) oder betzstce (Superl.) 
I 703. 976 (1493) können diese Thatsache nicht umstürzen. 
In der Volkssprache hat sich -st (auch ßnft, fanli etc.) neben 
-^ erhalten, hat aber seine passive Verwendung fast ganz ein- 
gebüsst (J. Aasen, Det norske folkesprogs grammatik, Kristi- 
ania, 1848, §§ 168, 262, 278, 298). Für den Superlativ ist 
'ft die allgemeine Endung geworden (auch inste, minst etc. 
J. Aasen, D. n. f. gr. § 252). 



m. Die ersten Personen. 

Unberücksichtigt haben wir in unserer bisherigen Unter- 
suchung die ersten Personen gelassen. 

L Die 1. Pers. Sing. Befl. 

Isländisch 
ist für die 1 . Sg. Refl. die Endung -inc sicher die ältere. In 
Am. 237 fol., R. M. und Cd. 1812, 4®, begegnen Formen der 
1. Sg. Refl. leider nicht. Am. 674 A, 4®, bringt hreddomc I5, 
das St. H. 12 'tnc, 2 -m, kein -msc: hidpomc 1942?, comomc 
973, commomc 97e, cömomk 97 12, hrceddoinc 202,^, g^rpomc 202^, 
vitromc 113g,, vitropomc 132^2, lötomk 86^,, treystomc 15^, 66^, 
202, ; dazu gerom ec llSg, ec pyckiom pic 195^. Am. 677, 4**, 
zeigt ec quehome 37,^, 39,^, 42,^, 138^3, ec tr^Itomc ^4^^. Erst 
Am. 645, 4", I stellt, wenn wir von dem ec ravpö fc Agr. 14^^ 
absehen, neben 15 -mc (fysomc 58g, forvUnopomc 6426, hr^domc 
127, g, hripomc 12722, bwrlvpvmc 89,, A/nomc 45, ^.jg, vndroinc 
8O22 82,5 127, 12833, pykUymc 37,^ 40^ 51, g, poTomc 51,,) 
das eine ec gimorafc 102,^, und auch Am. 645 II hat neben 
forpomc ec 98,3, ^^ hr^pomc 93,^, syndomc 99,,, ec potomc 1093^^ 
nur ec g'ndösc et (=> gimdomsc eigi) 9324. 

Am. 655, 4®, führt in den uns hier angehenden Fragmenten 
nur ottomc ec (H. m. s. I 3663^), Am. 623, 4^, ausser /ßwom« ec 
(Prg. d, H. m. s. I 260,^) nur die 10-mc-formen: pottomc ec 
H. m. s. II 133^. ec Staundome P. s. 463,,, finnomc ecTL. m. 



38 Specht 38 

8. II 217jg, hrepamc ec EL m. s. I 261t9 262i2, hr^pamc ee 
2662o> undramc ec 266^,, undmmc ec 260,^, ee hr^pomc TL 2405, 
villomc ec II 239x8, und Grg., Cd. reg., nur ec bervmz or 
683.3, das erste -mz unserer Reihe. Die Morldnskinna hat 
neben ek pottvmz 99g nur 23 -me (und zwar ebenfalls nur 
'Omc, vmc, kein -emc), kein -msc, 0. H. 5 -mz (eomvmz l^Ogn, 
hittvmz 215g, liopvmz 174,,^, setttmz 206,, pottvmz 184^) neben 
10 -mc (fast durchweg in den eingestreuten Skaldenrersen und 
ausser sjamc 80^ gleichüaUs nur -omc, -vmc). Jomsy^ hat nur 
-mz (fcüpvmz 60^,, tokvmz 89,^, pottomz 41-, pottvmz 41g, 
pt/ckümz 8^ 17g 47j„ 57^ 883^ 94^« 114^4), Staöarholsbok 
ec teliumc 195jg, bervmc ec 3292a.i3 und teliumz ec 196^g, JomsT. 
(7,4*^.) wieder nur -mz (ek sMtöumz 63jg, pickiumz ek 73a4, ^* 
pottumz 6O2.3). Eine. II (Am. 676, 4^ vom Jahr 1300) ist 
dann mit seinen ek fytvmk 146g, ek hrceddöc 9%, ek lyfvmk 
133g die letzte Handschrift unserer Reihe, die noch -Tuk auf- 
weist Die späteren Handschriften haben nur -mz (z. B. 
Gyö. s. : ek fiNumz 42a6, ftNomz 44^, elldumz ek 57g, pottumz ek 
91i.a u. a.) und seine Vertreter. 

Diese Übersicht beweist, dass -msc als Endung der 1. Sg. 
Refl. erst zur Zeit unserer Handschriften, wahrscheinlich erst 
nach 1200 (Am. 645, 4", I entstammt dem 1. Viertel des 
13. Jahrhunderts) enstanden ist. Die 1. Sg. Refl. auf -m^c statt 
-rwc ist gewiss eine Folge des Übergewichtes der ausser der 
1. Sg. allgemein gültigen Formen auf -sc, dafür spricht auch 
seine baldige "Wiederablösung durch -mz, entsprechend der 
des '8c durch -z, während -mc sich neben dem letzteren noch 
über ein Menschenalter erhielt. 

Die vereinzelten Ä;-losen Formen, wie pyckiom pic St H. 
195^ u. a., sind genau entstanden wie die p. 20 ff. behandelten 
k-losen Formen.*) Häufiger treffen wir die Endung -21m für umk 
in den bei den Skalden beliebten Gonglutinationsformen aus 
der 3. Pers. Act. + m(i)k, in denen mik den Dativ und Accusativ. 
vertritt (z. B. rdku-mk (rdku mik), aber stöpu-mk (stöpu mir). 



') Vgl. auch Wis^n, Ark. I 377. 



39 I^ie ersten Personen. 39 

(Ausführlicher handeln über diese Formen A. Wimmer, Forn- 
Bordisk formlära, Lund 1874, p. 157 Anm. und A. WisSn, 
Arkiv I 383 f.). Aber auch diesen -um liegt so wenig wie 
den oben genannten -*u + m(e)r zu Grunde, sondern sie ver- 
danken ihre Verwendung für -umk dem metrischen Grunde, 
Positionslänge in Nebensilben zu vermeiden, die vor conso- 
Tiantischem Anlaut bei Verwendung von -umk doppelt empfind- 
lich wirken musste (Wis§n, Ark. 1, 384). 

War nun einmal -z in die Endung der 1. Sg. eingedrungen, 
so ist selbstverständlich, dass sie entsprechend den Wandlungen 
des 'Z in den übrigen Personen umgeformt werden musste. 
Demgemäss bringt z. B. Flateyjarbök Formen wie hrcedumzst 
ek I 89,^, pickiumzst ek 8937 neben solchen von der Form 
bidumz ek III II23, ^k berdumz III 13^u> und Am. 162 B. 
fol. (Nr. 40) ek ottumzt I 48^, E^rökarefss. vndrumzt eg 2034. 

Die ausgeschriebenen Formen von Jvk. (Am. 510, 4^) 
eg potiunzt 8sg & ek Jnck(i)unz 24^ zeigen uns Assimilation des 
labialen m an das dentale z. Demzufolge hat der späte Cd. 
Am. 651 0, 4**, -nst (z. B. Eg poUunst 15, 3.88*24 l^ie ff-> ^9 
komxmst 16^,, ec riedunst 65^^, eg komunst 73j3, aber ffikiumst 
eg 16,7). 

Formen auf -imk (-emk)^ wie sie Wisen, (Ark. I 383) 
für die 1. Sg. Conj. Refl. ^temligen tidigt' in Anwendung sein 
lässt, kann ich, wie die Übersicht lehrt, aus der ganzen Beihe 
der älteren isländischen — und, wie wir sehen werden, nor- 
wegischen — Prosahandschriften bis herab auf Eluc. II nicht 
belegen. Wohl aber begegnen wir jetzt völligen Angleichungen 
der 1. Pers. Sg. Befl. an die 2. 3. Sg. Befl., die, anfänglich 
vorwiegend im Conjunctiv auftretend, wohl zur Unterscheidung 
desselben vom Indicativ geschaffen wurden. So bringt schon 
Thomassk. (Nr. 1008) neben atcdgi hryggium [z] ek 395^8 ^- a- 
at ec minntiz 402,^, at ek pottiz 395j,, ßrdiz ek 411i8 u. a. 
Pinb. (Am. 132 fol.) stellt pikiz 77,^ SO^^ 91j„ oUaz 59^ 79a, 
pottiz 91 j^ und Flatey. b. z. B. at ek audlizst eilift lyf 31^, 
und so geht es weiter. — Neuisländisch sind diese nasallosen 
Formen im ganzen Singular herrschend geworden ; es heisst im 



40 Specht 40 

Singular des Indicativs Icest (gesclirieben meisst IcBzt)^ berste 

kailast; Ijezt, bar^ist, kalla^üt und in der 1. 2. 3. Sg. Conj. 

Idiiat, berjüt, kaliist; l jetist, bereist, kalla^ist (Carpenter, 

Neuisl. Gr. § 115). 

Norwegisch 

maclit sich die Beeinflussung der ersten Personen durch die 
übrigen verbalen Reflexivformen noch bedeutender und früher 
fühlbar. Die ältest belegte Endung ist -mc, es ist -msc im 
Singular mir gar nicht begegnet. Man vergleiche: 

Norw. Hom. : ceignäSonic ec SS^, minnumc ec I3, rdtSumc 
ec 194oQ ; Spec. reg.: 2 -mo (itSrumc ek 190j,, stadfestumc i 
94^3): 11 -mz (ec bceiddumz i 63^, fysumz ec 627, ec gimumz 
12324y ec rcedumz 137jg, rcedumz ec 14226; ec skamdumz 130jg, 
ec treystuTnz ögg, pykkiumz ec 59g j, pyckinmz ec 6824, pottumz ec 
17327 und synimz ec 143^^): 4 -mzt (ec roetSumzt 154i2.i7, re- 
dmnzt 154jg, pyckiumzt 124^), dazu skylldaz ec 124g 3. Leg. 
Ol. 8.: 12 -mc (bceitiumc 17gg, it^rumc 74j^, itSrumk 713^, cet- 
lomk 41ai, undrurnk 27jg, ottomk 40^9, trceystumc 2^^ 32^, 
pikciumc 66jg, pottomc 322.23> pottomk 45^^) neben bcersk ec 
5320J dt ec skilizc 71 23, at ec hig^izt 5427*, Strengl. : 8 -mc 
(fyrir faromc 26i2, dirf^umk 7i2, hugt^umc 23ia, higt^omc 14g, 
hamskiptumk 31 29, ottumk 3I21, ottomk 31^-, tynemc 26j3), dazu 
bums oc 38^, und 3 -mzc (ec bvmzc 82j^, girnumzc ec öOjg, komwnzc 
ec 763^). Bari, og Jos. s. hat ausser ottat^um^t ec 197 (196) 
nur Formen auf -mri und zwar 22 -umzt, 16 -omzt und 1 -emzt 
(at ec tapemzt 166, 157). 

Die eine Singularform auf -emc unserer Reihe (tynemc 
Strengl. 2613 und zwar in der Verbindung: helldr en ec fyrir 
faromc oc tynemc af) ist zu *tynumc gebildet sicher nach dem 
Muster von Hynemsc: Hynumsc des Plur. Refl. oder *tynem: 
*tynum des PI. Act. Sonst aber dürfen wir schwerlich von 
einer besonderen Einwürkung der 1. PI. Refl. auf die 1. Sg. 
Refl. sprechen. Denn die jüngeren synimz (Spec. reg.) und 
tapemzt (Bari, og Jos. s.) würden ihrerseits schon eine durch 
die Analogie der übrigen Medio-Passiv-Formen umgestaltete 
1. Plur. Refl. voraussetzen, und ganz deutlich zeigen den di- 



41 Die ersten Personen. 41 

recten Einfluss jener Formen die Bildungen auf -mzc und die 
genannten bcersk, scilizc, scylldaz, Imgdizt. In dem benachbarten 
Schweden hatte auch die 1. Sg. Act. schon früher die Formen 
der 2. 3. Sg. Actiyi angenommen (Noreen, De nord. spr. 30, 
Grdr. f. g. Ph. I 434). 

Durch Einführung der nasallosen Formen war der ganze 
Sing. Refl. gleich geworden. Die weitere Entwickelung der 
1. Sg. Refl. ist daher identisch mit der der 2. 3. Sg. Refl. 
So bringen denn einige Handschriften noch -mz, z. B. Cd. 
17, 4^ der Thomassaga (kennumz ek \^^^^j ek pottumz 154jj.^g, 
^^ ^99^^^^ 1Ö422, vinnumz 15423 u« a.), herrschend werden 
aber bald die nasallosen Formen, die entsprechend den übrigen 
Reflexivformen z, sz, zt, zst, st geschrieben werden, z. B. im 
Dipl. Norw.: ek kennez II 28, 29 (1291), at eh. kcennez mer 
I 270, 340 (1354), kennist eh I 282, 361 (1358), cU ek kcennisz 
pect I 299, 390 (1366), at ek kicenniz pcet I 305, 399 (1368), 
ek kennizst (2 mal) I 325, 430 (1375), at ek kceinidz pens, 
htinidz ek I 331, 439 (1376), viderkennist ek 1 343, 461 (1380), 
knennizst ek I 364, 496 (1385), kennizst (2 mal) I 368, 503 
(1386), at ek kiennetz I 394, 543 (1393), kennist ek^l 412, 670 
(1400), kennizt 414, 572 (1400), kennest ek 414, 573 (1400). 

Mit dem Beginne des 15. Jahrhunderts tauchen blosse 
-8, -88 als Endungen der 1. Pers. Sg. auf, die um die Mitte 
des Jahrhunderts, genau wie im übrigen Medio -Passivum, 
in der Schriftsprache die Alleinherrschaft an sich gerissen 
haben, Tgl. aus dem Dipl. Norw.: Jcech kicennces thet I 415, 
575 (1401) Oslo, aber noch kennoinst I 461, 639 (1413), ek 
kcennes I 505, 703 (1425). 

Im Munklifi (1427) noch: kennizft 50^ j, SOj^u, kennili ek 

Im Dipl. Norw.: pess kenniss ek I 560, 774 (1440), 
kennes pet I 558, 809 (1449), kennis thes II 591, 786 (1450), 
kenne8 jec (2 mal) I 612, 836 (1456), kendes jak 1 659, 915 
(1475). 

In der Volkssprache hat sich die Endung -H neben -s 
erhalten (J. Aasen, a. a. O.)« 



42 Specht 42 

2. Die 1. Pers. Flur. Kefl. 

Isländisch 

deuten für die 1. Plur. Refl. die Handschriften die Endung 
-msc als die ältere an. Schon Am. 237 zeigt fy£omrc 167^^. 
fmnnö£c 167,5- In R. M. und Cd. 1812, 4^ fehlen 1. Perss. PL 
Refl. Am. 674 A. (Eluc.) hat zweimal fcomölh 56^^^. 

St H. bringt 40 -msc: 34 -mc: 1 -m (kollom liper 81j^). 
Dazu kommen veniomka (für veniomsk) 24^^ und comesc 122a3, 
lielgosk 197g, bei denen wohl nur der m-strich über e, o ver- 
gessen oder undeutlich geworden ist. Unter diesen Pluralen 
finden wir -ermc, -emc in ganz stattlicher Zahl : buemsc 21 825; 
fiNemsc 4888, forpemsc 211a, fysermc 17725, georemsc ISSg, 194»^ 
lielgemsc 33i8, hialpeinac 273, leittemsc 2426i sniiemsc 19i8, staj^- 
demsc 3226 3436, synemsc 1947, ßuaenisk 107i6, ofilemsk 4830, 
CDplemsc 65io, ^rvilnemsc 7623 und comesc (für ^comesc) 12 833. 
— glepemk 19128, glikemc 7O2, synemc 217i6, Umemk 21 ^i, — 
Die übrigen Formen zeigen -omsc, -omc, mit Ausnahme von 
buumsc IO813, snumsc 42i4. 

Der Physiologus hat fyr forofc ver lOio (= Anal. * 249s 
faromfc); Am. 677, 4^, 14 -mc : 4 -mfc (darunter hrejnmc 2O22, 
revnimc IO13, fnuemc ß7ß\ ramtengimfc 75ii, trevftimrc 932, vi7- 
ciVw/c84si); Am. 645, 4^, I. ipromsc 982: lyftoinc 1092?; Am. 
655, 4^, IV f^pomsc H. m. s. II 2BI38, hredomsc II 28I28 ' 
trcüstomc 2842. Am. 623 bringt nur 8 -msc, darunter ver stan- 
dimsc P. s. 4644. 

Um diese Zeit verschiebt sich das Verhältniss. -msc bot 
durch seinen «-bestandteil dem vordringenden -z willkommenen 
Anhalt, festen Fuss zu fassen, während -mc im engen Anschluss 
an die 1. Sg. Refl., der es entstammte, ihm noch eine Zeitlang 
erfolgreich widerstand. Somit bekommen wir jetzt das Ver- 
hältniss nus : rnz. 

Morkinsk. hat 12 -mc (darunter eigimc vi9 180n, vit fyn- 
dimc 7 7 18 : 4 -mz (biopvniz til 14086, vitS finniinz sva öOis, fysomz 
ver 1726, vi^ finnimz oc 1076); 0. H. 16 -mc (darunter co- 
mimk 859, scilimc 1198a, 1192?): 5 -mz (hittomz 206i6, MUvmz 



43 I^iö ersten Personen. 43 

S20a6, scüßvmz 21 64, sottomz 3%%} pottvmz löOe). Jomsv.* hat 
Bur 5 -mz (darunter heriuz 104a6) und JomsT. nur herimz 747. 
Mit des Eluc. II krofffestimk ver (Annaler 1858 p. 1 28*) nehmen 
wir Yon den Endungen mit dem k-element endgültig Abschied. 

mz und seine Vertreter behalten eine geraume Zeit lang 
die Herrschaft (z. B. Finnb. ver finnumz 4I7, Am. 344 a, 4 ®, 
II Hand bardüz, Flatey. b. laupimz III 1327, efumz III295, vb- 
Tumzst löss, Krökar. s. hugdwnz ver ITs), bis mit Jvk. (Am. 
510, 4^) -nzt seinen Platz einnimmt (jSrunzt 72^^), das wiederum 
l)ald dem -^st weicht (z. B. Fljötsdoela: hütumt 16^, hofunst 
38309 neitunst 436 u- &• f.)- 

Neuisländisch ist^ wenigstens in der Schrift, das m aus 
den Activformen wieder eingeführt (lätumst, berjumst, köllumst 
u. 8. w.), daneben aber hat sich eine um die Activendung der 
1. Plur. -um erweiterte Form herausgebildet, die ihren Ursprung 
wohl im Praßteritum hat, vgl. die 1. PI. Prset. Ijetust-um, bör^ust- 
wn, köUuStist^um mit den Prsesentien Idtustum^ berjustrim, hol- 
lustum (Carpenter, Neuisl. Gr. § 115). 

Norwegisch 

lassen sich aus den ältesten Handschriften 1. Perss. PL Eefl. 
nicht belegen. Im Norw. Hom. aber bilden die Formen auf 
-mic schon die Minderheit: 10 -rmc (darunter vir biargenisc 
lOij, fyrir faremsc 199i) + 1 -mzc (rcßt^umzc 18728) + 1 -^i^ (fy- 
9umz 13831): 30 -mc (darunter kein -emc). Spec. reg. zeigt 
nur vit skarnSurnzk: mintumz 64i2, skiliumz 142ia: minnmiic I6824, 
Jinnimc 6429, Od. 137, 4®, mceginmc %% ; Leg. Ol. s. nur 10 -mc 
(darunter vit bommk 348« 63i9, ßnnimk 26^^) ; Strengl. tn^ hittomzc 
53s7, ver skildvfnzc 73e, vit finnumz 52s4. Die ungefähr gleich 
alte ])idrekssaga (StockL Nr. 4) hat, wiewohl in den übrigen 
Formen ^almindeligst' -zt geschrieben wird, in der 1. Pers. 
'almindelig' -mk (vgl. Vorrede p. XVI). 

Die Bari, og Jos. s. hat nur -mzi (6 -umzt', duellumzt 
lli4, fysmnzt IX-n^ likiumzt 30s6, skiliumzt 30s7, syngumzt 8O80, 
viUtwnzt 113n9; 4 -ornzt: fartS&mzt 5629, gerwnzt IO6111, roeSomzt 
106x09, sigraSomzt ISO^t). 



44 Specht 44 

Diese Übersicht ergiebt, dass in den norwegischen Hand- 
schriften tnsc sehr viel früher abgewirthschaftet und in grösserem 
Umfange durch inc der 1. Sg. und durch mz u. Gen. ersetzt 
ist. Infolge dieser geringeren Widerstandsfilhigkeit gleicht 
sich die norwegische 1. Plur. Refl. in der Folgezeit in der- 
selben Weise wie die 1 . Sg. Refl. völlig den übrigen Personen 
an. Zunächst treffen wir im Dipl. Norw. noch : kennumz ver 
II 58, 66 (1302), setfonizst ver I 240, 303 (1347), keiinormst 
mit I 441, 610 (1407), kennomps tot (2 mal) I 467, 647 (1415), 
aber schon 1442 lutnades weer I 568, 783 (1442), noch kennoms 
mit I 634, 872 (1465), kennopms mifh I 652, 902 (1473), 
aber WH .... scettes I 684, 951 (1486), kenniss tcü I 708, 
983 (1495), kennis vi 1 709, 984 (1495), kennis vij II 745, 
1013 (1500). 

In der heutigen norwegisch-dänischen Schriftsprache sind 
diese blossen »-formen die allein gebräuchlichen, in der Volks- 
sprache haben sich, wie schon erwähnt, die «^-formen daneben 
erhalten. 

IV. Zur Entstellung des Verbum reflexivum. 

Bezüglich der 1. Pers. Plur. habe ich vorausgesetzt, dass 
-msc die ältere Endung ist. Die Belege aus den isländischen 
Handschriften geben diese Annahme an die Hand, die nor- 
wegischen sprechen nicht dagegen, und Wimmers Ansicht 
(Oldn. Lajseb.- p. XIX, Porn. Forml. p. 157), dass -mk in 
den ältesten Handschriften die häufigere Form ist, in den 
Dichtungen indess gegen -msk die Ausnahme bildet, scheint 
mir in ihrem ersten Teile nicht erwiesen und um so weniger, 
wenn man erwägt, dass die späteren -mz neben -mc in der 
1 . Plur. die Fortsetzer und Vertreter von -msc und nicht von 
'7nc sein werden. 

Einer organischen Entstehung dieser Formen aus der 
] . Plur. + 0S8, wie sie J. Grimm, Gr. IV 39 ff. und für -mz, 
das er als die älteste Endung der 1. Plur. ansah, noch im 
Jahre 1862 M. Heyne (Kurze Laut- und Formenlehre der 



45 I^ie Entstehung des Verbura reflexivum. 45 

altgennanischen Spr. § 85) sich dachten, wird heute niemand 
mehr das Wort reden. 

sk nun als Verkürzung eines reflexiven Accusativs resp. 
Dativs dk aller drei Geschlechter in beiden Numeri in Art 
des litauischen Pronomen reflexivum (Schleicher, Lit. Gr. § 135 
Anm. 3) oder des sanskritischen Pronomen possessivum sva- 
aufzufassen, wie mehrfach geschehen ist, haben wir kein Recht, 
weil das selbständige sik dergleichen Neigungen nicht verrät 
und würkliche Analoga auf germanischem Sprachgebiete nicht 
nachgewiesen sind. (Wisen. Arkiv I 379). — Wenn uns nun 
trotzdem die Handschriften zwingen, -imc als die ältere En- 
dung der 1. Plur. anzusetzen, so ist damit der Zugang zu einer 
Erklärung des Zustandekommens der 1. Plur. ßefl. auf rein 
organischem Wege verlegt. Wir werden uns daher nach einer 
anderen Erklärung umzusehen haben, und diese kann nur im 
Zusammenhang des Gesammtmediopassivs sich ergeben. Sehen 
wir uns demnach die einzelnen in Betracht kommenden Formen 
näher an. 

Die in den Handschriften üblichen Formen 1. Plur. Sg. 
Hefl. wie hjopumk, fqrumky bindumk, diniumk, verjumk u. ä. 
haben nicht die Activformen derselben Handschriften 63//», fer, 
bind, dhnij ver u. a. zur Voraussetzung, sondern fordern Grund- 
formen wie bjöjm, ^f^ru, *bi?idu, ^diinu, *v€rju (Th. Wisen, 
Die nord. Medialformen auf -umk in der 1. Pers. Sg., Ark. I 
370 — 384). Inschriftlich fehlt für diese Bildungen ein sicherer 
Beleg (unju? Kragehul; Noreen, An. Gr. § 446); sie ent- 
sprechen jedoch den althochdeutschen biutu.fai'u, bintu, tuom(m)u, 
weriu den altsächsischen faru, hilpu, iieriu, telliu, sokiu, hebbiu, 
und den 1. Perss. Sg. der ältesten altenglischen Urkunden 
bindth nergu, sdcu, ^röwiu u. a. (E. Sievers, Ags. Gr. § 355) 
gegenüber den ^ethischen biuda, fara, binda, dorn ja, vasja. 

Für die Klassen von Verben, deren 1. Perss. Sg. Act. 
in den Handschriften auf -a ausgehen, nimmt Wisen (a. a. 0.) 
an, 'ink sei an diese Formen angetreten erst, nachdem der 
Auslaut derselben, der urnordisch als *-ö zu erschliessen ist 
(vgl. z. B. got. salbö: urn. *kallö an. kalla, g. farau: urn. */arö 



46 Specht 45 

an. fara etc.), > a gewandelt sei, und sein m habe dann das 
a > w verdumpft. Aber seine Analoga an. steinum, qvejmm^ 
dqgum: got. stainam, qipam, dagam beweisen hierfür nichts, 
da die altnordisch-westgermanische Übereinstimmung in den 
Endungen der Dative Pluralis von ^-Stämmen (an. doffum, ae. 
dagiim, as. dagun, ahd. tagum) gegenüber got dagam diese u 
der Endung eher als direkte Fortsetzer urgermanischer o 
(urgerm. *dayom) erscheinen lässt (Kluge, Grdr. f. g. Ph. I 
361 sub. 7; 363 § 30, 2; 364 § 3Ia), wofern diese Frage 
überhaupt entschieden werden kann, und runisch borumB (Sten- 
toften) und gestumB (Stentoften, wegen des e statt des a vgL 
Noreen, Grdr. f. G. Ph. 423 § 6, 3) diese Annahme erhärten 
könnten, selbst wenn sie nur Nachahmungen älterer Vor- 
bilder sind. 

Nun lauteten nach Ausweis von runisch tatoido (Gallehus), 
worahto (Tune), hlaaimdo (Strand) die ältesten Personen 1. Sg. 
Prt. etwa *dömidö, "^tamiööy '^'poleöö, "^kallödö (vgl. got. ddmida^ 
tatnida, pidaida^ salboda) für die gewöhnlich unterschiedenen 
vier Klassen schwacher Verba, und nach got. farau, dömjau^ 
tamjau, pulau, salbö sind die urnordischen 1. Sg. Conj. Prses. 
als "^farü, *dömjö *d6mOf "^tamjö ^temjOy *polö, *kallö anzusetzen, 
denen die handschriftlichen fara, dima, temja, pola, kalla ent- 
sprechen. Als 1. Sg. Conj. Prset. erwarten wir nach g. fi^rjau 
und dem späteren an. fira urn. */ör;ö */^o und nach got. 
dömidedjau und an. dimpa etwa *dömiöjö u. s. f. 

Trat nun an diese Formen mk an, noch ehe das o der 
Endung zu a wurde, (Noreen, Grdr. I 422), so wurde 9, das 
vielleicht um diese Zeit schon gekürzt war, vor dem m von mk 
ebenso zu m (Noreen, Grdr. 1 448 § 36, An. Gr. § 113), me im 
Pluralis femininer ö-Stämme, (An. gjofum, ae. gifum, as. gebun, 
gebon: g. giböm, ahd. gebom^ um. *geb6niBj wegen des R vgl. 
borumB, gestumR (Stentoften)) und der 1. Plur. Ind. & Conj. 
Prses. der schwachen Verba auf -ö (g. salböm, salböma, um. 
"^kallöm, *kaUöin[aJ : an. k(^llwn) u. a. 

Mit Eintritt der Syncopen von /, a, des damit zusammen- 
hängenden t-umlautes, der a-brechung, deren Würkungen seit 



47 1^0 Entstehung des Verbum reflexivura. 47 

700 belegt sind, (Noreen, Grdr. 422 § 6), den entsprechenden 
Kürzungen langer Vocale und dem u-umlaute verändern sich 
^dömido-mk, *kallod<hmkj ^faro-mk, dimo-mkj *tamjo-mky *polo-mk, 
*kalUMnk; "^förjö-mkjfirO'tnkj *dömiöjo-mk ; ^kcUlo-mk'^dimpumk, 
^kaUopumk kqüupumkj *farumk fqrumkj dimumkj temjumk^ 
ßohtmkf koUumk; fii'umk; dimpujnkj kqllumk, *poledö-mk 
wurde um diese Zeit etwa *polido-mk *polidumky und dieses 
verlor sein i yielleicht zu gleicher Zeit mit der Classe *tamido-mk 
^tcmddwnkj d. h. erst, als das Syncopirungs-t keinen Umlaut 
mehr bewürkte (Noreen, Grdr. I 454), denn sie lauten an. 
tqmpumk und polpumk (voktumk). Indessen hatten einige kurz- 
silbige Yerba der m-Klasse von Anfang an, wie es scheint, 
mittelvocallose Praeterita (Sievers, Ags. Gr. § 416; Braune, 
Althd. Gr. § 368, Anm. 2; Noreen, Grdr. I 512 § 226, 1?), 
und von diesen aus konnten die syncopirten Formen allgemein 
in dieser Klasse werden. In der 1. Sg. Prs. Ind. scheinen 
diese Yerba umordisch auf e ausgelautet zu haben (BXi.poli: 
um. *poli: g.^uia»skr. bharl an. heiti: um. HAITE, Kragehul- 
lanzenschaft: g. *haita*)y ^pote-mk sollte an. *polimk werden, 
wie um. *faremlaj, got. faraima > an. farim. Soviel von den 
1. Perss. Sing. 

Was nun die übrigen Formen anlangt, so fügte sich an 
die dritten Personen -ak (aik) in derselben Weise, wie das 
aus ndk syncopirte -mk an die I. Pers. Sg. Ohne Schwierig- 
keit konnte 8{i)k mit der 3. Sing. Prt. Ind. starker Verba 
verwachsen, die der Mehrzahl nach einsilbig waren und auf 
ein&chen Consonanten schon um. (was, Tanum ; warait, Istaby) 
auslauteten, zb. for-sk, gcrf-sc, greip-ac, skaut-sc u. s. w. 

Die bisher behandelten Medio-Passiv-Formen sind in der 
Mehrzahl gewiss schon vor dem Eintritt der allgemeinen Ver- 
kürzungen und Syncopen, den Noreen, Grdr. f. g. Ph. I 422, 



*) üeber die Vertretung der ursprünglich auslautenden oi und ai 
(skr. i) durch got, -a, an. -i u. 8. w. vgl. besonders J. Schmidt, K. Z. 
XXVI 42 ff. — Ob der reducirte Vocal vor dem l (der /tel) ü oder ö 
(*puU *poU) um. war, ist für unsere Frage von untergeordneter Bedeu- 
tung, ich 8cblie»e mich an Fr. Burg, Runeninschriften p. 19 Anm. an. 



48 Specht 48 

um 700 ansetzt, entstanden. Da nun aber die übrigen Medial- 
Formen nicht in derselben Weise, wie die 1. Pers. Sg. Refl., 
uns nötigen, ältere Formen des Activs als die der späteren 
Inschriften und ältesten Handschriften für die Bildung des 
Verbum reflexivum vorauszusetzen, und gewisse Formen des- 
selben wie die 3. Sg. Ind. Refl. (fari-sk beruht nicht auf farip- 
sik, vgl. hariutipy Stentoften , g. farip) jüngere Activformen 
erheischen, so rücken wir, um das Gebiet der reinen Hypo- 
these thunlichst zu meiden, die weitere Ausbildung des Medio- 
passivs in die Zeit nach 700. Seit dem Jahre 700 etwa sind 
nun allgemeine Verküi'zungen der Endungen belegt (Noreen, 
Grdr. I 422 § 6), so der Übergang von ö > a, Syncope des 
unbetonten a, i und damit zusammenhängende o-brechung und 
z-umlaut, und ein Schluss auf die bisher aus dieser Zeit nicht 
belegten Übergänge von -e, i > t ist hiemach wohl nicht 
zu kühn. So gewinoen wir für die 3. Sg. Conj. Prs. statt 
der um. *fav^ ("g. farai)^ *dörn(j)^ ^dirne (g. dömjai)^ *tatn(j)i 
g. (tamjai)j *pole fg. pulai), *kallö (g. scUbö) jetzt fari^ iHmi^ 
temij poli, kcdla (wrta, Etelhem : worahtö Tune), ebenso für die 
3. Sing. Conj. Praet. statt */äri got. */örei fori jetzt fo^ii^ statt 
*dömidi, *tamiäi (g. dömidedi) zunächst dimpi^ *tamidi ^ da 
Syncope und der damit verbundene Umlaut nach langer Silbe 
früher eintrat als nach kurzer (Noreen, Grdr. I 453 § 49, 1). 
Letzteres wurde dann *tampi tempi (Grdr. I 454 sub 2). 
Zur selben Zeit bekommen wir in der 3. Sg. Prt. Ind. 
schwacher Verben statt um. *dämide, *kallööe, tamidej *poieöe. 
zunächst dmipe^ kallape, aber *tamide, *polide (vgl. p. 47) und 
für die beiden letzten im 8. Jahrhundert durch die spätere 
Syncope tampCj polpi (Noreen, a. a. 0. bes. 512 § 226). In- 
schriftlich sind eine Reihe 3. Sg. Prt. belegt, z. B. wurte 
(Tjörkö), säte (Gommor), daupe (Björketorp), r(a)ispi (Rygbjairg), 
garpi (Kl. Jsellinge-Runeustein) u. s. f. 

Trat an diese 3. Perss. sk etwa im 8. Jahrhundert an, 
so ergeben sich im Allgemeinen die auch in den Handschriften 
gebräuchlichen Reflexivformen, also farisk, dimisk, temisk, 
polisk, aber *kallask ; f^risk, dirnpisk, tempisk, polpisk, kallapisk. 



49 ^e Entstehang des Yerbam reflexivum. 49 

Vielleicht schon vor dieser Zeit schwand n vor folgendem 
», im Auslaut schwand es im 9. Jahrhundert (Noreen, Grdr. 
L 423 sub 13). Möglich ist daher, dass sk schon etwa um 
700 oder früher an die noch mit Nasal versehenen InfF. und 
3. Perss. Plur. trat und n vor « unterging. Bei dieser An- 
nahme würden sich die an. nasallosen 3. Perss. Plur. Conj. 
Act. (z. B. isL norw. fori: SLSchw. farin) als Übertragungen aus 
der 3. PI. Conj. Refl. erklären. Die hier in Betracht kommen- 
den Formen sind: g. farand, faran: um. "^faran, an. fara; 
g. faraina: um. *faren[aj, aschw. farin^ an. fari; g. j6run\ 
um. ^foruiiy an. f6ru; g. fireina: um. fönn[a] *ßrtn^ an. firi; 
ebenso um. *dömjan *d^a/nj; '^döm(j)enfaj *dimin, an. dinii; 
um. *tafnjan, *polan, an. tetnja, pola ; g. tamjahia^ pulaina : um. 
*tam(j)en[aj * temin, *J>olen/aJ '^'Jfolin, an. temi, poli; aber g. 
salbäiid^ salbön, salböna: um. *kaUöii > an. *kallu, wie g. tuggmis: 
um. Igingon (halaR, Stenstad) > an. twngu (as. tunguru ahd. 
zimgun; vgl. Burg, Runeninschriften p. 124 Anm. ; Lyngby, 
Tidskrift VI 48; Wimmer, „Navneord" p. 119, Aarbdger 
1868 p. 287 f ; Heinzel p. 384, Scherer, Z. G. D. S. «670, 
Mahlow p. 114., J. Schmidt, Idg. Neutra p. 74, 113 ff.; — 
anders Möller, P. B. B. VII 543 f., Noreen, An. Gr. I § 318, 
Anm. 2, Grdr. I p. 496 u. a.). Ferner sind nach dalidun 
(Tune) als 3. Plur. Ind. Prset. anzusetzen um. *dömiSun 
*dimdu[n]j kallödun '^kcUloduftiJ, *tamidun "^tamdufnj, "^poledun 
*ßolidu/nJ : an. d^mjm, kqllujni, tgmßuy polpu. 

Inschriftlich belegt ist zu den letztgenannten Activformen 
das reflexive Prt. Plur. BARp USK auf dem verhältnissmässig 
jungen Runenstein von Aarhus. (P. G. Thorsen, De danske 
runemindesmserker (1880) II p. 93 f.). 

Die 3. Sg. Ind. Prs. Act endigte nach Ausweis von 
BaRIUTIJ) (Stentoften) entsprechend got. farip, nasjip etc. um 
700 noch auf p. Solche Formen liegen den 3. Perss. Sg. 
Ind. Prs. Refl. (farisk, dimisk . . . . ) offenbar nicht zu Grunde, 
da p vor » nicht ausfällt, sondern — in unbetonten Silben 
— vor 8 > t wird (p. 11). Die 2. Sg. Ind. Prs. Act. endlich 
war, tiach got. /am, dömeis, tainjis, pidaisj salbös zu urteilen, 

4 



60 



Specht 



60 



um. *fariRj *domiRy *tam(j)iBf *J}oleit, *kallöB, nach 700 etwa 
*fariB */erR, dimiR^ *tetniR *teniii, *ßoleR ^poUs, *JballaR. 
Wir würden somit zunächst folgendes Paradigma gewinnen. 

Praesens. 

schwach 

ddmu-mk temju-mk •poli-mk 



stark 
Ind. Sg. 1. fgru-mk 



2. r/rj'jnk 



\*ferR 



^dimiRjnk t^Ü'^^/i/r *J>oliR ßik 



kgllu-mk 
*kallaR /nk 



3. 



*farip 



8%k 



tefnR 
*dimij> 8ik *tem(i)p sik *polip aik 

ä4fnumo88 temjum oss polum ose 

dimip ykr tetnip ykr polip ykr 

d^masc temjasc 

d^masc temjasc 

d^mu-mk temju-mk 

*d4miRpik HemiR pik 

d^mi-sc temi-8C 

dimim oss temim 088 

dimip ykr temip ykr 

dimiBG temisc 

Das Praeteritum würde, da nach Noreens Ausführungen 
(Grdr. I 464) die späteren unumgelauteten schwachen Prae- 
terita etwa im 8. Jahrhundert ihre Gestalt erhielten, un- 
gefähr die folgende Gestalt haben. 



VferP 

PL l,f(lrum 088 
2.farip ykr 
3. farasc 
Inf. farasc 
Conj.Sg.l. fgru-mk 

2. *fariR pik 
8. fari-sc 
PI. hfarim 088 

2. farip ykr 

3. farisc 



polasc 
t^olasc 
folu-mk 
*poliR pik 
poli-sc 
polim 088 
polip ykr 
polisc 



*kallap aik 

kgllum 088 
*kallap ykr 
^kallosc 
^kallasc 
kgllu-mk 
*kallaR pik 
^kalla-8c 
*k^Uum 088 
^kaXlap ykr 
^kallusc 



Ind. Sg. 



PI. 



Conj. Sg. 



PI. 



stark 

1. ßr mik 

2. fort pik 

3. för-sc 

1. forum 088 

2. förtip ykr 

3. forusc 

1. f^ru-mk 

2. firiR pik 

3. f^ri-sc 

1. firimo88 

2. firip ykr 

3. fdri-ßc 



schwach 

d(^mj>umk, aber •tam[i]^u-mk > tQmt>umk 
d0mpiR pik *tami8iR pik > tampiR pik 

d^^npi'8C ♦tami^i-8c > tampi-sc 

dimpiim 088 *tami8um oss > tqynp^im 088 

dimpup ykr *tamiSup ykr >► tqmpup ykr 

d(^mj>u8c *tami^ufn]8c >► tQmJ^usc 



d{^mpu-mk 
dimpiR pik 
ddmfi-sc 
d4mpim oss 
dimpip ykr 



"^tami^ju-mk > tempumk 
^tamiSlR pik ]> *tempiRpik 
*tami^-8c > temj^i-sc 
*tami8im oss > tempim oss 
*tami3%pykr > tcmpip ykr 
•tami^i-8c > tempi-sc 



d{^m))i-8c 

Überschauen wir nun das Paradigma, so sehen wir, dass 
aus der Analogie aller übrigen Klassen herausfallen die Formen 



61 I^e Entstehung des Verbum reflexivum. 51 

1) *]H>Kmk (1. Sg. Ind. Prs.; 2) ""kallmk (Inf. & 3. PI. Prses. 
Ind.) 3) ""kallask (3. Sg. Conj. Prses.) 4t) *kallw^k (3. PL Conj. 
Praes.J. Was Wunder, dass sie nniformirt wurden zu \) pohmk^ 

2) kaUask, 3) & 4) kallisk! Ebenso wurde die 1. Sg. Prt. Ind. 
starker Verba (f6r mik resp. "^formk) in die Analogie der 
übrigen 1. Personen Sing, hineingezogen und zu fdmmky und 
wohl um so leichter, als gleichlautende Conglutinationsformen 
aus der 3. PI. Prt. + mik (f6rumk=^f6ru 7nik) gewiss schon vor- 
banden waren. 

Um 700 begegnet die erste Ersetzung der 3 Sg. Prs. 
Ind. Act. durch die 2. Sg. Prs. Ind. Act.: bamtB (Björke- 
torp), aisl. br^tr aus um. ^briutiB, aber noch baiitUip (Sten- 
toften). Somit gewinnen die 3 Perss. Sg. Prs. Ind. Refl. die 
Gestalt: ^ferB^sk^ ^dimiR-sky ^teinR-skj "^poliR-sk^ *kaUaR'8kj 
dagegen die 2. Perss. Sg. Ind. Prs.: ^ferR-pk^ "^dimiR-pk, 
*iemB'pk. poÜR-pk, kalloR-pk und die 2. Sg. Cong. Prs.: 
^/ariB'pkj ^dimiB-pk^ ^teiJuB-pk^ *poliR'pky *kallaR-pi. 

B'8 ging schon runisch in -«», -s über, vgl. aschw. runisch 
gen. Sg. Askis aus ^-geiRs zu altisl. yhgeirr (Noreen, Grdr. I 
465 sub 5). Die 3. Sg. Ind. Praes. verändert sich dadurch 

> *fers8k, fersi; '^d^nissij diniisk; tem(8)8i, *poli88kf polük, 
*kaUas8Jt, kallask. 

Der Übergang von -r -\- p (alveolares r, Hoffory, Arkiv 
I 41 + indertentale Spirans) > * + » (alveolares r + al- 
veolare Spirans) erfordert nur eine geringe Hebung des 
spirantischen Verschlusses nach der Articulationsstelle des 
B zu. Der Annahme einer Anähnlichung des p an das Rj 
die durch die vorhandenen -Rs- {-R-sk neben R-pk) befördert 
sein mag, scheinen mir folglich keine Schwierigkeiten ent- 
gegen zu stehen *). Dieses Rs ist dann in derselben Weise 

> 88, 8 geworden, wie das ursprüngliche R8. 

♦) In dem schwachen Praeteritum varpa von verja ^umhüllen' 
könnte R und / erst zusammengetrofTen sein nach Würkung dieses Lant- 
wandels, wofür das Unterbleihen des i-nmlautes (g. vaaida um. *vaRida 
an. varpa) sprechen kann (Noreen, Grdr. I 464) oder aber, es verdankt 
das / seine Erhaltung der Übermacht des schwachen Prseterita auf -pa 

z. B. varptk von verja 'hemmen, got. varjan, 

4* 



62 Specht 62 

Nunmehr sind 2. & 3. Pers. Sg. Praes. wie im Activ 80 
auch im Mediopassiv identisch: *kallaR'pk > *kallaB^sk > 
kaUas{8)k, ebenso "^fern-pk > yerR-sk ^ferssk > fersk und 
*d4miB'pkf *temB'pk^ *poliB'pk > *dimiB'8kf ^temB-sif 
*poliB'8k > dimiscj polisc, temsc. 

Nach diesen Mustern ersetzte sich fdrUpik durch fdrtsc 
und schuf sich der Imper. Sg. Refl. kaUa-sCj far-sc^ dim-9Cj 
tem-sCf poli'SC neu. 

'8c an das Neutrum Sing, des Part. Prt. gefügt — in Ver- 
bindung mit hafa steht das Part. Prt. gewöhnlich im Neutrum — 
ergiebt das Part. Prt. Refl.: farit-sc, ^dimt-ak (vgl. modUsc 
StH. 19022, meotsk 128^ von mHasky got. ga-motjan), 
*ta7nit'8c Hamt'8c (vgl. StH. scilitzc 78^^, für 8cilit'8Cf scilize 
AM 645, 4S I 5228, lagzt AM 677, 4^ 97,3 u. a.), ^ßolit-sc 
{1iaßz8c StH. I6I32, pleonastisch für haßzc, hafezc 104^^), 
kallat-sc. 

Mit dem Neutrum des Part. Praet. war nun die Mehrzahl 
der entsprechenden 2. Perss. Plur. Prses. Act. bis auf den 
Endconsonanten p identisch (z. B. farit aber farip). Neben 
dem p begegnet, wenigstens in den Handschriften, t in der 
2. PI. Prs. recht häufig, vielleicht beeinflusst durch den fol- 
genden Anlaut, z. B. etwa durch s-anlautende Wörter (vgl. 
Dahlerup, Agr. XIX. XX., Hoffory, An. Cons. Stud. 
31 Anm., der die 2. Pers. PI. auf -it neben -ip dem Einfluss 
der reflexiven Formen (nach takit-sk zu takip auch ein takit) 
zuschreibt; L. Larsson, AM. 646, 4^ I p. LXV&LXVII; 
A. Noreen, An. Gr. § 188 u. a.). Wie man nun zu den 
Partt. Prt. faritf tamitj *pol{tf kcdlat ein fantsCf tamit8Cj *politsc^ 
kaUatsc bildete, so wird man sich nicht mehr gesträubt haben, 
durch Anhängung des nunmehr als Mediopassivendung an- 
gesehenen -sc zu farip faritf dimip dimit^ polipy tamip und 
*kallap u. s. w. eine 2. PI. Prs. Refl. farit-sq, dimit-sc^ poliUsc, 
tamit-sc, und *kallaU8c zu bilden. Vor dem s von 8€ musste, 
wie wir (p. 11) gesehen, p > t werden. *kallap (vgl. got. 
salböp > um. *kallöp) mag indes schon früh, etwa schon vor 
dem Antritt des sc, die Endung -ip aller übrigen 2. Perss. 



53 



Die EntsiehaDg des Verb um reflexivum. 



63 



Pl.Prs. angenommen haben und zu kallip, kallitsc geworden sein. 
Die 2. Perss. Plur. Prt. folgten bald dem Muster des Praesens. 
Auf dieser Stufe der Entwickelung wird auch die 1. Plur. sich 
nicht mehr mit der unbequemen Umschreibung durch oss be- 
gnügt, sondern an ihre fertigen Activformen, die die Gestalt 
der handschriftlichen Formen erlangt hatten, das -sc der 
übrigen Medio-PassiT-Formen angehängt haben. Verdankte 
die 1. PI. Refl. der Einwürkung besonders der 1. Sg. Refl. 
ihre Entstehung, würde man -mc als die ältere Form er- 
warten; gerade die «mü-formen der 1. Plur. Befl. sind aber, 
wie wir p. 48 ff. sahen, die späteren. 

Nach den behandelten Vorgängen gewinnen wir folgendes 
Paradigma. *) 

Praesens. 



Iiid.Sg. 1. f^ru-mk 


d6nia-mk 


iemju-mk 


polu-mk 


kgllu-mk 


2. ferse 


ditnisc 


temsc 


polisc 


kdUasc 


3. ferse 


dimisc 


temac 


polisc 


kaXlasc 


Plur. 1. f^rumsc 


d^mumsc 


teny'umsc 


polumsc 


kgllumsc 


2. fariisc 


dimitsc 


temitsc 


politsc 


i *kall(Usk 
\ kallUsc 


3. farasc 


ddmasc 


temjasc 


folasc 


kcUlasc 


Inf. farasc 


d^masc 


temjasc 


I>ola8c 


kallasc 


CoDJ.Sg.l. fgrumk 


d^mumk 


temjnmk 


t^olumk 


kgllumk 


2. farisc 


d^misc 


tetnisc 


polisc 


kallisc 


3. farisc 


d^misc 


temisc 


I>oli8c 


kallisc 


Plur. 1. farimsc 


dimimsc 


temimsc 


polimsc 


kaüimsc 


2. faritsc 


dimitsc 


temitsc 


politsc 


kallitsc 


3. farisc 


d^misc 


temisc 


polisc 


kallisc 


Imper. Sg. far-sc 


dim-sc 


tem-sc 


poli'SC 


kalla-sc. 




Praeteritum 


> 




Ind. Sg. 1. förumk 


, d^m|)amk tgmt>umk 






2. förtsc 


d0m)n8C 


tampisc 






3. forsc 


d^mj^isc 


tampisc 




PI 


. i, forumsc 


d^mpumsc tQmJmmsc 






2. forut-sc 


d^mput-sc t^mput-sc 






3. förusc 


d^mt>usc 


tQmpusc 





• Die gesperrt gedruckten Formen sind der Zuwachs gegenüber dem 
Paradigma p. 60£. 



54 Specht 54 



Prae 


teritum. 




Conj.Sg. l. f^rumk 


d6ni])umk 


tempurak 


2. f0ri8C 


dimfnsc 


tempiac 


3. f(^risc 


di^mpisc 


tem]>isc 


Plur. 1. ßrimsc 


dimpimsc 


tempimsc 


2. fiHtsc 


d^mpitsc 


tempitsc 


3. f^risc 


d^ml'isc 


tempiac. 



Part. Praet. farit-sc d0mt-8c tamit-sc, tamt-sc u. s. w. 

Das Part. Prses. Befl. habe ich nicht im Paradigma 
aufgeführt. Formell könnte es sehr alt sein. Ich habe es 
aber isländisch erst Thomassaga, II Teil, 3163^ gefunden in 
ottandiz und hier scheint es in Nachahmung lateinisch- 
griechischer Vorbilder entstanden zu sein : er geingr metS y^rum 
uilia pott miok ottandiz. Im Norwegischen bringt schon das 
Spec. reg., die gelehrte Abhandlung über die Pflichten des 
Königs und seiner Diener, die beiden Part. Praes. Refl. rei- 
dandez 165^^ und nalgandez 141^,, aber auch norwegisch 
scheint es nur aushülfsweise verwandt zu sein, mir ist es erst 
wieder im Dipl. Norw. II 717, 974 in g^ramies vom 27. März 
1493 aufgefallen. 

Nach unserer Untersuchung hat sich als ursprüngliche Re- 
flexivendung -mc für die 1. Pers. Sg., -sc für die übrigen Formen 
ergeben. Noreen, Grdr. f. g. Ph. 1 433.424, rückt die Entstehung 
des Medio-Passivs ins 10. Jahrhundert und setzt neben -sk (sik) 
eine Endung -sr [seR] an. Er begründet diese letztere An- 
nahme nur durch den Hinweis auf ai/njtapis (aschw. centapis) 
'starb' (Högby), dessen s aus -*s.s, -*sä, -^seR entstanden sei. 
Nun ist mir aber von einer Reflexivendung -sr resp. -m« 
(seR & meR) nirgends eine unzweideutige Spur bekannt geworden. 
Zudem sind diese inschriftlichen Formen auf -« — etwa ein 
Dutzend entapis, entajms (z. B. entapis, mip R. Dybeck, Svenska 
Runurkunder Nrr. 82, 95, 32 u. a., entapm Liljegren, Run- 
urkunder 851), hiar hvilis Maria Liljegren, R. U. 1978 u. a. — 
sämmtlich in den jüngsten Runen, den punktirten, eingeritzt, 
können also nach Noreen, An. Gr. 22 u. a., erst um das Jahr 
1000 entstanden sein. Unsere Untersuchung hat aber ergeben^ 



55 ^0 Entstehung des Verbum reflexiviim. 56 

dass eine Reihe von Reflexivformen, z. B. die 1. Sg., mehrere 
Jahrhunderte früher entstanden sein müssen, und die Mehrzahl 
der übrigen Formen wahrscheinlich früher entstanden ist. 
Und da wir schon in den ältesten Handschriften die Neigung 
fanden (p. 20 ff. 33 f.), c von -sc im Satzsandhi schwinden zu 
lassen, so schreckt mich das Vorkommen solcher blossen 
-«-formen auch vor vocalischem Anlaut nicht ab, diese in- 
schriftlichen -«-formen ebenfalls auf -sc zurückzuführen. Je 
mehr nach Schweden zu, je frühere und allgemeinere Ver- 
breitung haben diese -«-formen gefunden. 

Berlin. Im December 1889. 



Inhalt. 



Eioleitang. Die benutzten Handschriften and Ausgaben: 

L Islandische HandschriRen 9 — 7 

n. Norwegische Handschriften 7 — 10 

Abhandlung: Das MediopassiT und die Superlative im West- 
nordischen 10—1 

I. Die Schicksale der Mediopasaivendung -sc in den islän- 
dischen Handschriften 10 — I 

1. £nt Wickelung der Endung sc ^ zc ]> z ] 

A« sc an stelle von zc (tsc) 18 — ] 

B. Das Eindringen von z an die Stelle von s . . 18- 

a) Übersicht über den Stoff 18—19 1 

a) z an stelle von s, sc der Endung des Medio- 
passivs 18 — 17 

/?) z an stelle von s, sc der Superlativendungen 17 — 19 

b) Erklärender Teil 19—91 

a) Die Endung -zc 19—90 

ß) Schwund des auslautenden Consonanten c 

im Verbumreflexivum, t im Superlativ . 20—99 

I. Die 2. Pers. Sg. Refl. + pü ... 91--99 

II. Sonstiger Schwund des auslautenden 
c der Mediopassivendungen in den 

älteren Handschriften 23 — 94 

ni. Allgemeiner Schwund des o der 

Endung -zo 94 

IV. Schwund des auslautenden t im Su- 
perlativ 24-99 

• • 

2. Übergang der Mediopassivendung z in zt, st . . . 26 — 80 
A. Übersicht über den Thatbestand 26 — 27 



B. Erklärung 97—80 j 

IL Schicksale der Mediopassivendung in den norwegischen 

Handschriften 80- -87 

in. Die ersten Personen • 87 — 44 

1. Die 1. Pers. Sg. Refl 37 — 49 ' 

A. Isländisch 87—40 t 

B. Norwegisch 40 — 41 ] 

2. Die 1. Pers. Plur. Refl 42—44 .^ 

A. Isländisch 42 — 48 

B. Norwegisch 48—44 

IV. Zur Entstehung des Verbum reflexivum 



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linick Toa ▲. Uopllnr ia Bunc 



i 



2; 0231 





ACTA GEKMANICA 



Organ für deutsclie Philologie 



luTAiisgegobt^ii 



Rudolf Henning und Julius Hoffory. 



Btnd III, Heft 2. 



Die Hvenische Chronik. 

Vcii 

Otto I^nitpolt .Tlriczek. 



Die vorliegende Schrift bildet das zweite Heft 
des dritten Bandes der ACTA GEKMAXICA, eines 
periodischen Organs für die deutsche Sprach- und 
Culturkunde. 

Die ACTA GERMANICA setzen sich die Auf- 
gabe, für die vielen werthvoUen Arbeiten, <lie wegen 
iiires Umfanges oder ihres Characters in den vor- 
handenen germanistischen Zeitschriften oder periodi- 
schen Publicationen keine Aufnahme finden können 
und als Einzelschriften vercittentlicht vielleicht nicht 
hinreichende Beachtung erfahren würden, einen neuen 
Sammelpunkt zu bilden. 

Diesem Zwecke entsprechend sollen die ACTA 
GERMANICA nur griissere Abhandlungen aus dem 
Gesammtgebiete der deutschen Philologie im weitesten 
Sinne bringen. 

Den Inhalt doi' orschiiau^neu Hände s. Seite H 
des Linschlages. 

Die ACTA GERMANICA erscheinen in Bänden 
von etwa 30 Bogen zum Subscriptionspreise von 
M. 12. — . Jedes Heft bihlet ein in sich abgeschlossenes 
Ganzes und wird auch einzeln mit besonderer Pagi- 
nirung zu einem erhöhten Preise abgegeben. 

Bestellungen auf die Band- und Heft -Ausgabe 
der ACTA GERMANICA werden von jeder Buch- 
handlung, wie auch direct von der unterzeichneten 
Verlagsl)uchhandlung entgegengenoumien. 

Berlin W. Mayer & Müllen 



ACTA GERMANICA. 



Organ für deutsche Philologie 



herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und Julias Hoffory. 



Band lU, Heft 2. 



Die Hvenische Chronik. 



Von 



Otto Liriitpolt Jirlczek:. 




Berlin, 

Mayer & Müller. 
1892. 



rüELIC LIBRARY 

200281 



ASTOR.LENOX AND 
TILDEN FOÜNDATICNS. 



2 JIKICZEK 58 

{(sLmme Xogle haffae kunde.* Oc der huu er kande 
j nagenii' maade Affthinnge^ liannm noglenn. daa 
Meff hnn m^et forbittredt, oc fkiulthe fin wede 
i Lang thiidt. Menn fidenn vdbrodt den, fom vy 
1 T. 5 her efflher [fkall hörre.* [Diis midier thiidt* fom 
hnn^ nii thil noxte, oc Hogenn betenckte feg att 
ville giffte hende, Omfporde handt tlg grand- 
giffnelig, hnor handt fkulle [finde den* Tom 
vdj byrdt fh'rcke oc krigsbmg künde verre 

10 hendis Lige. 

Nu faldt dett Rg laare vell i^ LaflFue, Att thill 
VVormitz* war en kempe, vedt naffhn Sigfrid ^'^ 
hom (Saa kalledt, fordj ingenn künde hugge 
l'aar paa hanum, vdenn** et^* ftedtz** paa hans ry^;. 

15 Thj laadann en home haardhedt var vdj Alle 
hans Lemmer: Huilckidt er hanum veder- 
farrenn äff en brondt handt thode fig wdj, tbni 
enn fkoffuequinde Melufina vifte hanum) 
Paa denn thiidt henriegfte^^ äff srandfche Nor- 

1. Noglc;] der Strich über o fast ganz verblasst, 2. uagenuj a igt darch- 
(iHH kein Schreibfehler für o, 8. J. E. RietZy Ordbog öfver svenska alf- 
niogespriket (1867) s. v. mken. 2. Afiflhiunge] die nngewöhnl, SchreibuH'j 
iu für vi auch in thiuft 9,?. 4. Lang] L aus A verbessert. 5. effther' 
Sachher ein bcdetUungsloser schwache^' Punkt {Flecken ?). 6. midier] mi iv 
der Hdschr. nur m mit einem i-Punkt über dem letzten Strich (oder niV 
H. Hogenn] o aus e(?) verbessert. 8. haor] zweimal geschrieben, das erste 
durchstrichen (von derselben Hand.) 9. byrdt] r und t aus nicht mehr 
erkennbaren anderen Buchstaben gebessert; über r ist von dem Grtind- 
zeichen^ das hier wegradirt istj ein Pufüct übrig geblieben. 1 1. Zum Ab8chnitt<' 
am linken Bande von der jüngeren Hand ein Marginal : NB. De condu- 
ratione. 15. hörne] aus heren verbessert. 16. Lemmer] über e ein Punkt in 
der Hdschr. 16. Huilckidt] beidemal bei i ztoei Striche^ die doch tool nur iUs 
bedeutungslose Schnörkel angesehen werden dürfen^ da nur je ein i-Punkt 
steht. 19. heuricgrte] vrgl. zu dieser Schreibung Biit, 3,t8»4,s0}6,«.'v, u. ö. 

* Kunde hafve same Nogel ■ Nogen und so twimei*, wo nichts anderen 
atigegeben ist ' afuinde ^ fkulde faa at höre ^ DefimidleHid ^ fehlt 
"* dend finde • til • Womitz '^ Sigfred und so immer, wo nichts 
anderes angegeben ist " udj *• En *• Pted '* Heden Reigfte 



59 DIE HVENISiiHE CHRONIK 3 

del'ke parthenn ^ vdj - Europa tlee forneinbfte 
Adell, Krigfmendt oc kemper thill Wormidtz'^ 
(Lige fom fordom dee Graeker* thill Olympum) 
Och der vd,j Kongens Lyfthaflfue vdenn byenn 
r> Att fkiermytze* oc 0flfue dem vdj Allehande 
Krigs brug, [Her paa att lee** / worre mange 
t'dle [oc friborne ' fruer oc Jamfruer,* Huilcke 
medt all wennlig" faffnthag, oc Kyfs, thoge 
Jmodt dem Ibm bleflfue^'^ feiruindere, oc dem 

10 medt Krantze forerrede. 

Did heim, medt Hagenn*' oc Folgmer,'^ for- 
riegler'*^ oc Chromild: huilcken bode for hendis 
Legemes hoihedt, fkickelighedt oc dieglighedt,^^ 
frem for nagemi Anndenn Ibm daa thilftede var. 

15 Äff drotningenn paa Fruer ftuen indbedis/*^ 
huor hende beuifses'* ftor serre oc veluilUgliet/, 
effterdj hendes leder fulde hendis ^' fkabning,^^ loni 
liUD motthe verret^® en forftinde: Huorforre-" 
oc, uaar drotningenn medt litt Pruentemmer 1 t, 

20 wdgick, Chremild gick hende Althiidt^' neft, 
huilckett gaff huer äff dee fremmede Aarfage 
tliill att meene hun var Kongens datther. Hende 
war ocfaa thilftedt, Att vdgiffue dee flefte krandtze 



3. Graeker] te aus e gebessert. 7. fribome] der i-Punkt f. in d. 
Jfdschr, 7. Jamfnier] dieses Wort in S immer mit a. 11. medt] von 
def jüngeren Hand e aus (=e) hergestellt. 11. der Beistrich nach 
Folgmer von der jüngeren Hand. 13. der Beistrich nach dieglighedt 
ran der jüngeren Hand. 16. veluillighcrf] ed in Abhrev, 17. hendis] 
von der jüngeren Hand (?) («= e !) in e verändert, die Tinte jedoch 
die gleiche tcie die der Hdschr, 20. Chremild] m hat vier StricJie in 
der Hdschr, (nn). 20. nefb.] über dem Beistrich zwei verblasste Punkte (:). 
28. vdgififuc] i'Piinkt f. 



1 



' Parter ^ j s Wornitz * Grekcr * Scherrajsere « StoU (!) 
fehit • Jomfruer at fee derpaa • fehlt '« blef >* Hogen 
'* Folgmar und so immer, wo nicltts anderes atigegeben ist " Reigfte 
" de^lighed '» indbeeden »• Beuiftef »• fehlt " Schabningen 
»• Vere •• fehlt " fehlt 

1* 



4 JIRICZEK 60 

thill dem Ibm vdj Krigfoffuelze [inarckeu beholthe. ' 

Samtne thiidt Kom oc Theodoricas * Veroaenfis * 
Äff Italien thill Wormitz * medt fin ^ Gothefke 
Kriglmendt, Oc daa var der mange forüamblede 
5 Äff difse * Nordefke Lande oc riger, blandt ' huilcke 
huer ferdeUs lyftede att Kempe oc forföge fig 
medt difse Gother, fomm faa gott var derris Land- 
mendt flect oc foruandt, Oc omfeer ^ daa • dee 
erre kommen thill ftregs ^^ medt hin Andenn, 

10 Lod Hagen fig i befyndelighec/ * ^ for Andre befalde 
'denne Sigfrid hörn, om huilcken 
thilforn er r0rdt, ham^^ haffde handt althiidt 
ftir paa, oc helft vilde att handt fkuUe ecte 
hans föilir Chremiild. Derfor gick handt 

15 faa lenge Sigfridt oc Chremild imellum, Att 
f6r dee drog^^ fraa Wormiz,** bleff bröllup 
huldit; vdj en megitt ftor forfamling äff edle 
Kemper, Fruer oc Jamfruer,^* huilckett bröUup 
Kongenn bekoftede, Huor effter att Sigfridt 

20 medt Hagenn oc finn huftru Chremild indriegfer ' ** 
vdj Danmarck,^' oc lader ftaa offner thill denn 
[Infel, som Gden kaldis Hueen^^: Huor faderenn 
Nögling haffde bugt^' fire ^® flotte, hiülcke de fielff 

1. beholthe] It imdeutlich, da über zwei (eineti?) andere Buchstabeti, 
die nicht zu erkennen sind, übergeschrieben. 3. Iin] zu der Apokope den 
c vrgl, will 23,i9, mennifken 18,i6. 7. Landmendt] so auch K, kein Fehler 
fwr Lands-, s. Molbech, Dansk Glossarium s, v, 10. Lod] hahod 
10. befyndeligheri] ed in Abbreviatur; zu dieser die Tiachlässige Aus- 
sprache uneder gebenden Schreibung vrgl, 6,10 y 99 13,i. 11* huilcken] zwei- 
mal geschrieben j das erste mü anderer Tinte (= jüngere Hand) durch- 
strichen. 12. rerdt] der Strich durch o von der jüngeren Hand. 16. Wor- 
miz] Vier m-Striche in der Hdschr. (nn); nach dem Beistinch noch ein 
Punkt (, .). 16. brollup] hs. o (für o). 



* Beholdt Märchen * Teodoricus * VenorensisC.) * Womitz * ßne 
*» dj • J blandt » omfider • for *» Streg >» BeD^ndeiüghed *• fifUt 
*• droge ** Wormbs '* Jomfraer *• nedreigfbe " DannemarX: (Aibrev.) 
«» Insul Hueen »• b^gd •« 4L« 



• T. 



; JIRICZEK 69 

fin gamble waane modt' brodereniiy [faa fom- mod^ 
mandenn. Menn handt bleff hende for fterck, 
oc bandt fin fyftir [well hart^ medt hender oc 
Poder op thill enn ftytte [all Nögenn mit vdj 
5 hufset^: gick faa vd, lige fom handt wille hente 
et knip* rifs, oc Kaller paa Sigfrid, beretter 
hanum huor Althing er thilgaaenn,'' oc figer liauue 
huadt handt fkuUe ^ giöre, fom var, att handt * 
hende medt rifsenn ^^ faa lenge [flaa fkulle,^^ indthill 

10 huQ Loffde hanum denn Lydighedt oc wenligh^i/ 

hun bürde. Oc faa er dett thilgaaenn,^* Att Ohremeld 
haffuir indbildet fig en mening om finn mandtz 
ftorre KraflFl oc ftyrke, Att hun [icke ydermere * ^ 
fkuUe wnderftaa fig nagett att vdrette, fom denn 

15 Ectefkabs kierlighedt formindfke künde. 

Meun Sigfridt bethalde Hagenu [igenn 
Jlde.** Thj daa att handt indgick thill G-lunam '* 
Hogens huftru om Natteun, daa igcnu holdthe haudt 
fig icke fraa Veneris Spill. Huilckett*® daa 

20 Hagenn künde wnndeftaa^^ fig, [Lod handt dett fig,''' 
fom dett oc ^* bürde gaa faare ner thill hiertthe. 
Dog holthe*® handt faa lonlig hofs fig felff*^ dcnne 
vrett hanum var vedefarenn,** det Lengfte handt 
Kunde, indthill handt Kunde fee fig lempe oc 

26 Lielighedt.'* Och daa enn gang handt kom 

hanum eenlig** thill ordz, Huor dee begge nlle gaa 
4. demiem att forlyfke, Ledsagede handt hanum hen 

modt ^'^ enn kilde kalles [kolde kilde *® [eller kolde- 

H. SigfridJ der Funkt über dem ersten i fehlt in der Hdbckr. 
7. figer] über g ein Funkt in der Hdachr. 10. wenliglierlj ed in Abbrc- 
tnatur. 18. handt] der zweite n-Strich dient ztigleich als erster d-Strich, 

* med • ligefom ^ med * fehlt ^ udj Huulit ald Nogen • fehlt 
' tilgaait • ITcal •fehlt >« Rifet >» Ikulde flaa " tilgaait »» Yder- 
meere iche ** Ilde igien " Gliina *<* I huilche " Vnderltaa '• fehlt 
'•fehU wholdt ^^ fehlt "Wederfarit " LeyHghed «* Endelig *» imcnl 
*« Kalle-Kilde 



8 JIRICZEK 64 

huilckett binde i Skiffte var^ thilfaldenn: Der 
lader hun henbere finn döde mands krop, oc 
effter denn thiids fedoaane oc liegligfaedt,* lod dett 
bederligenn begraffue. Hofs graffuenn for dem 
5 fom äff Adfkillige fteder der thill bedne* worre,* 
Klager hun haardeligenn paa^ denn ftorre vrett 
fom hende äff hendes broder Hogenn waar veder- 
farenn, Att hendis Kierre mandt hende wdenn 
all Aarfage war beröffuett, oc Aldrig hun eller 

10 hendes mandt, hannem nogenn thiidt i ord eller 
gieming • forwrettet haffde, Menn ' denne hendes 
gredendes ^ thalle oc ynckelige ^ klagemaall, Oprörde 
hun mange thill ftor medynck, att dee Obenbarligen 
forbandett denn Manddrabere Hogenn, Der hun 

15 nu formerckir*® mange fig att verre thilhengig, 

beder hun att dee medt raadt oc daad hende biftand 
giöre vilde. Thj, figer hun, dett er befryctendes, 
Att handt icke modt^^ mig fkulle giörre, fom med ^** 
min mandt, Siger flg att verre en eenlig ^^ quinde, 

20 oc ingenn biftaand äff Nagenn att haffae, Menn 
begge fine brödre att haffue Oplagt raadt imodt 
hende. Effter hun nu faadanne Klagemaall offte 
repeterede [oc igentogh,^* daa dee fom thilfbede waar,'"^ 
Loffde oc thilfagde hende, Att giöre hende deres 

2b yderlte hielp oc biiftand, jaa end oc deres Liff 
[f<H: hende ^^ att fetthe i farre, Om hendes brödre 



1. huilckett] Punkt über i fahU in der Hd9chr, 1. Skiffte] Fumkt 
über i fehU in der Hdsdir. 1. thüfaldenn] Fmikt über i fekU. 4. fiofsl 
o «na einem emderen {vnkewntlicken) B%uh9ted)en gebeeeert. 5. thill] i^ifdtt 
ti6€r i fehU in der Sdschr. 11. gierning] die Hand9ekrift hat in »in 
einen Strich zuviel (nim). 11. Menn] l, med oder hun z, 13 xn tUtgen, 
13. Obenbarligen] der Punkt über i fehlt in der Hdachr. 17. ßger] der 
Punkt über i fehlt in der Hdschr. 19. quinde] nd in Ligatur, 

' yar nc^h hinde gesetzt ' Lejlighed * budne ^ fehlt ' Ofiier 
♦ Qieminger ' med • graedende • Ynchelig *® formeendte ** med '• med 
" Erlig »* fehlt " loed fig dette allworligen gaa til Werte add. »• f^hU 



66 DIE HVENISCHE CHRONIK 9 

hende Nagenn wold oc wrett paaförre villde. 

Der Hogenn faadant haffde forftaenn,^ daa 
enndog handt vell künde giffuitt- thilkiennde Äff 
huadt retferdig Aarfage handt [fig faa^ heffnidt haff'de, 
5 wille handt Alligeuell icke, bode fordj handt haffde 
Jngenn Windifbyrdt,* Difligefte [oc, att* om faadant 
bleff Obennbarredt, daa fig nogenn thiuft* oc wenight^t/ 
fig mellum'' hannem oc hans huftru thildrage fkuUe. 
Huorfor handt Lader Polgmar finn broder forftaa 

10 fiigenn, oc medt hannum raadforer* fig, Att handt 
wille indgiffiie* vdj fchanne,** Meenendis, att dee 
ey thryggelig der inde paa 0enn bliffue künde, 
Att deres fyfter jo Althiidt bode lönlig oc Obenbai-lig, 
medt fuigh oc hinderlift, faa vell fom oc tnedt throldoms 

15 Konft fkulle dem effter Liff oc welferd trede." 
Huorforre, dee nu lader nedförre^* thill fldbs 
deres bohaffne, Oc medt derris folck lader ftaa offner* ' 
[der fom^* haifoidt er fmalleft, Hogenn" indfylthe** der 
thnert offner fraa, fom landet var*' höieft, huor 

20 handt bygde fig^® ett hufs, hnor handt** künde werre 
firi for finn fyfter Chremild, oc künde haffue 



7. wemghed] ed in Albrevüdur. 8. l'ig] nach dem fig /.. 7 über- 
HchüsBig. 8. oc] faft ganz erlafchcn. 10. hannum] das u ficht einem 
e fehr ahrdicht doch der xi-Bogen läsat keinen Zweifel, daas ein a ge- 
schrieben ist. 10. handt] der zweite n-Strich zugleich der erste d- Strich. 

11. Wille] Punkt Über i fehlt. 11. indgiffuc] ein fig fehlt. 11. dee] 
auf einer Rasur; von dem ursprünglichen rechts von doc noch ein 
Punkt übrig geblieben. 12. bliffhe] der i-Punkt fehlt in der Bäschr. 

12. konde] nach konde ein Punkt, der in einen Beistrich verwandelt iß 
(oder umgekehrt^ 13. Att] aus Thi gebessert (oder Thi aus Att?j 
18. Obenbarlig] 1 aus einem halben n-Strich gebessert. 14. throldoms] über 
m m der Hdschr, ein Punkt. 16. dee] über e ein d von der jüngeren 
Hand, jedoch wieder ausgewischt. 18. indiylthe] ähnliche Metathesen 
fUrffe 26,9 verde 17^«. 20. künde] M-Schleife fehlt in der Hdschr. 



« forftaaed « gifbe » faa fig * Wid nifsbiurd » fehU « tuilt 
" bellum • Raadßre • fig add. >^ Schaane " Ilille '* indföre 
'» fMt " derfom *» Hogen >• indO^tter »'er " fehlt »• og add. 



10 JIRICZEK 66 

profpect oc vdfiun mod^ fitt kiere'^ lederne Laudt: 
Menn Folgmar indreifte i Suerrige i Leding. 

Der nu fire' Aar vare omlobne,* giffter 
Ghremild fig igenn medt enn Andenn mandt,^ 
5 Oc der hun paa hueen vilde holde® bröllup, indbyder 
hun thill fig mange hendis gode venner: huilcke 
hun haffde medt aerre oc fkenck beuilget, Att 
dee hendes brödre fkade paaförre^ fkulle. Blandt^ 
huilcke varre oc ^ mange fectere äff denn Aarfage, 

10 Att dee fkulle vdj famme^^ höithiidt öffue feldCam 
fecterij [oc Andett Spill. *^ Paa dett wenligfte^* ind- 
byder hun oc fine brödre [Hogenn oc Folgmar** 
ved finn^* venlige*'^ fchriffuelfse. Hogenn endogh att** 
handt vifte vell denn gamble Affuendt var äff 

16 hans fyfters hiertthe icke Affgiffuenn, wiUa*' handt'** 
AUigeuell icke Affflaa ^* finn fyfters begierring. Huor 
for handt vdfender fine*® thieuere [fom fkulle** hyre-* 
hannem fkib, huilcke** fom igennkomme,** figendis 
en baff frue att ladet** fig thilfiune oc fpaa vlyckeligt, 

20 faa Att hues handt indkom paa hueen, handt 
daa Aldrj fkulle igenn vdkomme, Der hans 
liuftru Gluna dett*® hörde, [bleff hun forferdt, 
oc*' raade*® finn mandt att bliffue hiemme, Meun 
Chremild att giöre fig bröUup medt dee gefter 

8. gifller] der i-Punkt fehlt in der Hdachr, 5. indbyder] der i-Funkt 
fehlt in dei^ Hdschr, 8. paaforre] in der Handschrift ober o ein Funkt 
und Strich (.,). 10. fkulle] n-Schleife fehlt in der Hdschr. 10. hoithiidtl 
Punkt iibei' is fehlt 13. venlige] Hdschr, vennige uiid aus dem zweiten 
n ein 1 und i gebessert; vgl, 9,is Obenbarlig. 16. willa] fo in der Hdschr.; 
wohl eine Verfchreibung für wiUe. 20. indkom] i-Punkt von d, jung. H. 
21. Der] o (« c) in e von der jüngeren Hand gebessert, 23. blifiiie] hs. 
blefiue. 24. V\g\ i-Punkt fehlt in der Hdschr. 24. brollup] hs, o. 



Mmod ^ fehlt »4'«' * forlöbne "^ fehlt • fit a(W. ' fehU » iblaiit 
« fehlt »« faadan " fehlt »" WErligfte " fehU >* fine >» Willige 
»• fehU '' Wüde " dog add. " afllaa «» fin «' fehlt « h^rer 
2» hvilchen " igien Korn " lade "• dette «' fehlt " hun add. 



67 DIE HVENISCHE ÜHKONIK 11 

hun haffde. Menn handt huercken for bönn eller 
gradt aflf linu huftru lader fig offuerthalle, lader 
fordj ftaa nedt thill ftrandenn, der [hann feer* haff frjueiiu. 
fpör hand'^ hefide huorledes hans' riegfe* fkiüle gaa aff.*^ 
5 Oc der handt hörde hun fpade hannem wlycke.* 
Bleff. handt vredt, wddragir fitt verrie ' oc 
Affhngger hennde hoffuedet. Der handt [nu gaar"* 
ved ftrandbacken, oc hannem möder en ferrie- 
mandt, byder handt hannem thill ferrielönn en 

in ftor** guldkiede [handt haflfde om iinn hals,*« Att 
liandt*^ offuerföre fkuUe: Menn handt wille icke, 
huorforre dee komme** thill en fkendtzill medt 
hin Andenu, Oc äff vrede Aar fierremandenn** 
Jhiell, thager Hdenn ferrienn Alleener,** oc roer 

15 fielff laa hart medt Aarerne,** att denn ene gaar 

i tho [for hannem,** der handt [nu nogitt^' [ner var^** 
mod'*Landett*®: huorfor handt medt denn Andenn** oc-- 
fitt"'* rkiold roer thill Lands.** Der handt nu Kommer 
Op, moder hans broder Folgmar hannem, fom 

20 famme time, dog enn Andenn fteds der**^ Kom i Landt. 
Der thage-* dee [hin andenn*' i faffii, oc medt ftor grad 

3. 7*a>i/iJ t'(wi der jüngeren Hand über der Zeile. 4. Juind] von 
d€r jüngeren Hand über der Zeile^ und in der X. ein Merkzeichen (x). 
4. fkulle] der n-Bogen fehlt in der Hdschr. 8. ftrandbacken] as qhh 
T {der Schreiber icollte offenbar -bredcn fchreiben). 11. Menn] o (=<') 
t'on der ßingeren Hand in e verändert. 11. icke] der Beiftrich nach 
diefem Worte fcheint von der jüngeren Hand herzurühren, 12. dee] 
dir beiden vv (= ee) von der jüngeren Hand in ec geändert. 
12. fkendtzill { t vielleicht nur aU stark in die Höhe gezogener Obe%'- 
ftrtch von z aufzufassen, 13. fierrcraandennj Fehler für ferrii^- 
14. fidenn] i- Punkt fehlt in der Hdschr, 16. i] i- Punkt fehlt in der Hdschr. 
19. Toöder] hs. •». 

' feer band « ßj^n a fehlt * Reiglsen -^ feJdt « Wl^chelig 
" Suerd • gaar nu ** fehlt ^^ fehlt *' hannem add. *- Kommor 
*• Fergemanden ** Allene '* Aarenc ** fehlt " fehlt ** war N»r 
'» fehlt *• for hueen add. «> Aare add. " med add. " fin -* landit 
-■^ fehlt *• tager •' hver andre 



1 2 JIKIOZEK 68 

thilkiende giffue* deivs brodelig* Kierlighedt, 
hnilckenn gradt bleff dem et [omen oc* ondt tegeuu 
thill denn* eflfterkommendes wlycke. 

Der Chremillt fomam deres Komme, gaar 
5 hau dem imodt medt litt Fruentommer, oc dem 
medt aller [fodefte ordt oc* venlige* facter thager 
modt.^ Dog haffde hon beftillidt [beuebnede 
Krigimendt äff de fterckefte oc befle* paa Nore- 
borg* flott, huilcke fkulle [giore indfald paa 

10 Hogeun naar handt indthraad, Att da hannem 
Jhiell**: paa Carheideburg** bleff beftillitt nogle 
flere, foin Folckmar fkulle omkomme, Huorfor 
hun beder dennem, att efflerdj dee var*' hendes 
Nefte foruandt,^* dee wille fordj beuifse hende denue** S 

15 aerre vdj denne hendes hoithiidt, Att dee ville tage** 
niod'* hendes indbudne gefter, oc*' giore dem Lyftige 
oc glade paa bode*** flottene: Huilcke, fagde hun 
künde beft fkee, Om Hogenn bleff Kögemefter 
[for dem** paa Noreburg*** oc Folckmar for de andre. 

20 Dee giorde deres fyftei-s villie, Oc Hogen fölger** 
ftrax Chremild, Menn Folckmar ledfages** hen 
thill Charheideburgh.-'^ Der dee nu komme ind, 
ftrax luckes-* portene offuir dennem Oc Folckmai* 
wforthoffuidt offuerfaldes äff [dee beuebnede folck^*: 

1. thilkiende] der Funkt aber dem ersten \ fehlt in der Hdsehr. 
4. Chremillt] i ans e, das zweite l aus t verbessert, 4. deres] das zwfeUe 
(e) von der jüngeren Hand in e geändert. 6. rodefie] der 8trU^ über 
o von der jüngeren Hand. 7. beftillidt] beim zweiten i ein Strich zn 
viel (ü); vrgL 2,ie. 18. beft] nach beft in der Hdschr. ein hedeutun^- 
loser zufälliger Punkt. 91. Chremild] i ans e hergestellt. 23. Folckmar] 
ifi der hs. ein Pu7ikt zw. o und 1. 

» gifver ' Brodcrlige » fehlt * fehlt ^ fehlt « Venligfte ' imod 
* af de bedite Krigfsmend * Nordborg '® ihielflaa Haagen ^' Ctateide- 
borg(!) «« wäre >» forvandte «* dend »» fehU >« hnod ^'^ fehlt 
>• beggc " fehU •« Nordborg »» folgte " ledfagedes " Catheifle- 
borj( '* lu|2rtcdi8; lies lugtis (Grundtvig) ** dennem 



69 DIE HVENISCHE CHRONIK 13 

Meim faandt ftod [irnodt maudeligenu/ oc i'trax 
dreber aflf dennem 70,- dee Andre gaflfue fig 
oflfuer murene, [oc hoffuidtkuldes nedfprunge.^ 
Hogen var icke heller i mindre fare, Dog giorde 
5 handt en* ftore mord paa fine fiender [end Folckmar;* 
Der Chremild nu fornarn effther hendes meening, 
Att begge hendes brodre vorre Jhielflagne,** be- 
giffuer han fig hen thill Charheideburg,' Der Caae 
hun ind^ gennum* Suebugenn,^® oc feer [Polckmar 

10 Gnn broder ^^ftaaendismitt^-Jblandtdifse^'^dodekropper^* 
medt blöd ofPuerltenckt, thill hannem thalP^ hun 
effter denne meeniingh: dinn^® wanartige 
llcalck,^' nu fkaltt du lide [oc vndgielde^* for diu 
fkalckhedt [oc forrederj * •: Att du medt din ^^broder befuor * ' 

15 dig mod^* mig, dett fkall nu gaa oflfuer dig fielflf.^* 
Thj din broder Hogenn haflfuer nu med fitt blöd 
bethald mig, oc Allerede nedfaren i helflfuede: 
Jcke fkalltt du heller wndgaa Itraffen, Der 
handt nu hörde att hans broder var Jhielflagenn 

20 (huilckett hun lognactigh berette) daa ville 
hand icke lengre leflFue,^* Menn bad guderne. 
Att dee faadan wrett, fom hannem oc hans brodei- 
aflf fyfterenn var vederfarenn. heflfne ville, oc 



3. 8chlu89punkt v. Hrsg. hinzugefügt. 9. gönn um] in liat in der Hand- 
schrift einen Strich zu wenig. 14. din] von freunder Hand über der Zeile 
nachgetragen, in der Zeile von derfelben Hand ztvifchen medt und broder 
ein Merkzeichen ( X )/ die Hand fcheint diefelbe zu fein icic die .Jüngere 
Hand**, aber die Tinte iß eine andere. 15. fielfF] der Punkt nach fielff fehr 
undeutlich^ vielleicht nur ein zufälliger Tinten fpritzer. 19. hans] s ftark 
unter die Zeile- gezogen y faß einem z gleichend. 20. lognactigh] h aus r 
hergestellt; hs. o (für 6). 22. hans] s ßark unter die Zeile gezogen. 



' Mandeligen imod ^ og add. ^ fehlt * it * nach mord gestellt 
• Jhieiriagen ' Gatheideborg * fehlt " igiennem '® Saebuen '* (in 
broder Folgmar ^^ fehlt *• de ** Kroppe " tahler '•du " fkielm 
'* fehil >» fMt *<> wor " befuer wohl Fehler; in Kalkars Ordbog 8. 
V. besTsrge nur diese Stelle angeführt, die Orundtvig wol mit Unrecht 
m Text beliess •■ imod •• fehlt •* lenger 



14 JIRICZEK 70 

rtrax der effter vdj dee dodis blöd drucknede 
oc qualde fig. Der Cliremild nu [igenn Koni* 
thilbage thill Norrburg,- Seer hun fin broder 
Hogen eiidnu att vere i Arbeide att drebe oc 
5 Jhielflaa. Saa thaler* hun thill haniiem. figeiides: 
O* din*^ wauart:* Guderae' Tkende oc forderffne diji. 
huor kommer dett fig, att du iblandt alle 
meiiifker, er woffueruinndelig : Strax luarer 
handt: O din** fkalckaflFtige** oc onde quindc, vedltu 

10 icke att^® mig aflf gudenie or^* giffuen, att faa leiig«''- i 
krig oc kamp'^ ey faller, ieg daa for ingen fieiides 
fkud eller fuerd frycter mig? Huilckett hannem 
vforfeendcs faltt aflf mundeiin. Memi der hun 
dette forftod, Optenckte hun ett'* Andett*'"^ fuig. Hun lodt 

15 brede gulffuidt [i porthenn** med oxehuder, (Irodde fajL 
der oflFueu paa erter, oc oiFuerbrede dennem atter 
med andre raa oxehuder, faa*" dee tho barre*** raa 
lider vende^" mod [hin anden-": Meenendis i taa maade-" 
wejeuu for hogen-- att fkulle'-'* bliflfue fiebrig naar 

20 handt gick wd att porthenn. Saa lod hun op 
porthen for hannem, att handt motthe vdgaa. 
Menn Hogenn forthöflFuede noget, oc lefde nogh* 
verfs,-^ medt hullcke handt wilde beuebne fig mod"-'* 
fin fyfters throldom, oc |faa vdgick.-* Der kommer 

25 nu thi'e'-" ftercke beuebuede Krigfmendt, fom aflf 

vnderfundighedt-^ fuig oc bedragerj wäre tliilbeftillet-" 

3. Norrburg) «lan zweite r tmsicher; in der Hdschr. ein Strich, dei 
am eheßen als r gedeutet icerden ka7in, 8. wofiaeruinndelig] der zweit' 
luStrich des zweiten ii bildet zugleich den er/'ten Strich von d. 13. \'for- 
l'eendes] een aus var gebessert. 13. der] » zu e verändert von der jüngeren 
Hand. 14. fai^] der u-Bogen fehlt in der Hdschr. 22. forthoff.] hs, o, 



' igienkom ^ Nörborg ' taldtc * oj^ * du ** Wanartige ' (iu<l 
"♦du » Schalchagtige ><» af " mig arfrf. *- Jc^r er add. *^ fehlt »* Ed 
'* anden *• na^h oxehuder gestellt; vdj ' * at add. '* Baade *** Wendt« 
*• hver Andre «" maader «* hannem " fehlt -* Wtert/. " imoii 
^« Rieh l\ia ud «• 3 " Vnderfundig «» beftillede 



f 



71 DIE HVENLSCHE CHRONIK 15 

imod hannem, oc Alle thre^ thillige med deres 
glaffuenn 16ber ind paa hannem, hand haffde 
nu^ indthett vented flg faadantt Ligeuell thager 
handt imod difse thre deres wold oc Anlöb, (aa 
5 Att i dett forfte anlob, fkred ham fraa* den eeue 
fod, faa att^ handt faltt i kneet/ Meun handt 
kom ftrax op* paa fode igenn^ oc forfulde faa 
igenn den eene eflfther denn' andenn, Att dee Alle 
thre® omkomme. 
^0 Der effler fatte* handt lig ibre att ville gaa 

ned thilP® ftranden, oc offuerfetthe fig thill Schanno^': 
Dog var dett hana meening, Att liandt thilfornn 
ville beföge fin fkatt vdj^* bierget Handt opleder 
fordj noglen oc eflfther handt nu haflfde left oflFuer 

^-^ den'** dee ord fom der thill horde, indgaar handt vdj 
Hammersbiergy oc der indthill midnatt forthoflfuir, 
^'aar fiden hen thill finn faders graflf, oc der for- 
medelft throldoms ord oc ceremonier wdkalder 
Aandeme, AflF huilcke handt Lerde fin oc lines 

' ^ ^ Lycke : fom var, Att handt Aldrig igenn fkulle 

komme oflFuer^ ^ thill Schanne'^ thill fin huftru glunse,*'' 
Men fkulle der der^' inde [i fitt federne Landt^* huile 
fine been: Dog ilmlle handt thilfom befoflfue en 
Jamfini^* äff Kempe flect, huilckenn effter hans 

"^^ död fkulle föde en fonn, oc den fön fkulle heffne 
fig offuir finn farfyfter*® [Chremild, oc huorledes 
dett fkulle faa fremgang Leres hannem ocfaa.-^ 

5. Anlob] n aus m /lergesteüt. 13. Handt] an aus ua gebesse fi, 
^^. fom] über m ein verschlungenes gothisches grosses M von derjüngereit 
^and. 16. thill] i-Punkt f. 16. forthoffuir] i aus e; hs. o für o. 18. cere- 
monier] i aus e gebessert. 22. der der inde] Dittogr. : oder der derindr 
(y4ort drinnen"). 

» 8 ■ end » fehlt * fehlt » Knce « fehU ' fehlt «3 » tofi 
'• at " fkaane " I '» fehlt " fehlt >» fkaane »• Gluna '" fehlt 
^* fehU *• Jomfru und so immer, wo nichts anderes angegeben ist 
•• häen Softer " fehlt 



16 JIRICZEK 78 

Chremild i lige rnaade denn lamme iiatt lom vai* 
en thifdagnatt, ^ oflfrer* fine^ throldoms offer,* oc 
faar Cadanne^ fuar, Att Hogen künde vell forbydes* 

I 

handt icke fkuUe komme äff Landett, oc hiem 
5 thill fitt egitt, Dog fkulle band icke d6e förennd 
band' befoffuidt en edell Jamfru. 

Men Folckmars Suenne, der dee om anden 
dagenu Spurde dercs berre att verre ombragt 
fkiultbe dee dem vdj Scboffuen. Menn om Mor- 

10 genen feer dee Hogen gaa® att Spatzere wed Itraiid- 
backenn, tbill builcken dee ftrax benlobe, tbill- 
bydendis* bannem deres tbienifte om bandt ville 
offner tbill Scbanne,^*^ dee ville vell finde ett 
fkib medt bnilckett dee künde komme offuir,^^ 

15 Men bandt var faare fortbornedt, att dee faa^- 
baffde forladt deres berre aleener,^* Dog vnd- 
fkyldtbe de fig,^* Att dee varre ben^* forfkickitt>* tbill 4 
Sönderborg,^"^ Menendis att bandt endnu fkulle 
werre i Liffue. Der dee nu faae tbalde, kommer 

20 tbill dennem eun gammell mandt vedt naffnn 
Biörnn,^^ builckenn fom fordum** baffde verridt 
bade Hogens oc bans faders Noglings fmaa- 
dreng: handt fortbeller ordentlig huorledis 
Altbing demi nefte dag tbilfom*** var tbilgaaenn,*^ 



1. Chremild] der erste m-Strich aus e. 10. ftrand-] der zweite n-Strich 
zugleich der erste Strich von d. 12. ville] der i- Punkt fehlt in der Hdschr,. 
V fcheint aus einem anderen Buchstaben hergestellt zu sein» 17. fkyldthe] 
die gewöhnlichen zwei Punkte über y fehlen in der Hdschr, 17. forfkickitt] 
der Punkt über dem ersten i fehlt in der Hdschr. 17. thill] i-Punkt fehlt 
in der Hdschr, 22. Noglings] hs. o für 6; s erst nach AbBcMusa den 
Wortes (langer Endstrich von g \) hinzugefügt, 24. thilgaaenn] aenn gatti 
verschmiert, nicht sicher, vielleicht aen oder ann. 



" Thifsdags Nat « Effler (!) • fin * Wuelfse * faadant • at add. 
' hafde add, " ud add, * og tilbode <<> fkaane '* til fkaane add. 
'* fehlt *' AUene ** at faadant War fkeed af derif Herris Eg»n befkling 
add, >* hftden '• fkiched *' Sondreborg " Biöm >» Baade «* fthlt 
«» tilgaait 



18 .Tl&ICZEK 74 

dett [att fkulle en Andenn dag^ bekomme. Huorfor 
hon beftiller bans Lig att Afföree* oc reent 
valkes, ilden vdj en Lig kifte att indlegges vdj 
Kortelige' Suöbelfse, oc der effther att Tdberres 
5 Att^ portenu. Hogemi difs midier^ thiidt med fine 
groff baus graff, Neft op tbill bans faders^ Nög- 
lings.'^ Oc der nu mange baade fremmede oc 
Judlendige^ komme att folge ligett tbill fitt* Leier- 
ftedty Daa begynnte Hogenn ved graSiien att 

10 haffue en^® Statlig Oration oc tbale, v^j'^ builcken 
liand fortbalde oc opregntbe Folckmars^^ dyd [oc 
Mandedige^^ dad oc gieminger: Her boCs oc finn 
fyfters Vtrofkab oc ftorre forrederj, Sampt 
bendis tyranni oc wmettelige gierigbedt, medt 

15 beudis falfk oc Suig, buor vdj bmi faft ofiFuergick 

Alle mennifken.^^ Gaff oc ber vdj tbiUdende, huadt ^ 
Aarsage bandt gaff^^ der tbill att Jbielflaa Sigfridt 
bom, oc fuor ved gudeme, att faa i fandhedt 
war [altt fig tbildragenn.^^ Der bans oration oc 

20 tballe nu baffde ende, lod bandt benueltbe**^ ftorre 
fteene paa fin broders graff, effter fom den tbiidt 
var feduaane. Der dette [altt nu^® var offuerftaen,^^ 
giffuer bandt fig med fine ind paa fitt egett fiott 
Synderbiirg,^^ Men indbyggerne fom vell ibukomme 

9. Afföres] .ye^itkleideri"^ (s. Kaikar 8. v.); die Lesart von K ist ciw^ 
Schlinwibesserung, 3. indlegges] übei' g« ein bedeutungsloser Punkt 
in der Hdschr. 6. midier] e aus i hergestellt (oder umgeJcehrt?) 
8. komme] e aus einem nicht mehr erkennbaren Buchstaben hergestellt. 
12. Mandedigo] ds Fehler für 1. 14. gierighedt] das erste i aus c. 
16. mennifken] n» Fehler für r; oder Apokope, vrgU 4,8. 17. Aar- 
sage] e aus h. 17. gaff] Fehler, die Besserung von K trifft kaum 
das Ursprung!. 

' om anden dagen at ^ aftörrif * Koftelig * af * Imidler • fader 
• Noglinj? (!) • Jndlendinge <> fin *« fehlt >» fehU »« mandelig 
add. *^ fehlt ** Mennifker ** hafde '^ at hafve tildragit ■' heden- 
weldte ** nu altsammen " ofuerftanden ** Sjndreborg 



76 DIE HVENI8CHE CHRONIK 19 

dee velgieminger Hogenn thilforn dem^ beuiift 
haffde forfkaffede hannem oc hans, huefe^ handt 
fkulle [holde paa.* 

Menn Chremild effterdj hun indthett^ faa foi*^ 
5 lengdes effter, [faa fom^ Hogenns d6d, daa fkicker 
hun en äff hendis^ piger fom var koftelige Kled, 
hen op thill Hogenn, att handt hende befoffue fkulle: 
Denne thog handt venlige'^ imod, oc bad hende att 
hun viUe ligge hofs hannem, Dog befoff handt 

10 hende icke. Thj handt meente, fom fandt var^ 
Att hun icke var äff Adels perfoner boren. 
Men ftrax om morgnenn ftaar handt op, ville forföge 
om faa var eller ey, oc hende hafteligenn opuagthe. 
Der hun vognede oc faae dagenn fkinne, wifte hun 

15 Aldrig huor hun var, Kom oc icke heller hogenn 
laa fnartt ihn, huorfor hun liger fig att maa hen 
vd^ thill fitt Arbeid, figendis flg att haffue foffuet 
for lenge, Oc der hun neffhde nogett* arbeide fom 
icke fömmede enn Adelige ^^ Jamfru, Lod handt hende 

20 wfkamferidt thilbage. J lige maade hende det fig 
oc om Anden dagenn. Men den threde^' gB^ng, daa 
Chremild fomam vell^^ hun hannem indthett^^^ 
bedrage künde, fender hun en äff fine Jamfruer, 
ved naffn Huenild (huilcken dog nodig vilde) 

25 Äff fin fruerftuffue hen thill hannem, hende 

künde Kunde** handt velP*^ Kiende aff^^ mange*" tegn, 

1. thilforn] i-Punkt feldt in der Hdschr. 2. hans, huefs] beistr, /*. in d. hs.; 
hvei, hvis = hvad (f, Kaikar 8. v.); über der Zeile ein verwischtes h v. d. 
jung. H.; wollte diese hvad einschiebeti, hucfs gleich K missverstehend? 
5. fldcker] i-Punkt fehlt in der Hdschr, 9. ligge] g« aus e. 9. handt] 
das t sehr undeutlich. 18. var] r über einer Rasur. 13. opuagthe] 
a nachträglich eingeschoben. 14. wifte] i-Punkt fehlt in der Hdschr. 
17. figendis] i- Punkt fehlt in der Hdschr. 21. threde] so mehrerenorts 
in der dän. Aussprache. 24. nödig] hs. o. 26. künde Kunde] Dittogr. 

* vor thilforn gestellt ' huus, hvad • paaholde * fehlt * fehlt 
• fmc ' Warlig * fehlt » nogen '« Addelig *» tredie '^ at »» iche 
'* fehlt '» dog "Ved '' Nogen 



18 JIRICZEK 74 

dett [att (kulle en Andenn dag^ bekomme. Huorfor 
hon beftiller bans Lig att Ajfföres* oc reent 
valkes. fiden vdj en Lig kifte att indleggeB vdj 
Koflelige* Suobeirae, oc der eSRher att TdbeiTes 
5 Att^ port^nu. Hogemi difs midier* thiidt med fine 
groff bans graff, Neft op tbill bans fiiden^ Nög- 
lings.' Oc der nu mange baade (remmede oc 
Judlendige^ komme att folge ligett tbill fitt* Leier- 
ftedty Daa begrniiie Hogenn ved graffden att 

10 haffae en^* Statlig Oratioii oc tbale, r^j^^ buücken 
liand fortbalde oc opregntiie Folckmars^^ dyd [oc 
Mandedige*' dad oc gieminger: Her boCs oc fimi 
ff fters Vtrofkab oc Itorre forrederj, Sampt 
hendis tyranni oc wmettelige gierigbedt, medt 

15 heudis falfk oc Suig, huor vdj hau faft offdergick 

Alle mennifken.^^ Graff oc ber vdj tbilkiende, buadt ^ 
Aarsage Iiandt gaff^^ der tbill att Jbielflaa Sigfridt 
hom, oc fuor ved gudeme, att faa i fandbedt 
war [altt fig tbildragenn.^^ Der bans oration oc 

20 thalle nu baffde ende, lod handt henuelthe^' ftorre 
fteene paa fin broders graff, effter fom den tbiidt 
var feduaane. Der dette [altt nu^^ var offuerftaen,^*' 
giffiier handt fig med fine ind paa ntt egett fiott 
Synderburg,^^ Men indbyggerne fom vell ibukomme 

9. Afforc's] .,c?»(fe/ci^€n" (s. Kaikar s, v.); die Lesart von K ist eiii^ 
Schlimnibesseru)ig, 3. indlegges] über p^, ein bedeutungsloser Punkt 
in der Hdschr. 6. midier] e aus i hergestellt (oder umgekehrt?) 
8. komme] e aus einem nicht mehr erkennbaren Buchstaben hergestellt. 
12. Mandcdigo] dt Fehler für 1. 14. gierighedt] das erste i aus c. 
16. mennifken] n« Fehler für r; oder Apokope, vrgl. 4,i. 17. Aar- 
sage] e ans h. 17. gaff] Fehler, die Besserung von K trifft kaum 
das Ursprihtgl. 

' om anden dagcn at ^ aftörrif * Koftelig * af * Imidler * fader 
• Noglinjr (!) • Jndlendinge ^ fin »« fehU >» fehU "« mandelig 
add. »« fehU " Mennifker »» hafde '« at hafve tildragit >' heden- 
weldto *" nu altsammen *** ofuerftanden *^ Sjndreborg 



76 DIE HVENI8CHE CHRONIK 19 

dee velgieminger Hogenn thilforn dem^ beuiift 
haffde forfkaffede hannem oc hans, huefe^ handt 
fkuUe [holde paa.* 

Menn Chremild effterdj hun indthett^ faa foi-^ 
5 lengdes effter, [faa fom^ Hogenns d6d, daa fkicker 
hun en äff hendis^ piger fom var koftelige Kled, 
hen op thill Hogenn, att handt hende befoffue fkuUe: 
Denne thog handt venlige^ imod, oc bad hende att 
hun ville ligge hofs hannem, Dog befoff handt 

10 hende icke. Thj handt meente, fom fandt var^ 
Att hun icke var äff Adels perfoner boren. 
Men ftrax om morgnenn ftaar handt op, ville forfoge 
om faa var eller ey, oc hende hafteligenn opuagthe. 
Der hun vognede oc faae dagenn fkinne, wifte hun 

15 Aldrig huor hun var, Kom oc icke heller hogenu 
faa fnartt ihu, huorfor hun ßger flg att maa hen 
vd® thill fitt Arbeid, figendis fig att haffue foffuet 
for lenge, Oc der hun neffhde nogett* arbeide fom 
icke fommede enn Adelige ^^ Jamfrii, Lod handt hende 

20 wfkamferidt thilbage. J lige maade hende det fig 
oc om Anden dagenn. Men den threde^^ gang, daa 
Chremild fomam velP- hun hannem indthett^^ 
bedrage künde, fender hun en äff fine Jamfruer^ 
ved naffn Huenild (huilcken dog nödig vilde) 

25 Äff fin fruerftuffue hen thill hannem, hende 

künde Kunde '^ handt velP*^ Kiende aff^^ mange*" tegn, 

1. thilforn] i-Funkt fefdt in der HiUchr. 2. hans, huefs] beistr. /*. in d. hs.; 
hvei, hvis = hvad (f. Kaikar 8. v.); Über der Zeile ein vatpischtes h v, d. 
jung. H.; wollte diese hvad einachiebefi, hucfs gleich K miasver stehend? 
5. fldcker] i-Punkt fehlt in der Hdschr. 9. ligge] gs ans e. 9. handt] 
das t sehr undeutlich, 18. var] r über einer Rasur. 13. opuagthe] 
a nachträglich eingeschoben. 14. wifte] i-Punkt fehlt in Jet* Hdschr. 
17. figendis] i-Funkt fehlt in der Hdschr. 21. threde] so mehrerenorts 
in der dän. Aussprache. 24. nodig] hs. o. 26. kundc Kunde] Dittogr. 

* vor thilforn gestellt ' huus, hvad * paaholde * fehlt * fehlt 
•fine "Wariig ^ fehlt »nogen '« Addelig " tredie '« at »« iche 
" fehlt «»dog "Ved *' Nogen 



18 JIRICZBK 74 j 

dett [att fkuUe en Andenn dag^ bekomme. Huorfor 
hun beftiller hans Lig att Afföree^ oc reent 
vafkes, Tiden vdj en Lig kifte att indlegges vdj 
Koftelige^ Suöbelfse, oc der effther att vdberres 
5 Att^ portenii. Hogemi difs midier^ thiidt med line 
groff haiis graff, Neft op thill hans faders^ Nög- 
lings.*^ Oc der nu mange baade fremmede oc 
Judlendige^ komme att folge ligett thill fitt* Leier- 
ftedty Daa begyunte Hogenn ved graffuen att 

10 haffue en^® Statlig Oration oc thale, v^j*^ huilcken 
hand forthalde oc opregnthe Folokmars^^ dyd [oc 
Mandedige^^ dad oc gieminger: Her hoCs oc finn 
fyfters Vtrofkab oc ftorre forrederj, Sampt 
heudis tyranni oc wmettelige gierighedt, medt 

15 hendis falfk oc Suig, huor vdj hun faft offuergick 

Alle mennifken.^* Gaff oc her vdj thilkiende, huadt *• 
Aarsage handt gaff^^ der thill att Jhielflaa Sigfridt 
hom, oc fuor ved gudeme, att faa i fandhedt 
war [altt fig thildragenn.^® Der hans oration oc 

20 thalle nu haffde ende, lod handt henuelthe^"^ ftorre 
fteene paa fin broders graff, effter fom den thiidt 
var feduaane. Der dette [altt nu^^ var offuerftaeu,*^* 
giffuer handt fig med fine ind paa fitt egett flott 
Synderbiirg,^^ Men indbyggerne fom vell ihiikomme 

9. AfförcsJ ,fentklei(hn'^ (s, Kaikar s. v.); die Lesart von K ist eine^ 
Schlimnibesserung, 3. indlegges] über g« ein bedeutungsloser Punkt 
in der Hdschr. 6. midier] e aus i hergestellt (oder umgekehrt?) 
8. komme] e aus einem nicht ^nehr erkennbaren Buchstaben hergestellt. 
12. Mandedigo] dt Fehler für 1. 14. gierighedt] das erste i aus c. 
16. mennifkeu] n« Fehler für r; oder Apokope, vrgl. 4,i. 17. Aar- 
sage] e ans h. 17. gaff] Fehler, die Besserung von K trifft kaum 
das Ur sprängt. 

' om anden dagen at * aftörrif * Koftelig * af * Imidler • fader 
■ Nogling (!) • Jndlendinge ^ fin «« fehU »» fMt " mandeliir 
add. '^ fchU " Mennifker ^^ hafde '* at hafve tildragit *' hedeii- 
weldte *"* nu altsammen ** ofueri'tanden ** Sjndreborg 



76 DIE HVENI8CHE CHRONIK 19 

dee Yelgieminger Hogenn thilforn dem^ beuiift 
haffde forfkaffede hannem oc hans, huefe^ handt 
fkuUe [holde paa.* 

Menn Chremild effterdj hun indthett^ faa foi*^ 
5 lengdes effter, [faa fom^ Hogenns d6d, daa fkicker 
hon en äff hendis^ piger fom var koftelige Kled, 
hen op thill Hogenn, att handt hende befoffue fkuUe: 
Denne thog handt venlige^ imod, oc bad hende att 
hun ville ligge hofs hannem, Dog befoff handt 

10 hende icke. Thj handt meente, fom fandt yar, 
Att hon icke var äff Adels perfoner boren. 
Men Itrax om morgnenn ftaar handt op, yille forföge 
om faa var eller ey, oc hende hafteligenn opuagthe. 
Der htm vognede oc faae dagenn fkinne, wifte hun 

lo Aldrig huor hun var, Kom oc icke heller hogenn 
faa fnartt ihu, huorfor hun figer Hg att maa hen 
vd* thill fitt Arbeidy figendis fig att haffue foffuet 
for lenge, Oc der hun neffhde nogett* arbeide fom 
icke fömmede enn Adelige ^^ JamA*u, Lod handt hende 

20 wfkamferidt thilbage. J lige maade hende det fig 
oc om Anden dagenn. Men den threde^' gB^ng, daa 
Chremild fomam vell^- hun hannera indthett^** 
bedrage künde, fender hun en äff fine Jamfruer. 
ved naffn Huenild (huilcken dog nodig vilde) 

25 Äff fin fruerftuffue hen thill hannem, hende 

künde Kunde'* handt vell'*^ Kiende äff** mange*' tegn, 

1. thilforn] i-Funkt feldt in der HiUchr, 2. hans, huef»] heistr. f. in d. hs.; 
hvei, hvis = hva(l (f, Kaikar s, v.); Über der Zeile ein verwischtes h v, d. 
jung. H.; wollte diese hvad einschiebetit huefs gleich K missverstehend? 
5. fkicker] i-Punkt fehlt in der Hdschr, 9. ligge] gs aus e. 9. handt] 
das t sehr undeutlich» 13. var] r über einer Rasur. 13. opuagthe] 
a nachträglich eingeschoben. 14. wifte] i-Punkt fehlt in der Hdschr. 
17. figendis] i- Punkt fehlt in der Hdschr. 21. threde] so mehrerenorts 
in der dän. Aussprache. 24. nödig] hs. o. 26. künde Kunde] Dittogr. 

* vor thilforn gestellt ' huus, hvad • paaholde * fehlt * fehlt 
• fme ' Warlig * fehlt » nogen '« Addelig " tredie '« at »« iche 
" fehlt '* dog "Ved *' No>?en 



20 JIKICZEK 76 

Att huu icke var födt aif geineine tblclu Spur 
hende fordj om henndis foreldre, oc megett andet, 
hun fuarer hannem paa altt, befkedentlig noch. 
Oc paa dett fifte effter lang iamtalle gaae^ dee 
5 bode thill fengs faminen. Om morgnen effter alt 
beftiltt,* fortheller handt hende hnor thill vaar 
gaaen* ved hans faders graff, oc lerer hende 
huorledis thill fkuUe gaa, att dee offner Chreniild 
rkulle bliffue heffnidt.* oc laa er Althing [her medt'* 

10 thilgaaen.^ 

Nogen Kort^ thiidt her effter er Hogeu dod, 
huei's lig Chremild icke ville thilftede att lade be- 
graffues® der inde i fitt fedenie land, Men lod 
dett offuerföre thill Skanne,* hen til Glunae,^® oc 
11. 15 hun lod dett vdj Gluneloff*^ bierge*- begraffue. 
Menn Glune bleff faa offte*-* äff Hogenns Aander 
befuerede,^* Att hun nödes thill att indreifse^'^ vdj 
Norge, Men indbyggeme äff GHunes fluct, kallede 
ftedenn der effter Gluneflöff. 

20 Menn Huenild, der nu 9 maaneder forlobne 

worre, föde en fön, huilcken effterdj handt 
haffde ftörre Lemmer end hans x4.1der^" künde 
thilfige^ dee*' kallede^® Ranche. Oc dett hende l'ig 
Att Chremild gick ocfaa i bafsellfeng** famme natt, 

25 föde oc eu fön, huilckenn liun kallede medt fin 
forige mandtz naffn Sigfrid. Nu indbeder-** 



3. befkedentlig] t fcheint nnchgeiragen zu fein, 9. heffnidt] der zweite 
?i'Stnch vtniritt zugleich i. 17. befuerode] Schlufs-o überschüssig. 18. ind- 
byggeme] der i'Punkt fehlt iw der Hdschr. 20. forlobne] durch einen geihen 
Flecken ist der Strich über o fast unkenntlich, 21. en] e m^s einem nrUes- 
baren Buchstaben gebessert, 22. ftorre] hs, o für ö; der f-Strich von 
föde geht tief bis o heraby so dass ein etwaiger Strich über o von ihm auf- 
genommen ist. 26. Sigfrid] g nachträglich (von derselben Hand) eingetraijen, 

* gaar -* war add, ' gaaet * befnde * fehlt ® tilgaait "• fehlt 
M)cgrafve " fkaane »« Glune " Glunefslöf ** Bierg >»tidt " belVergit 
'■^ Inddrage *® lemmer ''da '* hun hannem add, ^^ Barfelfeng '^ hun add. 



77 DIE HVENISCHE CHRONIK 21 

huenild thill fig, att dee bode fkulle werre^ vdj 
enn (tue, ville dog icke Obennbarre huadt hun om 
Huenilds' bamn haffde i finde, Huenild lyder 
hende,* oc [medt fitt bamn thill Chremild indflytter.^ 
5 Denn forfte natt der dee andre* alle foffue, 

Kom hun vell hue* huadt Hogen [hende haflfde' 
paamindty huorfor hun Stiell Chremilds barn 
oc legger® hofs fig, thager faa hendis egett barn^ oc 
legger hofs Chremild igenn. Jcke mange dage 

10 her effter ftaar Chremild op en Natt, oc queler dett 
barnn fom Laae hofs Huenild; Der Huenild nu 
om morgenen opuognede, oc fandt barnedt dödt 
hofs fig, da fkriger hun, gi£fuer oc Klager fig 
ynkeligenn, faa att Chremild vndertiden tröfter, 

15 vndertidenn fkeender paa hende, iudthill faa lenge 

att*** hun dog*^ [om feer** offuergiffuer^' finn** graadt. 
Saa haiFuer daa Huenild fmuckt bedragett denn 
Allerfnedigfte oc bedrageligfke** quinde Chremild, 
Att huti fom thilfoi*n haffde ladett ombringe begge 

20 fine brödre, med fri villie oc vedfkab, nu vden 
hendis^* vedfkab oc villie felff omkommer finn 
egen fön. Strax her effter offuerantuordes^' 
Huenild hendis egitt barn att opamme. 

Der handt nu thiluoxte oc bleff i fitt feutende** 

25 Aar, daa meente Huenild rett thiidt att verre, 
om huilckett** Hogen fhaffde thilfom*^ paamindt. 



6. hue] l, ihue. 6. huadt] der u-Bogen fehlt in der Hdschr, 18. he- 
il rageligfke] k Fehler für t wol aus Gedankencompromiaa mit hedrageriske. 
18. quinde] nd in Ligatur, 24. fentende] n i Fehler für m. 25. meente] 
aber n ein bedeutungsloser Haken, 26. huilckett] der Ausdruck iitsyntactisch 
Mehr unbehüflich; gemeint: „dtf rechte Zeit dazu, woran - -"; die Lesart von 
K, wodurch hvilchen auf thiidt bezogen wird, ist eine Schlimmbesserung, 



' ligge « Huenilde8 • ad add. * infl^tter til Gremild med fit 
Barn » fehU • ihue ' hafde hinde • det add. • fehlt "• fMt 
^^ fehlt »•omfider "ofrgaf^wc) '^ ^ehlt "» bedrageUgfte "fin »'ofuer- 
antvordede " fembtende *• hnilchen *^ tillorn hafde 



JIKK'ZEK 

Att huu icke var födt äff getneioe tblck; Spü 
hende fordj om benndia foreldre, oc megett ai 
hun fuarer hannein paa altt, bel'keilciitlig noc 
Oc paa dett fi(le eflter lang l'amtalle gaae* d 
i bode thill l'engB lammen. Om moi'gneii effter 
beltiltt,* fortheiler handt hende huor thill vaa 
gnaen' ved hang fa<1er8 graff, oc lerer hende 
fauflriedis thill fkiUle gaa, att dee offner Ohre 
lliulle bliffue befTnidt.' oc l'an er Älthing |ho 
10 thilgaaen." 

JJogen Kort^ thiidt her oftter er Hogen d 
hneJ's Hg ChreniiM icke ville thillti'de att lad« 
graffues* der inde i fitt federne laiid, Jlen loi 
dett offuerfüre thill Skanne,* hen til Ghuite," 
15 iiuii lod dett vdj Glnnelöff" bierge'"- begraffi 
Memi Grlune hleff Taa üffte"' nS Hogenii» Aai 
befuerede,*^ Att hon nödes thill att indreit'se' 
Norge, Men indbyggenie äff (rlniies flnct. kati 
lledenn der effter Glunellöff. 
20 Menii Huenild, der nu 9 maaneder l'orlöb 

worre, föde eu fön, linitcken effterdj handt 
haffde rtorre Lemmer end lian^ Alder'" knof 
tliilligc, dee'" kallede'* llaiicho. Oc dett h- 
Att Chremild gick ocfaa i barHellleng'* lam 
25 löde oc eu lön, huilckenn hun kaltede medt 
forige mandtz naffn Sigfrid. Nu indbeder' 

3. befkeilentlig] t fchtint nachgetragcH zu /ein. 9. hef 
-Strieh rertrilt iugteich i. 17. Iwrueredc] ScHitA-e iOerae 
y^gerne] iler i-Puiikt fehlt hi ihr Hdachr. 20. f(»rl6bi>e]J| 
'^fcktn ist der Strich über ö faxt iiiikenntlich. Sl. « 
itr^n Buehalaben gehtgutrt. S9. ftörre] h». 
>de geht tiff bi» o herab, «d ihim r.iti tUcaigerJ^ 
tnommen i»t. 26. Sigtriil] g imc/iträglichtfi 

' gtar ^ war atld. • gauet 
l>cgraft-e " fkaaue '" Glune "' 
Inddr^e '•lemmer "di 




20 JIRICZEK 76 

Att huu icke var födt aif gemeine tblck: Spor 
hende fordj om henndis foreldre, oc megett andet, 
hiin fuarer hannein paa altt, befkedentlig noch. 
Oc paa dett fifte eifter lang lamtalle gaae^ dee 
5 bode thill iengs lammen. Om morgnen effter alt 
beftiltt,^ fortheller handt hende huor thill vaar 
gaaen* ved hans faders graflf, oc lerer hende 
huorledis thill fkuUe gaa, att dee offner Chremild 
rkuUe bliffue heffnidt/ oc faa er Althing [her medt"' 

10 thilgaaen.^ 

Nogen Kort^ thiidt her effter er Hogen dod, 
huels lig Chremild icke ville thilftede att lade be- 
graffues* der inde i fitt federne land, Men lod 
dett offuerfore thill Skaime,* hen til Glunse,^® oc 

15 him lod dett vdj Gluneloff*^ bierge*- begraffue. 
Menn Glune bleff iaa oft*te*'^ äff Hogenus Aander 
befuerede,^* Att hun nödes thill att indreifse*'^ vdj 
Norge, Men indbyggeme äff Grlimes fluct, kallede 
rtedenn der effter Glunefloff. 

20 Menn Huenild, der nu 9 maaneder forlöbne 

worre, fode en fön, huilcken effterdj handt 
haffde ftörre Lemmer end hans Alder*** kimde 
thilfige, dee*' kallede^® Ranche. Oc dett hende lig 
Att Chremild gick ocfaa i bafsellfeng*** lamme natt. 

25 fode oc en fon, huilckenn lum kallede medt fin 
forige mandtz naffn Sigfrid. Nu indbeder-" 



3. befkedentlig] t fcheint nachgetragen zu fein. 9. hettnidt] rftmtvi/r 
n-Stnch veHritt zugleich i. 17. befuerede] Schlufs-e flbcrschiisslg. 18. ind- 
byggeme] der i' Punkt fehlt in der Hdschr. 20. forlöbne] durch einen gelhen 
Flecken ist der Strich übe}' o fast unkenntlich, 21. en] e a^is einem nnles- 
baren Buchstaben gebessert. 22. ftorre] hs. o für 6; der f-Strich von 
föde geht tief bis o herab j so dass ein etwaiger Strich über o von ihm auf- 
genommen ist. 26. Sigfrid] g nachträglich (von derselben Hand) eingetraijen. 

* gaar '-» war add, ' gaaet * bofnde * fehlt ^ tilgaait ' fehlt 
^ bografvc " fkaane '*^ Glune " Glunefslöf '* Bierg "tidt " belVergit 
^^ Inddrage ** lemmer *' da '* bun hann^tn add, ** Barfelfeng '^ hun add. 



77 DIE HVENISCHE CHRONIK 21 

huenild thill dg, att dee bode fkulie werre^ vdj 
enn ftae, ville dog icke Obennbarre huadt hun ein 
Huenilds^ barnn haffde i linde, Haenild lyder 
hende,* oc [medt fitt barnn thill Chremild indflytter.* 
5 Denn förfte natt der dee andre '^ alle foffde, 

Kom hun vell hue^ hnadt Hogen [hende haffde'' 
paamindt, huorfor hun Stiell Cbremilds harn 
oc legger^ hofs fig, thager faa hendis egett barn^ oc 
legger hofs Chremild igenn. Jcke mange dage 

10 her effter ftaar Chremild op en Natt, oc queler dett 
barnn fom Laae hofs Huenild; Der Huenild nu 
om morgenen opuognede, oc fandt barnedt dödt 
hofs fig, da fkriger hun, giffuer oc Klager fig 
ynkeligenn, faa att Chremild yndertiden tröfter, 

15 vndertidenn fkeender paa hende, indthill faa lenge 
att*'* hun dog*^ [om feer** offuergiffuer^* finn** graadt. 
Saa haffuer daa Huenild fmuckt bedragett denn 
AUerfnedigfte oc bedrageligfke^^ quinde Chremild, 
Att hun fom thilforn haffde ladett ombringe begge 

20 fine brodre, med fri villie oc vedfkab, nu vden 
hendis** vedfkab oc villie felff omkommer finn 
egen fön. Strax her effter offuerantuordes*" 
Huenild hendis egitt bam att opamme. 

Der handt nu thiluoxte oc bleff i fitt fentende'* 

25 Aar, daa meente Huenild rett thiidt att verre, 
om huilckett** Hogen [haffde thilforn*® paamindt. 



6. hue] /. ihuc. 6. huadt] der u-Bogen fehlt in der Hd$chr, 18. be- 
ll rageligfke] k Fehler für t wol aus Gedankencompromiss mit bedrageriske. 
18. quinde] nd in Ligatur, 24. fentende] n i Fehler für m. 25. meente] 
über n ein bedeutungsloser Haken. 26. hailckett] der Ausdruck ist syntactisch 
Mehr unbehilßich; gemeint: „die rechte Zeit dazu, woran - -"; die Lesart von 
K, icodurdi hvilchen auf thiidt bezogen ioird, ist eine Schlimmbesserung. 



* ligge * Haenildes * ad add. « infl^tter til Gremild med iit 

Barn * fekU • ihue ' hafde binde • det add. • fehlt »• fehlt 

^^ fehlt "omfider "of^gaf^wc) '^ ^ehlt '» bedrageligfte "fiu »'ofuer- 
antvordede *» fembtende " huilchen *• tillom hafde 



22 JIRICZEK 78 

Derfor Kalder hun faa Lönlige Ranche thill fig, 
oc giffuer hannem tbilkiendc, huorledis Chremüd 
haffde omkommen^ hans^ fader Hogen, oc farbroder 
Folckmar: item huorledes hun haffde ftaaet hannem 
IS« 5 lielff efiter liffoidt, der handt war bam^ oc om- 

kom dog [inn egenn fön. Oc paa dett hun faadaut 
alltt i hannem kand' indbilde. gaar hun vd i mar- 
cken med hannem, huor der laa en grufame^ l'tor 
fteenn wnder huilcken den throldnögle laa*^ for- 

10 uaridt äff Hogenn. Hun befall* att Ranche fkulle 
Affuelthe fteenen: huilckiidt handt [letteligen oc' giorde. 
Huenild fkrabede fanden thill Hde oc vifer hannem 
faa Nöglen, oc [her hofs^ lerrer hannem, huorledes 
handt med fin falfke moder (fom mandt meente 

15 Att vere hans^ rette moder) fkulle handle, oc locke 
hende hen^® thill biergitt, Der att lucke hende inde. 
oc Suelthe^^ Jhiell. 

Ranchus^* thager uoglen oc med ftor frydt*^ oc 
glede gaar [ind thilP^ Chrenüld, figendis: O min 

20 AUerkierifte moder,'* nu fkall ieg giöre dig megidt 
lyckfalig offuer alle mennifker, hun Spor. j 
huadt maade. Handt fuarer, Jeg fkall Hy dig fatt 
paa Nöglings'^ klenoder.^" Eia [fagde hun,^^ dett er 
wmueligt, vy faar dett aldrig vden vy haffue'** 

25 Nögelenn, med huilcken min fader oplod biergett. 
18 V, Ranche fuarede, den haar*® ieg** Altt, oc ftrax vifser 

den, der hun faa denn, offuergiffucr hun Althing, 
oc beder handt ville folge hende did fbrax thill 
Klenodett.'* Men handt duelde*'^ nogett, oc bad Chre- 

25. biergett] i-Punkt fehlt in der Hdschr. 26. vilser) iochts of}rn 
iichen fs ein Punkt in der Hdachr, 



* omkommit * lin ' Kunde * grulotn * war • befahler ' og 

lettolig « derhos »fin '^ fehlt »MVeltif '»Ranche '• ^ft >« iudtU 

'''fehlt »• Nögelen8(!!) »'Klenodier ^"^ fehlt »» hafde «« hafve «" wi 
" Klenodiet " dvalde 



79 DIE HVENISCHE CHRONIK 23 

mild att hun^ thage mad med fig, men huii Ibm 
ihörftede effber guldett, giorde fig ingen tancker'^ om 
maden. Dog gaar band ind i Spifekammeredt 
oc thog ihre' leffae med fig; Som handt gick^ 
5 tabie handt med yillie förft^ den ene leff, fom laa 
for Chremfld^ föder, band bad bun ville tbage op 
Brödett: Dett künde end gaffhe hende, men bueii 
var faa thill guldett tbilbengendis,^ att bun glemte' 
Brödett. Saa tbabte bandt dett andet, bad i lige 

10 maade bun ville tbage dett med flg: Men hun fuar- 
rede, buadt fkuUe vy med brödt, miar* her er 
faa megett guld for banden? Handt lod dett threde* 
Brödt falde, lige fom dett ilcuUe fkeed mod^** bans 
▼illie,^^ oc bad endnu bun ville dett optage. Menü 

15 effterdj buen beeil' ^ bengde tbill guldett, faa fkötte 
bun indtbet ber om. Rancbus^** fagde. Moder** ieg 
ftycter mig att i icke** angrer dette. Tbj naar i 
Kommer ind i biergett tbill dette *^ meget*^ guld, 
daa fkall i vell*^ icke will** der vd igenn, faa maa 

20 i d6d" der inde aflf«* hunger, faa" fkulle*'^ i vell beller 
baffne bröd end guld. Hun fuarde, min fön, giör 
kun'* faa** ieg kand Komme förft*** thill guldet, fidenii 
wille vy vell handle om madeuD, Oc fom dee faa • t. 

tbale,*^ komme** dee [op paa dett öffuerfte paa** bierget. 

25 oc Rancbe föjer nöglenn thill bierget,*^ Oplader 



S. thorllede] r aus f. 6. UhremildJ genitlv-s ve^-gessen. 10. fuar 
der VL-Bogen fehlt in der Hdschr. 12. threde] t hat etilen langen Vorstrich, 
noda$$ tth zu stehen scheint. 15. huen heell] in der Handschrift iin Wo^i. 
18. Kommer] das eine m hat in der Handschr. nur 2 fitriche. 19. willj 
Apokope des e; vrgl. 4,«. 20. <l6d] entweder Fehler für doi», oder eiti 
ligge oder ähnl. ausgefallen. 25. fojer] hs. o. 



« Vilde add. « tanche » 3 * fehlt "^ öremilds ^ geneiget ' tnr- 
glembte » mens «8^ »»med " Vwillie ^* fehlt »• Kanche '* fehlt 
** fehlt >• det *' megle ; — megen, ttor, mangfoldig Molbech Dansk Ordbog'^ 
9. V.) " fehlt *• Vüde •• döe " I " da " fkal •* ichun fowt " at 
add. *• fMt(doch sithe >•; «' tahler <* Kommer «• Wveret oppaa »• ogadd. 



24 «nmczEK 80 

dett. oc gaar^ lielff- forft ind. oc^ demeft Chremild. 
Oc der hon [na har^ faaenn^ fin* TÜIie. Daa künde 
hnn icke mettis, nn tog hon dett i hendeme^ nu^ 
holtt han^ dett for oynene, nn* lige fom hun ville 
5 Ligge^^ der paa, faa att Ranchse^^ ipnrde paa dett 
ßdfte om hun ei ville hiemb igenn? Daa fuanie 
hnn. Att hon haffde thiid noch,^^ hon baffde indthett 
hiemme att giöre, men der ville forthoffde^^ lidet. 
Meu liandt fagde att band ville gaa hiemb att 

10 hente mad, oc ftrax band vdgick. Incktes^^ bierget 
offner hende. 

Om Andenu dageuu kom band igenn mod^'*^ 
äfften/* ftod bofs bierget oc robte ind^* thill Chremild. 
Huu fnarde, oc^^ begynthe att lade illde med hannein« 

15 Att bandt haffde ladet hende faa [lenge eeuir^* i 
IS T. Biergett, oc icke fom band loffde.-" bent hende madt. 

Menn Rancbus*^ gaff hende faa [for fuar:^^ £nd om 
i haffde 1yd mig** paa vejenn daa** brödet faltt 
fraa mig? Spode ieg icke faa fkuUe gaa eder? 

20 Nu du forgifftige onde quinde, nu fkaltt du lide 
for dine-* giemiuger. Thj du,-* fom du her thill 
meente, eft ingelunde-' min moder, Men Huenilld,** 
huilcken fom [dig fraa ftaP^ din Sigfrid, oc mig [thill 
dig i ftedenn henlagde,^^ oc i dett du mig omkomme 

25 ville, haffuer du omkommet dinn egen fonn. 



18. robte] hitUeP' b ein Schnörkel, der bedeutungslos feheint, 18. Chi 
inibl] m vier Striche {oder zwei i-Striche, doch nur ein i-Funkt), 18. brt> — 
iUii] hs. o für 6. 20. onde] Ober o ein Funkt (jP/ccHc?). 23. mig] m ani^^ 
einem nicht lesbaren Buchstaben gebessert. 24. henlagde] ein über — 
zähliger n-Strich ist in einen Vorstrich von 1 vencandelt. 

» laa add. « der add. '« felUt * fehlt ^ fanged • über deW 
Zeile nachgetragen ' feJUt ♦» feJilt » fehU »<> ligget «» Rancbe 
** at jraa hiem add. *' Nogit add. '* lugte band ** om " Ailenen 
''fehlt '* fehlt »• sUene •• bafde lofvet binde «»Rancbe " for-fuar 

" ad add. •* der •» Vnde add. «• fehlt *' ingenlunde " Haenibl 
-" fraf>al dig *^ igien i Stffiden bos dig lagde 



^1 DIE HVENISCHE CHRONIK 25 

• 

Miim fader oc min faderbroder^ haffuer <lu 
forredeligenn oc med dieffuelfkab ombragt: 
Alenefte att du künde [gald bekomme^ : Nu har 
du guldet, medt- dig [nu paa dett,'' du Alle 
5 dine dage haffuer hungret oc thörftett effter^: 
[Oc dette famme guld^ huilckett har verett dig 
en Aarfage thill^ att forkrencke gudemes oc 
mennefkens^ loffue,^ fkall nu fielff [plage oc ftarffe^ 
dig. Menn hun beder for Alle guders^^ Ckyld att 
10 band icke imod finn vfkyldige moder fiadle vere 
wmild; Beretter, huor kier hun haffuer liafft 
hannem althiidt, huor offte hun [hamiem i fitt faffn 
baaridt haffuer/^ oc ftor vret att verre, att handt'- 
for^'^ gott, fkulle med^^ faadant ondt igengielde. 
^o Menn hand fuarede, oc bebredede hende huefs 
hun modt bans fader oc faderbroder bedreffuett 
haffde,^'"^ befoll hende faa dee onde i voW, oc gick 
bort. Denn threde^* dag her effter kommer hand 
Jgenn med Ann Moder Hueniild,^' oc gaar faa iud i 
^^J biergedt, [finde der'® Chremild äff hunger att vere 
död. De^* wddrage^® hennde oc kafter hende vden 
for biergett, gaa^^ faa hiemb igenn. Dee fom nti 
vore hiemme, Spurde Ranchum,'^ om hand 
haffde feet -ßn^* moder? Dem fuarde handt: Minn moder 
feer ieg neruerendis^* hols mig, men Chremild faae 



•^^k- 



1. faderbroder] di autt r. 5. thörftett] hs. o für 6. 6. huilckett] 
^♦* i'Putikt fehlt in der Hdschr, 8. ftarffe] «. 9,t8. 16. bebredede] aus 
^trett«r hergestellt 23. hiemme] ursprünglich hieme, dann ei verwischt 
^^ zu eitlem mt-Strich gemaclit. 24. £%n\ über dti' Zeile von der jüngeren 
^and(?); die Tinte fcheint diefelhc wie die der Hdschr.; in der Zeile 

« 

'^n MrJu. (x). 

* bekomme Guld « hos » Effter hvilched * feidt * fehlt • fehlt 
' Mennifkenes • fom add, » ftraffe og Plage »« Gademis " hafde 
baarit hannem i sin Faufn '* hun ^' mod ^^ feJUt '* vor bedreffuet 
gestellt »• 3fä «' Huenild '» finder «» og «» Vddrager 2« gaar 
" Ranche ad '• fMt ** Nserverende 



K nafr.'znL 8i 



IV 



• ved 
I* hende d6d 
l>r «Biiw Ak ^«r p^a hüfli^gjMi Ibnindrer^ 

A'A: I>je -ar q»»-* 5cfcif <«. -lii ■■ir 4gm Cwi tor 
i«de «fc :i« iiäpite* *!«•» M*- fc«r gW^^ 
;ftn «W [■■ af ** Hi"»iiT> i&yraaBBJ [er bcficieC^^ 
Thnsiw duns is «ibr'' iod dee'^ hendes 
hf b e giafbft , MeBM BdüKftns^* BMd Xogk äff 
UD« Teil beoebsed''^ traiier qk». oc kftfiMr finn 
14 T. thalle [dam oskrxK*^' ibiuKBdi^*^ Ahne.** Oc eflfter 

bäodt na OrdeBtbcii ;ül*^ £»«aii^ tat indbjggeme 
hafide bei^cdieu. beder bawlt d^&aeH. att dee nu alle 
ftolle'' werp^ Ted ist mn sMidL efter^ dee forme- 
15 delft^^ siid»iiis bieip na** ¥;ftr Ted dfline*^ peftelentze** 
befiriet: Loffder oo tbilfig^i»'^' haer^ finn tbieniAe. 
Der tballenn haffde ende, rddeeler bandt blandt^* 
dem fem tbüftede var. ean ftor 8aia^ S^d. An 
haiKh"*^ i faa maade*^ dem ville^'' giore fig tbilgefeldig. 
2M Fire Aar her effUier daa handt na var 19 

Aar gammelL Lader handt Line beieftuinger well 
fomare mod^^ fiendemes Anfald, oc indkalder laa 
aflF Schanne*^ 12 Teldige ftercke**" oc** forre vnge 
Karile. oc dem medt en irod aarlig belolning** vdj 

H. TbredieJ i aus e. 10. bcoebntrdj Ayokrope rfet e nach d (auvh 
au^ter den dreisilbigen $chwBekem prtetj miekts seltenes. 11. Almue] 
ursprünglich Alnae, dann e zum zweiten uStriek gew^aeht und e Mi*«- 
ff^f^9^' 15. gndemis] aus gadernn kergesteUt. 19. tbilgefeldig] U <'u« 
"inem anderen Buchstaben hergestellt, 20. daa] d an» L 

• Ret adtl. » fekU » fehlt ♦ gaar ftrax Vd - finder • fonindrede 
^ der • fehlt '* taare « • gteder » » Ved » * war befriede • » eftr 
(sie) * * dog * * Hanche > * bewebnede * ^ der aabenbarlig * * iblant 
tM. ** allmorveD *« alle <* Sager ^* Vilde >> alle wed *« f^lt 
'*dend *• Peftillentze «^ deisligefte »• enhvcr ** iblandt s<» Samma 
^' nach Haader gestetU >' Maader »s Kunde ^^ imod '^ Svhaane 
^" Benebnede (wW. " wor/i forre gestellt ^* befolding 



83 t)Iß HVENiaOHE CHKONIX 27 

thoe* Aar afflegger,^ oc holder dem hols l'ig fielff. 
Att handt medt dem vdj^ alle haande fecterj oc 
Krigföffiielfse lig [künde forfremme,^ Handt 
beflillede Tig oc fköne hefte, medt ilattlige^ vabenn 

5 och verie. Thredie Aar indgick handt i biergitt 
oc vdthog iaa megett guld Ibm handt behöffuede; 
etflerladendis* finn Moder ett [gandlTce ftort' ligeude fie. 
her äff. Menn den throlnögle* vedt huilckenn** 
biergett oplodes, [kafte handt vdj haffuedt,^® 

10 Att aldrig nogen eflfter den dag der*^ TkuUe ind- 
komme. Sidenn lagde handt iinn moder oc Altt 
Andett hu&gefindt godenatt^- oc medt iiiie indrog 
gennem^' Tyflandt** i^* Italien thill dee Gother loiu 
daa der inde^* regerede. 

15 Menn Huenild medt liberalitet oc fronihe(// 

fig faaledes mod'' indbyggerae tbrholthe,^** att mangt 
thill hende er indkoramen,'** faadant att lee Ibm 
fagt er, Saa att [0emi, den Hundt hun endnu leffde,*-" 
bleff efiler hendcs naffh^^ kaldett Hueen.*- 

20 ^ffter hendes dod [nogen kort thiidt/^^ haffuer 

Charlhoude** Ibm var Hogens oc Glunes^ Tonn'^" 
der paa Landett indkommet^^ med enn^® kriglinact. 
. Oc der handt^' mod^" indbygger'^^ var'**- altt for l'trengli. 
giorre dee ett Anfald ind paa hannem Ibm handt 

25 fidder for rettenn. oc llar hannem mange faar. 

8. Krigfoffuelfe] /*». o für o. 1*2. fint] i ans e(?). 12. iiidroj^' 
hs. ind,rog. 15. iromhedt] edt in Abbreviatur. 22. indkomraet] dn» zweite 
m aus ne. 24. dee] über der Zeile von anderer Hand, aber die Tinte inf 
eine andere als die der ^.Jüngeren Hand"; in der Z. ein Afrkz. ( X )• 

• 2 * nadi Ijefoldiug yesteUt ^ .F * forfremiiier •' Stateli;* 
• EffterUdende ' fehlt * troldNogel '■* hvilched so die Hdschr.; Grundt- 
rig liest fälschlich hvilchen (graimnatisch einzig möglich), * * fehlt ' ' fehlt 
« - god Nat » > igiennem « * t^f Wand ' ^ og t o fehlt » ' imod » « forholdt 
' '^ kommen *« dend fUed hun lefde paa ^^ ^od " Huenild (!) «» fehlt 
*• Garlhöfde ** Glune *<^ der nogen Kort tid var IbrlÖben add. *' vor 
lerpaa (sie) gestellt «• Nogen -•' nu add. ^^ imod '* Indb:^ggerne 



4 %• 



l 



** wäre 



28 JIRICZEK 84 

Jndthill handt dode. Och i faa maade^ fick Nögling/« 
Affkoin en ende, eller oc i dett miidfte^ offuergaff 
dette Land' Danmarck/ Thj Sigfredt Ranche 
15 ▼• effiter handt vdj Italien hendreifte*^ koni Aldrig 

5 hiidt ind thilbage igenn. 

Denue** hil'torie er" paa Dannfke vdfclireffuenn 
i Nofebye Anno 1603 denn 26 oc 27»* Martij, 
Äff ett gamble^ mukenede^° oc roffne" papir, 
|fom war paa Jjatine,^^ Oc fagdis att fkuUe were^' 
10 M.^* jon^^» Jacobfsens handt^'* fom [nu er" Professor 
vdj Kobennhaffnn,^® Huilcken er födt inde paa 
Huenn.^" Oc hans fader war fidenn*** Sognepreft 
vdj Landskrone i mange Aar.^^ 



1. Nöglings] 8 von derfelben Hatid wie dee (27,1«) zuge/'etzt, 2. iniidfte] 
duH f fcheifit er/t nachträglich in miidte eingeschoben zu sein; Fehler 
für raindfte. 8. Danmarck] n drei Striclie in der Hdschr. 6. igenn] 
i'Punkt feJdf in der Hdschr. 12. Hueiin] der erste Strich von n* at$s 
einem e hergestellt, 13. Anr.] der Schlnfsptinli rom Hrsg. hinzugefügt, 
fehlt in der Hdschr, 



* raaader * mindfte •♦ til add, * Daimcmarch ^ indreigfte 
« forfkne (= forskrefne) add. ' hinter danf ke (sie.) gestellt * 27|ö • gammel 
»» mufseedet »» refvit »^ ^^f^n (^vi-gl, jedoch 2i; «» Verit »« Mestcr 
* '" Jens » • der Beistrich nach Jacobfsens, fo dafs band als pron, ge- 
fasst ist »' er nu »• Kiobenhafn ** Hueen '^^ Provist og add. 
^ ' mens dette fom formeldt, fandtif ITcrefven paa Latin, add. 



I 




A n li a n g. 



I. 

Einleitung Vedels zu den drei Liedern von 

Grimildö Rache. 
(It Hundrede vduaalde Danfke Vifer. Ribe 1591.) 

Tre Vifer om Frue Grimild |E1| 

oc hendi» Br0dre. 

TIER effterf0lger Tre Vifer om Heldt 

Hogen oc Frue Grimild / Om huilcke Sachfo 
Grammaticus fcriffuer wdi fin 13. Bog / wdi S. 
Knuds HeHugis oc Martyris Hiftorie. Huor äff 
5 er lettelige at raercke / at denne Dict er meget gani- 
mel. Men huad fom Grimilds oc hendis Herkom- 
ftis Hiftorie er anr0rendis / vil det falde for langt / 
den her at befcriffue / oc kommer dog frem paa en 
anden oc beieiligere tid oc fted. Hendis Fader vaar 

10 N0gling / 8om oc kaldtis Niding / oc bode paa den 
/ imellem Ki0benhaffn oc Krnneborg / fom kaldis 
Huen / äff Jomfru Huenild / met huilcken Heldt Ho- 
gen afflede fin S0n Rancke. Paa denne kand 
mand end nu fee Voldftede / Graffuer oc Grund- 

15 uaal / fom i fordom tid haffue ftanden diffe fire Slot- 
-te N0rborg / S0nderborg / Carl8h0y oc Hammer. 
Her bode Frue Grimild / fom haffde f0rft til ecte / 
Heri' Sigfred Hörn / fom videligen omtalis vdi 
Heldenbog. Men til fin anden gifft / indb0d hun 

20 l)egge fine Br0dre Herr Hogen oc Herr Folquard / 
oc lod dem begge driebe fom Vifen indeholder. Dog 
den Hueufke Chr0nicke holder noget anderledis / oc 
iiger at der Folquard haffde flaget Fru Grimilds 
Kemper ihiel / fom hun haffde vdfset paa hannem paa 

25 Carl8h0ye Slot / da fagde hun til hannem / at hans 



30 JIKIGZEK 86 

Broder vaar l'lageii paa Narborg / äff de andre 
Kemper. Oc der ved harmedis hand faa faare / at 
band drack it Hom fult vd äff de d0di8 Blöd / oc 
d0de faa hoff de andre Kemper. Saa drog hun 
5 ocfaa til Nerborg / oc der hun formerckte / at Helt 
Hogen haffde faaet offuerhaand offner N0rborgs 
Kemper / da giorde hun Pact met hannem / at der IJE 
Tom hendis Kemper flog hannem farfb en gang til 
Jorden / da fkulde hand icke mere ftaa op / men verie 

10 fig fom hand künde beft. Der met gick den liftige 
Quinde til / oc lod ftro Erter paa vaade Hude / 
vdi Porten / Oc der grebe tre Kemper til lige Helt 
Hogen an / oc flöge hannem paa Knseene / oc fick 
der fit Banefaar / flog dog tilforn Kempeme ihiel / 

16 oc afflede paa S0nderborg met Jomfru Huenild / 
effter Grimilds famtycke / en S0n / paa det / det 
mectige oc sßdole Kempe Slect / fkulde icke aldelis 
vndergau. Denne Helt Hogens S0n / ved naffin 
B^ncke / hefl&ide fin Faders oc Farbroders D0d 

20 paa Grimild fin Farfofter / Huilcken hand vdf0rdt* 
met fig til Hammerf h0y / at vife hende Nidings 
Skat / fom hans Fader haffde effterlat hannem 
N0gelen til. Thi der hand vaar kommen ind i Bier- 
get met hende / da l0b hand felff vd / oc lucte 

25 D0rren for hende / Saa bleff hun der 

fidendis / oc d0de äff Hunger. 



IN UV E KAM INSVLAM. 

Qua' Niding^i opibus quondam famota fuistl 
HVENA, Giganteis diues altimna viris, 
30 Nunc tu Brahcej Herois celeberrima fcriptis, 
Es ccelo ac Aiperis cequiparata Dijs. 
FcpUx: hoc vere est mutare auro cerea dona, 
Chaonias glandes linquere, farre frui. 

A, S. V. 



87 DIE HVENISCHE CHRONIK 31 

n. 

Au8 Stephan! Johanuis Stephanii Notse vberiores 
in Hißtoriam Danicam Saxonis Grammatici 

Sorae 1645. 
(Note zu: Notisrimam GrimüdüB erga fratres perfidiam 

Saxo Üb. Xni.) 
De infignit& hac Orimildse in fratres perfidiä; tres lio-pg.as 
dieq; exftant yetoftillimffi CantUense, inter caetera antiqua 
carmina, qu» de prifcorom Heroum geftis, fummo ftudio 
collegity Vir Clarifßmus & Antiquitatum Danicarum indigator 
diligenti£ßmu8y M. Andreas Yellejus, Hiftoricus quond^m 
Begius dignifOmus: qui & ipfe in Praefatione, tribus hifce 
cantilenis prsefixa^ totins negoti^j fummam, & rei geftae feriem, 
breviter hunc in modum exponit. In mari Balthico Uta eft 
infnla Hvena, Scaniam Selandiamq; pari propemodum fpatio 
k fe utrimq; remotam Habens, rerum ingentium & fublimiun\ 
gloriä illnftrisy maximeq; nobilis. Nomen verö & appellationem 
fortita eil hsec infula; ä Hvenüda gigantifsä, quse eam in- 
habitaverat. Olim quatuor arcibus inllgnis fuit ; quarum fun- 
damenta adhuc animadvertere eft, fed rudera nulla funt 
refidua. Nomina verö earum adhuc recenfentui-, quarum una 
Synderbitrgum dicta, verfus meridiem fita erat; eiq; oppofitas 
partes tenebat Nordburgum; ficuti alia ortum hyemaleni, 
Carlhöi nominata; Hammera verö seftivum refpiciebat. Hanc 
quoq; infulam memoria^ proditü eft iucoluiffe quondam lUu- 
ftrem Heröa NdgUngum, cognomento Niding: qui filiam ex 
conjuge Botüda tulerat Grimüdamj virginem ortu nobilifQmam. 
fed indole peffimä & animo ad omnes dolos fraudesq ; exerci- 
tatiffimo. Ea primüm nupferat Generofo Viro, Domino Sigfrido 
Hoi-n, cujus apud Germanos in Athletarum Hifboria celebris 
eil commemoratio. Priore marito defuncto, Grimilda ad fe- 
cundas tranfiens nuptias, fratres fuos Haqmnum, cui k rebu.s 
fortiter ac praeclar^ geftis, cognomentum Herois inceffit, & 
Falquardumy ab infignibus, quae Citharam praeferebant, vulgo 
citharcedum dictum, in infulam, ad folennem convivij genialis 
Z. 10. Botilda] im Originale nicht cursiv gedruckt. 



.11) .UHICZEE 

Broclei' vaai- lUgeii paii Narbor^t / äff de andre 
Kemjiei'. Oc der ved hannedis band Ika Taare / at 
haiid drack it Hnrn fuJt vd äff de dadis Blöd / oc 
«lade iWa holt de andre Kemper. San drog buii 
5 ocfa» til Nßrborg / oc der hun formerckte / at Holt 
Hogen liaffdc faaet of^icrhaand offuer Knrborgs 
Kemper / da giordo Iiud Pact niel lianneiu / at der 
foin hendis Kemper Hug h&unem fartt eii gaug til 
Jorden / du fkulde band icke mere TtHii op / iiien wi 
10 lig Tom band künde beft. Der niet gick den liftigi- 
Quinde ttl ' oc lod Uro Erter paa vaade Hiide 
vdi Porten . Oc der grebe tre Kemper til lige Helt 
fiogen an oc l'Iogi' bannem paa Kn^ene / oc firk 
der fit BaiioTaar / l'Jog dog tilforn Kempeme ibiel 
Iß i>c afflede paa Sonderborg met Jomfru Hueiiild / 
•■ffter Grimilds lamtycke .' en Sen / paa det / det 
mectigr oc .tdt'le Kempe Slect / fkiilde icke aldelis 
Tndergaa. Deniie Helt Hogenx San / ved nafiii 
Eancke befinde Im Faders oc Farbroders D«d 
:>i> paa Grimild Hii Farftfller Hnilcken band rdfin^ 
raet lig til Hammerl' liay ; at vife liende Kidingi 
riica.t Tom lians Fader baffde effterlat bannaa 
Nflgelen til. Tili der band vaar kommen ind ■ 
get niet hende da lab band Telff rd / oc 
2.'> Darren Jbr hende / Saa bleff hnn dr 

fidendiü oc doile äff Hanger^ 



/.V W Fi- .V.l.« /NSV. 
f^iiii- Niifiiiffi opibuf ipiondam }a 
HVENA, Gipanteiif ditrn 
I Nunr t»t Bralurj Bei 

K» fcelo oc fttperi." (eyirtj 
t'oilJt: ^oc wre eet miliare 
Chaoniaf olandfK h 




DIE HVENISCHE CHRONIK 31 

n. 

s Stephan! Johaouta StephaoÜNotse vberiorea 
I Historiam Danicam Saxonis G^rammatici 

Sorte 1646. 
^Noti- zu: Notistimam Grnmüda erga fratree perfidiani 
Saxo üb. Xlir.) 
De infignitä hac Grimildse in fratres perfidiä, tres lio-pg.aaO. 
; exHäDt vetuftifUniffi Cantilense, inter cetera antiqua 
lina, qiise de prifcorum Heroum geftis, fummo ftudio 
tgit, Vir Clariffimus & Antiquitatum Danicarum indigator 
^ntiffiiuus, M. Andreas VellejuB, Hiftoricus quondäm 
ius digniftimus : qui & ipfe in Prefatione, tribua hifce 
ilenJE prseäzä, totius negot^j fummam, & roi geftae feriem. 
dter bunc in moduiu exponit. In mari Balthico fita eft 
la Hvena, Scaniam Selandiamq; pari propeniodum fpatio 
i ntrimq; lemotain liabens, rerum ingentium & fublimitu» 
iä iUultris, maximeq; nol)ilis. Nomen ver6 & appellationeni 
ita eft hsec infula, ä Hvenilda gigantifsä, qiue eam in- 
itararat. Olim quatuor arcibus inügnis fuit ; quanun fun- 
|etit& adlmc aniniüfherttire dt. i't'd riidcnt nulla t'uiit 
Ina- Nomina veru t:arum ailiiuc recenliintiir, qiiärum uiia 
WbHrtfiun dicta, verfus meridiein fita erat; eiq; oppolitiis 
Nordburgum; ficuti alia ortum hyemaleut, 
ffammera verö feftiviim refpiciebat. Haue 
-i4itü eTt iiicoluilTe quandain Illu- 
raeiito Niding: qui filiam ex 
rffinein ortu nobilirfimani. 
es dolos fraudesq ; exerci- 
leiii-rofo Viro, Oomiiiii Sigfrid« 
Atbletarum Hiftorla celebris 
tu eiffiincto, Grimildti ad fe- 
l'U'iS Ilaquiiinm, cui ä rebu.H 
^n Omentum Herois incelTit, & 
t Citharani prieferebant, vulgu 
ad Tolennem oonvivij genialis 
iiiht cnrBiv gedrocVt 



■n]( 



30 JIRICZEK 86 

Broder vaar l'lagen paa Narborg / äff de andre 
Kemper. Oc der ved harmedis band laa faare / at 
band drack it Hörn fult vd äff de d0di8 Blöd / oc 
d0de faa boff de andre Kemper. Saa drog bun 
5 ocfaa til Nerborg / oc der bun formerckte / at Hell 
Hogen baffde faaet offuerbaand offner N0rborg8 
Kemper / da giorde bun Pact met bannem / at der IE 
Tom bendis Kemper flog bannem f0rfb en gang til 
Jorden / da fkulde band icke mere ftaa op / men verie 

10 fig fom band künde beft. Der raet gick den liftige 
Quinde til / oc lod ftro Erter paa vaade Hnde / 
vdi Porten / Oc der grebe tre Kemper til lige Helt 
Hogen an / oc flöge bannem paa Knseene / oc fick 
der fit Banefaar / flog dog tilforn Kempeme ibiel / 

16 oc afflede paa S0nderborg met Jomfru Huenild / 
effter Q-rimilds famtycke / en S0n / paa det / det 
mectige oc sedele Kempe Slect / fkulde icke aldelis 
vndergaa. Denne Helt Hogens S0n / ved naffin 
B^ncke / befl&ide fin Faders oc Fai-broders D0d 

20 paa Grimild fin Farf^fter / Huilcken band vdfarde 
met fig til Hammerf b0y / at vife bende Nidings 
Skat / fom bans Fader baffde effterlat bannem 
N0gelen til. Thi der band vaar kommen ind i Bier- 
get Riet bende / da l0b band felff vd / oc lucte 

25 D0iTeü for bende / Saa bleff bun der 

fidendis / oc d0de äff Hunger. 



IN UVENAM IN SV L AM. 

Qtur Nidingi opihus qnondam famofa fuisti 
HVEN A, Giganteis diues alumna viw. 
30 Nunc hl Brahcej Herois celebeiTima fcriptis, 
Es ccelo ac Aiperis cequiparata Dijs, 
Failix: hoc vere est mutare anro cerea dona, 
Chaonia^ glandes linquere, farre fruu 

A. & V. 



87 DIE HVENISCHE CHRONIK 31 

n. 

Au8 Stephan! Johanuis St ep ha nüNotsevberio res 
in Historiam Danicam Saxonis Grammatici 

Sorae 1645. 
(Note zu: Notisnmam GrimüdüB erga fratres perfidiam 

Saxo Üb. XIII.) 
De infignit& hac Orimildse in fratres perfidiä, tres ho-pg. 
dieq; exftant yetaftifßmse CantUense, inter caetera antiqua 
carmina, qu» de prifcorom Heroum geftis, fummo ftudio 
eollegit, Vir Clarifiimus & Antiquitatum Danicarum indigator 
diligentüGmnSy M. Andreas Yellejus, Hiftoricus quondd,m 
Begius digniHimus : qui & ipfe in Praefatione, tribus hifce 
caatilenis prsafixä, totins negotii) fummam, & rei geftae feriem, 
breviter hunc in modum exponit. In mari Balthico Uta eft 
infola Hvena, Scaniam Selandiamq; pari propemodum fpatio 
k fe utnmq; remotam habens, rerum ingentium & fublimiun\ 
gloriä illuftris, maximeq; nobilis. Nomen verö & appellationem 
fortita eft haec infula, ä Hvenilda gigantifsä, quse eam in- 
habitaverat. Olim quatuor arcibus infignis fuit ; quarum fun- 
damenta adhuc animadvertere eft, Ted rudera nulla funt 
refidua. Nomina verö earum adhuc recenfentui*, quarum una 
Synderbitrgum dicta, verfus meridiem fita erat; eiq; oppofitas 
partes tenebat Nordburgum; ficuti alia ortum hyemaleni, 
Carlhoi nominata; Hamjnera verö aeftivum refpiciebat. Hanc 
quoq; infulam memoriai' proditü eft iucoluiffe quondam lUu- 
ftrem Heröa Ndglingum, cognomento Niding: qui filiam ex 
conjuge Botilda tulerat Grimildam, virginem ortu nobilifßmam. 
ied indole peffimä & animo ad omnes dolos fraudesq ; exerci- 
tatiffimo. Ea primüm nupferat Generofo Viro, Domino Sigfrido 
Hof-n, cujus apud Germanos in Athletarum Hiftoria celebris 
eft commemoratio. Priore marito defuncto, Grimilda ad fe- 
eundas tranfiens nuptias, fratres fuos Haqmmim, cui i\ rebus 
fortiter ac praeclar^ geftis, cognomentum Hei^ois inceffit, & 
Falquardum, ab inßgnibus, quse Citharam praeferebant, vulgo 
cifharoßdum dictum, in infulam, ad folennem convivij genialis 

Z. 10. Botilda] im Originale nicht cursiv gedruckt. 



32 JIRICZEK. 88 

feftivitatem invitavit. Quo quuin adveniffent , validilTimos 
quosque, ex ingeuti pugilum, quos alere folebat, uuinero, per- 
ii(1(^ fubornat, qui utrumque incautum, & nihil doli furpicanteiu, 
invadentes opprimerent ; Verum Haquinus invicto animi cor- 
porisq ; robore egregi^ le defendens, immiffos ä Ibrore percuflbres 
ad imiim omnes obtruncavit, atq ; intentatum capiti fuo difcrimen 
hoc modo evatit. Sed frater Haquini Falquardus non minus 
animos^ dimicans^ tandem coeiis cunctis pugilibus, qui ad fe 
interimeudum venerant, ipfe fpeciosa mortc occubuit. Quam?is 
veteres Hvenenfium annales Falquardum, quum fratrem fuuui 
Haquinum ab athletis Nordburgenfibus peremptum falsö com- 
periffet, epoto cornu, interfectoruni k le pugiluni fangvine 
repleto, voluntariani libi necem confcivilTe tradaut. Caeteriim 
Grimilda, intellecto, Haquinum omni defunctum periculo, ad- 
huc luperftitem agere, furore percita, led vultu L'etitiam pr» 
le ferens, Nordburgum contendit, ibidemq ; cum f ratre Uaquino 
foedus & amicitiam contrahit, hac conditione ; ut 11 qui pugilum 
l'uorum humi eum femel prorternerent, nequaquam in pedes feie 
erigendo alTurgeret, verum genibus nixus defenfionem Aiam exe- 
queretur. Quo pacto inito, callidilTima fcemina, in iplb arcis 
aditu, bovinum corium probe madefactum, piiis inllerni curavit, 
ut lubrici tergoris oflFendiculo incautos fratris lubigeret greflus. 
Mox totis viribus tres fimul athleüe Haquinum adoriuntur, infir- 
uioq; grelTu vacillantem facilim^ ad terrani afiHigunt, Quos tarnen 
ille omnes, lethali prius vulnere Ikucius, ferro confumpfit. Idem 
verö Haquinus paulö anteä, Griniildse permiffu, in uxorem dux- 
erat nobiliffimam virginem Hvenildam ; ex (\\\a natus eft ipfi filius 
nomine Rancko, qui patiis patruiq ; ccpdem hoc aftu egregie ultus 
eft. Etenim Grrimilda> perfuafit, in colliculo prope arceni Harn- 
meraniy ingentis pretij thefaurum reconditum delitefcere, cujus 
(!uftodiam, unA. cum conditorij clavibus, pater moriens libi deman- 
(laffet. Ad eum vifendum amitä forte deducta, in antrum qui- 
dem cum ea ingreditur; fed mox curfu citato extrA, cavuui fe 
proripiens, valvas pesfulo obdito firmiter occlufit. Ul)i illa paulo 
poft fame & fqualore enocta niiferrime perijt. 



89 DIE HVENISGHE CHRONIK 33 

ni. 

Hyenische Volksüberlieferungen. 

A 

(Aus N. H. Sjöborgs Forsök tili en Nomenklatur för nordiska 
Fornlemningar Stockholm 1815, s. 82 ff.) 

Antiqvitetema pä Hven äro : Norrebory, hvarefter 

▼id norra stranden ännu synas vallar: Sönderhorg^ ytterst vid 
stranden i Tester, der man ännu ser en Uten vall jemte platsen, 
der slottet legat: Karhhöga Slött, som legat nederst vid hafvet 
pä öens sydöstra kant, der man ännu ser platsen*): Ham- 
mar SloU, hvarefter man äfven ser platsen***) pä öens östra 
kant. Nära Earlshöga Slott i norr har varit ***) en stensättning 
i parallelogram-form, som kallats Fru Grimilds graf, 

B 

(Ans Sjöborgs Forsök tili en Nomenklatur s. 84) 

En fomsägn pä öen gör Grimild och HvenUd tili 2: ne 
jattinnor och systrar, som bodde pä Seland, da Hvenild till- 
skapade öen pä det satt, att hon ville bära stycken af Seland 
tili Skäne, och komf) först lyckligen dit med nägra jordstycken 
i förklädet, och blefvo af dessa Runeberga högar, men da hon 
sedann tog ett enda alltför stört stycke, brast fdrklädes-bandet 
midti sjön, sä att hon tappade hvad hon bar, och tillkom 
säledes öen Hven. Da skal hon sedermera byggt St. Ibs 
Kyrka, efter hvilken System Grimild pä Seland slungat en 
sten, som nedföll i sjön vid Karlshöga slott, der den ännu 
visas. Grimild säges sedan hafva bott pä Hammar slott, men 
da hennes hamnande brorson kommit, kastade han slottsnyck- 
lama i sjön och troUade slottet, sä att dett sänktes ned i 
jorden m nu 



^ men ej mintU teoken finnes. (Sjoborg, Saml. III). 
♦^ men man ser ej det minsta sp&r af fordna Slottet (ib.). 

) D&raf [1880] ej minsta sp&r (ib.). 
t) g&ende p& ha&bottnen ofver sundet oM* in Saml. III 78. 

8 



34 JIBICZEK 90 

C. 

(Aus Sjöborgs Samlingar for Nordens fornälskare III 1830. s 74) 

Traditionen pä ön Hwen säger, att den sa kailade 
GrimUds sten, som ligger i sjön ej längt ifrän Grimilds graf, 
är i vredesmod ditslungad af Grimild, vidare, att Hakan 
Kampes sou Rancke kastade nycklame tili Hammar slott i 
sjön och trollade slottet, sä att det sönk ned i jorden, eller 
pä hafsbättnen, men om nägonsin 3 man komma att finnas 
pä ön, som fore fodslen bifvit faderlöse, och alla 3 blifvit 
uppkallade hvar och en efter sin fader, sä skall Hammar 
slott äterstä pä sitt fordna stalle och nycklarne komma tili 
rätta igen. 

D.* 

(Von der Greisin J. V.) 

Frau Grimild wohnte auf Hammarslott, auch Norreborg 
hat ihr gehört ; sie mordete ihre Brüder, aber ihr firudersohn 
verzauberte das Schloss auf den Meeresgrund und warf die 
Schlüssel in die See. Aber wenn sie auf Hammar wohnte 
ist schwer zu begreifen, warum sie bei Karhöiaslott begraben 
liegt; ich habe selbst ihr Grab dort gesehen; jetzt ist nichts 
mehr dort zu sehen, aber als kleines Mädchen hütete ich die 
Schafe dort und ich weiss noch, wie ich mich fürchtete, wenn 
es dunkel wurde und ich auf das Grab schaute ; das war ein 
grosser Hügel und rund herum waren Steine gesetzt. 

E. 

(Von dem Greise P. 0.) 

Frau Grimild wohnte auf Hammarslott, sie hatte auch 
andere Schlösser, Norreborg, Sönderborg und Karhöiaslott; 
auf Norreborg habe ich als Junge noch die Wälle gesehen. 
Sie lockte ihren Bruder nach Hammarslott und sperrte es 
dann ab. Als sie wieder hineinschaute, sah sie ihn am Ofen 



•) D — G habe ich während eines dreitägrigen Aufenthaltes auf 
Hven gesammelt. (1892.) 



38 



NAMENVERZEICHNIS. 



94 



f DanicuB St SU. 

Danmarck (Dannemar/p) 4ii , 
(Danncmarch) 283 

fDannfk (Danfk) 286 

Eslöf P 

Europa 3i 

Folgmar (*) 1«, 9o, 10« (f) lOi«, 
lliB, Folgmer 3ii; Folckmar 
12i«,io><i)<8) 136,9, I67, 17i, I811, 
224. — Folquard V 29ao, «s. — 
Falquardus M SUs» 82?. 10. 

f Germani Sl 31a4 

Gluna (Glura) 5io, (Gluna) 10m, 
Glune 2O10 ; thill Glunam (Gluna) 
617, thill GlunsB (Gluna) 15ai, 
(Glune) 2O14; gen, Glunes (Glune) 
27«! 

Glunes flu et 20i8 

G 1 u n e f 1 6 f f 20i9 ; fGlunelöff bierg 
(Glunefslöfljierg) 2O15 

Gother 4?, 27i8 

fGothefk 48 

Grimild 8, Chremild 

GrsBker (Greker) 3s 

Hammers bierg (Hammerbierg) 
Iß, I610, 26» ; — Hammerfhoy V 
30ai .— [8chlo88 :] Hammer V 29i «; 
Hammera Ht 31i8, 32a9. — Ham- 
marslott A B C D E. 

Hammarsgjuv E. 

Heldenbog V 29i9; — Athleta- 
rum Hiftoria St 3X94 

Hogenn (Hogen) 1«, (*Haagen) 
I9, 26, 610,10, 78, 87,14, 9e, 18 

(f.) lOi«, IO18, 12i0, 18, I3i6, 1499 
177,8,10, 185,9, 19i,5»7,l&, 2O16 

22io; Hogen 618, 7,t, 129o, 134 
144, (f) 14i9, lös, 10, f«, 2O11 
2l6, «6, 228, 2791 ; — V 29«, 19, 90 
306, 18, 18. — Hagen 4io, 5i8 
Hagenn (Hogen) 3ii, 490, 690 
610, 90. — Haquinus St 3I96 
324, 7, 11, Hf 16, 98, 96. — H&kan C 



HueenC) 4,„ 10„ ,0, (0 27,,. 
(II var, jo); Hueenn Titel pg. 1; 
Huenn 28j j. — Hvena V 30,,, ,,, 
St 319,- Huen V 29j,; Hven 
ABCP. 

Huenild (•) 19,^, 20,0, 21„ 
(tHuenilde)2l3,2ln, j^, ,„„, 
22,2,27,,; (27var. „); V29,„ 
30,5; Huenilld 242,, Haeniild 
25,9. — Hvenild B; — Hvenilda 
St 31,2, 3^2 7 

Hvenildskälla G. 

Huenfke Chrenicke V 29,2? ve- 
teres HvenenHum annales St 

32io 
St. Ibs Kyrka B 
Italien 43, 27,3, 28^. 
f Jacob fsen, M. Jon (Jens) 28,, 
Karhöia und Karlshöga 8, 

Carheideburg 
f S. Knud Hertug og Martyr V 

29^ 
Koldebrynnd (f.) Öjg 
Koldekilde (Kalle-Kildc) Bjg 
Kruneborg V 29,, 
K 6 b e n n h a f f n n (Kiobcnhafu) 28i 1 ; 

Kiebenhaffn V 29,, 
Landskrone 28,3 
Latine, paa, (Latin) 28^ 
Melufiua 2,g 

Nid ingV 29,0,302,, 28? St, 3I20. 
fNordefk 2,9, 4,. 

Noreborg(*Nordborg) I2g ; Nore- 
burg 12,9, (Norborg) 17,^; Norr- 
burg (Nörborg) I43. — Norborg 
V 29,e, 30,, 5, g; Nordburgum 
St 31,,, 32, g; NorreborgADE 
G; t Nordburgenfis St 32,, 

Norge 20, g. 

Nofebye 28, 

Nogling 1,, 423, l^aa» l^e» (0 
222 3, 28,; V 29,0; Noglingus 
St 3120* 



95 



NAMENVERZEICHNIS. 



39 



f Olympus 83 

Ranche(*) 20^3. 22i, ,0,,«, 28,5; 
Ranchiis Sdig, 28} g, 2i^^, 26g ; 
gen, RancLaa 24 5 ; acc, Ranchum 
86,3. — Rancke V 29,3, 30, 0; 
St 82,3; C. 
Raneberga hogar B 
Sachfo Ghummaticus V 29^ 
Scbaane (Sckaane) Titel pg. 1; 
Schanne (Schaane) 9, , , (^Skaane) 
16,,, j,, 16,3, (Schaane) 26,3; 
Skanne (Skaane) 20,4; (Skaane 
16 var, ,,). — f Scania St 81g. 
— Skine B F. 
Sielandt Titelpg, 1. — f Selandia 

St die; Seland BF. 
Sigerfteenn (-fteen s. XI anm.) 7, 
Sigfrid (*Sigfred) 2,„ 4,„ 6«, 
7,; Sigfridt 4, 5, ,9, 6,5, 7,, 3, 
18,,; Sigfred 6,„ V29,3; Sig- 
fredt 6, 5 ; Sifredt 5,. — Sigfridus 



St 81 j 3. — Der Beiname Hom 
steht 2,„ 4,„ 18,7, V, St. 
Sigfrid (*Sigfred) [Sohn Chremilds] 

20,8, 24,3 
Sigfredt (Sigfred) Ranche 283 

Suerrige 10, 

Sonderborg (Sondreborg) 16,3; 

V 29,8, 80,3; AE. — Synder- 

burg (Syndreborg) 18, 4 ; St81,o 

(-um.) 
Theodoricus Veronenfis (Teo- 

doricus Venorensis) 4, 
Tyflandt(Tydfland)69,(Tyfkland) 

27,3. ^^"9^' ^w diesem Worte 6 

var. 3. 
y eil ejus, M. Andreas St 81 5 
f Venus 6,9 

Veronensis s, Theodoricus 
Wormitz (♦Womitz) 2,,, 43; 

Wormidtz 8, ; Wormiz (Wormbs) 

4.8. 



■^H83-:* 



Dniek tob A. Ilopftr in Bun;. 



f < 



2:^02i;i 




ACTA GERMANICA. 



Organ füi' deutsche Philologie 



livraiiM'i'u.'Wri 



liKtolt' Ueiiniiig iiu'i Julius lloffory. 



Band III, Uift 3. 



Die Teiifellittenitur ili's XVI. Jh. 



Berlin. 

May CT A- .Miillr 



-■'<i, 



lÄ^ 



^m 



Die vorliegende Sclirift bildet das dritte Heft 
des diitten Bandes der ACTA (iEllMANICA, eines 
periodischen Organs für die deutsche Sprach- und 
Culturkundo. 

Die ACTA GEJIMAXICA setzen sich die Auf- 
gabe, für die viohMi werthvoUen Arbeiten, die wegen 
ihres Unifanges oder ihres Characters in den vor- 
handenen gernuinistisclien Zeitschriften oder periodi- 
sclien Publicationen keine Aufnahnu» finden können 
und als flinzelschrifton verüftentlicht vielleicht nicht 
hinreichende» Htiachtung erfahren würden, einen neuen 
Sammelpunkt zu bilden. 

Diesem Zw(»cke entsprechend sollen die ACTA 
GERMANICA nur grössere Abhandlungen aus dem 
(jl esammtgebiete der deutschen Philologie im weitesten 
Sinne bringen. 

Den Inhalt der erschienenen Hände s. Seite 3 
des Umschlages. 

Die AC'JW GKKMAXICA erscheinen in Händen 
von etwa 30 Bogen zum Subscrij)tionspreise von 
M. 12. — . Jede Abhandlung wird auch einzeln mit 
besonden^r I^iginirung zu einem (erhöhten Preise ab- 
gegeben. 

Iiest(*llung(»n auf die Band- imd lieft- Ausgabe 
der ACTA (IKUMAMCA werden von jeder Buch- 
handlung:, wi<» auch direct von der unterzeichneten 
Verlajjfsljiu'liliandluii,«»' imtfj^ogoii<j(Mioiniin.'n. 

Berlin W. Mayer k MüUer. 



Don 1»1»^» *° . BäJ 

l^"" * if Böge» ">» *"^r.ad' etaxBto-S 

"--^r ^ ,H.(t.j 



gel 
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Band- ond 



Den- ,. Band- u"" , 



V.rtegsWi.l'»»' 



Verlag»""!:! 
Betto 



^. 



Mayer 



Die vorliegende S(;hrift bildet das dritte Heft 
des dritten Bandes der ACTA GERMANICA, eines 
periodischen Organs für die deutsche Sprach- und 
Culturkunde. 

Die ACTA GERMANICA setzen sich die Auf- 
gäbe, für die vielen werthvoUen Arbeiten, die wegen 
ihres Unifanges oder ihres Characters in den vor- 
handenen germanistischen Zeitschriften oder i)eriodi- 
schen Publicationon keine Aufnahme finden können 
und als Einzolscliriftcn veröffentlicht vielleicht nicht 
hinreichende Beachtung erfahren würden, einen neuen 
Sammelpunkt zu bilden. 

Diesem Zwecke entsprechend sollen die ACTA 
GERMANICA nur grössere Abhandlungen aus dem 
Gesammtgebiete der deutschen Philologie im weitesten 
Sinne bringen. 

Den Inhalt der erschienenen Bände s. Seite 3 
des Umschlages. 

Die ACTA GERMANICA erscheinen in Bänden 
von etwa 30 Bogen zum Subscriptionspreise von 
M. 12. — . Jede Abhandlung wird auch einzeln mit 
besonderer Paginirnng zu einem erhöhten Preise ab- 
gegeben. 

Bestellungen auf die Band- und Heft -Ausgabe 
der ACTA (JKRMANICA werden von jeder Buch- 
handlung, wii» auch direct von der unterzeichneten 
Veriagsbuchliandluiii»* entgegengenommen. 

Berlin W. 3Iayer & Müller. 




Titfliholzichnitt dci „Thextrum Dlabolorum'' I5G9 und 1575. 



THENEW YORK 

PUBLIC LIBRARY 

2in02oX 

A8TOR,t£NOXAN0 
TtCD£N FOONOATIONS. 



ACTA GERMANICA. 



Organ für deutsche FMlologie 



herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und Julius Hoffory. 



Band lU, Heft 8. 



Die Teufellitteratur des XVI. Jh. 



Von 



IMEaic Osl>oi*ii. 




Berlin. 

Mayer & Müller. 
1893. 



Die Teufellitteratur 



des XYl. Jahrhunderts. 



Von 



Max Osborn. 



Berlin. 

Hayer & Müller. 

1898. 



THt; NEW YORK 

PUBLIC LIBRARY 

200281 



ASTOR.LENOXAND 
TILDEN FOUN PATIONS 

I ^"l900. U 



Vorwort. 



Die vorliegende Abhandlung macht es sich nicht zur 
Aufgabe, die Bedeutung der Figur des Satan für die deutsche 
Latteratur des 16. Jahrhunderts überhaupt zu schildern, oder 
daizuBtellen, was sich aus den gedruckten Quellen fUr den 
Teufelglauben der Zeit ergiebt, sondern sie hat zum Gegen- 
stand ihrer Untersuchung nur die satirisch-didaktischen Bücher 
der protestantischen Prediger, welche, angeregt durch Luthers 
Teufelslehre, sich im Kampf gegen das Böse dämonische 
Personifikationen der Laster und Thorheiten ihrer Zeit schufen, 
^ die so entstandenen Teufel zu den Titelhelden ihrer 
Schriften zu machen. Die weite Verbreitung dieser eigen- 
^igen Litteratur durch ganz Deutschland und die hervor- 
^ende Stellung, welche sie lange Jahre hindurch unter den 
Lieblingsbüchem des Volkes behauptet hat (cf. S. 34, 194 ff.), 
rechtfertigen eine eingehende litterarhistorische Behandlung 
ohne weiteres. Die sonstige Thätigkeit des Satan in der 
latteratur, zumal in der Didaktik und im Drama, sowie die 
Dämonologie konnte nur da berücksichtigt werden, wo sich 
^^ unmittelbarer Zusammenhang ergab. 

Mit dem Wort „Teufellitteratur" fasste auch Goedeke 
^ö protestantischen Teufelbücher zusammen, und ich hoffe 
danun, dass es als Titel dieser Abhandlung nicht allzu an- 
spruchsvoll klingen wird. 

Für die Anregung und die allzeit gütige Förderung 
Biieiner Arbeit schulde ich meinem hochverehrten Lehrer, 
Herrn Prof. Dr. Erich Schmidt, den herzlichsten, ehrerbie- 
tigsten Dank. Durch wiederholte Auskunft und freundliches 
Entgegenkommen haben mich in liebenswürdigster Weise 



TV VORWORT. 

unterstützt: vor allem die Yerwaltang der Kgl. Bibliothek in 
Berlin, dann die Verwaltungen der Kgl. Hof- und StaatsbibL 
in München, der Grossherzogl. Bibl. in Weimar, der HerzogL 
Bibl. in Wolfenbüttel, der Bibliothek in Celle, der Universitäts- 
bibliotheken in Göttingen und Marburg; femer Herr Ober- 
pfarrer Hoffinann in Fürstenberg a. 0., Herr Oberpf. Hömig in 
Elsterberg, Herr Pfarrer Eckstein in Homburg a. d. Ohm, 
Herr Pf. v. d. Eldem in Bischleben, Herr Pf. Hempfing in 
Allendorf (Kr. Wetzlar), Herr Pf. Schoenhak in Gross-Linden 
bei Giessen und Herr Pf. Zürn zu Braunsbach in Württem- 
berg; für gütige Hinweise endlich bin ich Herrn Pro£ Dr. 
Edward Schröder in Marburg, sowie Herrn Dr. Johannes 
Bolte und Herrn Dr. Max Hemnann in Berlin zu lebhaftem 
Dank verpflichtet 

Berlin, September 1893. 

M. O. 



Inhalt. 



Seite 

lilettong 1 

Der Teufel 1 — in Deutschland 2 — in der Litteratur 8 — 
Luther 5. 

L Die Entstehiiiig der Tenfellitteratnr 8 

Laiter-PersonifikatioAen 8. — Bildende Kunst 10. — Laster 
und Teufel 13. — Narren 18. — Lutherische Spezialteufel 
21. — Chryseus 23. — Friederich 25. — Musculus 26. — 
Spangenberg 81. — Theatrum Diabolorum 86. 

IL Die Tenfelbflcher 41 

1. Dämonologische Teufelbücher 41 

Teufel selbs 41. — Zauberteufel 49. — Von des T.'s 
Tyranney 53. — Bannteufel 54. 

2. Sünden und Laster 67 

Geiz- und Wuchert. 67. — Geizt. 68. — Neidt. 69. — 
Schmeichelt. (Rhode) 62. — Schmeichelt. (Frey) 64. — 
Lügent. 65. — Sorget. 68. — Melanchol. T. 70. 

3. Wirtshausleben 74 

Sauft. 74. — Spielt. 80. — Tanzt. 88. — Flucht. 90. — 
Fault. 93. 

4. Mode 95 

Hosent. 95. — Kraust. 103. — Kleiderpredigt 107. — 
Hoffartst. 108. 

5. Ehe und Familie 113 

Ehet. 115. — Zehn Weibert. 118. -- Haust. 120. — Hurent. 
122. — Gesindet. 125. 

6. Theologisches 126 

Heiliger, Kluger u. Gelehrter T. 126. — Sabbathst. 129. 

— Böse Sieben ins Teufels Kamö£felspiel 131. — Saora- 
mentst. 141. — Pfarr- und Pfründ-Beschneide-T. 144. 

7. öffentliches Leben 145 

Schrapt. 146. — Hoft. 147. — Jagdt. 152. — Gerichtst. 
164. — Eidt. 156. — Bettel- und Garte -T. 168. — 
Pestilenzt. 161. 



YI INHALT. 

Seit« 

Charakter, Stil, gemeinsame Hotive 164 

Zastand der "Welt 164. — Weltuntergang 165. — Deutsch- 
land 166. — Papsttum 167. — Luther 170. — Stil 172. 
Dogma 174. — Klassische Litteratur 177. — Predigt- 
märlein 180. — Deutsche Litteratur 181. — Teufelglaube 
185. — Äussere Composition 187. — Obrigkeit 191. — 
Geistlicher Stand 192. 

III. Wirkungen und Naehklftnge 194 

Verbreitung 194. — Ejitholische Gegner 196. — Verkauf 
197. — Die Lasterteufel auf der Bühne 198. — Ehet 198. - 
Hoft. 200. — Spielt. 202. — Andere T. 203. — Teufelbücher 
des 17. Jh. 210. — Modet. 211. — Gesindet. 217. — Andere 
T. 220. — Hartmann 225. — Urteile 227. — Schluss 228. 

Nachtrftge 230 

Begister SSS 



Abkürzungen. 



ABB = Allgemeine deutsche Biographie ed. ron LiUencron u. Wegole 1876 ff. 

AfdA = Anzeiger far deateches Altertum und deutsche Litteratur (zur ZfdA) ed. Steifl- 

meyer, Boethe 1876 ff. 
E. A. = Luthers Werke, Erlanger Ausgabe 1820—57. 
Oerm. = Germania, Yierteljahrsschrif^ ttXx deutsche Altertumskunde. 
Goedeke =: Karl Goedeke, Grundriss cur Geschichte der deutschen Dichtung, 2. Aa^ 

II. Bd. (1884). 
L. y. == PubUcation des Litterarischen Vereins in Stuttgart. 
ZfdA = Zeitschrift fOr deutsches Altertum (und deutsche Litteratur) 1841 ff. 
ZfdPh = Zeitschrift fQr deutsche Philologie 1869 fi'. 



^1 



„ . . . • Satana passa . . .!" 

Carducci. 



Einleitung. 



Wenn Schelling die Engel für die „langweiligsten aller 
Wesen^ erklärte') und D. Fr. Strauss meinte: „wo man 
nähere Ausfüliningen über ihr Wesen und Leben liest, wird 
man dies bestätigt finden" ^, so kann man auf der andern 
Seite sicherlich mit demselben Recht die Behauptung auf- 
stellen, dass die Teufel die interessantesten aller Geschöpfe 
sind. Die Oppositionsstellung gegen den die Welt und ihn 
selbst beherrschenden Gott, welche die jüdisch -christliche 
Dogmatik dem Satan gab, als sie den selbstherrlicheren 
Angramainju oder Ahriman des parsischen Dualismus in ihren 
Monismus einreihte, reizt jeden zur näheren Betrachtung, 
l^r gewaltige Revolutionär, der seine Persönlichkeit einsetzt 

• 

^ dem gewagten Kampf gegen den Lenker der Weltmonarchie, 
^•össelt die Auftnerksamkeit und die Teilnahme, und niemand 
^d, auch wenn der Abscheu vor der gottfeindlichen Macht 
^och 80 gross ist, der geheimnisvollen Anziehungskraft des 
^^evlers entgehen. 

Reizvoller noch wurde die grossartige jüdisch-christliche 
Personifikation des Negativen, als sie mit der Lehre Jesu zu 
den Germanen verpflanzt wurde und sich hier mit heidnischen 



^) Allgemeine Übersicht der neueBten philosophischen Litteratnr 
ÜQ Philosophischen Journal von Niethammer und Fichte. Yllly 2; 
S. 147. 

*) Die christliche Glaubenslehre II, 18. 

1 



2 OSBORN 97 

Elementen aller Art vermischte. Die alten Qt)tter der deutschen 
Stämme wurden von den Verkündem der neuen Religion zum 
Satan in die Hölle hinabgeschickt; in dem „Sächsischen Tauf- 
gelöbnis" ^) erscheint die früher so mächtige Dreizahl : Donar, 
Wuotan und Ziu-Saxnot mit „allen den Unholden, die ihre 
Genossen sind", neben dem altbösen Feind der christlichen 
Wahrheit, dessen Worten und Werken der Bekehrte ab- 
schwören soll. Dem Wuotan entspricht der Teufel, wenn er 
an der Spitze des wilden Heeres durch die Lüfte fahrt ; auch 
sein Karten- und Würfelspiel erinnert an diesen Grott*). 
Donar mag ihm neben der Glut des höllischen Feuers die 
Vorliebe für die rote Farbe eingeflösst haben. Vom nordischen 
Loki, der aus dem alten wohlthätigen und fruchtbringenden 
Naturgott schon lange zur Personifikation alles Schlechten 
und Niedrigen, zum Gott der Zerstörung geworden war, entlieh 
er zahlreiche Züge^). Und wenn es dem Christentum bald 
gelang, den alten Götterglauben zu verdrängen, so war es 
ohnmächtig dem ungeheuren Wust abergläubischer Vorstellungen 
gegenüber, die man im Gegensatz zu der eigentlichen Gt)tter- 
welt als „niedere Mythologie" bezeichnet hat, und die in 
Deutschland, wie überall, weit tiefer in das Gemüt des Volkes 
gedrungen waren und eine weit zähere Lebenskraft zeigten 
als jene*). 

Die ganze gewaltige Erbschaft trat wiederum der Teufel 
an*). Er nahm die feindlichen Mächte und unheimlichen 

^) Müllenho£f-Scherer, Denkmäler ' S. 198, 6 f. : „end ec forsacbo 
allum dioboles uuercum and nuordum Thuner ende Uuoden ende Saxnote 
ende allum them unholdum thc bira genotas sint''. 

«) cf. W e i n h 1 d , Die Sagen von Loki. Zfda 7, bes. 86 ff. u. S. 98. 

») cf. W. Schwartz, Der heutige Volksglaube S. 7; Prähist. 
anthrop. Studien S. 7. — E. Mogk im Grundriss der germ. Philologie 
von Paul I, S. 982 f. 

*) cf. Roskoff, Geschichte des Teufels. 1869 Bd. I. Gustav 
Frey tag, Bilder aus d. dtsch. Vergang. 11, Kap. 11: „Der deutsche 
Teufel«. Jetzt in den Gesamm. Werken Lpz. 1888. Bd. 19, S. 860 ff. 
— „Die Naturgeschichte des Teufels" von A. Graf, aus dem Italienischen 
V. R. Teuscher (Jena 1890) ist für wissenschaftliche Zwecke völlig 
unbrauchbar. 



98 EINLEITUNG. 3 

Wesen der heidnischen Überlieferung, die wilden Riesen, die 
verwüstenden Sturm- und Wasserdämonen, die Gestalten des 
Totenreiches in den höllischen Hofstaat auf, daneben aber 
auch die unübersehbare Masse der kleineren, harmloseren, ja 
oft liebenswürdigen Naturgeister, der Elfen, Wichtchen und 
Heinzelmännchen, der Nixe, Zwerge und Kobolde. Die Teufels- 
burgen und -berge und -brücken, die Verträge, die der kluge 
imd kunstreiche Satan eingeht, um nach geleisteter Arbeit als 
der Greprellte abzuziehen — das alles erinnert an alte Biesen- 
und Elbensagen. Hinzu kam schliesslich noch, was etwa. 
durch die Germanen, die siegreich Italien durchzogen hatten, 
und durch die eindringende antike Kultur*, von Rom, „der 
grossen Garküche jedes frommen Wahnglaubens" ^), an Vor- 
stellungen des griechischen und römischen Heidentums nach 
Deutschland gelangt war. 

Alles das trieb sich nun in dem Reich des deutschen 
Teufels umher. So erhielt sein Charakter, wie E. T. A. Hoff- 
mann es einmal erklärte*), „die wunderbare Mischung des 
Burlesken, durch die das eigentlich sinnverstörende Grauen, 
das fktsetzen, das die Seele zermalmt, aufgelöst, verquickt 
wird" ; so wurde der furchtbare Feind des Menschengeschlechts 
daneben ein Lieblingsgegenstand für die gute Laune der 
Gläubigen *); er wurde immer farbiger, mannigfaltiger, populärer 
und hat sich durch die Jahrhunderte mit seinen Gesellen im 
Volksbewusstsein lebendig erhalten. 

Für die deutsche Litteratur konnte dies grosse Gebiet 
der Gedankenwelt des Volkes nicht ohne Wirkung sein, und 
bevor unser grösster Dichter den Geist, der stets verneint, 
in allen Erscheinungsformen seiner Wesenheit erfasst und 
dargestellt hat, taucht er im Verlauf der Zeiten bald hier, 
bald dort, jetzt in dieser, dann wieder in jener Eigenschaft auf*). 



*) G. Preytag a. a. O. 

2) Serapionsbrüder (Ausg. v. 1827) III, 21. 

•) Roskoff hat die Bedeutung des Teufels für die deutsche 
Litteratur im ganzen wenig berücksichtigt ; doch vergleiche man I, 359 ff. ; 
II, 174 ff. — Die Rostocker Dissertation von Max Dreyer, „Der Teufel 

1* 



4 OSBORN 9» 

Hauptsächlich erschien er naturgemäss da auf dem Plan, 
wo das volkstümliche Element besonders stark vertreten war, 
imd als dies nach dem Verfall der mittelalterlichen Litteratur 
immer mächtiger in den Vordergrund trat, gelangte der 
Höllenfürst mit seinen Scharen zu einer immer grösseren 
Bedeutung. 

Die Ketzer, die allmählich in stets wachsender Zahl ihr 
Haupt gegen die Weltkirche erhoben, erschienen dem recht- 
gläubigen Katholiken als Diener des Teufels ; ebenso auf der 
anderen Seite der üppige, weltliche Pfaffe, der seinen geist- 
lichen Wirkungskreis allzu offen überschritt ; der unbarmherzige, 
imgerechte Siebter wurde in der Auffassung der Menge ein 
guter Bekannter des Satan ^). Zahllose Schnurren und Anek- 
doten, die im Volke umliefen, berichteten von seltsamen Ge- 
schichten, bei denen Junker Volant beteiligt war. Wichtig 
aber ward er ganz besonders für die Gestaltung der 
geistlichen Spiele, nachdem man bereits im 13. Jahrhundert 
in Wien durch den ersten Versuch mit der Einflechtung von 
Teufelsszenen die Wirksamkeit der neuen Figuren erprobt 
hatte ^). Hier wird er bald unentbehrlich; er erscheint als 
Rebell gegen die Gottheit, als Verführer, als Rächer der Sünde 
und, nach dem Muster der französischen „Diableries" ^), nicht 
zum mindesten als lustige Person. Durch diese letztere Eigen- 
schaft wiederum hatte er sich in kurzem auch eine Rolle im 
älteren Fastnachtspiel erobert, die er dauernd behauptete. 

Die Glanzzeit aber für Satans litterarische Bedeutimg 
ward das Jahrhundert der Reformation, wo man, wie Goethe 

iu der Litteratur des Mittelalters". (1884), welche ihr Thema ziemlich 
äuBserlicli behandelt, hat auch in den Grenzen, welche sie sich zog, die 
Untersuchung keineswegs zum Abschluss gebracht. 

*) cf. etwa Lassbergs Liedersaal II, 143; 349. 

^) cf. Ludwig Wirth, Die Oster- und Passionsspiele bis zum 
16. Jalirhundert. Halle a. S. 1889. S. 186 f. 

«) Mone, Schauspiele des Ma. 11,27. Flö ge 1-E b eli ng, 
Geschichte des Grotesk-komischen*. (1888) S. 70ff. Weinhold, Über 
das Komische im altdeutsch. Schauspiel in G o s c h e s Jahrbuch für Litt 
Gesch. 1, 1 ff. 



100 EINLEITUNG. 5 

sagte % in deutschen Gedichten wie Bildwerken alle „die 
notwendigen und zufalligen Übel der Welt nur unter dem 
Bilde des fratzenhaften Teufels zu vergegenwärtigen wusste". 
Hier kam zu der wachsenden Macht der volkstümlichen 
Dichtung der ungeheure Aufschwung hinzu, den das religiöse 
Element im Leben des Volkes nahm, und die tiefgehende 
Wirkung, die es in dem theologischen Zeitalter, wie auf alle 
und alles in Deutschland, so auch auf die Litteratur ausübte. 
Und vor allen Dingen fand der Teufel hier gewaltige Förderung 
durch die mächtige Persönlichkeit, die in die gesamte Ent- 
wickelung ihrer Zeit durch ihren weitreichenden Einfiuss so 
bestimmend eingriff: durch Martin Luther-). 

Es ist bekannt, welche bedeutende Rolle der Satan in 
der Lehre des grossen Reformators spielt ; er ist ein wesentlicher 
Bestandteil der ganzen Welt seines Glaubens und mit dem 
ganzen System seiner Weltauffassung untrennbar verknüpft *). 
„Wie bequem macht sich's nicht Luther", so urteilt Goethe *), 
„durch seinen Teufel, den er überall bei der Hand hat, die 
wichtigsten Phänomene der allgemeinen und besonders der 
menschlichen Natur zu erklären und zu beseitigen; und doch 
ist und bleibt er, der er war, ausserordentlich für seine und 
für künftige Zeiten. Bei ihm kam es auf That an ; er fühlte 
den Konflikt, in dem er sich befand, nur allzu lästig, und 
indem er sich das ihm Widerstrebende recht hässlich, mit 
Hörnern, Schwanz und Klauen, dachte, so wurde sein heroisches 
Gemüt nur desto lebhafter aufgeregt, dem Feindseligen zu 
begegnen und das Gehasste zu vertilgen". 

Luther befindet sich in einem ununterbrochenen Kampf 
mit dem Teufel. „Ich fühle oft des Teufels Rasen in mir", 
sagt er von sich, „zu Zeiten glaube ich, zu Zeiten glaube ich 



') Dichtung und Wahrheit. Weim. Ausg. 27, 166. 

«) Roskoff n, 865 ff. 

•) Hering, Die Mystik Luthers. S. 116 ff. cf. auch Köstlin, 
Luthers Theologie. 

*) Goethe, Materialien zur Geschichte der Farbenlehre, 2. Ab- 
teiig. Zwischenzeit. Ln Gap. über Boger Baco. Hempelsche Ausgabe d6, 108. 



6 OSBORN 101 

nicht ; zu Zeiten bin ich fröhlich, zu Zeiten bin ich traurig" ^). 
„Alle Nacht, wenn ich erwache", so erzählt er 1533 % „so 
ist der Teufel da und will an mich mit dem Disputieren**. 
Und zuweilen hat er furchtbar zu leiden: „hie brach mir 
wahrlich der Schweiss aus"*, so berichtet er einmal, „und das 
Herz begonnst mir zu zittern und zu pochen ; der Teufel weiss 
seine Argument wohl anzusetzen und fortzudringen, und hat 
eine schwere, starke Sprache". „Er kann der Seelen so bange 
machen mit disputim, dass sie ausfahren muss in eiaem 
Augenblick, wie ers mir gar oft fast nahe gebracht hat" 
(E. A. 30,311). Und wie es ihm geht, so widerfahrt es 
allen; das ganze Leben stellt sich ihm dar als ein KÜeg 
gegen den Satan *) ; dies erkannt zu haben, ist ihm schon der 
Anfang des Sieges, denn da hebt bald ein Strahl göttlicher 
Barmherzigkeit an hervorzuleuchten und die Seele zu ermuntern, 
dass sie den Angreifer verscheucht und alles Gute von Gott 
hofft ^). Die Waffe gegen den Feind ist allein der innige 
Glaube an Gott: sola fides sufficit! Je nachdem der kämpfende 
Mensch diese Waffe festzuhalten versteht oder nicht, führt 
ihn das Ende in die Seligkeit oder in die Verdammnis. 

Aber auch Luthers christlich - dogmatischer Teufel ist 
überladen geradezu mit einer Masse heidnisch-volkstümlicher 
Züge, und man geht wohl nicht fehl, wenn man den Gnmd 
hierzu in der Atmosphäre des väterlichen Hauses sucht, aus 
dem der Beformator hervorgegangen. Der Sohn des Bergmanns 
hatte sicherlich in der leicht empfanglichen Frühzeit, die er 
bei den Eltern verlebte, die allverbreiteten abergläubischen 
Vorstellungen des Volkes in sich aufgenommen, seine lebhaft 
arbeitende Phantasie hatte sich mit ihnen beschäftigt und 
vertraut gemacht, und sie fassten in seinem Gemütsleben zu fest 
Wurzel, um jemals wieder völlig daraus verschwinden zu können. 



>) Erlanger Aasgabe 17,211. 

•) Tischreden vom Teufel und seinen Werken 1633. E. A. 60, 47. 
») cf. E. A. 17, 196 ff., 228; 20,147; 49, 187 f.; 62,203; 57,40; 
68,135,326; 60,21. 

*) cf. Hering, Die Mystik Luthers S. 119. 



102 EINLEITUNG. 7 

Bis zu seinem Lebensende hatte er so mit einem halb christ- 
lichen, halb heidnischen bösen Geist zu schafifen, und in dieser 
Doppelgestalt erschien der Teufel immer wieder in seinen Predigten 
und Tischreden, seinen katechetischen und polemischen Schriften. 

Der Luthersche Teufel erfreute sich in der Litteratur 
bald einer ungeheuren Beliebtheit. Er war dem Gelehrten 
wie dem Mann aus dem Volk gleich vertraut; er liess sich 
zum Zweck der Belehrung wie der Unterhaltung gleich gut 
benutzen ; er verlor niemals seine Anziehungskraft. Im Kirchen- 
lied hatte ihm Luther selbst schon eine wichtige Rolle zu- 
gewiesen ^) ; Volkslied und Drama, die ihn schon lange bei sich 
angenommen hatten, griffen mit erneutem Mut zu der Gestalt 
des gern gesehenen Bösewichts, der kaum mehr fehlen durfte ; 
überall, wo es anging, wurde er eingefügt, und mit besonderer 
Vorliebe bemächtigte sich seiner die didaktische Litteratur. 

Völlig als Hauptperson aber, als Alleinherrscher trat er 
in einer grossen Zahl von Schriften auf, die Goedeke*) unter 
dem Namen „Teufellitteratur" zusammenfasst. Ihre 
Eigenschaft war „die dämonische Personifizienmg aller Laster 
und anstössigen Gewohnheiten, die durch Teufelnamen geächtet 
wurden", und sie bildeten eine weitverbreitete erbauliche Unter- 
haltungslitteratur, die lange Zeit hindurch einen wichtigen 
Teil der Lektüre des Volkes gebildet hat, und die darum einer 
näheren Untersuchung wohl wert ist^). 

«) Roskoff II,473flf. 

•) Grundriss. 2. Auflage II, 479 ff. 

*) Die Litteratnrgeschichten tbun die Teufellitteratur natorgemäss 
nur sehr kurz ab, wie Gervinus^ 111,20,21, Scher er* S. 302 oder 
sie erwähnen sie als einen selbständigen Litteraturzweig überhaupt nicht. 
Nicht sehr sorgfältige Auszüge mit kurzen, ebenfalls nicht sehr genauen 
einleitenden Bemerkungen bot Ignaz Hub, Die komische und humo- 
risÜflcbe Litteratur der deutschen Prosaisten des sechzehnten Jahrhunderts. 
Nürnberg 1866. S. 289—260 und S. 590—686. (Auszüge aus dem 
„Hosenteufel^ , dem „Spielteufel'', „Hoffartsteufel'', „Jagteufel**, „Sauf- 
teufel*', „Schrapteufel", „Tanzteufel"). Die ausführlichsten Zusammen- 
stellungen gab btisher J. Eranck in dem Artikel der Allgem. dtsoh. 
Biographie über Hocker. 12, 534-36. 



I. 

Die Entstehung der Teufellitteratur. 

Die Personifikation der menschlichen Laster und schlechten 
Eigenschaften musste der Didaktik von jeher als ein ¥rill* 
kommenes Mittel erscheinen, die lange Weile trockener Lehr- 
haftigkeit zu beleben. Kleidete man die unbestimmten ab- 
strakten Begrifife in fassliche Körper, so traten sie plastisch 
hervor; alles wirkte unmittelbarer und dadurch nicht allein 
weit künstlerischer, sondern, wie es der didaktischen Absicht 
nur erwünscht sein konnte, auch viel eindringlicher. Die 
verderbliche Thätigkeit einer Person und der offene Widerstand 
gegen sie liess sich anschaulicher darstellen, als die üblen 
Folgen einer Eigenschaft und der Kampf, den man innerlich 
mit ihr führt. 

Frühzeitig wurde so in der christlichen Litteratur dieser 
Kampf als ein Krieg des Menschen und seiner Tugenden 
gegen die Laster allegorisch vorgeführt^). Den Ausgangs- 
punkt bildeten, zugleich mit antiken Vorstellungen^), Stellen 
aus der Bibel, in den paulinischen Briefen Thessal. 1 5, 8, 
Ephes. 6, 14, Corinth. 11 6, 7. Diese Quellen überlieferten 
das Motiv der patristischen Litteratur der spätrömischen, der 
weltlichen und geistlichen der Karolingerzeit und der theo- 
logischen des 11. und 12. Jahrhunderts, die es sorgfältig 
ausführten und mit Vorliebe anwandten : die feindlichen Heere 



^) Karl Raab, Über vier allegorische Motive in der lateinischen 
und deutschen Litteratur des Mittelalters. Programm des Gymnasiums 
zu Leoben (Steiermark) 1886. S. 25 ff. 

•) ibid. S. 27. Anm. 68. 



104 ENTSTEHUNG. 9 

lagern einander gegenüber ^), sie stellen sich in Schlachtlinien 
auf-), und die Tugenden scharen sich um eine Fahne*); ent- 
weder in offener Feldschlacht*) oder um eine belagerte Burg*) 
tobt der Kampf. 

Aus den universellen lateinischen Werken ging dann die 
Allegorie vom Krieg der Tugenden und Laster und die 
Personifikation der menschlichen Eigenschaften in die nationalen 
Litteraturen über; zumal das didaktische Drama, das ja auf 
handelnde Personen angewiesen war, nahm diese Art der 
Darstellung in Grebrauch. Die deutsche*), die italienische''), 
die englische^) Litteratur übernahmen sie; am weitesten aus- 
gebildet aber erscheint sie hier in den französischen „Moralites^, 
wo die fleischgewordenen Abstrakta scharenweise auftreten*), 
wie etwa in dem Schauspiel ^^Bien advis6, mal advisS'', oder 
„L'homme pecheur" oder „L'homme juste et Thomme mondain'' 
von Simon Bourgeois (1476), dem französischen Hekastus- 
drama, in dem Orgueil, Avance, Luxure, Envie, Gloutonnerie, 
Ire, Desesperance, Obstination, ProdigalitS unter anderen 
agierende Personen sind^*^). 

Ein Seitenstück zur Litteratur bietet hier die bildende 
Kunst der christlichen Völker. Sie musste personificieren, 



^) De idolatria c. XIX, Migne, Patrol. cursus complet. 1, 767 u. 
lib. rV. ad versus Marcion. C. XX, Migne 2, 406. 

•) Liber de pudicit. C. XVn. Migne, 2, 1013. 

*) Apologet, adv. gent. C. 4, Migne I, 600. 

*) PrudentiuB, Psychomachia ; Ambrosius Autpertus, De 
conflictu vitiorum et virtutum; u. ö. cf. Baab a. a. 0. 

*) Aldhelm, De octo princibalibus vitiis; Honorius v. Autun. 
Sx>eca1. eccles. Migne 172,1095; Bernhard v. Clairvaux in seinen 
Parabeln, cf. Raab S. 28 u. 29. 

^cf. Johannes Bolte in der Einleitung ?um Neudruck von 
Strickers „Düdeschem Schlömer** S.* 17 ff. 

^ cf. D' An CO na, Orjgini del Teatro italiano. IL Bd. 

") cf. Collier, The history of english Dramatic poetry Ü. Bd., 
bes. S. 279 fif. 

*) Petit de Juleville, Repertoire du th^ätre oomique en 
France au moyen äge. S. 32—103. 

!•) ibid. 8. 67 f. 



10 OSBORN 106 

wenn sie Tugenden und Laster darstellen wollte. So erscheinen 
die in der alten heiligen Siebenzahl gebildeten Kardinal- 
tugenden : fides, Caritas, spes in Bezug auf Gott, und prudentia, 
justitia, fortitudo, temperantia in Bezug auf das Verhalten zu 
den Menschen, und ihnen gegenüber die in gleicher Zahl auf- 
tretenden Hauptlaster, die Todsünden: Hoffart, Geiz, Neid, 
ünkeuschheit, Frass und Völlerei, Zorn, Trägheit, beide Gruppen 
mit geringen Abänderungen, auf den kirchlichen Gemälde. 

Als menschliche Gestalten malte der Altmeister der 
italienischen Kunst, Giotto, die sieben Laster: Verzweiflung, 
Neid, Unglaube, Ungerechtigkeit, Zorn, Unbeständigkeit, 
Dummheit^) Auf einem Teppich im Fürstensaal zu Regens- 
burg, der dem Ende des 14. Jahrhunderts angehört, ist es 
wieder eine andere Zusammenstellung; zum Kampfe gegen 
die von Engeln geschützten Tugenden stürmen die Laster an, 
jedes auf einem Thier sitzend, dessen Charakter seinem Wesen 
entspricht: der Stolz auf einem Rosse, der Zorn auf einem 
Eber, die Ünkeuschheit auf einem Bären, die Unstetigkeit auf 
einem Esel, die Gefrässigkeit auf dem Fuchs, der Geiz auf 
dem Wolf, der Hass auf dem Drachen ^). Auch andere Tiere 
gelten als Attribute der Todsünden'*), oder sie erscheinen 
selbst als Tiere: der Fuchs z. B. als Sinnbild der Arglist, 
der Tiger für die Grausamkeit, der Affe an Stelle der Scham- 
losigkeit*). In der Kirche des Klosters de la Prosesa in 
Mexiko ist Satan umgeben von folgender Siebenzahl ^) : Kröte, 
Schlange, Bock, Tiger, Schildkröte, Pfau und Schwein — 
offenbar Repräsentaaten der Hauptlaster. Vasari malte in 
der Kuppel des Domes zu Florenz die sieben Laster, die 
dort von den Engelchören besiegt werden, als Tiere : den Neid 



*) Wolfgang Menzel, Christliche Symbolik (Regensburg 1854) 

n, 11 ff. 

2) Kunstblatt 1846, Nr. 41. S. 166. 

•) Hierfür war in der Bibel, und zwar Jeremias Kap. 6. V. 6, 
der erste Anstoss gegeben. 

*) Belege bei Menzel a. a. 0. S. 12. 
*) Das Ausland. 1838. N. 23. S. 95. 



106 ENTSTEHUNG. H 

als Schlange, den Zorn als Bär, die Faulheit als Kameel, 
die Völlerei als Cerberus ^), den Geiz als Kröte, die Wollust 
als üppiges Weib, die Hoflfart als Lucifer. Jordaens ver- 
körperte sie später als heidnische Gottheiten: Mars stellt 
den Zorn, Venus die Wollust, Juno den Stolz, Bacchus 
die Völlerei, Silen die Faulheit, eine Furie den Neid dar; 
wdche Sünde Ceres personificieren soll, ist nicht ganz klar, 
vielleicht wurde sie als kargende Göttin aufgefasst und ver- 
trat den Geiz ^). Correggio malte die Laster, die den Menschen 
beherrschen, als nackte Frauen mit Schlangen im Haar^). 
Andrea Mantegna, der Faduaner, stellte sie als Satyrn, 
Centauren, Afifen dar, die von den Tugenden unter der 
Gestalt antiker Götter, wie Minerva (Weisheit), Diana 
(Keuschheit) u. a. vertrieben wurden ; er malte sie, wiederum 
als Weiber, im Kampfe mit den Tugenden, bald siegend, 
auf einem in England befindlichen Bild, bald besiegt, auf 
einem Pariser Gemälde*). 

Häufig wurden auf Bildern des Weltgerichts die Ver- 
dämmten nach ihren Lastern unterschieden. Die Überlieferung 
der heiligen Schrift regte hierzu ja selbst an. Denn in der 
Offenbarung Joh. heisst es XXI, 8 : Timidis autem et incredulis, 
et execratis et homicidis et fornicatoribus mendacibus pars 
ülorum erit in stagno ardenti igne et sulphure, quod est mors 
secunda'' und ebenda XXII, 15: Foris canes et venefici et 
impudici et homicidae et idolis servientes et omnis, qui amat 
et facit mendadum.^ Entsprechend dieser Überlieferung finden 
wir nun beispielsweise im Handbuch der Malerei vom Berge 
Athos in der Darstellung des jüngsten Gerichts den Vielfrass 
(9dT0^), welcher mit lauter ekelhaften Gegenständen gefüttert 
wird, den Dieb (KXeimiq), welcher auf einem Geldsack sitzend 

') sicherlich veranlasst durch die Göttl. Komödie Hölle VI, 
V. 18—32. 

^ Menzel S. 18. 

*) Ein Gemälde, das sich in Carls I. v. England Kunstsammlung 
befindet, cf. Waagen, Kunstwerke u. Künstler in England I, 468. 

*) c£. Waagen I, 127. 



12 OSBORN 107 

vom Teufel gepeinigt wird ; ferner einen Wollüstigen (iröpvo^), 
einen Geizhalz (qpiXdpTupod ^>. 

Ähnlich verfuhr der Meister des Weltgerichts im Campo 
Santo von Pisa, der rings um seinen kolossalen Lucifer jeder 
der sieben Todsünden ihr Feld anweist und durch Inschriften 
die Gruppen der „superbi", der „accibiosi", der „iracondi^, 
der „avari", „invidi", „gulosi" imd „libidinosi" von einander 
scheidet^). Die gleiche Anordnung finden wir auf der Hölle 
des dreiteiligen kleinen jüngsten Gerichts von Fra Angelico, 
das sich im Berliner Museum befindet (N. 60 A); nur 
dass hier statt der „superbi" die „inanis gloriae cupidi" ein- 
gesetzt sind. Und im deutschen Elsass liess die Hohenburger 
Äbtissin Herrad von Landsperg in der Hölle ihres Hertas 
deliciarum ^) Geldgierige und Wucherer, denen glühendes Gold 
in die Hände und in den Mund gegossen wird, femer Ver- 
leumder, Wollüstige, Selbstmörder auftreten; dem Auflaurer 
werden die Ohren gezwickt, einer Putznärrin machen Teufel 
die Toilette. 

Fehlt eine genaue Belehrung durch Inschriften, die ausser- 
halb des Gemäldes oder auch auf dem Bild selbst angebracht 
werden, so wird meist der Versuch gemacht, die Laster durcli 
die Folgen und durch die Physiognomie, die sie dem Menschen 
aufdrücken, zu charakterisieren*). So wird der Schlemmer 
durch seinen dicken Bauch, der Neidische durch Verzerrung 
von Mund und Augen kenntlich gemacht, immer mit dem 
Grundgedanken, dass durch die Laster die ursprüngliche 
engelgleiche Schönheit des Menschen, das Ebenbild Gottes, 
entstellt und geschändet wird ^). 

') C. Meyer, Geistliches Schauspiel und kirchliche Kunst. In 
Geigers Viert eljahrsschr. für Kultur u. Litter. d. Renaiss. I, 420. 

*) P. Jessen, Die Darstellung des Weltgerichts bis auf Michel- 
angelo. Berlin 1883. S. 49 (dazu Tafel V). 

*)C. M. Engelhard, Herrad von Landsperg und ihr Werk. 
1818. S. 52/58. 

*) Dieses Mittels bediente sich noch Peter Cornelius bei seiner 
Freskodarstellung des jüngsten Gerichts in der Ludwigskirche zu München. 

^) Menzel S. 18. 



108 ENTSTEHUNG. 13 

Wie überhaupt bei der Beurteilung von Kunstschöpfungen 
der älteren Zeit, so hat man auch bei der Betrachtung dieses 
Motivs die äusserst wichtigen, unendlich verschlungenen 
Wechselbeziehungen zwischen der Litteratur und den bildenden 
Künsten zu verfolgen. Das hohe Alter der Darstellung von 
typischen Repräsentanten gewisser menschlicher Laster und 
Fehler wie ihre Verbreitung schon in der byzantinischen Kunst 
macht einen starken Einfluss auf die Poesie sehr wahrscheinlich ; 
wie man ja umgekehrt glaubte, manche Züge in Werken der 
Plastik und Malerei auf Einwirkungen der Litteratur, namentlich 
der geistlichen Spiele, zurückführen zu dürfen ^), und wie auch 
in unserem Fall die Maler der Renaissance gewiss fördernde 
Anregung durch Dante erhalten hatten, dessen Tiere, Panther, 
Löwe und Wölfin (Hölle I), sicherlich sündhafte Leidenschaften 
bedeuten, und der auch, allerdings weit selbständiger und freier, 
seine Sünder in Hölle und Fegefeuer nach der Art ihrer Ver- 
brechen imd Vergehen in eine grosse Zahl von Gruppen ordnet. 

Wie die bildende Kunst brachte schon früh auch die 
Litteratur die körperlichen Gestalten der Laster in Beziehung 
zum Teufel. Dieser ist ja schon an sich das Ideal aller 
Bosheit, in ihm konzentriert sich alles Niedrige und Gemeine, 
und in der Körperlichkeit, in welcher er trotz seiner Geister- 
natur stets aufgefasst wurde, stellte er eine Personifikation 
der Summe alles Schlechten dar. Nun wurden die inkarnierten 
Abstrakta seine Untergebenen, Mitglieder seines höllischen 
Gesindes. Schon bei TertuUian*) und Prudentius**) 
spielt er im Kampf gegen die Tugenden eine Rolle, die er 
nun in der deutschen Litteratur siegreich behauptet. Als 
Anführer der Laster erscheint er in Heinrich von Melks 
Priesterleben V. 38—48 ; er treibt sein Wesen in der Parabel 
„Der geistliche Streit"^), er ist die Hauptfigur indem 

*) cf. Meyer a. a. 0. Geigers Viert eljahrsschrift I, 162 ff., 
856 ff., 409 ff. 

•) lib. ni adv. Marcion. C. XIV Migne 2, 340. cf. Raab S. 26. 

») Hamartignia V. 889—447. 

*) Pfeiffers Altdeutsch. Übungsbuch S. 144—162. 



14 OSBORX 109 

Gedicht rD^r Sünde Widerstreit**^), er sendet im 7. Sei- 
frid-Helbling-Gedicht die Todsünden auf die Walstatt 
(V. 181 ff. ed. Seemüller S. 244 flF.)- In Ulrichs v. Eschen- 
bach ^.Alexander"* dienen dem Satan, dem Vogt der 
Welt ^. die Todsünden, die ^hellekint'*, als ,,portenaere'' dw 
Unterwelt*): sie treten bei Berthold von Regensbnrg 
auf als die ^.zwelf jnncharendes tinvels*^^). Ahnlich erscheinen 
sie als das ^.swache gesinde^ der Seele in der „Tochter Syon" 
des Lamprecht von Regensbnrg^), der andererseits 
gerade wie Mechtild von Magdeburg („alle cristanliche 
tugende sint der seien megede" •) die Tugenden das „ingesinde" 
der Seele nannte'). Bei Peter Suchenwirt sind die 
Hauptlaster die Brüder des menschlichen Willens und Lucifen 
Kinder (XL, V. 9 ff. und V. 255, ed. Primisser S. 120 ff.), 
und im Beginn des 15. Jahrhunderts erscheinen in dem 
satirischen Lehrgedicht „Des Teufels Netz**®) Junker Hoffart, 
Neid, Geiz, Frass, Zorn. Unkeuschheit und Mord als die 
sieben Knechte des Satan, welche ihm sein ungeheures über 
die ganze Menschheit ausgeworfenes Netz zuziehen helfen, 

'J Raab a. a. 0. S. 33. 

«) V. 17955. ed. Toischer S. 478. 

») V. 24860 ff. Toischer S. 661 ff. 

^) Ganz wie in den Passionsspielen sendet der Teufel sie aus, 
nachdem Christus die Vorhölle geleert hat: „nid und haz, zom, trakeit, 
fräzkeit, unkiusche, hohvart, gitekeit, ungloube der beiden, der ban, goies 
sf.-helter, gotes trugener (Daz sint alle die sich guot vor den liuten er- 
zeigent und innen in dem herzen got triegent unde sich selben), zerrer 
gotes rock (Daz sind alle die gotes dienest druckent unde nidemt also 
daz sie den gotes hiusem ir guot nement.) — In der Ausgabe von 
Pfeiffer I, 520 ff. 

») V. 3825. ed. Weinhold S. 472. 

•) Fliess. Licht der Gottheit. I, 3. ed. P. Gall. Morell (Regens- 
l>urg 1869) S. 6. 

') V. 434 f. Weinhold S. 326. 

*) Ausgabe von Barack (L. V. 70) Stuttgart 1863, zu dessen 
Bemerkungen das Feldkircher Gymnasialprogramm v. Job. Maurer 
Über das Lehrgedicht „Des Teufels Netz" (1889) (in Pauls Grundris« 
der germ. Phil. II, 390 irrtümlich als „Lpz. Diss." zitiert) so gut wie 
nichts neues bringt. 



110 ENTSTEHUNG. 15 

und bei diesem G-eschäft noch von den drei Gesellen „Beslewsz 
den mund", „Beslewsz das Herz" und „Beslewsz den Säckel", 
den Repräsentanten der Hartherzigkeit, unterstützt werden. 
V. 267—975. — V. 1056—1105. 

Die Stelle als Trabanten der yemichtenden Macht be- 
hielten die Todsünden auf lange Zeit hinaus. Ganz wie in 
des „Teufels Netz" zählte noch 1536 bei dem Schweizer 
Johann Kolrosin „Ain schön Spyl von Fünferley betracht- 
nüssen" der Satan seine sieben Diener auf: „Hoffart", „Geyttig- 
keit", „Vnkeyschayt", „Fresserey", „Zorn", „Neid vnd Hass" 
„Tragkeit" (Bl. EJ — F.) — oder liess sein Landsmann 
Fanckelin in seinem Schauspiel vom reichen Mann und 
armen Lazarus (1550) im 4. Akt mit dem Tod die sechs 
Sünden als seine Gesellen erscheinen ^). 

Aber schon früher war man in den Teufelszenen des 
geistlichen Dramas einen Schritt weiter gegangen und hatte 
die Sünden auf einzelne Lidividuen des infernalischen Hofstaates 
verteilt*). Die Teufel traten vor, nannten ihre Eigenschaften 
und gaben ein Bild von der unheilbringenden Thätigkeit, die 
sie in ihrem speziellen Berufe entwickelten. Im Alsfelder 
Spiel z. B., das 1501 zuerst aufgeführt wurde, schildern in 
der grossen Teufelversammlung V. 352 ff. einzelne Söhne der 
Hölle ihr Spezialgebiet, auf dem sie besonders Bescheid 
wissen'): der Teufel ßerith nimmt das Morden für sich in 
Beschlag (V. 392 ff.), Scherbrandt das Lügen (V. 406 ff.), 
Heihundt die Verführung zum Meineid (V. 414 ff.). In der 
Pfarrkircher Passion ist Satan der Teufd der Hoffart 
und der Üppigkeit, Rosenkrantz verlockt ztf'Tanz, Putz und 
Zier. Welczenbuel verleitet zu wüster Schlemmerei und Trunken- 
heit, Astaroth hat den Judas verfühj?f und erweckt in den 
Menschen den Neid, Ruffo ist derJ'atron der Strassenräuber, 
Mordbrenner und Diebe, Amo^^^^t Spionage und Unfrieden- 
Stiften, Welphegor reizt z«(^orn und entfacht die BÄche, 

*)Baechtold, ÖewÜMf;^ ^^^^ch. Litt. i. d. Schweiz S. 349. 
«) Ludwig WirthJ^j^ q S 188. 196 f. 
*) Zs. f. d. Altert!U|^j\j 477 ff. ],e9. S. 490. 



16 



OSBORN 



Titinil vertreibt die Andacht aus der Kirche, sncht l 
die „witben, nunnea" und „petschweBtera" auf, m 
hoffärtig and wollüstig (was ihm immer am besten j 
wenn sie andächtig sind), Wal endlich verführt zu Yerlet 
and zu falschen Anklagen '). 

Ähnlich ist es im Erlauer Spiel (ed. KummerJ 
bis 100), ähnlich im Friedberger (Zs. f. d. Alt, 3,547f.ä 
Haller Fassion (Germania 11,97); und ganz eutsprecll 
auch in der ungefähr gleichaltrigen italieniBchen „B 
tazione di Biagio Contadino" Astarot ein G-eisteufel, 
ein böser Geist, der den Glauben raubt, Tirinazzo I 
im Reiche der Betrügerei und des Verrats, SfjuarciafJ 
Teufel des Aufruhrs '). Man verband auch dios Mj 
der Ständesatire, so beispielsweise im Redentiner Ostei 
und liesa die ünterteufel, die Vertreter der einzelner 
je einen Repräsentanten einer Berufsklasse, welche 
trefiFenden Sünde besonders verdächtig war, vor den HflJ 
Lucifer schleppen, indem man sich auch hier an ältai 
bilder anlohnte *). 

Auch in den Namen der Teufel fand nach franzöi 
Vorbild*) die besondere Art der Thätigkeit allmählich Aai 
und neben den Bezeichnungen ganz allgemeiner Natu 
denen wir eine Reihe soeben kpiuicn lernten, neben < 
biblischen Namen Belial, Beizebub, Astarot mid neugebili 
wie Hellhunf, Lasterbalck, Rüllepriill, Störenfried 
•"* -^ ziemlich willkürlich erfunden sind, kommeu nun Teui 
namen auf, ai„ ^^ bewusater Absicht den individuellen CharaL 



''. Die ältesten PasaioiiB spiele in Tirol (W: 



') Wackei 
1887) S. 99. 

*) D'Ancona, Origiui del Teatro ilaliano 11, 50 ff, 

') cf. Ludwig Wirlh a. a. Ü. — Hone II, 82 ff. 

*) t. Bsp. Seifr. Helbl. Vif, V. 482 ff. ed. See m 
u. derselbe, Studien zum klein. LAci.lar. (Wiou 1883) S. 109. Hiar 
werden die Anfiihrer der Keschlagenen ü^asterhaufen in Sfelen gebuia^ 
die ihnen beeonder* ergeben sind. 

2 ifone, Schauapiele des Mittelalter.^ 11,27. 

) of. ■Weinhold.Goschea Jahrbuch fiirLitteraturgeschichteLlt 



i. 964. 



der 

VU- 
as. 
ler 

■u. 

lie 



*W\ *' A'"-- 






20 OSBORN 115 

samkeit und Wissenschaften verschlucket zu haben", gewidmet 
,,dem grossgebohmen, grossgelahrten und hochweisen Herrn 
Peter Baron von Squentz, Erb -Herrn auf Närrisch- und 
Tollhausen*' u. s. w. ^). 

Neben dieser Bezeichnung der Lasterhaften als Narren 
traten aber auch die einzelnen Narren für die Laster selbst 
auf. So wi^d in Hans Sachsens groteskem Fastnachtsspiel 
„Das Narrenschneiden" (1557) der Kranke durch den 
geschickten Arzt von den Narren der Hoffart, des Geizes, des 
Neides, der Unkeuschheit, der Völlerei, des Zornes, Scheltens 
und schliesslich noch von einem ganzen „Nest" unausgebrüteter 
Narrenembryonen, den Repräsentanten aller möglicher thörichten 
und schlechten Eigenschaften, durch eine äusserst schmerzhafte, 
langwierige Operation glücklich befreit^). 

Am Ende des 16. Jahrhunderts machten die Narren noch 
eine Metamorphose ins Tierreich durch: Hasen, ursprüngUch 
B^präsentanten verliebter Buhlnarrheit, wurden die Verkörperer 
der Laster. Eine burleske ,,Hasen-Jagt: AufF welcher 
mancherley Hasen gefangen werden . . ." ^) wurde 1593 durch 

>) 4". 222 S. Berl. Kgl. Bibl. AI. 6196. 

*) (Beiläufig möchte ich bemerken, dass die kleine Zeichnung auf 
dem im Besitz der ungarischen Landesgemäldcgallerie zu Budapest be- 
findlichen Skizzenblatt Dürers (Lippmann Handzeichn. N. 184) mit 
diesen Vorstellungen jedenfalls zusammenhängt; sie stellt einen Mann 
dar, der auf einem Schubkarren von einem Narren geschoben wird, 
während eine zweite ganz kleine Narrenfigur vom Kopf bis zu den 
Hüften aus seinem weitgeöffneten Munde herausragt. Lippmanns Er- 
klärung (Bd. II, S. 29) scheint mir verfehlt ; er meint, es sei „ein dicker 
Mann« der auf eine Puppe beisst" ; aber die kleine Narrenfigur ist sicherlich 
keine Puppe, sondern offenbar äusserst lebendig und bestrebt, dem Gehege 
der Zähne des Mannes zu entfliehen; dieser aber beisst nicht, sondern 
reisst vielmehr mit einem Ausdruck von Schrecken und Verwunderung 
den Mund möglichst weit auf, um den Bewohner seines Leibes — jeden- 
falls den Repräsentanten irgend eines seiner Laster — hinaus zu lassen). 

') n . . . . Allen Hasirern und Leimstenglern zu sonderlichem Nuts 
in deutsche Hasenreimen gebracht und mit einem Jegerischen Hasen- 

geschrey geziert durch " cf. Qoedeke ^ I, 386 — Dasselbe 1629 mit 

Bildern und einem längeren „Anhang vnd Beschreibung etlicher anderer 
vomemmer Hasen". 



116 ENTSTEHUNG. 21 

„Leporinum Hasenkopflf Hassiim Haslebiensem" eröffnet, der 
in ungeschickten Reimen die Sünder zu erlegen sucht. Ahnliche 
Schriften folgten ^). Es erscheinen der Wollust-Has, der All- 
modische Has, der grobe Has, der Sauffhas, der Zank-Has, 
der Logenhas, der Eyfferhas, der Gelthas. Und der Buhler, der 
übermütige Bauherr, der Hoffärtige — sie alle werden zu Hasen. 
Der Eifer des jungen Luthertums aber machte sich die 
allenthalben verbreitete persönliche Auffassung der Laster zu 
Nutze und verband die beliebt gewordene Technik mit den 
eigenen Teufelsideen. Der Protestantismus hatte die Laien 
mündig gemacht ; er hatte jeden Christen der Gottheit unmittel- 
bar g^enüber gestellt ; der Geistliche stand nicht mehr zwischen 
dem Höchsten und der Gemeinde, jedes Mitglied dieser letzteren 
war ihm gleich, war sein eigener Priester. So wuchs die 
Verantwortlichkeit des Einzelnen, der Glaube ward innerlicher, 
die Lebensauffassung tiefer und ernster. Für den Theophilus 
der alten Zeit, der sich dem Teufel verschrieben hatte, gab 
es noch eine Rettung : seine Reue führte ihn zur Gnade ; den 
Satangenossen des strengen Jahrhunderts der Reformation, 
den Doktor Faust, riss seine Schuld erbarmungslos in die 
Verdamnmis ^). Der Sündige war jetzt nicht mehr nur ein 

*) Die Berliner Kgl. Bibliothek besitzt einen Miscellan-Band 4*^ 
(Yy862), der folgendes enthält: 1. Centaria Thesium de Hasione 
etbasibiliqualitatev. Albertus Haselius 1593 ; eine über das doppelte 
rerbreiterte lateinische Bearbeitung der H.-J. — 2. Theses dehasione 
et h. q. mit deutscher Übersetzung: „Fragen und Satzreden von der 
Haseley*'. — 3. Die deutsche Hasen -Jagt in Versen. — 4. Theses 
de cochleatione eiusque veneuo a contagione (41 Thesen), 
— 5. Übersetzung von 4. „Sätze von der Leffeley sampt 
deren Eigenschafften vnd vnterschiedlichen Gattungen** 
von „Veit Schnitzer von Kniehusen vndDiedelmann Grotze von Lochstet**. — 

*) Sehr bezeichnend ist, dass in der Sage von Heinrich dem Löwen 
der Teufel, der ursprünglich die Bolle hatte, in aller Treue den Herzog 
von der bevorstehenden Wiedervermählung seiner Gattin zu benach- 
richtigen und ihn noch rechtzeitig zurückzubringen, dies zu verhindern, 
im Laufe der Zeit durch einen Vasallen ersetzt wurde, cf. Georg 
Thyms Gedicht Thedel v. Wallmoden (her. v. Zimmermann) 
Hallenfler Neudr. N. 72. S. IX u. X. 



22 OSBORN 117 

betörter, sondern ein schlechter Mensch; die Darstellung der 
Lasterhaften als Narren erschien den Strenggläubigsten vielleicht 
gar als ein Frevel. Der schreckliche altböse Feind, mit dem 
jeder einzelne den furchtbaren Lebenskampf um die Seligkeit 
zu kämpfen hatte, trat für sie mehr in den Vordergrund, und 
von dem alles Schlechte in sich zusammenfassenden ürteufd 
lösten sie nach den vorhandenen Mustern der früheren Ldtteratur 
als Repräsentanten der menschlichen Laster, üblen Gewohnheiten 
und Torheiten einzelne bestimmte Spezialteufel ab, welche von 
den Spezialnarren das Namenregister mit den entsprechenden 
Änderungen übernahmen, bald neben diesen als mächtige 
Bewerber um die Gunst des lesenden grossen Publikums auf- 
traten und sie schliesslich arg in den Hintergrund drängten. 
Luther selbst ging hier nicht gerade voran, aber er wies 
doch den Weg ^). Nach seiner Auffassimg hatte der Teufel ein 
gewaltiges Kaisertum (E}rl. Ausg. 19, 272 ff.), unter ihm standen 
zahlreiche mächtige Fürsten und Potentaten, und jeder von 
diesen hatte wiederum einen Haufen Teufel unter sich als sein 
Hofgesinde. Er trennte dabei von den „höheren Geistern, 
die anfechten mit Unglauben, mit Verzweiflung, mit Ketzereien", 
,, geringe Teufel, die mit Hurerei, Geiz, Ehre und anderem 
dergleichen anfechten" (E. A. 6, 406). So fasst er das Buch 
Tobias als ein Drama auf, in dem Asmodeus als Hausteufel 
„alles hindert und verderbt" (E. A. 63, 109 Vorrede zum 
Tobias). Er sieht in den Herzen der „Schwermer", die seine 
Abendmahlslehre verwarfen, ohne doch ihre Lrtümer beweisen 
zu können, den „Schewteufel, der so fleucht und fladdert, 
dass er nicht richtig antworten will" (30, 163). Er glaubt, 
die Wiedertäufer mit ihrer Lehre von der Nützlichkeit der 
guten Werke hätten einen „Werkteufel bey jnen"*); er 
kommt bei einer Vergleichung der beiden Teufelsmächte auf 
Erden , d. h. des Papstes und des „Mahmet" zu dem Resultat, 

»j siehe auch J. Franck ADB. 12, 684 ff. (Hocker). 

*) I,... Der giebt glauben für ynd meinet doch das werck vnd 
füret mit dem namen vnd schein des glaubens die armen Leut auff 
trawen der Werck«. Brief an zwei Pfarrherm von der Wiedertaufe. 1628. 



118 ENTSTEHUNG. 23 

dass der letztere yorzuziehen sei, weil er doch wenigstens yon 
den ,^oltergeistem vnd Walfartsteufel" frei sei (65, 203 f.). 
Die Vielweiberei der christlichen Wiedertäufer aber fuhrt er 
entweder auf das Wirken eines ,^-B-C Teuf fei oder Schuel 
Teuffelin", eines ,,Glrammatischen Teuffelins oder 
auf die „Praktiken" des „Gelerten, juristischen, theo- 
logischen Teuffels" zurück^). Luther kennt Hof- und 
Fürstenteufel*), ja er stellte sogar Nationaldämonen auf 
und erklärte: „Es muss aber ein jeglich Land seinen eignen 
Teufel haben, Welschland seinen, Frankreich seinen. Vnser 
deudscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein ynd mus 
Sauff heissen" (39,363). Die „Epistola de miseria Cura- 
torom seu plebanorum" interessierte ihn, und hocherfreut über 
ihre reformatorische Tendenz, ganz besonders aber darüber, 
„fiiisse ausum aliquem eo tempore tantam audaciam, ut Epi- 
Boopos palam appellaret Diabolos et Tyrannos Pastorum", holte 
er sie aus halber Vergessenheit wieder hervor und gab sie, 
mit einer lateinischen Vorrede ausgestattet^), 1540 zu Witten- 
bei^ bei Nicolaus Schirlentz aufs neue in Druck. 

Er gab die Parole: „Satan ist ein Geist, er hat weder 
Fleisch noch Bein, darumb wird man jhm nichts mit Eyse, 
oder mit der Faust thun. Wir müssen ihm die Hertzen zu- 
uor abreissen, durchs Wort der Wahrheit, das ist vnser Schwert 
vnd Faust, der niemand widerstehen kann"*). So sprach der 
Meister, imd die Jünger folgten; und von der Mitte des 
Jahrhunderts an nahmen nun die schreiblustigen protestantischen 
Pfarrer in Nord- und Mitteldeutschland einen kühnen Feder- 
krieg wider die Scharen der Lasterteufel auf. 

An der Spitze*) steht Johann Chryseus, Pfarrer 

E. A. 68, 388. 

•) 60,42; 17,210. 

") Opera laüna (her. v. Heinr. Schmidt) Frkf. a. M. 1878. 7, 654. 
— Deutsch bei Walch 14, 872. 

*) Jen. Tom. 11 fol. 118. 

*) Eine ältere, wie es scheint nicht znm Druck gelangte Schrift 
,der mittertägliche Teufel*' (Manuscript im Cod. Monao. L 971) 
die Franok AD£ 12,686 erwähnt, war mir leider nicht zugänglich. 



16 OSBORN 111 

Titinil vertreibt die Andacht aus der Kirche, sucht besonders 
die „witben, nunnen^ und „petschwestem" auf, macht sie 
hoffartig und wollüstig (was ihm immer am besten gelingt, 
wenn sie andächtig sind), Wal endlich verfuhrt zu Verleumdung 
und zu falschen Anklagen ^). 

Ahnlich ist es im Erlauer Spiel (ed. Kummer (S. 96 
bis 100), ähnlich im Friedberger (Zs. f. d. Alt. 3, 547 f.), in der 
Haller Passion (Germania 11,97); und ganz entsprechend ist 
auch in der ungefähr gleichaltrigen italienischen „Rappresen- 
tazione di Biagio Contadino" Astarot ein Geizteufel, Callabrino 
ein böser Geist, der den Glauben raubt, Tirinazzo Herrscher 
im Reiche der Betrügerei und des Verrats, Squarciaferro der 
Teufel des Aufruhrs ^). Man verband auch dies Motiv mit 
der Ständesatire, so beispielsweise im Redentiner Osterspiel'), 
und Hess die Unterteufel, die Vertreter der einzelnen Sünden, 
je einen Repräsentanten einer Berufsklasse, welche der be- 
treffenden Sünde besonders verdächtig war, vor den Herrscher 
Lucifer schleppen, indem man sich auch hier an ältere Vor- 
bilder anlehnte*). 

Auch in den Namen der Teufel fand nach französischem 
Vorbild '*) die besondere Art der Thätigkeit allmählich Ausdruck, 
und neben den Bezeichnungen ganz allgemeiner Natur, von 
denen wir eine Reihe soeben kennen lernten, neben den alten 
biblischen Namen Belial, Beizebub, Astarot und neugebildeten, 
wie Hellhunt, Lasterbalck, RüUeprüll, Störenfried u. a. •), 
u-w uio ziemlich willkürlich erfunden sind, kommen nun Teufel- 
namen auf, üia in bewusster Absicht den individuellen Charakter 

*) Wac kern eil Dio ältesten Passionsspiele in Tirol (Wien 
1887) S. 99. 

2) D'Ancona, Origim del Teatro italiano II, 56 ff. 

«) cf. Ludwig Wirth a- a. O. — Mone II, 82 ff. 

*) z. Bsp. Seifr. Helbl. VlI. V. 482 ff. ed. Seemüller S. 264, 
u. derselbe, Studien zum klein. Lu-idar. (Wien 1883) S. 109. Hier 
werden die Anführer der geschlagenen Lasterhaufen in Seelen gebannt, 
die ihnen besonders ergeben sind. 

*) Mone, Schauspiele des Mittelalters 11,27. 

•) cf. Wein hold, Gosches Jahrbuch für Litteraturgeschichte 1, 1 f. 



112 ENTSTEHUNG. 17 

ihrer Träger verraten. Die Teufel Spiegelglantz, Pedderwisch 
und Krenzlin im Spiel yon Frau Jutten nennt Mone *) mit 
Bedht „Schmuck- oder Eitelkeits-Teufel"; Krenzlin stellt sich 
noch besonders als der Teufel dar, welcher die Kränze zum 
Tanz verteilt^), und Fedderwisch erscheint als ein feder- 
geschmückter buhlerischer Dämon, als welcher er auch in 
H»:enprozessen wiederholt erwähnt ist *). Später yersammelte 
1549 das Spandauer Weihnachtsspiel *) zu einer Teufelberatung : 
Beelzebub, Pürsthetzer, Lügentrichter, Blutdurstmacher, Seel- 
mörder, Geltkratzer, Ehrsucher, Neidstifter, Blendelust und 
Leutschenderax ; Fürsthetzer und Neidstifter erscheinen dann 
auch in Bömolts „Spiel von dem grewlichen Laster der Hof- 
fart- (1563). 

Von dieser Personifikation der Laster als Teufel übertrug 
man zu gleicher Zeit diese Bezeichnung auch auf lasterhafte, 
Unheil anrichtende Menschen, die man als verkörperte Schlechtig- 
keit auftiasste und kurzweg als „Teufel" bezeichnete. So erzählt 
die „Epistola de miseria Curatorum seu Plebanorum*), 
die 1489 anonym erschien, von neun Teufeln, welche den Land- 
pfarrem das Leben sauer machen. Diese Quälgeister sind der 
„collator ecclesiae", d. h. der anmassende „Besteller" der 
Eürche. Dann der undankbare Küster, die Köchin, „per 
quam habet tot tentationes", der „vitricus ecclesiae", der 
Bauer, der, „quia nullus in eo intellectus, predicationes vitu- 
perat, contra missas longas murmurat", femer der „Officialis",. 
der Bischof, der Capellan und der „Praedicator". 



') Mone, Schauspiele I, 198. 

•) R. Haage, Dietrich Schernberg und sein Spiel von Frau 
Jutten. Karbnrger Diss. 1891. S. 69 f. 

») Soldan 1,298. 

*") Das Spandauer Weihnaohtsspiel her. von Johannes Bolte. 
Märkische Forschungen 18, 109—222. — Die Teufelversammluug im 4. Akt. 

») Berlin Kgl. Bibl. Db. 3961 — 4«. (Panzer IV, 118, 897, — 
Hain I, 2 p. 816 No. 6618). Auf der Rückseite des Titelblattes ein 
Holzschnitt, der die im Buche genannten 9 Personen zeigt ; jede einzelne 
ist mit einer Kummer versehen, entsprechend der Aufzählung im Text. 
Unter dem Bild steht: „Hi sunt diaboli vexantes plebanos". — 

2 



20 OSBORN 116 

samkeit und Wissenschaften verschlucket zu haben'^ gewidmet 
yydem grossgebohmen, grossgelahrten und hochweisen Herrn 
Peter Baron von Squentz, Erb -Herrn auf Närrisch- und 
Tollhausen'' u. s. w. ^). 

Neben dieser Bezeichnung der Lasterhaften als Narren 
traten aber auch die einzelnen Narren für die Laster selbst 
auf. So witd in Hans Sachsens groteskem Fastnachtsspiel 
„Das Narrenschneiden" (1557) der Kranke durch den 
geschickten Arzt von den Narren der Hoffart, des Geizes, des 
Neides, der Unkeuschheit, der Völlerei, des Zornes, Scheltens 
und schliesslich noch von einem ganzen „Nest" unausgebrüteter 
Narrenembryonen, den Repräsentanten aller möglicher thörichten 
und schlechten Eigenschaften, durch eine äusserst schmerzhafte, 
langwierige Operation glücklich befreit^). 

Am Ende des 16. Jahrhunderts machten die Narren noch 
eine Metamorphose ins Tierreich durch: Hasen, ursprüngUch 
Repräsentanten verliebter Buhlnarrheit, wurden die Verkörperer 
der Laster. Eine burleske ,,H äsen- Jagt: Auff welcher 
mancherley Hasen gefangen werden . . ." ^) wurde 1593 durch 

') 4^ 222 S. Berl. Kgl. Bibl. AI. 5196. 

*) (Beiläufig möchte ich bemerken, dass die kleine Zeichnung aaf 
dem im Besitz der ungarischen Landesgemäldegallerie zu Budapest be- 
findlichen Skizzenblatt Dürers (Lippmann Handzeichn. N. 184) mit 
diesen Vorstellungen jedenfalls zusammenhängt; sie stellt einen Mann 
dar, der auf einem Schubkarren von einem Narren geschoben wird, 
während eine zweite ganz kleine Narrenfigur vom Kopf bis zu den 
Hüften aus seinem weitgeöffneten Munde herausragt. Lippmanns Er- 
klärung (Bd. II, S. 29) scheint mir verfehlt ; er meint, es sei „ein dicker 
Mann, der auf eine Puppe beisst" ; aber die kleine Narrenfigur ist sicherlich 
keine Puppe, sondern offenbar äusserst lebendig und bestrebt, dem Gehege 
der Zähne des Mannes zu entfliehen; dieser aber beisst nicht, sondern 
reisst vielmehr mit einem Ausdruck von Schrecken und Verwunderung 
den Mund möglichst weit auf, um den Bewohner seines Leibes — jeden- 
falls den Repräsentanten irgend eines seiner Laster — hinaus zu lassen). 

^) „ . . . . Allen Hasirern und Leimstenglern zu sonderlichem Nutz 
in deutsche Hasenreimen gebracht und mit einem Jegerischen Hasen- 

gescbrey geziert durch " cf. Goedeke * I, 386 — Dasselbe 1629 mit 

Bildern und einem längeren „Anhang vnd Beschreibung etlicher anderer 
vomemmer Hasen". 



116 ENTSTEHUNG. 21 

,;Iiepormuin Hasenkopff Hassum Haslebiensem" eröffnet, der 
in ungeschickten E^imen die Sünder zu erlegen sucht. Ahnliche 
Schriften folgten ^). Es erscheinen der Wollust-Has, der All- 
modische Has, der grobe Has, der Sauffhas, der Zank-Has, 
der Lügenhas, der Eyfferhas, der G^lthas. Und der Buhler, der 
übermütige Bauherr, der Hoffärtige — sie alle werden zu Hasen. 
Der Eifer des jungen Luthertums aber machte sich die 
allenthalben verbreitete persönliche Auffassung der Laster zu 
Nutze imd verband die beliebt gewordene Technik mit den 
eigenen Teufelsideen. Der Protestantismus hatte die Laien 
mündig gemacht ; er hatte jeden Christen der Gottheit immittel- 
bar gegenüber gestellt ; der Geistliche stand nicht mehr zwischen 
dem Höchsten imd der Gemeinde, jedes Mitglied dieser letzteren 
war ihm gleich, war sein eigener Priester. So wuchs die 
Verantwortlichkeit des Einzelnen, der Glaube ward innerlicher, 
die Lebensauffassung tiefer und ernster. Für den Theophilus 
der alten Zeit, der sich dem Teufel verschrieben hatte, gab 
es noch eine Rettung : seine ßeue führte ihn zur Gnade ; den 
Satangenossen des strengen Jahrhimderts der Reformation, 
den Doktor Faust, riss seine Schuld erbarmimgslos in die 
Verdammnis^). Der Sündige war jetzt nicht mehr nur ein 

') Die Berliner Kgl. Bibliothek besitzt einen Miscellan-Band 4^ 
(Yy862), der folgendes enthält: 1. Centuria Thesium de Hasione 
etbasibiliqualitatev. Albertus Haselius 1598 ; eine über das doppelte 
verbreiterte lateinische Bearbeitung der H.-J. — 2. Theses dehasione 
et h. q. mit deutscher Übersetzung: „Fragen und Satzreden von der 
Haseley". — 3. Die deutsche Hasen -Jagt in Versen. — 4. Theses 
de cochleatione eiusque veneuo a contagione (41 Thesen), 
— 5. Übersetzung von 4. „Sätze ron der Leffeley sampt 
deren Eigenschafften vnd vnterschiedlichen Gattungen^ 
von „Veit Schnitzer von Kniehusen vnd Diedelmann Grotze von Lochstet" . — 

*) Sehr bezeichnend ist, dass in der Sage von Heinrich dem Löwen 
der Teufel, der ursprünglich die Rolle hatte, in aller Treue den Herzog 
von der bevorstehenden Wiedervermählung seiner Gattin zu benach- 
richtigen und ihn noch rechtzeitig zurückzubringen, dies zu verhindern, 
im Laufe der Zeit durch einen Vasallen ersetzt wurde, cf. Georg 
Thyms Gedicht Thedel v. Wallmoden (her. v. Zimmermann) 
Hallenser Neadr. N. 72. S. IX u. X. 



22 OSBORN 117 

betörter, sondern ein schlechter Mensch; die Darstellung der 
Lasterhaften als Narren erschien den Strenggläubigsten vielleicht 
gar als ein Frevel. Der schreckliche altböse Feind, mit dem 
jeder einzelne den furchtbaren Lebenskampf um die Seligkeit 
zu kämpfen hatte, trat für sie mehr in den Vordergrund, und 
von dem aUes Schlechte in sich zusammenfassenden Urteufel 
lösten sie nach den vorhandenen Mustern der firüheren Litteratur 
als Eepräsentanten der menschlichen Laster, üblen G-ewohnheiten 
und Torheiten einzelne bestimmte Spezialteufel ab, welche von 
den Spezialnarren das Namenregister mit den entsprechenden 
Änderungen übernahmen, bald neben diesen als mächtige 
Bewerber um die Gunst des lesenden grossen Publikums auf- 
traten und sie schliesslich arg in den Hintergrund drängten. 
Luther selbst ging hier nicht gerade voran, aber er wies 
doch den Weg ^). Nach seiner Auffassung hatte der Teufel ein 
gewaltiges Kaisertum (Erl. Ausg. 19, 272 ff.), imter ihm standen 
zahlreiche mächtige Fürsten und Potentaten, und jeder von 
diesen hatte wiederum einen Haufen Teufel unter sich als sein 
Hofgesinde. Er trennte dabei von den „höheren Geistern, 
die anfechten mit Unglauben, mit Verzweiflung, mit Ketzereien", 
,,geringe Teufel, die mit Hurerei, Geiz, Ehre und anderem 
dergleichen anfechten" (E. A. 6, 406). So fasst er das Buch 
Tobias als ein Drama auf, in dem Asmodeus als Hausteufel 
„alles hindert imd verderbt" (E. A. 63, 109 Vorrede zum 
Tobias). Er sieht in den Herzen der „Schwermer", die seine 
Abendmahlslehre verwarfen, ohne doch ihre Lrtümer beweisen 
zu können, den „Schewteufel, der so fleucht und fladdert, 
dass er nicht richtig antworten will" (30, 163). Er glaubt, 
die Wiedertäufer mit ihrer Lehre von der Nützlichkeit der 
guten Werke hätten einen „Werkteufel bey jnen"*); er 
kommt bei einer Vergleichung der beiden Teufelsmächte auf 
Erden , d. h. des Papstes und des „Mahmet" zu dem Resultat, 

*J siehe auch J. Franck ADB. 12, 634 ff. (Hocker). 

*) „... Der giebt glauben für vnd meinet doch das werck vnd 
föret mit dem namen vnd schein des glaubens die armen Leut auff 
trawen der Werck". Brief an zwei Pfarrherm von der Wiedertaufe. 15S8. 



118 ENTSTEHUNG. 2a 

dass der letztere vorzuziehen sei, weil er doch wenigstens von 
den ^Poltergeistern vnd Walfartstenfel" frei sei (65, 203 f.). 
Die Vielweiberei der christlichen Wiedertäufer aber fuhrt er 
entweder auf das Wirken eines „A-B-C Teuffei oder Schuel 
Teuffelin", eines „Q-rammatischen Teuffelins oder 
auf die „Praktiken" des „Q-elerten, juristischen, theo- 
logischen Teuffels" zurück*). Luther kennt Hof- und 
Fürstenteufel ^, ja er stellte sogar Nationaldämonen auf 
und erklärte: „Es muss aber ein jeglich Land seinen eignen 
Teufel haben, Welschland seinen, Frankreich seinen. Vnser 
deudscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein ynd mus 
Sa uff heissen" (39, 353). Die „Epistola de miseria Cura- 
tomm seu plebanorum" interessierte ihn, und hocherfreut über 
Sure reformatorische Tendenz, ganz besonders aber darüber, 
,^fiiis8e ausum aliquem eo tempore tantam audaciam, ut !E^i- 
scopos palam appellaret Diabolos et Tyrannos Pastorum", holte 
er sie aus halber Vergessenheit wieder hervor und gab sie, 
mit einer lateinischen Vorrede ausgestattet^), 1540 zu Witten- 
berg bei Nicolaus Schirlentz aufs neue in Druck. 

Er gab die Parole: „Satan ist ein Geist, er hat weder 
Fleisdi noch Bein, darumb wird man jhm nichts mit Eyse, 
oder mit der Faust thun. Wir müssen ihm die Hertzen zu- 
uor abreissen, durchs Wort der Wahrheit, das ist ynser Schwert 
Yud Faust, der niemand widerstehen kann"*). So sprach der 
Meister, und die Jünger folgten; und von der Mitte des 
Jahrhunderts an nahmen nun die schreiblustigen protestantischen 
Pfarrer in Nord- und Mitteldeutschland einen kühnen Feder- 
krieg wider die Scharen der Lasterteufel auf. 

An der Spitze*) steht Johann Chryseus, Pfarrer 

>) £. A. 68, 888. 

■) 80,42; 17,210. 

*) Opera laüna (her. y. Heinr. Schmidt) Frkf. a. M. 1873. 7, 654. 
-- Deutsch bei Walch 14, 872. 

*) Jen. Tom. 11 fol. 118. 

*) Eine ältere, wie es scheint nicht znm Druck gelang^ Schrift 
„der mittertägliche Teufel^ (Manuscript im Cod. Monac. L 971) 
die Franck ADB 12,686 erwähnt, war mir leider nicht zugänglich. 



94 OSBOEN 11» 

zu Allendorf in Hessen, dessen 1644 vollendetes Schau^iel 

„Hoffteuffel, das sechste Kapitel Dauielis , 

im Jahre darauf in der Lutheistadt bei Veit Creutzer zoerst 
erschien. Er ist in gerader Linie von Luther abhängig. 
Denn er ist ein Schüler Paul Bebhans, von dem er, wie 
sich noch zeigen wird, manches gelernt hat, iind der am 
sicherlich durch den in seine „Hochzeit zu Cana*' (1538) 
eingefügten Eheteufel zu der dramatischen Satansfigur au- 
geregt hat. Bebhun selbst aber hatte seine Jugend im Hanse 
des grossen Reformators zu Wittenberg verbracht '). 

Das Stück hatte grossen Srfolg und errang eine solche 
Beliebtheit, dasa es noch im Jahre 1623 aufgeführt wurde*): 
indessen die Einführung eines Spezialteufels und der originelle 
Gredanke, seinen Namen zum Titel eines. Buches zu machen, 
fand vorerst keine Nachahmer. Als Dramatiker blieb Chryseua 
in der ganzen Teufellitteratur auf lange Zeit hinaus der einzige. 
Aber gerades Weges von Luther aus hatte der Teufel schon 
in die Eöpfe der anderen protestantischen Pfarrer Beinen 
Einzug gehalten. So eiferte im Jahre 1551 in der Thomas- 
kirche zu I^eipzig Erasmus Sarcerius*), der eitrigB 
Kämpe für die Sache Luthers, der auf seiueu Irrfahrten vor j 
kurzem dorthin gekommen war, „wider das Teuflische ■ 
ordentliche vnd viehische Leben, so man die Fastnächte 

■) Palm, Sebhuns Dr&iuea (L. V. 4») Stuttg. 

*) Bolte, Uärkiscbe Forgchuogea 18,904. 

■) SarceriuB ward 1501 in Aonaberg in .Ssobsei 
dem Schulbesuch in seiner Vaterstadt und in Preiberg 
Leipzig und Wittenberg, wo er Lutber kennen lerute- 
Konrektor in Eostock und Lübeck, wo er sich an Herrn) 
■nschloaa. Darauf wurde er Schulrektor zu Wien und 
keiten trieben ihn wieder nach dem Norden; in Lübeck 
wieder, 1686 taucht er in Siegen im Nwsaoisohen (luf, 16«: 
PaJtiir nath Leipzig, aber 1668 ist er schon wii 
in Eisleben und 1659 schliesslich Prediger ui lier J. 
Magdeburg, wo er noch in demselben Jahre starb. 
Tilemann HcBshuaiiw. — Siehe Moller, Oimbria litl 
llSSff. — Hamelmann, Op. Gen.-hi«t. S. B88, 977, 




ENTSTEHUNG. 



liess diese Predigt bald darauf in Druck 
nd in demselbeo Jahre trat, völlig unabhängig 
; . der Pfarrer Mattheus Friederich aus 
Schlesien mit seinem „Sauffteufel" herror. 
r als Sohn eines Fleischhauers in QÖrlitz geboren 
>iu Amt in Schönberg seit 1545; »on da kam 
:h Görenz, wo er 1559 starb '). Er hat sich 
.schöne neue geistliche Lieder", die 1656 zu 
0. erschienen, in der Geschichte des prot«Btan- 
leuliedes einen Namen gemacht^), und durch 
eufel'' wurde er, weuu nicht der Führer, so doch 
vou dem beiseite stehenden Ghryseus abgesehen 
if blühenden Teufe llitteratur. Ebenso wie dort 
1 hier unmittelbar an Luther selbst an, wie ee 
leiner Widmung an seinen „Lehnherrn" Eraemua 
lervorgeht. „Viel haltens dafür", heisst es da, 
ich Laudt seinen Landteufel, ein yegkliche Stat 
;1, ein yegklich I>or£f seinen Dorffteufel, ein 
rrenhof seinen Hofteufel, ein yegkliches Hausa 
eufel, Ja auch wol ein yegkUcher Standt, ein 
11 Teufel hal), der sie zu siinden 
t sihet da^ ein Landt, ein Statt, 
'udt üinuin Laster sonderlich 
k 1)10 hat Teutsch- 
(?ilich ye Tund ye 
1 Ttjutschen tag vnd 
■ ruhe lesst, wir seind 
^ Luthers oben (S. 23) 
. ^ I |j kein Zweifel bleibe, 

" W.^- iturfl seiner Schrift noch 

auch schon in der 

^<lr. Otto, Lexikon der 

und jetzt lebenden obar- 

■liu 1900. 1,367. 

1221.29. 




» :£a»:3S i»i 

inux9f± TrzücirserKrxr mr ii mt EtrhiTM coogen wordeD, 
nuc Fr»ft»r7!iL ». -«rif -wr fctfSBr uMä d» nüieren sehen 
vwräfli. nr: Cüser «eiäF «Hb T irM S -vsr. ^B aack Ideraiis An- 

Ez. -r^c irn. 2»«>aL ixt amoeni«- KÄeädertrftdit Terfuster 
J"Iriri»r T^i KrA.T»Ki-5FD»L*- öbt ira zsficsdinebeD worden 
K ' . ir. i=r?«&2§ n 'Sr:«Si«!£'RL. TZii die Naduicht könnte 

FiürixaLf rf«ei d>f Mode aber nahm bald ein 



aM^r^ Mikzx da^ S!^:v--«n £we=. dee Satan in seine kräftige 
Faoft. :i3i oh dert^d Hi-e^be^ dnniaschlafen. Es war der 
bekannt«: Pfurcr s&i Fp>feä6»:-r la Frankfort a. O. Andreas 
Ma^cnlü«. eine kn->rTin. strmhare Tlieologengestaltt an- 
ennüdlicb im Eiferc \jjA im Kämpfen, ein echtes Kind sein^ 
bewegten Zeit, dessen lebendiger, eneripischer nnd oft polternder 
Ton prächtig zn den durchdringenden, ingrimmigen Angen, 
za den scharfen Zögen nnd den starken Knochen seines Ge* 
sichts passte*^ Mnscolos. der im Jahre 1514 als Sohn des 
angesehenen Bürgers Johannes Mensel xn Schneeberg in 
Sachsen das Licht der Welt erblickte and seinen Namen nach 
dem Muster des lothringischen geistlichen Liederdichters 
Wolfgang Mascalas (eigentlich Meösslin oder Mosel) latinisiert 
haben mag. genoss seinen ersten Unterricht in dem tüchtigen 
G3r7nna8iam seiner Vaterstadt, welchem Hieronymos Weller 
als Rektor vorstand. Schneeberg gehörte zn dem Gebiet des 
lutherfeindlichen Herzogs Oeorg und so ward der junge Mua- 
culuB zunächst im alten Glauben erzogen. Aber als Student 
in Leipzig, wo sich trotz aller Bemühungen des Herzogs die 
neue Lehre Eingang verschafft hatte, ward er bald schwan- 
kenrl, und als er bei der Rückkunft in seine inzwischen durch 
den Vertrag von Grimma an Johann Friedrich übergegangene 

'J Otto, a. a. 0, ohne nähere Angaben. 

*) (y h r. Wi 1 h. Spicker, Lebensgeschichte des Andreas MoscoUis 
Vt. fi. (). 1858, brinjrt nach Becmanns Not. lit. Univ. Francot 
(p. 8H 9S über Muse.) ein Bildnis von ihm, das früher in der Oberkirohe 
•zu Krkf. u. (), aufgesti»llt war. 



122 ENTSTEHUNG. 27 

Vaterstadt hier den Protestantismus im fröhlichen Aufblühen 
sah, bekannte er sich ganz und gar zu dem Glauben Luthers, 
dem er Zeit seines Lebens in unwandelbarer Treue und mit 
unermüdlicher Begeisterung ergeben blieb. Das Interesse für 
die Sache der Reformation zog den jungen Protestanten als- 
bald nach dem Mittelpunkt der religiösen Bewegimg, nach 
Wittenberg, wo unter anderen Luther selbst sein Lehrer 
ward. Zu seiner Persönlichkeit vor allem fühlte er sich hin- 
gezogen und für ihn bewahrte er bis an sein Ende eine 
grenzenlose Liebe und Verehrung. Trotzdem trat er in den 
Streitigkeiten zwischen Luther und Melanchthon einerseits und 
dem eigensinnigen Antinomisten Johannes Agricola andererseits, 
die am Ende der 30er Jahre in Wittenberg auf's neue ent- 
brannten, auf die Seite des letzteren^), und als Agricola, der 1640 
nach Berlin ging und der Hofprediger Joachims U. wurde, 
aach den brauchbaren Genossen aufforderte, Brandenburg mit 
Sachsen zu vertauschen, ging Musculus seinem Wunsch ent. 
sprechend 1542 *) nach Frankfurt a. 0., um dort neben seinem 
geiatiichen Beruf auch der Universität seine Kräfte zu widmen. 
Li Prankfurt, wo er nun bis zum Ende seines Lebens, dem 
29. Sept. 1588, blieb, war der kampflustige Mann ununter- 
brochen in Streitigkeiten aller Art verwickelt, in denen er 
stets seine einmal gefasste Ansicht mit fanatischem Eifer vertrat 
und niemals einen Finger breit vom Platze wich. Zänkereien 
mit dem Magistrat wechselten mit theologischen Zwistigkeiten^), 
und mit besonders erbitterter Leidenschaftlichkeit führte er 
lange Jahre hindurch eine heisse Fehde gegen seinen Kollegen 
in der theologischen Fakultät, den Professor Abdias Praeto- 
rios und dessen Lehre von der Nothwendigkeit der guten 
Werke, — ein Kampf, der auch nicht endete, als der Gegner, 
des Streites müde, Frankfurt verliess. Gegen den Willen der 



*) Spieker S. 10. 

*) Die Jahreszahl 1542 ergiebt sich aus der Vorrede zum „Ehe- 
tenfel" (s. u.), wo er — im Jahre 1656 — sagt, dass er nun 14 Jahre 
zn Franküirt im Amt sei. 

•) Spieker S. 48ff.~114. 



ifi *yaaiORS 183 

Obrigkeit a^Mzce Mnaeuins hier neue kircfalidie Unterbeamte 
ein. jagte er dort ein paar undere. üe iIldl nicbt passten, 
aas tiem Amt: wütend griff er jedoi an. der anderer Meinnng 
war jds er. sceietcentlicli auch. Melanchthon and die Witten- 
beiger M. Die Polemik war sein eig^itlidbes fUementy nnd 
schien wirkiicii der Fonke des Streites einmal zn Ter]glimmai, 
so nmce er oiciLt ä-üher. -jiä bis er ihn dnrch eine in der 
Hicze der Bede hinge wy>ci3ene bisage Bemerkung wieder in 
hellen Flammen angecicht hatte. Er war ein starrer, dnrchiiii 
mamilicher Charakter, and es ist kein Zufall, dass er in 
allen seinen Sciiriiten ort von seinem Vater, aber niemals roo 
seiner Mutter spricht-'». UbenJl zeigt er sich als eine rex^ 
schrobene. eigensinnige, fcimpfeslüsteme Persönlichkeit, wie 
sie nor jene tnuiiilniaritiche . gährende Zeit henrorbringen 
konnte, aber doch stets als eine ganze Persönlichkeit; er ist 
keiner von der grossen Herde, wenn er sich auch wie w 
viele seiner Genossen neben dem grossen Vorbild, der BiesOH 
tigur Martin Lathers noch immer recht klein ausnimmt. 

Za den mannigfachen Zügen in Wesen und Charakter. 
die Musculus trotzdem zweitellos mit Luther gemein hatte, 
gehörte auch seine Anschauung v^om Teufel und seiner Stellung 
im WeltalL Sicherlich hatte schon sein erster Lehrer Büero- 
nvmus Weller, der sein ganzes Leben hindurch so viel mit 
dem Teufel zu thun hatte, dass man auf seinen Grabstein 
die Worte setzte: «Wellerus Satanae vexatus saepius asttt*, 
in diesem Punkte auf ihn gewirkt und den Grund zu seinem 
später so stark ausgebildeten Teufelsglauben gelegt. Der 
Aufenthalt in Wittenberg, der persönliche Verkehr mit Luther, 
das Studium seiner Schriften thaten dann das ihrige, und der 
Satan erscheint von nun ab fortwährend in Musculus' Predigten 
und Schriften. Wie Luther ist auch er von allerlei Teufels- 
spuk geplagt, des Nachts im Bett wird er von bösen Geistern 
gequält und selbst auf der Kanzel ist er vor den fürchter- 
lichen Anfechtungen nicht sicher. 

') Spieker 8. lllff. 

*) Spieker a. a. 0. S. 2. 



184 ENTSTEHUNG. 29 

In Frankfurt war 1551 Friederichs Saufteufel zuerst 
erscbieneD, ebenda 1555 die zweite Auflage^ und als nun 
Musculus in eben diesem Jahre durch ein äusseres Ereignis, 
von dem noch die Rede sein wird, veranlasst wurde, gegen die 
neue Tracht der „Pluderhosen^ anzukämpfen, da schuf er sich, 
yielleicht mit Anlehnung an Friederichs Buch, für die modische 
Sfinde einen eigenen Dämon und hielt am Tage der Himmel- 
&hrt Mariae seine berühmt gewordene Predigt wider den 
„Hosenteuff el^. Kurz darauf liess er dies homiletische 
Kuriosum in Frankfurt drucken und hatte damit einen grossen 
ESrfolg. Noch in demselben Jahr erschien eine zweite Auf- 
lage, im folgenden bereits eine dritte und zugleich begann 
die lange Reihe auswärtiger Nachdrucke. 

Der Beifall, den er fand, machte ihm Mut, und so nahm 
er das Schwert in die Faust und zog gleich im Frühling 1556 
gegen den Fluchteufel zu Felde; im Herbst dieses Jahres 
gab er dann noch ein Buch „Wider den Eheteuffel" 
und eine zusammenfassende Darstellung vom Satan und seinem 
Reiche unter dem Titel „Von des Teuffels Tyranney" 
heraus. 

Die Teufelbücher des Frankfurter Predigers mussten 

wirken, sein kerniger, kräftiger Stil auf Hörer wie Leser 

liindruck machen. Wenn er die Sünde geisselte und die 

Strafen des Himmels verkündete, so war er freilich nicht so 

tief ergreifend wie Luther, aber doch immer mächtig packend 

und voller Wucht, und wenn der ernste Predigerton, was oft 

geschah, ins Volksmässig-gemütliche, ins Komische überging 

oder gar, was auch nicht fehlte, ins Burleske umschlug, so 

war er des allgemeinen Beifalls erst recht sicher. 

Musculus löste den protestantischen Pfarrern, die etwas 
^ sagen hatten oder dies wenigstens glaubten, die Zunge, 
^d mit der Bildung neuer Spezialteufel hatte schon Friederich 
ein Beispiel gegeben, wenn er schrieb *): „Wenn nu der Sauf- 
teuffel einen Menschen eynnimpt so sind die andern Laster- 

Theatr. DiÄbol. 1676 (Fol. 274). 



22 OSBORN 117 

betörter, sondern ein schlechter Mensch; die Darstellung der 
Lasterhaften als Narren erschien den Strenggläubigsten vielleicht 
gar als ein Frevel. Der schreckliche altböse Feind, mit dem 
jeder einzelne den furchtbaren Lebenskampf um die Seligkeit 
zu kämpfen hatte, trat für sie mehr in den Vordergrund, und 
von dem alles Schlechte in sich zusammenfassenden ürteufel 
lösten sie nach den vorhandenen Mustern der firüheren Litteratur 
als Repräsentanten der menschlichen Laster, üblen G-ewohnheiten 
und Torheiten einzelne bestimmte Spezialteufel ab, welche von 
den Spezialnarren das Namenregister mit den entsprechenden 
Änderungen übernahmen, bald neben diesen als mächtige 
Bewerber um die Gunst des lesenden grossen Publikums auf- 
traten und sie schliesslich arg in den Hintergrund drängten. 
Luther selbst ging hier nicht gerade voran, aber er wies 
doch den Weg ^). Nach seiner Auffassung hatte der Teufel ein 
gewaltiges Kaisertum (Erl. Ausg. 19, 272 ff.), imter ihm standen 
zahlreiche mächtige Fürsten imd Potentaten, und jeder von 
diesen hatte wiederum einen Haufen Teufel unter sich als sein 
Hofgesinde. Er trennte dabei von den „höheren G^ei8tem, 
die anfechten mit Unglauben, mit Verzweiflung, mit Ketzereien'% 
,,geringe Teufel, die mit Hurerei, Geiz, Ehre und anderem 
dergleichen anfechten" (E. A. 6,406). So fasst er das Buch 
Tobias als ein Drama auf, in dem Asmodeus als Haus teuf el 
„alles hindert und verderbt" (E. A. 63, 109 Vorrede zum 
Tobias). Er sieht in den Herzen der „Schwermer", die seine 
Abendmahlslehre verwarfen, ohne doch ihre Lrtümer beweisen 
zu können, den „Schewteufel, der so fleucht und fladdert, 
dass er nicht richtig antworten will" (30, 163). Er glaubt, 
die Wiedertäufer mit ihrer Lehre von der Nützlichkeit der 
guten Werke hätten einen „Werkteufel bey jnen"*); er 
kommt bei einer Vergleichung der beiden Teufelsmächte auf 
Erden , d. h. des Papstes und des „Mahmet" zu dem Kesultat, 

»J siehe auch J. Franck ADB. 12, 534 ff. (Hocker). 

•J „... Der giebt glauben für vnd meinet doch das werck vnd 
füret mit dem namen vnd schein des glauben s die armen Leut auff 
trawen der Werck**. Brief an zwei Pfarrherm von der Wiedertaufe. 15Ä8. 



118 ENTSTEHUNG. 23 

dass der letztere vorzuziehen sei, weil er doch wenigstens von 
den „Poltergeißtem vnd Walfartstenfel" ifrei sei (65, 203 f.). 
Die Vielweiberei der christlichen Wiedertäufer aber fuhrt er 
entweder auf das Wirken eines „A-B-C Teuf fei oder Schuel 
Teuffelin", eines „G-rammatischen Teuffelins oder 
auf die „Praktiken" des „Gelerten, juristischen, theo- 
logischen Teuffels" zurück*). Luther kennt Hof- und 
Pürstenteufel*), ja er steDte sogar Nationaldämonen auf 
und erklärt«: „Es muss aber ein jeglich Land seinen eignen 
Teufel haben, Welschland seinen, Frankreich seinen. Vnser 
deudscher Teufel wird ein guter Weinschlauch sein ynd mus 
Sau ff heissen" (39, 353). Die „Epistola de miseria Cura- 
torum seu plebanorum" interessierte ihn, und hocherfreut über 
Sure reformatorische Tendenz, ganz besonders aber darüber, 
„fuisse ausum aliquem eo tempore tantam audaciam, ut !E^i- 
scopos palam appellaret Diabolos et Tyrannos Pastorum", holte 
er sie aus halber Vergessenheit wieder hervor und gab sie, 
mit einer lateinischen Vorrede ausgestattet^), 1540 zu Witten- 
berg bei Nicolaus Schirlentz aufs neue in Druck. 

Er gab die Parole: „Satan ist ein Geist, er hat weder 
fleisch noch Bein, darumb wird man jhm nichts mit Eyse, 
oder mit der Faust thun. Wir müssen ihm die Hertzen zu- 
uor abreissen, durchs Wort der Wahrheit, das ist ynser Schwert 
vnd Faust, der niemand widerstehen kann"*). So sprach der 
Meister, und die Jünger folgten; und von der Mitte des 
Jahrhunderts an nahmen nun die schreiblustigen protestantischen 
Pfarrer in Nord- und Mitteldeutschland einen kühnen Feder- 
krieg wider die Scharen der Lasterteufel auf. 

An der Spitze*) steht Johann Chryseus, Pfarrer 

') £. A. 68, 888. 

•) «0,42; 17,210. 

*) Opera laüna (her. v. Heinr. Schmidt) Frkf. a. M. 1878. 7, 654. 
— Deutsch bei Walch 14, 872. 

*) Jen. Tom. 11 fol. 118. 

*) Eine ältere, wie es scheint nicht zum Druck gelang^ Schrift 
„der mittertägliche Teufel" (Manuscript im Cod. Monac. L 971) 
die Franek ADB 12,686 erwähnt, war mir leider nicht zugänglich. 



24 OSßORN 119 

zu Allendorf in Hessen, dessen 1644 vollendetes Schauspiel 
„Hoffteuffel, das sechste Kapitel Danielis . . . .„ 
im Jahre darauf in der Lutherstadt bei Veit Creutzer zuerst 
erschien. Er ist in gerader Linie von Luther abhängig. 
Denn er ist ein Schüler Paul Rebhuns, von dem er, wie 
sich noch zeigen wii*d. manches gelernt hat, und der ihn 
sicherlich durch den in seine „Hochzeit zu Cana** (1638) 
eingefügten Eheteufel zu der dramatischen Satansfigur an- 
geregt hat. E^bhim selbst aber hatte seine Jugend im Hause 
des grossen Reformators zu Wittenberg verbracht *). 

Das Stück hatte grossen Erfolg und errang eine solche 
Beliebtheit, dass es noch im Jahre 1623 aufgeführt wurde-); 
indessen die Einfiihrung eines Spezialteufels \md der originelle 
Gedanke, seinen Namen zum Titel eines. Buches zu machen, 
fand vorerst keine Nachahmer. Als Dramatiker blieb Chryseus 
in der ganzen TeufeDitteratur auf lange Zeit hinaus der einzige. 
Aber gerades Weges von Luther aus hatte der Teufel schon 
in die Köpfe der anderen protestantischen Pfarrer seinen 
Einzug gehalten. So eiferte im Jahre 1661 in der Thomas- 
kirche zu Leipzig Erasmus Sarcerius*), der eifrige 
Kämpe für die Sache Luthers, der auf seineu Irrfahrten vor 
kurzem dorthin gekommen war, „wider das Teuflische vn- 
ordentliche vnd viehische Leben, so man die Fastnachtszeit 



») Palm, Rebhuns Dramen (L. V. 49) Stuttg. 1859. Nachwort — 

•) B o 1 1 e , Märkische Forschungen 18, 204. 

") Sarcerius ward 1601 in Annaberg in Sachsen geboren; nach 
dem Schulbesuch in seiner Vaterstadt und in Freiberg studierte er in 
Leipzig und Wittenberg, wo er Luther kennen lernte. Dann wurde er 
Konrektor in Rostock und Lübeck, wo er sich an Hermannus Bonnus 
anschloss. Darauf wurde er Schulrektor zu Wien und Graz. Streitig^- 
keiten trieben ihn vrieder nach dem Norden; in Lübeck finden wir ihn 
wieder, 1536 taucht er in Siegen im Nassauischen auf, 1549 kam er als 
Pastor nach Leipzig, aber 1558 ist er schon wieder als Superintendent 
in Eisleben und 1559 schliesslich Frediger an der Johanniskirche zu 
Magdeburg, wo er noch in demselben Jahre starb. Sein Nachfolger war 
Tilemann Hesshusius. — Siehe Mo Her, Cimbria litterata 11, 759 ff.. 
1188 ff. — Hamelmann, Op. Gen.-hiBt. S. 333, 977, 826, 877. 



120 ENTSTEHUNG. 25 

treibt'', und Hess diese Predigt bald darauf in Druck 
erscheinen; und in demselben Jahre trat, völlig unabhängig 
von Chryseus, der Pfarrer Mattheus Friederich aus 
Schönberg in Schlesien mit seinem ,,Sauffteufel^ hervor. 
Friederich war als Sohn eines Fleischhauers in Görlitz geboren 
und versah sein Amt in Schönberg seit 1545; von da kam 
er später nach Görenz, wo er 1559 starb ^). Er hat sich 
durch zwei ^«schöne neue geistliche Lieder^, die 1556 zu 
Frankfurt a. O. erschienen, in der Geschichte des protestan- 
tischen Eorchenliedes einen Namen gemacht^), und durch 
seinen „Sauffteufel" wurde er, wenn nicht der Führer, so doch 
der erste — von dem beiseite stehenden Chryseus abgesehen 
— in der aufblühenden Teufellitteratur. Ebenso wie dort 
lehnte er sich hier unmittelbar an Luther selbst an, wie es 
deutlich aus seiner Widmimg an seinen „Lehnherm^ Erasmus 
von Künritz hervorgeht. „Viel haltens dafür", heisst es da, 
„dz ein yegklich Landt seinen Landteufel, ein yegkliche Stat 
iren Statteufel, ein yegklich Dorff seinen Dorflffceufel, ein 
yegklicher Herrenhof seinen Hofteufel, ein yegkliches Hauss 
seinen Haussteufel, Ja auch wol ein yegklicher Standt, ein 
yegklich Mensch seinen eygnen Teufel hab, der sie zu Sünden 
reytzet vnnd plaget, wie man sihet das ein Landt, ein Statt, 
ein Hauss, ein Mensch mit yrgendt einem Laster sonderlich 
mehr angefochten würdt denn andere. Also hat Teutsch- 
land vor anderen Ländern sonderlich ye vnnd ye 
den Sauffteufel gehabt, der vus Teutschen tag vnd 
nacht zum Sauflfen treybet vnd vns keine ruhe lesst, wir seind 
denn voll vnd toll". Das klingt ganz wie Luthers oben (S. 23) 
erwähnte Darstellung, und damit nur ja kein Zweifel bleibe, 
hat Friederich diese Worte des Meisters seiner Schrift noch 
am Ende beigegeben. 

Ausserdem aber war der Teufel aucb schon in der 



») Schulte ADß. 7,390. — Gottl. Friedr. Otto, Lexikon der 
feit dem fünfsehenden Jahrhundert verstorbenen und jetzt lebenden ober- 
lauflitsischen Schriftsteller und Künstler. Görlitz 1800. 1, 367. 

*) Wakernagel lU. S. 1048f. No. 1221.22. 



36 OSBORN ISl 

früheren Trinklitteratur mit in die Debatte gezogen worden, 
und Friederich; der, wie wir später noch des näheren sehen 
werden, mit dieser sehr vertraut war, hat auch hieraus An- 
regungen zu seinem ,,Sauffteufel^ geschöpft. 

Ein von ihm gegen die moderne Kleidertracht verfasster 
„Pluder imd Krausenteufel", der ihm zugeschrieben worden 
ist^), ist nirgends zu entdecken, und die Nachricht könnte 
leicht auf einer Verwechslung beruhen. 

In einem Feldzug gegen die Mode aber nahm bald ein 
anderer Mann das Schwert gegen den Satan in seine kräftige 
Faust, um mit derben Hieben dreinzuschlagen. Es war der 
bekannte Pfarrer und Professor zu Frankfurt a.0. Andreat 
Musculus, eine knorrige, streitbare Theologengestaltt un- 
ermüdlich im Eifern und im Kämpfen, ein echtes Kind seiner 
bewegten Zeit, dessen lebendiger, energischer und oft polternder 
Ton prächtig zu den durchdringenden, ingrimmigen Augen, 
zu den scharfen Zügen und den starken Knochen seines Qe^ 
sichts passte^). Musculus, der im Jahre 1614 als Sohn des 
angesehenen Bürgers Johannes Meusel zu Schneeberg in 
Sachsen das Licht der Welt erblickte und seinen Namen nach 
dem Muster des lothringischen geistlichen Liederdichters 
Wolfgang Musculus (eigentlich Meüsslin oder Mosel) latinisiert 
haben mag, genoss seinen ersten Unterricht in dem tüchtigen 
Gymnasium seiner Vaterstadt, welchem Hieronymus Weiler 
als Eektor vorstand. Schneeberg gehörte zu dem Gebiet des 
lutherfeindlichen Herzogs Georg und so ward der junge Mus- 
culus zunächst im alten Glauben erzogen. Aber als Student 
in Leipzig, wo sich trotz aller Bemühungen des Herzogs die 
neue Lehre Eingang verschafft liatte, ward er bald schwan- 
kend, und als er bei der Rückkunft in seine inzwischen durch 
den Vertrag von Grimma an Johann Friedrich übergegangene 

') Otto, a. a. 0, ohne nähere Angaben. 

^) Chr. Wi 1 h. S p i e k e r , Lebensgeschichte des Andreas Mascalas 
Fr. a. 0. 1868, bringt nach Becmanns Not. lit Univ. Francof. 
(p. 88—92 über Muse.) ein Bildnis von ihm, das früher in der Oberkirohe 
zu Frkf. a. 0. aufgestellt war. 



122 ENTSTEHUNG. 27 

Vaterstadt hier den Protestantismus im fröhlichen Aufblühen 
sah, bekannte er sich ganz und gar zu dem Glauben Luthers» 
dem er Zeit seines Lebens in unwandelbarer Treue und mit 
unermüdlicher Begeisterung ergeben blieb. Das Interesse für 
die Sache der Reformation zog den jungen Protestanten als- 
bald nach dem Mittelpunkt der religiösen Bewegung, nach 
Wittenberg, wo unter anderen Luther selbst sein Lehrer 
ward. Zu seiner Persönlichkeit vor allem fühlte er sich hin- 
gezogen und für ihn bewahrte er bis an sein Ende eine 
grenzenlose Liebe und Verehrung. Trotzdem trat er in den 
Streitigkeiten zwischen Luther und Melanchthon einerseits und 
dem eigensinnigen Antinomisten Johannes Agricola andererseits, 
die am Ende der 30er Jahre in Wittenberg auf's neue ent- 
brannten, auf die Seite des letzteren^), und als Agricola, der 1540 
nach Berlin ging und der Hofprediger Joachims II. wiirde, 
auch den brauchbaren Genossen aufforderte, Brandenburg mit 
Sachsen zu vertauschen, ging Musculus seinem Wunsch ent. 
sprechend 1542 ^) nach Prankfurt a. 0., um dort neben seinem 
geistlichen Beruf auch der Universität seine Kräfte zu widmen. 
In Frankfurt, wo er nun bis zum Ende seines Lebens, dem 
29. Sept. 1588, blieb, war der kampflustige Mann ununter- 
brochen in Streitigkeiten aller Art verwickelt, in denen er 
stets seine einmal gefasste Ansicht mit fanatischem Eifer vertrat 
und niemals einen Finger breit vom Platze wich. Zänkereien 
mit dem Magistrat wechselten mit theologischen Zwistigkeiten^), 
und mit besonders erbitterter Leidenschaftlichkeit führte er 
lange Jahre hindurch eine heisse Fehde gegen seinen Kollegen 
in der theologischen Fakultät, den Professor Abdias Praeto- 
rius und dessen Lehre von der Nothwendigkeit der guten 
Werke, — ein Kampf, der auch nicht endete, als der Gegner, 
des Streites müde, Frankfiirt verliess. Gegen den Willen der 



Spieker S. 10. 

*) Die Jahreszahl 1642 ergiebt sich aus der Vorrede zum „Ehe- 
teufel" (s. u.), wo er — im Jahre 1666 — sagt, dass er nun 14 Jahre 
zn Frankfurt im Amt sei. 

•) Spieker S. 48ff.— 114. 



28 OSBORN 123 

Obrigkeit setzte Musculus hier neue kirchliche ünterbeamte 
ein, jagte er dort ein paar andere, die ihm nicht passten, 
aus dem Amt ; wütend griff er jeden an, der anderer Meinimg 
war als er, gelegentlich auch Melanchthon und die Witten- 
berger ^). Die Polemik war sein eigentliches Element, und 
schien wirklich der Funke des Streites einmal zu yerglimmen, 
so ruhte er nicht früher, als bis er ihn durch eine in der 
Hitze der Rede hingeworfene bissige Bemerkung wieder za 
hellen Flammen augefacht hatte. Er war ein starrer, durchaus 
männlicher Charakter, und es ist kein Zufall, dass er in 
allen seinen Schriften oft von seinem Vater, aber niemals von 
seiner Mutter spricht^). Überall zeigt er sich als eine ver- 
schrobene, eigensinnige, kampfeslüsteme Persönlichkeit, wie 
sie nur jene tumultuarische , gährende Zeit hervorbringen 
konnte, aber doch stets als eine ganze Persönlichkeit; er ist 
keiner von der grossen Herde, wenn er sich auch wie so 
viele seiner Genossen neben dem grossen Vorbild, der Riesen- 
figur Martin Luthers noch immer recht klein ausnimmt. 

Zu den mannigfachen Zügen in Wesen und Charakter. 
die Musculus trotzdem zweifellos mit Luther gemein hatte, 
gehörte auch seine Anschauung vom Teufel und seiner Stellung 
im Weltall. Sicherlich hatte schon sein erster Lehrer Hiero- 
nymus Weller, der sein ganzes Leben hindurch so viel mit 
dem Teufel zu thun hatte, dass man auf seinen Grabstein 
die Worte setzte: „Wellerus Satanae vexatus saepius astu", 
in diesem Punkte auf ihn gewirkt und den Grund zu seinem 
später so stark ausgebildeten Teufelsglauben gelegt. Der 
Aufenthalt in Wittenberg, der persönliche Verkehr mit Luther, 
das Studium seiner Schriften thaten dann das ihrige, und der 
Satan erscheint von nun ab fortwährend in Musculus' Predigten 
und Schriften. Wie Luther ist auch er von allerlei Teufels- 
spuk geplagt, des Nachts im Bett wird er von bösen Geistern 
gequält und selbst auf der Kanzel ist er vor den fürchter- 
lichen Anfechtungen nicht sicher. 

*) Spieker S. Ulff. 

«) Spieker a. a. 0. S. 2. 



124 ENTSTEHUNG. 29 

In Prankfurt war 1551 Priederichs Saufteufel zuerst 
erschienen, ebenda 1555 die zweite Auflage, und als nun 
Musculus in eben diesem Jahre durch ein äusseres Ereignis, 
Yon dem noch die Rede sein wird, veranlasst wurde, gegen die 
neue Tracht der „Pluderhosen^ anzukämpfen, da schuf er sich, 
vielleicht mit Anlehnung an Priederichs Buch, für die modische 
Sünde einen eigenen Dämon und hielt am Tage der Himmel- 
£Ekhrt Mariae seine berühmt gewordene Predigt wider den 
„Hosenteuff el^. Kurz darauf liess er dies homiletische 
Kuriosum in Prankfurt drucken und hatte damit einen grossen 
Erfolg. Noch in demselben Jahr erschien eine zweite Auf- 
lage, im folgenden bereits eine dritte und zugleich begann 
die lange Reihe auswärtiger Nachdrucke. 

Der Beifall, den er fand, machte ihm Mut, und so nahm 
er das Schwert in die Paust und zog gleich im Prühling 1556 
gegen den Pluchteufel zu Pelde; im Herbst dieses Jahres 
gab er dann noch ein Buch „Wider den Eheteuffel" 
und eine zusammenfassende Darstellung vom Satan und seinem 
Reiche unter dem Titel „Von des Teuffels Tyranney" 
heraus. 

Die Teufelbücher des Prankfurter Predigers mussten 
wirken, sein kerniger, kräftiger Stil auf Hörer wie Leser 
Eindruck machen. Wenn er die Sünde geissei te und die 
Strafen des Himmels verkündete, so war er freilich nicht so 
tief ergreifend wie Luther, aber doch immer mächtig packend 
und voller Wucht, und wenn der ernste Predigerton, was oft 
geschah, ins Volksmässig-gemütliche, ins Komische überging 
oder gar, was auch nicht fehlte, ins Burleske umschlug, so 
war er des allgemeinen Beifalls erst recht sicher. 

Musculus löste den protestantischen Pfarrern, die etwas 
zu sagen hatten oder dies wenigstens glaubten, die Zunge, 
und mit der Bildung neuer Spezialteufel hatte schon Priederich 
ein Beispiel gegeben, wenn er schrieb ^): „Wenn nu der Sauf- 
teuffel einen Menschen eynnimpt so sind die andern Laster- 



>) Theatr. Diabol. 1575 (Fol. 274). 



30 OSBORN 186 

teuffei auch nicht weit von ihm. Als da sind der Hoffarts- 
teuffel, Zornteuffel, Lästerteuffel, Fluchteuffel, 
Traurteuffel, Neidteuffel, Hasszteuffel, Mord- 
teuffel, Hohnteuffely Schmachteuffel, Schand- 
teuffel, Hurenteuffel, Geitzteuffel, Diebsteuffel, 
Wucherteuffel, Prassteuffel, Spielteuffel, Hader- 
teuffei, Lügenteuffel und dergleichen". 

Hiermit war förmlich ein Programm aufgestellt für eine 
kommende Teufellitteratur, und als nun der grosse Erfolg Ton 
Musculus' Traktaten bekannt wurde^ griffen die Pastoren aller 
Orten sich aus dem höllischen Gesinde einen besonderen O&mon 
heraus^ und versuchten mit der Darstellung seiner Eigen- 
schaften imd seiner Macht, sowie der Mittel, durch die ihm 
zu begegnen sei, ihr litterarisches Glück. Oft sind es Männer, 
über deren Lebensumstände kaum etwas zu ermitteln ist; 
daneben rührige Theologen, die sich in den kirchlichen Elämpfen 
der Zeit munter herumtummelten, und die ihr wechselvoUes 
Leben, wie wir das bei Sarcerius (S. 24. Anm. 3) sahen, T<m 
Stadt zu Stadt, von Land zu Land führte; dann wieder treffen 
wir Namen an, welche uns von andern Gebieten her woU 
vertraut sind. Sie alle wetteifern mit einander im Kampf 
gegen den Satan, einer beruft sich auf das Beispiel des andern, 
und jeder erklärt, auch er wolle zur Befreiung der Welt von 
ihrem Feinde sein Scherflein beitragen. 

Im Anschluss an die äussere Einrichtung der von Luther 
herausgegebenen „Epistola" erschien 1557 „Von den zehen 
Teufeln oder Lastern, damit die bösen vnartigen 
Weiber besessen sind", eine Darstellung der weiblichen 
Cardinaluntugenden und Tugenden in Keimpaaren von Nicolaus 
Schmidt. Sonst aber ist diese Art der Disposition erst in 
späterer Zeit wieder nachgeahmt worden, und es ist sicherlich 
zu weit gegangen, wenn man behauptet, dass diese von Luther 
wieder hervorgezogene Schrift überhaupt den Anstoss für die 
ganze Mode der Teufelbücher gegeben habe^). 

») Dies that J. Franc k ADB Bd. 12 S. 585, im Artikel über 
Jodocus Hocker, aus dem es viele andere übernahmen. 



126 ENTSTEHUNG. 31 

Von der grössten Bedeutung aber für die Entwicklung 
der Teufellitteratur nach Musculus war der yielseitige Cyriacus 
Spangenberg, der Vater Wolfharts ^). Er war am 17. Juni 
15S8 in Nordhausen geboren, wo sein Vater Johann, der sich 
durch seine Kirchenlieder in deutscher und lateinischer Sprache 
auch einen Platz in der Litteraturgeschichte gesichert hat^), 
an der St. Blasius-Kirche Prediger war, bis er 1643 die 
wichtige Stellung eines ersten General-Superintendenten zu 
Eisleben erhielt. Bereits im 14. Lebensjahr ging Cyriacus, 
nachdem er in Nordhausen eine gediegene Grundlage hu- 
manistischer Bildung sich angeeignet hatte, als Student nach 
Wittenberg ; dort fand er durch seinen Vater, der mit den ton- 
angebenden Kreisen in Verbindung stand, Anschluss an Luther 
und Melanchthon. Nach 4jährigem Studium kehrte er als 
Magister in das väterliche Haus zurück, war dann als 19 jähriger 
bereits an der Schule zuMansfeld lehrend thätig und wurde 1533 
d)enda Stadt- und Schloss-Prediger. Wie Musculus war auch 
er sein ganzes Leben hindurch in unerquickliche theologische 
Sl&mpfe verwickelt, die er zwar ruhiger, besonnener und weniger 
erbittert, aber mit der gleichen Zähigkeit und Energie führte 
wie jener. Durch die Parteinahme der Mansfeldischen Geistlich- 
keit im Synergistenstreit für Matthias Flacius, der die Erb- 
sünde für eine substantielle Eigenschaft des Menschen erklärte, 
und gegen Strigelius, der in ihr ein Accidens der menschlichen 
Natur sah, ward Spangenberg in diese langwierigen Zänkereien 
hineingezogen; aber er stand zu Flacius aus innerster Über- 
zeugung, und als nach einer Wendung in der Haltung des 
kurfürstlichen Hofes seine Amtsgenossen auch ins feindliche 
Lager übergingen, blieb er bei der einmal ausgesprochenen 



^) J. Q. Leuckfeld, Historia Spangenbergensis oder historische 
Nachricht von dem Leben, Lehre und Schrifften Cyriaci Spangenbergs. 
Qaedlinborg und Aschersleben. 1712. 4^ — H. Rembe versprach in der 
Aufgabe von Spangenbergs Briefwechsel I (1650—72) Dresden 
1887 und H (1673—84), 1888 eine Monographie. 

*) Johann Spangenbergs Eirohenlieder, Wackernagel HI, 
928—934. Ko. 1103-^1125. 



32 OSBORN 187 

Ansicht. So sah er sich bald ziemlich yereinsamt und von 
allen Seiten aa£9 äusserste angegriffen; nur die Ghinst der 
Mansfeldischen Herren blieb ihm erhalten, besonders die des 
Grafen Volrad, der sogar, als Spangenberg in der Stadt 
für seine polemischen Schriften keinen Verleger finden konnte^ 
auf dem Schlosse eine eigene Druckerei zu Parteizweoken ex- 
richten Hess. Die zahlreich veranstalteten Disputationen ver- 
liefen resultatlos, die Kluft, welche die ganze Bevölkerung 
spaltete, wurde immer weiter, allenthalben stellte man sich 
die Frage: „Bistu een Occidenter oyder Substansioner?", nnd 
dann, wie berichtet wird, „fiengen sie nicht nur an mit einander 
zu disputiren, sondern schlugen oftmahls sich auf das Oraa- 
sameste^ ^). Spangenbergs Lage wurde immer bedenklicher, 
und als 1576 der Graf Hans Georg I. zu Eisleben die Mans- 
felder Opposition durch bewaffnete Macht kurzer Hand im 
Schweigen brachte, gelang es ihm nur mit Lebensgefahr in 
den Kleidern einer Hebamme zu entkommen, unter dem 
Schutz des Grafen Volrad führte er ein unstätes Leben im 
Dienste seiner Erbsündenlehre, die ihn, sobald er einen neuen 
Aufenthaltsort gefunden hatte, immer wieder vertrieb, bis er 
schliesslich nach Volrads Tode bei dessen gelehrtem Brude^ 
söhn Ernst in Strassburg einen Zufluclitsort fand, wo er den Rest 
seiner Tage in Ruhe und Frieden verbringen konnte. Dort 
starb er, alt und lebenssatt, wie sein Biograph sagt, im Februar 
1604. Seine Züge sind uns in einem vortrefflichen Holzschnitt 
erhalten -), welcher der ganzen Ausführung nach wahrscheinlich 
von der Hand des Meisters Tobias Stimmer herrührt, obwohl sich 
dessen bekanntes Monogramm nicht darauf findet ; das darunter 
befindliche Gedicht, das den Porträtierten feiert, hat man in- 
dessen wohl zu Unrecht Fischart zugeschrieben **). 

Spangenberg hat während seines bewegten Lebens eine 



Leuckfeld S. 51. 

^ „Bildnuss des Ehrwirdigen Herrn M. Cyriaci SpangenbergB, 
Seines Alters im 56. Jar. Anno 1582." Fol. 

') cf. Rückbeil. Zar Fischartlitteratur. Sondershausener Real- 
schnl-Frogramm 1880. 



128 ENTSTEHUNG. 33 

reiche litterarische Thätigkeit entfiedtet, die in Wirklichkeit 
sicherlich noch weit bedeutender war, als wir sie heute nach 
dem Erhaltenen beurteilen können, da bei den Kreuz- und 
Qoersügen durch Deutschland, die oft in hastiger Flucht vor 
den Verfolgern ausgeführt werden mussten, gewiss manches 
verloren ging. Sehen wir von seinen zahlreichen Predigten, 
Bibelkommentaren, polemischen Schriften ab, so kennen wir 
ihn als kirchlichen Lyriker, als Dichter geistlicher Spiele, als 
Bearbeiter von Makropedius' „Hekastus^, als Historiker und 
Theoretiker des Meistergesangs^). Bereits in Wittenberg 
wurde er von Melanchthon zu historischen Studien angeregt, 
aus denen viele weithin verbreitete Arbeiten hervorgingen und 
durch die er sich einen Platz in der Weltlitteratur eroberte"). 
Daneben war er ein eifriger Didaktiker; sein „Ehespiegel^, 
eine Sammlung von 70 „Brautpredigten^ fand grossen An- 
lidang *), auch sein „Adelsspiegel" wurde viel gelesen. Für 
die Teufellitteratur endlich wurde Spangenberg sehr wichtig, 
und wie bei Musculus wird auch hier der Aufenthalt in Wit- 
tenberg viel dazu beigetragen haben, den jungen Theologen 
mit der Dämonenwelt vertraut zu machen. Er selbst ver- 
öffentlichte später zwar nur zwei eigentliche „Teufelbücher": 
„Jagteufel" (1560) und „Die bösen Sieben ins 
Teuffels Karnöffelspiel" (1562); aber er wirkte an- 
regend auf seine Umgebung, ermuthigte seine Freunde, die 
gegen den Satan zu Felde zogen, ihre Traktate drucken zu 
lassen, schrieb ihnen Vorreden zu ihren Büchern und lieferte 
selbst in seinen sonstigen didaktischen und historischen 
Schriften, wie überhaupt für die populäre Litteratur seiner 

*) Sein „Buch von der edlen hochberühmten Kunst der Musica 
and deren Ankonfit Lob und Nutz.*^ gab A. v. Keller heraus als Publi- 
kation des Stuttgarter litter. Vereins No. 62. 1861. — Das Manu- 
tcript war nach Leuckfeld's Worten (S. 87) „auf Pergamen geschrieben 
und mit güldenen Buckeln beschlagen, zu Strassburg au%ehoben, welches 
aber An. 1658 Enoch Haumann in seinen Anmerkungen über des 
Opitzens Deutsche Prosodie p. 126—166 mit beydrucken lassen.'' 

*) Biographie universelle 40, 12 (Hiohaud). 

•) Der „Ehespiegel** wurde noch 1670 gedruckt 

3 



34 OSBORN 189 

Zeit, so auch für die Teufelbücher eine wahrhaft unerschöpf- 
liche Fundgrube von historischen und unhistorischen Er- 
zählungen, Anekdoten und Schnurren. 

Eine wahre Flut von Teufelschriften ergoss sich nun m 
den 60er Jahren über das protestantische Deutschland. 
Manche Verlagsbuchhandlungen machten geradezu eine Spe- 
zialität aus dem Vertrieb dieser Litteratur, so besonders 
Johann Eichhorn in Frankfurt a. 0.» dann die reichen 
und tüchtigen Firmen Georg Rab und Wilhelm Han, 
sowie Feyerabend u. Simon Hüter in Frankfurt 
a. M., daneben hauptsächlich noch Urban Gaubisch zu 
Eisleben, der erst Augustinermönch war und später auf 
Luthers Veranlassung Drucker wurde, Nicolaus Henricus 
in Ursel und in Erfurt Georg Baumann „bey. St. Paul*. 
In hübscher Ausstattung, sauberem Druck imd auf dem Titel- 
blatt geziert mit verlockenden Holzschnitten, die meist in 
möglichst grässlicher Weise den betreffenden Spezialteufel 
bei der Tliätigkeit zeigten, gingen diese Bücher in den Handel 
imd fanden fast ausnahmslos grossen Anklang. Einer der 
schreiblustigen Pastoren regte den andern zur Nacheiferung 
an, fast jeder einzelne kennt die früheren Bücher und nimmt 
sich mit der ganzen Freimütigkeit des 16. Jahrhunderts von 
diesem Vorgänger die Disposition, von jenem passende Bibel- 
citate, von anderen wieder sucht er sich zur Füllung geeignete 
Anekdoten zusammen. So trat neben vortrefflichen belehren- 
den und erbaulichen Schriften manche ehrliche und fleissige, 
aber trockene Arbeit, manches zusammengestoppelte Flick- 
werk, manche ungeschickte Stümperei zu Tage, aber sie 
wurden doch alle gekauft und gelesen, und der Beifall war 
so gross, dass am Ende des Jahrzehnts die soeben genannte 
unternehmungslustige Verlagshandlung Feyerabend zu Frank- 
furt a. M.^), die ja auch das deutsche Publikum mit den 
Amadishistorien versorgte und später, 1578, durch die Roman- 
sammlung „Das Buch der Liebe" erfreute, den Versuch wagte, 

*) Ueber die Feyerabend's cf. ADB. 6, 768 f., wo die latteratur 
yerzeichnet ist. 



130 ENTSTEHUNG. 35 

die bis dahin erschienene Litteratur in einem gewaltigen 
Tenfelkompendium zu sammeln, dem sie den marktschreierischen 
Reklametitel „Theatrum Diabolorum" verlieh. „Wie 
man das Theater, so äussert sich Minor ^), „als Abbild des 
wirklichen Lebens auffasste — daher die zahlreichen Dramen- 
titel yspeculum vitae humanae^ mundi^ etc. — , so bezeichnete 
man umgekehrt Bilder aus der Geschichte und dem Leben 
der Zeit als Theatrum". Der Gebrauch des Wortes in diesem 
Sinne war indessen 1569 noch ziemlich neu ^), er lenkte die 
Aufmerksamkeit auf das Buch und reizte die Neugier und 
die £[auflu8t. 

Der genaue Titel des Teufeltheaters lautete folgender- 
massen: 

Theatrum Diabolorum 
das ist 
Ein Sehr NutzlicJies verstendiges ^) 
Buch / darauss ein jeder Christ / sonderlich vnnd fleissig zu 
lernen / wie dass wir in dieser Welt / nicht mit Keysem / 
Königen / Fürsten vnd Herrn oder andern Potentaten / sondern 
mit dem aller mechtigsten Fürsten dieser Welt / dem Teuffei 



^) Einleitung zur Ausgabe des Speculum vitae humanae vom Erz- 
herzog Ferdinand 11. von Tirol. Hallenser Neudr. No. 79. 80. S. XXXVII. 

*) Aus dem 16. Jahrhundert wäre noch etwa anzuführen : d. „Thea- 
trum vitae humanae ....'' eines Pseudonymen Lycosthencs C. Basil. 
1566 — Theatrum Cheraicum. Argent. 1569 (6 Vol.) — Theatrum de Vene- 
ticis, Francof. 1586. Fol. (erwähnt in Kirchhofs Wendunmut V, 27) — 
Erst im 17. Jahrhundert wurden diese Titel allgemeiner bekannt: 
Theatrum Europaeum 1617—1716 (21 Bde.) — Th. Pacis, Sammlung von 
Friedensinstrumenten 1647—1685 — Theatrum amoris 1626 — Th. Sym- 
patheticum 1662 — Freher, Th. virorum eruditione singulari illustrium 
u. Zeidler, Theatr. virorum eruditorum minus. — Ahnlich brauchte Hars- 
dörffer: „Schauplatz jämmerlicher Mordgeschichten." — Im 18. Jahr- 
hundert erscheint das Wort hauptsächlich in Zeitschriftentiteln, wie: 
Hangarisch und venotianisches Kriegstheatrum, Monatsschrift 1716—19. 
— Ken eröffnetes Staats-, Kriegs-, Friedens- und Naturtheater, Monats- 
schrift 1726. — Neu eröffnetes Welt- und Staats-Theatrum 1727. 

*) Die liegenden Buchstaben vertreten den roten Druck des 
Originals. 

3* 



36 OSBORN 131 

zukempffen vnd zustreiten / Welcher (Wie S. Petrus schreibt) 
ymbher geht wie ein brüllender Low / vns zuverschlingen. Also 
das er vns täglich nachschleicht / damit er yns zufall bringen / 
in allerley sündt / schandt vnd laster einführen / vnd endlidi 
mit Leib vnd Seel in abgrundt der hellen stürtzen möge. 
Vnd derwegen seine grausame Tyranney vnd wüterey / recht 
lernen erkennen / Gott vmb htilflf vnd beystandt seiner Gtötfc- 
lichen gnaden vnd heiligen Geistes anruffen / alle gifitige pfeQe / 
tödtliche geschoss / genugsam auüzufahen / ausszuschlahen / 
vnd in Christo Jesu vnserm einigen Heiland vberwinden / 
Victoriam vnd das Feldt behalten. 

Allen frommen Christen j so jhrer seelen heil vnd Seligkeit 

angelegen f in diesen letzten 

Zeiten / da allerley Laster grausamlich im schwang gehn / mit 

gantzem ernst vnd fleiss zubetrachten. 

Die Namen der AuVioren vnd Scribenten j findet man verzeichnet 

nach der Vorrede, 
Gebessert vnd gemehret / mit einem newen Pestelentx 
Teuffei / so zuvor noch nie im Truck aussgangen / sampt einem 

nutzlichen Register. 
Getruckt zu Franckfurt am Mayn etc. im Jar 1569. 

Folio. — 6 Bl. + 542 Bl. (Fol 1 — 542 2) + 5 Bl. 

Auf dem Titelblatt befindet sich eine viereckige Holz- 
schnittvignette ; in einem ovalen Rahmen mit der Aufschrift: 
„Wachet vnd betet, auflf das L- nit in Versuchung fallet", 
der sich innerhalb der verzierten Ecken befindet, sehen wir 
Satan Schätze verteilen an eine ihn im Kreise umgebende 
Schar seiner Getreuen, unter denen der Hosenteufel an seiner 
Beinbekleidung, der Huren teufel an seiner weiblichen Begleitung, 
der Saufteufel an seinem Pokal und der Tanzteufel an seiner 
Flöte, auf der er spielt, zu erkennen sind. Das letzte Blatt 
des Bandes enthält über einem Holzschnitt mit allegorischen 
Figuren und einem posaunenden Engel den Vermerk : „Gedruckt 
zu Franckfurt am Mayn / durch Peter Schmid / in verlegimg 
Hieronymi Feyrabend. M. D. LXIX^. 



132 ENTSTEHUNG. 37 

Vorausgeschickt ist eine Vorrede Sigmund Feyrabends 
(Bl. 2 — 4), in welcher zunächst der Titel gegen den Vorwurf 
der Frivolität geschützt wird^): er sei „nicht auss leicht- 
fertigkeit oder veracht des Sathans andern leuten zum erger- 
noss ynd bösem exempel, also geordnet, Sonder dieweil die 
Authores vnd Meister deren Bücher, so ich hier zusammen 
tmcken lassen, erstlich dieselbigen von denen Teuffein, wider 
welche sie geschrieben sind, genennet hatten, wolt ich es mir 
nicht gebüren in diesem gemeinen Titel den Namen des Teuffels 
gar ausszulassen ynd also jre arbeit mit einem frembden Titel 
zu vertunckeln". Zur Entschuldigung weist der fromme Ver- 
lagsbuchhändler noch darauf hin, dass ja auch in der heiligen 
Schrift, sogar von Jesus selbst der Teufel häufig genannt 
werde. ^Vnd zwar die heilige Schrifft zeuget, das viel Teuffei 
seien, vnd jhre vnderscheid vnd Ordnung haben, daher wol 
Euuermuten das ein jede sünd von einem besonderen 
Teuffei geführt vnd getrieben werde wie man auch 
pflegt zu sagen, wenn ein ding so gar vberzwerchs geht, es 
müsse ein eigner Teuffei seyn, der es also verkere". Er 
preist sein Buch an: es sei „gleichwie Loci communes oder 
ein gemein Begister, darinn man allerhand nützliche Lehr 
leichtlich finden kan", er empfiehlt es „nicht allein den Leyen, 
vnd gemeioen Christen, sonder auch wol vielen Gelehrten als 
Pfarrherm, Caplanen vnd andern der Kirchen Fürstehem, 
mag wol sagen, auch den Gelehrten der Bechten vnd Artzeney". 

Die einzelnen Schriften wurden angeordnet, „so viel 
möglich, nach der Ordnung der zehen Gebott", sie wurden 



^) Dass solches thatsächlich geschah, erzählte schon 1664 J. West- 
phftl in seinem ^yHoffartsteuffel" : „Es sind jetzt etliche Leute, die sind 
so trefflich zornig darauff, dass so viel Bücher aasgehen, die man 
Teii£Fel nennt**. (B. 867 A.) Aus ähnlichen Rücksichten verzichteten 
zimpferüchere Schriftsteller wirklich völlig auf die dankbare Gestalt des 
Satan ; 80 im 17. Jahrhundert der Zittauer Scholarch ChristianWeise, 
der et über sich gewann, um der Seele seiner SchiUer nicht zu schaden, 
und keinem eine so schimpfliche Bolle zuzumuten, ein Hiobdrama zu 
schreiben, ohne die treibende Kraft dieses ganzen Konflikts, den Teufel, 
auftreten zu lasten. 



38 OSßORN 133 

ohne jede Änderung, meist nach der letzten Auflage, genau 
abgedruckt, so genau, dass öfters sinnlose Druckfehler stehen 
blieben ^). Nur die Vorreden der Verfasser nahm Feyrabend, 
um den Band nicht allzu sehr anschwellen zu lassen, nicht 
mit auf. 

Der kluge Buchhändler hatte sich nicht verrechnet 
Das Unternehmen erwies sich als eine glückliche Spekulation 
und schon 6 Jahre später konnte er daran gehen, eine zweite 
Auflage des Th. D. herzustellen, das er um 4 inzwischen 
erschienene Schriften bereicherte. Ausser einer geringen 
Änderung im Titel ^) war sonst die ganze Ausstattung dieselbe, 
auch der alte Titelholzschnitt prangte wieder auf der ersten 
Seite, von dem später ein Bücherkenner am Ende des 18. Jahr- 
hunderts meinte, die Teufel darauf seien „scheusslicher, als 
wenn Chodowiecki sie nach lebendigen Originalen gezeichnet 
hätte" '). Als Verleger zeichnete diesmal abweichend gegen 
früher Siegismund Feyrabend. 

Zum dritten imd zugleich zum letzten Male erschien das 
Theatrum Diab. aus demselben Verlag und der gleichen 
Schmidtschen Offizin in 2 Foliobänden, der erste im Faustjahr 
1687 gedruckt, der zweite im folgenden, um „10 neue" Teufel- 
bücher vermehrt, wobei das kaum glaubliche Versehen vor- 
kam, dass eine bereits früher aufgenommene Schrift, der 
„Melancholische Teuffei" von Simon Musaeus am 

') So ist beim Abdruck des „Hoffteufel" offenbar aus dem Druck 
von 1666 stehen geblieben: im Perponenverz. unter „Sybille, Danielis 
Weib": „Salomon, Joseph, Benjamin, Danielis Weib" statt „Danielis 
Kinder" und statt „Actus tertii scena prima" steht beide Mal : „Actus 
tertii scena tertia". — Die an sich völlig unbedeutenden Kleinigkeiten 
zeigen doch, dass Feyerabend mehr auf schleunige Herstellung seinem 
Buches als auf sorgfältige Redaktion bedacht war. 

*) Er begann diesmal: „Theatrum Diabolorum, das ist War- 
haffte eigentliche vnd kurtze Beschreibung / Allerley 
grewlicher / schrecklicher vnd abschewlicher Laster / so 
in diesen letzten / schweren vnd bSsen Zeiten / an allen Orten vnd 
enden fast brSuchlich / auch grausamlich im schwang gehen". Das 
Übrige lautet wie 1669. 

•) Patriotisches Archiv für Deutschland. V. 1786. S. 286. 



40 OSBOBN. 136 

Deutschland iu der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 
Denn nachdem die Mode erst einmal angekommen, blieb man 
nicht bei den Sünden und Lastern der Menschen stehen. Dämono- 
logische Bücher erhielten den Teufel zu ihrem Pathen. Das 
gesamte öffentliche Leben, Gerichtswesen, Finanzwesen sogar, 
die theologischen Streitigkeiten, daneben die häuslichen An- 
gelegenheiten der Familie — alles wird mit tückischen Dämonen 
in Verbindung gebracht, gegen die ein energischer Kampf als 
unerläÄslich erklärt wird. 

Bei der folgenden Darstellung des Einzelnen nun wird 
es sich empfehlen, eine Teilung in Gruppen von zusammen- 
gehörigen Teufelschriften vorzunehmen, um Ordnung in die 
Masse zu bringen und eine Übersicht zu gewinnen, bevor das 
Facit aus den Untersuchungen gezogen wird. Das Schluss- 
kapitel soll dann den Versuch geben, die Wirkungen unserer 
Litteratur, besonders auf das Drama, und ihre Nachklänge im 
17. Jahrhundert kurz zusammenfassend in wenigen Zügen 
darzustellen. 



n. 

Die TeufelMcher. 

1. Dämonologlsche Teufelbficher. 

Tenfal selbs — Zauberteafel. — Von des T.'s Tyranney — Bannteufel. 

Gleichsam als Prolog, bevor die einzelnen Spezialteufel 
auf der Bühne des Theatrmn Diabolorum erscheinen, ist eine 
zusammenfassende dämonologische Abhandlang über den Satan 
▼oraiisgeschickt : „DerTeuffel selbs, Das ist WarhafiFtiger 

bestendiger und wol gegründter bericht von den Teufeln 

zusammen gezogen vnd in ynterschiedene Capita verfasset durch 

Jodocum Hockerium^)'*. Hocker stammte ausOsnabrück 

imd war, nachdem er an verschiedenen Stellen, unter anderem 

in Goslar unter Melanchthons Schüler Johann Glandorp als 

Conrektor thätig war, 1558 Prediger zu St. Johann in Lemgo 

in der Grafschaft Lippe geworden, wo er durch die Ver- 

mittelong seines Freundes und Landsmanns Hermann Hamel- 

mann ebenfalls zum Conrektor befördert wurde*). Er machte 

*)„.... Was sie sein, Woher sie gekomen, Vnd was sie teglich 
^rcken, dabey ire grosse Tyranney, macht vnd gewalt. Item Auch ire 
behendigkeit, List vnd gantze triegerey auffs vleissigst vnd eigentlichst 
»^^hrieben wird. Item was von Verzeuberungen, Verblendungen, gifil- 
^«cken vnd sonst vil vnd mancherley geplerren des Teufels zu halten 
••y. Vnd wie man die Zauberey straffen sol. Alles trewlich vnd ordentlich 
•*• Gottes wort vnd vieler Gelerten Bücher, alt vnd new, . . . . " Ursel, 
^i Nicolaus Henricus. 1668. 8» — Frankfurt a/M. 1627. 8*. — Im 
■^ D. A Nr. 1. fol. 1—146; B Nr. 1, fol. 1—126; Ci Nr. 1, fol. 1—100. 

*) J. Franck in der Allg. dtsch. Biogr. 12, 684 ff. Hermann 
^tmelmann, Opera genealogica-historica, herausgeg. v. Emestus Casim. 
*i88erbach. Lemgoviae 1711. S. 131 ff. — S. 220 ff. — S. 1048, 1077, 
im, — S. 1168-64. 



42 OSBORN 137 

sich durch vielfache dogmatische Schriften bekannt, und seine 
Rede ^de fame et annonae caritate", 1664, erregte Aufsehen; 
er war ein hochgelehrter Theologe von einer grenzenloseD 
Belesenheit und wurde von allen Seiten geschätzt; auch zu 
Cyriacus Spangenberg stand er in freundschaftlichen Bezieh- 
ungen^). Sein Buch „Der Teufel selbs" war noch nicht 
vollendet, als er 1566 an der Pest plötzlich starb. „In seinem 
Tothenbethlin" bat er Hamelmann, es zu vollenden-). 

Dieser, früher ein eifriger Papist, hatte sich 1553 öffentlich 
auf der Kanzel £ur Luther erklärt, war verjagt worden und 
hatte dann bei den Protestanten, erst in Bielefeld, später in 
Lemgo Aufnahme gefunden'). Bald nach Hockers Tode ve^ 
Hess er Lemgo wieder (1568), ging als Generalsuperintendent 
nach Gandersheim und wurde 1573 nach Oldenburg berufen^ 
um die Reformation einzurichten. Dort starb er 1595. 

Dem letzten Wunsche seines Freundes kam Hamelmann 
bereitwillig nach; er ergänzte die von jenem geplanten, noch 
fehlenden Kapitel 37, 40, 41, 42, 44, 46, 47, fügte selbst noch 
einiges hinzu und widmete das Ganze dem Herzog Ulrich von 
Mecklenburg, dem er von seinem Studienaufenthalt in Rostock 
her verpflichtet war (Vorrede S. 4). 

Zuerst wird die Existenz der Teufel bewiesen, ihre Natur 
und Anzahl untersucht, über welche letztere nichts bestimmtes 
feststeht Unter den verschiedenen Vermutungen, die hier 
angeführt werden, ist auch die des Martinus Borrhaus 
genannt, der die Zahl auf 2,665,866,746,664 berechnete (c. 8) *). 
Auch die Zeit ihres Falles ist nicht überliefert, ebenso wenig 
die Sünde, welche sie gestürzt; und Vermutungen hierüber 
können doch nie zu einem völlig befriedigenden Resultat führen 

1) Zu Hockers Schrift: „Von beyden Schlüsseln der Kirche", 
LtsgI 1568 sclirieb Sp. eine Vorrede, siehe Franck a. a. O. 

^) cf. seine Vorrede zum „Teuffei selbs". 

•) Sein Geburtsjahr ist nicht mit Sicherheit festzustellen, c f. Gross 
Historisches Lexikon evangelischer Jubelpriester S. 163. J. G. Leuck- 
feld, „Historia Hamelmanni''. 

*) Roskoff 11,880. 



8 DÄMONOLOGISCHES. 43 

11, 12). Die Wohnung der Teufel ist unterm Himmel in 
r Luft ^) (c. 21), die Hölle bildet sich erst nach dem jüngsten 
mcht. Trotzdem ist es ratsam, wie auch Luthers Meinung 
ir, „dass man für den gemeinen Mann auffs einfeltigste auch 
Q der Hellen rede, vnd sie dem jungen Volck auflfs gröbste 
i'bilde, wie man jmmer kan, damit man jhnen ein schrecken 
ftr machen möge" (c. 22, fol. 51^). 

Die Teufel sind Creaturen Gottes (c. 4), der als Schöpfer 
ch noch Macht über sie hat; sie können nur das thun, was 
)tt ihnen gestattet (c. 18). Es ist dieser Punkt für den ganzen 
otestantischen Teufelsglauben sehr wichtig*). Gott behält 
mer die Obermacht, und ein Dualismus, der etwa wie einst 
3 Manichäer und Marcioniten den Teufel als auToq)ur)^ und 
evT]Toq hinstellte ^), oder eine Ansicht, wie sie später Jakob 
)hme aussprach, dass der Teufel bei der Weltschöpfung 
teiligt gewesen sei*), gilt als Ketzerei und selbst wieder 
5 Teufelswerk. 

Die Teufel sind durch und durch schlecht % und eine 
^kehrung ist nicht mehr möglich. So hatte sich ja auch 
e Augsburger Confession ausgesprochen •). 

An ihrer Bosheit aber hat der „liebe fromme Gott" 
sine Schuld (c. 11), er hat sie zu guten Werken geschaflfen, 
elcher Bestimmung ja ein kleiner Teil noch treu geblieben 
)t^). Denn man hört, „dass in Issland dienstbare Geister 

») cf. Luther 19,282. 

') cf. Luthers Tischreden vom Teufel und seinen Werken (wie 
aUreiche andere Stellen). 

*) Baur, Christliche Gnosis S. 278 ff. Ders. Das manichäische 
Religionssystem S. 19 ff. 

*) „Die Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens" 10, 85 f. 

^) cf. Luthers Darstellung des Teufels als Antithesis decalogi. 
E- A. 59, 289 ff. 

•) I, 17, 4. 

^) Im Anschluss an diese Auffassung wurden die dienstfrohen 
^ichtchen und Heinzelmännchen auch wirklich als kleine Engelchen 
l&rgestellt. Zumal die bildende Kunst nahm dies Motiv auf. Freilich 
racheinen sie da ganz anders als die grossen geschlechtlosen christlichen 
ingel; es sind kleine freundliche mutwillige Buben; die kleinen Flügeli 



\ 



44 OSBORN 139 

seyn, welche der Leute Knechte sind in jhren Hausem, tragen 
Holtz vnd Wasser in die Küchen. Ynd wann in einem andern 
Lande was grosses geschieht, es stirbt ein grosser Herr, es 
wirt eine Schlacht gethan, so wissen es die Geister, Ynd Ye^ 
kündigen es den Leuten. In Teutschland hat man sie geheissen 
Wichtlichen, Erdmännerchen, Gute Hulden vnd Hellekäppelein 
und man hat sie gefunden, dass sie Schüsseln in der Küchen 
gewaschen haben, sie haben der Pferde gewartet, ynd ist ein 
wohn darbey gewesen, dass wo ein solch Wichtlein sey, da 
sey eitel glück vnd gedeyen" (c. 10) ^). 

Die Hauptmasse freilich tobt gegen die Menschen ans 
Hass imd Neid. Die Gottlosen hat der Satan ganz in seiner 
Gewalt; er wütet aber auch gegen die Gläubigen und besonders 
gegen die von Gott gegen ihn eingesetzten Stände der Obrig- 
keit, der Geistlichkeit und der Ehe. Gott gestattet nun den 
Teufeln hie und da etwas durchzusetzen, um uns für unsere 
Sünden zu züchtigen, um uns zu prüfen, um unsere Aufmerk- 
samkeit wach zu rufen — denn wir sind stets von allen Seiten 
her von zahllosen Teufeln umgeben, gegen die wir uns zu 

die ihr Engelcharakter verlangte, und die sie wie kleine Amoretten aus- 
sehen lassen, scheinen wenig in Gebrauch zu sein. Denn sie sind recht 
eigentlich auf der Erde zu Hause und purzeln bei Gelegenheit trotz aller 
Flügel von einem Tisch oder einem Balken herunter. Albrecht 
Dürer liebte sie besonders. So sehen wir sie dem heiligen Joseph bei der 
Zimmermannsarbeit helfend (Holzschnitt : Die heil. Familie in Aeg^'pten), 
oder das Christuskind haltend und stützend (Geburt Christi, Gemälde 
vom sogen. Baumgärtnerscheu Altar), oder den Boden fegend und putzend 
(Dresdener Altarwerk). Auch Dürers Schüler und Nachfolger brachten 
diese liebenswürdigen kleinen Geister gerne an, so beispielsweise Albrecht 
Altdorfer, der auf seinem Gemälde „die heilige Nacht'' (Bremen) eine 
ganze Gesellschaft solcher geflügelter Kobolde in dem Stall zu Bethlehem 
ihr Wesen .treiben lässt. cf. Max Friedländer, Alb. Altdorfer. 
(Lpz. 1891) S. 18. 

») Fol. 16« D. — cf. Luther f. A. 60, 29 f. Zu diesen wohl- 
thätigen Teufelsgeistern cf. Grimm Mythologie * 11, 898; 111,427. — 
Dazu Niederdtsch. Jb. 6, 54. — Bremisches Jb. 1,314. — A. Rhamm, 
Hexenglauben und Hexenprozesse vernehmlich in den braunschweigiachen 
Landen Wolfenbüttel 1882 S. 13 f. (auch die Rezension von £. H. Meyer 
AfdA 9,208—11). Ferner Ztschr. d. Harzvereins V, 91. 



140 DÄMONOLOGISCHES. 45 

wehren haben — teils aber anch aus dem kleinlichen Grunde, 
seme Macht zu zeigen, oder um später bei der schliesslichen 
Enettung seine Liebe besonders gross erscheinen zu lassen 
und zugleich ^seine kra£Ft dem Teufel zu spott, verhönung und 
yerdriess damit zu beweisen^ (c. 19)^). In unserm Kampf 
gegen ihn dürfen wir aber nicht die Beschwörung Yornehmen 
wie yyder leidige Bapst mit seinen beschorenen Plätlingen^ '), 
denn das ist nur „Oaukeley und Affenspiel", worüber der 
Satan lacht. Wir sollen den ,, Harnisch des Glaubens" an- 
legen , wie Paulus ihn beschreibt. Wahrer Glaube, inniges 
Gebet und vor allem Verachtung des Teufels sind die besten 
Schutzwaffen, wie Luther selbst es lehrt ^) (c. 25). 

Weitere Auseinandersetzungen handeln über die Frage, 
ob der Teufel Wunder thun könne. Die Thatsachen der 
Schrift bejahen sie*); wir haben an dieser Fähigkeit also 
Bicht zu zweifeln. Nur eine Grenze ist dem Teufel hier ge- 
setzt; er vermag nicht neue lebendige Wesen zu erschaffen*^) 
den Elementen ihre Wirkung zu nehmen, den Lauf des 
Himmels aufzuhalten oder ähnliche Dinge auszuführen, welche 
die Gottheit sich vorbehält (c. 29). 

Wunder thun kann Satan auch durch natürliche Mittel, 
die er als geschwinder, erfahrener Physikus besser kennt als 
die Menschen, So kann er Krankheiten hervorbringen und 
lieilen (c. 37), ja durch seine Geschwindigkeit und Schlauheit 
J^n er Gedanken erraten und allerlei Vorgänge beinahe 
gleichzeitig, während sie geschehen, in weiter Feme mitteilen, 
[ 80 dass es wie Gedankenlesen und Wahrsagen aussieht (c. 39), 
ebenso kann er Milch, Butter und andere Dinge, die er be- 
*<>nder8 liebt, mit solcher Geschicklichkeit stehlen, dass man 
glaubt, es sei Zauberei im Spiele (c. 47) «). 

Fol. 46 E. 

«) Fol. 56 4. 

') cf. Luther £. A. 59, 328 ; 342. 60, 80 ; 55 ; 73. 

*) Fol. 61—61 ». 

*J cf. Luther E. A., Bd. 60; 61. 

^ cf. Luther, E. A. 60, 14f. 



46 OSBORN 141 

Meistens aber ist es nur Gespenst und Yerblendong, 
was der Teufel den Menschen als Wunder vorführt^), es ist 
eitle „Pantasey", die uns dann in die Irre führt. Hierher 
gehören die Erscheinungen Verstorbener, die Verwandlungen 
von Menschen in Tiergestalten (c. 28), die Träume, sofern 
sie nicht Yon Gott kommen oder aus physischen Ursachen 
hervorgehen (c. 45), und hierher gehören auch, so sagt er, 
„die vieljährige Lügen von den Hexen, welche 
fahren in der Luft vnd an die örter, da sie ein Ck)nciliaffl 
offt ausshalten sollen, so auf Bäsemen, Gabelen, Böcken und 
anderen Thieren geschehen sol"-); auch ihre Zauberkraft ist 
nichts als eitle Spiegelfechterei, die der Teufel den „amen 
Närrinnen" vormacht. Deutlich ist hier bereits der tolerante 
Luftzug zu spüren, der sich doch hie und da in der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts schon bemerkbar macht, obschon 
gerade in dieser Periode die Hexenverfolgungen ihren Höhe- 
punkt erreichen. Ausdrücklich berufen sich Hocker und 
Hamelmann wiederholt auf den Arzt Johann Weier (oder 
Wierus)^) und sein berühmtes Buch: „De praestigiis Daemo- 
uum et incantationibus ac Veneficiis libri sex" (1563)*), il^ 
dem zum ersten Male gegen den entsetzlichen Unfug der 
Hexenprozesse mutig Front gemacht wurde, und das so nebet> 
Lercheimers bekanntem Werk ein Vorläufer von Friedricl^ 
Speers „Cautio crimiualis" '^), die 1631 erschien, genann-^ 
werden kann. Auch die Erscheinung der Teufel als LicuIf^ 
undSuccubi, sowie die Zeugung und Geburt von „Kielkröpfen"*' ^ 
oder Wechselkindern ist lediglich eine Täuschung der b^' 
teiligten Personen, die aber nur den Ungläubigen begegnet 

1) cf. Luther 49,94. 

2J Fol. 94 g. 

») So bes. Fol. 99 ff., 103S 104. 

*) Deutsch von M. Fuglinus 1687. Gegen ihn erhob sich Jeai^ 
Bodin, Traite de la dcmonomanie des sorciers. 1580. 

^j ,,. . . . seu de processibus contra sagas über ad mag^stratus 
Germauiae hoc tempore necessarius." — Koskoff II, 297ff. SOSflf. — 
Heppe-Soldan U, 5. 

•) Wuttke, Volksaberglauben § 343. 



/ 



142 DÄMONOLOGISCHES. 47 

kann. Ganz klar ist sich Hamelmann, der dies Kapitel (42) 
geschrieben hat, freilich nicht, ob es möglich sei, dass Teufel 
Kinder zeugen; er selbst scheint dagegen gestimmt zu sein, 
aber gegen Luthers Ansicht anzutreten hatte er wohl doch 
keine Lust^). Dieser glaubte nämlich an die Erscheinung 
solcher Teufelskinder so fest, dass er sogar einmal einem Vater 
riety sein Eand, das er selbst für einen teuflischen Kielkropf 
hielt, einfach ins Wasser zu werfen (E.A. 60,40). 

unzweifelhaft fest steht es, dass ein geordnetes höllisches 
Eeich existirt^), wenn sich auch nichts genaueres über die 
Art der Organisation aus der Bibel erweisen lässt. Nach 
Analogie der Einteilung der Engel in 9 Klassen, welche 
Diogenes, der Schüler Pauli, in seinem Buche „De caelesti 
Merarchia" aufgestellt hatte*), nahm man vielfach auch eine 
Neun-Ordnung der Teufel an*). Diese Auffassung war im 
16. Jahrhundert sehr beliebt % daneben aber traten zahlreiche 
andere hervor (c. 20), und Hocker entscheidet sich eigentlich 

*) Luther, E. A. 37flf. erzählt sogar: Johann Friedrich habe ihm 
i&itgeteUt, ^es sei ein adeliges Geschlecht in Deutschland gewesen, ge- 
^ren von einem Succubo." Dazu exeg. op. ü, 127 „. . . credo posse 
fieri, ut daemon sit vel succubus vel incubus ....** 

«) cf. Luther oben S. 22. 

') Es sind ursprünglich 10 Engelchöre, einer fällt mit Lucifer; 
*> Bind es nun 9, und das Menschengeschlecht soll dereinst den 10. wieder 
'ieubilden. Diese Auffassung trat früh in die deutsche Litteratur ein: 
^önesis in Hoffmanns Fundgruben U. 11, 12, 17. — 4 Bücher 
^osia in Diemers dtsch. Ged. d. 11. und 12. Jh. 3, 8 und 299, 27 ff. — 
Aaegenge bei Hahn, Ged. d. 12. und 13. Jh. 18», 23. — Sermo in 
^*tivitate domini in Wackernagels Ad. Leseb. 194,19. — Lach- 
"»»nn.Haupt, Minnesangs Frühlg. 211, 3ff. (Hartmann v. Aue). -- Wolfram, 
Parz. 463,4; Will. 808,1. — Wilh. Grimm, Freidanc S. 6 und 324f. 

*) Fol. 48: 1. Pseudothei; Abgöttische Teufel. Oberster: Beelze- 
bub. -_ 2, Spiritus mendaciorum. Ob.: Schlange Python. — 8. Vasa 
"üquitatis. Belial. — 4. Ultores scelerum. Asmodeus. — 6. Praestigia- 
*ore8. Sftthan. — 6. Aeriae potestates. Meririm. — 7. Furiae. Abbadon. 
- 8. Criminatores. Diabolus. — 9. Tentatores u. Insidiatores. Mammon. 
^ So die Meinung „etlicher Schul-Theologen". 

*) Luther zu der Neun-Teilg. Exegitica opera latina. Erlangen 
1846. 1,80. — 



48 OSBORN 143 

für keine, da er überhaupt allem, was sich nicht unmittelbar 
aus dcc heiligen Schrift herleiten lässt, äusserst skeptisch 
gegenü' er steht. 

\ Dn Hamelmann wurden dem umfangreichen dreiteiligen 
Buch noch beigegeben eine „erinnerung von der Helle ynd 
auch die Namen der Helle", femer „ein kürtzlich bedencken^, 
in dem Hockers freie an AVeier sich anlehnende Meinung über 
den Hexenglauben den Angriffen der Orthodoxie gegenüber 
im Voraus verteidigt wird, und ein „Segen vnd Wickerteufel. 
Jtem, der Chrystallenteuffel". Hier wird vor den Teufels- 
beschwörern, Wahrsagern, Crystallensehem und Schwarz- 
künstlern, die damals scharenweise das deutsche Land durch- 
zogen und mit ihren Zauberbriefen, ihren „Charten" und 
„Bleyen Tafeln" die Leute betrogen, eindringlichst gewarnt, 
und dies ganze Treiben als Teufelswerk gebrandmarkt ^). 

Den Schluss macht ein „Judicium von denen, so sich 
selbs vmbbringen. Ob die alle verdampt sind". Die Frage 
wird im allgemeinen bejaht, freilich kann, wer noch im letzten 
Augenblick seine That bereut, vielleicht Grnade vor Gott 
finden, und „die jhrer nit mächtig sind vnd durch Tollheit, 
Melancholey, Vnverstand solchs thun, die werden hie biUich 
excipirt" (125 « a). . 

Das ganze Buch ist äusserst unübersichtlich geschriebeu? 
alles ist sehr breit ausgesponnen, die Gliederung der einzelne!^ 
Auseinandersetzungen sehr ungeschickt, manches, was zusammen^ 
gehört, auseinandergerissen, die von Hamelmann geschriebenet^ 
Kapitel sind nicht einmal an ihrer Stelle eingefügt, sondert^ 
folgen den von Hocker verfassten. Dabei war eine Stil^ 
Ungleichheit keineswegs zu befürchten; denn die beiden Ver' 
fasser sind gleich trocken und unoriginell. In den Gang de^ 

• « 

^) Über solche interessante Persönlichkeiten giebt das mehrbändig^ 
Werk von Adelung, Geschichte der menschlichen Narrheit, Lpz. 178^ 
in vielen kleinen bibliographischen Skizzen Auskunft; cf. bes. VII. TeiJ 
S. 1—81: „Johann Dee, ein Krystallgucker", — und S. 105—164 
„Michael Nostradamus, ein Zeichendeuter", wo die Schicksale diese' 
Grossmeisters der Zauberei knapp und anschaulich erzählt sind. 



144 DÄMONOLOGISCHES, 49 

sachlichen Erörterung ist wenig Abwechslung gebracht. Hinzu 
kommt eine wunderliche Mischung von krassem Aberglauben 
und ernstem Streben, der natürlichen Deutung zum Rechte 
zu Yerhelfen. Durch die Anhäufung gelehrten Ballastes und 
die Einfägimg langer lateinischer Citate wird sich die Schrift 
schwerlich Popularität erworben haben, aber bei aller Dis- 
positionslosigkeit und Weitläufigkeit bietet sie doch eine Zu- 
sammenfassung dessen, worauf der Teufelsglaube der Nach- 
folger Luthers beruhte, und aus diesem Grunde ist sie auch 
hier ausführlicher behandelt worden ^). 

Wenn Hamelmann Op. geneal. bist. p. 220 von seinem 
Freunde Hocker schrieb: „aliquando promisit de rebus vene- 
fidis vom Zauberteuffel libellum", so meinte er damit jeden- 
falls die Vorbereitungen zu dem „Teufel selbs^^ Mit dem 
QTsprünglich gewählten Titel kam ihm inzwischen ein anderer 
niTor: 1663 erschien zu Frankfurt (Feyerabend und Hüt^r), 
,flerm WolflFgang, der Römischen Keyserin Cantzlem" ge- 
widmet, „Der Zauber Teuf fei: das ist von Zäuberey, 
warsagung, Beschwehren . . . durch Ludouicum Milichium"*). 
Der Verfasser dieses Buches war nach Beendigung seiner 
ätndien, die ihm die Unterstützung seines Gönners, des Grrafen 
Volrad von AValdeck, ermöglichten, zuerst praeceptor classis 
^ Harburg ; von dort kam er nach dem kleinen hessischen 
Stadtchen Homburg an der Ohm, wo er als Nachfolger 
^68 Georg Nigrinus bis zu seinem Tode 1675 Pfarrer 

*) Eine strenger an die konfuse Anordnung des Buches sich haltende 
^yse der einzelnen Kapitel liefert ausführlich Rosskoff (11, 379-898), 
^^ dem Werke auch seine uns hier weniger interessierende Stellung in 
^^f Dämonologie anweist. 

*) „ . . . . Sagen, Aberglauben, Hexerey vnd mandierley Wercken 
^^s Teoffels, wolgegründter vnd so vil einem gläubigen davon zu 
^^9*tai dienstlich, gnugsamer Bericht, nicht allein dem Gemeinen 
^n, sonder auch den Weltlichen Begenten vnd einfeltigen Predigern 
Äötzlich vnd kurtzweilig zu lesen. Auss heiliger Schrift vnd bewerten 
^benten mit fleiss zusammen getragen ..." siehe Qoedecke' II, 
8.481. No. 9,1. — In Th. D. als No. 6: A, 207—243; B, 176-206; 
CU42 .168«. 

4 



50 OSBORN 145 

war^). Den Lenigoer Teufelsbeschreibem kamen seine Zu- 
sammenstellungen sehr gelegen^ und in der 2. Hälfte des 
„Teufel selbs" (von cap. 28 an) benutzten sie den ^^auber- 
teufeP*, um Disposition, Quellenangaben, Beispiele, einzelne 
Sätze, ja ganze Partien daraus herüber zu nehmen, indem sie 
hie und da das Vorbild citierten, weit öfter jedoch dies 
unterliessen ®). 

Freilich mussten sie Milichius mit Vorsicht benutzen; 
denn dieser steckte, obgleich auch er schon an manchem 
zweifelt, doch noch weit tiefer in den Banden des niedrigsteD 
Teufelsglaubens. Bei ihm ist die Grenze, bis zu welcher er 
glaubt, völlig willkürlich gezogen. Die Zauberei, deren unzweifel- 
hafte Existenz er nachweist, ist ein Mittel, mit dem der Teufel 
die Menschen quält; Milichius teilt sie sonderbarerweise „in 
Magi^cam, das ist Vereinigung vnd bündtniss mit dem Teufiel; 
in Weissagung vnd Verkündigung verborgener dingen; vnd 
in Aberglauben, die von Gott nicht geordnet sind vnd 
keine natürlichen vrsachen haben" (Pol. 177 c). 

Aus den Naturwissenschaften imd hauptsächlich aus äfft 
Kunst der Arzte, die bei den gottlosen orientalischen Völkern 
ihren Anfang nahm, ist die Zauberei entstanden; das war 
„die erste Staffel*^ Sie ist stets gefährlich, denn wenn sie 
auch gebraucht wird, um anderen zu nutzen, so ist sie doch 
nur zum Schein nützlich und in Wahrheit durch die folgende 
Strafe Gottes schädlich. „Es ist besser sterben, denn durch 
zäuberey vnd Teuffels gespenst gesundt werden" (fol. 180 c), 
Und in gleicher Weise, wie die, welche zum Nutzen oder zum 



^) Zu den Daten über sein Leben in Rotermuuds Fortsetzung 
von Jöohers Lexikon II, 1734 f. teilte Herr Pfarrer Eckstein in 
Homburg aus der dortigen Chronik einige weitere mit. 

') Man vergleiche: 



T. 8. 63 « = Z. 185« A; 

78—73 « « 186 « C— E ; 
73«E-:,186B— C; 
74E>=l86C; 
83«Ei« 194B; 



T. 8. 972—98« vgl. mit Z. 90Sc— 
203 c; wörtlich ist 202 £ £ 
herübergeuommen. Citiert 
wird Z. in T. s. ausserdem: 
Fol. 99, 108« (Z. c. 22), 116« 






89 « D — 195 D E; I {^g. Z. c. 21). 



46 DÄMONOLOGISCHES. 51 

Schaden zaubern, sündigen die Gaukler, die „vmb belüstigung 
less gemüts willen" ihre Kunststücke machen. 

Seine Aufzählung der Dinge, die dem Teufel möglich 
ind unmöglich sind, lernten wir bei Hocker, der sie ihm ent- 
ehnte, bereits kennen. Aber Milichius war noch lange nicht 
10 konsequent wie sein Nachfolger; er konnte Weier's Buch, 
las in demselben Jahre wie sein „Zauberteuffel" erschien, 
loch nicht kennen, und man kann wol behaupten, auch er 
lätte sich Yon ihm beeinflussen lassen. Die grenzenlose 
D^nsicherheit, die er fortwährend zeigt, wäre vielleicht lange 
licht so gross gewesen, wenn er Weier's doch immerhin in 
rielen Stücken klärendes Werk hätte lesen können, bevor er 
»eine Schrift drucken liess. Denn er war, wie schon bemerkt, 
ni freierer Auffassung geneigt, obwol bei ihm gelegentlich der 
)erüchtigte Name Jacob Sprengers, des einen der beiden Ver- 
asser des Malleus maleficarum, zum Beweis herangezogen ¥drd; 
)S fehlte ihm nur die Anregung, und als er sie später erhalten, 
rat er mit seinem „Schrapteuffel" in die Reihe seiner „auf- 
geklärteren" Kollegen. Halten wir ihn aber als Beschreiber 
ler Zauberei neben Hocker, so haben wir ein deutliches Bei- 
ipiel dafür, wie gross der Einfluss von Weier's mutigem Schritt 
gewesen ist. 

Müichius hält noch die Beschädigung des menschlichen 
Lieibes durch den Teufel, die Fahrten der Hexen durch die 
Liuft, das Hineinzaubem von Nadeln, Haaren, „Säuwbörsten, 
rhüchlin vnd andere Materien", ja selbst die Fähigkeit der 
Teufel, Wetter zu machen, für durchaus möglich und glaubhaft, 
liicberlich stand er hiermit ganz auf dem Boden des Volks- 
glaubens ; und dass es nicht so leicht gewesen sein muss, sich 
iiesem zu entziehen, zeigt der für den Pfarrer entschuldigende 
Jmstand, dass selbst bedeutende Arzte in seinem Bann standen. 
io erzählt Johannes Lange in einer seiner epistolae medi- 
zinales *), man habe in dem Bauche eines unter schrecklichen 

') Epistolae medicinales diversoruiD Authorum. Lugdani 1557 Fol. 
\. 503/4. Joh. Lange, epist. XXXVIII: De prodigiis et daemonum in 
norbie praestigriis. 

4* 



52 OSfiOBN 147 

Schmerzen verstorbenen Bauern gefunden ..lignum teres et 
oblongum. quattuor ex chalybe cultos« partim acutes^ partim 
instar ferrae dentatos. ac duo ferramenta aspera reperta, 
quorum singula spithami longitudinem excedebant; aderat et 
capillorum instar globi involucrum**. „Qua arte sint ingesta?*'* 
fragt der berühmte Mediziner, und er antwortet: „Gerte non 
alia quam daemonis astu ac dolo'\ 

Auch an die Schatzgräberei glaubt Müichius ^), aber die 
.jTag^ählerei", d. h. die abergläubische Gewohnheit, gewisse 
Tage und Stunden für glücklicher zu halten als andere, halt 
er wiederum für erlogene ,,phariseische** Phantasterei *), obwohl 
sie doch um nichts unwahrscheinlicher ist als beispielsweise 
die Luftfahrten der Hexen. An die Zauberei mancher Leute, 
beim Würfelspiel zu gewinnen und zu verlieren, wenn sie 
wollen *), oder mit einem Geschütz unfehlbar zu tre£fen und 
sich selbst gegen fremde Schüsse zu sichern^); glaubt er; 
Wahrsagen und Zeichendeuten dagegen hält er wieder f&t 
eitel Aberglauben *), und er weiss sogar die Gewohnheit- 
einem aufziehenden Wetter entgegen zu läuten, ganz ratic^' 
nalistisch zu erklären: „Der Schall, welcher von Glockei^? 
Büchsen vnd anderm Gethöne, kompt, erhebet sich in di^ 
Lufft vnd zertheilet die Wolckeu, wie die Phvsici lehren"*^- 
Aber gegen die, welche mit dem Teufel ein Bündnis eingegangen 
sind, ist das peinliche Gerichtsverfahren zu eröfiiien '). 

Auffallend muss es erscheinen, dass hier wie bei Hock^'^ 
und Hamelmann im „Zauberteufel** mit keinem Worte vot:^ 
Doktor Faust gesprochen wird. Sein Name wird überhaupt 
im ganzen Theatr. Diab. nur ein einziges Mal genannt in dc^ ' 
Aufzählung einer langen Reilie von Teufelsgenossen. Dass ^ 

Fol. 204 f. 

«) Fol. 201 ^ 

») Fol. 206 «E. 

*) Fol. 206«. 

") Fol. 202 « ff. 

•) Fol. 204 E. 

Fol. 205 = A f. 



148 DÄMONOLOGISCHES. 53 

aber nicht einmal hier berücksichtigt ist, wo doch Gelegenheit 
genug vorlag, ihn vorzubringen, zeigt, dass vor dem Erscheinen 
des Spiess'schen Faustbuches (1587) die Sage noch keineswegs 
überall verbreitet und allgemein gekannt war. 

Milichius ist sehr gelehrt, er citiert viel lateinisch, da- 
neben auch griechisch und sogar hebräisch, aber obschon er 
offenbar viel herumgekommen und sogar in Italien gewesen 
war*), versteht er doch nicht, greifbare Beispiele aus dem 
Leben seiner Zeit anzuführen und dadurch seine trockenen 
Auseinandersetzimgen zu beleben. 

Ungleich packender und frischer ist Musculus' schon 
erwähnte Schrift „Von des Teuffels Tyranney . . ."*^). 
Sie ist nicht so umfangreich, auch sachlich nicht so erschöpfend 
wie die besprochenen jüngeren Bücher, auf die sie übrigens 
in mancher Jlinsicht gewirkt hat ; aber sie ist klar disponiert 
und populär geschrieben, und wie alle Schriften des Prank- 
forter Predigers hat auch sie die Würze seines persönlichen 
Stils; stets hat man den eifrigen und eifernden Weltverbesserer 
Musculus vor Augen. 

Die Teufel erscheinen bei ihm hauptsächlich als nega- 
tive Kräfte, als zerstörende Geister : wie Gott aus nichts alles 
geschaffen hat, so vermögen sie alles zu nichte zu machen'). 
Zum Beweise werden unter anderen aus der jüngsten Ver- 
gaugenheit und aus Gegenden, die den mitteldeutschen Lesern 
•>esten8 bekannt waren, einige unheimliche Sturm- und Gewitter- 
geschichten angeführt, die Musculus mit behaglicher Ausführ- 
lichkeit höchst anschaulich ausmalt*). Durch die genaue An- 
gabe der Personennamen, ja oft der Strassen, wo sich die 
verschiedenen Spukgeschichten abgespielt haben, beglaubigt 
^^ sie und erhöht so den beabsichtigten Eindruck. Was 

») Fol. 189. 

*)„... Macht vnd Gewalt; Sonderlich in diesen letzten tagen, 
^'öderrichtung durch Andream Musculum D.«. Goedeke S. 480. No. 3,8. 
-^ Im Th. D. als No. 2: A, Fol. 146«-164; B 1262—141; C* 100«— 113. 

*) Fol. 130, 

*) 130« — 184». 



54 OSBORN 149 

Hocker und Milichius nicht vermochten , versteht er aus- 
gezeichnet : nämlich seine Leser zu interessieren, denen jeden- 
falls „Matern Lemans Hauss, dass er vmb ein Zins von 
Greger Zimmermann gebraucht^ ^), näher lag als Medeas 
Zauberkunst. 

Zu gleicher Zeit plagt uns der Teufel von aussen her 
und in unserm Innern an unserer Seele ; ja an dieser ist ihm 
alles gelegen, und um sie zu erjagen, leistet er mitunter sogar 
auf die äussere Anfechtung Verzicht. Und „das ist eben der 
grösste und beste hauff, welchen der Teuffei am leib nicht 
zusetzt, Sondern günnet jnen gute Tag, köstlichs und herr- 
lichs leben, damit er sie in Sicherheit behalte vnd an der 
Seel ewig verdamme; das ist auch die vrsach'S so löst er 
eine schwierige Frage, „dass den Grottlosen vnd Bösen wol 
vnd glücklich gehet in diesem leben"-). 

Neben den allgemein gehaltenen Teufelbüchern gehört 
zu der dämonologischen Grruppe des Theatrum Diabolorum 
noch Hockers Traktat gegen die schwindelhaften Teufels- 
austreibereien: „Wider den Bannteuffel, das ist Eine 
getrewe wolmeynende Christliche wamung wider die Gottlosen- 
Teuffelbeschwerer oder Banner . . ."*). Ein Erlebnis veran- 
lasste ihn, das Buch zu schreiben. Als er nämlich 1561? 
von Lemgo aus seine Mutter in der Vaterstadt Osnabrücld 
besuchte, fand er einen blinden Hexenmeister vor, der sicfc». 



') Fol. 183 g. 

•) Fol. 136 E. 

•)„... 80 in diesen örteru herumbher schleichen : Aus Gottc ^ 
Wort vnd andern bewerten Scribenten gestalt durch Jodocum Hockeriuir* 

Ossnaburgenscm, Prediger der Kirchen St, Jobann für Lemgraw. 

Deutero 21. Alles was ich euch gebiete, das sollt jhr halten, das^ 
jhr darnach thut. Ihr soll nichts dazu thun, noch darvon thun." Die Aus^' 
gäbe Frankfurt a. M. 1564 (nach Druck und Ausstattung bei Lechler gedruck"^ 
und bei Feyerabendt und Hüters verlegt), die bei Goedeke - II, 48'Ä- 
N. 11,1 fehlt, wird wohl die erste sein; dort erschien auch 1666. 8^ 
ein neuer Druck ; die Ausgabe Magdeburg 1564. 8® würde dann ein Nach ^ 
druck der 1. Frankfurter sein. — Im Th. D. als No 4: A, 195*— 207 ; 
B, 1672—175; C», 1352—141=. 



5«) DAMONOLOGISCHES. 65 

äimon Meiler von Nüruberg Dannte imd uach Kreuz- und 

Querzügen durch Westphalen sich schliesslich mit Erlaubnis 

der Obrigkeit dort niedergelassen hatte^ um in der Stadt und 

in der Umgegend sein Handwerk zu treiben , welches darin 

bestand, die Besessenen zu beschwören. Er hatte es verstanden, 

sich einen grossen Ruf zu verschaffen, und da er sich seine 

Kunst sehr gut bezahlen liess, bereits erhebliche Reichtümer 

gesammelt. Hocker war durch diesen Unfug so empört, dass 

er zur Feder griff*). 

Im ersten Teil seiner Schrift ging er den Dienern des 
Bannteufels, den Exorzisten, zu Leibe. Nur durch bescheidenes, 
demütiges Gebet kann man heute noch Besessene befreien; 
aber jene machen grossen Lärm, wollen den Teufel mit Gewalt 
vertreiben, brauchen frevelhafter Weise heilige Worte, Lieder, 
Psalmen zu ihren gottlosen Zeremonien. Statt auf den Glauben 
when sie „auff das lose gedön der Wörter"-). Sie wollen 
«leiblicher weise" ^) den Teufel verbannen; aber das ist nicht 
iQöglich, und wenn sie wirklich Erfolg haben, so ist dies nur 
^in scheinbarer^). Es lag dann entweder eine natürliche 
Krankheit vor, die auf ganz natürliche Weise auch geheilt 
worden ist, oder der Teufel fährt nur zum Schein aus dem 
^eib und nimmt die Seele nun um so sicherer in Besitz. Ausser- 
dem nehmen die Exorzisten ihre Beschwörungen vor, nicht 
^ni ein gottgefälliges Werk zu verrichten, sondern „um eitel 
Ehr vnd weltlich Gut"*). 

Der zweite kürzere Teil giebt das Verfahren an, das 
"^^n Besessenen gegenüber einschlagen soll. Stellt sich die 
^^essenheit als Krankheit heraus, so soll man sich an Mediziner 
^^nden, aber nur an tüchtige Heilkundige, nicht an „Keller- 
^^^'*. Sitzt aber der Teufel wirklich in einem Unglücklichen, 
^as übrigens dem wahrhaft Gläubigen nimmer begegnen vrird, 

^) Hamelmann Op. hisL-gencal. S. 1153 fif. 

*) 170 i 

») 170 A. 

*) Fol. 171 D nach Brentius, Aposteljresch. 90. Homil. 

*) Fol. 172 A. 



56 OSBORX 151 

80 kann nur das innige^ in Nüchternheit Yorgenommene Gebet 
des einzelnen wie der yersammelten Gemeinde Nutzen bringen'). 

Hocker widmete das Buch den Behörden seiner Vater- 
stadt mit der eindringlichen Aufforderung, nun endlich gegen 
den Schwindler Yorzugehen. Der Rat liess sich bewegen, aber 
noch ehe er seine Massregeln ergriff, ward Simon Meiler in 
einem häuslichen Zwist Yon seiner Ehefrau erschlagen. Selbst- 
Yerständlich wurde dies als Gottes Strafe aufgefasst und 
Hamelmann fugt, als er diese Geschichte, gar grausig aus- 
geschmückt, erzählt ^), mit erhobenem Finger hinzu: „Sic solet 
deus horribili judicio punire, ubi magistratus yidetur esse 
segnior." 

Das äusserliche Teufelbannen blieb aber dessenungeachtet 
auch bei den protestantischen Pfarrern noch lange Zeit hindurch 
beliebt; bei der Taufzeremonie besonders bürgerte sich eine 
Beschwörung des bösen Feindes und seiner Geister so fest 
ein, dass es beispielsweise im Jahre 1614 dem Kurfürsten 
Johann Sigismund YOn Brandenburg nicht gelang, den DiakonttS 
Raue bei einer Taufe, zu welcher der Kurfürst selbst Gevatter 
stand, zu bestimmen, die Hexenforniel fortzulassen ^). Bi^^ 
Edikt, das Johann Sigismund infolge dieser Angelegenheit 
gegen das Teufelbannen erliess, stützte sich neben Luther 
auch auf „Musculus zu Frankfurt" ^). 

') cf. Luther E. A. 59, 316. 
'-) Op. Geneal.-bist. S. 1154. 

*) G. T. Gallen, Handbuch der lirandenburnfischen Geschieht« 
(Züllichau 1797) IV, 97. 
*) ibid. S. 101. 



2. Sünden nnd Laster. 

z- und Wucherteufel — Geizteufel — Neidteufel — Schmeichelteufel 
lode) — Schmeichelteufel (Fi'ey) — Lügenteufel — Sorgeteufel — 

Melancholischer Teufel. 

Die Gruppe von Teufelbüchern, die hier zusammengestellt 
id, enthält weniger als ihr Titel vermuten lassen könnte, 
enn es sind damit nur diejenigen Schriften gemeint, welche 
inptsächlich die rein innerlichen, nicht an äussere Lebens- 
srhältnisse anknüpfenden Laster und Sünden behandeln. 

Der Neid war die Sünde des gestürzten Lucifer, der 
feid ist nach dem Worte der Bibel die „Wurzel alles Übels**. 
!r und sein Bruder, der Geiz, durften auf dem Theatrum der 
Teufel nicht fehlen ^). Und sie fanden unter den Pastoren 
tölur als einen Bearbeiter. 

Der erste war Albrecht von Blankenburg, viel- 
sicht dem alten Adelsgeschlecht angehörig, dessen Stamm- 
chloss unweit von Halberstadt lag, mit seinem Büchlein „Von 
Bunker Geitz vnd Wucherteufel .... "-), das 1562 
'fschien, in demselben Jahre, als des Andreas Musculus 1556 
^erst herausgegebene Schrift : „ Vnterrichtung Vom Wucher, 
»eitz vnd Eeichthumb. Item von Christlichem vnd Gott- 



*) Schon Peter Suchenwirt nannte den Geizigen „Des teufeU 
^ptmann" XXXn,25ff. (Werke, ed. Prünisser S. 103) und meinte: 
^'eit ist des Teufels aitgesell" XL, 100 (S. 121). Und ein alemannischer 
^}'ttyfel" trat zu Zwingiis Zeit in einem Schweizer Spiele auf. cf, 
^ODe, Schausp. d. M.A. 11,415. 

')„.... so jetzt in der Welt in allen Stenden gewaltiglich 
^eret. An alle Stendt des Teutschen Keichs geschrieben durch 
^bertum von Blankenburg.^ Frankf. Neben Öoedeke noch: Fr. a. M. 
Öeorg Rab u. W. Han) 1665. Berl. Kgl. Bibl. Db. 3013. — Im Theatr. 
^iabol. A 364» — 370; B 312 — 3182; Ci 2682 — 2632. 



58 OSBORN 163 

seligem Gebrauch der zeitlichen Güter ...."*) aufs neue 
gedruckt wurde. Man sieht, Luthers Aufforderung*), „An 
die Pfarrherm, wider den Wucher zu predigen" (1540), war 
nicht umsonst gewesen. 

Der Vorredner, Andreas Theobald Mercker aus EislebcD, 
rühmt den adligen Verfasser, der statt den sonstigen Lieb- 
habereien seines Standes, den Jagden, dem Pferde- und Hunde- 
sport zu fröhnen, nach der Bibel den Kampf gegen den Wucher 
aufgenommen habe, „darinn biss vber die obren seiner ordens- 
genossen viel stecken". Er schildert, wie ein Teil der Junker 
gleich anderen „Knapsecken" auf den Märkten von Prankfurt, 
Leipzig, Nürnberg ihre „Wechseibanke öffentlich aufschiahen" 
und ihr Geld zu unerhört hohem Zinsfuss ausborgen. Der 
lebendigen Vorrede folgt der öde Traktat des wohlmeinenden 
Adligen, der in äusserst ermüdender Weise eine lange Eeihe 
einschlägiger Bibelstellen aufmarschieren lässt. Nirgends ist 
auch nur ein Versuch gemacht, die Leser zu interessieren und 
die trockene Predigt etwa durch eine satirische Darstellung 
der üblen Zustände in der eignen Zeit, durch Anekdoten 
oder andere Mittel schmackhafter zu machen; der Blanken- 
burger holt lieber die Zeit des Verfalls des jüdischen Reichet 
herbei, um darin — höchst unglücklich — die Gegenwart siel* 
abspiegeln zu lassen. Kräftige Töne hat er nicht zu Gebotcr 
und matt schliesst das Ganze mit abermaligen Bibelzitaten * 

Nicht mehr und nichts besseres als Albrecht brachte 
auch die viel später erschienene Predigt des Baseler Theologer^ 
Johannes Brandmüller „Vom Geitzteufel" *). Der wackeri^ 
in Biberach gebürtige Schwabe (1533—96), bekannt als eifrigeiT 

*) „ . . Aus deu heiligen alten Lehren gezogen. Inn diesei^ 
letzten fehrlichen vnd geschwinden zeiten, da die Lieb erkaltet, vnd di^ 
Sorgfeltigkeit der Nahrung, Betrug, List vnd Finantzerey vbcrhand'^ 
genommen." Erfurt (Georg Baumann) Berl. Kgl. Bibl. (an) Db 801^- 

•) E. A. 23, 282-338. 

')„.... Ein Christliche vnd heilsame Predigt, getlian zu Basel 
vnnd hernach auss bitt eines Christenlichen Bruders aucli geschriebeo* 
Durch Johansen BraudmüUer." Basel 1579. 8^ Exemplar in der 
Münchener Hof- und Staatsbibliothek. — Goedeke S. 482. N. 25. 



54 SÜNDEN UND LASTER. 59 

Parteigänger dos Ocolampadius, der auch sonst noch manche 
Predigt drucken liess^), wandte sich mit einer gewissen milden 
Gemütlichkeit gegen den Geiz, des „Teuffels Rollwagen", auf 
dem die Habgierigen fahren, um nach erreichtem Ziel in 
Wollust und Freude zu leben. Eine grosse Schauergeschichte, 
die in Basel vor sich gegangen, ist am Schluss als abschreckendes 
Beispiel hinzugefügt. 

Feyerabend war diesmal kritisch genug, die Schrift nicht 

in sein Sammelwerk aufzunehmen ; mit Recht wandte er sich 

lieber an den trefflichen Johannes Rhode, dessen 1582 

erschienenen „Neidhard oder Neidteuf fei . . .*) er in 

den 2. Band der 3. Ausgabe des Theatrum einfugte. Johannes 

Khodius oder Roeddinger, der Sohn des Pfarrers zu Rock- 

liaosen, im heutigen Fürstentum Schwarzburg - Sondershausen 

unweit von Arnstadt, wahrscheinlich zum unterschied von 

seinem gleichnamigen Vater Secundus genannt, war seit 1553 

Pastor in Bischleben bei Erfurt*). Er gab, ähnlich wie früher 

Hacker, 1581 eine Schrift „de annonae caritate" heraus, und 

äIs 1582 sein Geburtsort durch ein schweres Gewitter 

heimgesucht wurde, schrieb er, das Mitleid der Hilfsbereiten 

Abrufend, einen „Bericht von dem grossen Schaden". Zur 

Beteiligung an der Teufelliteratur veranlasste ihn, wie er 

selbst erzählt, die Leetüre des Theatrum Diabolorum, „darinn 

^1 guter Büchlein zusammen gedruckt, in welchen die Laster 

') „Gespräch von den Fürsten des Glaubens" ; „Leich-Predigten" ; 
»Hochzeit - Predigten" ; „Gespräch von der Auferstehung und ewigem 
Leben." Zedier, Universal-Lexikon. IV, 1733. Sp. 1072. Über ihn : 
Jon. Cour. Ruppeji descriptio vitae et obitus Joh. BrandmüUeri carmine. 
Btoilpae 1601. 8«. Jöcher I, 1335. 

*)„... Das ist klarer Bericht, vom Neid, was er sey, woher er 
komme, wieviel schaden er thue, vnd gestrafft werde etc. Gestellet durch 
''ohinnem Rhodium secundum Rockhusanum Pfarrherrn zu Bischleben.** 
Öoedeke 11,482 Nr. 30,1. — Im Th. Diab. Cn 72-100*. 

*) Jöcher II, 2052 giebt nur ganz kurze Nachricht von Rhode. 
«eine Notizen verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn Pfarrers 
▼Ott 4er Eldem in Bischleben, der sie aus dem „Kirchen- und Schulen- 
^t im Herzogtum Gotha" (III. Teil 4. Stück IV. p. 33. Nr. 5) sowie 
*U8 einem geschriebenen Nachtrag zu der Rhode betreffenden Stelle mitteilte. 






60 OSBORN 155 

ausführlichen gestraft sind, ab authore omnis mali Teufel 
genannt"^), und hauptsächlich der Schriften des Andreas 
Musculus. Ein Erfurter Freund riet ihm „aus seinen colleo* 
taneis locorum communium" den in der Reihe noch fehlenden 
Dämon der Schmeichelei hinzuzufügen, und so schrieb er 1581 
einen „Schmeichler- oder Fuchsschwentze Teufel**. Der 
günstige Erfolg dieser Schrift; von der er schon im folgenden 
Jahr eine 2. Auflage veranstalten konnte, die sich auch wieder 
rasch verbreitete, machte ihm Mut, in eben diesem Jahre 1582 
mit seinem „Neidteufel^ hervorzutreten, der hier zuerst be- 
handelt werden soll. 

Der Neidteufel ist sicherlich eine der besten Schriften, 
die das Theatruin Diabolorum enthält. Mit frischer licbendig- 
keit nimmt sich Bhode alle Stände imd Altersklassen vor und 
stellt den Neid, den sie alle gegen einander empfinden, in 
halb verweisendem, halb lustig spottendem Ton an den Pranger; 
keck greift er mitten in Ereignisse der jüngsten Zeit und ver- 
flicht sie in seine moralisierenden Warnungen. Freilich ist 
das ganze wenig glücklich disponiert, und die ungeschickten 
AViederholungen. die dadurch entstehen mussten, ermüden airf 
die Dauer doch trotz aller anziehenden Volkstümlichkeit der 
Darstellung. 

„Der Neidhard", ein Kind des Hasses, ist ihm die teuflisch* 
Personifikation des Neides und der Missgimst, ein Name, deJ^ 
der Teufel schon in einer aus dem 11. Jahrhundert überliefert*?*^ 
Sage trägt *-). 

Mit Humor schildert Rhode sein Äusseres. Nieuui*^ 
erscheint der Neidhard fröhlich und lustig; ,.(Temeinigli^^^ 
siehet er auss. wie ein Hund, der zornig ist vnd doch nir^*^ 
bellet** ^). Man erkennt ihn, wie er ,.sein 1 oder r pronuncijret "*• 
wie er den Kopf ,.niderhenckt*' : bald sieht er schwarz aH-* 
bald rot, bald ,.fewert vud fuuckelt** er, lusweilen blickt er \V**^ 
ein „Basilisck** ; und Zweige von Kreuzbeeren, die mau '^^ 

*) Vorrede zum Schmeichelteufel. 

2) Mitgeteilt von Haupt ZtVlA. 7,5221. 

>) CU 79t>. 



156 SÜNDEN UND LASTER. 61 

die Fenster hängt , Eisenkraut , Baldrian , Stickwurzel und 
Eorallenkettchen fiir die Kinder werden als Schutz gegen solche 
neidischen Blicke, die zauherische Gewalt besitzen, empfohlen. 

Unter seiner „Hundsstim" hat der N. eiae trotzige 

yjGeissnase", mit der er am liebsten Gestank und Dreck riecht ; 

denn solches ist seine Nahrung. Man achte auf diese Nase, 

„wie er damit schnupflFet, wie er sie rümpfifet, wie er sie rupfifet 

Tnd foppet, streichet darüber her, schneutzet sie, obgleich die 

Botdorfit es nit erfordert" *). Sein heiseres Lachen ertönt nur, 

wenn er spottet, und in seinem Herzen „ist gewachsen ein 

böser knagender AVurm" -). XTnd für dies Ideal alles Neidischen 

bat Bhode seine lebendigen Exempla zur Hand, wie einen 

Schültheiss, „einen hartneckigen Papist", der ein Feind seines 

Vaters war, und dessen er sich aus seiner Kindheit erinnert ^). 

Das teuflische Monstrum hetzt nun die Menschen aus- 
üahmslos gegen einander; keiner bleibt von ihm verschont; 
weder Bürger noch Bauer, weder Kaufmann noch Handwerker, 
weder Gelehrte noch Künstler. Nachbarn, Amtsgenossen, 
Verwandte — sie alle beneiden sich ; zumal die Weiber haben 
den Neid gepachtet. Auch die Fürsten und Herren erscheinen 
dem strengen Sittenrichter vom Neid beherrscht und wenn er, 
«in Beispiel anzuführen, sagt: „Daniel der Prophet hätte 
^em auch können ein Liedlein davon siagen" *), so wird ihm 
gewiss der Hoft^ufel des Joh. Chryseus vorgeschwebt haben. 
Der Neidhard ist es auch, der die Zerrissenheit des Römischen 
Reichs deutscher Nation verschuldet; er hat es dahin gebracht, 
»daas schier kein Fürst oder Herr dem andern trauwen darf"*). 
Von den Zügen des Meisters hat fast jeder seiner Unterthanen 
^i^e Kleinigkeit zu eigen ; jeder hat sein „gelbs Leplein wie 
^« Juden zu Franckfurt, darbey man jn erkennen kan"*). 

Der Neidhard ist der Urheber der theologischen Kämpfe : 
^^ Neid gegen Luther hatte Carlstadt zum „Schwermer" 
Verden lassen. Aus Neid haben Strigelius und Flacius ihren 
Streit begonnen'). 

') 80b. «)81«*. •) 79'b. *) 862b. ») 76ab. •) 79». ') 86«b. 



62 OSBORN 157 

Der Neid ist ein Eiter in den Beinen, er ist ein Griftj 
das alle Adern durchläuft wie Quecksilber, und reisst und 
beisst ^). Wie sehr dies Gift unserer sündigen Natur angeboren« 
das sieht man schon, wenn „Kinderlein vnter dreyen Jahren 
bey einander spielen vnd kurtzweil treyben, wie sie sich neiden 
vnd genecken" *^). Nur ganz nebenher wird die Begründung 
des Neids durch die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse 
erwähnt, aber die Ungleichheit, die hier auf Erden herrsdit, 
einfach kurz erklärt mit einem apodiktischen „Eis kann in 
dieser Welt nicht anders seyn". 

In der Litteratur sieht Rhodius den Neidhard gar wild 
toben ; da wird die ganze Welt kritisiert und getadelt, „carpiert 
vnd berüsselt" *). Er selbst ist ein eifriger Leser, er beschäftigt 
sich lieber mit Büchern als mit „spazieren gehen, Karten, 
Brettspiel", aber seit 20 Jahren, meint er, habe er kein 
einziges Buch gelesen, darin er nicht etwas gefunden, das 
ihm „in seinen £[ram gedienet" *). 

Zum Schutz gegen die Neidischen wird christliche Demu^ 
und Frömmigkeit empfohlen ; man soll die Missgünstigen mdA 
beachten oder ihnen Gutes thun. Ratschläge folgen, wi« 
man sich selber frei von Neid halten soll, und die conventioneU® 
Drohung mit den Strafen im Diesseits und Jenseits schlieöS^ 
das hübsche Buch. 

Lange nicht so frisch ist die erste Teufelsschrift A^ 
Johannes Rhodius vom ,,Schmeichel- oder Fuch^' 
schwentze Teuffei..."'*). 

Den Menschen ist die Schmeichelei von jeher angenetB-'**^ 
gewesen, sie „kutzelt vns in kleinen Zehen", und auch wet^^ 
man sie selbst als ungerecht empfindet, „wenn man sie glei^^ 
zu einer Thür hinaus stösset, so machet man ihr doch ^^ 






73b. «) 76*». •) 839*. *) 83«b. 

*) „ . . . Das ist klarer Bericht von Schmeichlern, woher sie komm^^' 
was für Leute sie sind, wie viel schaden sie thun vnd wie sie gestrafft e*^' 
Gestellet durch Johannem Rhodium . . ." Goedeke No. 80, 2 — P^^ 
Heuchler wird stets mit „Fuchsschwenzen" zusammengebracht, auch woh' 
selbst „Fuchsschweuzer** genannt, cf. Deutsch. Wörterb. IV, I* Sp. 851 ff- 



158 SÜNDEN UND LASTER. 63 

andre ^ider auff vnd nimpt sie zu letzt wider zu gnaden auff ". 
Und heutzutage ist es gar schlimm: „Wer nicht liegen vnd 
triegen kann, der ist ein verdorben man" ^). Die Schmeichler, 
die ,,Pflaumenstreicher, Ohrenkrawer, Ohrenj ucker, Placentierer, 
Leisetretter" ^ werden überall bewirtet und geehrt. Heftig 
zumal wendet sich Rhode gegen die „Rohrprediger", wie er 
mit einer hübschen Wendung die streberhaft nach den Vor- 
gesetzten schielenden Pastoren nennt. Man schmeichelt oft 
„vmb einer Mahlzeit oder Suppen willen"^. Die „Aflfenart" 
der Menschen ist es, die hier zum Durchbruch kommt. Unauf- 
haltsam ist der Verfall der Welt: „vnser Eltern sind erger 
gewesen denn vnsere Grosveter, so sind wir erger den vnsere 
Htem vnd lassen Kinder hinter vns, die erger denn wir sind". 
Die Schilderung des Schmeichlers Kar' d£oxt^v hat noch 
nicht die Frische und den Humor der Darstellung des Neid- 
hard, aber hier sind doch die besten Partien der Schrift zu 
finden. Der Schmeichler „stellet sich freundlich, es ist nur 
Heucheley, sein weinen ist ein Crocodil weinen, Es wachsen 
jm die wort auff der Zungen, vnd nicht im Hertzen" *). „Wenn 
der Schmeichler mit dir wandelt, so lobt er deinen gang, 
deine Kleidung, deine Ausrede"*^). Er ist wie ein Hund, 
^r erst mit dem Schwanz wedelt und nachher „hinderwärts 
▼nd heimlichen" •) beisst ; er ist ein Scorpion, ein Fuchs, ein 
»^olgepolirter Spiegel"'). „Es seind die Schmaichler" — so 
Dieinte später Aegidius Albertinus **) — „vermumbte Teufel 
^ menschlicher Grestalt, dann weil die Teufel wissen, dass 
^an sich vor jnen in menschlicher Gestalt entsetzet vnd 
'oTchtet, so reden sie durch die Gestalt vnd Person der 
^hmaichlem". 

Ein ganzes Kapitel •) führt den im Anfang schon betonten 
unterschied von Freundschaft und Schmeichelei langweilig 
d^h, und Warnungen, Drohungen, Ratschläge ohne Ende 
*^en den schliesslich unerträglichen Traktat zu Ende. 

') C4«. «) C5. •) D«. *) De«. ») E,. •) F5. ') Gf. 

•) Narrenhatz ed. R. v. Liliencron (Kürschner Nat.-Litt. 26) S. 47. 

•) Cap. V. G,»-G,. 



64 OSBOHN 159 

Feyerabend uahm dies ältere Buch B/hodes, wohl mit 
Bedacht, nicht auf, sondern setzt« dafiir an seine Stelle den 
weit besseren „Schmeichelteuffel" ^) von Hermann 
Heinrich Frey hinter den Neidt^ufel. Der Verfasser ist 
der bekannte theologische Zoologe, der Autor des „Biblischen 
Tier-Buch" ; er ist der Sohn des in Württemberg von Anbeginn 
der Beformation eifrig für den Protestantismus thätigen Jakob 
Frey. Er war 1545 im Dorfe Dürrenentz geboren, ward 1676 
Pfarrer zu Oberesslingen und später Superintendent in Schwein- 
furt, wo er 1599 starb. Neben seiner biblischen Zoologie 
und einigen homiletischen Schriften interessieren uns hier Yor 
allem seine 2 didaktischen Bücher, die ihn mit der Narren- 
und der Teufellitteratur in Verbindimg bringen. Der ersten j 
Gruppe gehörte eine Schrift an mit dem Hans Sachsischen 
Tit€l „GeltNarr mit seinen sieben fümehmsten thörichten 
Eigenschaften . . .". Und sein Schmeichelteufel verschaffie 
ihm einen Platz im 2. Bande des Theatrum von 1588. 1 

Frey wendet sich hier hauptsächlich gegen seine vob 
diesem Teufel besessenen Collegen, gegen die „ Schmeichel- 
prediger "*, die ,,vmb schencke, gunst, oder forcht willen'' 
allerlei Sünden nachsehen, vertuschen und nicht gebühreo^ 
bestrafen '-), die auf die Herren schimpfen, um den Pöbel 3t^ 
„kützeln" oder den Pöbel schelten, um dem Herrn zu Diea^^ 
zu sein *). Langatmig wird nachgewiesen, wie solche Predig^^ 
gegen die beiden Tafeln der 10 Gebote freveln, wie sie i^ 
„mameluckischer AVeise den Menschen statt (xott dienen*' ^1* 

') „ . . . Das ist Ein kurtzc Einfältige Erklärung AVas die Placei^** 
Prediger, So den obschwebenden, mit aller macht regierenden Lastet **» 
nicht mit gebärendem Ernst vnd Priesterlichem Eiflfer begegnen, wehr^** 
vnd stcwren, für schreckliche Sund wider Gott, den Nechsten vnd. si^'' 
selbs begehen. Auch woher solcher Heuchelgcist seinen vrsprung nemi^** 
Auss Gottes Wort vnd etlicher Hochgelehrten, ^Iten vnd Neuwen KirchC'' 
lehrer SchrifTten zusammen gezogen vnd beschrieben. Durch IL HerJ*'' 
Heinr. Frey, Pfarrherm zu Schweinfurt in Franken**. Das Buch, das i^^ 
nur im Theatr. Diab. Cn 101—119 finde, ist weder ADB 7,859 (CamO 
noch von Goedeke erwähnt. 

-*)Cn 1019b. ») 102». *) 102^b. 



SÜNDEN UND LASTER. 65 

; wüste, genusssüchtige, vertrunkene, buhlerische Leben der 
laumenprediger", ihre Habsucht und Verlogenheit wird in 
ichem Zorn breit geschildert. Des Judas Verräterei wird 
irlich als Beispiel hinterlistiger Schmeichelei fortwährend 
annt; sie gab auch das Motiv zu dem Titelholzschnitt. 

Ein zweiter Teil will sich mit der Beschreibung des 
meichelteufels beschäftigen. Ih* wird, so predigt der 
weinftirter Superintendent, „vom gemeinen Lasterteuffel 
?ugt vnnd in die Welt gebracht" ^). Seine Gesellen werden 
eigt: Der Lockteufel und der Schreckenteufel, der Lester- 
fel, der Trotzteufel und der „gemeine Rumpelgeist", der 
tiiches und geistliches Regiment durcheinander wirft. Aber 
tt ^ie Rhode das dankbare Thema auszuführen, schweift 
3y stets ab und stellt zuletzt in langem Exkurs die Pflichten 
} Predigers dar. Warnen und Strafen ist an der Ordnung 
einer Zeit, wo die Menschen vom Evangelium sprechen, 
Is were es ein Historia von Dietrich von Bern oder sonst 
i Märlein-* 2). 

Dem Schmeichelteufel verwandt ist der Lügente ufel, 
r seinen Schriftsteller in M. Conrad Porta fand, dem 
ator der ,,Meidleinschul", jenes allein stehenden erfolglosen 
-rsnches, die Schulkomödie in die Mädchenschule zu verpflanzen. 
»rta war 1541 in Osterwick im Fürstentum Halberstadt 
boren, schwang nach vollendetem Studium den Bakel in 
>stock, in Eisleben und in der Vaterstadt selbst; 1569 finden 
r ihn als Diaconus an St. Nicolai in Eisleben, wo er aber 
74 schon abgesetzt wurde. Vom folgenden Jahre an jedoch 
QBt er sich bereits Pastor an Peter und Paul ebenda, wo 
bis zu seinem Ende, 1585, verblieb*). Er war im Flacianischen 
reit ein Gegner Spangenbergs*), sonst stets ein felsenfester 
itheraner, wie sein „Pastorale Lutheri", das 1552 zuerst 
schien und bis 1729 gedruckt wurde, sowie seine „oratio de 



') 109*. *) 117«». 
») Holstein. ADB. 26, 445. 

*) Porta bat in einem Brief vom 24. Okt. 1573 Wigand, er möchte 
fen Sp. vorgeben, cf. Leuckfeld, Historia Spangenbergensis S. 48 f. 

6 



66 OSBOEN 161 

assidua lectione operum Lutheri^, die bis 1705 aufgelegt 
wurde^ beweisen^). In die Didaktik gehört sein ^^Jungfern- 
Spiegel" und sein „Lügen vnd Lästerteuffel" (1581)^. 

Dies Buch trägt seinen Titel eigentlich nicht ganz mit 
Recht; denn es handelt weniger vom Lügen als vom Ver- j 
leumden und behandelt ähnliche Fragen wie im gleichen Jahre \ 
Bhode^ ohne dessen lebendige Darstellung zu erreichen. P. 
macht sich die Mühe, die selbstverständlichsten Dinge mit 
einem ungeheuren Apparat von Belegen umständlich za 
beweisen. Von wirklichem Interesse in dem umfangreichen 
Traktat ist nur sehr wenig. So etwa die Ausfalle geg^ i 
„ehrenrührige Gremälde, Lieder, Getichte, Famosslibell, Pa»- ] 
quillen" '^), wobei er sich auf das im Speyerer Reichstags- j 
abschied von 1670 erneute strenge Verbot solcher „Schand- 
schriften" bezieht*). 

Den Weibern ist er sehr zugethan, und nichts ist ihm 
mehr zuwider als misogyne Aussprüche. Darum stimmt er 
freudig zu, wenn Martin Luther in seiner Vorrede zu JohaoJ^ 
Preders „Dialogus, dem Ehestand zu Ehren geschrieben", der 
sich gegen Sebastian Francks weiberfeindliche Sprichworts^ 
richtet, jenen lobt*^) und diesen in den allergröbsten ihm ztx^ 
Verfügung stehenden Schimpfwörtern herunter macht. lA^^ 
Behagen druckt Porta Ijuthers AVorte ab, wenn dieser ^^ 
grobianisch und drastisch vde nur möglich die widerlichst^^ 
Schmutzfliegen beschreibt und dann fortfährt: „Ja eben erf>^ 
solche Hummel ist dieser Sebastian Francke" *). Mit Lutk^^ 
tobt er gegen Franckes dem Horaz nachgebildetes, witzig"^^ 
Wort: „Lesche das Licht auss, so sind alle Weiber gleicb-*'*' 

Stets schliesst sich Porta an ältere Schriften an ; aus d ^^ 
Ludovicus Rabus Predigt „wider die neun fürnembst« Häuj^'^' 

Zedier, Univ.-Lexik. 28, Sp. 1690. 

^) „ . . . Mit seinen Natürlichen Farben vnd Eygenschafiflen. All*^^ 
Giffbigen, Verlipten Zungen, Ehrendieben, vnd Verleumdern, zur V^^ 
mahnung vnd "Warnung abgemahlet, vnd beschrieben durch M. Conradu''' 
Portam, Pfarrherm zu S. Peter vnd Paul in Eissleben''. Goedet« 
S. 488. No. 29. Im Theatr. Diabol. Cn 136«— 168 als No. 9. 

•) ISTJff. *) I64«b-165*. '*)Erl. Ausg. 63,384ff. •) 14ö«b— 146». 



162 SÜNDEN UND LASTER. 67 

lastei^' nimmt er eine Beschreibung des Hauptlügenwerkzeuges^ 
der Zunge; mit Augustinus teilt er die mendacia in officiosa, 
pemicioBa^ iocosa und verteidigt besonders die Berechtigung 
der letzteren, die er vornehmlich in den Fabeln und Märchen 
findet, so dass er beispielsweise die Aesopischen Fabeln als 
ein ,,alberes Kinderbuch" bezeichnet, ohne doch ihre Lebens- 
weisheit, die auch Luther gerühmt hatte, ganz zu verkennen. 
Eine Vorrede von 26 Seiten, die weitläufig eine Schilderung 
Ton der verderblichen Thätigkeit der Zunge entwirft, geht in 
der Originalausgabe dem Traktat voraus; sie ist nach dem 
Muster des Buches „De lingua" von Erasmus (s. unten : Fluch- 
teiifel) verfasst, das für die didaktischen Schriften gegen die 
Luge vielfach anregend wirkte. Im Anschluss daran hatte 
beispielsweise auch Caspar Huberinus, der Freund Luthers, 
1631 eine kleine Schrift „Von losen falschen zungen" ^) heraus- 
gegeben, in der bereits der Teufel als der Antreiber zu Lug und 
Trug auftritt*). Auch der Weissenberger Prediger Johannes 
Pollicarius richtete sich in seinem umfangreicheren Buch „Von 
kosen Zungen, wider das verfluchte Teuffliche laster des Ver- 
leumdens, Lügens, Affterredens, etc." (1566) nach Erasmus; 
Wer ist freilich der Einfluss der wachsenden Teufellitteratur 
schon zu spüren, denn wie der Satan gleich mit in den Titel 
aufgenommen wurde, spielt er das ganze Buch hindurch fort- 
fahrend die Hauptrolle. Zum Titelbilde nahm Pollicarius 
^ weibliche Figur, die schon vor Zeiten Hans Sachsens 
»jNachred das grewlich laster, sampt seinen zwölf eygenschaflPten" 
^hmückte; die Verse des Nürnberger Dichters selbst liess er 
^ Ende seines Traktates wieder abdrucken **). 

Als eine Sünde wie Lügen und Betrügen erschienen 
I^uther und den Seinigen, wie später dem Pater Abraham 

»)7^L et a. kl. 8». - 2. Aufl. Augsburg 1642 Berl. Kgl.Bibl. Db. 7140. 

•) d Vn : „(Der Teüffel . . .) Der selb raytzet vnnd treybt vns on 
^^laas zu allen Sünden mit seinem listigen eingeben zündet vnser böss 
^*iich an, raytzt vns zum Vnglauben, Verachtung Gottes, verzweyfflung, 
^^•tenmg, vnnd zu andern groben lästern (als Zorn, Ynkeuschait, Geytz, 
2^&ck, Zwitracht vnd Hader)". 

•) Berl. KgL Bibl. Db. 7170. 

6* 



68 OSBOBN 163 

a Sancta Clara, bekanntlich auch die pessimistischen Gemüts- 
stimmungen, von denen kaum ein Mensch ganz und gar ver- 
schont bleibt. Auch sie sind Anfechtungen des Teufels; 
denn Gott will die fröhliche Heiterkeit seiner Getreuen, und 
ein guter Lutheraner war zu einem gewissen Mass nicht aus- 
gelassenen, sondern still vergnügten Frohsinns, der niemals von 
ihm wich, gleichsam verpflichtet^). Alle Störungen dieses 
Normalzustandes galten als Einwirkimgen höllischer Dämonen, 
und manchen brachte sein stets sorgenvolles, ernstes oder gar 
trauriges Gesicht auf den Scheiterhaufen. 

So kam der „Sorge teu fei" auf die Bretter des 
Theatrum Diabolorum. Sein Darsteller war Andreas Lang, 
der als Katholik in Eger geboren, zuerst 1561 in Chenmitz 
Prediger an der Johanneskirche war, dann, 1566 nach dem 
Interim seines Amtes entsetzt, in Kämthen eine Hofprediger- 
stelle erhielt und 1573 nach Klagenfurt kam, wo er erst 
Vicar imd bald darauf Pastor wurde ''^). Der Streit um die 
Erbsünde vertrieb ihn hier wiederum und 1577 finden ^lir ihn 
als Pfarrer in Wülfersdorf wieder, wo er 1583 sein wechsel- 
reiches Leben beschloss. 

Sein „ Sorge teufel** ^) ist ein wahres Compendium der 
Philisterhaftigkeit. AVenn Luther in kräftigen Worten ge^en 
die „Bauchsorg*^ und diejenigen vorging, die in den kleinlichen 
Mühen der Geschäfte das Gefühl für alles Grosse und Herrliche 
verloren, wenn er den vergrübelten Erwerbsjägem die gerunzelte 
Stirn etwas gewaltsam glättete und ihi-e Blicke aus der engen 
Stube in die freie Natur lenken wollte, so wird in seines 
Schülers breitem Traktat eigentlich jedes Streben und jede 
individuelle Kraftentwicklung zu den schweren Sünden geworfen, 

cf. Luther E. A. 60,60; 169. 59,325. 

-) cf. Rotermunda Fortsetzung zu Jöcher. III, Sp. 1189 f. 

') „ . . . Das ist wider die Heydnische Bauchsorgo der leiblichen 
Nahrung schöner, nützer vnd tröstlicher Vnterricht, wie sich ein jeder 
in seinem Beruflf, auss der Providentia vnnd Göttlichen Fürsehung trösten 
sol. In diesen letzten, schweren vnnd bösen Zeiten, sehr nötig vnd nützlich 
zu lesen. Durch Herrn Andream Lang**. Goedeke S. 482. No. 21. 
Im Th. Diab. B. No. 23. Fol. 525«— 560. — C" No. 18 Fol. 848«— 374. 



164 SÜNDEN UND LASTER. 69 

deren Pflege der Satan eifrigst betreibt. Lang will zwar unter- 
scheiden zwischen y^Amtsorg''^ der uns von Gott bestimmten 
Arbeit, und „Bauchsorg", die darüber hinausgeht; aber wo 
ist die Grenze? Denn nicht den übertriebenen Ehrgeiz 
oder gar Geiz und Habsucht bekämpft er allein, sondern 
geradezu jedes höhere Streben, sofern es sich nicht unmittel- 
bar und ausdrücklich auf das Heil der Seele richtet. Wer 
im Herzen einen Trieb fühlt, emporzukommen, ein Sehnen 
nach besserer sozialer Stellung, nach umfassender Bildung, 
wer, ohne Geld- und B-uhmgier, durch rastlosen Fleiss und 
unermüdliche Thätigkeit immer Grösseres und Tüchtigeres zu 
leisten sich bemüht, dem steht der Teufel nahe. Es ist 
unmöglich, das konfuse Buch, in dem so vieles in einen Topf 
geworfen und durch einander gerührt wird, genau nach seiner 
äusseren Kapiteleinteilung zu analysieren. Das wenige 
Gute, das es enthält, die Verurteilung verdriesslicher Klein- 
krämerei und die Ermahnung, niemals, auch im grössten 
Unglück nicht, den Kopf ganz hängen zu lassen, verschwindet 
ganz unter der langatmigen Darlegung selbstverständlicher 
Dinge und neben der Proklamierung eines Gottvertrauens, 
das weit entfernt von dem Lutherschen Ideal der vita activa 
beinahe dem Quietismus gleichkommt. Wenn Lang sagt, 
der Teufel plage die Menschen mit der „verzweiffeiten Sorge 
der Nahrung" ^), so kann dieser Satz, in solcher Allgemeinheit 
ausgesprochen, angesichts der sozialen Verhältnisse des 16. 
Jahrhunderts schlechthin als eine grosse Thorheit bezeichnet 
werden. Möglich, dass alle diese Eigenschaften der Schrift 
es bewirkten, dass keine zweite Auflage verlangt wurde, als 
die erste vergriffen war, so dass der Sorgeteufel zu der kleinen 
Schaar der höllischen Gesellen gehört, die nur ein einziges 
^ aus der Offizin eines Druckers in die Welt hinaus- 
geschickt wurden. 

Offenbar angeregt von Lang, schrieb 1585 der Arn- 
stedter Pfarrer Laurentius Drabitius seinen „Herzens- 

Cn 844*. 



70 OSBORN 166 

trost wider den Sorgenteuffel" ^) ^^mn zwo vnterschied- 
liehen Predigten'^, von denen die erste namentlich die ,3^^^^' 
sorg*' in der Ehe behandelt, während die zweite an den in 
Matth. 15 und Marc. 8 erzählten Geschichten, wie Jesus die 
Kranken heilt und die Hungrigen sättigt, die Güte Gt>tte8 
darlegt. 

Die Anregung zu seiner Schrift wiederum mag Lang 
durch den im Jahre vorher, 1572, erschienenen „Melan- 
cholischen Teufe P' von Simon Musaeus erhalten haben, 
wenn sich auch Übereinstimmungen im E2inzelnen nicht nach- 
weisen lassen. 

Auch die „Melancholey" war seit Luther unter die 
Sünden eingereiht. Ln Beginn des Jahrhunderts hatt« sie 
Erasmus noch in seinem „Enkomion Moriae^ mit satirischer 
Feder verspottet. Er pries die Unwissenheit und ihr ungetrübtes 
Glück und stellte ihr gegenüber das ungewisse Streben nach 
Wissen mit den Sorgen und der Verzweiflung, die es mit sich 
bringe, ähnlich spottend, wie um rund 100 Jahre später der 
Leipziger Chr. Bachmann, der in seinem Drama ,,Melancholicns'' 
eine witzige Charakterstudie gab *). Aber nach Erasmus 
machte sich der grösst« bildende deutsche Künstler des Jahr- 
hunderts, der zugleich überhaupt der grösste Künstler auf dem 
Gebiete der gesamten Phantasieschöpfung unseres Volkes in 
jener Zeit blieb, Albrecht Dürer, diesen Vorwurf zu eigen^ 
Er packte ihn mit tiefem heiligem Ernst an und verwandelte 
in seinem unvergleichlichen Stich, der „Melencolia" (1519 
den Weisheitsnarren „in einen Genius, welcher emporfliegei 
möchte bis um die Grenzen der fassbaren Welt. Er zeichne 
eine mächtige Frauengestalt, in deren ganzem Wesen sie 
das kräftige Streben nach dem Grossen und Erhabene 
kundgiebt. Er hat aber doch auch die XJberzeugung, 



*) „ . . . Aus der vierden Bitte vnnd vberaus trostreichen wunder" — 
wercke Christi, da er mit 7 brodten 4000 Mann aus^j^enommen Weibe '^' 
vnd Kinder . . . gesettij^t**. Erfurt (Martin Wittel) Verlag von Otto vo«» 
Risewigk. 4«. (A.-G,) Berl. Kgl. Bibl. (an) Dp. 700. Fehlt »>ei Goedeke- 

«) Scherer ADB I, 763. 



166 SÜNDEN UND LASTER. 71 

das geistige Bingen den Frieden der Seele verzehrt, die Ruhe 
des Lebens gefährdet, tiefe Schwermut im Gefolge hat" ^). 
So ist seine ,,Melancholie^' der rastlose, stets unbefriedigte 
Menschengeist, der Faust zu dem Greständnis treibt, „dass wir 
nichts wissen können" ^). 

Für die Grösse und Erhabenheit, die in dieser faustischen 

Melancholie einer in qualvollem Ringen um die Wahrheit nach 

Erkenntnis dürstenden Menschenseele liegt, fehlt« Luther jede 

Sympathie'*). Der Forschertitanismus des Himmelstürmers, 

der erkennen will, was die Welt im innersten zusammenhält, ist 

seiner Anschauung, welche die Welt so annimmt wie sie ist, 

oder vielmehr wie sie Gott geschafifen hat, und sich in ihr 

zurecht zu finden sucht, völlig fremd. Diese Anschauung war 

ebenso gesund wie boniiert. Denn jedes darüber hinaus 

gehende Streben hielt er ängstlich von sich fem, und er, der 

in dem gewaltigen transscendenten System des Christentums 

lebte und webte, verurteilte das Suchen nach den letzten 

Gründen der Dinge als eine schwere Sünde und die Melancholie, 

die Verzweiflung, welche für den unbefriedigten Suchenden 

daraus resultieren musste, als ein Werk des Teufels. 

Ganz in seinen Fussstapfen marschiert natürlich der 
Schilderer des „Melancholischen Teufels". Von Albrecht 
Dürers grossartiger Auffassung ist jede Spur verschwunden. 

Simon Musäus wurde 1621 bei Kottbus geboren. „Simon 
Meusel, ein armer Ackersmann und Hedwig Neumannin hatten 
die Ehre seine Altem zu seyn", wie ein späterer Biograph 
^icb ausdrückte *), Nachdem er in Frankfurt a. O. studiert, 
*^ Wittenberg den Doktorhut erworben hatte, begann er seine 

») A. Springer Albrecht Dürer, Berlin 1892. S. 101. 102. 

*) E. Schmidt, Charakteristiken S. 7 u. Thausing, Dürer (1. Aufl.) 
8-460. 

•) cf. Tischreden. E. A. 60, 125 ff. 

*) Sieg^sm. Justus Ehrhardt, Presbyteriologie des Evangelischen 
^ihlesiens. I. Bd. Liegnitz 1780. S. 182 ff. — cf. Ausserdem über ihn 
^B 23, 91 Schimmelpfennig, wo die sonstige Litteratur verzeichnet ist, 
^0 aber die Angaben, die Frehers Theatrum viror. eruditione singulari 
clarorum (1688) S. 243 über ihn vorbringt, verwirrt sind. 



72 OSBORN 

rastlose Wanderschaft durch Deutschland. An allen O: 
fast begegnet er uus^ in Breslau, in Gotha, in Eisfeld, in J* 
in Bremen, in Schwerin; bald finden wir ihn in Grera, 1 
in Thorn, bald in Coburg, dann wieder in Soest. Nirgen 
hält er länger aus als 3 Jahre, und als er endlich 1576 
Superintendentenstelle in Mansfeld erhalten, die bis d: 
Cyriacus Spangenberg innegehabt hatte — es war das 14. A 
das er bekleidete! — starb er schon 11 Wochen darauf. 
Juli 1576. Musaeus stand in Verbindung mit den er 
theologischen Kreisen Deutschlands; Tileman Hesshusius 
sein Schwiegersohn, mit Melanchthon war er eng befreun 
er nahm regsten Anteil an den Streitigkeiten der Zeit. 
August 1560 sehen wir ihn als Präsidenten in der Weim 
Disputaz zwischen Matthias Flacius und Victorinus Str 
Er selbst stand auf Strigels Seite und gab 1561 eine „Sente 
de peccato originis quod non sit substantia** heraus. 

Der „melancholische Teufel**^) des weit Um 
getriebenen zeigt im Stil eine erfreuliche Frische 
Lebendigkeit. 

Die anderen Teufel, so meint er im Auschluss 
die alte Teilung, seien alle schwarze Dämonen, der s 
aber ein hinterlistiger weisser Satan. Nicht übel schil 
er die „schändliche Melancholey'% wie sie „vertreibet 

*) ^»Melancholischer Teufel, Nützlicher bericht vnd heilsamer I 
gep^ündt aus Gottes Wort wie man alle Melancholische Teuffli 
gedanken, von sich treiben soll, Insonderheit allen Schwermütigen Her 
zum sonderlichen Trost gestellet. Durch Simonem Musaum, der lieil 
Schrift doctor". Tham in der Neumark (Christoph lluugen) 1572. 
rede von 1569. — Der veränderte Titel einer späteren nach Mus. ' 
veranstalteten Auflage hat Goedeke- II, 482 No. 19 veranlasst, e 
neuen Teufelstraktat anzusetzen, der zu streichen ist : „Spekulationis 
Teuffei, darin heilsamer Bericht vnd That aus Cxottes Wort zusanc 
gefasst vnd gezogen, womit man die Melancholische Teuffelische geda 
von sich treiben sol, Allen bekümmerten vnd schwermütigen Hei 
zu Trost durch D. Sim. Musaeum Selig beschrieben. 1579. Zu 3Ia 
burgk druckts Andreas Gehen. In Verlegung Symon Hüters**. Im Th 
DiaboL B 660-— 568; C" ala Spekulationischer Teuflel 129-- 
als Melanchol. T. 374— 380-, 



168 SÜNDEN UND LASTER. 73 

H. Geist Ynnd ladet zu gast den bösen Geist, der macht 
denn auss vnser Seel ynd Leib ein lauter Riunorhauss, oder 
ein yngestüm Meer, dass für vnd für aufF vnd nider gehet, 
brauset ynnd schäumet mit sorgen, grillen, hummeln ynd tauben 
durch einander, da jmmer ein gedanck den andern treibt, 
Tnnd eine Vnruhe die ander jaget vnnd schlaget'' ^). Ein 
Abfall von Gott ist es, wenn wir, wie Faust, nach den causae 
primae suchen, und Verlust unseres Seelenheils die Folge; 
ja, Musaeus spricht geradezu von einer „Epikurischen Trawrig- 
keit" ! -) Und gegen diese Anfechtimgen des Teufels empfiehlt 
er neben dem Gebet und dem innigen Glauben auch die 
.,easserlichen Mittel": Geselligkeit, einen massigen Trunk 
Weines und die Musik, auch hier sich eng an Luther an- 
schliessend '). Die Qualen des Lebens muss jedermann erdulden, 
die bösen Tage sind nicht Zeichen göttlichen Zorns und 
ffdiejenigen am dicksten ins Himmelreich fahren, die am meisten 
We jhr zeitliche Helle gehabt" *). Wenn es Dir übel gehet, 
„80 erschrecke nicht dafür *^), es ist nicht ein Henckers Schwerdt, 
sondern nur eine gnädige Vatters Ruhte . ." **). 

*)Cni30b. Dazu noch 129=». «) 133». ») 132^. *) 135». *) 135b. 

^) Die wenigen Proben aus dem Buch des Musaeus zeigen schon 
*^ Genüge, wie unberechtigt es ist, wenn v. Eye und AUibn (Dürer- 
■^dien S. 106 ff.) behaupten, dass im 16. Jahrhundert „nirgends von 
^' Helancholie als Verzweiflung oder Weltschmerz die Bede ist; an 
derartiges dachte die Dörersche Zeit nicht*'; Melancholiker seien nur 
™i>chen, welche „mehr geneigt zur Lehre" sind. Natürlich muss so 
"** Auflassung des Dürerschen Stiches eine falsche werden. 



3. Wirtshausleben. 

Saufteufel — Spielteufel — Tanzteufel — Fluchteufel — Faulte 

„Vnser deudscher Teufel wird ein guter Weinsch 
sein und muss SaufF heissen^^, hatte Luther gesagt, un( 
dem Kampf gegen das „Nationallaster^* der Trunksucht 
Priederich 1561 den Krieg der Pastoren gegen den 1 
eigentlich begonnen. Er fand hier den Boden bereits ge( 
Denn seitdem in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts b 
der „Weinschwelg" und die „Wiener Meerfahrt" vom 
gesungen und die realistische Darstellung wüster Gelage 
sucht hatten, war allmählich eine weit verbreitete sati: 
Trinklitteratur emporgekommen, an der sich noch die Epi| 
der höfischen Dichtung beteiligten, die B ran t^) und Mur 
in ihre Kreise zog, die im 16. Jahrhundert dann einen gewa 
Aufschwung nahm, in der Schw^eiz in Niklas Mani 
Sohn einen trefflichen Vertreter fand, und schliesslic 
Fischarts grotesker Trunkenlitanei im 8. Gargan tuak 
ihren Höhepunkt eiTeichte^). Fast ausnahmslos richtei 
die Verfasser gegen das übermässige Saufen, aber sie 
können doch die Lust nicht verleugnen, die sie empfi 
wenn sie lärmende Kneipereien, oft in launigster \ 
schildern. Und wenn, was oft geschah, einem Verteidige 
Weines imd Bieres ein asketischer Trinkerfeind gege) 
gestellt wurde, so werden nicht selten die fröhlichen \ 
des Zechers auf den Leser tieferen Eindruck gemacht h 
als die trockene Nüchternheit des wohlmeinenden Wa: 
Vielleicht, könnte man hie und da gar meinen, ist dem 



^) Narrenschiff cap. 16. 
•) Narrenbeschwörung cap. 18. 

•) A. Hauffen, Vierte^ahrsschr. f. Litteraturgesch. II, 481 
Nachträge VI, 174 f., bes. Anm. 21. 



170 WIRTSHAÜSLEBEN. 75 

fasser das Lob mehr aus dem Herzen gekommen, wie die 
Empfehlung der Massigkeit. 

Die Prediger, die schon seit Berthold von Begensburg ^) 
in den Reihen der Kämpfer gegen die Trunksucht standen, 
waren freilich ernsthafter bemüht, den moralischen Zweck 
deutlich in den Vordergrund zu stallen; so wurden sie starr 
und streng und brandmarkten den Weingenuss überhaupt als 
sündige Erdenlust. 

Friederich-) war im Grunde des Herzens gewiss eben- 
falls ein strenger Gegner der Trunksucht, aber auch er schildert 
das wüste Leben in den Kneipen, den Rausch und seine Folgen 
nicht ohne ein gewisses Behagen. Er erzählt selbst mit köst- 

*j cf. Bertholds Predigten, her. v. Pfeiffer. Wien 1862 
8. 103. 190. 226. 424. 436. 

•) „Wider den Saufteufel« Frankfurt 1651. 4». — Frankf. 1666. 4». 
— nWidder den Sauffteufel, gebessert, vnd an vielen örtern gemehret. 
Item, Ein Sendbrieff des Hellischen Sathans an die Zutrincker vor 45 Jaren 
oiTor ausgegangen. Item ein Sendbrieff Matthaei Friederichs, an die 
▼oUen Brüder in deutschem Lande". Frankf. a. 0. 1557. 4«. — Siehe 
Öoedeke* 11,480. N. 5. — Ausser den dort genannten weiteren 
Ausgaben noch: Frankfurt a. 0. 1661 (Eichhorn) [Berl. Kg. Bibl. Db. 3001] 
^^'' „Wider den Sauffen teuffei. Etliche wichtige vrsachen, warumb alle 
loschen sich vor dem Sauffen hüeten sollen. Item dz das halb vnd 
gtntz Sauffen Sünde vnd in Gottes wort verboten sey. Item Etliche 
Einreden 8 Seuffer mit jren Verlegungen. Durch Mattheum Friedrich 
von Görlitz". Am Schluss: „Gedruckt in der Fürstlichen Stadt zu 
Ynssprugg durch Rueprechten Höller in der Hoffgassen", o. J. Im 
^^llOsc. der Münchener Hof- und Staatsbibliothek Mor. 192. 
öie Vorrede ist von 1664 unterzeichnet, und da der „Sendbrief" Schwarzen- 
^^^ wie auch die seit der 3. Ausgabe beigefügten Anhängsel Friedrichs 
''^Jilen, so ¥nrd die vorliegende Ausgabe, ein Unicum als Druck eines 
Teufelbuches in katholischem Gebiet, ein Nachdruck der 2. Auflage (1655) 
'«m. — Schliesslich noch eine Übersetzung ins Schwedische durch Pet. 
o^Dion Löfgren. 1654. cf. Otto, Lexikon der seit dem 16. Jahrhundert 
v^torbenen und jetzt lebenden Oberlausizischen Schriftsteller und Künstler, 
^orlitx 1800. I, 367 und Unschuld. Nachrichten 1724 S. 938. Im 
Theatrum Diabolorum: No. 10. A, 816— 339«. — B, 272—292. — 
Ci 2Sd*— 240*. Teilweise abgedruckt nach d. Ausg. von 1562 in 
Scheibles Kloster I, S. 60—92. — Stücke auch bei Ignatz Hub. 
»iehe S. 7 Anm. 3. 



76 OSBORN 171 

lieber Naivität, er halte sich zu einem Angriff auf den Sauf- 
teufel besonders geeignet ^) „als der ich vorzeiten jm auch 
gedienet vnd vnter seinem Fehnlin (als ich hoffe, zu seinem 
grossen schaden) gelegen bin'^, imd schneidet eigentlich so 
seiner im späteren Alter geschriebenen Predigt von der Ver- 
werflichkeit des Trinkens ihre Wirkung selbst ab. 

Auch Friederich meint, wenn die Deutschen das Saufen 
Hessen, so „selten sie es mit Verstandt vnd Witze vielen andern 
Nationen zuvor thun" -), und im Eingang reimt er : 

„Du edle deutsche Nation 

„Die du wärst aller Land ein Krön 

„So du von deinem Sauffen liesst 

„Deins Lobs ein end kein Mensch nicht wüsst" *). 
— ein Gedanke, den wir in der ganzen Trinklitteratur ver- 
breitet finden *). So sagte auch Hütten % als er die zahlreichen 
Tugenden der Deutschen aufzählt: „Wo sye die behalten möchten 
imd darbey nüchtern lebten, wüsszte ich kern nation für sye 
zu setzen". 

Das Saufen ist von allen Lastern begleitet (s. S. 29 f.). 
Zahlreiche Beispiele, darunter der seit Seb. Brant (N.-S. c. 1^ 
ed. Zarncke 18, 41 f.) nie fehlende Alexander der Grosse, derii» 
Trunk seinen Freimd erschlagen, bestätigen diese Behauptung« 
Eine ergötzliche Schilderung giebt Friederich (fol. 27^) 
von der Zerstörung, welche die Trunkenheit an unserer Gesund- 
heit anrichtet, und besonders heftig wendet er sich, wie a^^ 
seine Zeitgenossen seit Obsopoeus®) gegen das Laster d^ 
Zutrinkeus, des „halb vnd gantz sauffens**: ob wir trunk^^ 
werden oder nicht — die That allein ist sündig (fol. 278>)- 
Diese Sitte hatte ja sclion lauge nicht nur die Didaktik^^^ 

B fol. 286 '^K. 

«) 273 2 c. 

*) Vgl. hierzu u. S. 208 u. 

*) Hauffen a. a. 0. bes. S. 508. Strauch, Auz. f. d. Alt. I^» 
362 Anm. u. 380. Roethe, Allg. Dtsch. Biogr. 31, 131 (SchertliD> 
Auch Kawerau Viert. V, 175 f. A. Schultz, Dtsch. Leben im 14. a. 15. J^- 
(Wien 1892) S. 67 f. 

») ed. Boecking 1, 282. «) Häuften a. a. O. 



J2 WIKTSHAU8LEBEN. 77 

>ndem auch die Obrigkeiten und sogar den Reichstag be- 
iMftigt. Die strengsten Verbote ergingen und die schärfsten 
trafen wurden festgesetzt. Wie sehr mitunter auch der 
inzekie unter der Herrschaft der übertriebenen freundlichen 
ntte zu leiden hatte, erkennt man am besten daraus, dass 
dch manche aus Furcht vor der Verpflichtung, übermässig oft 
Bescheid thun zu müssen, dagegen durch öffentliche Urkunden 
zu schützen suchten, in denen sie erklärten, es sei ihrem Glauben 
und ihrer Gesundheit schädlich ^). 

Eine der witzigsten Schriften der ganzen Trinklitteratur, 
des Preiherm von Schwarzenberg „Büchlein wider die 
Zutrinker" *) hatte sich auch, wie so viele, auf eines jener 
Gesetze gestützt, und zwar auf das Edikt Maximilians vom 
Keichstag zu Trier und Köln 1612, das dem widerspenstigen 
Adel den Zutritt zum Dienst am kaiserlichen Hof verschloss 
und den niedrigeren Ständen drohte, im Fall der Übertretung 
sie ,jan jren Leiben härtiglich darumb zu straffen". Schwarzen- 
l>erg schliesst sich in seinem Büchlein an das alte, zuerst im 
12. Jahrhundert belegte Motiv der satirischen Teufelsbriefe 
^ angeregt durch die berühmteste und verbreitetste dieser 
erfundenen Botschaften, die „epistola Luciferi" des Heinrich 
von Langenstein aus dem Jahre 1351, welche kurz vorher, 
I5ö7, zum ersten Male durch einen deutschen Druck (Strass- 
Wg bei M. Hupfutt, angeblich nach einer älteren Pariser 
Ausgabe) weiteren Kreisen bekannt gew^orden war *). Er 
erzählt von zwei Edikten, die jenem kaiserlichen folgten. Kurz 
^rf das erste, eine Engelsbotschaft, abgethan ; es werden nur 
^e allegorischen Figuren des Titelblattes beschrieben und die 
hatten moralisierenden Verse von den bösen Folgen des 



^) J. Müller in der Ztschr. f. dtsch. Kulturgesch. v. Müller u. 
^alke 1867 S. 727 ff. 

•) Goedeke« II, 284. 

■) cf. Wattenbach, Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 
, Sp. 88 ff.; 1869, Sp. 9; 1882. Sp. 886 und bes. Sitzungsberichte 
^er Berliner Akademie d. W. 1892 I, 91—123. — Dazu Lorenz, 
Geschichtsqnellen * II, 818. 



78 OSBORN 173 

Trinkens mitgeteilt. Dann aber, so erzählt der Verfasser, 
sei nach Schluss des Reichstages in Köhi ein höllischer Post- 
bote eingeritten, schwarz war seine Kleidung, schwarz sein 
Ross; eine Weinflasclie trug er als Büchse vorne am Bock. 
Und dieser brachte den Zutrinkem einen „SendbrieflE^ des 
Satan ^), als dessen „Dyner" hier „Trunckenpelz, Flaschenzapt 
Weinschlauch, Rebenhans, Speyenwein, Ossenwein, Schlork den 
wein, Sauffauss, Krechdemwein, Fülwein, Prasser, Toberer, 
Schlemmer, Spyeler, Rassler, Puflfel" aufgezählt werden. 
T<^Ti prächtiger Titelholzschnitt zeigt die Szene, wie der Oberste 
der Teufel seinem Untergebenen das Schreiben übergiebt. 
Dies selbst ist wie seine Vorlage eine Parodie der kaiserlichen 
Edikte ; es beginnt „Wir oberster Fürst, Regierer vnd Stände 
dess hellischen Reichs, Entbieten allen vnd jeden vnsern ind 
vnsers Reichs liebsten Getreuwen, die noch leiblich auff Erden 
leben . . . vnser Freundtschafft, Gnad vnd alles Guts, damit 
wir vnsere fleissige Diener begaben, zuvor" -). Und am Schlu8S 



i 



^) Auch andere Dinge wurden ähnlich scherzhaft pathetisch is 
yySendbriefen" behandelt. Aus den 20 er Jahren des Jahrhunderts stamiBt 
beispielsweise ein fliegendes Blatt, ein Schutzbrief gegen das Necken, dss 
„Vexieren" im gesellschaftlichen Verkehr. Er begann: „Wir die sUcf 
gewaltigisten vnd berümbtesten Herrn, Rath vnd Burger des vnfletig^ 
Gerichts von Orient biss zu Nidergang der Sonnen von Mittag biss däc*^ 
Mittemacht vnd zu allen Zeiten Summer vnd winter mehrer des reicli* 
in schlaurafien, Cacedonien vnd schlampampen vnd Narragonia etc." ; *' 

m 

droht den „Vexierem" mit schweren Strafen und schliesst „geben ^ 
vnser Stad Narrago in Ciribiria gelegen auf dem schnaderberg fi^y 
Vnserem auffgetruckten Secret den 42. truncken vnsers Reg^-ments *^ 
36. Tag Weynmonetts zwyschend Phynsten vnnd Eslyngen". Das „au^* 
getruckte Secret" dieses gleich dem Schwarzenberg^schen den kaiserlicb^^ 
Edikten humoristisch nachgebildeten Schreibens (Bartsch, Peintr.-grav. '' 
N. 134), ein kreisrunder kleiner Holzschnitt in der Grösse eines Siepr^^* 
ist keinem geringeren als Albr. Dürer zugeschrieben worden. Wenn di^^ 
der Fall ist, so könnte der ganze Schutzbrief eine bewusste Nachahmoo^ 
unseres Sendbriefes sein, dessen Verfasser ja von Dürer in einem Holt' 
schnitte porträtiert wurde (Bartsch 157). 

«) cf. Anz. f. K. d. dtsch. Vorz. 1882, 336 nach Cod. lat. Monac. 22201 : 
„Beelzebub princeps Daemoniorum cum satellitibus suis . . . suis amicis 
tartareas salutes et inviolate societatis federa". 



174 WIRTSHAÜSLEBEX. 79 

beisfit es ^^Datum in versamletem Kaht, vnter vüsenn auff- 
getrückten grossen Flaschen Sigill ^). Am ersten Tag dess 
Weinmonats nach wehrung vnsers Beichs im jare 7710". Die 
höllische Majestät ermahnt ihre Getreuen , nicht abzulassen 
Tom Saufen und Tom Zutrinken; sie ist erbost über die 
Mässigkeitsgesellschaften ^)y die sich in Schwaben, Franken, 
Bayern und den obem Kheinlanden gebildet haben, hofft aber, 
dass des Kaisers Befehl schliesslich ebenso wie die früheren 
alle nur zum Gespött werden soll. Eine treffliche, ungemein 
liiunorYolle „Instruction, was die geübten Zutrinker von den 
Ständen der hellen zu handeln in Befelch haben", giebt eine 
genaue Anweisung, alle Berufs- und Altersklassen zum zutrinken 
a Ycrfuhren. Der Satan yerspricht den Seinigen Kraft und 
Macht zu verleihen „viel vnmenschlicher Wunderwerk zu thim", 
wid er zählt dann witzig solche „Wimderwerk" auf: „So 
lÄÄchet die Trunkenheyt die Geraden lahm vnd die Lahmen 
^ringen vnd tanzen . ., die Alten werden zu Kindern, die 
Züchtigen vnverschämpt, die Stillen schreyend . ., die Heym- 
Kdikeit wird offenbar, die Nacht wird gebraucht für den Tag 
▼nd widerumb der Tag für die Nacht, die stillstehenden Brätter 
^ Häuser laufen vmb vnd eines wirdt geachtet für zwei, 
Geistliche werden Fleischlich . ., die Menschen zu Thieren". 
Die köstliche Schrift erschien anonym noch im Jahre 
dtt Reichstags, 1612, und die Satire auf die kaiserliche Ver- 
ordnimg wurde ein Lieblingsbuch des sonst in der neueren 
deutschen Litteratur nicht allzu belesenen Kaisers Maximilian^); 



^) cf. Anz. f. E. (L dtsch. Yorz. 1868 Sp. 39 nach einer Münchener 
Bdschp. (1675) Fol. 173 „ . . . sub nostri terribilis Signeti charactere*'. 

*) Der älteste dieser Mässigkeits vereine war die 1517 gegründete 
^^luiitoph-Gesellschaft, welche ihr Programm in 19 Artikeln zusammen- 
halte, cf. Chr. y. Stramberg in d. Ztschr. für dtsch. Eulturgesch. von 
tfiller und Falke 1856. S. 394 ff., wo sich auch ein Abdruck der 
^itikel befindet 

*) cf. Brunnenmeister, die Quellen der Bambergensis (Lpzig. 1871) 
& 68 Anm. 2. Vorrede Sch¥rarzenbergs zu den Officien. Er habe auch 
«ein Büehldn geschrieben vom Zutrinken, welches Eayser Maximilian 
sehr wohl gefSRllen". 



80 OSBORN 175 

Dass sie noch 1584 unter Schwarzenbergs YoUem Namen 
gedruckt wnrde, zeigt, dass sie keineswegs so rasch Terschollen 
war, wie man nach Friederich glauben möchte, der sie tod 
der 3. Auflage (1557) an seinem „S^'^fteufeP' beifügte und sich 
gewissermassen als ihren Entdecker ausgab. Sicherlich kannte 
er auch das Buch schon früher und hat sich durch die Ver- 
bindung des Trinklasters mit dem Satan beeinflussen lassen; 
dass er es erst jetzt abdruckte, geschah wohl desshalb, weil er 
sich vorher die Selbständigkeit der Erfindung des „Sauft^ufels^ 
wahren, nun aber seine trockenen Ausfuhrungen mit Schwaizen- 
bergs Witz neu würzen wollte. Er nahm das Büchlein im 
ganzen unverändert auf, strich nur einzelne Verse unter den 
Bildern, die ohne diese unverständlich waren, und nahm einige 
Umstellungen vor, wobei er die Ungeschicklichkeit beging, den 
Engelbrief hinter die Teufelsbotschaft zu stellen und so di« 
Steigenmg, die Schw. durch seine Anordnung erreicht hatte, 
mutwillig zu zerstören. 

Dieser Fehler wurde nur noch schlimmer, wenn Friedericli 
nun noch einen „Sendbrief an die vollen Brüder'' hinzufügt;^ 
in dem er gegen grosse Trinkgefässe, gegen nächtliclis 
Kneipereien, gegen die an manchen Orten gegründeten 
„Saufforden" — besser „Sauorden" zu nennen — wettert 
Den Schluss macht ein schwungloses Lied. Ein grotesker 
Holzschnitt, der eine von grinsenden Teufeln geleitete wustö 
Kneipszene in denkbar unflätigster Weise darstellt, schmückt 
das Ganze ^) ; das rohe Motiv des bezechten G-esellen, d«^ 
unter den Tisch speit, erhielt sich noch lange auf den Titd' 
illustrationen, und noch 1726 ziert ein zu solchen Zweck ^^ 
bestimmtes Gefäss das erste Blatt in des Leipzigers Christi^^ 
F. Henrici (Picander) Schauspiel „Der Ertzsäufer*'. 

Unmittelbar vom Saufteufel oder vielmehr von Schwarz^^' 
berg's „Sendbrieff" abhängig ist Eustachius Schild ö; 
erst Kantor zu Kirchhain in der Niederlausitz, dann i^ 

*) Der Holzschnitt mit dem Titel ist nach dem Eichhomscli^'' 
Druck von 1567 reproduciert in Stacke's illustrierter deutscher Gesch. ^' 
zwischen S. 160 u. 161. 



176 WIRTSHAUSLEBEN. 81 

hucksLj wo er am Martinstage 1557 die Vorrede zu seinem 
„S p i 1 1 e u f e 1" ^) unterzeichnete ^). 

Schon bei Schwarzenberg fanden wir unter Lucifers 
Dienern auch „Spyeler" und „Eassler"; in Berhard Klinglers 
„Büchlein vom Spiel" (1520, Goedeke, Gengenbach S. 373—84) 
heisst das 1. Kapitel: „Wie der Teufel das Würffeispiel 
erdacht hat'', das 2.: „Wie man die strafft die da volgen 
des Teufels leer"; Gervinus erzählt (*III, 20) von einigen noch 
früheren Handschriften % in denen auch dem Satan das Ur- 
heberrecht des Spiels zuerkannt wird; und der Höllenfürst 
stand nach dem allgemeinen Volksglauben dem Glücksspiel 
so nahe, dass er sogar in Hexenakten den Namen „Schenzerlein^' 
(von „schanzen" = würfeln) trägt*). Schildo kämpft gegen die 
wilden Schlemmer, deren Gesang isf^) „ede, bibe, lüde, post 
mortem nulla voluptas" *). Ihr Abgott ist der „epikurische 
teuffei" und dessen Gesellen, unter denen sich auch der Spiel- 
teufel befindet. Ganz wie Schwarzenberg wählte Schildo die 
Form eines satirischen Sendbriefes, den diesmal nicht Satan 

*) „Spilteufel. Ein gemeyn Aussschreibeu von der Spiler Bruder- 
schaft vnd Orden, sampt Iren Schriften, gueten Wercken vnnd abläse. 
Hit einer kurtzen angehengten erklärung nützlich vnnd lustig zu lesen. 
Gedruckt zu Frankfurt an der Oder durch Johann Eychom Anno 1657" 
(fierlKgl. Bibl. Db 3002). Diese erste Ausgabe fehlt bei Goedeke, der 
Gnindr. IL, 481 unter N. 15 die andern Auflagen aufzählt. Dazu noch 
die Ausgabe Ursel 1561 (Berl. Kgl. Bibl. Db 8015). — Im Theatr. Diabol. 
^0. 18 A 506«— 515; B 436—442; On (No. 13) 264«— 270«. — In 
^eibles Kloster I, 54 ff. ist der „SpilteufeP' fälschlich Andreas Musculus 
^geschrieben. Danach hielt auch Ignatz Hub (s. o. S. 7) den „Spilt.** 
^ ein Werk Musculus^ obwohl er selbst S. 591 abdruckt: „Spilteufel 
dnpch Eustachium Schildo«. 

5) Roethe ADB 81, 209. 

*) Er nennt eine Weimarer von 1475 „Von dem Würfel", eine 
ködere von 1489 „Wie der Würffei auf ist kommen«. 

*) Orimm, Mythologie* n, 481. 

*) Vorrede. 

•) Diese Erwähnung des „reyen« ist zu Hauffen Viert, liir Litt, 
^each. VI, 169 nachzutragen. Über die spätere Überlieferung des be- 
^Qnten Refrains seit 1720 cf. Max Friedländer, historisch - kritisches 
Commerabuch (Berlin 1892J S. 161. 

6 



82 OSBOBX 1 

selbst, sondern die Spieler im Namen ihres Teufels ausgefa 
lassen: y^Wir Spitzbuben Dopler und alle Spielbrüderi san 
ynsem treuwen Gehülffen, den Kartenmahlem, Würflfelschnitze 
vnd den Kunstreichen Meistern des Schachs, Brätspiels t 
andrer Instrument, darauf man spielet . /', so beginnt er. 
ist ein Spielerorden, der hier sein Edikt ergehen lässt, u 
der mit komischem Ordensbewusstsein stolz die Thätigk 
der Mitglieder, wie Spielen, Fluchen, Verschwenden, Lüg< 
Betrügen, Raufen und Schlagen, rühmend schildert. Ha 
Friederich den Einwand der Säufer, dass man durch c 
Trinkon doch wenigstens in der Zeit des Zechens selbst d< 
Spiele fem bleibe, yorgebracht, so erklärten Schildo's Orde: 
brüder, sie spielten nicht „vmb kurtzweil willen'S sond( 
„dass wir vns dess Saufifens enthalten'^ Humoristisch w 
dann, auch ähnlich wie bei Friederich, die Dienerschaft c 
Spielteufels Yorgefiihrt ^) : Der „Vnrüwige Teuffei", der < 
Leute ins Wirtshaus treibt, die beiden „Proviantmeiste 
der Fressteufel und der Saufteufel, der „Bossenreisser-'* u 
„Lachteufel", der „Sauerteuffel", der uns beim Verlieren ( 
wütendes Gesicht machen lässt, der „Lästerteufel, Haderteui 
Schwereteufel", mit dem „Naclitteufel", der uns die Näcl 
durchspielen heisst, und der Lügenteufel, zu guter letzt nc 
der „grobe Unflat", wie mit einem grobianisclien Lieblin 
wort^) der „Mordteufel" genannt wird. 

Dem flotten Sünderbrief folgt eine langatmige Aus€ 
andersetzung über die Sündhaftigkeit und die schädlicl 
Folgen des Spiels. Wie Friederich mit seinem Teufel genau 
Bekanntschaft gemacht hatte, so giebt dies auch Schilde re 
zu. Daher die treffliche Kenntnis von seinen gräulicl 
Eigenschaften. Nicht ohne Geschicklichkeit schildert er 
Aufregungen des Spiels, erzählt er von gewerbsmässig 
Betrügern. Jedes Spiel wirft er zu den Sünden, nur < 
Schach und einige Brettspiele finden Gnade vor seineu Aug 
Aber schon die 4 Farben der Karten, die ihm als Sinnbili 

») Fol. 486—86. 

-) cf. Strauchs Rezension von Haufl'ens „Caspar Scheit« AidA 18,8 



178 WntTSHAUSLEBEN. 83 

der 4 Elemente erscheinen^ deutet er auf drohendes Verderben : 
Bot, die Blutfarbe, ist wässeriger Art und erinnert an die 
Schlägereien am Spieltisch, wo oft ,,die rohte Würtz vber die 
backen läuffet'^; Qrün, die Waldfarbe, windiger Art, soll zeigen^ 
wie die Spieler Yom Glück herumgetrieben werden, den Blättern 
der Bäume gleich, wenn der Sturm in sie hineinfahrt; die 
gelbe feurige Schellenfarbe ist ein Symbol des „geblichen'' 
Zorns der Spieler und deutet zugleich auf die Narrenkappe, 
die sie yerdienen ; die „Eychelfarb ist Erdiger Art'' und legt 
den Vergleich mit den eichelyerzehrenden Schweinen nahe. 
Wie Hans Sachs in seinem bekannten Fastnachtsspiel 
Spieler, Trinker und Buhler als Brüder auftreten lässt, so 
können wir hier dem Spiel- und Saufteufel den Tanzteufel 
mgesellen, der mit ihnen in den Wirtshäusern sein Wesen 
treibt Ihn erkor sich der Pfarrer Florian Daule. 

Auch der Tanz war schon lange für weltliche und geist- 
liche Obrigkeit ein Ärgernis, das sie durch Einschränkungen 
ttnd Verbote zu bannen suchte '). Bei der zunehmenden 
fiohheit wurden sie immer zahlreicher und eindringlicher, 
utd schon früh riefen zugleich mit ihnen die litterarischen 
Bekämpfer des Tanzes den Teufel zu Hilfe, um stärker zu 
^ken*). Schon Hugo von Trimberg sagte im Renner: 
V. 19469 ff. „Alsam farent die teufel gern 

„Swa streit ist, tantz vnd tabern; 
„Wann sie der sein wartent da 
„Michels mere danne anderswa". 
In der späteren Zeit erregten namentlich die „Lobe- 
Unze" den Zorn, die, seit 1458 belegt, hauptsächlich in 
Vtissen und Umgegend zu Hause waren ^), und die, wie 
^Puigenberg ^) sie später erklärte, dazu da waren „damit die 



') Böhme, Geschiohte des Tanzes in Deutschland I, S. 113 ff. Über 
^thoKache Tanzverbote cf. George Philipps, Vermischte Schriften III, 
^ 47 f. und dara die Anmerkungen S. 405 ff. 

*) cL Alwin Scholz, höf. Leben z. Z. d. Minnesinger I, 549 f. 

^ Böhme, a. a. 0. I, 59. 

*) in der 44. Predigt seines „Ehespiegels" 1570. 

6* 



84 OSBORN 

Kinder von den Nachbauern gesehen werden, Ehes 
für zu nehmen'^ Darum rief im Spiel von Frau Jutten 

„Alle meine liebe hellekind 
„Die mit mir in der Helle sind 
„Krentzelin vnd Fedderwisch 
„Dazu Nottis ein teufel frisch 
„Astrott vnd Spiegelglantz 
„Macht mir einen Lobe tan tz" — 

ähnlich wie in einem andern Drama ^) der Satan e 
Verdammten befahl: „Du scholt uyghe reye dicht< 
Narrenschiff liess der ernste Sebastian Braut seine 
warnend ertönen: 

61, 5 ff.: „Aber so ich gedeuck dar by 

„Wie tantz mit sünd entsprungen sy 
„Vnd ich kan mercken vnd betraclit 
„Das es der tu fei hat vff bracht 
„Da er das gülden kalb erdacht . . . ." 

Und diese Stelle gab neben anderem vielleicht auch 
regung zu dem von Bolte (Alemannia 18, 74 ff.) mii 
„Lied wider das Tanzen"-): 

„Der Teuf fei hat geschaffen 
„Des tantzes raserey 
„macht dleut zu narren vnd äffen 
„Da steet manch s gaffen klaffen 
„Manch grosse bulerey". (S. 89.) 

Auch einen besonderen Namen erfand man schoi: 
2. Hälfte des 16. Jahrhunderts lür den Dämon des 
„omnes in Chorea" — so lieisst es in dem „Liber dis 
eruditione Christi fidelium" ^) Bl. 26 - — „sunt in 
diaboly ... Et ille dyabolus vocatur s c h i c k e ii d a ii c 

Mono II, 92. 

-) Aus „drey uewo lieder von gegenwi-rtii^^eii Laster 
Berl. Kgl. Bibl. Ye 201. (Das 1. handelt „von Uberfluss des Ges 
das 2. „von allen vuUsuuferu"). 

■'») Berl. Kgl. Bibl. Eo. 4732. 



180 



WIRTSHAÜSLEBEN. 



85 



d^abolus qui vocatur schickendancz der nimpt dich iu sin 
gewalt gantz'*. 

Und die deutschen Prediger, wie Geiler Ton Kaisersberg, 
▼ie Johannes Pauli im „Schimpf und Ernst" ^), wie der Ver- 
fasser der in einer Wiener Handschrift des 15. Jahrhunderts 
erhaltenen Predigt „Was schaden tantzen bringt"^), leiteten 
das verwerfliche Vergnügen vom Teufel her, ebenso wie in 
Prankreich Wilhelm von Lyon den Tanz als einen Zirkel 
darstellte, dessen Mittelpunkt der Teufel ist, der alle Mädchen 
und Weiber an seiner linken Hand führt, oder Lambert 
Danaeus ihn den Inbegriff aller Gattungen von Giften nennt, 
die der Teufel durcheinander gemischt habe, um die Herzen 
niit schändlichen Lüsten zu entzünden *). Auf Herodias und 
auf den Tanz um das goldene Kalb wird allenthalben warnend 
hingewiesen. 

Freilich waren sich die Didaktiker des 16. Jahrhunderts 
über die Sündhaftigkeit des Tanzens nicht recht einig. 
Cornelius Agrippa hatte alle Tänze ausnahmslos verdammt 
^nd sie als Anreizungen zu Lastern aller Art gebrandmarkt. 
An ihn schloss sich Caspar Grüner an, der 1526 y,Ein Bat- 
schlag wider die gottlosen tentz*' herausgab; er zog auch den 
Satan in die Debatte und stellte jedes Tanzen als teuflisches 
Laster hin, indem er nur die ausnahm, welche zu Gottes 
Ehre veranstaltet würden. Johannes Böschenstein, der be- 
^Wimte Hebraist, wetterte auch gegen den gottlosen Tanz, 
^f nennt ihn des Teufels Fastnachtspiel und gab eine Schrift 
k^raus mit dem rohen Titel „Johann Böschenstein, Hebrayscher 
Zungen Lerer, wünschet allen tantzem vnd tantzerin, ein schnell 
^oibkeren am Kayen, ein keuchend Hertze, müde füss, trübe 
*^gen, schweyssiges angesicht, mit viel vnseligen gedanken 



') Böhme I, 102 f. 

*) Altdeutsche Blätter von Haupt und Hoffroann S. 62 ff. — 
Stücke darauti jetzt bei Vetter, Lehrhafte Litter. d. 14. u. 15. Jh. II. Teil 
(•* Kürschners Nat Jatt 12, 2) S. 277 ff. 

^ Böhme S. 103 Anm. 8. 



86 OSBORN 181 i 

vnd Ynru jres gemüts '), Got bekere sy von jrer ihorheit'' *). 
Mit zelotischem Eifer erklärte Melchior Ambach zu Frank- 
furt a/M. (1490 zu Meiningen geboren, wahrscheinlich 1559 
in Fr. a/M. f) allen Tanz für „ein schawspiel der ertzhuren 
fraw Venus und jrem son Cupido auffgerichtet'^ und fiir ein 
Werk des Teufels (1543)«). Schon 1537, als Ambach noch 
in Neckarsteinach bei Heidelberg Prediger war, hatte er sich 
über diese Fragen mit dem Pfarrer Jacob Katz aus Neuen- 
stadt am Kocher, zu Helmstadt gestritten und war Ton diesem, 
der vorher in einer Predigt sich dem Tanzen gegenüber 
weniger asketisch verhalten hatte, besiegt worden. Als dann 
1542 die Kunde sich verbreitet hatte, Katz sei erblinde^ 
ward Ambach plötzlich wieder mutig und griff zur Feder; 
doch war der alte Gegner noch kräftig genug, um in einer 
unendlich groben polemischen Schrift im folgenden Jahre nx 
antworten *). Ratz ist ein echter Lutheraner der alten Zeit, 

*) Man vergleiche mit dieser Zusammenstellang Caspar Scbeit, 
LoV>rede von wegen des Meyen. H 4^: „Da seind wolfeil rotte naieii, 
rott<j triefende äugen, blawe Meuler, klappernde Zeen, erstarte glider — "*• 

•) Augsburg (Heinrich Steyner) 1633. 6 Bl. 40. — Holzschnit-t- 
2 Pfeifer ; tanzende Paare. — Bei Goedcke's Aufzeichnung von Böschensteio^* 
Schriften, Grundr.'II, 149 fehlt dieser Traktat. — B. meint auch: „I>«^ 
^antz ist ein mutter vnd seugammen vnzalbarer vnfälle", und in derb^"^ 
Keimprosa beschreibt er die Tanzenden; „Das hat dir mein leyden, ^^ 
wissen sie die kreyden vnnd müssen gegen einander gneygen, die He^^^ 
zusammen scheyben, darnach einander umfahen, bey den leyben, ein and^' 
schmucken, trucken, ja in die oren plasen, Gott waysst wol was, hendL ^ 
kratzen, wenglin schmatzen vnd ainander wol falzen". 

•) Ambach (siehe ADB I, 389, 90 Brückner) schrieb auch «E^^^? 
Traktat vom Zusauften vnd Trunkenheit". — Die hier erwähnte Schri 
hat den Titel: „Von Tantzen, Vrtheil, Auss heiiger SchriftH vnd d^^^ 
alten Christlichen Lerem gestellet durch M. Melchior Ambach ... — ' 
Frkf. a.M. (Hermann Gülffrich) 1643, Beri. Kgl. Bibl. Db 6090. 4«. 17^ ' 

*) „Vom tantzen; obs Gott verpotten hat, obs sünd sey. Vr^ 



von andeiTi erlaupten kurtzweilen der Christen als Spielen, Singer^^' 
Trinken, Jagen etc. Mit Verlegung des Falschen vnd onbescheyde ^' 
vrteils, M. Melchior Ambach, Predigers zu Franckfurt, vom Tantzen, g^" 
schrieben. Durch Jacob Ratz, Pfarherr zu Neuwenstat am Kocher. 164^- 
(Vorrede geschrieben 1544) cf. Unschuldige Nachrichten 1780. S. 910' 



182 WIKTSHAÜSLEBEN. 87 

er hat noch Freude am frischen; fröhlichen Volksleben und 
in seinem Traktat, der auch Ton ^^Singen, Trinken, Spielen, 
Jagen" handelt, sucht er nicht, wie die späteren Verfasser 
der Teufelbücher in ihrer Starrheit, alle weltlichen Ver- 
gnügungen als sündhaft zu verdammen ^). Man dürfe nicht 
verbieten, so rief er zornig, was Gott nicht verboten habe; 
Ambach nennt er einen „Tantzuerpiettisch Heuchel TeuffeP' 
und erklärt, nur was die Grenzen der Schicklichkeit über- 
steige, sei verwerflich. Eben solche Freiheit verlangt er für 
das Volk auch bei anderer Kurtzweil, bei den Spielen, „es 
sey mit karten, im brett, mit schiessen auff der taffei, mit 
kegeln, mit fechten, mit öffentlichen schiessen, der armbrust 
Tnd der büchsen" und was das Trinken anbetrifft, so meinte 
er „ich trinck gheiii gutten weyn vnd danck Gott im Hertzen 
wann ich ein gutten trunck hab, bin fro, das wir des sawem 
Weins, im 43. jar gewachsen, ab sejn". 

Ahnlich wie Batz dachte Luther '), auch hier in schroffem 
Gegensatz zu dem starren Calvin; er meinte, wenn man tanze 
»als ein Kind", so sei es nicht zu verdammen. Aber der 
Zank dauerte fort und fort. 1594 schrieb Johann von Münster 
2Q Vortlage einen „Gottseligen Traktat von dem vngotseligen 
Tantz" *). In dem Kampf zwischen Orthodoxen und Pietisten 
"ö 17. Jahrhundert wurde um die Zulässigkeit der Adiaphora, 
^e Tanz, Spiel, Theaterbesuch, gestritten, welche jene als 
«Mitteldinge" verteidigten, während die Schule Speners sie 
verwarf; auch A. W. Francke veröffentlichte 1697 über den 
'■Änz eine besondere Schrift Christian Weise hatte vorher 

• 

^^ den „3 Erznarren" (1673) eine Lanze für den Tanz ein- 

^) Böhme hat ührigens diesen charakteristischeD Streit der Pastoren 
^^ manche andere der hier genannten Schriften nicht erwähnt. 

•) Tom. Jen. IV, 132, 556. - V, 671, 381. — IV, 256. — Erl. 
^ttsg. 34, 46 f. — 11, 40. 

*)„... dem Teufel zu trotz ..." — Der Verfasser beschreibt darin 
^nen ganz eigentümlichen „geistlichen gottseligen Tantz", der bei religiösen 
Betrachtungen den Menschen „ankomet" und den man „bey sich innerlich 
'erborgen behalt**. Merkwürdigerweise verteidigt er noch die Berechtigung 
dieses seltsamen „Tanzes". 



88 OSBOBN 183 

gelegt und noch 1719 reichte in Rostock ein Studiosus 
theologiae Justus Statins eine Doktorarbeit ein mit dem Titel: 
„De saltatione Christiana. Ob einem Christen zu tantzen 
erlaubet sey" ^). 

Florian Daule, im Jahre 1522 in Neustadt an der 
Praudnigk in Ober-Schlesien geboren, war wohl nach dem 
Zusatz „von Fürstenberg*^, den er seinem Namen beifügte, 
in diesem Orte, nahe bei G-uben, eine Zeit lang Pfarrer^. 
Später finden wir ihn in Schellwalde bei Neustadt, wo er 
1566 die Vorrede zu seinem im folgenden Jahre zuerst er- 
schienenen „Tantzteufel"') schrieb. Er schildert das 
Leben in den „Krügen^ und „Krätzschemhäusern^, er malt 
mit frischen Farben die Ausgelassenheit und Unanständigkeit 
der Tanzenden, das wüste Zechen, das Springen und Toben, 
das Drehen und „Verkördem", das Schreien und Jauchzfn 
auf dem Tanzboden. Er nennt die gottlosen Lieder, die da 
gesungen werden : „vom Wackermägdlein. Item : sie sass auff 
der Schwelle etc. Pfeiffe noch einmal. Item : vom Schneider 
der den Kittel gemacht die Hosen zerschnitten" (229 c). Die 
Unzucht, die der Tanz hervorruft, und ihre Folgen werden 
mit derbem, kräftigem Humor vorgeführt (221). Und so 
erbittert ist Daul auf die sündige Jugend, dass er „schwach 
vnd kranck vielmal darüber worden", (ibid.). 

*) Die polizeilichen Tanzordnuiigeu ziehen sich lange hin ; nocL3. 
1707 erschien in Regensburg eine genaue Vorschrift für das BenehnietrB. 
beim Tanz, in der besonders das Tanzen ohne Mantel streng verboteE*^ 
wurde. — Als ein Ausläufer der theologischen Schriften gegen den Tan:^^ 
erschien noch 1867 in Luxemburg ein anonymer Traktat „Über da "^ 
Gefährliche der Tanzbelustigungen von einem aufrichtigen Freunde de"^" 
christlichen Jugend", in katechetischer Form abgefasst, in dem es heisst ^ 
„Tanz ist Teufels werk, der Feuerherd der Leidenschaften".— Böhme 1, 1 1 1 . \9 - 

*) vgl. seine Vorrede. 

•) „Tantzteuffel, das ist wider den leichtfertigen vnverschämpto xx 
Welttantz vnd sonderlich wider die Gottes zucht vnd ehr vergessei»^ 
Nachttäntz ge stellet durch Florianum Daulen von Fürstenberg". Frkf. a. iC- 
1507. Goedeke S. 481. X. 14. Im Theatr. Diabol. A 251«— 272*; 
B 216 3—234; Ci 176 «—192. 



184 WIRTSHAÜSLEBEN. 89 

Strengste Weiberzucht empfiehlt er nach türkischem 
Becept, und die Auslegung von des Apelles G-emälde, das 
Venus mit der Schildkröte zeigt ^) — „gleich wie die Schnecken 
nimmer auss jhrem Hauss kompt. Also sollen auch Weiber, 
Jungfrauen, Dirnen, zu Hauss bleiben, vnd nicht spatzmausen, 
8olt sagen spacieren gehen" — übernahm er von den Ehe- 
teufelbüchem, bei denen dies Motiv, wie wir sehen werden, 
alWerbreitet war^). 

Für eine radikale Abschaffung des Tanzes überhaupt ist 

Daul freilich nicht, sondern er steht auf dem Standpunkt von 

Cyriacus Spangenberg, der in die 44. Predigt seines „Ehe- 

; Spiegels" eine kleine Abhandlung einschob, die dann in dea 

1 i»Tanzteufel" eingefügt wurde. Spangenbergs Theorie läuft 

im wesentlichen hinaus auf eine Teilung der Tänze in 4 Arten, 

die schon Eatz aufgestellt hatte: die geistlichen Tänze, die 

Crotzentänze, die mit dem goldenen Kalb ihren Anfang nahmen, 

die bürgerlichen Tänze und die „Bubentänze". Die 2. und 

4. Klasse ist natürlich verboten, die 1. hat seit der biblischen 

Zeit keine Bedeutung mehr, also bleibt nur die 3. übrig. 

In sie fallen die ehrbaren Tänze bei Hochzeiten und die 

nLobetänze". Anekdoten und Geschichten bestätigen die 

Richtigkeit dieser Teilung in Gottloses und Gottesfürchtiges. 

Der Zorn der Prediger wandte sich naturgemäss auch 
S^gen das tolle Fest des Karnevals, das in den katholischen 
Teilen Deutschlands, zumal in den Rheingegenden, noch in 
^ ausgelassener Weise gefeiert wurde und das sich auch im 
Protestantischen noch in die lutherische Zeit hinüber gerettet 
'^tte. Hier gab es Aiilass zu mannigfachen Übertretimgen 
^^ göttlichen Gebotes, aber ein echter rechter „Fastnachts- 
teufel" entstand doch noch erst viel später. In der 2. Hälfte 
^^ 16. Jahrhunderts sind hier nur die schon erwähnten 
Predigten des Erasmus Sarcerius^) zu nennen, welche 

') 221 « c. 

^ cf. unten S. 124. 

^ s. o. S. 24. 



90 OSBORN 185 

aber genau genommen nicht eigentlich hierher gehören, da 
sie mit der Art der Teufelbücher nichts gemein haben, sonden 
nur im trivialen, gewohnten Kanzelton das Fastnachtsgetriebe 
höchst unlebendig schildern^). 

In der Luft der Kneipe gedieh aber neben den Teufeln 
der Vergnügungen auch der „Pluchteufel"*), den sich, 
wie schon gesagt, Musculus vornahm. Das Fluchen war 
ja in dem Jahrhundert des Grrobianus in der That eine ganx 
besonders auffallende schlechte Eigenschaft der Deutschen. 
Alle Bücher sind, wenn sie nicht selbst den derben Ton an- 
schlagen, voll von Klagen über dies zunehmende Laster, j 
Schon 1495 hatte Kaiser Max ein strenges Edikt ergehen 
lassen, das den unbedachten Flucher und G-otteslästerer mit 
einer Geldstrafe belegt, bei Zahlungsunfähigkeit aber mit 
Leibesstrafe droht, das ferner dem ungehorsamen Adel die 
Kegierungsämter verschliesst und sogar den gleichgiltigen 
Zuhörer für strafbar erklärt. Ebenso erschien noch 1667 
ein „Mandat wider das vnchristenlich G-ottslestern, schweren 
vnd fluchen" *), für die Ländereien des Pfalzgrafen bei Rhein 
„pul)li eieret vnd öffentlich angeschlagen", das die strengsten 
Strafen ankündigte und für die ärgsten Flucher bestimmte, 
„er soll um leben oder benemung etlicher glieder.- 
peinlich gestraft werden" (A^-). 

Wie wenig indessen diese Erlasse fruchteten und ^'^ 
tief die Sucht zu fluchen im Volke Wurzel gefasst hatte, 
erkennt man am besten aus einer Geschichte, die erzählt, ^ 
Sachsen seien nach einem solchen Edikt die Bauern f^ 
Amtmann gekommen, um ihn zu bitten, er solle ihnen doch 

^) Sie gehören jedoch zu den ersten, welche den Teufel in ihreö* 
Titel führen, und wurden wohl darum von Goedoke in den Abschni*^ 
„Teufellitteratur" gezogen. 

*) „Fluchteufel, wider das vnchristliche, erschreckliche vnd grausÄö^* 
Fluchen vnd Gottesläst^m, treuwe vnd wolmeinende Vermahnung ^^ 
Warnung". Ausser Goedeke S. 480 (N. B,j) noch: 1666. o. 0. »be^ 
nach Druck und Format aus dem Verlag von Eichhorn in Frkf. a. 0. -^ * 
Im Theatr. Diabol. (No. 6) A 243—261«; B 206*— 215; Ci 168 «-17^' 

») Berl. Kgl. Bibl. Db 7175. Ähnliches cf. A. Schultz a. a. 0. S.69-6 1 • 



186 WIRTSHAÜSLEBEN. 91 

nur einen „Hausfluch" verstatten, da sie sonst ihr G-esinde 
nicht regieren könnten ^). 

Der Geistlichkeit machte dies Laster grosse Sorge. 
Am Aschermittwoch 1505 begann G-eiler von Kaisersberg im 
Münster von Strassburg seine Predigten „von den 25 sünden 
des Munds^* oder den „Blutern an dem Mund'S wo er neben 
Prassen, Schlemmen, Schwören, Lügen, Schelten, Schmeicheln etc. 
auch vom „G-otsslestem^' des weiteren spricht und meint: „Wenn 
du hörst, das einer gott lestert von seiner scheiteln an bis an 
die yersen yss G-otss aug, Gotss hertz, Gotss nass vnnd alle 
glider durchauss nent. So gan dir die har ze berg, das ist 
ein zeichen, daz der tüffel auss dem menschen redt'^ ^). 1525 
schrieb Erasmus sein Büchlein „Lingua sive de linguae usu 
atque abusu liber utilissimus'S ^ Johann Herold in Basel 
1544 unter dem Titel „Von der Zung" verdeutschte *). Dieser 
teilte es in Kapitel ein und überschrieb das 18. (S. 79 ff.) 
»Vonn Gottlestem, fluchen, schweren . ." Weniger klar dis- 
poniert und elegant in der Form wie die feinen Auseinander- 
setzungen des Roterdamers ist der ziemlich langweilige Traktat 
^on M. Caspar Brummylleus, der 3 Jahre nach Musculus 
erschien: „Von dem Erschrockenlichen , Grausamen, Vn- 
Mlichen, Vnchristlichen, schädlichen, Vnnötigen, Gottlosen, 
Gefährlichen vnd Verdamlichen laster dem G-ottlestem", 1560 
iit Strassburg zusammen mit einer „Busspredigt'' heraus- 
gegeben'/). 



*) Hieronymi Wolfii in Ciceronis Officia Commentarii, (Basil. 1584) 
P* 378: Das Flachen sei mitunter notwendig. Adeo, ut in Sazonia 
^oadtm ditione, interdictis execrationibus agricolae se Familiam sine 
^fii regere non posse conquesti, praetorem oraverunt, ut saltem do- 
^eiticam aliquam (sie enim loquuntur) imprecationem sibi con- 
^eret. Qoi rogati quam vellent? Festem inquiunt, quae blasphemia 
^^^ Tum ille: Si ita vultis, inquit, atque necesse est, habetote uobis 
*titm morbum Gallicum, aneipiti responso petitione illorom et derisa 
** approbata«. 

•) Ausgabe von 1618. Strassburg (Gryninger) XIX 'b. 

*) BerL Kgl. Bibl. Cs 6671. 

*) Bei Messerscbmidt S^ Kgl. Bibl. in Berb'u (an)Xc 18, 872». 



92 OSBORN 187 

Der Frankfurter Prediger wies die Verwerflichkeit des 
Fluchens wie die andern, nur etwas polternder und lärmender 
nach; er zeigt, wie die Gotteslästerer sündigen, indem sie 
alle Symbole der Kirche, die Worte „Testament**, „Sakrament'', 
„Leib und Blut'*, die Leiden und den Tod, die Wunden und 
die Marter, die Gliedmassen sogar und Eingeweide des Hern, 
ja die einzelnen Buchstaben des heiligen Abendmahles in 
frevelhafter Weise benutzen, um ihrer gottlosen Wut Ausdruck 
zu geben. Es sind die alten Klagen. Lebendig setzt er ein 
mit einem zornigen Appell an die lässige Obrigkeit und wirk- 
sam bricht er ab, indem er den Schluss seiner drohenden 
Prophezeiung der Strafen, die der Gotteslästerer harren, durch 
die Erzählung einer gräulichen Historia besiegelt. 

Musculus' Bemerkung, dass die Flucher den Herrn jetxt 
täglich schmählicher martern, quälen und morden, als die 
Kriegsknechte auf Golgatha dereinst gethan haben, nahm der 
geschickte Künstler des prächtigen Holzschnittes auf, der die 
1. Ausgabe des „Pluchteufel" schmückt. Um einen trefflich 
ausgeführten Crucificus scharen sich die Flucher: zankende 
Bürger, eifernde Geldhändler, spielende Burschen, raufende 
Knechte, ein tobender Fuhrmann, der auf seinen Gaul los- 
schlägt — sie alle sind zornig erregt, und aus jedem einzelnen 
der offenen Münder geht eine Lanze in den bluttriefenden 
Leib des Gekreuzigten, in seine Hände und Füsse. Bin 
riesiger Teufel im Hintergrund mit einer phantastischen Tier- 
fratze hält die Ketten in Bereitschaft, die Frevler zu fesseln? 
und ein im Vordergrund hockendes Teufelchen schreibt 
schadenfroh grinsend in das Schuldbuch der gottlosen Sünder*)« 

') Der Teufel, der das Schuldbuch des Menschen führt, tritt sch^" 
mit einem unserer ältesten Denkmäler in die Litteratur des deutsch«^ 
Volkes ein: Im Muspilli heisst es (Müllenhof-Scherer, Denkmäler* 1»^*' 
V. 68 ff.: ... daz der tiuval dar pi kitamit stentit 
der hapet in ruovu rahono uueliha 
daz der man er enti sid upiles kifrumita 
daz er iz allaz kisaget denne er ze deru suonu quimit. 
Vgl. über die weiteren Schicksale des Motivs Denkm. * II, 34 f. u. ^^^' 
f. Kund. d. dtsch. Vorz. 1881, 88 ff. 



WIRTSHAUSLEBEN. 93 

z ähnlich ist die Idee auf dem Titelbilde einer 1559 zu 
bürg anonym erschienenen Flugschrift „Wider die Lester- 
1er, so den heyigen namen Gottes unnütz füren" ^). Hier 
; ein modisch gekleideter Eriegsmann mit einem rohen 
icht auf dem Boden und Ton seinem Mund gehen Strahlen 
^) auf die im Himmel schwebende Dreifaltigkeit, wobei 
t Vater merkwürdiger Weise mit einer dreifachen päpst- 
3n Krone geschmückt ist, auf die zur ebenen Erde dar- 
eilte Taufe Jesu, auf den Abendmahlkelch, die Hostie 
auf die Hände, Füsse und das Herz des Heilands, die, 

Körper abgetrennt, einzeln in der Luft hängen. 

Den Teufeln, welche die Menschen durch das wüste 
gnügungsleben von ihrem Beruf abzulocken suchen, gesellt 

der Dämon zu, der, rein negativ, ihnen die Lust zum 
leiten raubt: der „Faulten fei". Er fand seinen Schrift- 
ler in Joachim WestphaP) aus Eisleben — dem 
wager und Freund des Cyriacus Spangenberg — der erst 
SäDgershausen, später, nach 1565 in Gerbstedt im Mans- 
lischen Prediger war, wo er 1569 starb. Ausser einem 
illkomm, womit die Welt Christum und die Seinigen pflegt 

>j Berl. Kgl. Bibl. an Dz. 4^ 8 S. 

') Diese verdeutlichende Technik war sehr beliebt; auch Albrecht 
'er verschmähte sie gelegentlich nicht. So gehen auf seinem Holz- 
aitt, der darstellt, wie der heilige Franciscus von Assiri die Wundmale 
Herrn empfängt (Bartsch, Peintr.-grav. Bd. 7 No. 110), wie oft, 
i den Händen, den Füssen und dem „Seitenhöhlchen" eines am Himmel 
Meinenden Gekreuzigten starke schwarze Linien hinab auf Hände, 
se und Brust des Heiligen. Und dies gefiel ihm so gut, dass 
eine genaue Nachbildung des Holzschnitts, nur sehr viel ver- 
'öert, als Eckverzierung eines, jedenfalls den 20er Jahren ange- 
igen fliegenden Blattes, „Ein kurtze beycht Zettel" wieder finden 
rtsch 7, Append. 29). 

') Über ihn Moller, Cirabria Literata (Hauuiae 1744) III, 665. 
ist nicht zu verwechseln mit dem hamburgischen Lutheraner gleichen 
ttiens, (der 1510—74 lebte), was schon Wilh. Budaeus that. Auch 
jüngerer Joach. Westpbal, der 1550 geboren ist und 1624 als Super- 
-ndent in Rostock starb, ist von unserm zu scheiden. — Spangenberg 
neb über ihn eine „Historia vitae ao mortis". 



94 OSBORN. 189 

zu empfangen''^) und einer Schrift ,,Gei8Üiche Ehe Christi 
und seiner Eorchen^'^) gab er 2 Teufelbücher heraus, von 
denen uns das jüngere und bedeutendere, der ,,Hoffart8- 
teufel", später noch beschäftigen wird. Der Paulteufel*) 
erschien 1563. Westphals Schwager Joachim Fraetorius, 
der Dichter des Ejnderpsalter, der auch mit Spangenberg 
eng befreundet war, später aber mit ihm zerfiel, empfahl ihn 
durch eine Vorrede. Westphal scheidet nach dem Vorgang 
des Johann Brentius 2 Arten von Müssiggang, er trennt von 
der den göttlichen Geboten entsprechenden Buhezeit an jedem 
Abend nach den Mühen des Tages und am Sonn- und Feier- 
tag, wo nach der Anstrengung des Körpers der Geist betend 
weiter thätig ist, die FauUenzerei der Arbeitsscheuen. Aach 
er kennt nach dem Muster von Friederich = Schwarzenberg und 
Schilde einen Orden seiner Sünder, aber er nutzt diesen (be- 
danken gar nicht aus; der flotte Stil des Anfangs, der frisch 
und kräftig einsetzt, erlahmt nur zu bald, und die gehäuften 
gelehrten Einschiebsel verdeutlichen weniger, als sie den 
Zusammenhang störend unterbrechen. 



') Ursel 1568. 4». 

•) Eialeben 1568. 8^ 

*) „Faulteuffel. Wider das Laster dess Müssiggangs Christlicher 
warhafftiger Vnterricht vnd Warnung auas Grundt der heyligen Schriffti 
vnd den alten Christlichen Lehrern. Auch andern weisen Sprüchen, loit 
Fleiss zusammen bracht. Durch Joachim Westphaium Isslebiensem, 
Kirchendiener zu Sangershausen*'. Goedeke U, 480. No. 6, 1. Im Tk' 
Diab. A 416«— 424; ß 357—364; Ci 296-302«. 



4. Mode. 

«enteufel — Krausteufel — Kleiderpredigt — Hoffahrtsteufel. 

Früh beginnt in Deutschland die litterarische Opposition 
i Mode und Putzsucht. Schon Heinrich von Melk, der 
fe Satiriker, wettert in seiner ,, Erinnerung vom Tode'' 
;en^) und in den Seifried-Helbing-Gedichten hören wir 
rholt davon ^). Aber allgemeiner und eindringlicher 
m diese Klagen erst vom 14. Jahrhundert ab, seitdem 
)brigkeit den Kampf gegen Luxus und Üppigkeit auf- 
omen hatte. Denn während in Frankreich sich bereits 
ig der Heilige gegen die Auswüchse der Mode wandte, 
Philipp der Schöne 1294 das erste Kleidergesetz gab, 
3nd in Italien um dieselbe Zeit schon ähnliche Mass- 
1 getroffen wurden, begegnen uns deutsche Verordnungen 
ler Art erst von 1343 an^. Nürnberg führt hier den 
in, Frankfurt schliesst sich an, Speier folgt 1366 mit 
schon detaillierten Vorschrift, dann Zürich, 1371 Strass- 
Ulm, München. Seit dem 15. Jahrhundert nun schwoll 
tahl der Elleiderordnungen ins Ungemessene, fast jede 
von Bern bis Lübeck^) gab ihre Gesetze; die Fürsten 
n und bald gab die kaiserliche JEtegierung allgemein 
;e Bestimmungen. Der Reichstag von Lindau erliess 
ein Elleidergesetz, das 1498 zu Freiburg i/B. wiederholt 
500 zu Augsburg verschärft wurde. Seit 1350 berichtete 

*) ed. Heinzel S. 61 f. — V. 319 ff. 

•) V, V. 65-^91 ed. Seemüller S. 68 f.; Vin, V. 874 ff. ed. See- 
S. 218 ff. 

*) J. Falke, die deutsche Trachten- und Modewelt. (Lpz. 1858). 
. I, 179 ff. — Alw. Schultz, Dtsch. Leben im 14. u. 15. Jh. (1892) 
iff. 

*) Eine Zasammenstellung über die niederdeutschen Verordnungen 
Art giebt Jellinghaus in PauVs Grundriss U, 448 f. 



I 



96 OSßORN 191 

die Limburgische Chronik vom Modewechsel ^), vom Jahre 1381 
meldet sie beispielsweise -) : ,yltem in diser zeit wart der sne 
von den kleidem vurwandelt also, wer hüwer ein meister wai 
von dem snede, der wart ober ein jar ein knecht, als man da: 
hernach wol beschreben findet'^, und seit derselben Zeit ungefaiu 
eiferten nun allenthalben die Didaktiker, die Satiriker und 
besonders die Geistlichkeit gegen Mode und Luxus. Audi 
der Satan erschien schon als Veranlasser und Bestrafer der 
Putzsucht, ebenso wie in Frankreich z. B. in den Aufzeicb« 
nungen des Kitters de la Tour-Landry (um 1400) der Teufel 
beim Gericht über den Menschen die Masse der Kleider in 
die Wagschale der Sünden warf*). Für die Narrenlitteratur 
ward dann der modische Geck eine wichtige Person. 

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts war in Deutschland 
die aus den Niederlanden herübergekommene Mode der be- 
rühmten „Pluderhosen** allgewaltige Herrscherin. Diese Pluder» 
hosentracbt, wie sie sich in ihrer Blütezeit entwickelte, ist 
sicherlich eine der seltsamsten Ausgeburten erfinderischer 
Kleiderphantasie. Entstanden war sie wohl aus dem Bestreben] 
sich von der unbequemen Enge der früheren Beinkleider t^ 
befreien *) ; man erreichte dies sehr einfach durch Schlitze ü 
der strafif anliegenden Gewandung, welche eine freiere Beweguni 
ermöglichten. Die Blosse der Beine, die dadurch zum Vor 
schein kam, zu verdecken, füllte man die Schlitze zunlichs 
durch ein Futter von dünnem Zeuge aus, das man bald i 
viele Falten zusammenlegte. Allmählich aber ward mit de 
Quantität dieses Futterstoflfes ein ganz ungeheurer Aufwan 
getrieben; bis zu 130 Ellen brauchte man, wie berichtet wirc 
Das Tuch als eigentlicher Hosenstoflf wurde jetzt natürlicl 
viel zu schwer, und man nahm infolgedessen eine Art Rascl 
oder sogar Seide, so dass nun aber die Mode bald riesig* 



*) Monum. Germauiae histor. Deutsche Chroniken IV, 1. S. 36 ff.; 
dann bes. wieder 79 ft*. 

'') ibid. S. 75 (126). 
») Falke I, 176. 
*) Falke If, 32 «". 



192 MODE. 97 

Summen verschlang. Die Beinkleider hingen jetzt vom Gürtel 
beinahe bis auf die Schuhe herab, und waren nach der Länge 
wie in die Quere vielfach aufgeschnitten. Landsknechte und 
Studenten sorgten dafür, dass die neue Tracht bald in die 
Höhe kam^). Und kurz nach 1660 taucht sie überall auf. 
Ein Lied, das 1666 auf einem fliegenden Blatt gedruckt 
g wurde, aber schon früher entstanden sein muss, preist sie 
liöhnisch *) : 

(Str. 16) . . . „Der Teufel mag wol lachen 

„zu solchem affenspiel 
„im gfallen wol die Sachen 
„fleissig ers fürdem wil. 
„tag vnd nacht tut er raten, 
„sein rat folgen sie nach, 
„biss er bezalt in taten, 
„rew ist zu spat darnach'^. 

Tiber ihre Entstehung erzählte man sich die merk- 
würdigsten Anekdoten, eine Nürnberger Chronik *) lässt sie im 
lAger des Kurfürsten Moritz vor Magdeburg erfunden sein. 
Zahlreiche Abbildungen zeigen uns die für den heutigen 
Öcschmack recht plumpe Tracht, auch die Titelholzschnitte 
deiner „Hosenteufel^'-Ausgaben zeigen solche weithosigen 

*) Der Philologe Hieronymus Wolf schrieb in der Vorrede zu 
^fineok Demosihenis reoogniti graecolatim specimen: (Basel 1569) 
Jostratee milites patrom nostrorum memoria, eas femorum partes, quae 
^ padendis ad genua pertinent, nudas babuerunt. Nunc contra easdem 
^ois panni aal ferici novem et nonaginta (centam enim brevior est 
^^^tBKros) — siehe unten — solent insarcire ; credo ut id suppleant, quod 
P&tribas et avis defnit. insaniam singularem! quam tarnen homines 
{^ diis placet) studiosi non imitari sed vincere student. 0! secula, 
^' mores, o ! disciplinam Academiarum, sed quia illa prosunt sine eorum 
sntoritate qui cum prohibere talia et possent et dolerent, faciunt ipsi!** 

*) Uhland, Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder' (1881) 
^ N. 192 S. 403 ff. Anmerkg. S. 811 : 1555 heisst es im Titel schon 
»gemehrt''. Das Lied hat nun 26 Strophen. 

•) Gundling, historische Nachrichten von Nümb. (Frkf. 1707) 

^•464. 

7 



98 OSBORN 193 

Modenarren oder gar Junker Satan selbst ä la mode ^) 
gekleidet -). 

Zugleich mit der Mode wuchs die Zahl ihrer Feinde. 
Besonders die Greistlichkeit Hess es sich angelegen sein, die 
neue Tracht zu bekämpfen, aber sie nahmen alle den Mund 
zu voll und schössen weit über das Ziel hinaus, so dass die 
Wirkungen, welche sie erzielten, der aufgewandten Anstrengung 
schliesslich keineswegs entsprachen. Melanchthon hielt eine 
Oratio „wider die neuen moden in kleidungen" '*), unser Ludwi- 
Milichius schrieb „wider die unioässige Fludei-tracht'-, auf 
allen Kanzeln ertönten die Stimmen der Prodigor gegen die 
neue Kleidung, die so viel G-eld yerschlang, und es ist ganz 
dem Charakter der Zeit entsprechend, wenn Achim von Arnim 
seinen Hofprediger Martin Martir als einen wütenden Eiferer 
gegen die neuen modischen Trachten einführt^). 

In Frankfurt a/0. hielt an einem Sonntag des Jahren 
1665 der Diakonus in der Oberkirche wider die Pluderhose 
diese Zeichen der Eitelkeit und der Yerschwendungssacb 
eine erbauliche Predigt. Am folgenden Sonntag aber wa 
zum Schrecken der ganzen Gemeinde von mutwilliger Ha 
in der Kirche hoch an einem Pfeiler, der gerade der Kanz-^ 
gegenüber stand, ein Paar grosse Pluderhosen angenagel. t 
Musculus, der Generalsuperintendent, erfuhr alsbald d^i 
Frevel; er nahm die Sache, die jedenfalls ein übermütig'^r 
Studentenstreich war, sehr ernst und hielt am Sonntag daran/* 
eine Predigt „Vom zuluderten, Zucht vnd Ehrer- 



*) Das Wort „Mode" selbst kam erst im 17. Jahrhundert auf. 
cf. Erich Schmidt, Der Kampf gegeu die Mode. Im neuen Reich 1880 
— Charakteristiken S. 63—85). 

*) Eine Modeteufel-Zeichnung finden wir bereits weit friiher in 
einer Oxforder Hdschr. (Cotton Nar. CVIl). Dort stellt die Karrikatur 
eine nach neustem Schnitt gekleidete Dame mit Schleppkleid und ge- 
knotetem Prunkärmel dar. cf. Alwin Schultz, höf. Leben z. Z. d. Minnes. 
I, 269 f., wo sie abgebildet ist, nach Henry Shaw, Dresses and Decorat ions 
of the Middle Ages I zu Taf. 10. 

') Arnold, Kirchen- und Ketzergesch. S. 188. 

*) Werke 10, 73. 



194 MODE. 99 

wegenen plndrichten Hosenteuffel, Vermahnung 
md Warnung"^). Sie yerdient die grosse Zahl der Auf- 
lagen, die sie gefunden hat, vollauf; denn sie ist in der That 
ein köstliches Unikum der homiletischen Litteratur und im 
Theatrum Diabolorum steht sie mit dem Hofbeufel des Chrjseus 
hoch über der Menge der anderen. Sie ist ein Meisterwerk 
grobianischer Kunst; alles ist voller Leben und Bewegung; 
die Sprache bunt und mannigfaltig, voll schlagender Wendungen 
und treffender Bilder, und bis zum Ende von einer imermüd- 
lichen Begeisterung der Wut erfällt, die erstaunlich wirkt. 
Ein grimmiger Humor würzt dabei das zornige Gepolter des 
Moralpredigers. Musculus zog alle Register seiner gröbsten 
Schimpfwörter auf und öffnete alle Schleusen seiner geradezu 

>) 1565. 0. 0. 4«. (Berl. Kgl. Bibl. ))b 8002) jedenfalls bei Eichhorn 
in Frankfurt a. 0.» wohin Druck und Holzschnitt weisen, wo auch das 
tmeiste von Musculus gedruckt wurde. Diese 1. Ausgabe (cf. auch Schnorrs 
Archiv 10, 281) fehlt bei Goedeke II, 480 N. 8, 18, wo die übrigen ver- 
^ichnet stehen. Dazu nennt 0. Schwebel, Ztschr. f. dtsch. Kulturgesch. 
3J. f. II (1892), 208 ff. noch eine Ausgabe 1557 Frkf. a. 0. — Der Druck 
>on 1630 hat folgenden Titel : „Dess jetzigen Weltbeschreyten verachten 
"vnnd verlachten AI- modo Kleyder - Teuffels Alt -Vater, Genant der 
Hosen-Teuffel, das ist Wieder aufgelegte, schwere, doch trewhertzige 
Warnung vor der allebereit damalen sich heimlich regenden Bossheit vnd 
Hoffart in Kleidern. Was massen dieselbe Gott in dem Himmel erzürnet 
vnd zu grausamen Straffen wegen vielfältiger Ybertrettung seiner heiligen 
Gebott, schrecklicher Ergernuss des Nechsten vnd vnaussbleiblichen Ver- 
derben vnd min sein Selbsten, tringet vnd bringet. Vor vier vnd siebentzig 
Jahren in der vbelgerathenen Kindheit vnd Wachsthumb der fremden 
Kleyderhoffart in teutschen Landen auss trew eyfferiger Seelsorgerischer 
Wolmeinung beschneben. Durch D. Andream Musculum, Professorem 
der h. SchrifFt zu Frankfurt an der Oder vnnd General super, der Chur 
vnd Mark Brandenburg. Sampt beygefügter trawrigen Historien von 
einer wegen vbermachten verstockten Hoffart verdambten Seelen in der 
Höllen, aus einer Alten Geschieht Serm. 69 ad Fratres in Heremo. 
Nachgetruckt Anno MDGXXX. 4^ Ai— 4— Dg. (Göttingen, üniversit.- 
Bibl. Theol. Moral. 289). Im Theatr. Diab. A 501—506«; B 430—434«; 
C II 69 — 63 «. Abgedruckt ist der Hosenteufel noch in Scheibles Schalt- 
jahr I, 140 ff., 335 ff., 438 ff., 622 ff., II, 57 ff., 223 ff., 322 ff., 404 ff. 
Über die ndtsche. tJbersetzg. siehe Korrespondenzblatt des Vereins für 
ndt«che. Sprachforschung 13,3 u. 29. 

7* 



100 OSBORN 1 

alles überschwemmenden Beredsamkeit. Es „verdienet Teuts< 
land jetzunder nit allein den zom Grottes vnd diss gegenwerti 
Vnglück . . . Sondern were kein wunder, dass vns auch ( 
Sonne nicht ansehe . . . von wegen der grewlichen Vnmens« 
liehen vnd Teuffeiischen Kleydung, damit sich jetzunder < 
jungen Leute zu Vnmenschen machen vnd so schändlich v< 
stellen, dass nicht allein Gott, die lieben engel vnd a 
frommen ehrbaren Leute, sondern auch die Teuffei selber, eis 
eckel vnd greuwel dafür tragen" (430 k)' Und nun wrd ei 
Geschichte erzählt, die sich vor kurzem zugetragen hal 
Ein Maler sollte nämlich das jüngste Gericht darstellen u 
um den Teufel recht grässlich zu machen, kleidete er ihn 
modische Pluderhosen. Da sei der Teufel gekommen, ha 
dem Maler einen gewaltigen Backenstreich versetzt u 
energisch gegen eine solche Behandlung protestiert: „de 
er nicht so scheusslich vnd grewlich sey, als er jn mit d 
Luderhosen abconterfeyet habe" (430 '^a). 

Acht Sünden scheinen Musculus die Folge der Herrsche 
des Hosenteufels zu sein. Zunächst eine Beförderung d 
Unkeuschheit; da die jungen Leute „mit hellischen Flamm 
das entblössen vnd jederman so vnverschämpt das für c 
Augen stellen, zum ärgerniss vnd anreitzung böser begier 
vnd lüste, das auch die Natur bedeckt vnd verborgen hab 
wil" ^) oder sich „so kurtze Röcke vnd Mäntel machen lass( 
die nicht die Nestel, geschweige denn den Latz bedeck< 
vnd die Hosen so zuludem lassen, den Latz fornen also i 
Hellischen Flammen vnd Lumpen vnmenschlich vnd gn 
machen" *). Gegen die Religion, Gottes Ordnung und d 
Bund der heiligen Taufe werde gesündigt, die einfache, e 
liehe, „zugethane" Kleidung der Vorfahren verhöhnt*), ( 
Ebenbild Gottes geschändet, das Ansehen der deutschen Nat; 
herabgesetzt^); denn „Alle Nation, Wahlen, Spanier, Franzos 
Polen, Vngem, Tattern, Türeken haben jhre Kleider vnd j 
wohnliche zudeckung dess Leibes, wie sie es von jhreii Elt( 
empfangen, behalten; allein Teutschland hat der vnverschäm) 

'Jm'B. 3) 432 b. -)432d. *) 432«d. 



196 MODE. 101 

Teuffei gar besessen vnd eyngenommen, dass jetzunder mehr 
zucht, schäm vnd ehrbarkeit im Venus Berg vnd vorzeiten 
in den Hinderhäusem, gewesen ist, als bey vns Teutschen^ 
die wir doch vns alle jetzunder Ehrbar, Ehrsam, vnd Ehm- 
veste schreiben vnd nennen, vnd nicht so viel Ehrbarkeit, 
Ehr vnd Zucht haben als eine Mücke mag auff dem schwantz 
wegführen" ^). 

Vor allem aber weist Musculus auf die fürchterliche 

m 

Verschwendung hin, die diese Mode mit sich bringe, und 
warnend erhebt er seine Stimme: „wo Teutschland noch 
länger stehen sol, so wird kein Pfenning darinn bleiben, nach 
dem es die Krämer vnd Kauffleut mit Wagen vnd Schiffen 
hinauss fuhren vnd bringen vns Hosenlappen, KArtheck, Seyden, 
vorstat vnd andere Dinge mehr, herwider, dass man wol sagen 
darff, Franckfurt am Mayn sey jetziger zeit das Thor, durch 
welches alles Gelt auss Teutschland in fremde Nation gefüret 
wird" '-). Er ereifert sich darüber, „dass jetzunder ein junger 
Botzlöffel, ehe er noch das gele vom schnabel gar abwüschet, 
inehr Gelts zu einem par Hosen haben muss, als sein Vatter 
2um Hochzeitkleyd" '). Er erzählt, es habe ein Landsknecht 
sich 99 Ellen zum Futter genommen, und auf die Frage, 
varnm er nicht gleich lieber das Hundert voll gemacht hätte, 
geantwortet: ^99 sey ein lang wort vnd gut Landsknechtisch, 
100 aber sey kurtz vnd nicht so prächtig zu reden". 

Die Sünden der voi'sintflutlichen Menschheit erscheinen 
ihm gegen den Zustand, den der Hosenteufel hervorgerufen, 
als „Kinderspiel"^), und er prophezeyt, dass den Modenarren 
die Teufel dereinst in der Hölle ebenso „die Schenckel mit 
Hellischen flammen anzünden vnd vnauffhörlich verbrennen 
Verden" ^). 



*) Wiederholt finden wir diesen Vorwurf; „Deutsche ohne eigene 
beider" lautet eine Randbemerkung in Caspar Scheits Gh^obianus 
(Neudp. 8. 21); cf. ferner Goedeke, Schwanke d. 16. Jahrhunderts No. 260; 
^«iwerau, Balth. Kindermann, Geschichtbl. f. Magdeburg 27, 227. — siehe 
^trauch's Rezension von Hauffen's „Caspar Scheit". AfdA 18, 376. 

*) 484« A. •) 482 2 A. *) 482 « e. ^) 482 c. 



102 OSBORN 

Alles Heil erwartet Musculus vom Eingreifen der 
hörden; darum lobt er die Kleiderordnungen und die ^ 
same Massregel, die an einigen Orten die Obrigkeit ergri 
habe ^), nämlich den Henkern die modische Tracht als Unif 
zu geben, und macht — freilich wohl mehr im Scherz — 
Machthabern den Vorschlag, „dass sie böse Buben bestell 
die jnen als Meerwunder vnd Fastnachtsnarren nachlieffen 

In der Hoffnung, dass seine Mahnungen gehört wür 
widmete er die Predigt den Frankfurter Bürgermeis 
Caspar Witterstadt und Michael Bolfrass, von deren redlic 
Sinn er ein energisches Vorgehen erwartet*). 

In der ersten Originalausgabe gingen dem Text i 
voraus „Beime vom zötlichen Hosen Teuffei", die Grego 
Wagner von Bössei, Musculus' College als Professor an 
Frankfurter Universität, verfasst hatte *). Feyerabend dru< 
sie in dem Sammelwerk nicht mit ab, und die folgen 
Auflagen des „Hosenteufels" selbst bis auf die nach de: 
Ausgabe übersetzte niederdeutsche Fassung ^) machten 
ebenso. Die Beimpaare geben ganz geschickt eine Übers 
über die Kostümgeschichte, welche darauf hinaus läuft, c 
die Kleider immer sündiger geworden seien, bis die Zu 
losigkeit in den Pluderhosen das denkbar höchste i 
erreicht habe; aber neben Musculus' ursprünglichem Witz 
derber Kraft halten sie doch nur schlecht Stand. 

Neben der im Grunde völlig deutschen Pludertr 
machte sich nun aber in der zweiten Hälfte des Jahrhund 
der Einfluss der spanischen Mode geltend, der immer ii 

») 434 b. «) 433 E. 

') cf. Vorrede. — Wie wenig solche Verbote in Wahrheit frucht 
zeigt am besten die Randbemerkung zu einer Berliner Kleiderord 
V. J. 1604: „Saint vbel damit angelauifen vndt ist nichts ad effe 
kommen", cf. 0. Schwebel, Zur Trachtengeschichte von Alt-B< 
Ztschr. f. dtsch. Kulturgesch. N. F. II (I8fl2), 206—25. 

*) cf. Korrespondenzblatt d. Ver. f. ndtsch. Sprachforsch. 
(1888), 29. 

*) cf. ibid. S. I abgedruckt : „Rime van dem Talltergen, Todd 
Scheudigen Hasen Düuele". 



198 MODE. 103 

wachs und schliesslich zur Alleinherrschaft wurde, bis im 
Beginn des 17. Jahrhunderts die französische Mode allmählich 
siegreich vordrang und im Laufe der Zeit die spanische Vor- 
gängerin ganz und gar aus dem Felde schlug. 

Neben den bildlichen Darstellungen ^) haben wir von 
dieser Periode der deutschen Kostümgeschichte keine ein- 
gehenderen Mitteilungen, als die der zürnenden Geistlichkeit, 
welche ausnahmslos jede neue Mode verwarf, und besonders 
die der Teufelbücher aus jenem Zeitabschnitt. Den kultur- 
lustorischen Wert der Bücher von Strauss, Osiander und 
^estphal, die wir im folgenden besprechen wollen^ erkannte 
man bald ^), und wie im vergangenen Jahrhundert die Kostüm- 
forschung sich schon um die Mitteilungen dieser Traktate 
bekümmerte % so richtete sich auch Jacob Falke *) in seinem 
Werke über die deutsche Trachten- und Modenwelt nach den 
Ausführungen der Prediger. 

„Nachdem der zerlumpte Hosenteufifel etlicher niassen 
den Scepter vnd die Krone nider geleget^', kam nach der 
Versicherung des Johannes Strauss aus Elsterberg*), 
Pfarrers zu Neustadt am Schneeberg, der „Pluder-, Pauss- vnd 
Krauss-Teufer* ans Ruder. Strauss, der das Theatrum Dia- 
bolomm und also auch Musculus' Kleiderbüchlein gelesen hatte, 
^^8 sich durch diese Lektüre anregen, den neuen Unhold zu 

^) Besonders : Johannes Weigel, Habitus praecipuorum populorum 
^m viromm quam foeminarum, das ist Trachtenbuoh ....** Zuerst 1697 
erschienen. (Berl. Kgl. Bibl. besitzt ein Exemplar : Ulm 1639. Pol. Inb. 
?ipr. rar. fol. 164). — Jost Ammann, Gynaeceum (Berl. K. B. Pn. 3118). 
^^Wsetzt als: „Von allerley schönen Kleidungen und Trachten der 
Leiber«. Prankfurt 1686. 4«. (Berl. K. B. Pn. 3120). 

*) Schon Balthasar Schupp sagte Lehrreiche Schriften Prkf. 1684. 
^* 109 : „was die teutschen für vanität treiben in kleidung, davon lehrt . • . 
"»« theatrum diabolorum part. 2 von dem Kleiderpaus- und kraue-Teufel'*. 
^^' <iUch. Wörterbuch 6, 1082. 

*) Journal von und für Deutschland, herausg. v. Sigism. Preiherm 
^^0 Bibra. 6. Jahrgang 1788. S. 430-444 „Kleiderluxus der Deutschen 
^ «echiehntcn Jahrhundert«. 

*) n, S. 81—167. 

*) Vorrede. 






104 OSBORN 199 

bekämpfen und schrieb 1581 ein Büchlein ^^Wider den 
Kleider-, Pluder-, Pauss- vndKraussteuffel..."^)- 

Strauss sah zunächst zwei Ghünde, um derentwillen Grott 
den Menschen überhaupt Kleider verordnet habe, nämlich 
erstens, um sie ununterbrochen an den Sündenfall zu erinnem 
und zweitens, „um die verderbte Menschen Natur zu bekleyden^-). 
Erst allmählich fallen ihm noch weitere Gründe ein, nämlicli 
die Vermeidung der bösen Begierde, der Schutz vor Kälte 
und Nässe und — was man kaum erwarten sollte — ästhetische 
Rücksichten. Denn auch Gott habe Gefallen an ehrbarer^ 
bescheidener, der Person und dem Stande angemessene^ 
Kleidung, ja auch an kunstvollen Kleidern, wie an dexBi 
ungenähten Rock Jesu^). 

Anders als Musculus macht Strauss positive Vorschl&^S^ 
und sein „iudicium^' verlangt folgendes : „Ein Leinen Hembcf^< 
auff blosser Haut . . ., die vapores, Dünste vnd Schweiss ^' 
auss dess Menschen Cörper aussziehen per porös auffzufahen'* "^j 
Ferner „Hosen vnd Wammes fein zusammen gemacht'^ ; dar^^^^ 
sind ihm freilich die „Lätze'' unangenehm, aber er trösfc-^ 
sich damit, dass auch die „Altvätter" sie nicht entbehi^^^ 
konnten, und verlangt nur, dass man sie nicht „so gar v^> 
flätig" herstellen solle *). Dazu will er noch einen „Leibro^l^ 
mit einem selbst angeloffenen Schurtz oder eine Hartzkapp ^" 
gelten lassen. Von der herrschenden Mode gefallen ilx^ 
allein die Mäntel und Hüte. 

*) „ . . . Durch Johann Strauss Elaterberg". Goedeke II, -4^^ 
kennt nur die Ausgabe Görlitz (Ambrosius Fritsch) 1581. 8®. Es fehl*^^ 
dort die mit dieser Görlitzer Ausgabe übereinstimmende von Leipzig 8*\ 1^^^ 
(Berl. Kgl. Bibl. DbSOll) und die in manchen Partien ein wenig kürzeO*^^ 
von „Preybergk durch Georgium Hoffmann" 1581. kl. 8<*. (Berl. iCl?^' 
Bibl. Db. 3463). Im Theatr. Diab. Cn 64-71 «. 

2) Cn 64« b. ») 66»;b. *) 65b. 

*) Eigentümlich ist die Anschauung, „die Türeken sollen sonderl^^" 
vnsern hosen feind seyn vmb desswegen. Sie trafen jhre ohne Lät/^» 
oben zusammen gezogen mit einer Schnur, wie jetzt fast des ruB^^^ 
Pluderhosen sind, doch nit so weit". — Die Mode der grossen Lät^^' 
war aus Frankreich gekommen: die Beinkleider nannt« man dof' 



200 MODE. 105 

Strauss empfindet wie Musculus den fortwährenden 

Wechsel der Mode als eine Schmach für die deutsche Nation 

und erzählt, ein Maler, der dem Sultan alle Völker in ihren 

Trachten darstellen sollte, habe dies auch bis auf die Deutschen 

fertig gebracht, „allein den Teutschen mahlet er Mutter naket, 

Tnd gab jm ein Fallen Gewand an den Arm, dass er jm darauss 

solte machen lassen, ein Kleyd wie er selbst wolt"*). Auch 

die von Musculus schon erwähnte Geschichte, dass die Türken 

gefangene Deutsche, „wie sie zerhackte vnd zerlumpte Kleyder 

gehabt, also auch am Leibe zerhacken ynd zerreissen lassen^', 

eine Geschichte, die wohl wirklich geschehen sein mag, — 

finden wir hier wieder; sie ist gewiss aus dem Hosenteufel 

herübergenommen, wie manche andere Stelle ganz ausdrücklich. 

Mit einer merkwürdigen ümkehrung der thatsächlichen Ver- 

li^ltnisse meint der Verfasser: „dieweil wir uns Hispanischer 

'Weise bekleyden, so schicket vns auch Gott die Hispanier ins 

"Teutschland" ! 

In dem interessanten Schlusskapitel schildert Strauss 
die Moden seiner Zeit, die er höchst ergötzlich beschreibt. 
Die Haare, die ihm erscheinen „wie ein schöner Waldt auff 
einem Berge", machen die Männer „kölbicht", dass man aus- 
sieht wie ein „raucher Igel" *). — Junge Leute, Stalljungen 
^i Küster tragen jetzt „kleine Häublein", wie sonst nur 
Doctores oder alte kranke Leute. Strauss meint '^i „Ach 
^e guten Gesellen haben sich etwa ein mal oder zwier mit 
dem Donato für den Hindern schlagen lassen, darumb müssen 
^e solch Häublein tragen, dass die Kunst nicht wider oben 
^^88 fahret^^ Er hasst die steifen und gekräuselten Kragen 
^^ Hals, das „Gekröss", aus dem „der Kopfif herauss jucket 
^g ^auss e inem Sacke"*). Die Ärmel sind so weit, dass 

»^egues", die Lätze „Bragettes". cf. Flögel, Gesch. d. komischen 
*^tter. 1784. I, 179 ff. Auch die französischen Satiriker spotteten über 
"i^ 80 Montaigne, Essais Livre III Cap. 6 p. 869 (Ronen 1619); so 
Äabelaii (Oeuvres I, Cap. 8), der den Hosenlatz des Gargantua beschrieb 
^d Fischart den Anlass zu seinen Bemerkungen über die deutschen 
^»enlätze im 11. Cap. der Geschichtsklitterung gab. 
>) 66» a. o. 8. 100. ^) 68 ». •) 68 b. ^) 68« ». 



106 OSBORN 201 

mancher sein Hab und G-ut darin verstecken, die Haken der 
Leibröcke so gross, dass man einen Hut oder eine Eanne 
Bier daran hängen kann. So wird jedes Kleidungsstück der 
Mode vorgenommen und satirisch erklärt. 

Die Frauen tragen falsche Zöpfe „wie die Bergseyl"^); 
spottend erzählt er mit köstlicher Laune, wie sie sich aus- 
stopfen, wie die Ärmel durchsichtig gemacht werden, wie sie 
die früheren langen Schauben verkürzt haben, „dass man den 
Pracht vnten sehen mag*'*). 

Keinen Augenblick verliert Strauss seine gute Laun.« 
und auch am Ende, wo er alles Übel der Welt von den ho 
fartigen Kleidern herleitet, gerät er nicht in den Polterk»^ 
seiner Amtsgenossen, sondern bleibt immer noch gemütlic^D 
Ihn verlässt nie ein gewisses verächtliches Lächeln über cL>5 
thörichten Menschen, und auch die Verse, die er unter s^^ii 
Buch setzte, beweisen dies: 

(72 * ^) „Ein Kleyd werd ich verdienen nicht 

„Mit dieser SchrifFt, bin ich bericht; 

„Dennoch hab ich die Wahrheit gesagt. 

„Was schads ob man gleich drüber klagt". 
Die gleichen Ziele wie Strauss verfolgte LucasOsiand^r» 
Er ist ein Angehöriger der altberühmten, heute noch blühend ^d 
Theologenfamilie und ein Sohn des bekannten Andreas Osiand^f» 
der sich lebhaft an den grossen kirchlichen Kämpfen sein^f 
Zeit beteiligte. Auch Lucas tummelte sich munter in der 
theologischen Bewegung. Er war 1534 zu Nürnberg geboren 
und kam in seinem 21. Lebensjahre nach Württemberg, "^^ 
er erst in Göppingen, dann in Blaubeuren und schliesslich 
1562 in Stuttgart Aufnahme fand*). Hier kam er bald mit 
dem Hof in Berührung, ward Erzieher des Prinzen Ludwig 
und blieb, nachdem dieser den herzoglichen Thron bestieget»- 

>) 69 b fr. 8) 69 • b. 

•) ADB 24, 493 flf. Theodor Schott. Andreas Oslanders Lebe» ^ 
Lehre und Schriften von Carl Heinrich Wilken. (Stralsund 1844). — ^ 
Lucas O.'s Bild im Theatr. viror. erudit, zwisch. S. 324/125. — Übe 
andere Schriften O.'s siehe Flögel, Gesch. d. komischen Litteratur III, 825 



02 MODE. 107 

alte, sein Freund und Ratgeber, bis er sich 1593 mit dem 
iDgen Herzog, der sich nicht meistern lassen wollte, über- 
axf. Er verlor seine Stellung und starb 1604 in Tübingen. 
Ir war ein äusserst geschickter Mann, ein gewandter Theologe, 
i der Kunst des Disputierens erfahren und geübt, ein Staats- 
lann von grossem Einfluss und er entwickelte eine lebhafte 
tterarische Thätigkeit *). 

Seine „Predigt von hoffertiger vngestalter 
lleydung der Weibs vnd Manns-Personen"*) 
dhört eigentlich gar nicht in das Sammelwerk; denn vom 
eufel ist darin überhaupt nicht die Rede^. Neues wird 
ier neben Musculus und Strauss auch nicht beigebracht. 
h sind die gewöhnlichen Schilderungen der Hof&rt, die 
r in den kräftigsten Ausdrücken, meist recht lustig ver- 
pottet. Die Haare, so höhnt er, werden nun über einen 
)raht gezogen, „gleich wie man in den Seuwhägen die 
Ihuten vber die Tremel zeucht"*); und er glaubt, man 
vürde vor einem modisch geputzten Weib, wenn man ihm 
luf freiem Felde begegnete, ein Kreuz machen. Originell 
st seine Art, die Halskrausen zu bekämpfen. Er meint, 
^an habe sie zuerst angewandt, um die Narben am Halse 
2u verstecken, welche die „abscheuliche Krankheit der 
Prantzosen" dort zurückgelassen hatte *). Den Kopf, der aus 
solchen „Krösen" herausragt, vergleicht er mit dem Haupt 
des Täufers Johannes auf der Schüssel •). Mit einer Fülle 
von komischen Vergleichen verspottet er die Eigentümlichkeiten 
der Mode: die Haare, die vorne „gestroblet" sind, werden 
»lünden vnd zur seiten gar lang vnd zottig" getragen, „als 
^enn junge Katzen ein Zeitlang daran gesogen betten. Oder 



*J Unter anderem war er im Auftrage des Herzogs Ludwig 1580 
^ der Herausgabe der Conkordienformel beteiligt. — 

') 4». 18 S. 1686 in Tübingen bei Georg Gruppenbach gedruckt; 
'^^ Theatr. Diab. C^ 662—59. Von Goedeke nicht erwähnt. Im Aus- 
2«g mitgeteilt von Falke „zur Charakteristik der Mode im 16. Jahrhundert« 
^» «einer Ztschr. für Kulturgesch. 1866. S. 58. 

^ ». u. S. 186. *) C n 57 b. »j 57 2 ». *) 67 b. 



108 OSßORN 203 

als wenn am morgens ein Polnischer Bauwer auss dem Stro 
herfür kraucht : oder als wenn ein solcher Mann oder junger 
Geselle allererst von einer Ketten entlaufifen were: oder als 
wenn der Teuffei in hinderwertz durch einen Zaun gezogen 
hette** '). Die weiten Ärmel werden mit der Tracht der 
früheren Narren zusammen gebracht; die goldenen Ketten. 
die um den Hals lagen und auf die Brust herab hingen, mit 
dem Strick des Henkers, die abscheuliche Mode der „Günss- 
bauch" mit dem im Verfall begriffenen Erker eines BLauses 
verglichen. — 

Die Kleiderdämonen gehören in das weite G-ebiet des 
„Hoffahrtsteufels" *), dessen Macht und Ränke Joachim 
Wesfrphal*), der Verfasser des „Paulteufels" weitläufig 
beschrieb. Der Titel seines Buches lautete: „Wider den 
Hoffarts Teuf fei, der jetziger zeit solchen pracht, vber- 
mut, vnmass, vppigkeit vnd leichtfertigkeit in der Welt treibet, 
mit vberflüssiger vnd vnziemlicher Kleydung kurtz vnd ein* 
feltig Schulrecht. — Von Frauw Hoffart vnd jhren Töcbtem 
sampt treuwer Warnung sich mit ernst für jnen zu hüten. 
M. Cyriacus Spangenberg" *). 

Es ist bezeichnend für die Nachlässigkeit der Fever- 
abendschen Redaktion, dass sie diesen letzten Satz mit ab- 
druckte, während die Abhandlung selbst, welche im Einzel- 
druck dem Werke Westphals vorausging, wegfiel. So habe^^ 
die Worte gar keinen Sinn, und es ist wunderbar, dass aucD 
die folgenden Auflagen keine Verbesserung bringen. 

Spangenberg besclirieb in dieser „Vorrede", die selbst 
wieder ein kleines Buch für sich ist, nach kurzer EmpfebluO 8 
der Schrift seines Schwagers, den Hofstaat der „Frauw Ho^' 
fart" mit ihren sieben Töchtern Jactantia, Praesumptio, Hyp^ 
crisis, Pertinacia, Discordia. Contentio, Iiioebedientia. Die^' 

1) 58 ». 

^ cf. Luther E. A. 59, 300. 

') Über Westphal siehe beim Faulteuftl o. S. 

*) Im Theatr. Diabol. A 424«— 500- ; B 364«— 429'; C" 1— ö^ 



MODE, 109 

hier haben dann wieder eine grosse Schar von Nach- 
imen und Genossinnen um sich versammelt ; so ist beispiels- 
se ein Kind der Jactatio die Blasphemia, die wieder eine 
he von Töchtern in die Welt gesetzt hat, nämlich die 
lle Kühnheit^, die „oppugnatio veritatis agnitae**, die 
•stinatio*^, die „Desperatio*' und einige andere. Neben 
ther, dessen Einfluss hier natürlich in jeder Zeile zu 
Ten ist, waren seine Quellen, wie er selbst angiebt, des 
nchs Franciscus v. Rhete „Commestorium viciorum** (1470) 
1 das 1429 verfasste „Destructorium viciorum" des Engländers 
exander Pabricius. 

Die Dedicatio an einige Freunde veranlasste Westphal, 
' nun zu Worte kommt, zu einem hübschen Enkomion der 
Landschaft, wobei er eine ausführliche Erzählung der 
liicksale des Dämon und „Pithias^, welche durch die Mit- 
iuDg der „gesta Bomanorum^^ dem deutschen Publikum nicht 
bekannt waren, einflicht. 

Der Hoffartsteufel selbst ist ein ganz prächtiges Buch. 
enn es auch wie eine rechte Predigt „Meine Geliebten im 
srrn Christo" einsetzt*), so gerät die Sprache doch bald 
ein flotteres Fahrwasser und wird äusserst lebendig und 
siebend. Nur manchmal lässt sich der Verfasser allzu sehr 
len und wirft die Dinge völlig dispositionslos durchein- 
ier. Er verliert jedoch niemals seinen grotesken Humor, 
' ans stellenweise wohl an Abraham a Sancta Clara erinnert. 
SS er dabei oft derb und plump wird, ist natürlich; aber 
ist doch alles mit ursprünglicher Kraft und launiger Frische 
chrieben. Der weitverschlagene Pfarrer weiss Geschichten 
le Ende zu erzählen, und er trägt sie mit grosser An- 
aulichkeit und einem geradezu schmunzelnden Behagen 
. Manche Anekdoten, die wir bei Musculus und Strauss 
den, begegnen uns auch hier. Der Hosenteufel besonders 
. auf Westphal grossen Einfluss gehabt ; und in dem einen 
lir, zwischen dem Erscheinen des „Faulteufels" und des 

364 « c. 



110 OSBORN 2( 

jjHoffartsteufel", hat er grosse Fortscliritte gemacht, die vie 
leicht einer genaueren Lektüre der Schriften des Andre: 
Musculus zuzuschreiben sind. 

Nicht eben loyal gegen seinen Landesherrn leitet Westph; 
das Wort Hoffart her „vom Hofe vnd seiner art" und beruh 
sich so in manchen Punkten mit Chryseus' Hofteufel. 1 
unterscheidet die geistliche Hoffart, die er hauptsächUch 
dem menschlichen Selbstbewusstsein, in der Ehr- und Ruhi 
sucht; daneben aber auch in dem prunkvollen Gottesdien 
der katholischen Kirche sieht, von der weltlichen Hoffai 
Die geistliche findet er rasch ab^) mit der EntschuldiguD 
,Jrgend ein Lutherus^' müsse diese schwierige Materie d 
Näheren behandeln *). Der weltlichen Hoffart gehört dai 
der Best des dicken Buches. 

Und nun wird die Kleidung der Stutzer und der ^ 
putzten Weiber, der Wechsel der Moden, das „schminck 
vnd Kleistern der Angesichter*' *), der Gang der Modenarr« 
ihre Haltung, ihr Benehmen, ihre Art zu sprechen einer e 
gehenden scharfen Kritik unterzogen. Wenn Spangenbc 
eine grosse allegorische Familie der Hoffart zusammen steJ 
so beschreibt Westphal einen ^.B^um der Hoffart" *), der 
dem Boden des Unglaubens wächst und gedeiht, dessen Ke: 
„Vergessung aller gnädigen Wolthaten'' ist und dessen As 
und Zweige Vermessenheit, Geiz, Eigenwille und Fürwitz sin( 
„Sorbo", eine Frucht vom Toten Meer, die äusserlich schö 
und glänzend, innerlich aber „Asche vnd kot" ist, trägt diest 
Baum der Hoffart. 

46 Namen und Umschreibungen für sein Laster tei 
Westphal aus Kirchenvätern und didaktischen Werken mit* 
und wenn im „Sorge-" und „Melancholischen Teufel" ^^ 



*) 370—373. «) 373 a. ») 395 k. 

*) 376^ ff. — Auch dies ist ein altes Motiv der Predigt; man ^^ 
z. B. Berthold v. Regensburgr 11 (ed. Strobl) 670 (Anhangt wo a^ 
Sünden als Bäume, die Folgen als Aste und Zweige dargestellt sind. 

»J 379 «-380. 



206 MODE. 111 

Menschenwelt als die beste aller denkbaren Welten gepriesen 
wurde, in deren weise eingerichtetem Kosmos Sorge und 
Traurigkeit Sünden sind, so werden hier gerade im Gegenteil 
die Erde als ein Jammerthal und die Menschen als elende 
Kreaturen, als jämmerliche ,,Madensäcke'^ hingestellt, die zu 
irgend welcher Hoffart durchaus keinen Grund haben können^). 

Westphal zeigt, wie durch das Treiben der „grossen 

Hansen" alles Ehrbare herunterkomme *). Die Farben selbst, 

die früher heilige Dinge bedeuteten, sind nun, wie er naiv 

ausführt, Ausdruck und Bild der Sünden^), und sogar die 

edle Kunst der Musik^ die David so fromm übte^ ist nun 

ganz „säuwisch'' geworden, „wenn Hanns Schadenfroh, Juncker 

Ijandsknecht , Bruder Veit vnd Ountz Streichenbart" im 

Wirtshaus sitzen und trommeln, pfeifen und trompeten" *). 

Sei den Kleidern erscheint es ihm besonders sündhaft, dass 

man oft durch die langen Mäntel und spitzen Hüte Männer 

xind Weiber gar nicht von einander unterscheiden könne, 

^d er glaubt es nun, „so viel leichter, dass ein Weib Bapst 

gewesen" *). 

Die Hauptsache ist für ihn neben dem nationalen der 
li^terielle Gesichtspunkt, und er hat treffliche Mittel zur Ver- 
fiigung, seinem Zorn Ausdruck zu verleihen. 

Um von der Kleiderpracht abzuschrecken, sucht er die 
■J feinen Stoffe zu diskreditieren, so den Flachs, der „auss der 
*!rden im stinckenden Mist" wachse, so die Seide, „ein Spinn- 
^eb, vnreyner abscheuwlicher Würmer Geschmeyss" •). 

Mit tiefem Ernst schildert Westphal mehrere der 
schrecklichen Missgeburten, die der Aberglaube der Zeit all- 
^*^ich massenhaft zur Welt brachte '), und die in besonderen 
Schriften weitläufig erklärt wurden. Da gebar*) ein Schaf ein 






') 379. 418 ff. ») 382 • a. •) 894 f. *) 386 c. *) 891 « b. •) 404 • b. 
') Möhsen, Gesch. d. Mark Brandenburg S. 498 f. 
•) üdalrici Zanei (Diakonos zu Templin) ,,Neue Zeitung, wie von 
^^em Schafe in der Uckermark zu Templin A. 1648 drei Früchte sind 
ommen, als zwei wohlgeschaffene Lämmer, die dritte aber . . . ." 



112 OSBOÄN. 207 

Paar Pluderhosen ^ da kam das Kind einer Zimmermanns- 
frau in Prenzlau mit Krausen an Hals und Händen ans Liebt 
des Tages ^)y da erschien in Pletzen bei Stendal ein junger 
Weltbürger in voller spanischer Tracht und mit weiten nieder- 
ländischen Hosen ^). Solche Wunder hörten erst sehr spiU 
auf, in der Mark Brandenburg beispielsweise erst, als die 
Verordnung ergangen war^ sämmtliche Missgeburten an die 
Akademie der Wissenschaften zu Berlin einzusenden'). 



^) A. Angeli Annales Marchiae Brandenburg p. 392. 394. 
*) Nie. Leuthingeri Commentarii de rebus Marchicis p. 740. 
') cf. MÖbsen a. a. 0. 



5. Ehe nnd Familie. 

el — Zehn Weiberteufel — Haasteufel — Hurenteafel — 

Gesindeteafel. 

r Kampf Luthers und seiner Anhänger gegen den 
die protestantische Auffassung, die im schroffsten 
z zum katholischen Keuschheitsideal die Ehe als eine 
Einrichtung ohne Ausnahme unbedingt forderte, und 
»tand als einen Grundpfeiler der christlichen "Welt- 
Detrachtete, fand in der Litteratur mächtigen Wieder- 
reits 50 Jahre vorher hatte Albrecht von Eyb durch 
änischen Opuscula über die Ehe und besonders durch 
3ches „Ehebüchlein", das 1472 erschien, eine Anregung 
eben, das eheliche Leben gründlicher und ernster zu 
1, als dies bisher geschehen war^). Die wachsende 
ies 15. Jahrhunderts hatte ja auch das weibliche Ge- 
auf dem Altar des neuen Heiligen St. Grobianus ge- 
id der brutalen Behandlung, welche die volkstümliche 
r den Frauen zuteil werden liess, trat die frivole der 
:en zur Seite. Der reformerische Eyb imd der revo- 
Luther mit seinen Nachfolgern, Lienhart Culmann, 
Alberus u. a., begründeten nim im Gegensatz hierzu eine 
litteratur, die sich in ehrlichem Kampf gegen Buhlerei 
tlichkeit wandte, die friedliche Ehe pries, das Pamilien- 
rte, und welche, um bessernd zu wirken, die Pflichten 
9n gegen einander, die Stellung der Kinder und des 
ilie zugerechneten Gesindes mit liebevoller Sorgfalt 
ite ^). Freilich war der weiberfeindliche Ton darum 

f. Max Herrmann, Albr. v. Eyb und d. Friihzeit des dtsch. 
US (ßerUn 1893). S. 329 ff. 

^. Kawerau, Lob lu Schimpf des Ehestandes in der litt. d. 
reussische Jahrbücher 69, 759—81. — Ders., die Beformation 
be 1892. S. 64 ff. 

8 



114 OSBORN 209 

nicht tot; auch die Protestanten schrieben noch „von den 
neun Häuten der Weiber" oder „wie ein Weib drei Häute 
hab, eine Hundshaut, eine Säuhaut und zum dritten erst eine 
Menschenhaut", „item wie ein Weib eines der neun bösen 
Würmer sei" ^), und noch 1595 wurden in Wittenbei^ 51 Thesen 
verbreitet, die untersuchen sollten, ob Weiber Menschen sind 
und als Resultat apodiktisch den Satz verkündeten: „MuUer 
non homo!^' — eine Behauptung, die trotz des heftigste'D 
Widerspruchs der Wittenberger Professoren gegen den „Teufela- 
stank'^ und trotz des umständlichen Gegenbeweises, i&^ 
M. Andreas Schoppe in seiner „Corona Dignitatis Muliebrii 
lieferte, lange Zeit hindurch Liebhaber fand^) und noch d& 
jungen Lessing vertraut war^). 

Die beiden Strömungen fanden nun Eingang in 
Teufellitteratur. Selbstverständlich überwiegt die lutheriseli 
Weiber- und Ehefreundliche; aber die andere lebt lus^^ 
darunter weiter, erhebt gar oft recht bemerkbar ihr Haupt ilxic 
taucht einmal sogar ganz empor, um — in Nicolaus Schmicits 
„Zehn Weiberteufeln" — den unverfälschten alten misogyixco 
Ton zu zeigen. 

Den Teufel hatte Luther schon oft mit dem Ehestand 
in Verbindung gebracht *) ; der Feind der von Gott eingesetzten 
Ordnung musste natürlich auf eins der wichtigsten Gesetze 
dieses Kosmos besonders erbost sein. So finden wir deu 
Satan denn auch in der kirchlichen Volksdichtung des Pro- 
testantismus thätig; er intriguiert im Fastnachtsspiel geg^^ 
den Ehefrieden; er arbeitet gern in den biblischen Drani^^t 
die es besonders mit einer frommen Ehe zu thun haben, d^o 
Isaac- und Tobias-Stücken, oder den Schauspielen der Susaixti^' 
Gruppe, meist imterstüzt durch die Beihilfe eines alten hex^^' 



*) Vorrede zu Adam Schubarts „Hausteufel". 

•) W. Kawerau, Die Reformation und die Ehe (— Schriften d. 
Ver. für Reformationsgesch. No. 39) 1892. S. 41 ff. bes. S. 69. -" 
Janssen, Gesch. d. dtsch. Volkes 6,390—7. 

•) Der junge Gelelurte. II. Act. 12. Sc. 

*) cf. etwa E. A. 18, 290 f.; 60,57; 61, 194 ff. 



210 EHE UND FAMILIE. 115 

artigen Weibes. Und einen besonderen „Eheteufel^ finden 
wir schon bei Panl Rebhun, zunächst in seinem Spiel von 
der Hochzeit zu Gana (1532) und dann in der späteren ge- 
reimten Hochzeitspredigt vom Hausfrieden (1646)^). 

„Mit was heymischem Hertzen vnd schilenden Augen . . . 
mit was listen und Bubenstücken" dieser böse Geselle wüte, 
nahm sich Musculus in seinem „Eheteufel" •) ziun Thema. 
Zu Grunde legte er die biblische Erzählung Mos. I, 2, 18 — 26 : 
Die Begründung der Ehe durch Gottes Wort, die Erschaffimg 
der Eva und ihre Vereinigung mit Adam^ welche auch der 
Solzschnitt der ersten Ausgaben zeigt. 

Recht willkürlich hat Musculus eine Teilung in 8 Kapitel 
vorgenommen^ in denen je ein „angriff des Eheteuffels" gegen 
Gottes Gesetz behandelt wird. Die Darstellung ist frisch, 
lebendig, voll guter Laune, stellenweise recht derb und ohne 
Söcksicht auf die drei schwesterlichen Hausfrauen, denen das 
Buch gewidmet ist*). 

Der Eheteufel fahrt nach M. erstlich in die Männer und 
pflanzt ihnen einen Widerwillen gegen die Ehe ein. Aus 
solcher satanischen Eingebung entstehen die gottlosen Sprich- 
wörter, wie: „Ein Eheweib ist nicht anders im Hauss, als 
^üi dick, schwartz vnd vngestüm Wetter am Himmel", oder 
?>E8 ist kein Weib gut, auch die aller beste nicht", oder auch : 
»Wer wil seinen Feind zu Tisch vnd Bett haben, wer mit 
^Änck vnd hader sich wil niderlegen vnd auffstehen, der nemme 



') cf. Holstein ADB 27, 482 f. 

«) „Wider den Ehteuffel*- Prkf. a. 0. 1556. — Goedeke II, 480 
^3,4. Daneben noch eine Ausg. Frkf. a. M. 1564 (München Mor. 
^7C) Kawerau 8. 95. Seit 1562 ist der Titel erweitert, der so auch 
^ Th. D. kommt. — Nach freundlicher Mittheilung des Herrn Dr. Joh, 
^Ite in Berlin existiert noch eine Ausgabe aus dem Jahre 1574. — 
^^Itsangabe bei Spieker, Musculus S. 175—9, Kawerau, Preuss. Jahrb. 
•ö. 774 ff. u. Ders. d. Reform, u. d. Ehe S. 52 ff. 

*) „Fraw Margaretha Görg Weissens, Heginae Doctor Bartholomaei 
^^^^dmans, ynd Katharinae Serunt^' Rhadmans ehliche hausfrawen all 
^^ geschwiatem«. 

8* 



116 OSBORN 8 

ein Weib'^ ^), und so meinen die Männer sohliesslich, ein We 
nehmen sei nichts anders, ;,als ynglücks hosen anziehei 
Musculus gesteht zu, die Ehe ist meist kein Idealzustai 
,,es läufft Tiel böses mit vnter^', aber trotzdem hat sich c 
Christ nach Gottes Gebot zu richten imd zu heiraten. I 
Frage ernstlich aufzuwerfen, ob man ein ehelich Weib nehir 
solle oder nicht, wie dies Albrecht von Eyb noch gethan hal 
wäre dem Frankfurter Lutheraner schon als eine schw 
Sünde erschienen. 

Gottes Reich zu mehren nach seinem Gebot, soll i 
der Antrieb zur Ehe sein, aber der Teufel hetzt die Lex 
dass sie weniger dem Höchsten zur Ehre handeln, als „du: 
ynmenschliche, ynordentliche vnd viehische brunst" sich I 
stimmen lassen ^). Dann natürlich ist das Unglück da, „we 
die erste hitz ein wenig getilget", und das teuflische Wc 
wird zur Wahrheit, das sagt : „Wer wil einen Tag wol lebe 
der würg ein Gauss, Wer wil acht Tag wol leben, der schlad 
ein Schwein. Wer aber wil vier Wochen ein gut leben habe: 
der nemme ein Weib". Nach einander treten solche Eh 
leute in 5 Mönchsorden, die immer härter werden. Aus de 
behaglichen Benedictiner Orden, in dem sie nur kurze Zi 
bleiben, kommen sie in den Predigerorden, wo der eine de 
anderen die Epistel länger Hest, als diesem angenehm ist, ui 
wo es demnach immer kleine üngemüthchkeiten giebt. Dur 
den Barfüsser-(„Barfoten"-)Orden, wo Trauer und Wehklag 
herrscht, gelangen sie zu den Peitschenbrüdem, wo man si 
mit Ruten schlägt, um bei den Karthäusem, wo man st 
schweigt und von Tisch und Bett sich absondert, zu endigen 

Der Eheteufel lenkt die Augen der Männer auf and« 
Frauen und wendet ihre Herzen von der Gattin. Aber m 
soll ihm zum Trotz die Flitterwochen beibehalten, wo ( 
Ehemann so ungern sich von seiner Frau trennt, dass er 

1) 293 c. •) 294« D. 

•) 894« E. — Vgl. zu dem Scherz von den Orden (auch H 
Sachs, Fastnachtsspiele ed. Goetze 1, 154 f.) Kawerau, Reform, u. £ 
Anm. 90, S. 95. 



212 EHE UND FAMILIE. 117 

,r jmmer zu in einer Satteltäschen möcht bey sich tragen'^ ^). 
Eäner soll des anderen Schwächen nach Möglichkeit zu ver- 
decken suchen. Der Mann soll sein Weib lieben wie seinen 
eigenen Leib, an dem er auch zudeckt und verhüllt, ,,was 
schäbig, grindig vnd vnrein ist*'*). 

Bei der "Wahl des Weibes hetzt der Teufel die jungen 
Männer, dass sie nach eigenem G-utdünken „zugreiffen one 
Gottes schickunge" *). Das ist Sünde; man soll Gott „Freyers- 
mann'' sein lassen, soll sich wie Adam schlafen legen, die 
Augen zumachen und den Höchsten um ein Weib bitten, das 
man dann, wenn er es von oben herab giebt, mit Dank an- 
zunehmen hat*). 

Den Verheirateten sucht der Teufel die Ehe zu verleiden, 
et jagt die Männer ins Wirtshaus und an den Spieltisch, macht 
die Frauen putzsüchtig und eitel und „saht Unkraut*' zwischen 
den Gatten ^). Als Beispiel wird die bekannte Geschichte 
Gezahlt, die auch Hans Sachs behandelte®), wie der Teufel 
durch ein altes Weib mittelst schändlicher Lügen zwei firied- 
liche Eheleute gegen einander hetzte, bis der Mann die Frau 
^nnordete '). 

Den Weibern setzt der Eheteufel dadurch zu, dass er 

^Q aufreizt, ihrer von Gott verfugten untergeordneten Stellung 

^^t zu achten, sondern die Herrschaft an sich zu reissen; 

^d seine Erfolge hier sind so gross, dass man schwerlich ein 

-^aus finden wird, „da nicht Doctor Siemann inne regiert" •). 

^e Weiber sollen nicht vergessen, dass Eva dereinst, weil sie 

-^dam zur Sünde verlockt hat, mit allen ihren Töchtern von 

^ott degradiert worden ist*), und so haben die Frauen das 

^Och der Ilnterthänigkeit geduldig zu tragen, bis sie der Tod 

^yojk erlöst. Darum soll „Doctor Siemann Doctor Herrmann 



») 296 a. «)296c. •) 896«b. *) «97«d. ») 8»3«c. 

•) Fastnachtsfpiel N. 18: „Der Teuffei mit dem alten Weyb*'. — 
^gl. dtta über die Verbreitang dieses Stoffes; Oesterleys Ausgabe von 
^ixjhhofls Wendumnuth. S. 60. — Auch cf. Keller N. 67 11, 491-*511. 
^^^er erriUilt die Geschichte Jenaer Ausg. Y, 861. 

') 298« B. •) «99« D. •) 300d. 



118 OSBOEN 213 

weichen!''^). Der Erfinder des Eheteufels, Faul Eebhun, 
hatte sogar in der „Hochzeit zu Cana" von der Frau yerlangt, 

wenn ihr Mann: 

tfiegn dir würd fahren mit gewalt 
,,Gleich einem wütrich vnd Tyrann 
„Nicht als dein Herr vnd ehlich Man 
„So solstu erstlich denken, dass 
„Vielleicht solche wol verschuldet hast" 

und Gott oder im schlimmsten Fall die Obrigkeit zu Hilfe 

rufen: 

„Dn aber, für Dein eigen Person 

„Solst vor vnd nach sein vnterthon 

„Ynd allen vngehorsam meiden 

„Eh drüber g^alt vnd vnrecht leiden!"*) 

Der „Doctor Siemann" war wie sein College, der ,J)octor 
Eolbmann'S der von Hans Sachs sogar zum ,,sant Eolbmann^ 
erhoben wurde, im 16. Jahrhundert eine allbekannte Figur *); 
die Ehebücher erzählen gern von ihm ^), in eine grosse ZaU 
volkstmnlicher Sprichwörter ging er über •), bis tief ins 17. Jh 
blieb er am Leben. Und der ,,Eampf um die Hosen" wurd^ 
zugleich auch ein Vorwurf für die bildende Kunst •). 

Hatte Musculus bis auf den letzten kurzen Abschni* 
hauptsächlich die Ehemänner aufs Eom genommen, so b< 
schäftigte sich mit den Ehefrauen eingehend der schon genannt 
Nicolaus Schmidt in seinem Büchlein „Von den zeb 
Teufeln oder Lastern damit die bösen vnartig^ 
Weiber besessen sind'). Auch von ze he n Tugenden 



1) 800« A. «) Act. m, 6. ed. Palm S. 125. 

*) cf. Janssen, Gesch. d. dtsch. Volkes 6, 890 ff. — Kawerau, Refc 
mation u. Ehe S. 44 ff. 

*) Zu Kawerau S. 47 u. Anm. 84 S. 94 cf. noch Weckherü 
Geistl. u. Weltl. Gedichte. Amsterdam 1641. 18. Epigramm. S. 18 
^Ich bin der Weib, du bist die Mann^. 

*) Eucharius Eyering, Proverbiorum copia (1601) 1, 7; 1, 70; 2,7 
2, 506 ; 8, 127. 

*) Passavant, Peintre-Graveur I, 95. — Alw. Schultz, Dtsch. Leb 
im 14. u. 16. Jh. (1892). S. 275 f. 

^ Aehnlich registrierend Hans Sachs: „Zwölf Eygenschafften eii 
bosshafftigen weybs*<. (Berl. Kgl. Bibl. Yg. 8161). 



214 EHE UND FAMILIE. 119 

damit die frommen vnnd vernünfftigen Weiber 
gezieret vnnd begäbet sind..."*). Schmidt verwahrt 
sich zwar ausdrücklich gegen den Vorwurf prinzipieller Feind- 
schaft gegen die Frauen, aber man merkt es seinen Versen 
über die bösen Weiber und ihrer ingrimmigen Wut an, dass 
er in ihnen sich gegen die Mehrzahl des schwächeren Geschlechts 
sendet: er ist ein grobianischer Weiberverächter und Frauen- 
Terhöhner. Des bösen Weibes Leben beherrscht der Gk)ttlose- 
Teufel: sie geht nicht in die Kirche, sie vernachlässigt die 
Erziehung ihrer Kinder, sie hält das Gesinde nicht zur Gottes- 
furcht an ; daneben bläst ihr der Stolze-Steufel das Verlangen 
ein nach reichem Putz; wie die vom Adel muss sie daher- 
gehen, alles muss schimmern und glitzern, falsche Haare 
werden zu Hilfe genommen, und das Gesicht wird geschminkt. 
Der Ungehorsame Teufel hetzt die Frau gegen den Mann auf, 
der Zankteufel lässt sie mit ihm wie mit dem Gesinde keinen 
Tag in Frieden leben. Der unverschämte Teufel nimmt ihr 
den letzten Rest der Scham: sie rast, tobt, flucht, im Haus 
ist aUes voll Schmutz und Unordnung, die Kinder laufen 
zerrissen und besudelt umher, der Socken liegt auf dem 
Boden. Wo aber keine Zucht und Ordnung herrscht, da 
^gt auch der Saufteufel ein; heimlich lässt die Frau sich 
Bier holen ! Dem Saufteufel nahe ist der Unkeusche Teufel. 
Denn 

„Wenn Bacchus ynd Ceres regieren, 
„So wil Venus mit hoffieren". 

^ird das Weib seines Mannes überdrüssig, so kommt der 
Mordteufel wohl auch noch dazu. Der diebische Teufel, der 
^® den Mann um Geld betrügen lässt, und der unfreundliche 
■'^^ufel sind ständige Gäste im Hause eines solchen Weibes, 
Die Beschreibung der zehn entsprechenden tugendhaften 
^enschaften der frommen Weiber, „GtottfÜrchtig, Demütig, 
^horsam. Friedlich, Züchtig, Nüchtern, Keusch, Gütig, Ge- 



n . . . in Beim weis gesielt durch Kiclaus Schmidt**. Leipzig, 
^«org HantMch 1667. 4«. A-G. — Wittenberg 1668. 8«. Qtoeä, 11, 
^- 480. N. 4. 



180 OSfiOEN 2 :i 

tarewy Freundtlich^S welche den Teufeln nachhinkt, ist äussex^ 
öde und farblos. Die Ungeschicklichkeit, die Schmidt in d.« 
Behandlung der Reimpaare verrät, konnte hier nicht wie ij 
ersten Teil durch die Kraft und den hersslichen Zorn de 
Ausdrucks verdeckt werden ; auch die bequeme Technik, gami 
Verse aus den „Teufeln'^ deren Sinn durch einen kleinen 
Zusatz ins G^enteil verkehrt wurde, hier anzubringen, war 
nicht geeignet, diesen Abschnitt zu beleben. Die Beschreibung 
der Tugenden nach den Lastern musste langweilig wirkeo. 
und Schmidt selbst scheint keine rechte Freude an den gutes 
Weibern gehabt zu haben; denn er widmet ihnen nur 14 
Seiten, während er für die bösen 24 brauchte. — 

Weit geschickter als Schmidt in der Behandlimg des 
Stoffes wie der poetischen Form zeigte sich Adam Schabart 
in seinem „Haussteuffel" ^), Über diesen Schriftsteller ist uns 
nichts überliefert, und von seiner sonstigen litterarischen Thätig- 
keit nur bekannt, dass er ein Buch „Vom gähligen Tode ; ingleicheo 
von denen, die sich selbst erwürgen", veröffentlichte *). Jeden- 
falls war er ein eifriger Lutheraner; seine Heimat werden 
wir wohl in Mitteldeutschland zu suchen haben *). Schubart 
kannte zwar seinen Vorgänger Schmidt — gegen den er sie» 
im Vorwort ausdrücklich wendet — ebenso wie Franck uo^ 
andere, die sich früher mit den Lastern der Weiber beschäftig 
hatten, recht gut, indessen er benutzte sie fast gar nicb- 
Dagegen schloss er sich wohl an Musculus' Eheteufel, den ^ 
freilich nirgends erwähnt, enger an, wie schon der genauec" 
Titel vermuten lässt : „Haussteuffel, das ist der Meiste^ 
Siemann, Wie die bösen Weiber jhre fromm 
Männer vnd wie die bösen leichtfertigen Bube: 



Luther meinte (Jen. 6 [1678], 158»): wenn ein Fürst ^all 
Feinde omb und lunb überwanden hat (wie Hercules) so kann er doc: 
zu letzt den Hausteufel, den einheimischen Feind nicht übei-winden. - 
of. dtsch. Wörterbuch IV, 2, 692. 

>) Es erschien Erfurt 1563. — Görlitz 1565. 

*) cf. Roethe ADB. 82. Band. 



216 EHE UND FAMILIE. 121 

ihre fromme Weiber plagen..."^). Ein MjBogyu wie 
ächmidt ist Schubart keineswegs. ^Vnnd ist ein Weib^, so 
sagt er in der Vorrede, „die aller schönste Creatur auff dem 
rmbkreiss der Erden, anch eine herrliche schöne Werckstatt, 
darinnen Gott die Menschen formiert. Ein schöner lieblicher 
Bamn, welcher die allerschönsten Pflantzlein vnd fruchte 
bringt, die da sollen ins him m lische Wesen versetzt werden^. 
Aber der Ungehorsam der Weiber verdirbt ihre Schönheit, 
nnd gegen die ungehorsamen Frauen wendet er sich. 

Ein Dialog mit einem weisen Mann, den der Dichter 
auf einem Spaziergang trifft, leitet in Hans Sachsens Manier 
das Buch ein. Der Fremde erzählt ihm, wie die Weiber 
jetzt allenthalben die Herrschaft an sich gerissen haben, er 
schildert die Verwilderung im Familienleben und beschreibt 
Szenen, wie sie der Holzschnitt des Titelblattes zeigt, wo ein 
hütendes Weib ihren Mann, der heulend auf dem Boden liegt, 
lut tüchtigen Butenhieben traktiert. 

Asmod, der Eheteufel, wird als das treibende Element ge- 
turnt. Die Figur des „Doctor Siemann^ tritt als handelnde 
erson auf, sie erscheint als ein Uberweib an Kraft und Ghrösse 
Ol Zimmer des Dichters, um ihn sich zu unterwerfen, und nur 
cüt der allergrössten Anstrengung gelingt es dem Bedrängten, 
^ach einem heissen Kampf ihn oder sie zu Fall zu bringen 
^d das zähe, immer wieder sich aufraffende Biesengeschöpf 
^ töten. 

Dem lebendigen ersten^ Teil folgt ein trockener zweiter, 
^, meist in dürrer Lehrhaftigkeit, auseinander setzt, wie 
^ich Ehegatten gegen einander zu verhalten haben. Der 
"i^tm, so doziert Schubart ^ ist vor der Frau erschaffen 
"forden; also, folgert er, gebührt ihm die Herrschaft. Will 
^^r die Frau auf ihren Mann einmal Einfluss gewinnen, so 
^e^ioag gie es weit besser durch Milde und Güte als durch 



') n - • • Sampt einer vermanung auss heiliger Schrift vnd schönen 
Historien wie sich fromme Eheleute gegen einander verhalten sollen, 
^tzlich vnd lastig zu lesen. Beschrieben durch Adamum Schubart^. 
^^k. a. M. 16Ö6. 8«. — Siehe Goed.« H, 481. N. 10. 



122 OSBOBN 217 

Frechheit und Trotz. Eine lange Seihe von Beispielen soll 
die guten Lehren illustrieren. Auch die Männer werden zoni 
Schluss ermahnt, ihre Ghtttumen gut zu behandeln. 

Schmidts ungalantes Gepolter fehlt bei Schubart Yolüg 
und der „Haussteuflfel'^ bleibt, wie Boethe mit B.echt herror 
hebt, von einzelnen Längen im zweiten Teil abgesehen, stets 
eine Dichtung von behaglichem Humor. 

Trotz aller Vorzüge indessen nahm Feyerabend die 
Schrift, die noch dazu aus seinem Verlage heryorgegangen 
war, in das Theatrum Diabolorum ebenso wenig auf wie 
Schmidt's „Zehen Teu£feP. Entweder er schloss die poetischen 
Teufelbücher prinzipiell aus und machte nur bei Chiyseas' 
Hoffceufel eine Ausnahme, weil er der älteste war, oder 
Schmidt's Buch war ihm entgangen, und den „Haussteuffel'^, 
von dem er 1569 bereits die 3. Auflage herstellen konnte, 
hielt er allein fUr wirksam genug. Statt dessen liess er im 
Theatrum dem Eheteufel den Huren teu fei folgen, so da« 
nun diese beiden (No. 11 und 12) nach dem in der Einleitong 
ausgesprochenen Ordnungsprinzip (siehe S. 37) das Toben des 
Satans gegen das 6. G^bot darstellen. 

Der Teufel der Hurerei ist sehr alten Ursprungs. Neben 
der biblischen Tradition, der Hochmut sei die Ursache dei 
Engelsfalles gewesen, steht die des Buches Henoch (cap. 6 fg-) 
die sinnliche Lust habe Azazel (oder später Semaja) mit dei 
bösen Engeln gestürzt*), und im Buch Tobias (3,8; 6, 1^ 
8, 1 ff.) begegnet uns der Dämon Asmodi, der in sinnliche: 
Glut für Sara, Raguels Tochter, entbrannt ist, ihre siebei 
Männer tötet und nur von dem Erzengel Kaphael gebändig 
werden kann. Asmodi, nach Alex. Kohut ^) aus dem persiscbei 
^Aeshma^ entstanden, bedeutet selbst „der heftig Suchende' 
der „Begehrende" ; er erscheint als Geist der Wollust aud 
im Talmud (Gittin 68, 1), wo ihn eine Erzählung mit Könij 



') Schenkel, Bibel-Lexikon 1, 265. (Fritzsche). 

*) Ueber d. jüdische Angelologie und Dämonologie in ihrer AI 
hänf2r]((keit vom Pftnismus. S. 7Sff. 



18 EHE UND FAMILIE. 123 

alomon in Yerbindung bringt, und von hier aus gelangte er 
iit der Salomonsage in die Litterator der abendländischen 
^ölker, wurde im Slavischen „Kitrovas'^, und blieb Asmodi 
1 den deutschen Gedichten von Saknan und Morolf ^). 

Der Verfasser unseres Traktates vom „Hurenteufel" *), 
indreas Hoppenrodt, war Prediger zu Hettstedt in 
er Grafschaft Mansfeld, wo er 1584 starb, und gehörte zu 
em Spangenbergischen Kreise'); freilich war er einer von 
en Genossen des biederen Cyriacus, die später im Synergisten- 
lieit die Feder gegen den alten Freund wandten^). Neben 
men theologischen Schriften yerfasste er noch mehrere histo- 
ische Arbeiten, von denen sein „Stamm-Buch oder Erzählung 
Iler nahmhafften Geschlechter in den sächsischen Ländern'' 
ie bekannteste ist (Strassburg 1570) ; in die schöne litteratur 
rat er ein durch ein Drama „Das Gulden Kalb**^), das nach 
iner sehr ungeschickten und breiten, den riesigen I. Akt 
anfassenden Exposition in den späteren Partien sehr hübsche 
)zenen aufweist, und durch das er ein Plätzchen in der Allg. 
lentsch. Biographie wohl verdient hätte. Wie dies Drama, 
erschien auch sein „Hurenteu£fel'' mit einer Vorrede 



^) cf. Salman n. Morolf, heraoBgegeben v. Friedr. Vogt p. XL VI ff. 
^ p. IL. Noch bei Goethe wird im 2. Teil d. Fauat L Akt. (Weiinarer 
^QiS^be, Werke 16,1. S. 85) Y. 5878 Asmodi als ehefeindlicher 
^on genannt. 

■) Wider den Huren Teuffei vnd allerley vnzucht. Warnung md 
bricht aus8 Göttlicher Schrifit. Gestellt vnd zusammen gezogen durch 
Udreas floppenrodt. Mit einer Vorrede Gyriaci Spangenbergs, Frkf. a. 
L 1658 — siehe Goed.* ü, 481. N. 16. — Ausserdem noch Frkf. a. M. 
Btiiter) 1568. 8o. (Berl. kgl. Bibl. Db 8012). — Im Th. D. No. 12: 
^860«— 864«; B 801«— 812«; Ol 249—58. 

») Jöcher n, 1702. — Universal - Lexik. XHI (1785) S. 810. — 
innales Gkmrodes*' von einem Pfarrer Poppenrod zu G^mrode wurden 
im früher irrthümlioh zugewiesen. — Siehe ^Nachtrage**. 

^) Leuckfeld, Historia Spangenbergensis S. 89. 

^) „ • . . Ein Spiel auss der Historia des zwey vnd dreissigfsten 
ipitels im Andern Buch Mose. Reimen weiss ge&sset durch Andream 
oppenrodt". Strassburg (Samuel Emmel) 1568. 8. of. Gt>edeke« 11, 
8. (Exempl. ausser dem dort angegebenen noch Berl. kgL Bib. Yp 9811). 



134 OSBOBN 219 

SpangenbergSy der auf die letztere Schrift sehr einge^wirkt und 
auch ihren Druck veranlasst hat. Ein hübscher Holzschnitt 
ziert das Büchlein: er zeigt ein üppiges Weib in verführerischer 
Lage auf einem Bette; ein Mann tritt staunend und mit be- 
gehrendem Blick ins Zimmer; aber an dem Bett sitzen 3 
grinsende Teufelchen, von denen eines dem Eintretenden eine 
Sanduhr entgegen hält. 

Neben dem Satanas, dem Urheber aller Unzucht, meint 
Hoppenrodt, ist es die in der menschlichen Natur begründete 
böse Begierde, die uns zu dieser Sünde treibt. Dazu das 
Leben in den Wirtshäusern, das Trinken und Tanzen, das 
Schwatzen und Herumspazieren, das „spat vnd langsam tischen"*) 
— alles das befordert die Unsittlichkeit ; besonders aber ist 
der Müssiggang „ein sanfit Küsszlein, darauff der Teuffei seine 
ruhe hat^^ *). Eine Beihe von Anekdoten macht den Schluss 
dieses Abschnitts, unter denen sich auch die nach Manlius 
erzählte Novelle zu Shakespeares „Mass für Mass'' befindet *). 

Ein zweiter Teil setzt uns die Beweggründe auseinander, 
die uns von der „Hurerey" abhalten sollen*). Gottes Liebe 
zu den keuschen Menschen, besonders aber das Beispiel Jesu, 
der in seinem Verhältnis zu seiner Braut, d. i. der christlichen 
Kirche, das Muster eines keuschen Lebens bietet*), sei uns 
ein Antrieb. Die Erklärung, Apelles habe die Aphrodite auf 
einer Schildkröte gemalt, um anzuzeigen, dass das Weiber- 
volk sich stets in den Häusern halten soll, findet sich bei 
Hoppenrodt ebenso wie schon bei Musculus und Schubart. 

Von der Herrschaft zum Gesinde wandte sich der 
Dresdener*) Peter Glaser, der in Schul-Pforta und au£* 
der Universität zu Leipzig ') seine Ausbildung erhalten hatte. 



») 305« D. •) Fol. 806 B. •) Fol. 805, 

^) Han vgl. Luthers Predigt vom Ehelichen Leben (163S) £A. 
20, 57 ff. bes. S. 82. *) Fol. 817 b ff. 

^) Dass er in Dresden geboren, geht aus der Vorrede zu den 
„Viertzig Anfeohtungen^ BL A 7 hervor. 

^ Dort wurde er, wie mir Herr Dr. Johannes Bolte aus seinen 
Notizen freundlichst mittheilte, im Sommer 1545 immatrikuliert. 



220 EHE UND FAMILIE. 126 

dann eine Zeit lang Prediger in Ramersdorf gewesen war 
und schliesslich die Stelle eines Stadtpredigers in seiner Vater- 
stadt Dresden erhielt, die er bis zu seinem Tode, 1583, inne 
hatte ^). Er war — zumal im Sacramentsstreit — ein eifriger 
Orthodoxer, verfasste polemische und homiletische Schriften, 
darunter auch: „Viertzig Anfechtungen des Teufels, dadurch 
er yns am Gebet hindern wolte *) . . .". In seinem 1564 zuerst 
erschienenen „Gesind Teuflfel" ') teilt er sich den Stoflf in 8 
dem Umfang nach sehr ungleiche Abschnitte, vielleicht im 
Anschluss an Musculus' Eheteufel. Mit grösster Wichtigkeit 
wird die Ungezogenheit des Gesindes, seine Faulheit, Untreue, 
Naschhaftigkeit behandelt, ganz im Sinne Luthers, der sich 
auch wiederholt mit diesen Fragen beschäftigt hatte*). Der 
Lutherschen Anschauung entspricht auch der Grundgedanke 
der ganzen Schrift, dass die Forderung von Treue imd Ge- 
horsam des Gesindes gegen die Herrschaft ein Teil des 4. 
Gebotes sei, wenn dies auch ausdrücklich nur vom Gehorsam 
der Kinder gegen die Eltern spreche. 

») Jocher II, 101 f. — Üniversal-Lex. X (173&) Sp. 1590. 
*) n • • • • oder darinne irre ynd zweifelhafftig maehen. Yimd wie 
^ieaselbigen zu begegnen. Gestellet vnd zusammengezogen von M. Fetro 
Glaser. 1672 Nürnberg (Valentin Geyssler) fehlt bei Goedeke. — Andere 
Schriften: „Lehre Lutheri wider die Sakramentirer**. Dresden 1682 — 1698. 
^*. — „Colligierte vnd verteutschte Prophezeyungen Lutheri von aller- 
hand Straffen.« Halle 1628. — „Unterricht, wie der Christen Traurig- 
keit zu Btillen sei*'. 8. a. 

') „Darinn acht stücke gehandelt werden von des Gesindes vntrew, 
deiche im nachfolgenden blat verzeichnet durch M. Feter Glaser, Prediger 
zu Dressden, gestellet vnd zusammen gezogen.*' Frk. a. M. 1664. . . . 
cf. Goed.* II, 481. N. 12. — Ausserdem noch: Leipzig (Ernst Vögelin) 
1564. 8*. mit anderem Holzschnitt als die Frankfurter Ausgabe von 
Feyerabend u. Hüter. — Im Th. D. No. 8: A, 278—287«; B 284« -246; 
CI 192—202. 

*) cf. Luther : Wie das Gesinde sein soll. EA. 2, 16 f., 20, 273. 
— sein üebermut: 84, 164 ; 33, 389 ; 86, 298. Als Beispiel für die Mägde 
d. Jungffrau Maria hingestellt: 6, 804 ff. 



6. Theologlsehes. 

fleyl. Kluge und gelehrte Teufel. — SabbatsteufeL — Böse Sieben in 
Teufels Karnöffelspiel. — Sakramentsteufel. — Pfarr- und Pfrnzid 

Beschneide - Teufel. 

Den Teufel) der den Menschen nicht zn einer bestimmtei 
Sttnde verleiten will, sondern ihn überhaupt vom christlichei 
Glauben loszulösen sucht , also den eigentlichen christlich 
dogmatischen Teufel, stellte Andreas Fabricius dar 
Er war der Bruder des berühmten Poeten und Schulmanne 
Georg Fabricius, war wie dieser in Chemnitz geboren, i 
Nordhausen zuerst als Magister philosophiae, dann 1562—^ 
als Diaconus und schliesslich als Frediger angestellt^). £ 
gehörte hier zu den Anhängern und Freunden Cyriacii 
Spangenbergs; als er aber 1568 an die Nikolaikirche nac 
Eisleben versetzt wurde, ward das Band, das ihn mit diesei 
verknüpfte, lockerer, und als im Beginn der 70er Jahre di 
Drehung des Consistoriums erfolgte, liess er sich zur Part< 
Strigels hinüberziehen, in deren Sinn er sogar in einer Dispi^ 
tation gegen Spangenberg persönlich auftrat ^). Fabricius starl 
in Eisleben, 6 Jahre nach seinem Bruder Georg, im Herbst 1577 

Sein Büchlein „Der Heylige Kluge vnd Gelehrte 
Teuffei, Wider das erste Gebot Gottes, den Glauben vn( 
Christum..." (1567)*) stellt also den Dämon dar, welche) 

^) of. Zedier, Univers. - Lex. IX (1735) Sp. 86 nach Olearioa 
Syntagm. Rer. Thuring. p. 198, 204, 206. 

Andr. Fabricius schrieb noch ein lateinisches Gedicht „Christa 
lacrymans*' Wittenberg 1551. 

*) Leuckfeld, Historia Spangenbergensis S. 86. 

') » . . . . auss heiliger Schrifft vnd Patre Luthero beschrieben to 
M. Andrea Fabricio Chemnicense, Prediger in der Gemein zu S. Peter i 
Northausen.** Goedeke. S. 481. N. 18. — Im Theatr. DiaboL No. i 
A164»--195; B 141«— 167; Ci 118»— 185. 



222 THEOLOGISCHES. 127 

den Menschen auf seine Klugheit , seine Kenntnisse , seine 
XJeberzengnngen stolz und sicher macht, um ihn vom Pfade 
des Rechten abzuziehen. Der Teufel war ja selbst immer als 
ein kluger, durch eine Jahrtausende lange Erfahrung ungemein 
kenntnisreicher Geist dargestellt worden^). In lienhard 
Cidinanns „Pandora^ (1644) beispielsweise, wo zwischen Pro- 
metheus, Epimetheus, Pandora, Juppiter, Merkur der christ- 
liche Satan herumläuft^), sagt er selbst von sich (iJLL, 4) : 
„Ich kann alle sprach und bin bekannt 
„Nicht alleyn in dem Teutschen landt, 
„Sondern in Vngem, Beheim vberal 
„Der Hispanisch kennt mich und der Wahl, 
„Portugal, Rom, Poln vnd Franckreych 
„Darzu auch das gantz Römisch Reych 
„Ich durchwandert vnd zogen bin 
„Mit grossem gwalt ynd grossem gwin. 
„Von aufif vnd nidergang der Sonnen 
„Hab ich mit meyner kunst viel gwonnen 
„Kein sprach ist mir zu schwer gewesen, 
„Kein gschrift, ich habs können lesen.'' 
^i Fabricius nun werden diese Eigenschaften des obersten 
^tan auf ein Mitglied des höllischen Gesindes übertragen, 
^ der „Heylige, Blluge und Gelehrte Teufel" geschaffen. 
In seinem Gefolge sieht Spangenberg, der eine Vorrede zu 
4em Buche schrieb, die Sektierer und Rotten, die das Land 
durchziehen, aber neben ihnen auch fast alles „was Gross, 
Äeich, Weise, Gewaltig vnd gelart ist für der Welt". Fabricius 
^ennt ihn geradezu den „Theologischen Teufel"^. 

Er treibt die Menschen dazu, dass sie selbst alles am 
besten zu wissen vermeinen und ihren Willen durchsetzen 
wollen. „Das schändüiche Ego vnd Nos richtet alles Hertz- 
leid an^)." Luthers Kämpfe mit diesem Teufel werden be- 
schrieben, sein mannhaftes Ringen gegen ihn als Beispiel 



») et Luther EA. 60,42. «) öoedeke « n, 881. •) d 116 b. 
*) Cl 118« b. 



128 OSBORN 823 

geschildert; im 5. Capitel stellt Fabricias ans seinen Schriften 
142 hierher gehörige Sprüche zusammen! 

Der Heilige -Teufel hat ein stattliches „Hofgesinde 
und alle möglichen Misstände treiben ihm neae Anhäager 
zu; zumal „der Hohenschulen missbrauch'' vergrössert sein 
Keich. Dort wird „der gröste vnnd beste theil mser Jugend, 
gleich wie ein Branntopfifer geopffert ')". „Denn dass sie in ^ 
Hurerey, Fresserey, vnnd öffentliche bosheit gerahten, ist das 
geringste verderben. Dass sie aber mit falscher Heydnischer 
Kunst vnd mit Gottloser Menschlicher Lehre vnterweiset 
werden, das ist des Feuwer Moloch" -). 

In einem Miscellanband der Kgl. Bibliothek zu Berlin^, 
der nur Teufelbücher enthält, befindet sich am Scblnss, 
hinter einer späteren Ausgabe des „heyligen Teufel**, ein ge- 
schriebener Nachtrag, der von „M. Andr. Fabr. Chemnicensis** 
unterzeichnet ist und offenbar auch von seiner Hand stamnc^^^ 
Es ist eine 22 Octav-Seiten lange „Apologie des ausgangen^'^ 
Büchleins vnd Deutung des gemeldes . .**, in der nach eia^^ 
umständlichen, in der üblichen Weise gehaltenen Entschuldigo^'S 
wegen der Wahl des Titels eine interessante Erklärung i^^ 
Holzschnittes folgt, der das Buch schmückte. „Auch 9^^ 
andern autores haben", so meint Fabricius, „Ihre materia^* 
ein jeder mitt einem sonderlichen Bilde gezieret vnd abg'^ 
mahlet, das zugleich das Bilde auch die Summa des gantz^^ 
Handels zuuerstehenn gebe." Das Bild hatte man ihm na^i 
der 1. Auflage übel genommen; man hatte ihm vorgeworfen^» 
er hätte damit „gelerte Leutte verschumpfieret." So erklärt^ 
er es denn des näheren. Eine Mönchskutte trägt der heiligt 
Teufel, weil er sich für einen geistlichen Herrn ausgiebt ; ein 
Keifen geht um seinen Leib, dass er vor Hochmut nicht 
platze, seine Hechte trägt ein Buch, aus dem er seine 6e- 
lehi'samkeit hat, die Linke ein flammendes Schwert, mit dem 
er den Glauben bekämpft. Aus der Brust guckt ihm ein 
Mönch heraus nach Luthers Wort: „jeder mensch tregt jnn 



133 b. s) 133 ^ a. 3) Db. 3013. 



224 THEOLOGISCHES. 129 

seinem Bnsen von natur einen vngehewem greslichen mönch.^ 
Oben im linken Ärmel sieht ein Jesoit, unten ein Philosoph 
heraus. Aus. dem rechten Ärmel ragt oben irgend ein Wieder- 
täufer, und unten Münzer selbst mit einem Schwert hervor, 
zugleich als Repräsentant aller, „die sich zusammen rottirenn, 
vnd wollenn mit der klingen dran vnd das bapstumb mitt der 
Faust angreififen, es sey nichts mitt dem Luther, der da 
8aget: „Gladio verbi, baculo labiorum et ore infantum.'' 
Vielleicht ist dabei an Hütten und seine Bestrebungen ge- 
dacht. Die beiden Füsse, der Bockshuf und die Greifen- 
klane, kann der Teufel nicht verbergen, sie kennzeichnen ihn 
trotz seines Mönchsgewands und trotz des Heiligenscheines, 
der seinen Kopf umschwebt^). 

Einen ganz merkwürdigen Dämon schuf sich Caspar 
'S'aber von Mellerstadt — „Farinopolitanus", wie er sich 
^tolz darnach nannte — , der zu Deystingen auf dem Eichs- 
f^^ld in der kurzen Zeit, wo dort die Luthersche Lehre 
herrschte, Prediger war. Schon 1582 eroberte der Erzbischof 
^Daniel von Mainz die Landschaft, die zu seinem Gebiet ge- 
hörte, mit Hilfe der Jesuiten dem Katholizismus zurück, 
^ber für die kurze Blüthe, die der Protestantismus dort er- 
lebte, setzt unser Pfarrer ein Denkmal. Er schrieb „wider 
idle Heuchler vnd Werckheiligen auff dem Eichsfeld" eine 
„Einfeltige vnd kurtze Erinnerung vom Sab- 
bathsteuffel" '), in dem er alles personifizierte, was die 
gesetzmässige Befolgung der Vorschriften für die Feier des 
Sabbaths oder vielmehr des Sonntags hinderte. Die Vorrede 
ist 1567 unterzeichnet, und wir haben also die erste Ausgabe 
wohl auch in dies oder das nächste Jahr anzusetzen, während 
die früheste bekannte Auflage 1572 gedruckt ist. 

Faber erweiterte sich sein Thema, indem er schliesslich 
seine Strafpredigt auf alle Sünder ausdehnte, weil sie ja am 
Feiertag wider das göttliche Gebot handeln und so den Sab- 



') Siehe u. S. 203 f. 

«) o. 0. 1572. Im Th. Diab. B, 465«-491; Cn 292— 8U«. 

9 



130 OSBOJELN 885 

bath entheiligen. So werden Papisten , Reformierte , „En* 
thusiasten'', d. h. Wiedertäufer, angegriffen, die schon durch 
ihren Kultus den geheiligten Tag entweihen. Ziemlich trocken, 
ohne Beispiele, ohne Anekdoten, werden die Laster jedes 
Alters, Standes und Gewerbes vorgenommen, auch die Bach- 
drucker angeklagt, die „das was zur Beförderung des Beichi 
Christi vnnd rechter Heiligung dienlich ist" ^), also jedenfalls 
die orthodoxen Bücher, nicht abdrucken wollen. Ohne eine 
Spur von Verständnis für das Leben des Volkes schimpft F. 
grimmig auf den „Pfingstteuffel'^ ^), eine besondere Abart des 
„Sabbathteuffels^^, dessen Wirken sich zeigt, wenn am Pfingstfest 
die Gedanken der Menschen statt auf das Anhören der Fre- 
digt und auf Beten „sind dahin gericht, dass sie guten Wein 
oder Bier heimführen, weidlich schlemmen vnnd denmien vnd 
Sawfrölich seyn wollen"'), und wenn „Oberkeit und Vnde^ 
thanen jhre Bronnenreynigungen, Schützenhöfe, Vogel ab- 
schiessen, Gülden Versammlungen vnnd andere Leichtfertigkeit 
als Tantzen, Fechten, in die Milch mit der Greten gehei>i 
oder in den Kloos oder auff den Stroberge, Ehrenber^ 
Mühlenberg auf dasselbige herrliche Feste anstellen vnd ve»^* 
richten, auch mit Versäumung vnd Verachtung dess lieb^^ 
Worts." Stets im Kreise sich drehend spricht er von d^^ 
Sündern und entwickelt im Anschluss an das Einzehie seix^^ 
Ansichten von der Sonntagsheiligung, die zusammen ein ultr^' 
orthodoxes System starrsten Furitanertums ergeben; er wii^ 
Hochzeiten, Eondtaufen, Festlichkeiten aller Art vom Sonntag 
verbannen; Spaziergänge und Belustigungen verbietet er; did 
Leute sollen auch am Nachmittag „den Katechismus handeln 
in den Kirchen oder daheymen mit Kindern vnd Gesinde 
denselbigen repetiren" *). 

Wertvoller jedenfalls als das ganze Buch ist sein An- 
hang, eine Sammlung von 16 geistlichen Gedichten^), zum 
grössten Teil von Faber selbst verfertigt, die sich fast sämt- 



B 480« A. *) 480«D. •) 481 D. *) 4742e— 478. 
*) Bei Wackernagel, das deutsche Kirchenlied IV, N. 1657—72. 
(S. 1091-1102). 



226 THEOLOGISCHES. 131 

lieh durch einen frischen, volkstümlichen, nach der Lektüre 
des Sabbathteufels überraschenden Ton auszeichnen. Manche 
Nummern wie ,,Jacob, der ward von Hertzen fro" und „Es 
ist gantz nahe der jüngste Tag'' sind nicht unbekannt ge- 
hlieben, einige „Kinderlieder'S die zwischen den ursprüng- 
lichen lateinischen Versen interlinear die deutsche Reimüber- 
tetzung bringen, sind ganz hübsch geraten, und eine Fort- 
fletzung zu Johann Walther's überall gesungenem „Herzlich 
Ümt mich erfrenwen die liebe Sommerzeit'', die er 166S 
dichtete, war ihm trefflich gelungen. 



Während nun die Bücher des Fabricius und des Caspar 
f'aber immerhin noch Fühlung mit der Teufellitteratur hatten. 
Welche Sünden und Misstände bekämpfte, fallen 2 Teufel- 
^hriften ganz und gar aus dem Rahmen heraus. Sie führen 
^8 in die wütenden theologischen Kriege der Zeit und ge- 
hören mit zu der Biesenzahl der Bücher, welche den streitenden 
Parteien im leidenschaftlichen Kampf um das Dogma als 
^affe dienten, und die mit der eigentlichen didaktischen 
-Citteratur nur ein sehr dünner Faden lose verknüpft. 

Das ältere dieser Bücher ist der schon erwähnte Traktat 
Clyriacus Spangenbergs „Wider die bösen Siben 
ins Teuffels Karnöffelspiel"^). 

„Kamöffel" war ein im 16. und 16. Jh. allgemein 
Verbreitetes und äusserst beliebtes £[artenspiel ^). Es brachte 
eine interessante Abwechselung durch den originellen Ge- 
danken, die niederen Karten über die höheren zu stellen: 
die Drei stach den Ober, die Vier den Unter, die Zwei den 
König : höher stand die Zehn, dann die Sechs, und alle stach 
der „Kamöffel" : „man hat erdacht Kamöffelspiel, da stechen 
die mindern die merem vnnd die vnder die obem," sagte 
Geiler von Kaisersberg *). Nur die Sieben konnte der Kar- 

^) Goedeke 480. No. 6,i. 

') cf. J. Voigt in Bäumen histor. Tasohenbnch 1888. S. 402 ff. — 
Deutschet Wörterbuch 6. Bd. (Rud. Hildebrand) Sp. 220f. 
s) Geüer, Die Brösamlin 1617. I, CIX*. 

9* 



132 OSBOBN 

nöffel nicht stechen, sie war ^^teufelsfrei'' ') und wurde a 
schlechthin der ,,Teufel'' genannt. 

Der Name des Spiels wird kaum, wie Rud. Hildebr 
meint, durch irgend eine Beziehung zu einem Leibesscha 
— £[amöffel bedeutet zunächst eine Geschwulst — entstan 
sein; begründeter scheint mir die Vermutung von JohaD 
Voigt*), dass in der Volkssprache das Wort Kardinal sei 
früher höhnisch zu „KamöffeP' verdreht wurde, und nun 
Spiel nach der Hauptkarte, die meist einen EZardinal d 
stellte, getauft worden sei. 

Wie vertraut das Spiel bald jedermann in Deutschla 
wurde, erkennt man an den zahlreichen satirischen Ansi 
lungen, in denen häufig der Karnöffel mit dem Teufel^ ( 
Sieben, zusammen auftraten ^. Geiler demonstrierte daran 
Schlechtigkeit seiner Zeit *). Er meint, wie früher im Kart 
spiel der Ordnung gemäss die oberen Karten mehr als die nnte 
gegolten hätten, so war es auch nach Recht und Billig! 
im „weltlichen Regiment'^: 

„Aber jetzt so hat man ein spil, heisset der Kamü 
spiel kamiffelins, da seint alle ding verkehrt^^; und da jec 
mal zur Bestimmung des Trumpfes ein Ass — der Ka 
genannt — imigeschlagen wurde, fährt er fort: „ietzt isl 
einerlei Keiser, darnach so würt ein anderlei keiser wie 
glück gibt. Also in dem gewalt ist es auch vmbkeret . . 
ach wie dick kumpt es, dass die frumen ersamen fursichti 
werden vnder getruckt in raten, in den erwölungen, so i 



*) Spangenbergs Vorrede Aiiij. 

2) a. a, 0. S. 403 und 406. 

») z. Bsp. (nach Wörterbuch V, 220) „Teufel vnd karnöffel" Fa 
Spiel 162,12. — „-A-ch, du verfluchter Böswicht und Teufelskopf 
deinen Brüdern den kamöffeln und kamalischen Messbischoven.'* Lu 
Jen. Tom. III, d4^. — Dazu Fastnachtsspiel „Di Hamaschvasna 
Keller, No. 99, Bd, II, 767, Zeile 2. — cf. Alwin Schultz, Dtech. L 
im 14. u. 15. Jh. II, 516. 

*) Geiler, Das Buch Arbore humana Von dem menschlichen Bi 
1621. Strassburg (Gryninger) (nach der latein. Originalausgabe 
1515) Fol. CXXXIX»b-CXL. 



28 THEOLOGISCHES. 133 

völlig ynd bischo£P erwölen soll .... vnd ander^ die yrteilen 
lach dem fleisch vnd der sinlichkeit, die werden erhört. '' 

Bald aber^ in der Zeit des Kampfes, trat der poUtisch- 
^atirische Charakter des Spieles noch weit schärfer in den 
Vordergrund. Nun hiess die Sechs der Papst, er stach das 
Abs — den E^aiser — , den König und alle weltlichen Häupter; 
die Zehn wurde nach der darauf gemalten X das „E[reuz- 
panier'* genannt und als eine Waffe der römischen Hierarchie 
hingestellt, mit der diese die Weltlichen überwand. Der „TeufeP' 
war stichfrei, zum Zeichen, dass ihn der Papst, die Sechs, seiner 
göttlichen Statthalterschaft unerachtet, auf Erden passieren 
lasse. Alles aber war dem £[amöffel unterworfen, der seltener 
auch als ein Landsknecht erschien — eine kräftige Auf- 
forderung der weltlichen Macht wider den römischen Stuhl 
anzugehen. ^) Zahlreiche andere Beziehungen wurden gefunden 
nud witzig ausgebeutet; die vier Weltmonarchien, Türken und 
Heiden, Adel-, Bürger- und Bauernstand fanden im Kamöffel- 
spiel ihre Vertretung. Alles das erklärte höchst lustig und 
anschaulich in einer prächtigen satirischen Flugschrift „Pas- 
qnillus, Newe Zeitung vom Teufel'S (die leider in Schades 
Sammlung nicht aufgenommen ist) der Satan dem Papst, als 
^ die gemeinsame Stich&eiheit des Papstes (der Sechs) und 
^68 „Teufels" (der Sieben) zum Beweise dafür heranziehen will, 
^8 er der natürliche Genosse des römischen Bischofs sei'). 

Eine ähnliche Bolle hatte schon früher unser Karten- 
spiel in einer Flugschrift inne, welche, wahrscheinlich 
^ Antwort auf des Cochlaeus gegen Luther gerichtetes 
satirisches „Bockspiel** (1531) **) aus dem protestantischen 
iager 1537 hervorging, als Papst Paul III. das Concil 

cf. Teutscher Merkur 1788. Erstes Vierteljahr. S. 62. ff. Bey- 
ing zur Geschiclite der Kartenspiele. Bes. S. 68, 78 ff. 

>) „Pasquillus, Newe Zeituug vom Teufel'*. Zuerst 1546. Goedeke 
tamdr.* II, 274, Nr. 76. — Ausgabe o. J. (18 El. 4« Berl. Kgl. Bibl. 
3u. 9396) BL 6 (B) — 6* (Bij.«). — cf. auch Voigt in Raumers Histor. 
Taschenbuch 1888 S. 897 ff. 

*) cL Biederer, Nachrichten ssur Kirchen- etc. Gesch. VI, 226: 



134 OSBOSK 329 

zu Mantua zusammen gerufen hatte : „'EHhq Frage des gantzai 
heiligen Ordens der Kartenspieler an das Concilium zu 
Mantua^)^. Euer bat der „Orden der Elartenspieler vom 
Eamö£Pel gestalt"^) die Katholiken um die Erklärung der 
merkwürdigen Verhältnisse in diesem Spiel, wie etwa „waromb 
doch das erwehlte Tauss das geringste vnd ärmste stück auf 
der Karten der Keiser heisse? Viel halten der Bapst habe 
jm zuTil geraubt vnd gestolen das er ein Bettler muss sejn 
Tnd doch der Keiser heisse." Spangenberg nahm aus dieser 
Flugschrift seinen Titel, druckte sie in der Vorrede ganz ab» 
um sie dem ,,geschmierten Oelgötzen auff dem Conciliabalo 
inns Teuffels nammen zu Trient yersamlet'^ zu präsentieren, 
da ja, wie er ironisch sagt, „alle Ketzereyen sonderlich die 
Lutherische aussgerottet'^ und infolgedessen „nichts mehrv(^ 
banden zu thun ist^'*). Sp.*s Traktat selbst, dem er das 
hochtönende Programm mitgiebt: „Wer wissen vil was hindtf 
dem Bapstthumb steckt, der läse diss Buch^),'' stellt also die 
„böse Sieben^' d. h. den „TeufeP' in des Teufels KamöS«^ 
spiel dar; und diese „böse Sieben'' wird gebildet durch eii^ 
Gruppe von 7 Männern, die Spangenberg in 9 Abschnittet 
bekämpft. 

Der erste soll den ersten Gegner schlagen: „Wider ^' 
Bulla, SoBapstPius, diesesNamens der vierdt^ 
Anno 1660 hat aussgehen lassen''^). In wildem Zorn n^ 
mit einer Kraft der Sprache, die dem Schüler Luthers ail 
Ehre macht, wird jeder Satz der Bulle vorgenommen, ^ 
Lüge und Betrug entlarvt, als „eitel Teufeley" gebrandmarkt' 
Es ist nur ironisch gemeint, wenn er sagt, man dürfe wohl „ein^ 



„Bockspiel Martini Lutheri: darinnen fast alle Stende der Menschen ^ 
griffen und wie sich ein yeder beklaget, der yetzt leofifigen schwer^ 
zeyt. Gantz kurtzweylig vnd lustig zu lesen, (behalten zu Rambacb ^ 
dem Schloss. Am 26. Juni 1631.'' 

*) cf. Flögel, Gesch. d. komischen Litter. 1786. DI, 890 ff. ^ 
J. Voigt a. a. 0. S. 418—21. 

') Bei Spangenberg Aiij. 

»)Aiij«. *)Aiij. ») A— C •)A««. 



230 THEOLOGISCHES. 135 

wichen grossen Herrn als der Bapst ist, nicht Liegen heissen''^) ; 
denn seine Wut kennt überhaupt keine Grenzen, und auch 
die guten Lehren, die der Bapst giebt, benutzt er zu mass- 
losen Angri£Pen, indem er nachzuweisen sucht, dass dieser selbst 
seine Lehren nicht befolge und also, wenn er sie gebe, von 
Hochmut und Heuchelei besessen sei. 

Die folgenden beiden Abschnitte wenden sich gegen 
Dominicus Limpricius^), einen Mönch, der im Auftrag 
des Bischo& Marcus von Olmütz in Mähren „Zettel und 
Büchlein von Beligionssachen schreiben und drucken lassen'^. 
Zwei von diesen Traktaten fielen Spangenberg in die Hände, 
tmd dieser nahm nun mit glühendem Eifer die Gelegenheit 
wahr, wieder einmal die protestantische Lehre als die einzig 
wahre und die katholische als die erlogene, teuflische hinzu- 
stellen. Der erste war des Limpridus Schrift „Eine rechte 
Vnterweisung Christlicher Communion^' *), welche nach Span- 
genbergs Bericht folgende 6 Thesen aufstellte: 1. Alle 
Christen sollen fär gewöhnlich nur Ostern zum Sacrament 
gehen. S. Ein „geweiheter Ketzerpriester vnd ein vngeweihe- 
ter^' können das Sacrament nicht reichen. — 8. Priester „so 
&it Hess halten'' und Laien sollen sich „an einer gestalt des 
Sacraments genügen lassen''. — 4. Die Handlung des Sacraments 
sei ein Opfer. — 6. Es könne nur in der Bömischen Kirche 
})gehandlet, gereicht und empfangen werden". Mit gewaltigem 
Apparat sucht Spangenberg die Beweisgründe des „freuel 
Hünch" zu entkräften und er schliesst in der Hoffiiung, das 
Puhlikun gehörig gewarnt zu haben, „dass sie sich für dem 
^hendlichen WolfP in der Münchskappen hüten lernen". 

Der zweite Angriff gegen Limpricius richtet sich gegen 
dessen Schrift „Von guten Wercken."*), und wenn er auch 



Ob«. 

') „Wider Dominicom Limpricinm einen tchadliohen Hünch ynd 

'^«»enden Wolff vnter der Heerde Christi im Land za Hehren." C » — o 4 ■• 

*) ,^aff den Zettel Limprioij von der Christlichen Conunnnion." 

*) „Wider das Büchlein Dominici limpricii Von goten Werken.^ 



136 OSBOBN 231 

sagt „seiner (Limpricii) Schrifft keine wirdig, das man eine 
zeüe darauff antworten solte'^, so braucht er doch 80 Seiten 
für seine Widerlegung. 

Der Dritte aus der bösen Siebenzahl ist der Liefländer 
Friedrich Staphylus^) (1513— 64), der zuerst in Witten- 
berg ein Schüler und Anhänger Luthers und Melanchthons 
gewesen, auf des letzteren Empfehlung sogar Professor in 
Königsberg geworden war, dann aber nach vielfältigen Streitig- 
keiten, besonders mit Andreas Osiander^, sich seit 1533 
wieder der katholischen Kirche zugewandt hatte, und als 
kaiserlicher und bayrischer Eat 1561 mit einem „Christlichen 
Gegenbericht an den Gt>ttseligen gemeinen Laien vom rechten 
waren verstand des Göttlichen worts.** *) hervorgetreten war. 
Selbstverständlich giesst Spangenberg auf den Abtrünnigen, 
der „von viel Legionen Lesterteufeln** besessen ist, die ganze 
Schale seines Zorns aus. In 7 Kapiteln greift er die ein- 
zelnen Teile seines Buches, auch Titel und Vorreden und 
besonders heftig die Gründe, aus denen Staphylus den Laiei 
die Lektüre der Bibel entziehen will, und die Vorwürfe, di< 
er gegen Luther erhebt, an. Spangenberg ist Lutheraner bis zu 
starrsten Consequenz, und wenn der Katholik es für ein 
Torheit erklärt, „das man in einem Concilio allein den Te^ 
der heiligen Schrifft vnd nicht auch zugleich den gemeine 
verstand derselben wolte lassen Bichter sein, vnd das man als 
hart auff dem Buchstab der schrifft dringe, vngeachtet d< 
Glossen, so doch der Text der schrifft ein tödte* 
der buchstab sej, aber der (sensus) gemeine vd 
rechter Verstand oder deutung, bringe d^ 



Ft* — L2. Der vollständige Titel von Limpricius' Buch lautet: „V 
guten Wercken rechter vnterricht vnd daz die ewige erwelung verbr*^ 
wird durch den glauben, Christliche tauffe, vnd gute Werck." 

*) „Wider den Schendlichen Lügener vnd Grewlichen Gotteslester 
Fridericum Staphylum.'^ L > — a 5 '. 

») Jöcher 4, 777 f. 

•) ...... welch« mehr den 34 bogen hat . ." L 4. — Jöcher neni 

diese Schrift nicht. 



232 THEOLOaiSCHES. 137 

Leben,"^) so wird er ak ein „rechter doctor Grobianus" 
heimgeschickt, und der Lutheraner ruft: „dass er sich nicht 
scheinet solches zu schreiben!^ 

Ein „gottloser Apostat^ ^) wie Staphylus ist auch der 
Dächste der Sieben, Stephan Agricola der jüngere*). 
Sein gleichnamiger Vater, der eigentlich Kastenbauer hiess, 
war ein geborener Baier und war ein guter Elatholik — sogar 
eine zeiÜang Beichtvater der Gemahlin Ferdinands I. — bis 
Luthers gewaltiges Auftreten ihn wie so viele andere ins 
protestantische Lager hinüber zog; nach mannigfachen Müh- 
salen und einer dreijährigen Gefangenschaft gelang es ihm, 
den Händen seiner katholischen Feinde zu entrinnen; er kam 
nach Augsburg, nach Hof im Yogtlande, nach Merseburg 
ond schliesslich nach Naumburg, wo er als Dom -Prediger 
starb. Spangenberg, der den Alten sehr gut kannte und eine 
hübsche Beschreibung seiner Lebensgeschichte giebt*), war 
auch mit seinem Sohn, der sich deutsch nicht nach dem 
Vater, sondern nach dem berühmteren Johannes Agricola, 
nAckermann'^ nannte^)^ seit 1646 eng befreundet, und dieser 
hat auch, wie er erzählt*), „darzu viel geholffen, daz ich da- 
zumal etwas hefftig den historischen studijs oblag, darinnen 
nur Stephanus aus seines Herrn Yatters seligen Bibliotheck 
Diit etlichen Cronicken vnd Historien, so ich sonst nicht zu- 
bekommen gewust, fleissig vnd willig . . . gedienet." Er dedi- 
2ierte ihm auch eine Genealogie der deutschen Kaiser, die bei 
Steiner in Augsburg gedruckt werden sollte, die aber niemals 
Schien. Die Freundschaft mit dem jungen Stephan Agricola 
hörte indessen auf, als dieser im Anschluss an Georg Maior 
ftr die Notwendigkeit der guten Werke eintrat''), und ver- 
handelte sich in grimmigen Hass, als er zum Katholizismus 
^l>ertrat und nun wie er früher, hauptsächlich durch Ueber- 

*) Mvij* (Quartausgabe von 1662 Viij). 

*) „Wider den Gottlosen Apostaten Stephanom Agricolam" a»- — f^. 

>) Jöcher I, 135 f. 

*) b~b«. ») 1)9. «) a, K 

^ Zedier, Univ.-Lexikon. I, 1731. Sp. 823. 



138 OSBORN S 

Setzung lateinischer Schriften von Luther und Brenz, für 
protestantische Sache litterarisch ihätig war ^) , ffir seil 
neuen Glauben in verschiedenen Schriften eintrat. Greg 
eine dieser letzteren , „Ym Papsts Gewalt'' wandte sich n 
der frühere Freund mit allem Zorn und der ganzen Kn 
seines Poltertons'). 

In Anschluss an dies Buch Agricolas nahm Spange 
berg das des Kardinals Contarini*) „Vom primat d 
Papstes zu Kom^ vor, das zwar lateinisch schon lange ( 
schienen, ihm aber in der deutschen IJebersetzung von „Meist 
Grickel** erst vor kurzem in die Hände gekommen war. 

Als sechster schloss sich der Kölner Buchdrucker Jas p 
von G e n n e p an ^). Mit dem vielgewandten Bheinländer, i 
durch seine IJebersetzung von Peter Diesthemius' „Homuln 
(1640) dem Hekastus- Drama in Deutschland neue We 
erschloss und auch in einer „Susanna^ (1662) sich als Theat 
dichter versuchte, war Spangenberg in Streitigkeiten gerat 
als dessen „Epitome, warhafitige Beschreibimg der yomehmsi 
Händeln, so sich in geistlichen und weltlichen Sachen i 
1500—1569 zugetragen*^ (Cöln 1559 Fol.), ganz in kath« 
schem Sinne geschrieben, gegen des Sleidanus „Comm 
terü de statu reUgionis et rei pubUcae Germanorum Oarolo 
Caesare'* herauskam ^). Spangenberg wandte sich in ein 
kleiaen Buch „Antwort vnd Bericht . . ." (Eisleben 1560) ge^ 
die tendenziöse Darstellung dieses Geschichtswerks. Es w: 



*) Ein Verzeichnis seiner Schriften giebt Spangenberg b ? • ff. 

*) „Wider das Büchlein Qusparis Contareni Von des Bapsts 
Rom Gewalt« F « " — k 6. 

*) Contarini lebte 1483—1543. 

^) Über Gennep's Thätigkeit als Schriftsteller und Buohdmc 
Siehe neben ADB VIII, 793, Wetzer u. Weite Kirchenlexikon V, 1 
jetzt auch Willy Scheel, Jaspar Ton Gennep und die Entwicklung 
nhd. Schriftspr. in Köln, im Ergänzungsheft 8 der Westdtsch. Zts< 
für Gesch. u. Kunst § 2. S. 6—16. 

*) Adelung, Fortsetzung zu Jöcher. 11. 1396. — Willy Scheel 
a. 0. S. 18. f. 



234 THEOLOGISCHES. 139 

wenn es auch ,,nicht mehr den vier bogen begrei£ft'' ^) , grob 

genug gewesen sein, Gennep aber blieb die Antwort nicht 

scholdig und yeröffentlichte „Ein Emsthafftig ü-esprech, 

zwischen Jasper Gennep etc. vnd Cjriaco Spangenberg etc. 

Allen Liebhabern der Warheit nützlich vnnd kurtzweilig zu- 

lesen^^). Die Replik nahm Spangenberg nun wieder auf ^) 

mit einer weitläufigen Verteidigung seiner Ansichten gegen 

das ,,Gesprechbüchlein'% diesen „vierdten teil von Schimpff 

nmd Ernst'* ^); ,,so nützlich gleichwol nicht zulesen'', diesen 

^dem teil vom Beinke Fuchs'' ^). 

Noch durch eine andere Veröffentlichung verschaffte sich 
Gennep einen Platz in der ^bösen Sieben". Er hatte näm- 
lich einen y,Eaitholischen Spangenbergischen Katechismus" 
herausgegeben, d. h. er hatte den Katechismus des Johann 
Spangenberg, des Vaters von Cyriacus, mit willkürlichen 
Abänderungen, Streichungen, Zusätzen unter diesem Titel 
drucken lassen. Das war allerdings nicht anständig, und 
nian begreift es, wenn der Sohn über diese Vergewaltigung 
einer Schrift des Vaters ausser sich gerät ^) ; „Hudler vnd 
lumpenwescher", „ungeschickt Eselskopf', sind die Titel, die 
^ dem Kölner Buchdrucker nachwirft ''). 

Den Beschluss als der Siebente in der Gruppe macht 
der berühmte Bischof von Ermeland, Stanislaus Hosius^). 
Spangenberg meinte zwar selbst, es wäre eigentlich „one not'^, 
dass er sich gegen ihn wende, aber er thut es doch, „das er 



^)k5». «) k.. 

*) „Wider den alten Gecken, Jaspar Gennep, Buohdmcker zu 
Collen,« kft— te. 

*) Damit zuBammenznatellen der Neben -Titel des Baches von 
^mecke Fuchs 1544: ,,Der ander Teyl des buchs Schimpff und Ernst.. •*< 
^ Lappenberg, Ulensp. S. 800. 

»)ke«. 

^ „Kurtzer Bericht auff den Katholischen Spangenbergischen 
'^«techismum, durch Jaspar Gennep in Druck geben. ** te'— z?'. 

•) ADB 18, 180ff. Th. Hirsch. — Scdne Schriften bei Jöcher 
(^ter Osius) HI, 1124 f. 



140 OSBORN 235 

die böse Sieben voll mache vnd die Oalgenzahl derer Gottes- 
diebe auch compliret werde'' (z e). Hätte er ein wenig 

gewartet, so hätte er den 7. Platz besser vergeben können; 
denn in der Vorrede der ebenfalls noch 1663 erschienenen 
Schrift : ,,Wider die unchristliche Ermahnung, so Julius Pflug 
von Beligionssachen . . hat ausgehen lassen'' (Eisleben, Urban 
Gaubisch) meint er bedauernd, er „hätte mögen leiden, er 
war ein wenig eher gekommen, so solt er in den bösen Sieben 
nicht einen bösen Gesellen geben haben". So nahm er sich 
Hosius' Büchlein ,4)e expresso verbo Dei" vor^), das knn 
vorher in der 1658 in Köln veranstalteten Sammlung seiner 
Schriften erschienen war ^, und in dem der Grundsatz aus- 
gesprochen war, „das man sich keines weges auff das aos- 
drückliche blosse Wort Gottes beruffen solle", man solle 
,,viel mehr sehen vnnd halten auff den gemeinen verstand der 
Komischen Kirchen, denn auff den Text der Schrifft." (z s). 

Mit einer wohlbegründeten Entschuldigung schliesst das 
lebendige Buch : „Der Christliche Leser", bittet Spangenberg, 
„wolte mir meinen eiffer vnd da ich etwan zu hefftig gewesen, 
solchs zu gut halten. Denn mit dem Teufel vnd seinen 
Werckzeugen ringen oder kempffen vnd noch jnen gute wort 
darzu geben, kan ich bey mir nit finden." Feyerabend er- 
kannte richtig, dass die fesselnde Schrift doch ganz und gar 
aus dem Kreis der satirisch-didaktischen Litteratur heraustrat 
und lediglich einen theologisch - polemischen Charakter hatt^J 
er nahm sie infolgedessen nicht ins Theatnmi auf, obschon 
sie offenbar rasch allgemein bekannt geworden war'). 



») Wider den ofifentlichen Feind Göttlicher Wahrheit, SUnisUum 
Hosium, Bischoff zu Ermelandt." z?' — Ccs^ 

«) Zedier, Univ.-Lex. 13 (1736), 967. 

5) So nennt sie z. B, Fi schart im „Bienenkorb", als wenn «^ 
dem Publikum recht vertraut wäre; er spricht dort (Ausgabe von l^ 
S. 177 ^ „Von Sacramenten der siben Weihen**, will sie allegorisch äo*" 
legen, macht einige satirische Vorschläge und sagt dann: (179) „oder 
dass es die siben bösen ins Teuffels Eamöffelspiel sein müssten, dftmoD 
Spangenberg geschriben hat.** 



36 THEOLOGISCHES. 141 

Mit der gleichen Begeisterung und der gleichen Wut wie 
iie ,fiöse Sieben'' ist auch der ^^Sakramentsteuffel^' 
7on Johannes Schütz geschrieben. Der Verfasser dieser 
Schrift ist nicht identisch mit dem bekannteren Johannes 
Schütz aus Halle, der von 1677 bis zu seinem Tode 1680 in 
Wittenberg die Stelle eines Professors und Kanzlers der 
Akademie inne hatte, der ebenfalls ein Todfeind der Befor- 
mirten war und auch litterarisch des öfteren gegen sie vor- 
ging ^). Unser Schütz unterzeichnet sich 1680 in seiner an 
den brandenburgischen Kurfürsten Joachim Friedrich gerich- 
teten Dedikation als Pfarrer zu Biestedt bei Sangershausen. 

Sein dickleibiges Buch % dem ein kurzes, empfehlendes 
Sendschreiben Selneckers — damals Superintendent in Leipzig 
— Torausgeht, ist ein äusserst interessantes Zeugnis von dem 
&natischen Kampf zwischen den Lutheranern und den Geg- 
nern der lutherischen Abendmahlslehre oder „Sakramentirem'^, 
wie sie auf jener Seite insgemein genannt wurden. Schütz 
schreibt von Anfang bis zu Ende mit einer imermüdlichen 
Kraft, und mit einer unerschütterlichen Consequenz im Glauben. 
Seine Sprache ist flüssig und wohlklingend, die Worte sprudeln 
ihm nur so aus dem Munde, und wenn er auch partienweise in 
eine unerlaubte Breite fällt, sich öfters wiederholt und im Kreise 
herumdreht, ist er doch nie eigentlich langweilig. Er beherrscht 
^e riesenhafte Bjtmpf litteratur der Parteien völlig und giebt, 
^cht im Zusammenhang, sondern auf die einzelnen Abschnitte 



») Jöcher IV, 873. 

*) ,,Serpen8 antiquus. Die alte Schlange, das ist der Sacraments 
*6uffel, der sich in diesen letzten fehrliohen Zeiten mit 37 seiner für- 
^Qmbsten Adiuuanten oder Obersten aus dem hellischen Reich» öffentlich 
'^B Feld gelegt, die reine eoangelische Lutherische Lehre, fümemlich 
^om Nachtmahl des Herrn vnd erhöhung seiner Menschlichen Natur umb 
^stossen vnd dagegen den Sacramentschwarm auffzurichten, vnd dieser 
Lande Kirchen vnd Schalen, verschlagener vnd tückischer weise za ver- 
^^ihren willens. Dem Sohn Gottes zu Ehren und allen frommen Christen 
mr Warnung, eigentlich vnd deutlich entworffen vnd beschrieben durch 
Tohan Schütz, Pfarrern zu Rhiestedt.*« — Gbedeke S. 482 No. 27. Ln 
rh. Diab. C" (No. 12.) 204—264. 



142 OSBOBN 237 

verteilt, ein vortrefiFliches Bild vom Gang der Streitigkeiten. 
Diese Abschnitte erhält er dadurch, dass er dem „serpens anti- 
quus'^, also dem Satan des alten Testaments, wie schon im Titel 
zn lesen ist, 37 „Adjuvanten" zuerteilt, die er einzeln vornimmt 
und sich so gewissermassen die Unmasse der Schimpfwörter, 
die er gegen die Feinde in Bereitschaft bat, systematisch in 
Gruppen ordnet 

Er stellt also den Teufel dar, der den „Sakramentirem'^ 
im Nacken sitzt, sowie seine „Haubtleut, Leutenampt vnd 
Fendrich", da ist ein Neidischer, abgünstiger, ehrgeiziger 
Teufel (1), ein „grober, dolpischer. Abscheulicher^* (2), ein 
„schöner, heiliger. Englischer Teuffei" (3), ein „Lesterteufel" 
(6), ein Heimlicher, ein sophistischer Teufel, da erscheint ein 
Lügenteufel (7) nebst einem „Sykophantischen Verleumbteufel" 
(8), ein Ketzer Teufel" (13) mit einem „zweyzüngichten" 
Teuffei (17) neben einem „Unordnungsteuffol", ein „Flade^ 
geist" und „Lichtscheuender Teuffei" (25), ein vermessener, 
aufrührerischer, undankbarer,verstockter Geist und viele andere. 

Mit Luther donnert Schütz gegen die Vernunft, die „Fraw 
Hulde mit der Bötznasen"^) und meint, wenn man die Ver- 
nunft in Glaubenssachen zu Hilfe nehme, „so werden wir auch 
in kürtz die ewige H. dreifaltigkeit selbs verleugnen wie jetzund 
die Sacramentierer in klein Polen thun" *). Schwenkfelds, 
Karlstadts, Zwingiis Lehren werden bekämpft, Ocolampadius, 
Beza imd andere nicht minder ; eine ganze Flut von Schmähungen 
wird über sie ausgegossen ; „Äbsurdisten", „Dreckisten" werden 
sie genannt^. Die schlechtesten Motive, die frevelhaftesten 
Ziele werden ihnen untergeschoben. Abtrünnigkeit und Undant* 
barkeit Luther gegenüber ihnen vorgeworfen, Simon Magus als 
ihr Vorläufer genannt, der ihnen den Weg geebnet habe; die 
Lutheraner, wie der Strassburger Marbach, Brenz, Seinecker, 
übermässig gelobt; Luther selbst wie ein Gott verehrt. Und 
zwei vortreffliche Urteile von Zeitgenossen über ihn, die SchütJ 



>) 10. Adjuv. — C u Fol. 228 b. «) Vorrede. 
3) 16. Adjuv. — C n 241 b. 



B THEOLOGISCHES. 143 

tteilt, mögen hier noch Platz finden. VonlJrhanus Begius 
nmt er die Worte herüber, die er schrieb, nachdem er den 
iformator in Coburg kennen gelernt hatte: „D. M. Luther 
der gröste in meinem Hertzen, denn ich habe jn nun 
isehen vnd gehöret, das man mit schreiben nicht begreififen 
ch ausreden kan/' „In seinen Büchern spüret man wol 
men Geist aber viel bass wird derselb erkandt wenn man 
selbst von Göttlichen Sachen reden hört''; Und Erasmus 
Iberus sagt in einem Buche wider die Anhänger Karl- 
idts: ,yD. M. Luther war ein Man, der den Zorn Gottes 
ffhalten kund, keiner kond fleissiger vnd ernstlicher beten, 
d Gott anruffen, keiner kund besser trösten, keiner kund 
88er Predigen. Es war eia Mann on Falsch, Ligenem vnd 
veyzüngigen war er gram, Auffrichtigkeit hatte er Ueb, den 
eitz hasset er, der Hofifart war er fremd« Trunkenheit vnd 
Qzucht war jhm vnbekandt. Man spüret an jm keinen Zorn, 
. wenn er zu Felde lag mit den Papisten und Schwermem, 
i sah man des H. Geists vnd nicht eines Menschen zom. 
in fein klar tap£Per Gesichte, vnd falcken Augen hatte er, 
id war von Gliedmassen ein schöne Person.*' 

Alle Lutherischen sind nach Schütz von Gott inspiriert 
Eid alle Zwinglianer vom Teufel. Und diese Behandlung der 
irchlichen Händel erhielt sich lange Zeit hindurch, noch 
^alch schrieb 1734 in seiner „historischen und theologischen 
HnleituDg in die Beligions - Streitigkeiten der Evangelisch- 
itherischen Kirche" III, S. 20. f.: „... Auf solche Weise 
Qchte der Satan die Einsetzungs- Worte und insonderheit den 
'&tz : das ist mein Leib auf allerhand Art zu verdrehen und 
■^hte sich an ein jedes Wort desselbigen." — 

Waren hier die Elämpfe der Theologen unter sich dem 
•öufel zugeschrieben worden, so nahm sich Christoph *) 
^arstaller, Pfarrherr in dem Marktflecken Braunsbach am 
Locher, die Zänkereien der Kirche mit der weltlichen Obrig- 



^) Nicht Caspar, wie Goedeke ihn S. 48S No. 22 nennt. 



144 OSBOBN 239 

keit und den Fürsten vor und schrieb einen Pfarr- und 
Pfründbe8chnei46rteufiel..."*) 

Marstaller setzt umständlich die Bedeutung des Pfarrers 
für das Leben des einzelnen Menschen auseinander und schildert 
mit behaglicher Breite, wie der Geistliche von der Wiege bis 
zur Bahre fortwährend unentbehrlich sei. An dieser Wich- 
tigkeit der Stellung der Prediger wird dann die Frevelhaf- 
tigkeit gemessen, mit der sie oft behandelt werden. Zahlreiche 
Exempel werden zusammengestellt aus allen Zeiten und Yölkeni 
von gottesfürchtigen Fürsten, welche die Priester gut, und tod 
gottlosen, die sie schlecht behandelt haben. Er schildert dann 
in dem Kapitel „Was ist nun der Lohn der Diener Gottes'*?*) 
wie die frevelhaften Grossen seiner eigenen Zeit sich gegen 
die Geistlichkeit verhalten, wie sie die goldenen Kelche jmi 
Leuchter durch vergoldete aus Kupfer ersetzen*), wie sie 
,,stellen jnen etwa einen Jaghund in das Haus ^) und, wenn 
der Herr will hetzen reiten, muss der Pfaff auch unter andern 
Hundsbuben mit seinem Schweinhetzer vorhanden sein iai 
Jagen." Aber neben dem Tadel der Sünder geht auch stets 
ein warnender Appell an die Geistlichkeit, trotz allem ihr« 
Pflicht zu thun und tapfer auszuhalten. 



')„... So vnter dem heiligen Euangelio sich auss der vntersten 
Orten der Erden, in diesen letzten Zeiten herfür gethan ; Vnd bey den 
gewaltigen Potentaten dieser Welt täglichst eynreitet. Was grossen 
Schadens er dem heiligen Euangelio zufüget. Auch was sich die Diener 
dess Euangel^ vnter jm müssen leiden. Auch was für Belonung gro?«e 
Herren, so diesen Teuffei zur Herberg auffnehmen, müssen gewertig »eyn. 
Beschrieben durch „Chr. M." Im Th. Diab. Cn (No. 7) 1192-129. 

«) C n i26«a ff. ») 127«* ff. *) 127b. 



7. Öffentliches Leben. 

shrapteufel — Hofteufel — Jagteafel — GerichtsUufel — Eydteufel — 
Bettel- und Garteteufel — Pestilenzteufel. 

Ähnlich wie die Schriften, die soeben als eine Gruppe 
theologischer** Teufelbücher behandelt wurden, beschäftigt 
ich noch eine Reihe weiterer Traktate des Theatrum Dia- 
)olorum nicht mit einzelnen Sünden und Thorheiten des 
Uenschen, sondern mit den Angelegenheiten des öffentlichen 
[lebens. 

Ein rein nationalökonomisches Buch kann man den um- 
ÄBgreichen „Schrapteufel" ^) von Ludwig Milichius 
Densen , dem hessischen Pfarrer zu Homburg an der Ohm, 
Jen wir schon oben bei Gelegenheit der Besprechung seines 
iZauberteufels" kennen lernten. 

Milichius sieht es mit Erbitterung, dass nachdem die 
drückende Last der katholischen Ansprüche für die Kirche 
verschwunden, nim eine solche „Schrapperey" der welt- 
lichen Obrigkeit eingerissen ist; er ist aber sehr vorsichtig 
nnd will nirgends Anstoss erregen; darum spricht er nur „in 
gemein**, hat ,,mit vleis die Singularia verhütet** und hat sein 
Buch, damit es nur ja nicht „für ein Zunder einer Bebellion 
^erde ausgeschrieben werden**, einem Fürsten und zwar seinem 
alten Gönner Volrad von Waldeck gewidmet. *) 



') ,,Schrapteaffel. Was man den Herrschaften scliuldig sey. Wo- 
^it das VolcK beschweret werde. Was solche Beschwerungen für Schaden 
bringen. Was die Schrift darwider zeuge. Wie Gott strafe, vnd mit 
Welchen Sünden sie das Volck verdiene. Alles auss heyliger Schnft 
^it fleisB tractiert vnd gebessert durch Ludouicum Milichium.'* (Vor- 
^ie von 1656). — Goedeke S. 481, N. 9,2. — Im Theatr. Diab. als 
^- 14: A 870»— 415; B 319-356*; Cl 263»-296». 

») siehe Vorrede. 

10 



146 OSBOEN 

Er zeigt auch in seinem ersten Kapitel^ ,yWas 
der Oberkeit schuldig sey^S <1&sb er sich keineswegs mi 
volntionsgedanken oder auch nur mit sozialen Beformp 
trägt, und an seinem lutherischen Grundsatz , wie er il 
der Vorrede ausspricht, hält er fest: Wenn die Begi 
sündigt, so wird sie Ton Gott gestraft werden, „nicht < 
die Bauern vnd ünterthanen, wie Müntzer und sein £ 
yermeinten.'' Immer wieder wendet er sich gegen 
Forderungen der Aufwiegler im Bauernkrieg, und er 
langt nicht nur, dass die Leute die zahlreichen gesetzmäs 
Abgaben, die er weitläufig au&ählt, ohne Murren entrii 
er will nicht nur alle möglichen besonderen Beiträge 1 
ffigen, wie Bussgelder für Versäumnis der Predigt 
besondere „Heyratsteuem^' für die Hochzeit fürst 
Personen, sondern er verlangt auch „Geschenk vnd gäbe 

Aber nicht ohne Nachdruck wendet sich Milichius 
gegen die ungerecht handelnden Fürsten und obrigkeitl 
Personen, gegen den Luxus an den Höfen, wo in den K 
„Suppengiesser, Küchenrätze, Feuerschürer, Holzträger, B 
wender vndAschenbrödel^ -) herumlaufen,wo man 8ich,,seltz: 
vnnötige Thier . . . Hunden, Löwen, Bären, AfPen, Meerk 
Habich, Falken etc.'' hält; gegen die Putzsucht der Fi 
die verschwenderische Erziehung der Kinder, gegen Sohle 
und „pancketieren''; er wettert gegen Kinderherrschaf 
Weiberregiment, gegen übermässige Bauwut, gegei 
tyrannische Forderung von Dienstleistungen, wobei die 
same Behandlung der Juden in Ägypten als Exempel 
gemalt wird. 

Er schimpft auf Bestechungen, auf die Herr 
der „Ohrenbläser'S „Liebkoser'S „Stubenheitzer" ,,H 
pfläger'' ; ") auf die häufige Änderung der Münzen un 
unnötige Kriege*). Daneben stehen Klagen über di( 
gerissene Bettelei, diesen „Sold der Faulheit"*), für die 
er auch einen besonderen „Bettelteufel" erfindet^). 



*) B 821«. «) 827>D/E. •) 338. *) 340». ») 342«b. *) 



W ÖFFENTLICHES LEBEN. 147 

Der Verfasser zeigt, mit welchen Namen die tyrannischen 
Legienmgen in der heiligen Schrift bezeichnet werden, er weist 
uf die schreckliche!» Folgen hin, die st^ts am letzten Ende der 
)brigkeit selbst nur Schaden bringen. Freilich glaubt er, 
las Volk Terdiene durch seine Sündhaftigkeit oft selbst die 
^Uereien der Grossen. Das Tier, so meint er zusammenfassend 
nun Schluss, erfülle seine Pflicht weit besser als der Mensch. 
qDa lerne doch vor der Kuwe dich schämen, du vnflätige, 
fflde, unTemünftige Sauw, so du nicht von deinem Herrn vnd 
Heyland lernen wilt, als ein Christen zu leben"*). 

In die Sphäre des Schrapteufels gehört auch der älteste 
ler Teufelgesellschaft , der „Hofteufel***). Über das Leben 
leinos Schöpfers, des Johann Chryseus, ist uns keine einzige 
bestimmte Nachricht erhalten, und wir müssen uns mit der 
Annahme begnügen, dass er in irgend einem Allendorf, wo er 
die Dedikation seines Dramas und zwei Jahre später die 
Vorrede seiner Übersetzung des Naogeorgschen Haman datierte, 
▼ieUeicht in Hessen, gelebt hat und dort nach seinem Prosa- 
BtQ, der den geübten Ejuizelredner rerrät, Pfarrer war*). 
Zn Sachsen hat er jeden&lls intimste Beziehungen ge- 
hkbt, indessen mit dem 1545 in Wittenberg nachgewiesenen 
Studenten Johann Chryseus aus Fraustadt ^) kann er nach der 
Unterschrift seines Hof teuf eis, „Datum AllendMtf am tag Job. 
Bapt. (also d. 24. Juni) Anni 44^ nicht identisch sein^). 

Sein Schauspiel behandelt die Geschichte des Propheten 
Daniel nach dem 6. Kapitel, einen Stoff, der durch die 
Sdiilderung der Errettung aus höchster Gefahr durch den 

») 356b. 

*) y^Boftenfel. Das sechste Kapitel Danielis den GK)ttfiirchtigen 
^ trost, den Gottlosen zur wamung. Spielweiss gestellet vnd in Reimen 
^erfasset durch Johannem Chryseum". Cf. Goed.» II. 861. — Im Th. D. 
*^« No. 19: A, 616» -630; B. 442*-466»; Ci- (Xo. 14) 271—283«. 

•) Scherer ADB. 4. Bd. 

*) Scherer ZfdA. 20, 196 Anm.: ,,Johann Chryseus Fraustadteniis** 
^^^ am 18. IIL 1546 unter die ^^pauperes gratis intcripti^ gesetzt. 

*) Holsteia, Die Rafonnation im Spiegelb. d. dramatlitt. d.l6. Jh. 
^' 103 halt es trotzdem für möglich. 

10* 



148 OSBOBN 24 

Glauben auf die protestantischen Dichter eine grosse Ai 
Ziehungskraft ausübte. Seit 1533, wo in Stralsund ein 
Daniel -Auffuhrung stattfand, begegnen uns allenthalben i 
Deutschland und in der Schweiz Bearbeitungen dieses Voi 
wurfs. Sixt Birk beschäftigte sich mit ihm, Hans Sach: 
schrieb 1557 eine Komödie „Daniel'' und 2 Jahre späte 
eine Tragödie „der Gott Bel"^). Noch lange blieb der Stof 
beliebt: an der Spitze des Nördlinger Repertoires der eng 
lischen Komödianten von 1604 steht: „Auss dem Bucl 
Danielis 6. Kapitel"*), und über 150 Jahre später war « 
ein den gleichen Vorwurf behandelndes Epos, Friedrich Ear: 
V. Mosers „Daniel in der Löwengrube", das auf die Knaben- 
dichtung des jugendlichen Goethe befruchtend wirkte. — 

Die Handlung bei Chryseus ist kurz folgende: Daniel 
geniesst beim König Darius grosses Ansehen, aber eine Schai 
yerruchter Hofschranzen, unter ihnen ein Bischof und Cardinal 
intriguieren gegen ihn, und mit der Hilfe des Hofteofel: 
gelingt es ihneu, den Propheten gerade durch seine Frömmig 
keit und seinen Glauben zu stürzen, indem sie beim Eönij 
das Gebot durchsetzen, dass jeder, der zu Gott bete, in di 
Löwengrube geworfen werden solle. Durch ein Wunder wir 
Daniel von Gott errettet; seine tückischen Gegner aber ei 
leiden die verdiente Strafe, und der Hofteufel, der sie gehet: 
hat, wird nun ihre Seelen der Hölle zufuhren ^). 

Schon Luther hatte betont, (E. A. 17,210) „Der leidig 
Teufel ist allezeit bei Hofe, welcher der Fürsten Herzen hi« 
und dort durch einen bösen Rath hindert",*) und in der bieder* 
ernsten Sprache des AUendorfer Pfarrers nehmen sich d 
Vorwürfe über diese Zustände recht ernst und wuchtig an 



ibid. S. 102 f. 

*) Goedeke *!!., 630. 

*) Eioe ausführliche Analyse findet sich bei Roskoflf 11, 413 — t- 
Schon im Jahre 1786 wurde im 5. Bande des ,,Patrioti8chen Arch: 
für Deutschland" unserm Schauspiel eine eingehende Besprechung gewidiP 

*) cf. auch die bei Janssen, Gesch. d. Dtsch. Volkes 6, 604ff. * 
zählten Geschichten. 



ÖFFENTLICHES LEBEN. 149 

;t ein herzlicher Zorn, der ihn beseelt. Gleich im An- 
(1, 1) sagt sein Kundschafter Blepsidemos, der so eine 
Raisonneur darstellt: 

Habs nicht gesehn bey all mein tagn 
Aach nicht gebort mein leben lang 
Das liegn und triegn gar im schwang 
Gegangen wer bey hohen Leuten 
Als jetzt geschieht zu ynsem Zeiten. 

. etwas demokratisch klingt seine Bemerkung: 

Wenn solchs aber thut ein schlechter Mann, 
Man spricht: Dieser muss kein ehre han 
Bey diesen aber hat solchs kein not 
Vrsach: sie fürchten weder menschen noch Got. 

Hofteufel selbst schildert seine Person und seine Thätig- 
gleich bei seinem Auftreten in einem nach altem Muster 
das Publikum gerichteten Monolog: 

(II, 1) Der Hoffteuffel so bin ich genandt, 

Und komm jetzt her auss Perser land. 
Wil ich auch weiter anzeigen dabey 
Was mein gewerb zu Hofe sei. 
All Unglück richte ich da an 
Wo ichs zu wegn nur bringen kan 
Zum ersten so rieht ichs da hin, 
Wie ich denn des ein Meister bin, 
Dass König, Fürsten sicher lehn 
Auff Gottes Wort vnd strafif nichts gebn. 



So ich die grossen Herrn denn han 

Jn folgt bald der gemeine Mann 

Da gehet es denn erst recht mit haufifen 

Mit Fluchn, spielen, fressen vnd saufifen 

Mit Ehebruch, allorley Hurerey 

Mit Hoffart, vntrew, triegerey 

Da schür ich zu, leg immer an. 



rleumdung imd Verhetzung herrscht bei Hof: 

(11,2) „mancher offt mit trewen dient wohl langk 
Kriegt doch zuletzt des Teuffels Danok. 
Denn Herrn gunst wert nicht allzeit. 
Der grösste Lohn ist hass und neid." 



160 OSBOBN 

Ebenso klagen Daniels Getreue über das verrottete L 
bei Hofe (U, 4) 



„So ist Fressen, Saufen so gemeyn 
Dass es moss schier gross Ehre seyn 
Wenn einer mehr trinckt denn wol ein Khn 
Speyt gleich and thut noch was dazu." 

Mit hübschem Geschick wird aber von Chryseus 
Untreue bei Hofe auch als Handlung vorgeführt. Die 
räterei, die Machinationen der Hofschranzen werden tref 
zur Darstellung gebracht, der Hofteufel selbst durchweg 
einem kräftigen Humor behandelt, besonders Y, 1, wo er 
einer durchzechten Nacht, die er köstlich schildert, am Mo 
beinahe die Zeit verschlafen hat; ein paar grosse Versa 
lungsszenen werden übersichtlich angeordnet und verb 
äusserst lebendig. Das Schauspiel hat überhaupt dramat 
Momente, die es den besten seiner Zeit an die Seite sie 
Die knappe Form und die wirkungsvolle Steigerung hebe 
über die ungeheure Zahl der mittelmässigen Arbeiten 
diesem Gebiet empor. Unverkennbar ist der Einfluss 
Rebhuns im Bau einzebier Szenen, wie in der Behanc 
des Metrums^). Denn Darius spricht meist in jambü 
Quinaren im Gegensatz zu den sonst benutzten gewöhnl 
achtsilbigen Reimpaaren: Das ist Rebhuns „ratio decoi 
Auch an den Eheteufel in der „Hochzeit von Cana'^ sei 
noch einmal erinnert (s. S. 24). Daneben war Chryseu 
Zeit der Abfassung seines Hofteufels bereits mit Naog 
dessen Haman er ja, wie schon erwähnt, später übers 
recht vertraut, wie schon die Bezeichnung des Papste 
„Pammachius^^ beweist; ebenso ist der Name eines Can 
„Oncogenes'' von Naogeorg entlehnt und zwar aus d 



*) Scherer a. a. 0. — - Palm, Rebhuns Dramen (L. V. 49) S. 1 
DerB., Beiträge zur Oeflch. d. dtsch. Litter. d. 16. a. 17. Jahrh. 

') Höpfiier, Reformbe&trebungen auf d. Qebiet d. dtsch. I 
d. 16. and 17. Jahrh. (Programm d. kgl. Wilhelms-Gymnasiums), 
1866 S. 14. — In d. Chrys. ,,Hester" ist sogar ein metrisches S 
angebracht, ibid. 



246 ÖFFENTLICHES LEBEN. 161 



n 



Jncendium^^ Auch hier mag ihm Rebhan den Weg 
gewiesen haben , welcher ja der nicht lange Torher, am 
1540, erschienenen Tyrolffschen Pammachins-Übersetzang sehr 
nahe gestanden hat.*) Manche Ungeschicklichkeiten freilich zeigt 
Chiyseus noch in der Technik, zamal in der Motivierung des 
Auftretens und Abgehens der Personen, wie er etwa IV, fi, 
als er den Darias von der Bühne schaffen will, ihn sagen lässt: 

y,Lyciiii, komm vnd nimm mgleioh mit dir 
CambyteD, denn jr beyd solt jetzt mit mir 
Ein abndtrunck thon, darum kommt, folget mir.** 

Aber für diese Kleinigkeiten werden wir entschädigt durch 
eine ganz treffliche Charakteristik einzelner Personen. Darius 
spricht ehrlich und treu; Daniel, halb Christas, halb Luther, 
bestimmt, gläubig, gottergeben; die Eanderszenen, offenbar 
Bach dem Muster der ttebhunschen Susanna gebildet, sind 
einfach und innig, dabei unterscheidet der Dichter fein den 
Ueinen artigen Benjamin, der die Bedeutung der Trennung 
^om Vater noch nicht fasst und, als er hört, dieser gehe zu 
Oott dem Herrn, naiv fragt: „Im Himmel, wo die feinen 
^el sind ?'' ^) von dem schon älteren SShnchen Joseph, der 
dem bedrängten Vater helfen will.^ Auch sonst giebt sich 
Cbryseus Mühe, durch Abwechselung in der Schilderung der 
Persönlichkeiten die Scene zu beleben: in der Gruppe der 
Gegenspieler stellt er dem sanguinischen Pyromacbus den 
^g erwägenden Oncogenes gegenüber. 

Chryseus hat seinen Stoff ganz und gar tendenziös 

l^obandelt. Darius ist der Kaiser, seine Umgebung dessen 

^holische Freunde, Daniels Partei die Protestanten, 

^d mit Daniel selbst ist, wie aus der Dedikation an die 

J^gen sächsischen Prinzen hervorgeht, niemand anders als 

"^^en Vater Johann Friedrich gemeint Schon war ja, als 

^^ Drama geschrieben wurde, die Spannung zwischen dem 

^^^iser and dem Kurfürsten eingetreten, die kurz darauf zum 



') Thomtt Noogeorgas, Pammtchios, heraoBg. v. Job. Bolte und 
^'ch Schmidt. (Lat. Litt. DeDkm. No. 8) S. Xm ff. 
«)IV,8. •)IV,7. 



152 OSBORN 2^1 

Ausbruch des schmalkaldischen Krieges führte. Der Ausgang 
dieses Krieges aber und die Gefangennahme Johann Friedrichs 
zeigten^ wie richtig und klar der Dichter die Ereignisse Toraus- 
gesehen hatte, und verschafiFten seinem Drama eine weite Ver- 
breitung. Man betrachtete es geradezu als eine maskierte 
Darstellung der politischen Ereignisse ; so ünden sich in einem 
Exemplar der Ausgabe von 1564 in der Berliner kgl. Biblio- 
thek ^) beim Personenverzeichnis von alter Hand geschrieben 
folgende Erläuterungen: bei „Darius": „König", neben 
„Daniel": „Churfiirst", zu „Oncogenes, ein Cardinal": „Al- 
bertus Mogontiacus", zu „Cambyses, ein Fürst" : „Moritz" und 
bei „Pyromachus, ein Fürst" : „Braunschwiger". Und neben 
diesen politischen Beziehungen machten zahlreiche Hinweise 
auf ö£fentliche Zustände, auf allgemeine bekannte Ereignisse, 
schliesslich auch noch die pikante Würze direkter Anspielungen 
auf skandalöse Vorgänge der jüngsten Zeit das Stück so in- 
teressant und so populär, dass es, wie schon erwähnt (o. S. 24), 
bis 1623 noch aufgeführt wurde. 

Nach allen Richtungen ist der „Hofteuffel" unbedingt 
die Perle des Theatrum Diabolorum; er ist nicht nur der 
Zeit nach der erste der Spezialteufel, und er ist von keinem 
der folgenden erreicht worden; er ist eine der wenigen Teufel- 
schriften, die es verdienten, auch weiteren Kreisen bekannt 
zu werden. 

Weitaus zu den besten „Teufeln" gehört auch Cyriacus 
Spangenberg's „JagteufeP* ^), der sich ähnlich me der 
Hofteufel an die höchsten Kreise der Gesellschaft und an die 
Fürsten wendet. Spangenberg ist hier schlicht und populär 
in der Darstellung, sein Traktat ist keineswegs nur eine Straf- 



>) Im Volumen Misellan. Db 3013. 

8) „Jagteuffel. Bestendiger vnd Wolgegründter bericht, wie ferm 
die Jagten rechtmässig vnd zugelassen. Vnd widerumb worinnen ^le 
jtziger zeit des mehrentheils Gottlos, gewaltsam vnrecht, vnd verdaraÜc*^ 
sein. Vnd derhalben billich vnterl aasen oder doch geendert werden soltfiO* 
Durch D. Cyria. Spangenberg.** cf. Goedeke ü, 480. No. 6, f. — 1^ 
Theatr. Diab. No. 9 A 287«— 316; B 246«— 271«; Ci 202«— 223«. 



ÖFFENTLICHES LEBEN. 153 

sein Ton nicht pedantisch oder polternd wie in den 
Sieben", sondern eher massvoll und gemütlich. Mit 
a Erzählertalent teilt er aus seiner reichen Grelehr- 
fortwährend Geschichten mit, ohne alles so planlos 
ander zu häufen, wie die andern dies zu thun pflegen. 

angenberg teilt die Künste in Liberales und Mechanicae 
met das Jagen der letzteren Gruppe zu. Er stellt die 
fest, nach denen die „rechtmässigen Jagten" vor sich 
»Uten, nämlich ohne Gotteslästerung, ohne Versäumnis 
esdienstes, ohne Beschädigung des Eigentumes anderer 
Und neben den Vorteilen, welche die körperliche TJbung 
ns mit sich bringt, nennt er auch, dass ,^Jagten sollen 
. . zu vermeiden Geilheyt, Vnkeuschheit vnd andere 
he Wollust" 1). 

ji der Beschreibung der „unrechtmässigen Jagten" wird 
3 gleiche Disposition angewandt wie bei den „recht- 
i", was bald ermüdend wirkt, wenn auch in der 
ung des „vnmenschlichen wütens" und der „Tyrannischen 
hkeit" immer noch Gelungenes genug ist*). Die be- 
Jäger der Bibel und des Altertums marschieren auf. 
he Anekdoten erläutern die Gefahren des Jägerhand- 
las vielen die Gelder verschlungen imd manchem den 
rächt hat. 

it Stolz weist Spangenberg auf sein Buch als ein gott- 
s hin, denn er hat den deutlichsten Beweis, dass es dem 
luwider ist. Dieser nämlich, so erzählt er *), habe ihn 
ancherley weiss daran verhindert vnd da ich es das 

gefertiget vnd vollendet hatte, auflf den vierten Tag 
mers dieses 1560. Jars hat er auss grimmigem zom 

zu wegen bracht, dass vnter der Abendmalzeit in 
Studierstüblin von einer Lichtputzen ein Feuwer auss- 
". Die Flammen beruhigten sich indessen bald und 
1 allen Büchern blieb wenigstens so viel übrig, „dass 
:ennen mögen, was es gewesen. Aber vom Jagteuffel 



262« D. «)258«ff. ») 271«. 



1S4 OSBORN 

wie ich denselben gestellet^ vnd anch Ton den Colle< 
wie ichs zuerst im Latein entworflfen^ hatte man docb 
eine Zeil oder einen Buchstaben fanden'^ Aber der ] 
Pfarrer nahm den Kampf gegen den Satan noch einm; 
und diesmal gelang es dem Bösen nicht, ihm die Arbe: 
sie in Druck kam, zu yemichten. 

Ganz und gar juristisch ist G-eorg am Wa 
seinem „Ger ichts teu f el"*). Der Verfasser — 
Anwaldus genannt — ein äusserst vielseitiger Mensc 
schon sein Titel, „der Rechten Licentiaten, Philosophie 
beyder Artzneyen doctor'^ zeigt, machte sich hauptsi 
durch seine medizinischen und chemischen Leistungen be 
Er nannte sich stolz den Erfinder der terra sigillata, ode 
er sie taufte, „Panacea Anwaldina" und praktizierte .in 
bürg, von wo er 1583 vertrieben wurde*). Sein Buch 2 
in vier „Traktate", in denen er Richter, Klägei 
Beklagte, Advokaten und Prokuratoren, so^ 
Zeugen behandelte; alles ist trocken abgethan. St 8 
gewöhnlichen Klagen über den Verfall des Gerichts 
sind hier einmal die Forderungen für eine ideale Gest 
aufgezählt; aber es ist meist nur eine recht oberflä( 



') }, . . . Darinn angezeigt vnnd gehandlet wirdt, wie vnd 
massen der leidige Sathan bissweilen vnordnung vnd Zerrüttung 
richten durch die Bichter, Kläger, Beklagten, Aduocaten, Procu 
Zeugen vnd dergleichen Personen, so zu einem Gericht gehören, ai 
thut. Neben christlichem Vnderricht, wie sich angeregte Pers« 
jhrem Ajigst thun vnd wesen verhalten sollen, damit Recht ^ 
rechtigkeit, gefördert vnnd erhalten werde, wamungsweiss gest« 
£nd ist auch angehenckt der Gerichtlich Process wie er in g 
geschriebnen Päpstlichen vnd Eeyserlichen Hechten gegründe 
jetziger zeyt in Teutschland üblich, aufifs kürtzest mit allen sein 
stantialien verfasst". Goedeke S. 482. No. 26. — Im Theati 
Cn 193—208*. 

«) Zedier, Univers.-Lex. 62. (1747), Sp. 1197 — Kestner 
zinisches Gelehrten-Lexikon p. 904. — Er gab über die t. t 
„Bericht" heraus, der noch 1601 in 2. Auflage in Stuttgart ersc 



150 ÖFFENTLICHES LEBEN. 166 

Behandlung der Fragen, tieferes Eindringen in das Wesen 
der Juristerei ist keineswegs zu spüren. Eine Abwechselung 
bieten nur die sehr spärlichen Anekdoten. Auffallend wenig 
aber spricht der Verfasser von der Bibel, die im Vergleich 
zu den anderen Büchern völlig in den Hintergrund tritt. So 
nimmt seine Schrift im Theatrum Diabolorum eine Ausnahme« 
Stellung ein, ebenso wie er selbst unter den Pastoren als 
einziger Weltmann, der vielleicht auf Christentum und Theologie 
gar nicht so gut zu sprechen war und nur den verlockenden 
Teufeltitel von den Pfarrern entlehnte. In Feyerabends 
Sammelwerk passt der „GerichtsteuffeP' jedenfalls nicht hinein, 
tmd man darf wohl annehmen, dass der Frankfurter Buch- 
bändler sich gar nicht die Mühe genommen hat, ihn zu lesen; 
aein Titel schien ihm allein für die Zugehörigkeit zu der 
Schar der andern zu bürgen. 

Die Originalausgabe bringt am Ende noch den in 
h<^erigen Versen abgefassten, 3 Folioseiten einnehmenden 
y^eimprocess^', den der Titel verspricht. Ganz und gar pro- 
saisch wird hier der Gang des Beichsprozessverfahrens ab« 
gebändelt, ohne dass auch nur einmal eine nahe liegende 
poetische Wendung über Becht und Gerechtigkeit die Nüchtern- 
beit der Darstellung imterbräche; Feyerabend's Prinzip, alles, 
^as nicht zum eigentlichen Traktat gehörte, nicht mit auf- 
zunehmen, das so oft gerade hübsche Partien der Bücher dem 
Sammelwerk fernhielt, war hier einmal wohl angebracht. 

Wie das ganze nicht gleich den andern Teufelbüchem 
ab ein satirisch-dichterisches Werk, sondern als eine lediglich 
juristische Arbeit angesehen wurde, zeigt die Au&ahme, die 
der „Gerichtsteufel'' in des Juristen Abraham Säur „Formular, 
Jurament und Eidtbuch . . .^ Frankf. a. M. (Nicol. Bassaeus) 
1688 und ebenso in einer erneuten Auflage Frankf. a. M. 1597 
fand. Walds Buch wurde unverändert abgedruckt, nur im 
Ktel das Wort „Gerichtsteufel" durch „Gerichtsvnordnung" 
ersetzt^). 

») BerL Kgl. Bibl. (an) CK 8670 u- (an) Fx 618. Aaf Fol. Jn 
begannt die ^yGerichts-Ynordnang**. 



156 OSBORN 251 

Dem „Gerichtsteuffel" verwandt ist der ältere „Eyd- 
teuffel" von Christoph Obenhin (oder Obenheim), 
einem aus Ottingen gebürtigen Pfarrer zu Ursel, dessen 
schriftstellerische Thätigkeit, soweit wir übersehen können, in 
die Jahre 1662—76 fällt »). Sein „Eydteufel" -) entstand 1574. 
Er setzt weit kräftiger ein wie vom Wald's Buch, wendet sich 
gegen die leichtfertigen Schwüre, die jedermann bei der Hand 
hat, sobald ihm „sein garstiger Mund vnd vnflätiger Grottes- 
lästerischer Rachen auffgehet'^ ('^^^c); gegen die Meineide, die 
den Leuten leichter von Statten gehen als „Roden, Hacken, 
Dreschen oder Rüben graben'^, und nimmt dann hauptsächlich 
den „öflFentlichen Eyd" vor. Er definiert ihn und zählt die 
Eideszeremonien aller möglichen Völker geschwätzig her; „bey 
vns Teutschen", fährt er dann fort, „ist jetzunder der Brauch, 
dass man im Eydschweren pflegt zween Finger, beneben dem 
Daumen auffzuheben, oder in die höhe auflEzurecken" •). Und 
er fuhrt des Cyriacus Spangenberg Erklänmg dieser Sitte aus 
dessen „Erklärung der anderen Epistel an die Corinther" (fol.22) 
an*), nämlich: ,,Die zween Finger, beneben dem Daumen, 
die bedeuten die heilige hochgelobte Dreyfaltigkeyt . . . . W^ 
andern zween Finger in die Hand gebogen, bedeuten dess 
Menschen Leib vnd Seele'*, und wer nun den Eid leiste, spreche 
damit aus, dass der dreieinige Gott ihm, wenn er falsch ge- 
schworen habe, in der Stunde, da Leib und Seele sich trennen? 
seine Hilfe versagen solle. 



>) cf. Zedier 25 (1740), 34. Dazu seine Schriften Jöcher lU, 10O7. 

*) „Eydteufifel. Was Schweren sey vnd heisse Was man vorzeiten 
für Ceremonien, Geberde vnd eusserliche Zeichen in Eydschweren c^®" 
braucht hab vnd noch heutigen Tages brauche. Wodurch vnd vrobe} 
man schweren sol. Ob auch ein Christ schweren vnd mit gutem ^^ 
wissen einen Eyd thun möge, Wie mancherley der Eyd sey. Vnd von 
der Straffe dess Meyneyds, nützlicher vnd einfeltiger Bericht, auss Ootte« 
heylsamem Wort alten vnd neuwen Kirchenlehrern vnd sonst hoch- 
begabter Leut Schrifften treuwlich zusammengezogen vnd verfasset durch 
Christophorum Obenhin, Pfarrherrn zu Vrsel*'. — Goedeke S. 482 Xo. 22. 
Im Theatr. Diab. B 491*— 526; Cn 316-343*. 

») 494k. *) 494—494». 



ÖFFENTLICHES LEBEN. 1B7 

Die Menschen sollen nach dem Hebräerbrief „schweren 
einem Grossem denn sie sind", also bei Gott. Beim 
m der Kaiser zu schwören ist streng untersagt ^), ebenso 
Cid bei den Heiligen, „bey der Mutter Gottes Maria, bey 
heiligen Creutze" ^). 

Obenhin ist natürlich ein Gegner der Wiedertäufer, die 
dem biblischen Satz (Matth. 5) „Eure Rede sei Ja ja, 
nein*^ jeden Eid verwarfen; allerdings wendet er sich 
f gegen das „vulgare juramentum" auf dem Markt und 
n Kneipen. Es folgt eine langathmige Darstellung der 
len des gerichtlichen Eides und der geistigen und leiblichen 
en für den begangenen Meineid, mit zahlreichen Beispielen 
ischmückt. 

Der Verfasser ist im ganzen ein klarer Kopf und spricht 

vernünftig. Freilich, wenn er jeden Schwur, der nicht 

lern höchsten Gott geschworen ist, als sündhaft ver- 

Qt und dann Joseph gegen den Vorwurf, er habe bei 

ao geschworen, mit den Worten verteidigt: „dass Joseph 

So wahr Pharao lebet, ist soviel, als wollte er sagen: 

chwer bey dem Gott, der dess Pharao Reich vnd Regiment 

t vnd regieret, darinnen ich jetzt Oberster bin" *), so 

en wir über diese Logik einer „Rettung" Josephs denn 

den Kopf schütteln. — 

Zu einem wichtigen Element des öffentlichen Lebens in 
2. Hälfte des 16. Jahrhunderts war nach dem schmal- 
schen Kriege die Landplage geworden, die in Gestalt 
herumziehenden Soldatenbanden über Deutschland ge- 
nen war, die immer bedrohlicher wurde und die nicht 
5ren sollte, bis der verheerende Sturm des grossen Krieges 
}ergebraust war *). Hans Sachs hatte sie in seinem witzigen 
ank „Der Teuffei last kein Landsknecht mer inn die Helle 



') 492« B ff. 2) 499« E. ') 498« A. 

*) Massregeln dagegen wurden schon 1548 auf dem Augsburger 
stag ergriffen und in den Polizei-Ordnungen von 1548 und 1677 
ert und verschärft. — cf. K. Pfaff, in der Ztschr. für dtsch. Kultur- 
. V. Joh. Müller und Joh. Falke 1857. S. 431 ff. bes. S. 486 f. 



168 OSBOBK S53 

faren'' ^) trefflich charakterisiert : Belzebock, toh Ladfer aus- 
gesandt, um die sich leerende Hölle mit gottlosen Lands- 
knechten neu zu füllen, kehrt ganz ausser sich zurück^ fs 

beschreibt sie: 

Jr kleyder auff den wildesten sitten 

Zerflambt, zerhawen vnd zerschnitten. 

Eins theyls jr scbenkel blecken thetten 

Die andern gross weyt hosen betten. 

Die ja biss anff die foss rhab Mengen 

Wie die gekosten Danber giengen. 

Im Angesicht schrammet vnd knebelpartet 

Auff das aller wildest geartet 

In summa wüst aller gestalt 

Wie man vor jaren vns Teuffei gemalt. 

Er meint zum Schluss: 

Wilder lent hab ich nie gesehen 



In meinem Sinn so dauchte mich, 
Sie weren viel wilder dann ich 



Vnser keiner sicher bei jn wer!** 

und hat darum keinen in die Hölle mitgebracht. — War lokt 

schon die Gesellschaft der „firumben" Landsknechte dem Satan 

gegenübergestellt worden, so wurden sie nun auch in i^ 

Teufelütteratur hineingezogen und zwar von AmbrosiusPapc? 

dem Pfarrer von Klein -Ammensieben im Magdeburgischen? 

„Luetken Ammensieben", wie er es nennt. Sein Name ist ups 

aus der Geschichte des Dramas wohl bekannt. Er war 155^ 

zu Magdeburg geboren und wurde am dortigen Gymnasial 

der Schüler Georg Bollenhagens ; seit 1577 bekleidete er seit** 

Pfarrstelle, trat aber 1608 in den Ruhestand imd zog sich i^ 

seine Vaterstadt zurück, wo er 1612 starb ^). Schon in sein^*^ 

Dramen, die meist biblische Stoffe behandeln, wie sein Davi^» 

Jonas oder sein Spiel von der Geburt Christi* )• das nebe^ 

dem Stück von Christoph Lasius die Quelle für Pondo'^ 

Berliner Weihnachtsspiel von 1589 wurde*), fehlen Teufels* 

1) Berl. Kgl. Bibl. Yg 9682. *) ADB 25, 134/186. 

•) Goedeke* II, 867/B. 

*) Holte, Jb. d. Vereins f. ndtsohe. Sprachfonchg. 9, 97. 



154 ÖFFENTLICHES LEBEN. 159 

izenen nicht. Durch seinen umfangreichen ^^B^^^^l ^^^ 
jarte-TeuffeP^^) aber, den er dem brandenburgischen 
Blnrfiirsten Joachim Friedrich widmete, lieferte er ein farben- 
prächtiges, lebendiges Kultnrbild. 

Pape wendet sich gegen den ganzen grossen Haufen der 
zettelnden Vagabunden, gegen „die jungen Strotzer ynd starcken 
Schelmen, die nicht arbeiten wollen" *), gegen „die Leyrer, 
jreigeler vnd Sackpfeiffer, welch vmb kein Allmosen bitten, 
londem einen Psalm oder Liedlein daher klingen lassen vnd 
^as sie damit sammeln, verspielen, yersauffen vnd mit jren 
Madunnen verzehren", gegen „Wanderssburse von Schreibern 
nid allerley Handwerckem" und „die Scholares, die vmb ein 
Viaticum schrifftlich oder mündtlich bitten", oft „sich mit 
etlichen copulieren, dass sie drey oder vier stimmen können 
zusammenbringen". Von ihnen haben besonders die Pastoren 
2n leiden. Pape schildert den Schwindel, den sie treiben, 
uidem sie carmina anderer ftlr eigene ausgeben und die 
I^edikation jedesmal nach Bedarf ändern. Es ist die ganze 
Gesellschaft aus Gengenbachs kostlichem „Ldber vagatorum", 
Öe hier an uns vorüberzieht *). 

Dann wird von abgerichteten Elindem erzählt, und von 
'^i^llten Krüppeln, deren „Beine vnd Gliedmassen wol so 
^rade seyn als eines andern wie deren solche offt ergriffen 



^) „ . . . Ein kurtzer vnnd einfältiger, doch warhafftiger Bericht 
On den jetzigen Bettlern vnd vermeinten Landsknechten, wie eie vor- 
^mHch aufif die Dörffer hauasbalten vnd die armen Leute plagen, dass 
le mehr für Türeken als für Teutsche möchten geachtet werden. Vnd 
He jhnen zu steuwren vnd zu helfifen sey, damit sie das arme Yolck 
icht gar verderben, auch sich selbst dem Teuffei nicht auffopffem vnd 
Qutwillig verdammen, gestellet vnd beschrieben durch Ambrosinm Bapen 
lagdebmgensem". Magdeburg 1686/87. 8«. -- Goedeke S. 48S No. 81. 
- Im Th. DUb. Cn 168*— 1Ö9*, *) 167^. 

") Goedeke, Pamph. Geng. S. 848—70. — Lnther schrieb 1628 zur 
weiten Auflage des anonymen Büchleins „Von der falschen Bettler 
iüberei" eine Vorrede, in welcher der Teufel auch nicht fehlt E. A. 
3, 269 ff. Die Schrift selbst ist eine Pfosaauf losung des liber vagatornm. 
1 Gkodeke, a. a. 0. S. 678. 



160 OSBOKX 255 

ynd Meister Hansen, die Glieder wider zu recht zu bringen 
befohlen werden, welcher jhnen bald helffen kann^. 

Pape malt die Gefahren aus, welche den Bürgern, die 
nicht allen etwas geben konnten, von den abgewiesenen frechen 
Gesellen drohen, und führt als Beispiel den grauenvollen Raub- 
mord an, den solche Burschen an einem seiner benachbarten 
Amtsgenossen yerübt hatten, einen Vorgang, der ihn selbst 
zu dem Entschluss gebracht habe, das längst geplante Buch 
herauszugeben. 

Viel Schuld an allen diesen Missständen giebt er aber 
andrerseits auch den unbarmherzigen Reichen und der schlechten 
Verwaltung der Armen- und Siechenhäuser. 

Hauptsächlich wendet er sich dann gegen das Landsknechts- 
wesen, dessen Auswüchse er mit einer Lebhaftigkeit schildert, 
die den Dramatiker verrät. Erstlich laufen sie, so meint er, 
aus lauter Mutwillen in den Krieg, lun „jren freien Willen 
daselbst zu vben . . vnd als Eisenfresser, für welchen ein 
jeder sich fürchten sol, hernach herein zu tretten,** denn ab» 
„ziehen sie nicht zu einem Herren, der eine rechte sache bat 
vnd Teutschland entsetzet vnd die Warheit dess Euangelij ve^ 
theidiget, Sondern einen auslendischen, dem vnser geliebtes 
Vatterland ein Dom im äuge ist, vnd derhalben nicht lieber 
sehe, als dass es im Blute schwimmen vnd ersticken möchte/ 
Packend schildert er das wüste Leben, das die wilden Horden 
nach dem Friedensschluss führen, wie sie auf den Dörfern 
die Bauern plagen, stehlen und rauben und die Beute ^ 
ungeheuerlichen Preisen verkaufen oder vielmehr den wehrloseti 
Leuten aufzwängen, wie sie sich zu Banden zusammenrotteöi 
in die kleinen Orte eindringen und mit Gewalt das letzte at^- 
Küche und Keller nehmen. 

Zornig will er die rohen Gesellen nicht mehr mit de^ 
ehrenvollen Namen „Lands-Knecht" nennen, sondern er schiJ 
sie „Hünerdiebe, Marterhansen, Wundenknechte, Sacramenti 
sehender, Speckfresser, Hurenführer, Feinde vnd Verachte 
dess Vatterlands/' Und es geht mit ihnen wie „mit de^ 
Ungeziefer, Hambster, Ratzen und Meuse", sie „hecken all* 



256 ÖFFENTLICHES LEBEN. 161 

tage schier ein hauffen Jungen auss.^' Ein Edikt des branden- 
burgischen Kurfürsten von 1584 wird mitgeteilt^ welches ver- 
ordnete, ^^dass ein jeder Landsknecht wegen eines gantzen 
Dorffs vor dem Kruge mit 3 pfenning bezalt vnd damit 
abgewiesen würde, um so die armen Leute zu schützen.'' 

Pape klagt über die Feigheit der Bürger, welche ihre 
Härterer aus Angst vor Rache nicht zur Anzeige bringen, 
über die Furcht der Obrigkeit, die es nicht wagt, energisch 
einzugreifen ; und wie er erzählt, dass ein Mutiger, der einen 
dieser Räuber auf eigene Faust festgehalten hatte, um die 
Behörde zu benachrichtigen und ihr Einschreiten zu erwarten, 
noch 10 Gulden als Strafe zahlen musste, da wettert er ganz 
nnpredigerhaft los: „So sey der Teuffei ein fromb Mann, mit 
der weise solt ein jeder wol stelen." 

Eine schlichte Mahnung zur Arbeit schliesst mit einfachen 
herzlichen Worten den Traktat ab. — 

Zu der Gruppe von Teufelbüchem, die sich mit dem 
öffentlichen Leben beschäftigen, gehört schliesslich noch der 
Traktat von Hermann Strack „Wider die zween 
Pestilentz teuf fei DebervndCheteb genannt.,"^) 
den wir ebenso wie Freys „Schmeichelteuffel" nur im Thea- 
trum Diabolorum £bden, wo er von 1569 an als „zuuor nie in 
Track aussgangen ^ erscheint. Strack war Ffetrrherr zu Münch- 
bausen und auf dem Christenberg unweit von Marburg. Die 
^hterlichen Seuchen, die in den 60 er Jahren besonders 
stark in Deutschland wüteten imd so viel Menschen aus 
Städten und Dörfern dahinrafften, dass man, wie es in 
Sebastian Franks fortgesetzter Chronik von der Pest der 



^) „. .. welche gewalt haben auss Gottes verhengniss, Raht vnd 
'^^l^asang ymb der Sünde willen, die Menschen mit Pestüentzischen 
'^tzen Ynd Sterbdrüsen zu schiessen vnd vmbzubringen. Gewisser Trost 
*^ Gottes Wort. Item in diesen letzten gefehrlichen Pestilenz- vnd 
oterbenslänfflen versehung Leibs vnd der Seelen. Beichte vnd Gebette 
^ lolcher Not vnd Anfechtung. Durch Hermannum Strack, Pfarrherm 
^ Christenbepg colligiret vnd gepredigt." — Im Th. D. A 680*— 642«; 
B 466— 465; C" 284—291*. 

11 



162 OSBORN 257 

Jahre 1663/64 heisst*), „nicht yermeinet hett, das so riel 
Volcks vnd Lent Tberal darinn gewesen weren," veranlassten 
ihn, vielleicht angeregt von Andreas Musculas' Schrift „Ge- 
wisse vnd bewerte Artzney wider die seuche der Pestilentz^ % 
in der auch 2 Teufel, Securitas und Desperatio, eine Bolle 
spielen, die „zwei Pestilentzteuffel" aufs Korn zu ndunen. 
Stracks Grundsatz lautete^): „Ob wol die Ertzt natürliche 
vnd vemünfftige vrsach vber die vniuersaleni et primam setzen, 
daher sich die Festilenzische seuche vervrsacht, müssen sie 
doch neben Gottes Wort bekennen, dass Gott solche Plag 
durch die mörderischen vnd hellischen Geister in die Welt 
ausstreu we." Fortwährend betont er, dass das wichtigste und 
beste Mittel gegen die Seuche der innige Glaube an Gott sei 
Freilich verkennt er nicht ganz die Bedeutung der ärztUchen 
Mittel und macht hygienische Vorschläge *). Denn der Teufel 
kann „in feuchten sumpichten Orten, da es vil fauler still- 
stehender Wasser hat, in häusem, stuben, gassen, da ^ 
vnreyn vnd schlammicht gehalten wirt, leichtlich das vnglück 
brauwen^ ; „wenn mancher vor ein Hauss gehet, da man all^^ 
Vnflat herausschüttet vnd sonderlich bey der Nacht, kan ^^ 
ein grawen darvber machen vnd flugs mit seinem Hauche ^ 
infahren" *). Darum lehrt er Reinlichkeit und giebt äusse 
verständige Ratschläge *). 

Philipp von Hessen wird gerühmt, der zur Zeit d 
Pest 1603 durch seine Arzte „ein nützlich gantz bewek^ 
Ordnung vnd preseruatiua" ') zusammenstellen, drucken un^- 
verteilen Hess, auf des Burkhard Mithobius Schrie" 
„Wie man sich vor der Pestilentz bewahren soll" ®), wird hi ^ 
gewiesen imd danach werden die Mittelchen empfohlen ; man sc^ 
„nach seinem vermögen Eynhom, Mithridat, gebeisst Entzis:^ 
vnd andere bewehrte Latwergen" brauchen •) u. s. w. Beamt:^ 
die ihre Pflicht bindet, will Strack zwingen, am Ort zu bleibcr ^ 



1) 1666. fol. (Berl. Kgl. Bibl. Px 7892) fol. CCXCV. 

*) Frankf. a/0. 1565 12« Spieker S. 220 fif. Berl. Kgl. Bibl. lu 26^^ 

•) 457* B. *) 457»E-468. ^) 458 a. •) 463. ') 460* n. 

*) Zuerst Erfurt 1552. 4«. ») 460* C/d. 



ÖFFENTLICHES LEBEN. 163 

luderen sollen sich ruhig „auss der Dachtreuff'' machen, 
stliche Liebe und gegenseitige Unterstützung wird verlangt, 
das Küssen der an der „anstinckenden**, „anklebischen^ 
ikheit Verstorbenen als Vennessenheit strengstens unter- 
; und an den abscheulichen Aberglauben der Zeit werden 
irinnert, wenn es heisst^): „Es ist ein Teufelischer Vnraht, 
3in böser Mensch meynet, seiner Festüentz, die er hat, 
[ zu werden, wenn er sie einem andern anhencket.'' 

463 b. 



11 



Charakter^ Sttl^ gemeinsame Motlye. 

Es ist schon darauf hingewiesen worden, ^) dass die 
Teufelschriften der behandelten Periode, die wir soeben in 
Gruppen geordnet nach einander an uns yorüberziehen Hessent 
um die Eigenart der einzelnen zu erkennen, sich im grossen 
und ganzen als etwas Einheitliches darstellen. So erschieß 
diese Litteratur auch dem Publikum des 16. Jahrhunderts; 
der Charakter der einzelnen Traktate als „Teufel*' oder 
„Teufelbücher" nivellierte sie in den Augen der Leser nah^^n 
Yöllig; die Persönlichkeiten der Verfasser, deren durch^^^ 
ungleiche Begabung, wie wir sahen, in ihren ungleicharti^^i^ 
Schriften sich kundgab, wurden fast gar nicht beachtet. ^^ 
dann der Sammelband herausgegeben wurde, erschien er ^^ 
ein einziges Werk, in dem die aufgenommenen Bücher unr 
einzelne Kapitel darstellten. Diese Anschauung ging von dem 
durchaus richtigen Gefühl aus, dass trotz allen Verschieden- 
heiten im Einzelnen aus dem gewaltigen Folianten Peyerabend^ 
doch nur eine einzige Sprache ertönte. Und unbedenklich* 
können wir hier bei einer Charakteristik in Bausch und Bogei^ 
auch die wenigen Schriften hinzunehmen, die aus irgend einei^^ 
Grunde in das Theatrum Diabolorum keine Aufnahme fandea ^ 

Gleichmässig ertönt aus dem Munde aller unseret^ 
Pastoren die Klage darüber, dass das Böse seine Herrschaft^ 
in der Welt zusehends erweitere; noch niemals waren dic^ 
Menschen so sündhaft wie gerade zu ihrer Zeit. In jeder^^" 
Vorrede wird auf diese Thatsache hingewiesen. Die Men^- 
sehen sind, wie es oft nach dem horazischen „Epicuri de grege^ 
porcus" heisst, „epikurische Säw".*) Es haben „in der Welt^ 



') S. 39 f. 

2) Die „epikurische Saw" ist eins der beliebtesten grobianischei»' 
Schimpfwörter, cf. AfdA 18,378. 



260 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 165 

an allen Orten die grewlichsten laster vnd sünden sehr ge- 
meyn vnd vberhand genommen".') „Es wird alles ehrgeitz, 
Wucher, bauchfrass vnd fleisch werden wie vor der Sündflut." ^) 
So verzweifelt klingt es überall, und auch in den Titel des 
Theatrum ging diese Anklage der Oegenwart über; dort ist 
die Rede von „allerley grewlichen, schrecklichen vnd abscheu- 
lichen Lastern, so in diesen letzten schweren vnd bösen Zeiten 
an allen orten vnd enden fast bräuchlich auch grausamlich 
im schwang gehen. ^ Das kann sich nicht anders erklären, 
als „dass es die letzte Zeit ist, von welcher die Propheten, 
der Herr Christus vnd die Apostel gesagt haben, dass es ein 
sehr böse ergerliche Zeit seyn werde, da alle sünden, schand 
vnd laster im schwang gehen werden".*) Ganz leidenschaft- 
lieh spricht beispielsweise Musculus dies als festeste Über- 
zeugung aus.^) Die Gegenwart ist „das aller letzt drümm- 
lein von der Welt vnd das letzte Zipfflein, welches vns bald 
au88 den Händen entwischen" wird. Nun ist es eine alte 
Erfahrung,'^) dass der Teufel „zum aller ergsten wüten vnd 
toben vnnd die Menschen zu allerley lästern vnd sünden 
treiben vnnd also vber sie das Wehe mit Hauffen bringen 
^erde im letzten teil der Welt, dieweil er weyss, das er wenig 
^Um vnd weil habe, die menschen in die ewige verdamnus 
^Uerfüren".®) 

Merkwürdige Zeichen am Himmel deuten auch auf den 
^Ixen Weltuntergang. „Vom Christtag an", sagt Musculus ') 
^^55^ „bis auf Trium Regum (also den 6. Januar) waren 
^Kreckliche Gewitter sowie Zeichen vnd Wimderwerck", wobei 
^^ch „zum vberfluss ein Comet am Himmel etliche wochen 
^^^h hat sehen lassen", der sich „so seltzam verendert, das 
^^ch, so der Gestirn vnd Himmelslauff erfaren, ettwas jrr 
wüber worden sein."®) 



*) Vorrede zum Tanzteufel. *) Vorrede zum Wuchert. •) B 287 e. 
*) 206 2. ») cf. Luther, E. A. 24, 290; 69, 318 ff. «) Vorrede zum Spielt. 
— VgL damit etwa Vorr. zu Melanchol. T., zum Ltigent., femer (Hosent.) 
B 430; Neidt. C.n 812«- ') in der Vorrede zum Flucht. •) Ähnlich 
207SB;812f. 



166 OSBORN 261 

Er meint, Oott habe seine Hand ausgereckt und seine 
Ruthe gezeigt. Und wenn der Herr auch langmütig sei, warnt 
Andreas Hoppenrodt, so ^^hat doch die läng die ferne, die 
menge die folge vnd man krawet vnnd reitzet jhn anch so 
lange, biss er mnss auffwachen/^ ^) 

Diese Furcht vor dem nahen Weltuntergang beherrschte 
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts überhaupt das 
ganze deutsche Land. Allenthalben wurde von Feuerzeichen 
und Blutregen erzählt, Stimmen ertönten aus der Höhe^ 
wildes Getümmel sah man in den Wolken, Überschwemmungen, 
die übles voraussagten, wurden massenhaft gemeldet, und 
entsetzliche Missgeburten kündeten das Nahen des jüngsten 
Tages. ^) Der märkische Chronist Peter Hafftiz beschrieb in 
seinem „Trost- und Lehrbüchlein vom jüngsten Gericht" in 
einzelnen Kapiteln ausführlichst Zeit, Ort, „gestalt desBich- 
ters", und berichtet „vom apparate, geprenge, mayestat, pro- 
cess vnd aussgang dess Gerichts''^. 

Der Teufel hat nun zwar „alle winkel der weit vber- 
schüttet" (127B), es sind jedoch „sonderlich solches grausams 
wüten vnd toben des Niederland, Frankreich, Engelland vnd 
Schotten inne worden*' ; *) aber es ist keine Frage, dass die 
bösen Geister „sons nirgend mehr in der Welt seind, als 
allein häuffig vnd semptlich in Teutschland vnd niemand sich 
weniger der bösen Geister vermutet .... als eben wir lieben 
Teutschen." ^) Wir Deutschen „stecken tiefer als alle Völcker 
auflf Erden" ®) in allen Sünden ; ja es ist schlimmer als es 
„im Bapstthumb*' war.') Die alten Germanen werden als 



^) Vorrede zum Hurent. 

') cf. R. V. Liliencron, Mitteilungen aus dem Gebiet der 'öSerA- 
liehen Meinung in Dtschld. während der 2. Hälfte des 16. Jahrh. in den 
Abhandlungen der bayr. Akademie der Wissenschaften 1874. S. 107»., 
bes. S. 138 ff. — Dazu Luther E. A. 62, 468, 318 ; Köstlin, Luthers Theo- 
logie II, § 25. — Cordatus Tagebuch über Luther ed. Wrampelnieyer 
(Halle 1883) No. 350, 549, 551, 863, 951, 953, 984. 

') Zuerst lateinisch 1575 de extremo iudicio. Deutsch 157'» 
2. Aufl. 1578. 

*) 1282 c. *) cf. auch 430 b. «) 210^0. "0 2562 b. 



Ö2 



CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 167 



deal ^priesen, ihre Gebräuche gelten als nachahmenswertr. 
lire Ansichten als sittlich. ^) Aber es würden „vnsere liebe 
infeHige Vorfahren, wenn sie jetzt (dass ich so rede) wieder 
Lommen selten, Tentsddand vnd seine Eynwoner nicht kennen^ 
londer gar für ein freaibdes Land vnd Volck ansehen."*) 

Der Türke erscheint als der Satansdiener,*) als der 
nahende Antichrist, er ist Tei4acht und yerdammt. Der Papst 
jteht ihm als zweiter Gehilfe des Teufels zur Seite. Er war 
ja schon vor Luther im Krampf der katholischen Laienwelt- 
gegen ^ie Klerisei v<8ii Dichtung und bildender Kunst in die 
Hölle geschickt weaden, und so verbreitet war diese Yer- 
böhnung des Nachfolgers Fetri, dass schon in Luthers G^^ 
burt^jahr der Koostler, welcher die Holzschnitte zu der in 
!lümbei«g nach dem Vulgatatexte gedruckten Bibel Anton 
Coburgers fertigte, den Papste, den Kardinälen, den Bischöfen, 
len Mönchen u. & w. einen Platz in der Hölle (zur Offenb. 
loh. 8. Kap.) mitten unter grinsenden und hohnlachenden 
Teufeln anweisen konnte,^) was schliesslich schon eben so grob 
iFar, «wie die späteren DarsteUungen im „Passional und Anti- 
lassional^' des protestantischen Lucas Cranach. Seit Luthers 
kMftceten aft)er ^) und zumal seit seinem masslosen Angriff - 
^wider 4das Pikpsttum vom Teuffei gestiftet'' (1646) verlor der 
ömische Bischof diese Stellung in den Schriften der prote- 
tantisdUen Schriftsteller nicht mehr^). 1667 veröffentlichte 
mser Museulus „Beyder Antichrist, des Constantinopolitanischen- 
md BSmiflchen einstimmige . . . Lehr, Glauben und Seligion''.^^ 
Und noch im Jahre 1664 wurde aus des schwedischen Se- 
b-etarius Job. Ulr. Wallichs*) Buche über die türkische 
ßeligion und Muhamets Leben ein weitläufiger Auszug 

>) 252c, aOO^D, 26888; Ci 2612b, Cn I66b. «) 866c. 
^ 21iaB/c, l«4aD/E, 499b. 
*) cf. VulpiiM, Kuriositäten III, 307. 
») cf. E. A 21, U9 u. o. 
* -•) cf. Bezold, Gescb« d. dtsch, Reformation S. 811. 
*) Frankfurt s, 0, — 2. Auflage schon 1669 Erfurt cf. Spieker 
$.208. 

•) Jobber 4, 1788. 



168 OSBOEN 

gesondert gedruckt,^) „darinnen er beweiset, wie der 
talische Antichrist (der Türke) mit dem ocddentalischen 
Papst) zu vergleichen sey und wie also der Erz-Ant 
(der Teuffei) als ein zweiköpfiges Monstrum seiner Hi 
eins im Orient das ander im Occident strecke'^, und ii 
mit gewaltigem gelehrtem Apparat und an einem aufge 
neten Stammbaum ein abenteuerlicher Beweis von der 
Verwandtschaft der beiden „Anti-Christe" erbracht wur 
Die protestantischen Pfarrer des Theatrum Diabo 
überboten sich in wütenden Ausfällen gegen den Kath 
mus und seine sämmtlichen Einrichtungen. Das „schäc 
heyllose , kindische , hurische , verteuffeite" *) „vermale 
verfluchte, verdampte, verzweyf elte , durchteuffelte 1 
thumb" *) ist ein Ausbund aller Sünden und Laster. 
spottet wird die Heiligenverehrung , die als Abgöttern 
brandmarkt wird, der Wunderglaube, die Wallfahr 
Die Legenden und Wunder der katholischen Uberliel 
galten den Lutheranern als arglistiger Betrug, als „ausser 
grosse, vnuerschämpte, feiste, wolgemeste, erstunkene P 
sehe Lügen, welche aller Narren Tugend als des Eulensp 
Marcolphi, des Pfaffen vom Kaienbergs, Fortunati, Rollv 
etc. weit übertreffen," wie Hieronymus Rauscher 1562 
Sammlung von Hundert Wundergeschichten nannte. 
Papst wird als Zauberer geschmähf^), als Hoffärtiger, d( 
über Gott stellt®), und besonders gegen Gregor VII. 
„öffentlichen Zauberer, Mörder, Hurer und Ketzer" ] 
sich der fanatische Hass ') ; der Eid, der dem Papst gesch 
ist, verpflichtet zu nichts *). Der katholische Gottesdien 
seinen Zeremonien, die so mystisch sind, „dass niemand 
davon verstehet"®), die Monstranz, in der „das Sacram 
ein silbern oder gülden Häusslein gesperret" ^^) ist 
„heuchelische Fasten der Gottlosen Münche vnd Pfaffe 
die damit etwas sonderliches von Gott verdienen wölk 

>) Berl. Kgl. Bibl. im Vol. misc. B. D. 548. ») 423 » d. ') 
*)70a, 481 d, 69«d/e, 176 d, 636 e*, Cu 353'^». ^) 164 "^a, 72 f. «) 
lOr^E. ')z. B. 517 ^D, 72 = 8. *')5112c. ») 472 a. ><>) 214c. *' 



54 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 169 

ad fortwährend Gegenstand des Spottes ^) ; die grosse Zahl 
er katholischen Feiertage wird als unnütz und schädlich hin- 
estellt *). Die „Plattenherreu" suchen „wie die Hewschrecken" 
ie Christenheit heim^ ; Üppigkeit und Simonie herrschen bei 
en geistlichen Fürsten im Ubermass*); mit den Earchen- 
bgaben bedrücken sie die Bürger; das Cölibat ist eine Ein- 
ichtung des Satan, unermüdlich sind die Teufelsbekämpfer 
a wütenden Ausfällen gegen die „lausichten Münche"*): 
)er Teufel ist, nach Luther*), Gottes Affe, der ihm alles 
achmachen will, freilich „bös vnd widersinnig" und „da Gott 
len Menschen schaffet und sprach: Fiat. That es alsbald 
iieser Äff nach und sprach: Pfuat. Da ward ein Münch 
laranss" '). In der Sage vom „Bruder Rausch" wurde ja 
ichon lange der Teufel zu einem Klosterbruder; Geiler von 
ieisersberg hatte dann die Mönche zu „tüffeln" gemacht, 
'mrde aber gezwungen, diesen Ausdruck zurück zu nehmen ^). 
Bald erschien in der Folgezeit der Teufel in Begleitung eines 
tfönchs^, bald ward er, wie 1530 in Speyer, selbst in einer 
Kutte verkleidet gesehn ^®); in der Überlieferung der Faust- 
sage ^^) tritt Mephistopheles gelegentlich im Gewände eines 
Klosterbruders auf. In der bekannten Flugschrift, Luthers 
Dialog mit „der geschickten Botschafft aus der Hölle", kommt 
äatan „in eynes Prediger Münchs gestalt"**). Auch die 
l^üdende Kunst eignete sich dies Motiv an, und Luther lobte : 
jDarum liabens die Maler eben recht troffen, wenn sie den 
Teufel malen in einer Münchskappen und seine Teufelsklauen 
inten erfiir. Denn er von Anfang der Welt nichts Anderes 
4ut, denn die Welt mit Müncherei verführt" (1532) ^«). Nun 
^tt der Hofteufel selbst als ein Mönch auf die Bühne, ahn- 
^ch wie in Jacob Rufs Drama „vom Wohl oder Ubelstand 



') cf. 150 f., 330, 371 2 ff. 2) 466 j.. ») 329 d/k. *) 209^0 , 326« b, 
^*A. *) 150a. «) Luther E. A. 2, 62; 25, 378 ff.; 34, 286; 36, 195. 
' 296 *c. ®) Ammon, Geiler v. Keisersbergs Leben, Lehren und Fre- 
ien. (Erlangen 1828.) S. 11. ») Scheible's Schaltjahr I, 802. *^) ibid. 
» 554 f. 1») Scheible, Schatzgräber 6, 28. ^^ Hallenser Neudr. I^. 62. 
^- 4. 1») E. A. 43, 323. 



170 OSBORN 265 

einer löblichen Eidgenossenschaft^^). Hit dem Reformator 
legt mau sich ins Zeug gegen die Grnadenmittel der katholi- 
schen Kirche y die guten Werke und den ^^schändlichen wl 
ertichten AblasshandeP' ^). Und Eck^ der ^^grobe TUTerschampte 
vnzüchtige Tropff^^' wie überhaupt alles, was sich feindlich 
gegen Luther wendet, ist ein Teufelsknecht. 

Denn Luther ist für die Verfasser der Teufelsbücher 
naturgemäss Wegbahner, Vorbild, Lehrer. Umsonst suchte 
man früher der Macht des Satan wirksam entgegen zu treten, 
,;bis8 endlich Lutherus auff den Platz tritt vnd durch Gottes 
Geist jn angreifiFt . . . mit dem Seligmachenden Olauben an 
Christum''^). Gott wird gepriesen, dass er ihn gesandt*). 
Nach seinem Tode freilich, so klagen sie, erheben die Gregner 
wieder mächtig das Haupt, aber „sie selten jhm bey seinem 
leben gemuckt haben, er solt sie Mores geleret haben"*)* 
,,Ja, wenn der liebe Luther noch da wäre,'' ruft Joachim 
Westphal im „HoffartsteuffeP' traurig aus, „aber er ist dahin) 
wie die Welt verdient hat."''). 

Er erschien ihnen tadellos, nahezu sündenlos. Aher 
in der Bewunderung und Verehrung wurde schliesslich ein 
Ton angeschlagen, der den Reformator selbst keineswegs er- 
freut, sondern sicherlich aufs äusserste erzürnt haben würde; 
denn die fanatischen Bekämpfer der katholischen Heiligen- 
welt scheuten sich nicht, nun den verstorbenen Luther selbst 
mit dem Namen „Sanctus Lutherus" ^) zu belegen, die grimmigen 
Gegner des Papstes sprechen von dem „heiligen Vater 
Lutherus" •), als Prophet wurde er gepriesen und unpassender- 
weise gerade der vom Mythus umwobenen alttestamentlichen 
Gestalt des Elias gegenüber gestellt^®). Diese Auffassung 
war nicht mehr neu und hielt sich lange, bis ins 18. Jah^ 
hundert hinein ^^). Schon 1552 waren „Etliche ProphcÄey- 



') Baechtold, Gesch. d. dtsch. Litt. i. d. Schweiz. S. 819. 

-) B 143*E, 4052d, 1502f., 469c, 153f, Cn ll6«b. 

') 422 2 f. *) löOc. ^) 110c. •) 372a. ') 384 «b. ») 379p. 
629c, 3832. «•) 468 flf. i«) 151b, 460e. >0 Cf. Bezold, Gesch. d. dtsch. 
Reformation S. 852. 



CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME 3I0TIVE. 171 

le Martini Lutheri gesamlet durch Anton Otto" er- 
3n , Walthers „zusammengetragene Frophezeyungen 
rs" (Wittenberg 1669), Musculus* „Weissagungen D. 
theri^' 1667 und manche ähnliche Schriften folgten; 1606 
in zu Leipzig Laurentii orationes II de comparatione 
*i cum Elia, und noch um ein Jahrhundert später gab 
3l Neander ein Buch heraus mit dem Titel „Lutherus, 
utsche Prophet" (Jena 1706)^). 

Den Pastoren des Theatrum Diabolorum war Luther 
bar. Sie nannten sogar seine Schreibart sanft und seine 
ik milde^). Das Kaufen und Sammeln seiner Werke 
Is Zeichen der Frömmigkeit*). Seine Schriften wurden 
! Linie mit der Bibel gerückt ; wie die Sätze des heiligen 
ä galt ihr Inhalt an sich schon als Beweis; über Be- 
^ung oder Glaubwürdigkeit ihrer Ausfuhrungen und 
ptungen zweifelnd zu grübeln, war allein schon sündhaft. 
3twas auszusetzen hatte, wurde ohne weiteres als mit 
i^eufel besessen gebrandmarkt und im gröbsten Polter- 
[leimgeschickt. Ob der Reformator selbst den Wust 
eufelsbücher freudig begrüsst hätte, wenn er ihn erlebt 
würde, kann man billig bezweifeln; man könnte eher 
1, er hätte über sie dasselbe Urteil gefallt, das er ein- 
L542) über zeitgenössische Schriften aussprach : *) „sie 
icht alle rein, die jetzt schreiben und will Jedermann 
.den feil stehen, nicht dass er Christum oder sein Ge- 
iss wolle offenbaren, sondern sein eigen Geheimniss und 



') Von ähnlichen Schriften seien noch erwähnt, Timmannii 

tiae quaedam Lutheri Magdeb. 1562. — Sopaeus ,,Wahrhafite 

zeyangen M. L. aus allen seinen Schriften. Ursel 1678. — Phil. 

idt, Geistreich vortreffliche und höchstwichtige Weissagungen . . . 

. Luthers Schriften.** Wittenberg 1628. — Joh. Laubertus, 

OS, der deutsche Prophet, Nürnberg 1632. — Cf. Spieker, Mus- 

§. 848. 

«) 156«, 157. 

*) Vorrede zum Fluchteufel. 

*) E. A. 63, 371. Vorrede zu Johann Spangenbergs Postille über 

QU- und Festtags-Evangelien und Episteln. 



172 08B0BN 2( 

schöne Gedanken, die er unter Christi Geheimniss hält, nie 
will umbsonst gehabt haben, damit er hoffet schier, auch d 
Teufel zu bekehren, so er noch nie eine Mucke bekehret h 
oder bekehren kann, wo nicht das Yerkehren das Arge 
dran wäre." 

Selbstverständlich war der Mann, mit dessen Auftrete 
die neue Zeit der Christenheit begann, auch in seiner Eigei 
Schaft als Schriftsteller für unsere Verfasser ideales Vorbil 
Ohne Ausnahme galt fär alle sein Stil als Muster. Dan) 
schrieb im Tanzteufel sogar einmal an den Rand: Jmitali 
verborum Lutheri ^). Wenn ein Gedanke besonders klar um 
prägnant ausgedrückt werden soll, so wird eine einschlägig 
Äusserung Luthers zitiert, und man gewinnt dadurch de 
Ausspruch einer unantastbaren Autorität in der vollendetste; 
Form. In der selbständigen Nachahmung des Luther'sche 
Stiles blieb es freilich meistens beim guten Willen, di 
lebendige Anschaulichkeit, welche diesen so anziehend macb 
stand hier nur selten zu Gebote; die unermüdliche Friscb 
des Lutherischen Eifers, der auch die breitesten Ausfühninge 
fast niemals langweilig werden lässt, suchen wir hier mei 
vergebens, und so konnte es nicht fehlen, dass die Teufe 
Schriften, da sie an eingehender Ausführlichkeit in der Dai 
Stellung allerdings mit dem Vorbild wetteifern können, nn 
zu oft ermüdend wirken mussten. Die Verfasser fielen dan 
in einen unerträglichen Predigerton, der die Dinge in lan( 
athmiger Rede von allen Seiten umging, statt sie kurz un 
kräftig an der Wurzel zu packen imd herauszuheben; si 
spekulierten dabei wohl richtig auf die „gute Gesinnung" de 
Frommen, die es nicht wagten, derartige mit einem gewaltige 
Apparat biblischer Gelehrsamkeit ausgestattete Ausfühninge 
offen für langweilig zu erklären, auch wenn sie dieselben al 
langweilig empfanden. 

Ganz besonders reizte die Luthersche Grobheit di 
Teufelsbekämpfer zur Nachahmung, aber wie sehr verkanntei 

228 -B. 



CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 173 

L hier die meisten Nachfolger ihren Vorgänger; wie wenig 
lochten sie es auch hier, die Wirkung des Musters zu 
ichen. Bei Luther loderte stets ein heiliges Feuer innigster 
erzeugung, stets war in seiner Polemik seine ganze 
>önlichkeit mit all ihrer sprühenden Lebendigkeit beteiligt, 
kräftiges Wort, ja selbst eine derbe Grobheit schien dort 
: natürlich in der Erregung, in der er sich fast immer 
illkürlich befand, in die er sich niemals künstlich hinein 
ersetzen brauchte, wie die Schwächlinge seiner Grefolgschaft, 
sich selbst in eine Wut hineinpredigten, damit ihre Worte 
1 so ernst klangen und auch so aus den Tiefen des Herzens 
commen schienen. Bei ihnen waren die Grrobheiten nicht 
itane Äusserungen einer kraftvollen Individualität, die 

einmal verleiten liess, mit mächtigen Hieben dreinzu- 
agen, sondern unflätige Schimpfereien, wie sie Leute 
sustossen pflegen, die aus Mangel an Gründen oder an 
r kräftigen XJberzeugung keine anderen Waffen gegen 

Feinde zur Verfügung haben. 

Freilich gelang es den bedeutenderen Persönlichkeiten, wie 
iculus, Musaeus, Schilde, Rhode u. a., hie und da sich dem 
rbild zu nähern, aber die Masse war doch nicht imstande, 
lüber das charakterisierte Niveau emporzuheben. Der Mangel 
^iner tiefen inneren durch eigene Kämpfe errungenen religiösen 
erzeugung, das Fehlen einer im Herzen wohnenden Kraft 
Grlaubens, daneben die starre Betonung des Dogmas, brachten 
Verfasser der Teufelsbücher oft schon gefährlich nahe an 
Grenze der starren Orthodoxie, in der das Luthertum im 
Jahrhundert so ganz und gar zu verknöchern drohte, bis 
pietistische Richtung wieder einmal vom Buchstaben an 
i Geist appeUierte. Sie gehörten zum Teil schon zu den 
irzsichtigen Starrköpfen^^ die den grossen Vorgänger imd 
ister, wie Lessing klagte, verkannten und „seine Pantoffeln 
der Hand, den von ihm gebahnten Weg schreiend, aber 
'ichgiltig daherschlenderten" ^). 



^) cf. Erich Schmidt, Lessing 11, 439. 



174 OSBORN i 

Wenn Luther Dinge behauptet und mit glühendem Ei 
verficht, die dem gesunden menschlichen Gefühl ins Gresi( 
schlagen, so staunt man meist trotz alledem doch immer nc 
vor seiner unerschöpflichen Fähigkeit, zu glauben, und lä 
sich von der Gewalt seiner Persönlichkeit hinreissen ; er üb( 
zeugt oft schon halb dadurch, dass er selbst so fest überzeu 
ist Sobald dies aber fehlt, erscheinen die verstandeswidrig« 
Konsequenzen der reinen Lehre als lebloser Dogmenkra 
oder als Borniertheiten. Wie musste auf den Leser et^ 
folgende Definition der Thätigkeit des arbeitenden Mensch( 
wirken ^) : „Die Gottseligen arbeyten, ein jeglicher in seine 
Beruff vnd das allein darumb, dass Gott so haben will an 
nicht dass sie sich davon nehren wollen. Den 
sintemal Gott die Erde verflucht hat, können wir mit unseK 
Arbeit nicht zu wegen bringen, dass die Erde etwas frucl 
trage. Arbeyt aber ist darumb allein au£Pgelegt, dass dam 
der sündliche Cörper gezämet werde."! 

Die Bibel wird keineswegs nur zitiert, wenn es erforderlic 
ist, sondern hauptsächlich, um mit der Belesenheit zu pnmke: 
sie wird zum Beweise für alles hervorgeholt, auch für ä 
selbstverständlichsten Dinge, wie dafür, dass das „Wildpre 
im Walde lebt«). 

Das System der lutherischen Glaubensdogmen in d 
endgiltigen Form der Augsburger Confession ist die Grundlaj 
Die Weltanschauung ist die rein spiritualistische : der Köri 
ist die unangenehme Beigabe unserer ewigen Seele. Sün( 
ist er von vornherein, „weil denn die Kinder in MutterL 
in Sünden auss vnreinem samen empfangen seyn" *). I 
Natürliche, das Körperliche ist unser Feind, „vnser Adan 
dessen Überwindung „voUkömmlich nicht geschieht, denn dui 
der Natur todt vnd begraben" *). „Fleischlich aber gesii 
sein, ist ein feindschafft wider Gott" ^). Die Naturgeset 
zu deren Erkenntnis sich die Menschheit mühevoll emp 
gerungen, haben nur bedingte Geltung, so lange Gott w 



361a. «) 322d. •) 4o9b. *) 484d. *) 360«, 431b, 358«. 



270 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 175 

Er ist „mit nichten an den Lauff der Natur vnd an die 
Mittel der Oreaturen gebunden" ^). Er, der sie selbst ge- 
schaffen, kann sie auch willkürlich wieder abschaffen oder 
wenigstens zeitweise zu bestimmten Zwecken durchbrechen. 
Er „regiert die Creaturen nicht allzeit nach jhrer natürlichen 
eygenschafft, sondern nach seinem Wort der Yerheissung, dass 
sie sind Instrumente und Werkzeuge seiner gute, Gerechtigkeit 
vnd Gerichte" *). Darum ist menschliches Wissen und Forschen 
schliesslich doch nur Narrenwerk ^, auch die Kirnst der Arzte, 
welche bei der Diagnose die Wichtigkeit der natürlichen Ur- 
sachen über die prima ac principalis causa, nämlich Gottes 
Willen, stellen^). Die Gläubigen haben die Sicherheit, dass 
ihnen nichts widerfährt, „es geschehe denn entweder jhnen 
für jhre eigene Person oder jhrem Nehesten zu nutz vnd 
gut" *). Wie Luther die Vernunft, welche Zweifel und Grübeln 
erzeugt, mit dem yerächtlichen Ruf, „Frau Elügelin" ^ zurück- 
wies, so wird auch im Theatrum Diabolorum spöUisch von 
den „Weltvemünfftigen" gesprochen'^; und statt der „Welt- 
lichen Rechte, welche allein nach der Yemunfft gerichtet 
sind" ^), werden für die Obrigkeiten immer noch die Gesetze 
der heiligen Schrift empfohlen, die trotz ihrem Alter immer 
xioch unfehlbar sind*). 

Die Menschen sollen sich überhaupt völlig aus dem 
Xrdischen herausreissen, nur die Rücksicht auf die jenseitige 
X^elt ist auch für das diesseitige Leben massgebend. Wenn 
beispielsweise von den Teufeln Kinder aus der Wiege gestohlen 
Vorden sind, „so haben die Eltern mehr zu bedenken jre 
Sund ymb welcher willen Gott solches dem Teufel yerhengt, 
denn dass sie trachten, wohin die Kinder kommen sein" ^®). 

Alles, was geschieht, geschieht durch Gottes Grnade. 



364* A. «) 560b. «) 196* K. *) 467* b. ») 173* b. 

*) cf. auch oben S. 142: „Frau Hulde mit der Bötznasen*'. — 
Dazu Siegfried Sack, Erklerung vber die Sontags Euangelia. 1696. Bl. 
S16: „Yemonft, die grosse Närrin.*' cf. Kawerau, die Reformation u. 
d. Ehe S. 43. 

') 183* A. •) 327 B. •) Besonders im Schrapteufel. w) 192 c. 



176 OSBORN 271 

Das müssen die Menschen glaaben und „der Platz zur vbuog 
dess Glaubens Tnd Hoffnung gegen Gott ist sonderlich das 
Creutz vnd Ynglück, wenn Gott eine scheussliche Lame für 
sein Angesicht zeucht . . . vnd lässt vns gleich ein Trünckleio 
von der hellen schmäcken" ^). Aber wir sollen wissen, „dass 
es nur ein Yätterlicher Schertz sey.'' Aus tiefstem Grunde 
des Herzens sind alle begeisterte teleologische Bewunderer 
der Schöpfung, und Andreas Lang fasst das Bekenntnis 
nicht übel zusammen ') : „Es schawe nur jeder den gantzen 
Erdboden im Winter an, wie ist er nur so hart gefroreiif 
dass er wie ein Stein, alles Grass vnd Ejraut darauff gleichsam 
alles todt vnd nichts ist. Die Bäume stehen da, als wenn 
sie ein dürrer Besen weren. Noch wenn der Lentz kommeti 
so stehet der Erdboden gleichsam vom Todt auff, vnd wirdt 
Laub vnd Grass alles wider lebendig. Auss dem hartoi 
Holtz wachsen in vier Monden die schönsten besten Früchte, 
in dem kleinesten Kern stecket wider ein grosser Baum, alleifi 
dass er seine Zeit zum wachsen haben muss. Auss den hart^ 
Felsen vnd höchsten Bergen entspringet das klareste vnd 
frischeste wasser, auss Sand vnd Erden wechsst jarlich Waitz, 
Korn, Gersten, Habem, Hirsch, Heidel, Kraut, Zwibel vnd 
Rüben. Vnd wenn die Kömlein gleichsam verfault vnd nichts 
mehr sind, so wachsen sie doch endlich aus vnd bringen jhre 
Früchte. In dem schlechten Rebenholtz distiliert sich das 
gemeine Regenwasser, dass Wein ein edler guter starcke^ 
Tranck drauss wirdt. Auss schlechtem samen Manns vo^ 
Weibss . wirt in neun Monat ein schöner Mensch gar artlict 
mit allen Gliedmassen formiert. Ein Thier wird gar wundet^ 
barlich vom andern gezeugt, sonderlich im Meer vnd Wassei^ 
sihet man Gottes wunderwerck, wie auss anzeigen dess Rogei^^ 
ein Fisch viel tausend zeuget, dass wenn man gleich all® 
tage fischet, so sind doch die Wasser nicht gar one Fiscb^ 
Also ist die gantze Creatur voller wunderwerck." — 



') 566=0. '^ 556« f. 



272 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 177 

Neben der Kenntnis der Bibel und der Schriften Luthers 
aber, denen sich die Werke der Kirchenväter und Kirchen- 
schriftsteller zunächst anreihen, zeigen die Verfasser der Teufel- 
bücher eine ungeheure Belesenheit. Freilich ist die Zahl der be- 
Qutzten Bücher, welche mit eitlem Gelehrtenstolz von manchem 
genannt wird — so bei Milichs „Schrapteufel" 65, bei Obenhins 
„Eydteufel" 101, bei Spangenbergs „Jagteufel" 143, bei Jodocus 
Hockers „Teuffei selbs" 218 — weit übertrieben, aber immer- 
hin ist sie in Wirklichkeit doch noch so gross, dass es un- 
möglich ist, allen einzelnen Zitaten nachzugehen. 

Wie Feyerabend in der Vorrede ausführt, wollten die 
Verfasser nicht nur für Laien, sondern auch für „christliche 
Gelehrte" schreiben. Dazu aber war es im Jahrhundert des 
Humanismus natürlich unentbehrlich, die Werke des Alter- 
tums zu berücksichtigen. So werden unaufhörlich lateinische 
und griechische Schriftsteller zitiert, die letzteren meist in 
lateinischen Übersetzungen, in denen sie hauptsächlich 
Helanchthon und nach seiner Anleitung Johannes Major, 
Wilhelm Xylander und Caspar Peucer bekannt gemacht hatten '). 
Da wird zu einem ganz einfachen und einleuchtenden Satz ein 
schwerer Ballast Yon unnötigen „Exemplis" aus der alten Ge- 
schichte oder Bestätigungen durch Dichter und Philosophen heran- 
geschleppt. Die Schriftsteller wurden hierauf schon durch 
die Methode der Philologen ihrer Zeit hingewiesen, — deren 
^us des Georg Sabinus Erklärung der Metamorphosen 
des Ovid darstellt *) — , in der „die kritische Behandlung des 
Textes und die grammatische Erklärung hinter der rhetorisch- 
poetischen Interpretation ganz in den Hintergrund treten, 
dafür aber die Deutung, die historische und ethische Er- 
Üärungsweise , sowie ethische Digressionen und Nutzan- 
wendungen auf die Verhältnisse der Gegenwart eine grosse 
«oUe spielen" *). Oft haben wir es hier bei unsem Pfarrern 

cf. Bursian, Geschichte der klassischen Philologie in Deutsch- 
^«^d. 8. 175 f. 

') Fabularum Ovidi interpretatio tradita in Academia Reg^montana 
Wittenberg 1554. u. ö. •) Bursian a. a. 0. S. 181. 

12 



178 OSBOBN 273 

sicherlich mit einer reichen und tiefen GrelehrBamkeit zu thon, 
die aus gediegenen selbständigen Stadien herrorgeht Demi 
Männer wie Musculus, Hocker, Simon Mosaeus, ErasmiK 
SarceriuSy Cyriacus Spangenberg, Joachim Westphal, Lucas 
Osiander dürfen sich einer trefflichen humanistischen Bildunf 
wohl rühmen. Oft aber ist die reiche Kenntnis offenbai 
nichts als geborgte Weisheit aus zweiter oder dritter Hancl 
Plato, Aristoteles, Bias, Socrates und Diogenes, Hesiod 
und Homer, Euripides, Pindar, Xenophon, Aesop werden oft 
erwähnt, Plutarchs yitae werden eifrigst benutzt, Cicero, 
Ovid und Yergil zu zitieren, versäumt kaum ein einziger; 
daneben nimmt Plinius einen bedeutenden Platz ein, aber 
auch Tacitus, Horaz, Tibull, Seneca und Juvenal werden 
häufig genannt. TJnermesslich ist die Zahl der mitgeteilt» 
historischen Ereignisse, Anekdoten, Sagen, erdichteten Be- 
gebenheiten. Oft sind sie in langer Beihe, mitunter übei 
mehrere Seiten hintereinander aufgezählt.^) Freilich ist ihre 
Einfügung eine verschiedene. Passt die Moral, die von 
antiken Schriftstellern gezogen wurde, zu der christlichen 
speciell lutherischen Moral, so vrird von den „weisen Heyden' 
gesprochen ; im anderen Falle aber wird trotz ihrer Weisheil 
ihre Kenntnis der wahren Lebensprinzipien für noch nich 
ausreichend gründlich erklärt, da sie noch nicht des Lichte 
des Evangeliums teilhaftig waren. ^) Oft aber auch, wem 
der Zwiespalt zwischen der weltlichen Lebensanschauung de 
Antike mit der transcendenten des Christentums zu gros 
wurde, wenn der griechische Individualismus dem christliche 
Sozialismus allzu schroff widersprach, dann wurden die sou 
gepriesenen Schriften der Alten als heidnischer Unfug g 
brandmarkt; dann hat der „Eygendünckel vnd hochmütij 
Abgott die Heiden alle besessen", ^) dann wird von d 
„blutdürstigen Ehrgeitzigkeit" Cicero, von „dess Aristote 
Filtzerey" gesprochen, Piatos Dialoge ein „Wortgezäncl 

1) cf. B Fol. 176« f., 179, 189«, 635«, 260, 305«, 369, 289, 17 
274f., 266; C", 124«», 164b, 141 f., 302, 261, 193« f., 199, 91, 96. 
«) z. Bsp. 369. •) 146« A. 



274 CHARAKTER, STIL, GEMEINSA3IE MOTIVE. 179 

ihr Verfasser ein „hochmütiger auffgeblasener Heide", Ovid, 
Terenz, Vergil „Hurenjäger vnd Schandlappen" ^) genannt, 
und es wird vor „solchen heydnischen losen bewährungen" 
eindringlichst gewarnt. Von dem inneren Verständnis der 
antiken Welt und ihrer grossen Männer, das die deutschen 
Humanisten beseelte, sind die Verfasser der Teufelbücher 
weit entfernt, und wenn wir im Texte einmal einer Wendung 
begegnen, wie „hie, hie sind Götter", so ist dies nichts als 
ein recht äusserlicher Behang, der den Eindruck machen soll, 
Als seien dem Schreiber die Worte der Alten so vertraut, 
dass sie ihm, ohne dass er es beabsichtigt, in die Feder 
gekommen. 

Selten stehen die lateinischen und griechischen Zitate 
^ein, ohne Übersetzung, nur für die Gelehrten unter den 
Lesern bestimmt, wobei man dann etwa die „Einf eltigen" 
sof spätere Auseinandersetzungen vertröstete.') Meistens vrird 
luich der Sitte der Zeit zu dem Originaltext eine Verdeutschung, 
grösstenteils, auch bei prosaischen Sprüchen, in Beimpaaren 
hinzugefügt. Niemals freilich ist hier der Gedanke in der 
knappen Form des Vorbildes ausgesprochen; alles wird um- 
ständlicher; witzige Pointen sind durch Schwerfälligkeit der Aus- 
dmcksweise und ungebührliche Länge der Sätze zumeist 
wollig um ihre Wirkung betrogen. Nur selten treffen wir 
eine Ausnahme; Ludwig Milichius z. B. übersetzt ganz ge- 
schickt Stellen aus Juvenal, Ovid, Vergil,*) und besonders 
^übsch ein Stück einer Satire des Horaz.'^) Für die sonstige 
^Ibersetzungskunst möge ein Exempel für viele gelten: Ein 
l^bscher Satz des Seneca : „Multi pervenirent ad sapientiam, 
Bisi iam pervenisse putarent" wird im Hoffartsteufel folgender- 
^feen wiedergegeben : *) 

„Viel weiser Leut die Welt wol hett 
^ ,,Ja wenn der leidige Stoltz nicht thet 

„Der die Leut also vberredt 

„Als ob sie jetzt zu dieser statt 
„Schon allbereyt sind gelehrt vnd klug 



«6«c. *) Cn 76 b. •) 176 f. *) 203V ») 377 b. 

12* 



180 OSBORN 

„So 68 doch ist eitel lag vnd trug 
„Der gleichwol hindert trefflich sehr 

„Dass viel nicht wollen lernen mehr 
,,Wer aber meynt er kann es gar 

„Der bleibet ein Narr jmmerdar." 

Von dem Witz des Gedankens und der Prägnanz des Aase 
ist hier wie in den meisten Fällen gar nichts mehr gebl 

Auch durch eigene Poesien suchten die Verfasse 
Teufelbücher die Eintönigkeit ihrer Prosa zu unterbn 
Auf Caspar Fabers angehängte Lieder wurde schon '. 
wiesen. Andere streuten mitten im Text Verse ein; 
erhielt seinen Platz vor Beginn oder am Schluss des e 
liehen Traktats und wurde so wie die Vorreden in das Sa 
werk nicht mit übernommen. 

Die Pastoren, die fortwährend Fühlung mit dem Pub 
ihrer Bücher hatten^ wussten recht wohl, dass bei aller '. 
migkeit der Leser die Schriften schliesslich doch nur Erfolg 
konnten, wenn sie durch kleine Zuthaten schmackhafter wi 
„Predigtmärlein" ^) waren ja schon seit langen Jahrhun« 
beliebt. Schon Berthold von Begensburg sagte : -) ich w; 
ein maerlin sagen, daz behaltet ir vil lihte baz dam 
predige alle samt** und Luther hatte gesagt : ^ „Dem gen 
Mann und Haufen gefällt nichts besser, denn Geset 
Exempel predigen, ihm ist auch nichts nutzer. Predig 
Gottes Gnade und vom Artikel der Justifikation ist 
Ohren kalt. . . . Wenn man von Artikel der Rechtfer 
predigt, so schläft das Volk und hustet, wenn man ab» 
führt, Historien tmd Exempel zu sagen, da reckts beide 
auf, ist still und höret fleissig zu." Danach richtete: 
die Teufelsbekämpfer so gut wie die meisten Didaktike 
Feyerabend konnte mit Becht in der Vorrede des Th( 
sagen, „dass es auch Weltleuten, so der H. Schrift vi 
Kirchenlehrer Bücher leichtlich vberdrüssig werden, 1 
und kurtzweilig zu lesen sei." 



>) Germ. 3, 407 ff. '^) Berth. ed. Pfeiffer I, 572, 14 ff. ») 
Sach. n, S. 166. 



276 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 181 

Unübersehbar ward durch solches Bestreben die Zahl der 
mitgeteilten Anekdoten, der Anspielungen , der Erzählungen 
Ton Ereignissen femer und naher Zeiten, die in der massen- 
haften Anhäufung oft die Zusammenstellungen der antiken 
Zitate noch übertrafen^). 

Eine der Hauptquellen ist das reichhaltige ^^egenten- 
bnch^' von Georgius Lauterbeck, das zahllose Geschichtchen 
enthält^). Daneben sind die historischen Darstellungen der 
Schicksale einzelner Landschaften, wie die „düringische'S clie 
Schweizer, Cyr. Spangenbergs Mansfeldische Chronik, wichtige 
foDdgruben für interessante und lehrreiche Anekdoten ; ebenso 
grossere Geschichtswerke wie Caspar Hedio's „Chronicon 
Germanicum'S daneben des Ludwig Kabe vielgelesene „Predigt 
wider die 9 Hauptlaster'' und seine Märtyrergeschichte, des 
Johannes Cario von Melanchthon fortgesetztes und schliesslich 
Ton Peucer weitergeführtes Chronicon — alles vielgelesene, 
weitverbreitete Bücher. Auch die „Vitae patrum" liefern 
Katerial, Sebastian Münsters Kosmographie , auch Caspar 
Goltwurms Historienkalender werden als Quellen genannt. 
Gedruckte Wundererzählungen, wie sie auf den Jahrmärkten 
erkauft wurden, „Planetenbüchlein" führt Hocker im „Ver- 
leichnisB der Scribenten" an, aus denen sein „Teuffei selbs 
iosammen gezogen'' sei. Die ganze Weltgeschichte, die Schick- 
ttle der Türken wie die Völkerwanderung, wie die Elreuzzüge, 
aUes wird zur Anekdoten-Erzählung ausgenutzt. 

Von der neueren ausserdeutschen Litteratur finden wir 
wenig ; nur vereinzelt erscheint Petrarca*) oder P o g g i o *). 
Um so grösser aber erweist sich die Belesenheit in der ein- 
heimischen Litteratur. 

Hans Sachs*), Johann von Schwarzenberg 
(263«A, 270«B u. ö.), Georg Nigrinus'), Sebastian 
Brant (267 E, 269, 373* u. ö.) werden genannt und zitiert. 



*) cf. B. 391«, 401«— 402«, 263 f., 391«, 260«, 188«, 189, 409«, 
300, 307«, 388, 3,221«, S27«ff., 416f. u. a. m. 

«) u. Ä. 405« D, 622 D, 609 a, 106« a, 262« c, 406 a. •) 68« b, 620« k. 
*) 419 c 270« c. *) 269d. •) 267. 266d. 



182 OSBOKN 277 

der Teuerdank wird benutzt^), der y^kurtzweilige'^ Bebel 
gerühmt^), Friedrich Dedekind, der YerfiGisser des 
Grobianus, mit dessen Art die Teufelbücher zum Teil eine 
unleugbare enge Verwandtschaft aufweisen') wird erwähnt, 
Yon Jakob Wimpfeling, Erasmus, Pirkheimer, 
Eoban Hess, Melanchthon wird fortwährend gesprochen. 
Ununterbrochen tritt die Schaar der theologischen Kämpfer 
hervor, Brentius, Camerarius, Tilemann Hessha- 
8 ins und die ganze Reihe der Streiter für die Sache Luthers. 

Deutsche Sagen und Märchen sind nicht fremd, von 
Dietrich von Bern wird erzählt, vom Schlaraffenland, Tann* 
häuser, Melusina hören wir sprechen^). Aber fiir die PoesM^ 
die hier verborgen liegt, fehlt das Verständnis. Ganz unberechtigt 
werden nach Analogie der eigenen didaktischen Art den 
„alten Tichtem'' moralisierende Tendenzen untergeschoben, 
welche sie sicherlich niemals hatten^), und wenn Luther 
noch im Kreise seiner Tischgesellschaft ganz behaglich und 
ohne Zorn gesagt hatte: „wie gehets doch zu, dass wiria 
Camalibus so manch fein Poema vnd so manch schön Carmen 
haben vnd in Spiritualibus da haben wir so faul kalt Ding^ 
und wenn er dann noch nach der Mitteilung des Sammlers der 
Tischgespräche „aliquas Germanicas cantilenas'' , darunter 
„den Thumier von den Vollen" sogar rezitiert hatte*) — so 
wird im Theatrum Diabolorum zu Gunsten des Kirchenliedes 
gewettert gegen die „Schandlieder von Huren vnd Bubenwerke 
oder sonsten alte Reyen von dem Danhäuser, HildenbraDi^^ 
oder dem Herrn von Falckenstein^S die samt und sonders d^ 
Schriftstücke „auss dess Teuffels Cantorey" erklärt werden ^* 

Uebersät sind die Teufelschriften mit einer Unzahl von 
Sprichwörtern ®). Die Pfarrer , die mitten im praktiscb^^ 



^) 263b. *) Cn, 79», 91» b. 

*) Manche Berührungspunkte wies Strauch in seiner Rezension von 
Haufifens ^Caspar Scheit" im AfdA 18. Band nach. 

*) Z. Bsp. 629« E. *) Etwa 268 f. •) E. A. 62,310. ') 477^0- 

*) J. Franck zählte (ADB 12, 686) in der Ausgabe von 1576 686, 
wovon für Hockers 2 Bücher allein 62 entfallen. 



278 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIYE. 183 

Leben sich bewegten^ hatten ja Gelegenheit genug, die Eedens- 
arten y Sprüche und Wendungen, welche das Volk liebte, kennen 
zu lernen, und sie schöpften fleissig aus der reichen Quelle. Oft 
freilich erklären sie selbst höchst offen, dass sie Agricolas Sprich- 
wörter-Sammlung für ihre Zwecke durchforscht hätten, wenn dies 
auch sicherlich meist nur geschah, um recht gelehrt zu erscheinen. 
Die Fülle interessanter £[leinigkeiten , welche die Ver- 
fasser so ihren Lesern auftischten, konnten in der That ihre 
Wirkung nicht verfehlen, und mit gutem Grund preist der 
Herausgeber das Theatrum, es sei „alles mit mancherley 
lustigen Historien, Sprüchen, Sprüchwörtem, Reimen vnd 
gleichniss reden vermenget vnd geschmücket'^ 

Hinzu kam, dass — freilich nicht allzu oft — wo die 
langweilige Predigtsprache verlassen wurde, ein kräftiger, 
urwüchsiger, volksmässiger Ton angeschlagen wurde, der an- 
schaulich und lebendig, wuchtig und energisch die Misstände 
des öffentlichen und des häuslichen Lebens schilderte. „Eis 
ist das zornige, das grobe, das krakeelerische Jahrhundert. 
Aber auch das ernste und grundehrliche/' so charakterisiert 
Baechtold diese Zeit^). und wenn auch nicht gar selten, 
wie schon angedeutet wurde, St. Orobiani Sauglöcklein allzu 
laut erklang, so ist doch die Frische, die uns hier entgegen 
weht, eine wohlthätige Ablösung für die drückende Atmo- 
sphäre des Kanzeltons. „0, ein Knüttel her und hinder die 
Ohren geschlagen!''^) — solche Drohungen werden auf die 
Sünder des 16. Jahrhunderts eindringlicher gewirkt haben 
^ seitenlange theologische Auseinandersetzungen. Ein gesun- 
der Humor ist dann oft zu spüren •) , wenn er auch stets 
^inen sehr derben Charakter hat und oft ein geradezu grim- 
mes Antlitz annimmt. Reimprosa ^) und makkaronisches 
^tein (530 A) bringen neben den Versen Abwechslung in die 
Prosa; Wortwitze im Fischart'schen Stile fehlen nicht*). 

Gksch. d. dtsch. Litt, in d. Schweiz. S. 246. «) 358. 
^ Etwa 361, 298 d, 294« b, 295 a, 220, 871«, 426, 629«. *) 367, 473«, 476. 
») 7«B „hellisch« fär „heylig" gesetzt; — 470« d „Jeeuwider," - 
473 D »Suppeoaitendent" für Superintendent. 



184 OSBOBN ^ 

YortrefiTlich stimmt der ganze Ton der Teufelbücber 
der Kunst des Holzschnitts, der sie ihre Titel -ülnstratioi 
zu verdanken hatten. Auch auf sie scheinen die Worte 
passen, mit denen Anton Springer die Kunst der Reformatio 
zeit erklärte^): „Der Drang, den individuellen Gredanken« 
auf die flüchtigen Einfalle herab, Körper zu leihen, i 
schärfere Betonung des „Was" als des „Wie" der Darstellui 
die natürliche Ungeduld, den unendlich rasch gleitend 
Gedankenfluss in spröde, einer ausführlichen Behandlung I 
dürftige Formen zu kleiden, hat ein passendes Mater 
erzeugt und im Holzschnitte die ihm zusagende künstlerisc 
Form gefunden. Den derben, breitgezogenen, höchstens dui 
mechanisch geführte Schattenstriche oder durch Farbe belebt 
Umrissen, sieht man die formelle Anspruchslosigkeit sofort : 
G-enug, dass den Vorstellungen, selbst wenn sie abstrak 
Natur sind, und den Erfindungen der regen Einbildungskr 
eine sinnliche Gestalt geschenkt und der in der Bildung \ 
wiegende didaktische Trieb befriedigt werden kann". 

Echt deutsch wie Sprache und Stil ist auch die ( 
sinnung-); die protestantischen Pfarrer sind von einem € 
liehen festen Patriotismus erfüllt, sie klagen über die 5 
splitterung im Reiche und sie glauben, wie sie auch ii 
die Gottlosigkeit jammern, doch an die Grösse und die h 
Kulturmission des deutschen Volkes. Darum wird auch 
Majestät des Kaisers trotz seiner Zugehörigkeit zur katholisc 
Kirche niemals angetastet, sondern nur seine Ratgeber 
Ohrenbläser, wie im „Hofteufel" die ruchlose Umgebung 
gottesfürchtigen König Darius. 

Im Grunde sind die Verfasser, trotz aller Unzufrieden 
mit den bestehenden sittlichen Verhältnissen, in politis( 
und sozialer Hinsicht streng konservativ *). Die Untertha 
sollen der Obrigkeit gehorchen, und die Stände sollen : 

^) Die bildenden Künste in ihrer weltgeschichtlichen Entwickl 
Prag 1857. S. 687. 

«) Man lese etwa 864 f., 286^, 150, 387, Cn 201« t, C" 58* b, 7 
*) Besonders spricht sich dies im „Schrapteufel" aus. 



280 CHARAKTER, STIL, GEMEINSA3IE MOTIVE. 185 

streng von einander scheiden; wir sahen ja schon fipüher, wie 
sich diese Anschauung in der Behandlung der £[leiderfrage 
aussprach. Aus dieser Gesinnung heraus verurteilen sie 
auch aufs strengste die revolutionäre Bewegung der Bauern- 
kriege ^). 

Mit der ängstlichen Wahrung des Bestehenden ver- 
wachsen ist auch die Furcht vor der steigenden Macht der 
Wissenschaften, welche die Kirche von ihrem Platze ver- 
drängen könnten und zum Teil schon verdrängten. Es fehlt 
dämm nicht an feindseligen Ausfällen gegen die Universitäten, 
Gelehrten, Professoren und Studenten*). 

Der Teufelglaube unserer Pfarrer ist im grossen und 
ganzen der in Hockers „Teuffei selbs** entwickelte. Satan ist der 
furchtbare Feind des Menschengeschlechts, der zwar die letzten 
Reste der alten Volkstümlichkeit und Gemütlichkeit noch 
nicht eingebüsst hat, keineswegs aber mehr der alte leicht zu 
überwindende, in seiner Ohnmacht komische Satan des Ka- 
tholizismus. Er ist — ein besonders beliebtes Bibelzitat — 
der brüllende Löwe, der umher gehet und sieht, wen er ver- 
schlinge (Nach 1. Petri 5, 8.). Er ist wie in der Faustsage 
der Verführer zum bösen und er ist schliesslich das aus- 
^lesene Rachewerkzeug der zürnenden Gottheit*). Aber 
^tzdem hat Boskoff Recht, wenn er meint*), dass er doch 
schon „unter den protestantischen Händen zu verblassen" be- 
^ne. So ernst, wie es Luther um den Kampf mit einem 
persönlichen Satan zu thun war, meinen es die Verfasser 
^serer Traktate doch nicht mehr. Nur bei den ersten, Hof- 
^Ufel, Saufteufel, Hosenteufel, Eheteufel sind sie noch einiger- 
^assen konsequent und führen die Teufelsidee ziemlich ein- 
*^eitUch durch. Aber schon Musculus' Fluchteufel fällt aus 
^em Stil. Scherer sagte einmal, ausgehend von Mumers 

») 254, 247«, 800, 588«, 536^ 320«, 322. «) 1«6, 473«, 475«, Cn 228 f. 

•) 273« D, 802 c, 439« A, 195 e, 173 e, 126« b, 180« a, 465« b, 135 c, 
99« B u. 8. f. — Titel d. Theatrum Diab. selbst. — cf. Luther EA 61, 489. 
- 62, 199. — 9, 74. *) II, S. 451. 



186 OSBORN 281 

Schelmenzunft y allgemein von der Litteratur des 16. Jahr- 
hunderts^): „Man liebt es, sich in Masken zu stecken; aber 
man giebt sich nicht die Mühe, in der Bolle zu bleiben.^ 
So ist es auch hier. Der Teufelstitel reizte die Kauflust, 
und so nahm man zu ihm seine Zuflucht. Von manche 
wurde dann noch der Versuch gemacht, so gut es ging, die 
bearbeitete Materie, die mit dem Satan gar nichts zu schaffen 
hatte, in Beziehung zu ihm zu bringen, wie von Peter Glaser 
im Gesindeteufel, von Hoppenrodt im Hurenteufel oder 7on 
Schütz im Sacramentsteufel. Die meisten indessen bequemen 
sich schliesslich nicht einmal dazu, und im G^richtsteufel, im 
Schi'apteufel , in Brandmüllers Geizteufel, im Bettel- und 
Garteteufel, im Eidteufel wird der Höllenfürst überhaupt 
nur auf dem Titelblatt erwähnt. Bezeichnend ist, dass Fe7e^ 
abend 1588 eine Schrift, die Elleiderpredigt Osianders, in das 
Theatrum Diabolorum aufiiahm, bei der auch nicht einmal ' 
dies der Fall war. Der Herausgeber sah aber, dass nich^ 
sowohl die Teufelsmaske als vielmehr der didaktisch-satirisch® 
Inhalt an sich die Hauptsache war, und dass die Predigt so 
ausgezeichnet in den Rahmen passte. 

Die Zeitschilderungen geben der Teufellitteratur ikf* 
Bedeutung. Sie führen uns vortrefflich in das bürgerlicfc^^ 
Leben der 2. Hälfte des 16. Jahrh. ein, die Verfasser sii^- ^ 
keine Stubengelehrten, sondern Männer, die ununterbroch^^ 
in Fühlung mit dem Volksleben stehen, und wenn man d^^ 
Übertreibungen des theologischen Eifers von den Darstellung^^ 
loslöst, so dürfen wir ihnen unser Vertrauen nicht entziehe ^^ 
Die Sittengeschichte jener Zeit kann ohne Berücksichtigu^^ 
dieser Bücher nicht geschrieben werden. Wir hörten von we 
liehen und kirchlichen Dingen, von Kriegen und Glaubenskämpf 
von den Zuständen in den Städten und auf dem Lande, v ^ 
umherziehenden Landsknechten und vom Kneipenleben, r" ^ 
Sitten und Gebräuchen aller Art, von agrarischen, rechtlich 



*) In der Vorrede zur photolithographischen Nachbildung ^^* 
Schelmenzunft (nach 1512). Berlin 18S1. 



j CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 187 

.nzpolitischen Verhältnissen^ von allen Fragen und Sorgen, 
den Deutschen jener Zeit beschäftigten. 

In der äusseren Komposition zeigen die Teufelbücher 
; durchweg miteinander eine grosse Ahnlichkeiti welche der 
en inneren Verwandtschaft entspricht. Einzelne Schriften^ 
die 4 dämonologischen, die beiden gereimten, der Gerichts- 
fel, der Schrapteufel, stehen hier natürlich ganz abseits, 
er wie der Hofteufel bei seinem ersten Auftreten (II, 1) 
h dem Muster des alten Passionsspiels gleich eine ein- 
Lende Charakteristik seiner Thätigkeit giebt, so beginnen 
b alle unsere Traktate mit einer Beschreibung des ho- 
ffenden Spezialteufels oder des G-ebietes, das er beherrscht^ 
i meist wird dieser grundlegenden Auseinandersetzung ein 
eaes Kapitel gewidmet: 

Heyl. Teufel, c. IL „Was dieser heyliger Teuffei 
1er das Erste Gebott eygentlich sey vnd was er für grossen 
baden thut ..." 

Zauberten fei. c. IL „Was Zäuberey sei" 

III. „Wie mannichfaltig Z. sei" 

IV. „Vom Ursprung der Zäuberey." 
Jagt. „Wie mancherley das Jagen sey." 
Hurenteufel. „ Was doch die beweglichen v rsachen 

mögen seyn^ so die Menschen zu solcher grewlichen 
Sünde vnd Schande der Vnzucht .... bewegen 
vnd reitzen." 

Fault. „Zum ersten, dass zweyerley Müsse oder Müssig- 
gang sey vnd welcher vnter den beyden sträfflich. 

Hoffartt. „Was Hoffart in gemeyn sey vnd heisset . . . ." 

Ei dt. „Von dem ersten Stück, wie das Wörtleia 
Schwören gebraucht werde vnd was ein Eydschwur 
sey vnd heisse." 

Sorget. 1) Was die Bauchsorg sey, 2) Woher sio 
komme. 

Melanch. T. „Was die Melancholey sey, woher sie 
sich benenne vnd wie mördtlichen Schaden sie einem 
Menschen zufüge." 



188 OSBOEN 283 

Neidt. I. „Was Neid sey vnd bedeute, wie man jhn 
beschreibe vnd theile." 

Lügent. Von den Namen, welche in heiliger Schriffi 
diesem Laster gegeben werden. Was es sey? Wo- 
her es komme? und was es für Eygenschaften habe? 

Im Tanzt. Spangenbergs Predigt: 
„Zum 1.) Was Tantz sey." 

Sodann folgt stets eine Darstellung der schädlichen 
Wirkungen des betreffenden Teufels oder der Sünde, die, in 
der Weise der Zeit, nach Möglichkeit zahlenmässig registriert, 
zugleich die Gründe sind, die uns warnen sollen. Die Te^ 
schiedenen Kapitel der verderblichen Thätigkeit geben dann 
zuweilen auch die Grundlage für die Einteilung der ganzen 
Schrift. 

Fluchteufel: 5 Sünden gegen d. h. Geist. 

Eheteufel: 7 Angrifre auf die Worte der Bibel. 

Hosenteufel: 8 Sünden. 

Gesindeteufel: 7 — Teilung der Thätigkeit. 

Saufft. : 7 Ursachen, sich vor dem Trinken zu hüten. 

Faulteufel hat 4 Schäden im Gefolge. 

Hoffartst. : 6 Ursachen, „Stoltz zu meyden". 

Neidteufel: 18 böse Wirkungen. 

Vereinzelt findet sich auch eine umständliche Ordnung 
nach den einzelnen Geboten des Dekalogs, wie es schon ^ 
des „Teufels Netz" geschehen war^); so im 

Sorgeteufel fol. 435 ^ff. 

Schmeichelt. CH 102, bff. 

Lügenteufel lU-S. u. 153-. 

Spielteufel 439 ff. 

Ein Prinzip der Anordnung in der Darstellung ^^^ 
schädlichen Wirkungen, wie es etwa Hauffen in der Verteil ^^8 
auf Ehre, Seele, Leib und Gut in der Hauptmasse ^^^ 
Trinklitteratur fand -), lässt sich hier als allgemein gel't^^ 
naturgemäss nicht aufstellen, weil die verderblichen Folß^° 



V. 1360-2881. -) Vierteljabrschr. für litt. Gesch. U, ^^^^' 



CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 189 

verschiedenen Charakters sind; doch ist eine fast stets 
derkehrende Trennung der üblen Resultate für Geist und 
ib zu bemerken, bei der diese Hauptrubriken dann aber 
3 grösssere oder geringere Zahl verschiedener, dem Charakter 
betreffenden Teufels entsprechender Unterabteilungen ent- 
ben. 

Häufig werden auch der Vollständigkeit halber alle er- 
klichen Einwürfe vorgebracht, im Sinne einer Opposition 
gründet, die dann in ihrer Unhaltbarkeit gezeigt werden, 
:s in der eindringlichen und lebendig wirkenden dialogischen 
:m, die den Predigern vertraut war, die — ein treffliches 
)rt zu brauchen — ,,da8 Denken gesellig macht und eine 
eile Unterhaltung herbeiruft." ^) 
So im Teufel selbs 68 ff., 
Saufft. 277 ff., 
Pestilenzteufel 469 ff. 
Lügenteufel X. Cap. 
Sorgeteufel 556 \ 
lern der Verfasser erscheiat das Laster seines Buches als 
Wurzel aller Übel ; alle anderen Lasterteufel stellen sich 
ein Gefolge des betreffenden Specialdämonen dar.') Dabei 
man denn ausserordentlich erfinderisch in neuen Teufeln, 
diesem einen möglichst grossen Hofstaat zu verleihen'). 
Die Strafen Gottes für die einzelnen Sünden und Laster 
:den in den Exempeln zusammengestellt, meist auch die 
lohnung der Gottesfürchtigen als Seitenstück danebengesetzt. 
Den Klagen über die schlechte Welt ist am Schluss 
positiver Teil angefügt, der darlegt, wie man sich vor 
- Sünde zu hüten habe und was man thun solle, um ihrer 
^ht zu steuern. Da wird zunächst jeder einzelne Mensch 
•gerüttelt, der Versuchung zu widerstehen und den Teufel 



») Erich Schmidt, Lessing II, 723. 

«) Z. Bsp. 367« Fault., Hofft. 376, 536, 274, 366, 480«, Cn 82 a; 
meisten Yorreden bezeugen dies auch, besonders die zam Sorget., 
ift., Spielt. 435«; Sacramentsteufel (Einteilung nach dem Gefolge). 
») cf. 480«, 509«, 110«, 112. 



190 OSBORN 285 

zn bekämpfen; des Desiderins Erasmiis nach dem Ephese^ 
brief (6, 10 iF.) geschaffenes Bfld von der geistlichen Büstimg 
des christlichen Bitters spielt hier eine grosse Bolle. ^) 

Tenfel selbs: c. 25. „Was wirfftr Wehr Tnd Waffen 
wider ynsem Feind brauchen sollen.^ 
c. 26. ,,Was die Christen zum Kampf bew^en soH^ 

Teufels Tyranney c. VIL „Wie wir vns in solcher 
gefiihr sollen verhalten, darmit wir f&r den Teoffel 
sicher sind ynd desto weniger fiLr jm haben n 
f&rchten . . . ." 

Bannteufel: „Wie man Christlich mit den Besessenen 
Menschen handeln mSge.^ 

Sorget.: „Was ein Christ thun soI, damit er seine Leibs- 
nahrung vnd Notturfft mit Gott, recht, ynd Ehien; 
haben kann'^ 

Melanchol.-T. : „Wie dem Melancholischen Teuffein 
begegnen vnd widerzustehen sey.'^ 

Neidt. c. 12.: „Trewer Bäht vnd Unterricht wie sich die 
sollen halten, so geneidet werden.'' 
c. 13 : „Von Artzeney wider diejenigen, so vom Neid 
eingenommen vnd angefochten werden." 

Lügent. c. IX.: „Was ein jeder Mensch nach seinetx^ 
Stande vnd Vermögen zu Verhinderung vnnd abschav 
fimg dieses lasters zu thun schuldig seye." 

Bettelt. 3: „Wie man sich gegen sie (die Bettler) ve^ 
halten vnd erzeigen, vnnd was ein jedes fiir sein seifet 
Person bedencken vnnd beherzigen soll. " 

Hurent.: „Zum andern, was herwiderumb die Leute vo^ 
Huren Teuffei abschrecken vnd wodurch ein jedc^ 
nach seinem Beruff sich vnd andere von solche'* 
Lastern mit gantzem ernste abhalten solle."' 

Hoffartst. : „Zum fünfften. Mittel vnd wege, daduro^ 

*) cf. Erich Schmidt der christliche Ritter. Deutsche Hundsch^ 
Bd. LXIV. (1890) S. 194—210. — Vorklänge: Thomasin v. Zirklaer=S3 
Welsch. Gast V. 7369-84 u. 7419—38. — V. d. Hagen, MS. 3, 39» (( 
Hinnenberger). 



286 CHARAKTER, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 191 

allem Stoltz, pracht vnd hoffart, köndte vnd solt ge- 
wehret werden." 
Femer aber werden alle Paktoren des öffentlichen 
Lebens ermahnt, gegen den Teufel mitzukämpfen. Und zumal 
ist es die Dreizahl der Eltern, der Geistlichkeit und 
der weltlichen Obrigkeit, an welche appelliert wird. 
Die ersten sollen durch die Erziehung, die zweiten durch die 
Predigt und die Seelsorge, die dritten durch verständige Gre- 
setze und unnachsichtige Bestrafung der Schuldigen, alle aber 
durch gutes Beispiel wirken. Und da die Didaktiker 
diese letzte Forderung so selten zur Zufriedenheit erfüllt 
i^hen, so nehmen sie die Gelegenheit wahr, sich recht offen 
ftber die herrschenden Zustände aufzuhalten und den Pflicht- 
Vergessenen ihre Pflichten zu predigen. Ahnliche Züge hatte 
auch schon die ältere Litteratur aufzuweisen, und sogar auf 
der Bühne hatte Hans Salat 1537 in sein Prodigus-Drama 
^ine Konferenz der Obrigkeit, an der „Landuogt, Consul, 
Gomes, Aduokat, Licentiat, Pretor^' teilnahmen, eingefügt, 
die gegen „sauffen, spülen, vnküscheyt^' Beschlüsse fasst, um 
die Werke der beiden Teufel Temptator und Stimulus zu 
zerstören. 

„Man sehe", ruft Westphal,^) „was die Oberkeit vnd 

S^sse Potentaten jetzund thun wie sie regieren vnd jres Ampts 

^ch annemmen. Wie viel solte man jhr wol finden, denen 

Si^uwe Har wachsen für sorge dess Regiments vnd gemeinen 

'^^tzes. Ja wenn es jagen were, darauf sie doch jetzund der- 

^*^*88en erpicht als were es jhr sonderlicher einiger Befehl 

^d Ampt. Item spielen, prangen, woUust vnd kurzweil suchen 

^4 treiben^ in allem, was man für hat, ein ander zu boden 

^Uffen, dass abfalle wer reiff ist, das lernen denn die Käthe 

■^Äuptleute vnd andre auch." Solche Ausfälle sind nichts 

^^Itenes.*) Andrerseits werden dann wieder gute Batschläge 

^^geben, und den Behörden gegenüber, die ihre Pflicht er- 

*^men, unbedingtester Gehorsam gepredigt. 

») Fault. 358. «) z. Bsp. 225«, 174, 304«, 138«, 688«, 323, 327, 
^l«, 441*, 249«ff., 252«, 206«, 531«, 214«. 



192 OSBORN 

Auch der geistliche Stand wird dabei keineswegs j 
Freilich gab es hier mancherlei zu verbessern. Di 
Menge der in den protestantischen Ländern plötzlich n 
gewordenen Prediger war natürlich auch von schied 
menten durchsetzt; Leute ohne die geringste the 
Bildung, sogar Handwerker wurden zu Pastoren b 
die Landpfarrer betrieben oft nebenbei den Biersch 
waren in dieser Eigenschaft als Wirte nichts weniger 
lässliche Tugendwächter *). Ueber Habsucht und 13 
über Hartherzigkeit nach unten und Kriecherei na 
über die völlig geschäftsmässige Auffassung des Berui 
sich die Zeitgenossen vielfach zu beklagen. Alle c 
stände wurden ganz offen und ehrlich behandelt-), 
Pfarrer dagegen an die Pflichten ihres Amtes gema 
trotz allen Verführungen nicht beirren zu lassen, 
wurde aber auch der Theologenstand als der seh 
und gottgefälligste gepriesen und den unberechtigten i 
gegenüber verteidigt. 

„Es sagt wohl der gemeine Mann,*' heisst es in 
teufel *) , „Es hab niemand besser Sache , denn die 
welchs von den Messzpfaffen, auch etlichen Evan 
Bauchdienem die lautere Wahrheit ist, denn dieselbe 
sich nicht der Seel, sondern der Seckelsorge an. i 
rechten treuwen Prediger Schweyss, Arbeyt vnd f 
grösser weder jrgend der Haussvätter oder Regenten £ 
Denn wenn ein Arbeyter seine Arbeyt gethan , so 
Ruhe. Ein Regent hat neben seiner Arbeyt Gew 
vnd Gut, vnd kan bissweilen seine Lust vnd Erge 
haben. Aber wenn treuwe Prediger tag vnd nacht g 
predigen, beten, vnd den Leuten für jre Seelen auffs 
lichste sorgen, so haben sie doch auff einer Seiten de 



\) cf. August Sach 11, 169 ff. 

^ So 284, 218«, 224«, 367 e, 416 c, 476- a, 531. 226=, 
358«, 279«, 281«. 441^ 207«, 334«, 415, 412«; 384«c, C" 11 
Ampt der Seelhüter,-* im „Pfarr- u. Piründ-Bcschn.-Teufel'*. 

») 531 E— 532« A. 



288 CHARAKTEK, STIL, GEMEINSAME MOTIVE. 193 

mehr weder die andern Stände zum Feinde auff der 

andern seilen haben sie seine Apostel, Ketzer vnd Schwermer, 
wider welche Teuffels Propheten sie müssen für vnd für zu 
Felde liegen . . . Zum dritten haben sie die Tyrannen, die 
jnen .... jres ge&Uens zu lehren vnd zu straffen gebieten .... 
Zum vierdten haben sie populum Gomorrhae, den gemein 
rohen Hauffen .... Das ist der Danck, damit die G-ottlose 
Welt jren getreuwesten Seelsorgern abdancket .... Und solte 
warlich einer lieber ein Säwhirt weder Gottloser Menschen 
Seelhirt seyn." 



13 



in. 

Wirkungen und Nachklänge. 

Was in diesem Abschnitt zusammengestellt ist, macht 
keineswegs den Anspruch, die Wirkungen und Nachklänge 
der Teufellitteratur des XVI. Jahrhunderts erschöpfend zu 
schildern, sondern soll nur ein vorläufiger Versuch hierzu sein. 
Den verschlungenen und verwickelten Fäden nachzugebeOf 
welche die Teufelschriften besonders mit der didaktischen 
Litteratur überhaupt und mit dem Drama verknüpfen, die 
Wechselbeziehungen ohne empfindliche Lücken darzustellen, 
endlich die Fortführung dieser eigenartigen Litteratur im 
XVII. Jahrhundert zu verfolgen, gehört nicht mehr in den 
Hahmen der vorliegenden Studie. Der letzte Punkt ist übe^ 
dies vielleicht einer näheren und genaueren Behandlung in 
der That nicht wert ; die erste Frage aber Hesse sich nur in 
einer zusammenfassenden Darstellung der gesamten deutscheu 
Litteratur in unserem Zeitraum zur Befriedigung lösen. 

Hier soll also nur kurz das wichtigste Material vor- 
geführt werden. 

Über die Zahl der Auflagen der einzelnen Teufelbücb^^ 
und ihr Verhältnis unter einander geben die bibliographisch^^ 
Notizen Auskunft, die als Anmerkungen der Besprechung A^ 
Gruppen beigefügt sind. Fasst man sie zusammen, so ergie? • 
sich als Resultat, dass die ersten, originellen Schriften v^^ 
Chryseus, Friederieb, Musculus, Spangenberg, Westphal nic^ 
nur, so lange sie die einzigen waren, die meisten Auflag ^ 
erlebten, sondern auch später noch sich siegreich unter 
wachsenden Schaar behaupteten. Das längste Leben ha» 
der Hosenteufel des Andreas Musculus, der 1630 wie 



290 WIRKUNGEN UND NACHKLANGE. 195 

eine Auferstehung feierte, und von dem Groedeke noch einen 
Druck aus dem Jahre 1682 anführt ^). Zunächst stehen ihm 
der noch ältere Saufteufel Friederichs, dessen deutsche 
Drucke zwar, soweit bekannt ist, schon 1567 aufhörten, der 
aber noch im Jahre 1654 von Peter Simon Löfgren, 
Professor eloquentiae et poeseos, ins Schwedische übersetzt 
wurde ^), und der Hofteufel des Chryseus, der auch 
1566 zuletzt aufgelegt zu sein scheint, der sich aber auf der 
Bühne, wie schon oben (S. 24) bemerkt, bis 1623 lebendig er- 
hielt*). Diesen folgt dann der Jagteufel von Cyriacus 
Spangenberg, der nach Goedeke von 1560—66 7 mal ge- 
druckt vrurde. 

Sie alle aber wurden, nicht an Zahl der Auflagen, aber 
an Lebenszeit übertroffen von der alten Schrift „Epistola de 
miseria plebanorum seu Curatorum'', die ja nicht eigentlich 
in unsere Litteratur hineingehörte, aber sie doch gewisser- 
massen einleitete, die dann durch Luther wieder bekannt 
wurde und nun im Jahre 1701 noch einmal hervortrat, um so 
den Kreis, den sie begonnen, wieder zu schliessen. Sie fand 
mitsamt der Lutherschen Vorrede von 1540 in dem zum 
Poeten gekrönten Feinstedter Prediger Johann Gottfried 
Z ei dl er*), dem glücklichen Besitzer von Luthers Tintenfass, 
«dass er für viel Geld nicht von sich gab", einen gewissen- 
haften Uebersetzer, der zur Kontrole den lateinischen Text 
neben seinem deutschen wieder mit abdruckte*). — 

Das Publikum der Teufelbücher haben wir fast aus- 
schliesslich in den protestantischen Gegenden zu suchen. Auf 
•^ord- und Mitteldeutschland wies uns ja auch der grösste 
■*^6Ü der Verfasser und der Verleger, denen sich freilich 



*) Gnindriss« U, S. 480. 

^ Otto, Lexikon Oberlausitzischer Schriftsteller I, 867. 

*) Bolte, Märkische Forschungen 18,204. 

*) Jöcher 4, Sp. 2170. 
^ *) ^Neun Priester-Teufel, das ist ein Send-Schreiben von Jammer, 

"r*^^d, Noth und Qual der armen Dorf-Pfarrer. Mit einer Vorrede D. 
^- liutheri, o. 0. (HaUe). Anno 1701. 8«. Goedeke S. 488. No. 43. 

13* 



196 OSBOEN 891 

einige ans dem Inthemchen Süden anschlössen. D» Inns- 
bmcker Druck des Saufteof eis ^) steht ganz allein. Er zeigt 
freilich, dass für diese Litterator trotz ihrem antikatholischen 
Charakter auch in den päpstlich gesinnten deutschen lÄndem 
Interesse vorhanden war ; aber dies Interesse wurde gewaltsam 
unterdrückt. So werden in dem 1666 erschienenen „Oatalogns 
der Bücher vnnd Schriften, vnser heilige Religion Tund Geist- 
liche Sachen belangendt, welche im Landt zu Bayern öffentlich 
fayl zu haben und zuuerkauffen erlaubt seindt. Gkdruckht zu 
München bey Adam Berg''*) unter den verbotenen Büchern 
aufgezählt^): „Jtem alle die newen tractätl, die inn teoffels 
namen intituliert seindt, als Hosenteufel, Spilteufel etc. dann 
ob wol alle die das ansehen haben, als ob sie allerding 
politisch und allain gueter zucht halben geschrieben seyen, so 
seindt sie doch der ergerlichen exempel und anzng 
halben nit zeleiden und fast also geschaffen, das sie deme, 
dessen titl sie tragen, zu seinem reich ammaisten 
dienen, und ist nit noth, das christlich völcUin durch 
teuffels büechlin von lästern abzetreiben, weil sonsten 
der heilsamen guten schrifften bey der cathob'schen christlichen 
kirchen eben genueg darzu vorhanden." Schon vorher waren 
auf der Kölnischen Provinzialsynode 1549 neben Luther und 
Calvin unter ihren Anhängern auch Musculus, Sarcerius» 
Spangenberg, Hermannus Bonnus — der Lehrer Jost Hockers — 
sowie Sebastian Franck und sein Chronicon in dem index 
librorum prohibitorum genannt worden *). Und der streitbare 
Vorkämpfer der katholischen Kirche, der Feind Fischarts, 
Johannes Nas, der schon 1570 seine antilutherische 
„Quinta Centuria'* „dem M. Cyriak Spangenberg nachgefolgt 
vnd zugeschriben" sein liess, wetterte wiederholt gegen die 
protestantischen Teufelbücher; er rief: „Diese jetzige Welt 



*) siehe Anmerkgf. zu S. 75. 

*) F. H. Keusch, Die Indices librorum prohibitonim des 16. Jb« 
1886 (Publikation des Stuttgarter L.-V. N. 176) S. 324 ff. 
») ibid. S. 328. 
*) ibid. S. 78 nach Hartzheim, Concilia Germaniae VI, 637. 



292 WIRKUNGEN UND NACHKLANGE. 197 

predigt und schreibt Bücher ins Teufels Namen und das muss 
alles recht und wohlgethan sein: ürsach ihr Grossvater und 
Patriarch Martin Luther hat solches angefangen . . . dem 
Vater folgt der Sohn ^^ ^^ stellte dagegen Spezialengel auf; 
wie den ^^Dienst vnd Ehehalten Engel'' den ^^fasten EngeP, 
den yyEheengel'', den ^^Kriegsengel'', den ^^Straffengel'^ und 
den y,Wamungsengel''y den er selbst zum Titelhelden eines 
Buches macht, während er für die andern auf eine kommende 
Engellitteratur vertröstet: ,, Andre werden jhnen miüer 
Zeit der andern Engel Gottes etliche herfiir zu streichen lassen 
mit bessern Argumenten befolhn seyn dann die obgemelten 
Teuffei der Welt seyn vbersandt worden, damit das Boss durch 
das Gut, die Finstemiss durch das Licht yertrieben werd.'' 

Ln protestantischen Deutschland war die Teufellitteratur 
allbekannt*) und vielgelesen: Feyerabend setzte in der 
Fasten- und in der Herbstmesse 1568 bereits 1220 solcher 
Bücher ab, darunter 232 Eheteufel, 803 Spielteufel, 180 Fluch- 
teufel, 15lJagteufel, 136 Hofteufel, 131 Geizteufel»). Liter- 
essante Einzelheiten erfahren wir auch aus dem Mess-Memorial 
des Frankfurters Michel Härder, der in der Fastenmesse des 



>) Angelas paraeneticus Der WamuiigBengel (1588) Berlin, Kgl. 
Bibl. an Du 430. S. 2—9. Siehe auch Schöpf; Joh. Nas (Bozen 1860) 
S. 64 Note 8. — cf. Janssen, Gesch. d. dtsch. Volkes 6,470. 

*) In Kirchhofs Wendunmut tritt der „Saufbeufel*' auf. 
ed. Oesterley I, 414. — Fischart im „Philos. Ehezuchtbüchl.<< 1597 
(BerL Egl. Bibl. Yz 177) T?^ nennt den „Haussteafel'', im Gargantua 
den „Saufteoffel''. — 1595 fühlte sich der Mecklenburger Saperintendent 
Andr. Calichius genötigt, die Lücke des Theatrom Diabolorum — wie 
er ansdrücklich bemerkt — auszufüllen und in „des Satans letztem Zom- 
sturm" über Besessene zu berichten, cf. Janssen 6,472. — Johann 
Sommer nimmt die rücksichtslose Aufdeckung gesellschaftlicher Schäden 
in seiner Ethographia (zuerst Magdeburg 1609) in Schatz mit den 
Worten: „sollten darumb die Theologi Teuffei sein, weil sie den Jag- 
teuffel, Sauffteuffel, Spielteuffel, Kleiderteuffel, Hoaenteuffel, Hurenteuffel, 
Geitzteuffel vnd in summa ein ganz theatrum Diabolorum geschrieben 
haben?« — cf. Kawerau, Vierte^ahrschrift f. Litter. Gesch. V, 169. — 

«) Heinrich Pallmann, Sigmund Feyerabend (•— Archiv für Frank- 
furter Gesch. u. Kunst. N. F. VII) 1881. S. 156—60. 



198 OSBORN 893 

folgenden Jahres 452 unserer Schriften an die Buchhändler | ] 
in Leipzig, Magdeburg, Halberstadt, Wittenberg, Münster, 
Speier, Stuttgart, Heidelberg, Tübingen, Begensburg, Schwein- 
furt Terkaufte. Es waren dabei yertreten: 69 ExpL Sanf- 
teufel, 67 Hofteufel, 64 Eheteufel, 68 Spielteufel, 
56 Fiuchteufel, 54 Jagteufel, 35 Wucherteufel ; und fried- 
lich stehen die Traktate der Pastoren neben „Wendunmut'', 
„Schimpf und Ernst'', den „7 weisen Meistem'S neben den 
Volksbüchern von Tristrant, Octavian, Magelone, Melusine^ 
neben Scheits Grobianus und Adam Rieses Rechenbuch, neben 
des Johannes de Parisiis „Neuer Wunderarzney'' und des 
Albertus Magnus Buch „Von Weibern und Geburten der 
Kinder" ^). 

Ihr Einfluss machte sich ganz besonders im Drama 
geltend. Hier gehörte ja der Satan zum alten Inventar (s. S. 15£); 
und wir sahen schon, wie aus den alten Teufeln, die alle ziemlich 
denselben allgemeinen Höllencharakter besassen, allmählich 
einzelne heraustraten, die bestimmte Sünden und Laster fii^ 
sich besonders in Anspruch nahmen. Nun aber gingen di^ 
Spezialdämonen mit den neu geschaffenen Namen, die Ub^^ 
die Eigenart ihrer Träger keinen Zweifel mehr liessen, ai^^ 
dem Theatrum Diabolorum auf die wirkliche Bühne über. 

Granz vereinzelt fanden wir bereits in früher Zeit, wah^' 
scheinlich als Vorbild fiir Chryseus' Lasterteufel, 1538 
Paul Rebhuns' Spiel von der Hochzeit zu Cana den Eh 
teufel, dem hier, wie dem Hureudämon im Buch Tobia^' 
der Engel Raphael siegreich gegenübertritt. Aber noc ^ 
wurde die Bezeichnung nicht allgemein gebräuchlich, und 154^ ^ 
heisst in Hans Sachsen's bekanntem Fastnachtspiel*) „d^^ 
Teuffei mit dem alten Weyb" der Titelheld eben nur „d^^ 
Teuffel'S wenn er auch seine Thätigkeit angiebt: 

„Ich bin ein Geist, der die Zwietracht 
„Zwischen frommen Eheleuten macht.** 

^) Mess-Memorial des Frankfurter Buchhändlers Hichel Harc^-^ 
Fastenmesse 1569. Herausgeg^. v. Ernst Kelchner und Rieh. Wülcl^ ^^' 
1873. S. IX. S. 3, 4, 4S 6«, 8, 9«, 12«, 14 «, 16, 15«, 16, 17, 19, 1^*^'' 
20«, 21«, 22, 23«, 26, 28, 29. «) Fastnachtsspiel No. 18. 



294 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 199 

Erst unter dem Einfluss von Musculus' Schrift und besonders 
des Theatrum Diabolorum erscheint er als ^^EheteufeV' häu- 
figer. Oft trägt er noch^ auch der biblischen Tradition ent- 
sprechend; den Namen Asmodi (s. 8. 122 f.) und immer noch 
finden wir in seiner Begleitung das alte Weib, das seinen 
Intentionen gemäss kuppelnd oder hetzend die Handlung vor- 
wärts treibt ^) : so in des Schlesiers Zlacharias Liebholdt 
.^Schöner Historia von einem frommen gottfttrchtigen Kauff- 
mann von Padua^' (Breslau 1596)^ wo der Eheteufel nach 
der in Klammem beigefügten szenischen Bemerkung mit 
einem Blasebalg dem gehetzten Falsarius die bösen Gedanken 
yyhinderwertig einbleset'^ ^^ während ^^Pragmatica, die alte Kupp- 
lerin^' ihm behülflich ist, seine Anschläge durchzuführen; 
so im y^EhespiegeV' von Thomas Birck (dem Pfarrer im würt- 
tembergischen Untertürkheim) ^) , wo der Eheteufel Asmodi 
seine Schlechtigkeiten mit Hilfe der alten Bared ausfährt; 
so in des Georg Mauricius' ^^Komödie von allerley Ständten'^ 
(1606)^ wo (im 3. Akt) Asmodeuss, der Eheteufel, sich Hilfe 
holt bei der ^^alt Hexn, der Wettermacherin vnd Zotfezn'S 
Welcher der Satan auch zugestehen muss: ,^Du hast schier 
^ehr denn ich gewalt'^ Die biblische Ueberlieferung vereinigt 
^it dem neuen Namen zeigt sich in dem Titel, den der 
g oderdorffe r Pfarrherr Georg Schwanberger seinem Drama 

^) siehe dazu auch Luther E. A. 00,57. 

') üeber ähnliche verdeutlichende 'szenische Mittel cf. Bolte, 
~^^Tk, Forschg. 18, 174 f. Dazu wäre noch zu nennen Jos. Murer, Be- 
^erung der Stadt Babylon (1560) of. Baechtold, Gesch. d. dtsch. Litt. i. d. 
-^liweiz S. 355. — Und als ein Gegenstück aus der bildenden Kunst, 
^^ hier yielleioht der redenden wieder den Anstoss gegeben hat, sei der 
;;;^tirer8che Kupferstich „Der Müssiggang*' genannt (Bartsch, Peintre- 
*^veur. Dürer. VJLl. No. 76), der darstellt, wie einem hinter dem 
^fen behaglich eingeschlummerten Faulpelz eine nackte Frauengestalt er- 
^heint, während ein böser Dämon ihm die sündhaften Begierden durch 
^inen Blasebalg ins Ohr einflösst. Dazu H. Holbein d. j. Totentanz 
^'. 113 Lyoner Ausgabe: „Der Kathsherr''. — Nachklang: Peter 
Cornelius, Titelblatt zum „Faust*', wo der Teufel der Marthe böse Rat* 
^fshläge einbläst Dazu Goethe Faust II, V. 6400 W. A. 16, 1,80. 

•) Holstein Zfd Ph. 16, 71 ft. 



800 OSBOEN 295 

gab: ^er Engel Baphael wider den Asmodeum der £he- 
teuffel" ^). 

Das Drama des Sammelwerks, der Hofteofel, fand, wie 
schon bemerkt, keine Nachfolger in der Tenfellitteratar ; man 
müsste denn Martin Hayneccins hierher zählen, der die üeber- 
Setzung seines 1578 (zu Leipzig) erschienenen „Almansor sire 
ludos litterarius'', den er schon 1682 als „Almansor, der Kinder 
Schulspiegel'' ins Deutsche übertragen hatte, 1603 „Schal- 
teuf fel^' betitelte — ein ziemlich äusserUches Mittel, Interesse 
für das Buch zu erwecken, da „Sathan, der Schulteuffel^ über- 
haupt nur ein einziges Mal (II, 1) auftritt, um seinen Hass 
gegen Zucht und Ordnung weitläufig darzuthun, und die ^^drev 
Böse Engel, des Schulteuffels Yorleufft'' nur „mutuae personae'^ 
sind. Ebenso nahm den Teufelstitel an das von Gt)tt8ched 
im „Nötigen Vorrat'^ (II, 266) erwähnte Drama „Batio Status, 
oder der itziger alamodisirender rechter Staats-Teufel, 
in einem neuen Schauspiel abgebildet'' 1668, sowie Johan 
Biemer in seinem „Erz-Yerläumder und Ehe- Teuffei 
Ton Schottland" (1679)«). Der Hofteufel selbst blieb als 
dramatische Person noch lange am Leben. Bei Hans Sachs 
tritt schon 1660 in der Tragödie „Die ynglückhafFtige EönigiB 
Jocasta"^) im 6. Akt „Sathanas der Hofschmeichler'* 
auf und hetzt die Söhne des Oedipus, Joristes und Floristes, 
auf einander; dann erscheint er in der „Tragedi, wie König 
David sein Mannschaft zelen Hess" (1662), wo er sich selbst 
nennt: „Der listig Hofteufel ich bin"*), und in der 
Folgezeit begegnen wir dem Versucher der Grossen recht oft. 

Ein Plagiat an Chryseus' Schauspiel beging Franciscus 
Omichius, der Rektor am Gymnasium zu Güstrow, der 
1576 seine „newe Comoedia von Dionysii Syracusani, vud 
Damonis vnd Pythiae Brtiderschaflft . . . ."*) herausgab. 
Wie er hier eine Reihe niederdeutscher Szenen aus 
Claus Bur hinüber nahm, entlehnte er einen Hofleufel von 
Chryseus, schrieb bald längere zusammenhängende Stücke, 

») Gk>edeke« H, 876. «) cf. Goedeke« HI, 226. ») ed. Keüer 
8, 29 ff. S. 48. *) ed. Keller 10, 367, 12 f. ») Goedeke« II, 402. 



i96 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNaE. 2 Ol 

bald kürzere Versreihen , bald Bilder und Vergleiche von 
iiesem ab, bildete ganze Auftritte nach ihm und flickte den 
Dialog oft aus allen möglichen Ausschnitten der Vorlage zu- 
sammen. Ich muss mich hier darauf beschränken, die betreffenden 
Stellen kurz aufzuzählen , ohne auf das einzelne einzugehen^): 
Der Aufb-ittsmonolog des Hofbeufels bei 
Omichius III, 4 entspricht nach einigen einleitenden 

Worten genau dem bei Chryseus 11 , 1. 
0. III, 5 Beratung der Uebelthäter ; selbst bis auf die Ver- 
teilung der Beden an die 4 ,yConciliarii'^ genau nach 
C. in, 2; auch macht, wie hier, ein Narr Band- 
bemerkungen. 
0. LEI, 6 Beratung vor dem Herrscher nach C. IV, 6 ; die 
Schlussbemerkung des Narren aus C. I, 1 (Schluss) 
entnommen. 
0. IV, 1 Monolog des Hofteufels; wörtliche Anklänge an 
C .IV, I. Wie hier erwartet er dort Ton Beizebub als 
Belohnung eine Krone, aber nicht, wie Chryseus die 
alte Belohnung der geistlichen Spiele ^) witzig erweitert, 
eine „dreifache Krone'*, sondern — viel matter — 
wie gewöhnlich „eine güldene Kron^. 
0. IV, 1 Selbstgespräch des Bauern nur eine niederdeutsche 
Uebersetzung der Worte des Dystiges bei 0. ITC, 3. 
Ebenso nahm Heinrich Kielmann in seine „Tetzelo- 
cramia" einen „Hoff- und KirchenteuffeP* auf, der ganz dem 
Intriganten des Chryseus nachgebildet ist, und ihm I, 3 
(nach C. 11, 1) und III, 2 (nach C. IV, 1) wörtlich entspricht»). 

^) Durch die Güte der herzoglichen Bibliotheksverwaltang in 
Wolfenbüttel konnte ich ein dort befindliches Exemplar des Dramas in 
Berlin benutzen. ^ Ludwig Wirth a. a. 0. S. 196. 

') Die seltsame Bemerkung von Geryinus Gesch. der dtsch. 
Dichtung^ lU, 144, die „sogenannten Hofteufel*' ständen als „blosse 
Einbläser des Bösen" den „gleichsam exekutiven Teufeln/ die den 
Kamen „Satyrn" führten, gegenüber, entbehrt jeder Berechtigung. 
Wahrscheinlich sollten die alt«n Teufel von den neuen Teufeln getrennt 
werden, aber diese letzteren als „sogenannte Hofteufel** zusammen zu 
Hassen, ist durchaus unstatthaft. 



202 OSBORN 897 

unzweifelhaft durch die Lektüre Ton Schfldo's Spiel- 
teufel angeregt y schrieb Thomas Birck seine originelle 
Komödie von den Doppelspielern^) (Tübingen 1590). 
Zwei Heere stehen sich hier gegenüber; auf der einen Seite 
Leviathan, der Spielteufel ^ , mit seinen Trabanten: ,JBaner; 
Vnder, Ober, König, Saw, Hertz, Laub^ Schellen, Eychelfarb^^ 
auf der andern ^^Syrach, ein weiser Mann, mit seinem Wfirffel 
vnd E^artenspil als Ein Würffelträger. Ein Kartendreyle, 
Vierle, Fünffle, Sechsle, Sibetle, Achtle, NenndÜe, Bauer, 
Vnter, Ober, König, Saw, Laub, Hertz, Schellen, Eychelfarb, 
Gleich 2 Ober, Hochzeit 1 König vnd ein Ober, Taos 
1 Vnter 1 Ober 1 König, Kreid, Munten, Trumphen, leizte 
Löss'^ Manche uns wohl bekannte Motive finden wir hier 
wieder. Tobias warnt vor dem Spiel, es sei dabei das „gasti 
hellisch Gsiud^^ los: 

I, 1 (S. 14) „Der Bscheissteofifel, da man betrengt, 
„Der Lugenteufiel, da man leogt, 
„Der zom Teuffel, da man ergrimpt, 
„Vnd Gott den Aasszug nicht annimpt 



n 

„Der Fluchteaffel ist aach nicht weit 
„Da mancher mehr Gottesflüch ausspeit 
„Denn Augen auff dem Würffel sein 
„Der Zanckteuffel kompt auch darein 
„Den SchmähteufTel er mit sich bringt 
„Der Mordteuflfel sich auch eindringt." 

Man vergleiche damit Th. D. B. Pol. 435/36. Die Ausreden, 
welche die Spieler dem Warner gegenüber machen, die Anek- 
doten, die erzählt werden, erinnern an Schilde*); die im Th« 
D. Fol. 440 mitgeteilte Erzählung ist S. 25,26 behaglich in 
Keimpaare umgesetzt. 

Der 2. und 3. Akt sind den fürchterlichen Folgen des 
Spiels gewidmet: Barrabas verliert all sein Gut, er stiehlt 
und wird verurteilt, und mit grausamem Ernst mahnt Birck 

») Goedeke II, 387; Berl. Kgl. B. Yq 1131. Eine Analyse des 
Dramas giebt Holstein Zfd Ph. 16, 71 ff., ohne aber Schildo mit einem 
Worte zu erwähnen. 

«) cf. S. 62 u. S. 170. 



WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 203 

1 an ihre Erziehungspflichten, indem er den Barrabas 
3lit seiner jammernden Mutter die Nase abreissen 
SVorte sprechen lässt (II, 1): 

„Ja, zum Exempel hab ichs thon, 

,,Damit die zarte Mütterlein 

„Mit scharpffen Raten schlaj^en drein 

„Vnnd vbersehen nicht sovil 

„Ihrn lieben Söhnlein mit dem Spiel/' 

3r Bircks Syrach ist nur ein Feind des über- 
)n Spielens und will vor allem den Frauen nicht 
t zugestehen, die Männer vom Spiele überhaupt fern 
i. Darum wird Dina, die ihren verspielten Mann 
iigelt hat, zur Strafe für diese eigenmächtige Hand- 
Eheteufel Asmodi geholt. Und ein grimmiger 
ISS des Verfassers zeigt sich, wenn der von Syrachs 
nig ausgeschickte Bote Cusi, der die Gtittinnen an 
npel der Dina warnen soll, zerrauft und zerschunden 
er bei seinem Herrscher einfindet. Dass der gute 
selbst dem Spiel nicht allzu feindselig gesinnt war, 
ich die guten Lehrsprüchlein, welche Syrachs Würfel 
;en III, 1 aufsagen, sowie das 60 strophige Schluss- 
rinnen die Karten, WürflFel vnd Kreiden nach laut 
•dien, mit heiliger Schriflft kürtzlich erklärt" werden. 
1 Wucherteufel übernahm Cyriacus Spangen- 
)erühmter Sohn Wolf hart in seine „tragödische 
lg": „Mammons Sold" ^) (Nürnberg 1613). Da ist 
äibende Kraft ; er erscheint in Verkleidung, und wenn 
ner Mönchskutte auftretende Hofteufel des Chryseus 
iluss an den alten Glauben sagte: 

II, 1. ,,Keiner kennt mich nicht, er schaw denn an 
,,Mein Füss . . .", 

der Wucherteufel sich mit den Worten ein: 

„Wer mich ansieht, der meinet fein 
„Ich sey ein guter Engel rein 

terl. Kgl. Bibl. Yq 2396. Herausgegeben von Ernst Martin in 
sehen Litteraturdenkmälern des XTV. — XVII. Jh. Bd, IV. Aos- 
)ichtungen von Wolfhart Spangenberg (Strassb. u. London 1887). 



204 OSBORN 299 

„Wer aber meinen Gang betracht 
„Und hat mir aoff die Fasse acht 
„Der merket bald, nach weissem Sinn 
„Was ich recht für ein Vogel bin."i) 

Er treibt „Veit den Landsknecht, Beichart den Wucherer 
ynd Lentz den Bauern^ zum Wacher und Betrag. Sie sind 
hartherzig gegen die Frau Armut, die sie anbettelt, und 
folgen der gleissenden Frau Beichtumb ; doch der fallt plot^ 
lieh „alle Hauptzier Tom Kopff, die Ermel von Armen, die 
Jungfraw Schönbart vom Gesicht, die Kleider vom Leib Tud 
erscheinet sie in gestalt dess Todes mit Pfeil vnd Bogen*^^ 
der die Frevler unbarmherzig erschiesst. 

Nahezu als eine Dramatisierung des Sacraments- 
teufeis erscheint Nicodemus Frischlins „Pha8Ina^ 
1592, im folgenden Jahre von Arnold Glaser ins Dentsdid 
tibersetzt. Luther, Brentz, Zwingli, Carlstadt, Schwenkfeld — 
kurz die ganze Reihe tritt auf, und Satanas, auch hier wieder 
in Mönchsgestalt ^, gesteht, dass er nach dem Zusammenbrach 
der katholischen Kirche Zwingli, Carlstadt mit den Wid^ 
täufern gegen den Gottesfreund Luther gehetzt habe. Diese 
beiden Teufelsdiener werden denn auch ebenso wie „MelibocuSt 
ein widerteufiFerischer Bauer", nebst dem Mönch Franciscus 
und der Nonne Brigitte V, 3 „zum lohn jhres irrthumbs vnd 
Plappern" von Christus in die Hölle gestossen. Satan aber 
bleibt ein guter Katholik — er nimmt (IV, 8) sogar an den 
Beratungen des Tridentiner Conzils teil und zum Schluss betet 
er mit den Seinen: 

,,0, Bapst, lass dir befohlen sein, 
„Unser Kirchen, die Kinder dein, 
„Im alten Glauben sie erhalt 
„Und rett sie aus des Luthers Gewalt.*' 

Hierher gehört auch Zacharias Rivanders „Lutherus 
redivivus" (1593), der sich zwar keines Teufels zu erfreoen 

») (Blatt Aiji) « Neudruck S. 261. — cf. o. S. 129. 
*) (Bl. Bij>) — Neudruck S. 276. 

') So ja auch in Kolros' „Fünferlei Betrachtnüssen*' und oft- ^'' 
auch S. 129, 169. 



WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 205 

in dem aber der „gantze Verlauff des Sacramentstreits 

Anno Christi 24 an biss zum ende des 92. Jahrs in eine 
ionem" gebracht ist und Luther^ Melanchthon, Brentius, 
ihusiusy Sekieccerus, Matthäus, Carlstadt, Zwingli, Oeco- 
padius, Bucerus, Bullinger, Calvin, Beza u. s. w. auf der 
me erscheinen. 

An Schilderungen aus Papes „Bettel- und Garte- 
iffel^ fühlt man sich in Bartholomaeus Krügers 
kendem „Spiel von den bäurischen Bichtem und dem 
idsknechte^ (1580)^) gemahnt, wo Satan und besonders 

Mordteufel, der auch hier wieder seinen Beruf in 
em Monolog ausführlich darlegt (II, 5), das Unheil an- 
iten. Ein Kleiderteufel ist in Andreas Saurius' 
Dnflagratio Sodomae^ (1607) der Belial, der als ein 
ämer am Hofe zu Sodom erscheint und seine Waaren 

bietet^). 

Eine besondere Neigung für die Teufel des Theatrum 
ibolorum zeigt zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seinen 
amen der Nürnberger Schulmeister Georg Mauricius 
' ältere, wenn sie auch bei ihm, wie all das Nebenwerk, 
n er eine solche Vorliebe entgegenbringt, niemals organisch 
die Handlung eingefügt, sondern stets — nach Scherers 
orten ^) — „äusserlich angeklebt" erscheinen. In seiner schon 
wähnten „Komödie von allerley Ständen" (1606) erhält 
ier der einzelnen Akte, in welchen die verschiedenen Stände 
schildert werden, seinen besonderen Teufel: der erste, der 
gemein die Schlechtigkeit der Welt beklagt, den Satan 
ilechthin ; Akt 11, der den „Obrigkeitlichen Stand" schil- 
rt, den Hofteufel; Akt III, dem Ehestand gewidmet, 
Q Eheteufel Asmodeus; in Akt IV, wo es sich um 
imilienleben, Hausstand handelt, tritt Prüfles, der Teufel, 
f» der nach seiner eigenen Angabe — „Herrn, Ejndr vnd 
sind verfühm ich sol" — etwas von Glasers Gesindedämon 



*) Herausgegeben von Job. Bolle. Leipzig 1884. 

*} Act IV, Szene 6. 

•) Scberer ADB 20, 709 f. 



206 OSBOBN 

an sich hat. Nur im letzten Akt, der wieder allgeme 
Natur ist, nimmt der Abwechslung halber einmal „B 
der Hof-Narr«, die Stelle der Teufel ein. Der Hofteu 
erscheint auch neben anderen Brüdern aus dem alten höllisc 
Vorrat der Passionsspiele, Hatschipettesch und Hellebn 
den Herodes hetzend in der „Comoedia von den Weyj 
aus dem Morgenlande" und im Verein mit dem EI 
teufel Asmodaeus spielt er eine Bolle in der „Comö< 
von Graff Walther von Salutz vnd Griselde 
In der schönen „Comödia von dem Schulwesen'^ li 
Mauricius im 3. Akt den Haussteuffel Bülleprüll, 
4. den Waldteufel, der die Spieler holt, auftreten; i 
im 1. Akt quält der „Schulteufel Feinddiekuns 
den armen Schulmeister so unbarmherzig, dass er sei 
meint: 

„Mich wundert, das ers aufsstehn kan 
„Er mu88 dooh sein ein zeher Hund 
„Dass er darüber bleibt gesund. ** 

In grösserer Zahl marschierten die Teufel aus Fe; 
abends Folianten auch in das lebendige und kräftige Tende 
stück hinüber, das der aus Lindau gebürtige lutheris( 
Pfarrer im württembergischen Grimmelfingen, Johann B 
dolf Fischer*) (1598—1632) in der berüchtigten „Kipp 
und Wipper-Zeit" gegen die völlig in Verwirrung gerate) 
wirtschaftlichen Zustände in Schwaben schrieb. Die T 
gödie„Let8te Weltsucht vnd Teufelsbruot" ersch 
1623 zu Ulm; gleich im Prolog wird alle Schuld an ( 
bösen Zuständen dem Teufel zugesprochen, und der 1. -t 
setzt sofort mit einer Teufelskonferenz ein, in der Laci 
den Vorsitz führt, und an der „Kriegs teuf fei, Sau 
teuffei, Hurenteuffel ^ Geitzteuffel , Wuche 
teuf fei" teilnehmen. Sie sind alle fröhlich bei der Arbi 



') Bayerns Mundarten. Beiträge zur deutschen Sprach- ^ 
Volkskunde, herausgeg. v. 0. Brenner u. A. Hartmann. Bd. I. Aug 
Holder, Johann Rudolf Fischer. Ueber sein Leben und Abdruck 
Tragödie. S. 112-116, 161—92, 321—36. 



WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 207 

der Erie^ ihre Pläne begünstigt; der Wucherteufel aber, 
i sich später (IV, 4) noch der „Schacherteuffel'' zu- 
eilt, wird (111,4) als der tüchtigste gekrönt. 

Auf den ersten Blick erkennt man an diesen Proben 
z der unleugbaren Verwandtschaft der Motive aus der 
matischen Litteratur mit denen der Teufelbücher an dem 
ifel der Schauspiele noch eine Beihe wichtiger Züge aus 

alten Zeit, die wir im Theatrum Diabolorum entweder 
it mehr oder doch sehr unterdrückt finden. Der Theater- 
fel in der 2. Hälfte des 16. und zu Beginn des 17. Jahr* 
iderts ist, wenn auch selbstverständlich der Einfluss der 
sten protestantischen Auffassung nicht spurlos an ihm 
über ging, auch bei den Lutheranern doch noch nicht 
chweg nur der fürchterliche Feind des Menschengeschlechts, 
dem vielfach immer noch der mehr harmlose Bösewicht, 

betrogene Betrüger, die komische Figur der vorluthe- 
5hen Zeit — EoUen, welche zu den mächtigen und ver- 
blichen Lasterteufeln unserer Pfarrer nicht mehr passten. 
waren aber wohl äusserliche Bücksichten auf das Publikum, 
che die Dramatiker hier bestimmten, sie mussten den 
matisch unendlich wirksameren katholischen Teufel auf der 
hne gegen das Vordringen des lutherischen altbösen Feindes 
ützen; in den Anschauungen selbst war sicherlich kaum 

Unterschied. Die Vorrede z. B., welche Joannes Bein- 
rd seiner „wunderlichen Geschichte Francisci Spierae"^) 
61), in der die drei Teufel „Vnruh, Schadenfro, Hurlehu" 
:Ii ganz aus dem alten Apparat stammen, vorausschickte, 
rde vor jedes einzelne der Teufelbücher vortrefflich passen. 
5 spricht nur von dem Satan, der in der Welt rase, und 
int, er tobe so schlimm, „das es nicht wunder were, die 
be Sonne entsetzet sich darfür, gieng zu rück vnd geb vns 
At mehr jhren freundtlichen anblick vnd schein." 

An Friederich, den schlesischen Pastor, der gegen 
i^ Saufteufel kämpfte, an die zahlreichen mutigen Ausfalle 



») Berl. Kgl. BibL Yp 9781. 



208 08B0KN 303 

gegen tyrannische Fürsten und yerbummelte Adlige , an die 
Ermahnungen^ mit denen sich die Verfasser der Teufelbücher 
an die Prediger wenden, werden wir erinnert, wenn wir in 
Bartholomaeus Bingwaldt's ^^Speculum mundi'^ wo 
die Teufel Malus, Peior, Fessimus auch noch von der alten 
Sorte sind, sehen, wie der ehrliche Pfarrer, der gegen das 
übermässige Trinken geeifert hat, Yon seinem Fürsten ye^ 
trieben ¥drd, aber trotz aller Unbill streng zum Glauben und 
zu seinen Grundsätzen hält und Bingwaldts „Lautre 
Wahr hei t^< ^) klingt ganz und gar wie ein in Beime gebrachtes 
Teufelbuch. Gleich im Anfang heisst es Yom Satan, er 

„ . . . brüllet widen Wort 
»JHeweil die Welt steht, fort und fort, 
„Vnd last der Kirchen keine ruh 
„Biss Gottes Son erscheinen thu. 
„Fümemlich aber wütet er 
,,Za ansem Zeitten hefiftiger, 
, J>ieweil er abzurechnen weis 
„Das bald wird falln der Erdenkreis, 
„Vnd weil denn nu, wie jtzt gedacht 
„Die Welt an allen orten kracht 
„Vnd sich die weh vnd grosse plagn 
„Sampt vielen wanderzeichen jagn 
„Die vns vermanen, von der Ban 
„Der breiten Strassen abzulan, 
„Darzu berichten, das gar frey 
„Der letzte Tag vorhanden sey." 

Der Christ wird S. 23 gemahnt, er muss 

„Ein Kriegssmann bleiben biss ans end 

,Vnd hie mit vielem sawren schweis 

»Mit Teuffei, weit vnd fleisch 
„Sich beissen bis er scheidet ab 
„Der Geist zu Gott, der Leib ins grab." 

Ringwaldt klagt über die Trunksucht (S. 59): 

„Ach wenn die deutschen Knecht vnd Herrn 
„Nicht leider so versoffen wem 
„So wer kein schöner Nation 
„Vnter des weiten Himmels Thron." 

^) Zuerst erschienen 1686. Ich zitiere nach Kg. Bibl. in ß^^ 
Yh 5322, 1588 „jtzt von dem Autore auffs nuve wider vbersehen*** 






1 04 WIRKUXGEN UND NACHKLÄNGE. 209 

Er nennt das Trinken eine „Mutter aller Laster", er 
beschreibt die Krankheiten, die daraus entstehen, er wettert 
;egen die Unzucht, gegen die Spielwut und ihre Folgen, das 
gotteslästerliche Fluchen und die abscheuliche Hoffart, die 
Drunkhafte Kleidung, die den Unterschied der Stände yer- 
wische, er erinnert an die Magdeburger Kleiderordnung. 
Klagen werden geführt über „der evangelischen Predikanten 
Uneinigkeit"; die Obrigkeit wird zur Unparteilichkeit und 
Gerechtigkeit ermahnt; in dem Abschnitt „Vom Ampt aller 
frommen Predicanten" wird an die Pfarrer appelliert, daneben 
Eltern imd die „frommen Praeceptores" auf ihre Pflichten 
tiingewiesen — alles Motive, die wir in den Teufelbüchem so 
reichlich vertreten fanden. 

Auch des „Osnabrücker Hans Sachs^, des originellen 
Budolf von Bellinckhaus nach der alten Legende gedichtetes 
^Stratagema Diabolicum^' gehört in diesen Zusammen- 
hang. Hier ehelicht der heiratslustige Satan auf den Bat 
der Sünde die Trunkenheit^). Mit" grosser Geschwindigkeit 
entspringen aus dieser Ehe 7 Töchter, welche ebenso rasch 
heiratsfähig sind und nun vom Vater Satan folgender- 
ma^sen versorgt werden : Arrogantia wird mit dem Adel ver- 
heiratet, Avaritia mit den Kauf leuten, Falsitas mit den Land- 
wirthen, Invidia mit den Handwerkern, Homicidia wird den 
übelthätern zugesprochen, Hypocrisis den Pfaffen und Mönchen, 
Scortatio aber, sein Lieblingskind, muss daheim bleiben: 

„Insonderheit Scortatio 

„Macht mein Herz lustig und froh."^) 

Der ganze grosse Teufelapparat der alten geistlichen 
ßramen aber ging mit dem 17. Jahrhundert in die Faustspiele 
^^er, die nun allüberall in Deutschland auftauchen. Und auch 

*) cf. Menzel, Christliche Symbolik II, 477. Görres, Die Christ- 
liche Mystik ni, 698. 

^J Lichtenberg, Deutsches Museum 1779, II, S. 148. — Auch 

***Hb. Schupp erzählt in seinem „Salomo oder Regenten-Spiegel" (in 

^^Ji nLehrreichen Schriften" Frkf. a. M. 1709 Berl. Kgl. Bibl. Yy 2072. 

• "790) diese Geschichte und fügt hinzu: „Diese Fabul wird von vielen 

^^i^ebmen Predigern in ihren öffentlichen Schritten allegiret". 

14 



aiO OSBOBN 305 

hier wirkte die Teufellitteratur: die Sünden werden verteilt 
In einem Danziger Spiel von 1669 beispielsweise erscheinen 
gleich zu Anfang mit Pluto der E^lugheitteufel^ der Huren- 
teufel und unter anderen der eben erst entstandene Tobac- 
teuff el, von dem das Zeitalter der Reformation noch nichts 
wissen konnte.^) und noch beim „Teufelsmaler^ MfQler 
treten in dem ^^dramatisierten Leben Fausts'' neben einzebieo 
B.epräsentanten allbekannter Todsünden ^) der moderne 
y^teratur-Teufel" Atoti und der dem Dichter wohl besonders 
vertraute ,,Mahlteufel^ Babillo auf. 

Indessen auf die dramatische Litteratur beschränkten 
sich die Wirkungen der Teufelbücher nicht. Denn das 17. 
Jahrhundert brachte noch eine lange Beihe von Teufel- 
tractaten hervor, die freilich alle mit meist unmittelbarer An- 
lehnung an die Vorgänger geschrieben sind. Die Verfie^ser 
versuchten es, die alte Form, die alte Behandlungsweise der 
Fragen, die alten Motive mit der neuen Zeit, in der sie 
lebten, in Einklang zu bringen, was ihnen jedoch nur äusserst 
selten gelingen wollte. Meist ist es ein wunderliches Ge- 
misch, was zu Tage kommt. Auch der Erfolg war ein sehr 
massiger; denn das theologische Jahrhundert war dem poli' 
tischen gewichen, und es war ein verfehlter Gedanke, fi^ 
Zeitschäden dieses letzteren mit denselben Mitteln bekämpfen 
zu wollen, die damals gewirkt hatten. Der Krieg und seiß^ 
Folgen standen als Ursache alles Elends überall im Vorder- 
grund ; sie bildeten das Element, das die öffentlichen Zustände 
beherrschte, das als die Quelle aller Misstände, aller ü^^" 
Sittlichkeit erschien. Kein Wunder, dass die Didaktiker bi^^ 
machtlos waren, wenn sie in einer Zeit, da man mit Eiä«^ 
entschied, mit Druckerschwärze kämpfen wollten, wie maa ^^ 



') cf. Engel, Vülkschauspiel Doctor J. Faust 2. Aufl. (1882) S. 3^^' 
2) Fausts Leben, dramatisiert vom Mahler Müller. I. Teil. M»-^^* 
heim 1778. Sw 24 ff. Mogol: „Uebergiildete Ann uth ist meine Beherr^^*^ 
ung** — als er Yom Vertuhren spricht, ruft Cacal : „Bruder weg — *^ 
meinem Heioh — hier fängt meine Bestallung an; hü hil hil Bit» ^^ 
WoUusts Herr, dem diese Welt am meisten dienet". 



306 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 211 

im Jahrhundert der geistigen Kriege gethan hatte. Wenn 
es trotzdem immer wieder versucht wurde, so lag dies wohl 
daran, dass man auf den Aberglauben der Zeit yertraute, 
die sich mit Vorliebe an Teufels-, Hexen- und Gespenster- 
Geschichten erfreute; man vergass aber dabei, dass die Teufel- 
bücher eigentlich ausser ihren Titeln mit solcher dämonologischen 
Litteratur gar nichts mehr gemein hatten und man dachte 
auch gar nicht daran, die trockene Lehrhaftigkeit durch eiüe 
stärkere Betonung der Teufelspersonifikation zu beleben. 

Voran geht auch hier, wie in der Zahl der Auflagen 
nnd der Dauer des eigenen Lebens, in seinen Wirkungen Mus- 
culus' berühmter Hosenteufel und seine Nachfolger. 

Der Kampf gegen die Mode entbrannte ja im 17. Jahr- 
feindert noch weit heftiger als in der vergangenen Epoche, 
entsprechend der wachsenden Macht der Mode selbst und der 
^i'emdländischen Einflüsse auf deutsche Sitte, Sprache und 
Kleidung.') Wie Moscherosch im „Alamodekehrauss" 
^inen gestriegelten modernen Jungdeutschen Fhilander auf 
Biirg Geroldseck den alten deutschen Becken gegenüberstellt 
^d von diesen heruntermachen und yerhöhnen lässt, so 
machten auch die andern Satiriker des Jahrhunderts aus- 
nahmslos grimmig Front gegen das fremdländische Wesen. 
Oft wird hier wie bei Moscherosch der Teufel als Urheber 
genannt,*) zumal da er das Papsttum, die Quelle aller prun- 
kenden Hoffart, erfunden hat. 

Der Eedaktor der Hosenteufelausgabe von 1623 schuf 
^ch dann emen eigenen „Allamodeteufel"*) und be- 

') cf. Erich Schmidt. Der Kampf gegen die Mode in der Littera- 
^^ des 17. Jh. im Neuen Reich. 1880 — Characteristiken S. 68 ff. 

') Moscherosch nennt sogar Osianders Hoffarts-t^redigt (in 
f^ Ausgabe von 1660 S. 41) und zitiert aus Strauss' Kleidefteufel 
^ Verse ; (S. 84.) 

„Ein Mann der schöne Kleider hat 
„Geachtet wird eines Fürsten Rat**. 
•) lieber die Entwickelung des Kleiderteufels handelt nicht eben 
^'[^^dlich Julius Lessing in einem Aufsatz: „Der Modeteufel". Volks- 
"^nÄcbaftliche Zeitfragen. 6. Jahrgang 1884. 5. Heft Berlin. 

1A* 



212 OSBORN 307 

titelte des alten Musculus Predigt nun: „dess jetzigen Welt- 
beschreyten verachten vnnd verlachten Al-modo-Klejder- 
Teuflfels Alt- Vater, genandt der Hosen-Teufel . . ."^) Des 
neuen Dämons selbst nahm sich bald in einer besonderen 
Schrift zuerst Johannes Ellinger, Kaplan zu Arheiligen, 
an. Sein „Allmodischer Kleyder-Teuffel" erschien 
1629 2); er zerfällt in 3 Teile: „1) Diskurs über Allemodische 
Trachten, — 2) Wie ein Hausvater gegen seine modesüchtige 
Ehehälfte vorgehen soll. — 3) Kegulae eines Christlichen 
Eheweibs." Nach alter Sitte bringt der Allemodische Teufel 
7 Begleiter mit: den „müssiggehenden, pflastertretenden 
Spatzierteuflfel*' („die linke wirfft man in die Seyte, die rechte 
spielet mit dem Allemodischen Bärtlein'^), den Tanzteofel, 
den Hurenteufel, Fressteufel, Sauffteufel und den Diebischoi 
und Mordsteufel, den Repräsentanten des Krieges. Die Ve^ 
änderlichkeit der Moden wird durch die Klage ausgedrückt, 
man könne die ,, Allemodischen Monsieurs'^ gar nicht beschreiben, 
da sie sich von Woche zu Woche veränderten, das Verhältnis 
dieser Zustände aber zur politischen Lage wie schon bei 
S trau SS (s. S. 105.) auf den Kopf gestellt: „Ich glaube 
gantz vnd gar, so lang der Allemodische Kleiderpracht, darvon 
man vor 20 Jahren, 10 Jaren nichts gesehen vnd die alten 
Teutschen nichts gewusst haben, nicht sich leget, vnd durch 
die Obrigkeit abgeschaflfet wird, so lange ist auch kein Friede 
in Teutschland nicht.** 

Ellinger ist ein erbarmungsloser Misogyn, er nennt es 
„toll vnd tyrannisch*'^), „das etliche Obrigkeiten so unbe- 
sonnen vnd tollkühn seyen, die nicht gestatten noch zulassen 
wollen, das die Ehemänner jhre Eheweiber je zu weilen niit 
streuchen wann es ja nicht anders sein will, zum gehorsain 
zwingen und dringen sollen**, und dass „etliche Theologastn** 
derselben Ansicht sind *), und meint : „Alle Bossheit ist gerin? 



^) siehe S. 99 Anm. 

2} Frankfurt a. M. bei Carl Unckel. Berlin Kgl. Bibl. Db 3611- 
Goedeke S. 482. N. 34. 
»J S. 38. *) S. 45. 



308 WIKKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 213 

gegen der Weiber Bossheit." ^) Er verlangt von dem Ehe- 
weib in Gesetzen, die er für sie aufstellt, „ob sie auch vom 
Manne villeicht auss Zorn geschlagen würde, soll sie ihren 
Schmertzen daheim verschlucken und verdauen." *) Es ist 
noch dieselbe Starrheit, die wir in Paul Rebhuns Hochzeit 
zu Cana um 100 Jahre früher antrafen. Auseinandersetzungen 
über „Doctor Siemann" erinnern an Nicolaus Schmidt und 
Hosculus, ebenso die Anekdoten, die übrigens eine weit 
geringere Rolle spielen, als wir es bisher gewohnt waren. 

Der patriotische Gesichtspunkt, den Ellinger nur nebenbei 
berücksichtigt, trat besonders hervor in dem um 50 Jahre 
später anonym erschienenen Buche : „Teutsch-Prantzösi- 
8cherAlamode-Teufel*), beschrieben und auf den Schau- 
Platz Deutschlands aufgefuhret und vorgestellt von M. S. Z. 
Einem alten teutschen aufrichtigen Patrioten". 1679. Dresden 
(Melchior Bozens Erben. 4^). Der Verfasser ist von einem 
ehrlichen Zorn erfüllt. „Was nicht nach der Frantzösischen 
Mode reucht, und schmeckt", so ruft er, „das ist uns nicht 
anständig". Und von den Kleidern kommt er auch auf 
andere Fragen ; er wettert, dass mancher „einen Französischen 
Narren höher achtet als einen vornehmen Teutschen Doktor", 
oder er klagt wie Logau „die schöne Teutsche Helden-Sprache 
^ sich nicht mehr zierlich reden lassen, wenn sie nicht mit 
SVantzösischen Worten untermenget und gespikket ist". Nach 
dem Muster von Musculus' Hosenteufel, den er selbst des 
öfteren zitiert*), stellt er polternd die Tracht seiner Zeit 
^r, und die Anekdoten des Frankfurter Superintendenten 
Wutzt auch er noch*). 

In demselben Jahre 1679 gab auch Johann Ludwig 
Hartman n einen „Alamodeteufel" heraus, von dem jedoch 
^^ bei einer zusammenfassenden Behandlung der Schriften 
^eses Verfassers weiter unter die Rede sein wird. 

Auf den anonymen „Teutsch- Frantzösischen Alamode- 
^ TeufeV* stützte sich Michael Freud der Ältere, Prediger 

^ *) S. 42. ») S. 52 (Regel X). «) Das Buch fehlt bei Goedeke. 
) S. 23, 67, 58. ^) Besonders S. 157. 



n 



214 OSBORX 309 

zu Cuppendingen und Flauenhagen in Mecklenburg, in seinem 
Buche: ,,Alamode-Teuffel oder Gewissens-Fragen 
vonder heutigen Tracht und Kleider Fracht .. .'). 
Freud ist nicht zu verwechsehi mit seinem gleichnamigen Sohn, 
der später Conrektor in Lübeck war, vorher in derselben 
Eigenschaft zu Wismar lebte, wo er seinen alten Vater nach 
dessen Ausscheiden aus dem Amt beherbergte. Der ältere 
Freud war ein echter orthodoxer Lutheraner; mit Heftigkeit 
wandte er sich gegen die verbreitete Sitte, Taufen und Hocb- 
zeiten zu Hause statt in der Kirche zu veranstalten; er 
sandte seine Auseinandersetzungen an Spener, der ihm ab 
seinem guten Freund zwar sehr liebenswürdig antwortete^ 
aber doch recht klar und bündig schrieb % er „gehe doch 
lieber mit denjenigen Dingen umb , welche das innere und 
Hauptwerk unmittelbarer berühren, worin wir leider genug 
zu reformiren finden werden^ und später*), dass diese Sache 
nicht „mit grosser Hefftigkeit zu treiben sey, und gleichen 
Eifer meritire als diejenige Dinge, wo Göttliche Gebot un- 
mittelbar übertreten werden Wie ich dann dieses vsi» 

Predigern sonderlich obzuliegen achte, dass wir einen merck* 
lieben Unterschied unter denjenigen Sünden machen, welche 
unmittelbar gegen Gottes Gebote gehen und andern, wo nicht' 
anders als gegen solche Menschliche Verordnung gethan wird*^ - 
Freud hatte in der That wenig Veranlassung, diese trefflicte^ 
Briefe, die er, wie es scheint, durchaus irgendwo veröffent>^ 



^) „ . , , Aui wohlmeinendem Gemüt und Chriitlichem Eifer, »«^ *^ 
sonderbares Begehren beschrieben, mit seinen rechten Farben illuminir^ 
und in öffentlichen Druck gegeben auff das Theatrum dargestellt 
Durch Michaelem Freud, den Aelteren." Hamburg (Peter Ziegler) K 
4^. 304 8. Dediziert der Lübecker Geistlichkeit „Wissmar, den 
Octobris.** — 3erl. Kgl. Bibl. Db 30^1, — Goedeke nennt ihn S. 488 
41 fälschlich Freund. Die Verwechslang mit dem Sohne beging a»-^^ 
Jöcher 9, 747, der diesem einzelne Schriften des Vaters, darunter 3^ ^ 
„Alamodeteufel" und die „Gewissens - Fragen an Prozessen wider <^* 
Hexen** zuschrieb; in Adelungs Fortsetzung 2. 1286 f. wurden die ü»^^ 
nauigkeiten dann verbessert. 

2) Frkf. a. M. 1. Sept. 1682. ») Fr. a. H. 14. Dec. 1682. 



310 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 215 

liehen wollte, seinem Teufelbuch als Anhang beizufügen. Denn 
dies bewegt sich noch ganz im Fahrwasser des alten poltern- 
den Spätlutheriums aus der Blüthezeit der Teufellitteratur, 
und von dem „Unterschied", den Spener verlangte, ist nichts 
zu spüren. 

Freud beruft sich ausdrücklich gleich in der Vorrede 
auf das Th. Diabol. Gleich seinen Vorgängern aus dem ver- 
gangenen Jahrhundert sieht er den baldigen Untergang der 
Welt voraus, den ihm Cometen, Heuschreckenschwärme, Mäuse 
und „grausame hohe Wasser- und particular Sünd-Fluthen" 
verkünden^). In 13 Abschnitten legt er die Sünden der 
Kleiderpracht dar, er meint, während „Qoit der Herr, selbsten 
der Erste Schneider auff Erden gewesen^' ist, haben „die 
Alamoden und Pracht der Kleider die Cainiten erdacht ^^. 
Hauben-, Hüllen-, Nestel-, Bänderchen-, Prünten-, Appetit- 
Teuffel (S. 12), Stolzteufel (S. 36) und Haarteufel (S. 152) 
sind das Gesinde seines Dämonen. „Manche Zucht-, Ehr- und 
Tugend liebende Jungfer" wird „eine blanke Teutsch- 
Frantzösische Alamode-Demoiselle", die „zum öffteren wol 
die ärgste Grund-Hure ist*)". Freud teilt auch einzelne 
Hodegeheimnisse mit, so dass die Damen auch „in Büchern 
Spiegel haben, die sie mit sich in die Eorche nehmen, damit 
^6 ihren gläsern B^th jederzeit in der Eil mögen bei sich 
^ben und wenn man meint, sie lesen und sind sehr andächtig, 
^^ Behauen sie sich und andere im Spiegel"; er erzählt von 
^^^ aufkommenden Tracht der „Loddel- und Zoddel-Haare" *), 
^^^ „Perucqven" (8. 148), von der Mode, das Gesicht zu 
^^iUjQinken (8. 176) und mit Schönheitspflästerchen zu schmücken, 
^^^ das Haar zu pudern, während man besser Asche aufs 
''^^Xipt streue. Die Anordnung, die Airekdoten, der Appell 
*]^ ^tem, Prediger, Obrigkeiten, die Besserungsvorschläge 
^^ ganz nach dem Muster der alten Teufelbücher, die er 
^'terg nennt *) , und vielfach, wie schon bemerkt, nach dem 

») S. 82. «) S. 8. «) S. 44. *) S. 180. 

*) Er zitiert Muse. Hosen-Teufel S. 12, S. 104. — S. 217 Th. 
"öiabol — 8trau88. S. 67 S. 84, 105, 88 f. 



216 OSBORN 311 

Vorgang des anonymen Alamodeteufels geschrieben ^). Weniger 
stark war der Einfluss der zeitgenössischen Litteratur , doch 
werden Moscherosch (S. 43, 69), Erasmus Francisci (S. 34, 
156, 159 u. 0.), Schupp (S. 58), auch Owen, der beliebte enghsche 
Epigrammatiker und dessen schweizerischer College Johannes 
Grob wiederholt erwähnt, daneben Logau zitiert (S. 197), 
ohne dass sein Name genannt wird. 

„Wie der alamodische Teufel gantz sichtbarlich die heil- 
same Buss verspotte" überschrieb dann noch Franz Woerger 
aus Lübeck das 3. Kapitel seines Buches : „Des Teuffels Wei- 
Quast imd Schminck-KesseV' (S. 37 ff.) ^). Aber eine Schrift, 
die 1708 unter dem Titel „die neueste Allamodische Teuffelej 
vnd Zauberey . . .'* ') erschien, entlehnte nur den Titel von den 
soeben besprochenen Büchern. Ihi* Inhalt ist ein während 
eines Postaufenthalts geführter Dialog zwischen einem aber- 
gläubischen Wirt und einem aufgeklärten Fassagier über einen 
Fall von Besessenheit und Austreibung, der kurz vorher in 
Leipzig Aufsehen erregt hatte*). 

Besonders S. 22, 27, 40, 47, 59, 83, 105, 117, 129. 

'-*) Kopeuhagen (Haubald) 1673, 16^ 186 S. Exemplar in Wolfen- 
büttel. 

'*') „ . . . recommeudiret an statt der Alten Fabelhafften Eiuero 
aberg^läubischen bezauberten halben Rechts - Gelehrten (Und zii-jleicli 
allen, so die Zauberey gerne nach der neuesten Mode lernen wollen.) 
Bey Erzählung einer jetzigen recht remarquablen Zauber Creschicbte i» 
Leipzig. Ein Unbezauberter. 1708. 8o. — 31 S. (Goedeke kennt ^^ 
Schrift nicht.) 

*) Das Andenken des Hosenteufcls wurde in unserm Jahrhum'tert 
durch Willibald Alexis wieder aufgefrischt, der in seinem viel {le* 
lesenen Roman „Die Hosen des Herrn von Bredow" die Pluderhosen 
sowie ihren wütendsten Bekiimpfer Andreas Musculus vorführte. ^^^ 
seine Frau Brigitte vom „Waschteufel** besessen ist, so Junker HftJ^' 
Jüchem vom Hosenteufel; und der Hofkaplan Andreas Musculus eüert 
im Gefängnis, wo er den gefangenen Edelmann besucht, gegen *^^^ 
modische Hosentracht, und Häring lässt den polternden Goistlichen 
ganze Abschnitte aus seiner Teufelspredigt vortragen. (Berlin 1846. 1» 
B7ff.; 70 Besclireibung der Pluderhosen ; 71, 74, 84; II, 54 ff. Musculus? 
Zitate aus dem Hosenteufel S. 60 ff. S. 354). Freilich erlaubt sieh der 
märkische Romanschriftsteller einen gewaltsamen Anachronismus, J^"^ 



12 WIRKUNGEN UND NACHKLANGE. 217 

An Zahl der Nachahmungen steht dem Hosenteufel 
unächst seltsamer Weise der Gesindeteufel von Peter 
jlaser. Nach seiner Einteilung, — von den 8 Kapiteln ist 
las letzte ja das positive, während die 7 ersten die Sünden 
ler Dienstboten registrieren*) — schrieb Tobias Wagner, 
Pfarrer zu Esslingen, einen „Siebenfaltigen Ehehalten- 
Ceuffel . .** ^). Er beruft sich auf die Theologen des vergan- 
genen Jahrhimderts, „welche ein gantz .Theatrum Diabolorum, 
las ist einen grossen Folianten von solchen vnd dergleichen 
Deufflen haben zusammen getragen vnd geschrieben/'^ und 
ätiert und benutzt fortwährend seinen Vorgänger. Man ver- 
gleiche etwa: S. 7, 16, 22, 24, 33, 37, 39, 42, 46. 

Wagner klagt sehr über die Missstände, welche die 
Dienstbotenfrage mit sich bringe. „Wer solte gedacht haben", 
äo ruft; er aus % „dass nach ausgestandenem so langwürigem 
^eg das vilissimum genus hominum, Knecht vnd Mägd vns 
allererst solche Sprung selten machen vnd ohne alle Vrsach 
iUer Orten ein Vrsach solcher Zerrüttung vnsers Nehrstandes 
iii vnsem Häusern seyn?" Der Vorlage entsprechend teilt er 
die verderbliche Thätigkeit seines Teufels in 7 Abteilungen 
ßin und fügt Verkündigungen des jüngsten Gerichts, Ermah- 
nungen an die Eegierenden und einen kurzen Schlussabschnitt, 
^erdie 7facbe Thätigkeit „frommer Ehehalten "beschreibt, hinzu. 

Die Einteilung Glasers und Wagners übernahm auch 



Während der wirkliche Andreas Musculus unter Joachim II. lebte, ver- 
^tzte ihn Alexis mitsamt der Pluderhosentracht sehr willkürlich und 
'*^hi8tori8ch um 50 Jahre zurück unter die Regierung Joachims L 
[1499—1636) und liess die Predigt vor der Einweihung der Universität 
^^nkfurt 1606 entstehen (II, 67). 

») Siehe o. S. 126. 

*) Das Buch fehlt bei Ooedeke. „ ... Das ist Ein ernsthaffte 
'^mon von vberhandnemmender Bossheit der Ehehalten vnd Dienst- 
^tten jetziger Zeit". Ulm 1651. 40. — Berl. Kgl. Bibl. Db 8661. — 
Wagner war nach der Vorrede in Esslingen 27 Jahre lang Prediger, 
^'orW S Jahre Diaconus. — Ueber das Wort „Ehehalten" — Dienst- 
^te cf. Deutsches Wörterb. 3, 43 f. 

») Vorrede. *) S. 27. 



I 



218 OSßORX 313 

Balthasar Schupp in seiner Schrift: „Sieben böse Geister, 
welche heutiges Tages Knechte und Mägde regieren und Te^ 
fuhren . . ." ^). Er schreibt darin nun zwar: „Im Theatro 
Diabolorum stehet ein Tractätlein, welches ein gelehrter Mann 
M. Peter Grlaser, gewesener Prediger zu Dressden gemachet 
hat und nennet es den Gesindteufel ^). Indem ich an dieses 
Tractätlein gedenke, dünket mich, es sei nicht einer, senden 
sieben Teuffei, welche das gemeine VoUk, Knechte und Mägde 
heutiges Tages regieren vnd verführen", aber seine 7 Teufel 
sind nichts als Repräsentanten von Glasers Capiteln; auch 
sonst hat er sich in der Disposition im einzelnen ganz nach Um 
gerichtet, seinen 8. Abschnitt auch noch hinzugefugt, roA 
Bibelzitate, Sprichwörter, Anekdoten massenhaft herüber- 
genommen, ohne die Quelle ein einziges Mal ausser der an- 
gegebenen Stelle zu nennen. Zum Schluss empfiehlt er noch 
die Schrift des Nürnberger Predigers und Liederdichters 
Johann Michael Dielherr, „von Knechten und Mägden^. 

Schupps Büchlein fand am Ende des Jahrhunderts einea 
scharfen Kritiker an Philemon Menagius, der es ^^^ 
sich gantz unvollkommen, auch weder mit Exempeln nool* 
Sprüchen der H. Schriflft noch mit andern VernunflFts EegeU^ 
genug aussgezieret" fand. Er suchte Ersatz zu bieten i^ 
einem dicken Buche: „Die Sieben Teuffei, welche fast in de^ 
gantzen Welt die heutige Dienst-Mägde beherrschen und ve^* 
führen. Zum Schrecken der bösen unter sieben Hauptstücke! "^^ 
fürgestellt, als da sind der Hoffarts-Teuffel, der Diebsteuff^^' 
der Hurenteuffel, der Lästerungsteuffel, der toUköpfige Teuff^^^ 
der Schleckerhafte Teuffei und der Heuchler-Teuffel" ^. 0^^ 
bot darin allerdings viel mehr als eine Zerlegung des GesinA^' 
teufeis, wie Schupp sie gegeben hatte, und das Buch stell- ^* 
sich geradezu als ein Auszug des Theatrum Diabolorum dat^^ 



') ., . . . Zur Abschewung vorgestellet durch J. B. Schuppiuxn 
Hamburg (Georg Pape) 1658. — S^^min. 

-) Blatt. Biij2. 

•'') Frankfurt (Phibpp Fievers) 1693. 8<>. Torr. + 278 S. "^^ 
Titelköpten. Ber]. Kgl. Bibl. an Nd 480. 



314 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 219 

mit Zusätzen aus den Werken der jüngeren Vorgänger, nach 
deren Muster auch Erasmus Francisci als Anekdotenquelle 
benutzt wird^). Das Kapitel über den Hoffartsteuffel giebt 
Gelegenheit, weitläufig über die Mode zu handeln. Es ist 
nun auch hier wie im Teutsch-Frantzösischen AUamode Teufel 
die Pariser Tracht, die bekämpft wird'): „von dem Nieder- 
landischen Ejrieg mit Frankreich von Anno 1672 in Holland 
hat alles aufif die Frantzösische Mode sich gekleidet und allerley 
Frantzösische Sitten, Complimente und die Frantzösische 
Sprach selbst häufig daselbst gebraucht." Die modischen Sitten 
werden drastisch geschildert ^) : „Bald müssen sie ihre Haare 
ans den Augenbrauen mit Zänglein zerren, dass sie ihrem 
Vorhaupt ein breiter Ansehen geben und die Augenbrauen 
schmaler werden. Sie boren die Ohren mit Pfriemen durch, 

darüber etliche unsäglichen Schmertzen empfinden, 

damit sie den heydnischen Amerikanern aus West-Indien in 
diesem Stück mögen ähnlich werden. '^ Es folgt, wie früher, 
Preis der Patriarchenwirtschaft, Lob der Kleiderordnungen. 
Bezeichnend für die Anschauungen des Verfassers ist in dem 
Abschnitt über den Hurenteufel die Bemerkung „das fleissige 
Besuchen der Comödien erwecket rechte Feuerbrände der 
^keuschen Bewegungen^' % ebenso „das auffrichten der nacken- 
den gehauenen Bilder in den Lusthäusem und Gärten, als 
^^n sie der Venus wären zugeeignet^ Dabei verschmäht er 
^ selbst nicht, vorgeblich zur Abschreckung, seitenlang pikante 
^^^hichten zu erzählen, was ihm übrigens nicht ohne Grazie 
«öUngt *). 

Ganz im alten Ton geschrieben ist das im Titel sich an 
^P^genbergs Buch „wider die böse Sieben ins Teuffels Caniöffel- 
*Pi«l" anschliessende „Carnüf fei Spiel des Teuf f eis... "•) 



') cf. S. 118, 116, 124, 144, 163, 183, 186. 

*) 8. 84. ») S. 80. *) S. 137. ») S. 161fif.— 169. 

*) „ . . . Dadurch er als ein Tausendkünstler vielen Millionen 

Menschen bisshero Himmel, Seel und Seeligkeit abgewonnen hat ..." 

i^tun drittenmahl gedruckt zu Quedlinburg bey Johann Ookelln. Im Jahr 

1^." .^ Berl. Kgl. Bibl. im Vol. misc. Be J984. — FehltbeiGoedeke. 



220 OSBORX 

von Christian Warner. Dieser Name ist 
ein Pseudonym wie der Titelzosatz: .^Der sinte 
Welt auss Christlicher Intention zur tre 
Warnung beschrieben von Chr ... W . . . der 
beflissenem'^ zeigt. Der Verfasser hatte den Zweck 
fjdsLSB die Dopler und Spieler dadurch auch, in dei 
Charten in der BLand haben, in etwas ihres Chrii 
erinnert werden, wahrzunehmen wie jhnen der Teuff 
andern Werken, also auch nicht weniger in dem 
süchtigen Spielen, auf mancherley art und weise mi 
schweren, Lügen etc. nachstelle, Seel und Seeligk 
damit abzugewinnen." Nun folgt eine durchgefül 
gleichung, wie jeder einzelnen Karte oder Kartenkoi 
und ihrer Bedeutung im KarnüfFel-Spiel entsprec 
Teufel auch eine Karte auszuspielen habe, wobei 
eine unfreiwillige Anleitung zu diesem Kartenspiel 
wird. Ein Beispiel wird genügen: „Gleich wie 
Camüflfel-Spiel die Fünffe Ein solch Blätlein ist, d 
die andern alle erlauschen ynd erwehlen kan, (lass i 
das höchste und beste Blat dafür nennen darf: Als( 
der Teufel in seinem Camüffel- Spiel unsere füi 
nicht anders als ein solch Blätlein, dadurch er 
Menschen Seel in allen occasionen erlangen kan. 
nur wünscht und begehrt, denn durch sehen, hören 
schmecken, fiihlen wird der Mensch zu allem l 
reitzet". 

Das soziale Unglück des kriegerfüllten Jah 
war noch weit mehr als früher der „gartende^* Lau 
der raubende Soldat; ihn finden wir in all den ^ 
und ebenso in den noch folgenden Schriften als 
aller Schlechtigkeit; Moscherosch gab in seinem 
„Soldaten Leben" eine umfangreiche satirische Sc 
dieser Verhältnisse. Es konnte nicht fehlen, dass 
Soldaten teufel entstand, zumal da Pape und auch 
hier den Weg wiesen. Er erschien noch inmi 
Kriegslärmes 1633: „Kriegs ßelial der So 



16 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 221 

'euffel . . ."^) von Arnold Mengering, kurflirstlich 
ichsischem Hofprediger, den Kurfürsten von Sachsen und 
trandenburg, Johann Georg und Georg Wilhehn, dediziert. 
lach Erasmus' Unterscheidung des miles Christianus und des 
alles profanus — z. B. David proeliatur, ut defendat coelestem 
loctrinam, Julius proeliatur, ut suam dignitatem defendat — 
letzt der Verfasser in behaglicher Breite die Berechtigung 
les ersteren und die Sündhaftigkeit des letzteren ausein- 
ander, beschreibt weitläufig in Cap. 6—16 nach dem Muster 
ßhodes (im Neidteufel) die einzelnen Glieder des Soldatenteufels, 
ja auch seine „Zucht vnd Generation" und benutzt die Her- 
leitung seines Dämonen aus der verderblichen Thätigkeit un- 
gerechter kriegerischer Fürsten aller Zeiten zu umständlichen 
Ä.nekdotenerzählungen. 

Noch manche der anderen Spezialteufel lebten wieder 
auf: so Friederichs Saufteufel in des Halberstädter Pastors 
Heinrich Ammersbach „Philosophischem Sauff-Mantel, 
äarinn sich der Wollüstige Sauflfteuffel verkappet und ver- 
kleidet . . ." ^), hauptsächlich gegen Diejenigen gerichtet, welche 
lue und da einmal einen kleinen Bausch als Ausnahme gelten 
lassen wollen, und die damit abgefertigt werden, dass man 
auch nicht „ab und zu" Mord und Diebstahl begehen dürfe. 

Der schmeichlerische weisse Teufel, der den Refor- 
löierten von den Lutheranern schon früher beigelegt wurde, er- 
scheint in derselben Eigenschaft als Protektor der Calvinisten 
^eder in einem aus dem Englischen übersetzten und zuOflFenburg 
ölüie Jahreszahl erschienenen Buche, das jedenfalls dem Ende des 
l[j ahrh.an gehört:„Diemit Teuffeinbesessene Welt../**). 

') „ . . nach Gottes wort vnd gemeinem lauff der letzten Zeit. 
^i^ifältig vnd kürtzlich entworffen vnd beschrieben von . . . ." Dresden 
1^ (Wolf Seyffert). W, — 600 S. ! 

') „ . . . Dass Ihn die rohen und sichern Weltkinder in seiner 
^^esslichen und gresslichen Mord- Gestalt nicht alsbald erkennen und 
*^^eueii, sondern für einen Engel des Lichts halten und anbeten." 2. 
Auflage 1605 zu Quedlinburg bei Johann Ockelln gedruckt. 

•) „ ... in drey Gesprächen: 1. Von dem lossgelassenen Teuffei. — 
2. Von schwartzen Teuffein. — 3. Von weissen Teuffein**, gr. 8« 160 S. 



222 08B0RX 317 

Ohne eigentliches Vorbild in der Lüteratur des 16. JL 
ist der ,,Faass-nachts Teuffei . . ." des Heinrich 
Lubertus, der wie Mosculos' Hosentenfel eine Vorgeschichte 
auf der Kanzel hat. Am Sonntag luTOcavit 1672 nämlich 
predigte Lubertus „dass solch Fast-nachts-wesen eine An- 
betung des Teuffels sey, vom Teuffei selbst erfunden, und auf 
des Teuffels Antrieb von seinen Eandem getrieben^' (S. 7), 
und um den zahlreichen Anfeindungen und Verleumdungen, 
die sich infolgedessen wider ihn erhoben, zu begegnen, schrieb 
er seinen Traktat. In 17 Paragraphen werden die Sünden des 
Fastnachtstreibens Yorgeführt, ihre Folgen nach Art der yo^ 
ganger mit zahlreichen Exempeln illustriert, über die er aber 
nach jedem Abschnitt in Anmerkungen genaueste Bechenschaft 
giebt. Zum Schluss folgen noch 5 Fragen rein theologischer 
Natur^ die mit grosser Gelehrsamkeit entschieden werden. 

Ohne Vorgänger ist ebenso der 1604 erschienene „Ge* 
wissensteuffeP*. Sein Schöpfer ist der vielseitige H e i n r ich 
Decimator, der Schulmeister und Prediger zu Mühlhansen 
im Lüneburgischen, der neben seiner ausgedehnten theologischen 
und philosophischen Thätigkeit sich durch astronomische und 
astrologische Schriften bekannt machte und sich auch einen 
Platz unter der Schaar der poetae laureati gewann. Der 
„Gewissensteufel" ist verwandt mit dem „Melancholischen"; 
er pflanzt den Menschen nach den Sünden die nagenden, 
verzehrenden Vorwürfe, die bittere Traurigkeit ins Herz und 
zieht sie von der frommen, innigen, G-ott vertrauenden Beue 
ab. Eine längere Vorrede ist ganz nach Jost Hocker's 
,jTeuffel selbs" gearbeitet, der auch b- als Quelle genannt 
ist. Auch das Theatrum Diabolorum kennt Decimator (C4. 
c ^ '-, d -), und ganz im alten Stile ist seine Disposition, seine 
Katalogisierung der schädlichen Folgen, seine Aufzählung der 
alten Quellen. Als neues Element tritt jedoch die Benutzung 
der alten Mystiker hinzu: am Schluss druckt er S. 182;89 
„die erbermliche klage Amandi Seus vom jmmer wehret* 
den Wehe der Helle** ab, und wenn er S. 150 sagt, di* 
Menschen sollen sich, wenn Gottes Zorn über sie dahin ^^ 



318 WIKKUNGEX UND NACHKLÄNGE. 223 

fahren droht, „in die hohlen Wunden Christi verbergen vnd 
kriechen^S so wissen wir, dass wir die Quelle für diesen Satz 
nicht bei den orthodoxen Spätlutheranem zu suchen haben. 
Ein kulturhistorisches Compendium, ähnlich wie das 
Theatrum Diabolorum selbst, ist das zweifellos auch auf An- 
r^^ung durch die ältere Teufellitteratur entstandene bekannte 
Baeh Ton Aegidius Albertinus „Lucifers König- 
reich vnd Seelengejaidt oder Narrenhatz^' ^), das 
ja Tor kurzer Zeit erst durch £. v. Liliencran eine Erneuerung 
fefunden hat. Der weitere Titel zeigt gleich die Disposition 
des Ganzen : „In 8 Theilen. Im 1. wird beschrieben Lucifers 
Konigrdch, Macht, Gtewalt, Hofhaltung, Hofgesind, (Meier 
^d Diener, die Hoffertigen, Ehrgeitzigen vnnd FtLrwitzigen. 
^. Gteitzhälss, Wucherer, Simonisten, Bäuber. 3. Fresser, 
S&offer, Schwelger und Störtzer^ u. s. w. Diese Einteilung der 
Stttder, dazu die Auftählung von Teufelnamen, die Verkün- 
digungen des Weltuntergangs, wo 8 Teufel sich in die Mensch- 
lieit teilen werden, die Drohungen und Ermahnungen, die 
Vorffihrung der Rüstung des Teufels und der Büstung der 
CSiiisten erinnern an die früheren Darstellungen, und neben- 
W läuft noch, wie ja schon der Titel zeigt, die alte Tor- 
stellung Ton den Sündern als Narren. 

Spielten schon in Moscheroschs satirischen Phantasien 
^ zumal in seinem Eingangs-Gesicht, das seine Betrach- 
teigen an die Bekenntnisse seines Titelhelden; des ,,Schergen- 
tetfek^ «iknüpft, sowie ganz besonders in dem 7. Gesicht 
nHof-SehuIe^^ die Motive unserer Teufellitteratur eine Bolle ^), 

') München 1616. 

*) Im 7. Gesicht werden (nach der Ausgabe von 1560. I, S. 655 
^' 668 ff.) folgende Spezialteufel aufgezählt: ,,Zepar, ein Teufiel der 
^^ode-kleider und unzüchtiger Weiber/* „Busas, ein Teuffei der Zanck- 
^d Hordsüchtigen/* „Malefar, ein Teuffei der Verzweifl'elung," „Sytrus, 
«Wi Teuffei der Geilheit," Pogman, ein Teufel der Hoffart; Chax, Ehe- 
^«1; Furcas, „philosophischer Vemunfts- Teuffei'*; Amduscias, Ver- 
^w des Gesindes ; Flancos, Lüge und Betrug. Danebem neue Teufel : 
»»AItst^ ein Verderb-Teuffel der guten Künste"; Zagon, ein Teuffei der 
Wsohen Müntaer, Kipper und Goldbescheider ; Marchocias, ein Teufel 
^Fpanxösischen Fläche und Gotteslästerungen. 



224 OSBORN 319 

so trat dies ebenfalls hervor bei einem Nachahmer des Que- 
vedo - Uebersetzers , bei Balthasar Eindermann, der 
1636 geboren, seit 1659 Conrektor und seit 1664 Rektor an 
der Schule zu Alt-Brandenburg war, einem Schützling Bists, der 
ihn auch zum Dichter krönte. Mit dem Pseudonym Cur an- 
der veröffentlichte er unter dem Titel „ Wahrhaffliger Traum 
und träumende Wahrheit, betreffend den ietzigen neuen ün- 
deutschen Zustand in gantz Deutschland^^ eine Kopie des 
Alamodekehraus ^) , und zahlreich sind die Anklänge an Ifo- 
scherosch auch in seinem „Schoristenteuffel" *), wo 
Christiano und Mundano, die wie Dante und Yirgil die flölle 
durchschreiten, dort ^^übertriebene Jäger'S Geizige, Ehrgeizige, 
Undankbare, Falsche, Wuchertreibende, ungetreue Nachbam, 
unchristliche Soldaten, Hurer, „Gottlose Zeugen*', Plucher, 
Gotteslästerer, Prächtige und Hochmütige, in einzelne Ab- 
teilungen untergebracht, vorfinden, während über den Gruppen 
in den Lüften Geisterstimmen in Versen (Alexandrinern) Sünde 
und Strafe der betreffenden Verdammten verkünden. 

In diese Sphäre gehört auch Veridor v. Stackdorn 
mit seinen Phantasien : „Barbatos, d. i. der Teufel der Un- 
einigkeit." (Leipz. 1664.) — " „Eligor und Permalfar, d. i. 
der Soldaten- und Verzweiflungsteufel. Zweites Gesicht" 
(Lpz. 1664.) — „Belfry, d. i. der Goldmacherteufel. Drittes 
Gesicht." (Ijpz. 1664.) ^). Nur das zweite Werk war mir 
zugänglich; es stellt eine Wanderung durch die hölhscben 
Reiche des Eligor, des Teufels der Soldaten und des Permalfarr 
des Teufels der Verzweiflung dar, welche beide sich vereinigt 
haben und nun zusammen herrschen. Ein Teufel Bellot über- 
nimmt die Führung und zeigt dem Verfasser ein Schauspiel* 
das der erste der beiden unterirdischen Fürsten dem zweiten 
zu Ehren veranstaltet. Es ist dies ein Festspiel „der Soldaten 
Leben" (S. 37 flf.), ein Abbild der noch auf Erden existierenden 

^) cf. Erich Schmidt. Im Neuen Reich, a. a. 0. 
-) Jena 1661. 12». Berl. Kgl. Bibl. Db 3711. 
••') cf. Goedeke« II, 482. No. 37. Ebert, Bibliograph. Wörterbucb 
unter „Teufel". — Exemplar des 2. Gesichts in Wolfenbüttel. 



320 WIRKUNGEN UND NACHKLANGE. 226 

Zustände. Der Verfasser gerät in eine umherziehende Soldaten- 
bande , und nun wird mit kräftigen Strichen das wilde Leben 
der Krieger gezeichnet, das fürchterliche Unglück, das über 
Deutschland gekommen, und die entsetzlichen Grausamkeiten, 
welche die zuchtlosen Gesellen verüben. Alles wird, ganz 
anders wie bei Pape oder bei Mengering, mit einer Lebendigkeit 
and Anschaulichkeit geschildert, die stellenweise an den Sim- 
plicissimus mahnt, und aus tiefstem Herzen kommt es, wenn 
der Verfasser bei den Gräueln und Zerstörungen, die er mit 
ansehen muss, schmerzlich ausruft: „Wer hier hätte ein 
steinern Hertz gehabt, hätte doch weinen müssen.^ (S. 103). 
Curandor- Kindermann fand nicht durch Moscheroschs 
Vermittelung allein Anschluss an die Teufellitteratur, sondern 
gesellte sich zu ihren unmittelbaren Eortsetzem durch sein 
Süchlein „Die bösen Sieben, von welcher heut zu 
Tage die unglücklichen Männer grausamlich geplagt 
werden." (1661)^), indem er hier vieles aus Musculus' Ehe- 
teufel benutzte*) und die alte Einteilung der Epistola de 
miseria Plebanorum übernahm, die auch noch J. G. Zeidler, 
der spätere Übersetzer der Epistola seiner (anonym erschienenen) 
Schrift „Sieben böse Geister, welche heutiges Tages guten 
Teils die Küster regieren^ zu Grunde legte*). 

Der eifrigste unter den Nachahmern der alten Teufel- 
bücher möge den Schluss bilden. Es ist Johann Ludwig 
Hartmann, lange Jahre Superintendent in Botenburg an 
der Tauber, wo er auch 1640 geboren wurde und 1684 starb. 
Er beschäftigte sich viel mit Teufel- und Hexenwesen. 1678 gab 
er eine Sammlung „Neue Teuffel-Stücklein^ ^) heraus und schon 
vorher hatte er begonnen, die Teufelbücher des Theatrum 
Diabolorum teils zu bearbeiten, teils zu eigenen neuen Trak- 



^) cf. Muncker ABB 16, 734 ff. Goedecke erwähnt die Schrift nicht. 

^ cf. Eawerau, Lob und Schimpf des Ehestandes in der Litteratur 
des 16. Jh. Preussische Jahrbücher 69. 

") Halle o. J. 8«. 

') Frankf. — 4^. 6 Bogen. Angezeigt in den y^Unschuldigen 
Nachrichten'* von 1715 S. 969. 

15 



226 OSBORN 821 

taten za benutzen. Hartmann war keineswegs ein geschickt«' 
Schriftsteller; zu einer hölzernen ünbeholfenheit im Ausdrack, 
der oft unerträglich in die Breite geht, gesellt sich eine Un- 
klarheit in der Disposition, welche die Planlosigkeit mancher 
seiner Vorgänger bei weitem überbietet. Dabei hat er sogar 
das Bestreben nach einer beinahe schablonenm&ssigen Gleich- 
förmigkeit der Behandlung. Denn in den Titeln ist stets 
durch den Zusatz, es solle des betreffenden Teufels „Natur, 
Oensur und Cur, Mannigfaltigkeit und Abscheulichkeit'' ge- 
zeigt werden, eine Einteilung versucht, und er sagt selbst^), 
er wolle die Dinge immer „eben in dem Methode und Ordnung 
vorstellen.'' Er ist im grossen und ganzen lediglich ein Nach- 
ahmer der alten Teufellitteratur, zu deren alten Bezepten er 
gelegentlich einige kleine Zuthaten aus dem Vorrat der zett- 
genössischen Satiriker hinzufügt. Dass er einen Alamode- 
teufel schrieb, wurde schon bemerkt, und darin gelang es 
ihm noch am besten, selbständiges zu geben; freilich schöpfte 
er auch hier fortwährend aus dem alten Sammelwerk, aus dem 
Eheteufel (S. 46), dem Hosenteufel (S. 162), dem Hoffarts- 
teufel (S. 101, 147), dem Tanzteufel (S. 222) und nennt das 
Theatrum selbst sehr oft^). Sonst aber ist, was er bietet, 
nicht viel mehr als eine Aufarbeitung der alten Schriften, 
sein Lästerteufel (1679) ist nach Portas Lügenteufel 
(cf. S. 208), sein TanzteufeP) (1677) nach Daule*), sein 
Saufteufel (1679) nach Priederich, sein Spielteufel 
(1678) nach Schildo*) gearbeitet, der Schmeichel- und 
Fuchsschwanzteufel (1679) eine Aufwärmung vonJoli' 
Rh od es gleichnamigem Buch, sein Müssiggangteufßl 
(1680) eine Erneuerung des Westphalschen Faulteufels. Sei^ 
Fluchspiegel, natürlich dem Fluchteufel des Andrea 
Musculus nachgeschrieben, bringt wieder mehr selbständig^ 
zumal über die neuen forstlichen Edikte gegen das Flucb^^ 



Im Lästerteufel S. 208. 

-) S. 127, 249, 257, u. a. 

«) Tanzteufel 1677 (diese Ausgabe fehlt bei Goedeke) u. l<57 

*) cf. Tanzt. S. 30, 32, 78, 84. ») cf. Spielt. S. 102, 114, 1^ 



322 WIEKUNGEX ü:sD NACHKLÄNGE. 227 

unter deneo besonders eins aus dem Jahre 1609 eine Bolle 
spielt ^), das der Markgraf von Brandenburg erlassen hatte. 
Neben diesen Bearbeitungen schrieb Hartmann nach 
altem Muster zahlreiche andere selbständigere Bücher, in 
denen er seinen Zorn über die schlechte Zeit unter der alten 
beliebten Teufelsmaske in die Welt schickte. So entstand 
ein ,,Staat8-Teufel oder Anatomie der verkehrten 
Staats-Baison^', ein ,,PriTat- Interesse-Teufel^^ 
ein yySchmiralien-TeufeF und der Entwarf zu einem 
nPräcedentz-Teufel'S^) den er am Schluss des Tanz- 
teofels abdrucken liess. 

um die Wende des 17. Jahrhunderts verschwinden die 
Teufelbücher vom deutschen Büchermarkt. Der lutherischen 
Orthodoxie, aus deren Beihen ihre Verfasser samt und son- 
ders stammten, war schon lange der Pietismus wirksam ent- 
gegen getreten ; das grobe Geschütz der Polemik Luthers und 
der Seinen, die Waffen der „aristophanischen'^ Jahrhunderte 
waren im Verlauf der Zeit so völlig abgenutzt, dass sie nicht 
mehr zu brauchen waren, und der trotz aller Macht doch 
schon sinkende Teofelsglaube der Zeit bot nicht mehr recht 
die Grundlage für eine Litteratur, die doch aus ihm entstanden 
war und inuner mit ihm Fühlung behalten hatte, wenn sie 
auch immer mehr und mehr von eigentlicher Dämonologie 
sich entfernte und nur ihre Büchertitel von dieser borgte. 
Bas Befremdliche, das schon um 1700 bei der Lektüre jeder- 
inann empfand, zeigt am besten Zeidler, der Übersetzer 
der „Epistola", gewiss ein unverdächtiger Zeuge, wenn er in 
der Vorrede schreibt: ,,Man muss sich an die Bedensarten 
laicht kehren, dass die lieben Alten so einfaltig gewesen und 
^Qes, wie es ihnen ins Maul kommen, Teuffei geheissen, nach 
dem Sprüchwort : homo homini diabolus. Was mich anlanget, 
ftj^shte ich mich weder vorm Teuffei, noch vorm grossen 
MognL" Die homiletische Bedeutung der Teufelbücher aber 

I ») S. 153 ff. 

')Jöcher führt noch einige Teufelschriften des Botenburger 
Sttpemtendenten an. 

16 • 



228 OSBORN 323 

schätzte man sehr wohl noch, und in einer Anzeige des 
Theatrum Diabolorum in den ^^unschuldigen Nachrichten^^ 
von 1712 heisst es (S. 76): „Ist ein sehr nützliches und 
löblich-würdiges Werk, in welches vieler gottseliger Männer 
Schriften wider allerhand im Schwange gehende Laster zu- 
sammen getragen sind, daraus ihr Eifer vor die Gotseeligkeit 
abzunehmen ist und Prediger viel schöne C!ollectanea und 
Argumenta wider die Sünden der jetzigen Welt nehmen 
können.^' — ein Urteil, das noch im Jahre 1745 Johann 
Hein r. Zedier in sein üniversallexikon aller Wissenschaften 
und Künste unverändert au&ahm.^) 

Indessen derEinfluss derTeufellitteratur war doch vorüber, 
und es ist Minor wohl kaum zuzustimmen, wenn er noch eine 
unmittelbare Einwirkung auf den jungen Schiller für möglich 
hält ^). Nur die Namen der höllischen Gesellen blieben leben, 
sie bürgerten sich ein und wurden zu festen Bestandteilen 
des deutschen Sprachschatzes^). Darin beruht neben der 
kulturhistorischen Leistung das dauernde Verdienst der luthe- 
rischen Schriftsteller des Theatrum Diabolorum, dass sie neue 
Worte prägten, die noch nach drei Jahrhunderten volle Gel- 
tung besitzen sollten. Sie verstanden, der eine mehr, dei 
andere minder, aber doch alle bis zu einem gewissen Grad^^ 
die bewundernswerte, uns nahezu völlig verloren gegangen^^ 



Bd. 43. Sp. 468. 

^) Minor, Schiller I, 172 f. bei Gelegenheit der Besprechung dt 
verlorenen Gedichts „Triumphgesang der HÖUe" (Goedeke I, 11( 
Schiller war von Cranz beeinflusst (cf. Vierteljahrschr. f. L.-G. II, 3t 
Anm.), der sich nach dem katholischen Teufelsaustreiber Johann Jose 
Gassner (Rosskoff II, 496 ff., Adelung, Fortsetzg. zu Jöcher 11, 1347 
„Peter Grassner den Jüngeren" nannte und unter diesem Pseudonj-m 
Buch „Gallerie der Teufel" 1776—7 schrieb, das Schiller sehr gern 1 
und in dem allerdings eine aus den einzelnen personifizierten Sünd- 
zusammengesetzte teuflische Familie zur Blocksbergversammlung sL 
einfand (1. Stück. S. 144 ff.), ohne dass man jedoch auch hier an ei 
direkten Einfluss des 16. Jh. glauben müsste. 

») cf. Dtsch. Wörterbuch IV, I, 2,2823; IV, U, 1668; 692; 19 
V, 1082; VI, 1283; Vm, 1886; XI, 276. 




324 WIRKUNGEN UND NACHKLÄNGE. 229 

Kunst ihrer Zeit, mit spielender Leichtigkeit Abstraktes zu 
Konkretem, ünsinnliches zu sinnlich Greifbarem umzugestalten 
und durch bunte Bilder, durch lebendige Personen, durch 
fassliche Verkörperungen zum ganzen Volke so zu sprechen, 
dass jedermann sie verstand und jedermann seine Freude 
daran hatte. Heute noch, wo der Teufel seine lange mächtig 
behauptete Stellung im Leben des Volkes, im Kampf der 
Geister und somit auch in der Litteratur verloren hat, wo 
uns die Anschauungswelt des Beformationszeitalters und seiner 
Menschen ganz und gar entschwunden ist, leben in unserem 
Munde noch die Teufel aus Feyerabends Riesenfolianten. Auch 
sie legen Zeugnis ab von der übermächtigen Sprachgewalt des 
16. Jahrhunderts. 



Nachträge. 



Zu S. 81. Über Spangenberg siehe jetzt auch Edward Schröder in der 
Allgem. dtsoh. Biogr. 85 (1698), 87—41. 

Za S* 84. Über Sigm. Feyerabend cf. die Monographie von Heinr. Pall- 
mann (-*» Archiv für Frankfurter Geschichte u. Kunst. Neue 
Folge VII) 1881. 

Zu S. 48. Zu dem Glauben, die Hölle bilde sich erst nach dem jüngsten 
Gericht cf. auch das vielgelesene „Fortalidum fidei^ des Alfonsus 
de Spina (Norinb. 1494. 4«. Anton Koberger. BerL Egl. Bibl. De 
2288) Bl. CGLXXIVf.: De habitatione Demonum post casum. 

Zu S. 71. Anm. 4. über Musaeus' Leben cf. noch I^uckfeld, Historia 
Spangenbergensis S. 54 Anm. ggg. Ein Brief des Hinisteriums 
in Eisleben vom 15. Juli 1576 beweist seinen Tod in diesem Jahre. 
Dass er nicht 1582 gestorben sein kann, wie Schimmelpfennig be-- 
hauptet, zeigt schon der Titel des Spekulationischen Teufels - 
„ . . durch D. Sim. Musaeum Selig beschneben 1579.'' 

Zu S. 81. Der Teufel als Erfinder des Spiels: „Lamberti Danaei i: 
Academia Lugduno Batava Theologiae Professoris olim Celeberrii 
opuscula omnia." Generae 1664 (Berl. Kgl. Bibl. Be 5214 FoL '^. 
De ludo aleae. X. (S. 214—22). 

Zu S. 84. Der Teufel liebt den Tanz: cf. Hans Sachs, „der TeuffW=^l 
sucht ihm ein Ruhstatt auf Erden." (1554). Der Teufel kann ^l=^*' 
nirgends auf die Dauer aushalten, weder bei Hof noch beim BiscL 
noch sonst irgendwo ; da kommt er an einem Tanzboden vorüb - 
und beschliesst, dort zu bleiben. 

Zu S. 104. Anm. 5. Der Nürnberger Hat erlässt Verordnungen gegen 

Lätze, cf. Alwin Schultz, Dtsch. Leben im 14. und 15. Jh. S. 33^^ -* 

Zu S. 118. Anm. 5. „Doktor Siemann" im Sprüchwort cf. M. Frie( 
Petri, Der Teutschen Weisheit. Hamburg 1605. II, 153 (Be 
Kgl. Bibl. Yd 1942.) 

Zu S. 119. Die Weiber werden nach Lastern eingeteilt in Geilers Inter -^ 
pretation des 64. cap. des Narrenschiffs („Von l)ösen Weiberm- *^. 
cf. Scheibles Kloster I, 572. 

Zu S. 123. Zum Hurenteufel cf. Hans Sachs, Comedia, darinn 3^i^ 
Göttin Pallas die Tugend und die Göttin Venus die Wollust vei 



326 NACHTRÄGE. 231 

ficht (1530). Hier erscheint Satan als Diener der Wollust vor 
Karls V. Richterthron. 
Zu S. 123. Andr. Hoppenrodts Heimat war nicht, wie Jöcher und 
Zedier melden, Heckstadt, sondern Hettstedt im Mansfeldischen. 
Er schrieb auch eine kleine Chronik dieser Stadt: „Kurtzer und 
einfältiger Bericht von der Stadt Hettstädt. In 18 Capitel ver- 
fasset, und Anno 1664 zusammen gfetragen durch Andr. Hoppen- 
rodt''; gedruckt erst in der „diplomatischen und ourieusen Mach- 
lese der Historie von Ober-Sachse n** herausg. v. Schöttgen und 
Kreysig. V (1731), S. 60—160. 
Zu S. 161. Herma'nn Strack versah sein Amt an der Bergkirche auf dem 
Christenberg wohl nur nebenbei. Er war (naoh Strieders hessischer 
Gelehrtengeschichte) um 1563 und wohl auch noch 1575 Prediger 
zu Müncbhausen bei Marburg ; er starb, 62 Jahre alt, am 19. Juni 1593. 
Zu S. 213 siehe zu S. 220 f. 

Zu S. 220 f. Ein „Teutsoh-Frantzösischer Soldaten-Teuffel** befindet sich 
auch, wie mir Herr Dr. Bolte soeben in letzter Stunde mitteilt, 
im Kisc-Bd. 0,5, 341—60. 4* der Grossherzogl. Bibl. zu "Weimar. 
Sein Verfasser ist M. S. Z., der Anonymus des „Teutsch-Frantzö- 
sischen Alamode-Teuffels." 
Za S. 222. Der vollständige Titel des Eassnachtsteufels lautet: „Faass- 
nachts-Teuffel / das ist : Kurtzer / doch Schrifftm&ssiger Unterricht / 
dassdasFaas-nacht-schwermen/ Sauffen/ Tantzen/ Herümblauffen/ 
Rasen etc. nichtes anderes als eine heidnische und schändliche 
Anbetung des Teufiels sey. Wobey fünff Fragen kürtzhch er- 
örtert und binden angesetzet. Alles zu Gottes Ehren und Besserung 
des Nechsten aus Gottes Wort aufFs einfältigste entworfTen Von 
Henric. Lubertus Pastor zu Böhlendorfi*. Verlegts Ulrich Wet- 
stein/ Buchhändler in Lübeck. Anno 1673." 16o. 120 S. Exemplar 
in der Herzogl. Bibl. zu Wolfenbüttel (935). 
^^ S. 222. Der vollständige Titel des Gewissensteufels lautet: „Ge- 
wissens teuffei / das ist: Einfeitiger vnd Gründlicher Bericht von 
dem aller erschrecklichsten/ Grewlichsten / vnd grossen TeulTel/ 
des Gewissens Teuffei/ und desselbigen Grewel/ wie er die Menschen 
verblende/ vnd listiger weise in allerley Sünde vnd Schande 
führe / vnd nach begangener Sünde / jhnen aus der Fliegen einen 
grossen Elephanten mache/ vnd sie also in Angst vnd Noth, 
Schwermut vnd Hertzeleid/ ja ofiPt in Verzweiffelung vnd Ver- 
zagung bringe/ vnd also wol endlich ins ewige Verderben vnd 
Verdamnis stürtze/ aus heiliger Schrifft zusammen gezogen/ vnd 
durch viele denkwürdige Historien erkleret. Durch M. Henricum 
Dicimatorem Giffhomensem P. L. Cum gratia et privilegüs etc. 
Zu Magdeburgk bey Johann Franken Buchführer. Im Jahr 



932 NACHTRÄGE. 387 

1604.« (Im Wolfenbüttder HisoeU.-Band S81. 177 Th.) Über 
Decimator cf. Zedier, UniTersallex. VII, 819. Er war »J^theritcher 
Theologus zu Mählhausen nnd Gief hom im Lünebui^gischen" und 
liest mehrere Schriften drucken. 

Zu S. 924. Der yoUständige Titel des „9. Gesichts*' von Veridor 
V. Staokdom lautet: Yeridors von Stackdotm Eligor nnd Permal- 
for, das ist der Soldaten- und Yersweiflungs-TeuflfiBl. Zweytes 
Gesicht. Darinnen die Grausamkeit der Soldaten / und ihr Wüten/ 
wieder die unschuldige Christen wie denn auch die Peinen / jhrer 
verteuffeiten Hertzen / welche sie denen Menschen anthun / nebst 
einer Enehlung des höllischen Soldaten-Lebens / dargestellet wird. 
Allen Christlichen Soldaten; die Grausamkeit an meiden/ jhre 
Gewissen su betrachten/ und mehr anff Gott/ Jnsonderheit ni 
dieser Schwer- und betrübten Zeit/ als anff jhr mntwilligei 
Fleisch / und wenige Gewalt / welche jhnen augegeben wird / a 
sehen; Auf dass hieraus / jhnen der Himmel beliebt und die HSÜe 
verhasst werde/ hochnütslich und ergetslieh su lesen.*' Leipnf. 
Gedr. bei Joh. Erich Halmer. 1664. 16<>. 

Zu a 297. Zu den urteilen über das Theatr. Diabol. of. anch die An- 
zeige des Hosenteufels von 1680 in den unschuldigen NaohriefateD 
1716. S. 1109 f. Selbst hier scheint dem Besensenten, ,ywis die 
Absicht des Autoris gar gut gewesen seyn mag,'* »,al8 sej er im 
Eiffer bissweilen allzuvreit gegangen.** 



Register. 



(s. N. »B siehe 


! „Nachträge"). 


3han, d. j. 187 f. 


Decixnator, Heinr. 222. 


l 211—16, 226. 


Deutschland 25, 76, 100 f«, 105, 


egid. 63, 223. 


166 f., 184 f. 


>. 216 Anm. 4. 


Deutsche Litterator 181 f. 




— r Teufel 1 ff. 


jhior 86 f. 


Diableries 4. 


Heinr. 221. 


Didaktik 7 f. 


10 f. 


Drabitius, Laurentins 69 f. 


122 f., 199 ff., 205 f. 


Drama, geistL 4, 7, 9, 14 A. 4, 15 ff. 




Dürer, Albr. 20 A. 2, 48 A. 7, 70 ff., 


ff. 


78 A. 6, 98 A. 2. 


185. 




jgensburg 14, 75, 180. 


Ehelitteratur 66, 118 ff. 


46, 168 ff, 206. 


Eheteufel29, 115 ff., 198 ff.,205f.,fi25. 


174. 


Eidteufel 156 f. 


8t 9 ff., 92 f. 


EUinger, Joh. 222 f. 


8 202 f. 


Engellitteratur 197. 


Albr. V. 57 f. 


Entstehung d. Teufellitt. 8 ff. 


Joh. 85 f. 


Epistola de miseria Pleb. et Cur. 


• 


17, 23, 80, 195. 


B, 74, 76. 


Erasmus 67, 70, 91. 


. 94. 


Exorcismus 54 ff. 


bafte 77 ff. 


Eyb, Albr. v. 118. 


Casp. 91. 




4, 197 f. 


Faber, Casp. 129 f. 


/ 


Fabricius, Andr. 126 ff. 


1. 23 f., 61, 99, 100, 


Fastnachtsspiel 4, 8, 114. 


5, 200 ff. 


Fastnachtsteufel 24 f., 89 f., 222. 


.87 ff. 


Faulteufel 98 f. 




Faustspiele 209 f. 


f. 


Feyerabend, Siegm. 84 f. (s. N.), 87 ff., 




122, 140, 197. 


aes 41 ff. 


Fischart 82, 74, 140 A. 8, 163, 


[1 83. 


197 A. 2. 



834 



REGISTER. 



32 



Fischer, Job. Rud. 206 f. 
Fluchteufel 29, 90flf., 206. 
Franck, Seb. 66, 161 f. 
Französische Litteratur 4, 9, 88, 96. 
Freud, Mich. d. ä. 218 fif. 
Friederich, Mattheus 26, 75 ff., 195, 

207 f. 
Frischlin, Nicodemus 204. 
Frey, Herrn. Heinr, 64 f. 
Fuchsschwentzer 62 ff» 
Funckelin 15. 

Garteteufel 158 ff., 205. 
Geiler v.Eaisersb. 85, 91, 181 f., 169. 
Geizteufel 57, 58, 206. 
Gelehrter Teufel 126 ff. 
Gennep, Jaspar v. 188 f. 
Gerichtsteufel 154 f. 
Gesindeteufel 125, 217 ff. 
Gewissensteufel 222. 
Glaser, Peter 124 f. 
Grobianisches 82, 118 ff., 118 ff., 188. 
Grüner, Casp. 85. 

Hamelmann, Herrn. 41 f. 
Hartmann, Job. Ludw. 213, 225 ff. 
Hasen- Jagd u. ä. 20 f. 
Hausteufel 22, 26, 120ff., 206. 
Hayneccius, Mart. 200. 
Heinrich v. Langenstein 77. 
Heinrich v. Melk 13, 95. 
Hexenprozesse 17, 46, 81. 
Heyl. Kluge- u. Gel.-Teufel 126 ff. 
Hocker, Jodocus 41 ff., 54 ff. 
Hölle 43 (8. N.), 48. 
Hoffartsteufel 108 ff. 
Hof leben 146. 
Hofteufel 23, 24, 25, 38 A. 1, 61, 

147 ff., 196, 200 ff., 205 f. 
Holzschnitte 34, 38, 67, 78, 80, 92 f., 

97 f., 124, 167, 184. 
Hoppenrodt, Andr. 123 f. (s.N.), 166. 
Hosenteufel 29, 98ff., 195, 211 ff. 
Hosius, Stanisl. 139 f. 



Huberinus, Casp. 67. 
Hurenteufel 122 ff. (s. N.), 206. 
Hütten, Ulr. 76, 129. 

Jagdteufel 38, 152 ff., 195. 
Jüngstes Gericht 11 f., 164 ff. 

Kamöffelspiel 88, 181 ff., 219 f. 
Kielmann, Heinr. 201 f. 
Kindermann, Balth. 224 f. 
Kirchenlied 7, 130 f. 
Klassische Litteratur 177 ff. 
Kleider-Ordnungen 95. 
— , Pluder-, Paus- u. Kraus-Teofel 

104 ff. 
—predigt 107 f. 
Kluger Teufel 126 ff. 
Kolros, Job. 15. 
Krausteufel 26, 104 ff. 
Kriegsteufel 207, 220 f. 
Kunst 9 ff., 219. 

Lamprecht von Regensburg 14. 

Landsknechte 97, 188, 157 ff. 

Lang, Andreas 68 ff., 176. 

Lange, Job. 61 f. 

Limpricius, Dominic. 185 f. 
I Litteratur 62, 66. 

Lubertus, Heinr. 222. 
I Lügenteufel 65 ff., 226. 
i Luther 6 ff., 22 f., 25, 27, 66, ' 
70 f., 87, 113 ff., 148, 1^ 
170 ff., 180. 

Luthertum 21, 173 f. 

Märchen 182. 
Marstaller, Christ. 143 ff. 
Mauricius, Georg, d. ä. 205 f. 
Mechtild v. Magdebg. 14. 
Medizin 50 f., 55, 162, 175. 
Melancholischer Teufel 38 f., TC 

222. 
Menagius, Philemon 219 f. 
Mengering, Arnold 221. 



330 



REGISTER 



235 



Mercker, Andr. Theob. 68. 
Messertchmidt, Georg Friedr. 19. 
Hilichius, Ludw. 49 ff., 98, 146 ff. 
Mode 26, 29, 96 ff., 211 ff., 219. 
Mönche 128 f., 169 f., 204. 
Mordteufel 82, 119, 206. 
Moscherosch 211, 223. 
Müller, Haler 210. 
Musaens, SimoH 88 f., 70 ff. (s. N.) 
Musculas, Andreas 26 ff., 68 f., 66, 

90 ff., 98 ff., 116 ff., 162, 166, 

194 f., 218. 
Jlythologisches 2 f., 43 f. 

Has, Johannes 196 f. 
]!^aogeorg, Thom. 160 f. 
l^arrenlitteratur 18 ff. 
l^feidteufel (Neidhart) 69 ff. 

Obenhin, Christoph 166 f. 
Obrigkeit 146 ff., 191. 
Öffentliches Leben 146 ff. 
Omichius, Franzisc. 200 f. 
Osiander, Lucas 103, 106ff. 

Pape, Ambros. 159 ff. 

Papsttum 45, 181, 188, 167 ff. 

Pasquillus 133. 

Pestilenzteufel 161 ff. 

Pfarr- und Pfründ-Be8chn.-Teufel 

143 ff. 
^fingstteufel 130. 
1^18 IV. 135 f. 
Pluderhosen 29, 95 ff. 
^^Uicarius, Joh. 67. 
^<^na, Conr. 65 ff. 
•^»^torius, Abdias 27. 
-^»^digerstand 64 f., 144, 192 f. 

^^U8, Ludov. 66. 

^U, Jacob 86 f. 

^bhun, Paul 24, 115, 118, 160 f. 

^^itjhart, Joh. 207. 

^Wc, Joh. 59 ff. 

^i^gwaldt, Bartholom. 208 f. 



Sabbathsteufel 129 ff. 

Sachs, Hans 20, 67, 88, 117, 118 

A. 7, 121, 148, 167 f., 181. 
Sacramentsteufel 141 ff., 204 £ 
Sarcerius, Erasmus 24, 89 f. 
Saufteufel 23, 25, 76 ff., 119, 196, 

206, 221, 226. 
Säur, Abraham 163. 
Säur, Andreas 206. 
Schilde, Eustach. 80 ff. 
SchiUer 228 A. 2. 
Schmeichelteufel 60, 62 ff. (Rhode), 

64 f. (Frey), 226, 

Schmidt, Nicol. 30, 114, 118 ff. 
Schoristenteufel 224. 
Schrapteufel 145 ff. 
Schubart, Adam 120 ff. 
Schütz, Joh. 140 ff. 
Schulteufel 200, 206. 
Schupp, Balth. 218. 
Schwarzenberg, Joh. V. 77 ff., 181. 
Seifrid Helbling 14, 16 A. 4. 
Selbstmörder 48. 

Sieben, Böse, ins T.*s Kam. 181 ff., 
219 f. 

Siemann, Doctor 117 f. (s.N.), 121. 
Soldatenteufel 220f . (s.N.), 224f . (8.N.) 
Sorgeteufel 68 ff. 
Spangenberg, Cyriacus 31 ff. (s.N.), 

66, 108 ff., 128, 126, 131 ff., 

152 ff., 156, 195. 

— Joh. 139. 

— Wolf hart 203 f. 
Speculationischer Teufel 72 A. 1. 
Spener 214. 

Spielteufel 81 ff. (s. N.), 202 ff., 226. 
Staatsteufel 200, 227. 
Stackdom, Veridor v. 224 f. 
Staphylus, Fr. 186 f. 
Stil 172 ff. 

Strack, Herm. 161 ff. (s. N.) 
Stratagema Diabolicum 209. 
Strauss, Joh. 108 ff., 211 f. 



836 



BEaiSTER. 



88t 



Saohenwirt, Peter 14, 17A.1. 
Sünden and LaBter 67 fi. 

Tabakteofel 910. 
Tanzteufel 88 ff. (s. N.), 226. 
Tetzelocramia 101 f. 
Teufel Iff. 
— ^bannen 64 ff^ 
— briefe 77 f., 80 ff. 
— einteilung 47. 
^glaube 186 ff. 
—'8 Earnöffelspiel 88, 63 ff: 
— litteratur 7, 29 £, 84 ff., 89 f., 69, 
210 £. 

Entstehung 8 ff. 

Verbote 196. 

Verbreitung 84£, 197 f. 

— namen 16ff., 228f. 
— selbs 41 ff. 

— Bzenen im Drama 4, 16 ff., 114 f., 

198, 207. 
—'s Tyranney, von des 29, 68 ff. 
Theatrum 86 A. 2. 

— Diabolorum 86 ff., 69, 228. 
Theologischer Teufel 127. 



Theologiaohes 126—144. 
Trinklitteratur 28 f., 74 ff; 826 ff. 
Tfirken 167 f. 
Tyranney, V. d. Tenfeb 89, 68 f. 

üniversitSten 128, 185. 

Volkslied 7, 88, 97, 188. 

Wagner, Gregor., ▼. Böasel 102. 
— Tobias 217. 
Wald, Georg am 154 f. 
Weokheiün, G. Bod. 118. 
Weiber, 10 Teufel der unartigen 

80, 118 £ 
Weier, 46, 61 ff. 
Weltuntergang 164 ff. 
Westphal, Joachim 981, 106 ffl 
Wirtshausleben 74—94. 
Wucherteufel 57!;, 208f., a06f. 

Zauberteufel 48 ff. 

Zehn Teufel der unart. Weiber 80^ 

118 ff. 
Zeidler, Joh. Gottfr. 196, 824, 227. 




I 



200201 




Organ füi' deutsche Philologie 



l)fraus;ri'i»Hl»fn 



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lludolf Ho Ulli flu; und Julius Hoffory. 



Band III, H<ft 4. 

ie Mondsee-Wiener Liederhandschrift und der Mönch 

von Salzburg. 

V..:i 

F. Arnold Mayer » «i Heinrich Rietsch. 

Krstc-r Teil. 



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Berlin. 

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Der vorliegende erste Teil der auf dein T 
genannten Schrift bildet das vierte Heft des d' 
Bandes der ACTA GKRMANICA, eines perio' 
Organs fiir die deutsclie Sprach- und Cult; : ^" *... 

Die ACTA GERMANICA setzen sich die Auf- 
gäbe, tür die vielen werthvoUen Arbeiten, die wegen 
ihres Unifanges oder ihres Characters in den vor- 
liandenen gernianistisch(»n Zeitschriftn^n oder periodi- 
schen }?ublicationen keine Aufnalune finden können 
und als Kinzelschriften venJft'entlicht vielleicht nicht 
hinreichende^ Beachtung erfahren würden, einen neuen 
Sammelpunkt zu bilden. 

Diesem Zwiu'ke ents[)reihend sollen die ACTA 
GERMA^k'lCA nur gWissen» Abhandlungen aus dem 
(]lesanimtgebi(»te (U»i- deutschen Philologie im weitesten 
Siime bringen. 

Den Inhalt der (M'schi(»n(*n(»n Bände s. Seite H 
(h'> linsc'hhiges. 

Die ACTA (iKRMAMCA erscheinen in Händen 
von (»twa *i() liouen zum Subscripti(>nsj)reise von 
M. 12. — . Jede Abhandhmu wird auch einztdn mit 
besondere]* l^auinirum»' /n (Mn(»m erhr»hten Preise ab- 
üeL»'i'l)en. 

P»estelhmi»"en auf die iiand- und Heft- Aub^abt« 
der Ai'TA (iHK*MAM(.'A werch'n von jeder JBuch- 
hamlhmji. \\i»' aneh dii'eet von (ier unterzt^iehneten 
\ erl;ji_jslnh-hli;iiHllnnLi «•ntm'<»euuenommen. 

Berlin W. Mayor «t MüHer. 



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i'üBLIJ LIBRARY 

G281 



2^1 



ASTOR.LCNOX ÄND 
TILDEN F0UN0ATI0N8. 



ACTA GERMANICA. 



Organ für deutsche Philologie 



herausgegeben 



von 



Rudolf Henning und Julius Hoffory, 



Band lU, Heft 4. 

Die Mondsee-Wiener Liederhandschrift und der Mönch 

von Salzburg. 

Von 

P. Arnold Mayer und Heinrich Rietsch. 

Erster Teil. 




Berlin. 

Mayer & Müller. 

1894 



Die 



londseefiener Liederlianilsclirift 



und 



der Möncli von Salzburg. 

Eine Untersuchung zur Litteratur- und Musikgeschichte. 

Nebst den zugehörigen Texten 

aus der Handschrift 



und 



mit Anmerkungen. 



Von 



F. Arnold Mayer und Uetnrleh Btetseh. 



Erster TeiL 




Mayer & Müller. 

1894. 



. iciNEW YORK 

PUBLIC LIBRARY 

2002S1 

ASTOR,LENOX ÄND 
TILDEN FOUNOATIONS. 

T?. 1900. U. 



I. 



Die Handschrift 



33^ 



Die Handschrift der Wiener Hofbibliothek No. 2856, 
Q Lnnaelac. fol. 119 (Tabolae codicum n 144 f.), ist eine 
derhandschrift, welche neuerdings in Halbfranz gebunden ist, 
irend sie noch im J. 1884 zur Hälfbe erneuerte, zur H&lfte 
dem alten Leder überzogene Holzdeckel hatte. Sie ist, ohne 
Einband in natürlicher Lage gemessen, 20 cm lang» 27^/, cm 
h, 8 cm dick. Die H!s. enthält (Hofhiann, Verzeichnis d. 
[eutsch. Hss. der k. k. Hofbibliothek zu Wien 242): 1. BL 
28 a E. Ludwig's Bechtsbuch. 2. BL 29a— 42 a Münchner 
Itrecht. 3. BL 42 a— 44b. 28 b Judeneid u. dgL 4. BL 
.-99a Schwäbisches Landrecht. 5. BL 99a-119a Schwäbisches 
lenrecht. 6. BL 119b— 165b Von den heiligen drei Königen, 
Prosatractat 7. Bl. 166b— 282b Lieder. 8. BL 285a— 414b 
irad's von Megenberg Buch der Natur (vor dem Schlüsse 
rechend). • 

Schon durch diesen Inhalt charakterisiert sich die Hs. als 

mnelhandschrift. Was man auf einem Vorsteckblatt der ganzen 

als Notiz eines Schreibers oder Besitzers liest: Dia bueh 

nicid vür ein jeden / dan der niht die noten ver$thet / der 

n es niht brauchen, bezieht sich allein auf die Lieder (7) 

^ kann erst geschrieben sein, als die einzelnen Teile des 

ides zu einem Qanzen vereinigt waren. Nur der Teil, der 

Lieder enthält, beschäftigt uns hier. Dass dieser Ursprung- 

eine selbständige Handschrift war, beweist seine eigene 

:inierung, sodann der umstand, dass das erste Blatt desselben 

seiner stark beschmutzten und vergilbten Aussenseite von 

vorhergehenden und nachfolgenden Blättern sich sehr be- 

rklich abhebt und dass sich am Schluss zwei eigene Deck- 

tter befinden. 

Diesen Teil der Sammelhs. beschreibt Wackernagel, Das 
itsche Kirchenlied, 1864 ff., I 366 ff. mit manchen Unrichtige 



4 F. Arnold Mayer n. HeinricH Bietach 335 

keiten und üngenauigkeiten ^), nachdem Ek^hon HofEmann, Fund- 
gruben I 328 ff. die Hs. besprochen and Proben mitgeteilt hatte. 

Die Lieder sind blattweise selbständig paginiert, und zwar 
von 1 bis 115. Die neue Zählung hat also zwei Blätter mehr, 
nämlich zwei eingeschaltete kleine Zettel, welche die alte Zählong 
nicht selbständig bezeichnet; letztere bezeichnet auch noch du 
beiden der Hs, folgenden leeren Blätter mit C 20 und C 21 
(neue Zählung 283 und 284)^ woraus folgt^ dass vor diesen leeren 
Blättern ursprünglich noch vier andere Blätter vorhanden gewean 
sind, W. E.* I 366. Diese alte Paginierung ist, wie es scheint» 
von der dritten Hand, die wir unten y nennen, oder von Feter 
Spörl selbst (s. u. S. 11 und Facs. No. I. m. IV. VII. ß). 
Die Lagen der Hs. sind nicht mehr zu zählen. Schuld trigt 
der neue Einband. Die Blätter 253 ff., ebenso das zweite ein- 
geschaltete Blatt 244 haben ein anderes Wasserzeichen als die 
übrigen: eine Wage in einem Kreis, während frfiher ein dem 
Fragmente eines Sterns ähnliches Siebeneck erscheint Das 
würde zu dem unten S. 11 Ausgefährten stimmen. Cbrigens 
fehlt das Wasserzeichen auf einigen Blättern ganz. 

Die erste Seite, ebenso die Kückseiten der (auf den 
Vorderseiten leeren) zwei letzten Blätter der Liederhs. zeigen 
Schriftzüge, die wohl nur als Federproben anzusehen sind. So 
steht auf der letzten Seite u. A. : Mich gnüegt. tme es gott füegä / 
m Achleytter' (AchleyUererl s. W. K. - I 366)-), darüber ein 
verschlungenes M und unter einer Krone. Unter den Feder- 
proben der drittletzten Seite steht der Name: Herdegen x>on 
Hurnhain zum Homhaus, auf der ersten Seite : Regina Herrsfeldern, 
unten in der Ecke zweimal der Name: Maria (W. K.* a. a. O-)* 



*) Das genannte Werk ist überhaupt nicht ganz zurerlässig u^^ 
verlangt überall Nachprüfung trotz aller peinlichen Buchstabenklaubet^ 
(Gk)edeke, Grundriss* I 309), freilich sind Verstötze bei einem Werl^' 
von solchen Verhältnissen fast unvermeidlich. Kleinere Versehen v«^ 
bessere ich im Folgenden öfters stillschweigend. 

^) Ein Achleiten im salzburgischen Thalgau erwähnen die s*^^ 
burgi sehen Eammerbücher (im Verzeichnis der Abkürzungen unter i-^ 
U Ko. 219. 



6 Die Handschrift. 5 

Die Initialen sind durchaus lebhaft roth, sowohl bei 
ophen- als bei Liedanf&ngen, bei letzteren gröszer, aber nur 
r selten reicher ausgeführt. Auf Bl. 221a ist der Liedanfang 
ch rothe Initiale mit blauem Grund bezeichnet (Facs. No. IV). 
weilen haben die Initialen in dem ausgesparten Baume die 
sprechende Minuskel mit der gewöhnlichen Dinte Yorgezeichnet. 

unsere Hs. enthält 100 Gedichte. Von diesen haben 31 
Charakter von Kirchen- oder eigentlich geistlichen Liedern, 
übrigen 69 sind meist weltlichen Inhalts. Bl. 166b — 185b 
len nur geistliche, 185b — 189a weltliche, 189b ein geist- 
les, 189b— 214b weltliche, 214b ein geistliches, 215a— 220a 
tliche, 221a — 245a geisüiche, 245b bis zum Schluss weltliche. 
brere Lieder sind unvollständig, so No. 60 am Schlüsse^). 
11 steht nochmals als No. 80, No. 13 als No. 31, No. 20 
No. 40, No. 63 Star. 1—4 als No. 77: alle vier Wieder- 
ingen sind im Gebiete der Hand ß und wohl durch eine Ver- 
erung der Vorlage zu erklären*). 

An Melodien sind 83 vorhanden, und zwar 56 zu weit- 
len Gedichten incl. zwei Meistergesängen (über die 12 'Meister- 
Inge^ s. u. S. 31). In der Zählung musste selbstverständlich 
trumpet und die Wächterstimme hiezu als ein Gesang ge- 
bet werden ^). Keine Melodien haben nur die (im folgenden 
bei W. K. * a. a. 0. mit forüaufenden Nummern bezeichneten) 
cke: 25—27. 66 (s. u. S. 6. 7) 89—91. 94—100; bei 8 
9 ist auf die Melodie zu 7, bei 10 auf die zu 6 verwiesen. 
Noten stehen den Texten übergeschrieben ^). Auch wo diese 
e Noten stehen, sind die Verszeilen fortlaufend geschrieben ^), 

») Vgl. Fichard'8 Archir IH 237. 272. 277. 

') Man sehe besonders die Melodien. — Vgl. übrigens Hüller, 
Kirich Loufenberg 11 über die alte Strassburger Hb. 

*) Durch Auszeracht lassung dieses ümstandes zählen W. und Arnold 
liochamer Liederbuch, im Verzeichnis der Abkürzungen unter LL., 8.170) 
Lied mehr ; überdies zählt Arnold gar 89 Melodien. Auch De Gruyter, Das 
tache Tagelied 50, nimmt die Wächterstimme als ein selbständiges Stück. 

*) Im LL. stehen die Noten zum gröszten Teil für sich. 

*) Vgl. z. B. Wackemell, Hugo v. Montfort S. CXLI über die 
'idelberger Hs. No. 829. 



6 F. Arnold Mayer tu Heinrich Bietsch 337 

nach den Beimwörtem, End- und inneren Reimen, manchmal irrig 
auch nach anderen Wörtern, stehen Ponkte oder Striche. 

Die Weisen der ersten Gruppe weltlicher Lieder: No. 11 
bis 15. 17—51. 53—60 sind auf fttnflinigen, die zweite Gruppe 
No. 80—88, sowie die Meistergesänge No. 92 und 93 auf vier- 
linigen Zeilen notiert. Dieselben sind ebenso wie die Seiteo- 
leisten, die die Notensysteme beiderseits einschlieszen (bis BI. 
201b und Bl. 267 ff. je eine, sonst je zwei), nut gleichmäszig 
roter Dinte gezogen. Ganz unausgefullt blieben die Notenlinien 
bei No. 26 und 27, zum gröszten Teil bei 25 und 66. 

Im Allgemeinen verfahren alle Hände bei der Textanter- 
legung sorgfältig (anders als im LL.), obwohl auch in dieser 
Beziehung nur die erste Hand absolut korrekt ist. 

Es waren wenigstens drei Hände an der Liederhs. tUtig. 
Die erste, sie heisze a, schreibt, abgesehen von den mit roter 
Dinte geschriebenen Überschriften (s. u. S. 12), fast durchaus 
mit stark yerblasster schwarzer Dinte; Bl. 188b und 189a ist 
in Wort und Noten teils mit roter, teils mit der gewöhnlichen 
verblassten Dinte von a geschrieben, um die Partie des Mannes 
von der der Frau zu unterscheiden (s. im Text No. 15); 
a (Facs. No. 1. 11) endet mit der drittletzten Zeile von Bl. 196b, 
in den Noten schon mit Bl. 193a. An a schlieszt die zweite 
Hand, ß, an, im Worttext mitten in einer Strophe^) (No. 2&, 
1. Str.), mit kräftig schwarzer Dinte (Facs. No. HI) und geht 
dann in Noten und Text bis Bl. 220a. 220b ist leer (nur zw©^ 
Systeme Notenlinien). Von Bl. 221a— 226b reicht eine dritte 
Hand, y (Facs. No. IV), mit weit blasserer Dinte, aber lebha^ 
roten Überschriften. Bis Bl. 240 b schreibt wieder ß, dann fol^ 
ein erstes Einsetzblatt 241, von dem nur die Bückseite beschrieben 
ist, IQ den Schriftzügen noch am meisten a, in der Orthograph^ 
ß ähnlich, mit blasser Dinte (Facs. No. V) *). Der Text dies^ 

') Sowie in derMontf.-Hs. die Hand B einsetzt, vgl. Montf. S. CXVlJ 

•) Im L L. schreiben nach dem Herausgeber verschiedene Häa- ' 

nur ganz kleine Strecken, so sind No. 89 und 42 von einer Hand, von 

anderen wieder No. 36—37; in der Möntf.-Hs. ist der Schreiber C 

mit einem, D nur mit zwei Gedichten vertreten, Montf. S. CXVII. 



I 



I 



338 I^ie Handschrift. 7 

Einsetzblattes schlieszt mit dem Lesezeichen // an 61. 242 a: 
es ist also zurückzulesen. Dann weiter ß 61. 242 a — 243 b, 
darauf ein zweites Einsetzblatt 244 b von y. 61. 244 a ist leer. 
Yon Bl. 245 a hat die erste Hälfte /9, die zweite y beschrieben. 
Letztere Hand verweist sodann mit dem Zeichen A &^ die 
auf dem vorhergehenden Einsetzblatt 244 b stehende Fortsetzung 
des Textes. Nun reicht bis BL 252 b ß und von da bis zum Ende y 
(Facs. No. Vni), dieselbe Hand, die 61. 244 b und einen Teil von 
Bl. 245 a schrieb. Auch a hat nicht in einem Zuge geschrieben, 
denn ihre Schrift ist nicht immer ganz gleich^). 

Mitunter, z. 6. 61. 187 b und 188 a, ist dem Schreiber 
der Baum zum Schluss knapp geworden, da er sich die Linien 
früher vorgezogen hatte, ohne den fOr den Text erforderlichen 
Baum richtig abzuschätzen. 

Der umstand, dass die zweite Hand mit den Noten früher 
beginnt als mit dem Worttext, bietet Gelegenheit, die Art und 
Weise der Niederschrift zu kontrolieren. Es hat nämlich, wie 
schon oben erwähnt, die erste Hand den Worttext bis in die 
erste Strophe von No. 28 hinein vorgeschrieben und scheint dann 
unterbrochen worden zu sein, so dass sie nicht mehr dazu kam, 
die noch leer gelassenen Notenzeilen von No. 25 an mit den 
zugehörigen Melodien zu versehen. Die zweite Hand begann 
bei No. 25, offenbar in der Absicht, die fehlenden Melodien zu 
ergänzen, das Anfangsmelisma und die Noten zu den drei ersten 
Sjlben Mein Eercz, pia einzuzeichnen, gab diesen Versuch aber 
ftof und beschränkte sich darauf, die vollständige Weise zu dem 
Idede No. 28 zu notieren, das sie ohnedies auch dem Worttexte 
2Uich zu vervollständigen hatte. 

Hieraus erhellt, dass vom ' Schreiber zunächst die Noten- 
liiüen gezogen, sodann der Text der ersten Strophe untergesetzt, 
^^mof die Noten in das System eingetragen wurden: ein Ver- 
fahren, das durch die räumlich gröszere Ausdehnung des Wort- 
textes bedingt war. Nur bei den Melismen musste eine Aus- 
^^*lune gemacht werden. 

^) Venoliiedenheiten einer und derselben Hand zeigt auch die Hb. 
^«« LL^ 8. ebd. 8. 10. 



8 F. Arnold JCayer o. Heinrich Bietech 339 

Die Lieder Ton Bl. 185 b bis 189 a sind genau in den 
Mensoralnoten notiert Von Lied No. 16 (geirtlich) nnd 17 an 
findet sich selten mehr das Zeichen for die Brevis oder Longa, 
sondern statt deren 2, 3 bis 4 eng aneinandergesetzte Bauten 
(Semibreyes), ebenso von Ligataren nnr mehr jene oppoeitae 
proprietatis, welche, wie es scheint, nicht blos am längsten 
sich erhalten, sondern auch von jeher die allgemeinste An- 
wendung gefunden hat Endlich tritt einmal, und zwar BL 
247 b f&r den zweiten Teil der Noten von No. 82 die f&r die 
geistlichen Lieder gebrauchte Ghoralnotation ein, d. h. statt der 
schmalen Baute mit oder ohne Strich jene breite stets sicli 
gleichbleibende Bautenform ohne Strich (auszer zur Verbindung 
mehrerer Töne auf eine Sylbe, also statt der späteren Ligator- 
form) : ein Wechseli der auch rhythmisch nicht ohne Bedeutong 
sein dürfte. Vielleicht sollte hier einer strengen Quantitäten- 
messung ausgewichen werden, ganz wie beim Choral, dem dieee 
äusserlich einfache Notenschrift bei gröester Veränderlichkeit 
ihres Wertes bis heute eignet 

Die zweite (ß) und dritte Hand (y) unterscheiden sich 
von der ersten sowohl durch die Schrift wie durch ihre geringere 
Korrektheit ^). Mit dem Einsetzen der zweiten Hand wird die 
Form der Noten viel schleuderischer (s. Facs. No. IH), was sich 
besonders bei der Semibrevenligatur geltend macht, ebenso 
macht sich die Inkorrektheit gleich durch zwei Schreibfehler 
(s. zu No. 28) bemerkbar. Mit der zweiten Hand tritt ferner 
der Gebrauch ein, senkrechte Abteilungsstriche durch das Noten- 
system zu ziehen. Dieser Strich dient dazu, das Versende ül 
der Melodie hie und da noch deutlicher zu kennzeichnen, er fehlte 
weim das Versende mit dem Ende der Notenzeile zusammentrifft;; 
in der zweiten Beihe der geistlichen Lieder (No. 61 fif.) werdens 
sogar die je zu einem Wort gehörigen Noten durch kleineres 
Striche (zuerst mit roter, später mit schwarzer Dinte) abgegrenzt =: 
ebenso pflegen die melismatischen Figuren gegenüber denc: 
syllabischen Melodientexte durch einen solchen Strich abgesondert* 

') Ersteres läset darauf schlieszen, dass Letzteres nicht, ode:^ 
wenigstens nicht allein, Fehlern der Vorlage zuzuschreiben ist. 



HO Die Handschrift. 9 

m werden. Er war also ein nicht notwendiges, aber zur gröszeren 
Übersichtlichkeit beitragendes Phrasierongszeichen. 

Die Noten der Melodien zu No. 92 und 93 sind womöglich 
noch weniger sorgfältig als die Notirangen der Hand ß und 
durchweg in schlenderischer Fraktnrform aufgezeichnet. 

Als Schlüssel sind nur G oder F vorgesetzt; am häufigsten 
ist C auf der vierten Linie, doch kommt es noch auf der 1.» 
2.^) und 3. Linie vor. Das F steht auf der 3. oder 4. Linie. 
Dass die Schreiber, besonders der zweite (ß), sehr willkürlich 
die Schlüssel wechseln, zeigt gleich das erste von der zweiten 
Hand niedergeschriebene Lied No. 28, in welchem für die 
letzte Zeile der G-Schlüssel auf die dritte Linie herabgesetzt 
wird, obwohl sich hiedurch für den Schlusston d die Notwendig* 
keit einer Hilfslinie ergibt. 

Für jene F&lle, welche bezüglich der richtigen Setzung 
des Schlüsselzeichens Zweifel aufkommen lassen ^ ist ofk der 
Custos (guidon) von Wichtigkeit'). Auch f&r andere Fälle 
kann er entscheidend sein, so in No. 40, wo im vorletzten Vers 
der ersten Strophe eine Silbe vom Schreiber beim Beginn einer 
frischen Zeile übersprungen wurde (nach der früheren Auf- 
zeichnung in No. 20 das Wort das): hier zeigt der Gustos an, 
dass die entsprechende Note g gewesen wäre, allerdings nicht 
conform der ersten Lesart in No. 20, doch liegt in der Ab- 
weichung Gonsequenz (s. die Anmerkungen zu den Liedern). 

a ist nach Gestalt der Schriftzüge und der Orthographie 
die älteste Hand, noch aus dem Ende des 14. oder Anfange 
des 15. Jhs. (so W. K.* I 368), könnte aber dennoch den 
^dem gleichzeitig sein, wenn der Schreiber etwa ein alter Mann 
^&r, der noch in der Weise seiner Jugend schrieb. An sich 
ötscheinen ß und y freilich jünger sowohl in der Schrift als in 

*) So in No. 11. Das Zeichen erscheint hier in der Gestalt Q 
^8^ Eiemann, Studien z. Geschichte der Notenschrift, Tafel über die 
Entwicklung der Claves signatae. Über die abweichende Übertragung 
▼on Ambros s. die Anm. zum Lied. 

•) S. Facs. No. 11. VI. — Insbesondere wird dies bei der frag- 
^entanjchen Überlieferung der Martinslieder im Cgm. 715 hervortreten. 



10 F. Arnold Hayer o. Heinrich Bietsck 

der Orthographie: nach W. a. a. 0. gehören sie der er 
Hftlfke des 15. Jhs. an. Wenn aber die n. S. 11 f. anfgesti 
Annahme richtig ist, so lebte der Schreiber y nm 1472. 
a schreibt recht sorgfaltig, w&hrend /9 sofort durch 
unglaubliche Flüchtigkeit und Willk&r sehr übel auffUlt, 
kaum auf Rechnung einer veränderten Vorlage zu setzen 
möchte. Dies wurde in Bezug auf die Notierung schon bemi 
(o. S. 8 Anm. 1). Leider sind gerade die weltlichen Lie 
für welche unsere Hs. fast die einzige Quelle bietet (u. S. 20 
Ton dieser Hand, daher die häufigen und groben Verderbn 
des Textes. 

Durch die wenigen, in doppelter Aufzeichnung erhalte 
Lieder wird eine Vergleichung der Lesarten nach ihren tont 
und rhythmischen Abweichungen (wovon noch u. Abschn 
die Sprache sein wird) ermöglicht, und werden weitere Anha 
punkte für die Beurteilung des relativen Alters der HS 
geboten. (S. u. die Anm. zu No. 11. 13. 17. 20.) Bemerk 
werth ist es, dass die Melodie bei verschiedenen Lesa 
häufig um eine Tonstufe verschoben ist^). Obwohl nun 
artige Schreibversehen durch Bückung der Note um ein ha 
Spatium uns weniger natürlich erscheinen, als solche um 
ganzes Spatium, so finden sich doch gerade erstere in 
SpörFschen^) und den zur Vergleichung herangezogenen 
häufig genug. Sie sind entweder vom Schreiber richtiggesl 
sei es durch Überschreibung (bei einem höheren Ton, in 
eine Cauda zu demselben über die unrichtige tiefere ] 
geführt wurde, z. B. in No. 31, viel häufiger im Cgm. 7 
sei es durch Anschreibung, wobei der Schreiber meist ver( 
die unrichtige Note später zu löschen^; — oder die richtige ] 



*) S. die vergleichende Zusammenstellung von No. 20 mit N( 
und von No. 17 mit der Variante in der Hs. E. 

•) Wie die Hs. auch genannt wird, z. B. von Böhme im 
deutsch. Liederbuch 771 (s. u. S. 11). 

•) So dass man sie oft für den ersten Augenblick als zu ligier 
Noten ansehen möchte; s. auch das 1. Martinslied in der 3. L 
(Anh. No. 1). 



342 Die Handschrift. H 

ist gar nicht eingetraßen, mag nun der Schreiber sein Versehen 

niclit bemerkt (z. B. bei drei Noten in der vorletzten ZeUe des 

Befrains von No. 88, s. Anm.) oder sich begnügt haben, wie in 

No. 11 des LL., ein Zeichen an der Stelle (als Vorbehalt für 

spätere Korrektur?) anzubringen. Dei Orund dieser h&ufigen 

Yersehen ist wohl in einer wenig deutlichen, auf sehr schwach 

sichtbaren Notenlinien geschriebenen Vorlage zu suchen, welche 

eioen flüchtigen Schreiber veranlasste, bei zweifelhafter Stellung 

eüier Note ohne langes Nachdenken sich für die eine oder andere 

Lesung zu entscheiden. 

Ursprünglich scheint die Hs. vor den auch nach ihrem 
textlichen und musikalischen^) Oehalt ganz für sich stehenden 
Heisterliedern Bl. 253 a ff. geschlossen zu haben (vgl. u. S. 31) 
und bis dahin nui von zwei Händen geschrieben zu sein, wenn 
das erste Einsetzblatt 241 b einer derselben zugehört (?). Diese 
Ansicht wird noch wahrscheinlicher dadurch, dass nicht nur 
anf Bl. 282 b am Schlüsse der Hs. der Name Peter Spörll 
(Facs. No. IX) steht, sondern auch auf Bl. 252 b unten von der- 
selben Hand: Item das puech üt Peter Spörll 1472 (Facs. 
No, Vn) *). Peter Spörl war also einer der Besitzer der Hs. ; 



F Man vgl. unten die unter No. 92 und 98 mitgeteilten Melodien 

[ »owie die Noten unter No. 82. 

*) Vgl. Item da^ puch ist Jörg Boggehburg . . . 1470 auf dem letzten 
Blatte der Hätzlerin-Hs., 8. Haltaus, Liederbuch der Klara Hätzlerin 
8. JX; Wolflein von Lochame ist das gesenngkpüch im LL., S. 41 der 
Ha. Dagegen steht der Name der Klara Hätzlerin nur als der der 
Scbieiberin am Ende der Hs., H.H S. DL — Dass die Lieder nach 
Bl 352 b von Peter Spörl gesohrieben scheinen, sagt H. F. I 828; H's 
'^^cht war auch die meine, noch bevor ich auf* die Stelle in den F. 
^^erksam geworden war, sie hat bei näherer Untersuchung nicht Stand 
St^balten, vgl. die Facs., charakteristisch ist namentlich der Buchstabe d 
^ No. vn gegenüber /. Vgl. auch W. K. • I 868 : von dieser Hand 
(der des Peter Spörl) sei sonst nichts in dem Buch geschrieben; die 
leiste Ähnlichkeit mit ihr hätten jene (den Titeln der Lieder) zugefugten 
^orte: Miinick, Münichcz, des Münichcz (s. u. S. 12). — Pauls Spörel, 
^^i^ger zu Kitzbühel, 1475, Mitteilungen d. Gesellschaft f. Salzburger 
^deskunde 15 S. 112 No. 418; 1496, 16 S. 388 f. No. 610. 618 (SpöreU, 
ßpörcl^; Anthoni Spörh Urkunde von Indersdorf, 1516, Oberbayrisches 



12 F. Arnold lUjer u. Henrich BietKh 343 

er hat wohl die Hb. durch die BlStter 253 ff. eiganzen und diese 
beschreiben lassen % durch denselben Schreiber (y) fällte er aber 
auch Lücken der ursprünglichen Hs. ans: BL 221 — 226, die wall^ 
scheinlich ursprünglich leer waren *), femer wurde 244 frisch ein- 
gesetzt und 245 a ergänzt. Eigenhändig setzte er (auszer der 
alten Paginierung?, s. o. S. 4) vielleicht (?, s. Facs. No. 1} 
fehlende Cberschriften (mit Bezeichnung des Dichters) fiber 
die Stücke, und zwar über : No. 1 {Das ffuldein abe de» Mündiez\ 
2 {Pylgrtim Münehz), 3 (Reieherus plebanuM \ jn Rastat | du 
Munic/icz), 4 (Maria virgo des Müntck:), 67 (Aue preclara dit 
Münichcz), 76 (Ä soU* orto cardine des Mutuehez), 78 (Des Münich 
miter den), 79 (Des Muniehez kureze dan). In den Cberschriften 
über No. 5—10. 61. 68—71. 73—75. 77. 82 ist nurderVer- 
fassemame Ton dieser Hand nachträ^ch zum Titel, am Bande 
oder im Text *) (Münieh, Münichcz, des Münichcz, Münichs, m 
No. 82 : Müglin *]) eingeflickt Von ß geschrieben sind (mit roter I 
Düite) die Titel (aber keine Yerfassemamen) über No. 68—75. 
77. 82, von a über No. 5—19, von y über No. 61—65. 66 (D^ 
Munichz passion). 89. 90 (längere Überschrift). 91. 92. 96—98. 
99 (Hie hebt sich an ein teutscher cisiaianus des Müniclis). lOO 
(wie bei 90). Ohne Cberschriften sind No. 20—60. 80. 81. 
83—88. 93—95. Peter Spöri(?) hat also vereinzelt blosse 
Verfassernamen, auszerdem volle Cberschriften (diese über So- 
1—4. 67. 76. 78. 79) nachträglich hinzugefügt. Von ihtx^ 
geschrieben, vielleicht sogar gedichtet, scheinen zwei Verse, ii' 

Archiv 25,257; ein Joh. SpörL Schullehrer zu Altdorf, als Verfas»^ 
von Aufsätzen in den Verhandlungen d. bist. Vereins f. Niederbayern -^ 
und V. ; Jacob Spör nennt Dückher in seiner Chronik S. 184 unter d^" ' 
Adel, der mit Erzb. Friedrich III. 1322 bei Ampfing kämpfte. 

*) Ähnlich vereinigte H. Ott, einer der Besitzer der Locba":^ 
Hs., zwei HsB., die des Liederbuches und die der Ars organisandi, in ein^- 
Papierschale, L L. 7. 

■) Vgl. die Kolmarer Hs., Bartsch, Die Meisterlieder der Kolmai^^ 
Hs. 4; auch in der Locbam. Hs. wurden von einem späteren Besitr^^ 
zwei Lieder auf zwei zufällig frei gebliebene Seiten geschrieben. 

•) Man vgl. z. ß. das Facsimile aus der Jenaer Hs. der Minn--^ 
Sänger bei v. d. Hagen, Minnesinger IV 766. 

*) W. K. « a. a. 0. liest Müczlin (Müezlin ?). S. Facs. No. VI. 



344 I>ie Handschrift. 13 

am Bande von Bl. 221b stehen. Sie schlieszen sich durch ein 
YerweiBongszeichen in der Hs. an Str. 3 des Liedes W. K.' 
II No. 560 an, die dnrch sie überfüllt wird. Bei W. stehen 
diese Verse unter den Lesarten. 

Unsere Abgrenzung der Hände (mit der Folge: 1. a 2. ß S. y 
4. ?a ?ß b. ß 6. y 7. ß 8. y 9. ß 10. y) rechtfertigt sich 
zunächst durch die Gestalt der Schriftzüge und Notenzeichen 
im a, ß und y^ vgl. die Facs. Aber eine Bestätigung liefert 
auch die Orthographie (beziehungsweise Sprachgebrauch). Diese 
kennzeichne die folgende Zusammenstellung. 

1. Tokale. 

Mhd. ^. 

a. vestikleich (im Druck bei W. K.« II No. 580, Str. 21 
Lesart) eilend W. No. 547, Str. 5. — menklich u. No. 17 ^), 
22. — zärtlicher 18, 5. 

ß. edle 32, 12 gesendet W. 576, 1 deckest W. 563, 1 
(BL 242 a) Itend W. 549, 2 bekrengh 80, s. 11, 12. — mänikleich 
34, 3 ezärtleich W. 579, 2 geslächt W. 548, 1 czäJier W. 549, 1 
ärmletn 80, s. 11, 28 Lesart (Im Diphtong erscheint immer 
e in frSwt, z. B. 54, 26, fremden 55, 1, usw. in den Formen 
dieses Stammes). 

y. senftikaü W. 560, 2 herrtikleich W. 560, 11 Lesart, herrt 
W. 552, 4 bekchen W. 549, 3 herrten W. 549, 2 ennde 89, Str. 2. 
^ fizahtr W. 560, 12 cUmächtig W. 549, 5 tägleich W. 549, 4 
^nüdeich W. 549, 2 (1. so statt manUdeich) gänczlich 90, Str. 1. 

Mhd. ae. 

a. Salden W. 581, 11 war 17, 29. — geperd 19, 28. 

ß. stätikaü 33, 1 war W. 578, 2 wäre« W. 563, 3 ge- 
^hten W. 549, 1 trag 81, 23. — werleichen 33, 14 re<«n W. 
583, 11. — seidenreiche 50, 37. 

y. Salden W. 563, 1 swär W. 552, 1 geuär W. 549, 3 
C^O geuar steht) trdr 89, Str. 67. 

') Unsere Zählang der Stücke in der Hb. differiert von No. 15 an 
^n der aaiiliing W. K.« I 866 ff. um eins, s. o. 8. 5 Anm. 8. — Wo 
^i den Citaten das W(ackemagel) fehlt, ist die No. der unten ab- 
^%dniokten Lieder gemeint. 



14 F. Arnold Xmyer v. Hanrich Bietach l 

MhcL h 
und dis e der Aideitong werden ftets durch e wiederg^[et 

Mhd. eL 

a. In der Begel ai (sj) aber aneh ei (hey 13, 12) : he 
W. 555, S. W. 551, 1 ond so r^elmisag; Tg^ anch leiden 
555, 1 g^enfiber Imder ebd. 4. (BL 241b*): otn und ein 
562, 3 ro» ebd. cAam ebd. 4.) 

ß. ai (neben aj): imn 28, 44. 56, 22 getaät 56, 1 stätä 
ebd. 4 Ad/et.* maäei *W. 583, 1 imiie« W. 683, 7 erai6 W. 546 
rotnm W. 549^ 2 trau 87, 7. — ei: ein nnd otn neben einai» 
28, 25 C W. 583, 12. W. 562, 6 fem 56, 6 ewikeit 87, 15. 

y. Neben aj (rnayHer W. 526,3 prayten 92, Str. 
Biaynnn W. 552,3) ai: worAoie W. 560, 1. W. 526,2 sein 
W. 526, 6 troü ebd. 3 prait W. 560, 2 chain W. 526, 3 /c 
W. 552, 1 bezaiehmg W. 549, 3 besehainen ebd. 2 haiUs i 
Str. 3 maigters 90, Str. 1 /aide« 92, Str. 2. — ei: ein W. 58C 
(doch otn für lat so/um W. 560, 7 verainet ebd. 4) /oscA 
560, 8 fe»;^ W. 549, 5 geistes 89, Str. 8 (vgl. oben a gaii 
W. 553, 2 nnd regehn&szig so). 

Mhd. i. 

a. Regelmäszig i, aber häufig auch y : t/m W. 580, 6. 
Prosa t/n (Pronom.) neben in (Praep.) W. 580, 6 inynne ebc 
daht/n 17,25. (BL 241b: hi/inelreich W. 562,7). 

ß, 1: im 56, 11 hymmelischen W. 583, 1 durch/einig . 
durcheclieinig ebd. 6 durcligrüessig . . . durclisüeseig ebd. 6t« 
562, 1 tmr« 81, 6. — y (y, y) : sy 28, 21 synwel 28, 32 jd 
ebd. synn 56, 11 stymmen W. 559, 1 (/y«^r W. 563, 2. 

y. 1: in W. 560, 1 singest W. 626,2 himels W. 551 
»m ebd. 2 ÄtW/ W. 549, 5. 89, Str. 2 wn7 W. 549, 2. — y : 53^ 
W. 560, 2 «yn W. 626, 1 nym W. 649, 3 synn ebd. «yf 
89, Str. 1 grymmen 92, Str. 2, 

Mhd. i. 
a. Regelmäszig ei (ey) : eil W. 680, 8 weil ebd. c 
W. 680,9 speis ebd. 16 reicher W. 682, 1, 1, wo in den I 

») S. o. S. 6. 



346 Die Handschnft. 15 

arten richer angegeben ist, aber deutlich ei steht, nur dass das 

e durch die grosze Initiale des B fast ganz verdeckt worden ist; 

leib W. 582, 2 erpeit W. 557, 4 schreib 18, 86 gereichet W. 647, 2 

geUichet ebd. Für hymelrich W. 600, 2 vgL Weinhold, Mhd. 

Grammatik^ § 16, wonach riche in Gompositis im Mhd. auch 

kurz gebraucht wird ; aber a schreibt auch noch zit 27, 28, 

VgL dazu u. unter fi. (Bl. 241 b : schrein : schein W. 662, 3 

ehindelein ebd. leihes ebd. 4 geleich ebd. 7). 

ß. ei (ey): eunnenschein 28, 19 rubein ebd. 26 fleia 66, 9 
•eins W. 668, 2 speis ebd. 3 speist W. 662, 6 sein W. 649, 1 
schreibet 82, Str. 2. 

y. ei (ey) : preis W. 660, 1 schrein ebd. 2 leichnam ebd. 4 
•peiA W, 549, 4 mänildeich ebd. 2 frey 89, Str. 1. Für erdtrichs 
W. 595, 5 vgl. 0. zu hymelrich und reich W. 560, 8. 

Mhd. ü. 

a. au: saun nacligebaur: schaur: traur: behaur: figaur 
W. 557, 6 kaum 18, 16; und noch ü: natwren: truren W. 657, 3 
crtaturen: euren: truren W. 665,6. Über die Mischung der 
dten Diphtonge mit den neuen bei Dichtem und Schreibern 
Tgl Mhd. Or. § 106. In unseren F&llen erkennt man über 
dem dem ü vorausstehenden Konsonanten stets ein kleines a in 
ganz feinen Zügen. Vgl. ß: lawter 28, 29 trawert 29, 12 
^ 34, 35, y: aussen W. 560, 2 trctwt W. 526, 2 auf ebd. 6, 
ft hier und dort nur in F&llen wie creatur 56, 43 nature :figur(e) : 
fy^e ifigure W. 560, 7. 

Mhd. ie. 

a. ie: hie W. 580,8. — ye: ye ebd., gewöhnlich. — 
i: s^tnei W. 580,23 libster 17,14. — y: ny W. 580,6 wy 
öbd, 15. (Bl. 241 b : empfieng W. 562, 3. — ny« ebd. 4. — 
•cAir ebd. 5. — dy ebd. 7). 

ß, ie: ;t>2^ 28,31 /ie& 55,46 czierd W. 683,4 Lesart. 
^^ W. 663, 1 ««rdrw«««n W. 549, 1 schier 81, 36 die W. 559, 5 
(mid dy ebd.). — ye: nye 66,6 dyemüetikait W. 683,6 dy« 
^- 648, 1 nyessen W. 549, 1 nye« ebd. nye 85, 53. 



16 ^' Arnold Mayer u. Heinrich Eiet8ch 

y. ie: die (die steht schon früh neben diu^ Mhd. 6r. S. I 
W. 560, 1 lieb ebd. 4 vne W, 526, 6 ^ W, 552, 2 vier 
549,3 die ebd. 2 fliehen 89, Str. 23. — ye: (nye W. 541 
90, Str. 3 ist vereinzelt) : hye W. 560, 7 yesUicher ebd. 
und dye W. 549, 5 <^ 92, Str. 2. — y : dy W. 526 
W. 549.2.4. 89, Str. 1. — i: schir W. 552,1. W. 549,2 

Mhd. üe. 

a. ü: gut: gemüt 18, 27. 29. (BL 241b: vmbrüH W. 562, 
ß, üe: grüenem 28, 19 grüeblein ebd. 26 plüemlein 56 

vngefüegen W. 586, 4 dyemüetikleich W. 568, 5 UTuest W. 569 

^rrö^ner W. 548, 2 «nietet 82, Str. 1. 

y. üe : rw^/ W. 552, 1 brüeder W. 549, 5 grüeM i 

Str. 20. — ü: fürt W. 526, 3 mö« W. 549, 5 flüt 92, Str. 

Mhd. no. 

a. uo (geschr. ü, vgl. fi o. S. 15): tu W. 580, 15 < 
ebd. 17. — u, das bald allein herrscht: plut W. 580, 2 rer/u< 
ebd. 5 muter W. 581,1 guten ebd. 10. (Bl. 241b: trueg 
562, 3, ue kommt bei a nicht vor, wohl aber bei ß\ s. u. 
18 ; mueter W. 562, 5, wobei e aus o gebessert ist). 

ß. ue: 5^^ 54,5 tuet 55,16. W. 583,5. 87,15 ph 
W. 583, 2 ruem ebd. mueter W. 583, 1. 11 yu€^er ebd. und 
10 czue W. 563, 3 (neben czu, z. B. 51,8. 19). 

y. ue: iwe W. 560,11 suechen W. 526,4 pii^: ^r 
svss W. 549, 4 versuechen ebd. 3 gueter 89, Str. 3 ßueches ( 
62 ti^«< 92, Str. 2. — u : «u«« W. 560, 12 zu W. 54 
fluches 89, Str. 3. 

2. Konsonanten. 

Mhd. k(ck). 

a, Regelmäszig k, aber auch ch : chain W. 580, 9 cl 
W. 557, 2, und auslautend nach r: werch W. 580, 18 vmrch i 
verparch W. 547, 5 sarch ebd. — kch: erkdiant W. 557 
(Bl. 241b: kewsche W. 562,3, meist ch: ehindelein ebd 
chains ebd. 4 fitchant ebd. 5). 



348 Die Handschrift. 17 

ß. k (kk, ck): häwscher W. 586, 2 klar W. 576, 1 kröne 
W. 678, 1 kristerUeiehem W. 549, 1 erschrikt 28, 46 gedenk 56, 19 
anplick 28, 18 dikken ebd. 20. — gk: langk 28, 21 smagk W. 
683,4 schvldigk W. 563,3. — ch: schrichen: schichen 44, 34 f. 
— kch: dikeh 82, Str. 2. 

y. ch : ehaxn W. 563, 3 chömen W. 695, 6 cÄ<5ren W. 
549, 3 cJdar ebd. chan ebd. 4 cAatn ebd. 3 chunst 89, Str. 1 
tUamme 90, Str. 1 cAatn 92, Str. 2 ftecAann« W. 595, 3. — k : 
hmfh W. 563, 5 kwnig (mhd. ifcönü?) W. 595, 1 kayserin 89, 
Str. 54 keusctien 90, Str. 1 scMkest W. 596,4 treiben 100, 
Str. 1. — gk vereinzelt: herrttiffkleich W. 615, 1. — kch: dankeh 
W. 615, 1 hekchen W. 549, 3 bekchen ebd. plikch ebd. kleckch^n 
ebd. ^uJfccA^ 92, Str. 2. 

Mhd. w. 

a. w: wünsch 11,2 trenn 11,20 2:trt> 11,20. (Bl. 241b: 
tm W. 562, 4). 

ß, w : trann 38, 2 «?a/en W. 548, 1. 

y. w: weltleich W. 560, 13 wandeln ebd. 14 6«i7ar< W. 560, 1 
eniwe/ffen 89, Str. 1. — b: «r W. 563,2 belcJien W. 549,3 
«% W. 615, 1 erUbirf 89, Str. 1 und oft BO. 

Mhd. 8 
ist regulär. 

Mhd. 5 (55). 

of. Regelmässig z, zz: te^ W. 580, 6 gruzz W. 580, 13 
^ebd. 14 süzzer ebd. 16 strauz ebd. 17 ^^02: ebd. 22 allez 18, 4 
^2 ebd. 6 1002: ebd. 18. Auch s, im Pron. (Art.) das, z. B. 
^. 567, 1. 13, 46 u. sonst 0. (Bl. 241 b : slos W. 662, 3 das ebd.). 

ß, s: d<w 56, 10 vergis ebd. 31 edeh W. 583, 11. — ss: 
^Blossen W. 583, 3 verdriessen W. 549, 1 frässiff 82, Str. 2 
^« 87, 2 ; auch fz : mafz 66, 14 ««^A W. 683, 6. — z, ver- 
«iiizelt: 5ru€te 35,2. 

y. s: swäres W. 563, 3 au« W. 595, 1 verlos ebd. 5 /o« 
^. 549, 3 d(w ebd. 4 cZo« 90, Str. 8 ßus ebd. 10. Auch ss, 
^ B. wower 91, Str. 4 mafs (Praet.) 90, Str. 8. 

8 



18 F. Arnold Mayer u. Heinrich Eietsch 34 

Mhd. z. 

a. z: zu 22 f 9 zartem 23, 40 zioar ebd. 46. — cz: stcarc 
22,2 ganczen ebd. 21 herczen 23,21. (Bl. 241b: herczen Vi 
562, 3). 

ß. z : zoren W. 648, 1 ze W. 549, 1. 80, s. II, 10 Lesart 
— cz: czunff 40, 8. 20, 13 c^t* 40, 8. 20, 15. W. 686, 1. W. 662, ( 
czaH 41,1. 80, s. 11,39 czaiy W- 686,6 czäher W. 549,1 
czwir 80, 8. 11, 20 verczert 40, s. 20, 6 kärczleich 41, 18 herczef> 
ebd. 22. W. 686, 6 beczaichent ebd. kriwcz ebd. /terc2: W. 663, i 
W. 649, 2. 80, 8. 11, 3. 

y. z : zart W. 662, 2 zu ebd. 2;tin^ W. 649, 5 zeit ebd. ! 
zukcht 92, Str. 2 bezaichung W. 649, 3. — cz: czwen W. 552, 1 
(jzM^ar W. 649, 3 czvoeifl ebd. czweifeU 89, Str. 2 Aerc-? W. 652, 
verspierczten ebd. 3 chreucz ebd. 4 verczbeifel W. 649, 3 A«rcr^ 
ebd. 89, Str. 1 gänczlüh 90, Str. 1. 

Dies wird genügen zur Kennzeichnung der Schreiber uo 
zur Bechtfertigaug der vorgenommenen Unterscheidong dei 
selben von Seite der Orthographie. Oegen W.*s Angabc 
(E.< I 368) hat also 

1) a noch ie, freilich selten, vielmehr sprach ebenso w: 
y auch a schon ie = i, und ebenso kommt auch uo hier noc 
vor; richtig ist dagegen, dass üe und ue hier fehlen, s und 
geschieden werden, -lieh und -leich, -lin (z. B. ärtrüin 11, 2 
aber auch -lein, z. B. pblmlein W. 580,18); nymand 
B. 11,9. 

2) ß scheidet zwar i und ie, hat u und ue, ü und ü 
unterscheidet aber nicht immer ei und ai. nye 56,6. ^ 
583, 5 nyemand 28, 16. 

3) ist gegen W.*s Angaben zu bemerken, dass y zwisch« 
i und ie, u und ue, ü und üe überhaupt keinen, zwischen 
und ai nicht durchweg einen Unterschied macht; nyemandt ^ 
526, 7 iiyemant 89, Str. 2. 

Was wir unten unter VI aus der Hs. mitteilen, beschrän 
sich im Wesentlichen auf die weltlichen Lieder. Für d 
übrigen Stücke verweisen wir unter dem Text auf die Dnic 
und führen auch ungedruckte Stücke nur mit den Anfang 



350 IHe Handschrift. 19 

Worten an. Der Text macht den Ansprach einer genauen 

Wiedergabe der Überlieferung nicht mehr. Nur haben wir 

die Zeilen abgesetzt, und zwar mit wenigen Ausnahmen 

alle Beime, da sich verhältnismäszig sichere Kriterien fftr 

innere Beime nur in den seltensten F&llen boten (s. Abschn. Y 

B und die Anm. zu No. 21. 23); in ihrer Bedeutung klare Ab- 

kftrzungen sind aufgelöst, in der Hs. getrennt geschriebene Com- 

poQta vereinigt (beides schon oben in den Beispielen fllr die 

Orthographie, und überhaupt im Folgenden bei Gitaten aus Hss.), 

Interpunktionszeichen wurden gesetzt und die Minuskel im Gontext 

gleichmäszig durchgeführt, y, f, y erscheinen durchaus in der 

Gestalt von y widergegeben, das lange f schon oben als s, ausser 

in Is, fz. Von den voUständig mitgeteilten Nunmxeni sind unter dem 

Text auch etwa erhaltene Lesarten angogebetL« Besser ungen^ 

anch ganz evidente, durchaus in die Anmerkwigen verwiesen. 

^ die kritische Behandlung des Worttextes hätte man von 

^rachlicher Seite insbesondere die Punkte 3 und 5 S/124f. zu 

beachten. 

Über die Art, wie hier der Notentext zum Abdruck 
gelangte, noch einige Bemerkungen. Die einfachen Mensural- 
TerhUtnisse der Lieder lieszen eine möglichste Annäherung an 
^ überlieferte Form zu, so dass nur bezüglich der Ligaturen 
^in Zugeständnis an die moderne Schrift gemacht werden 
^usste; dieselben erscheinen hier stets durch eine Klammer 
'^ über den getrennt geschriebenen Noten ausgedrückt. Wir 
Gelten uns auch nicht berechtigt, statt der Doppelrauten je das 
Wichen einer Brevis einzusetzen, da in anderen Fällen diese 
^Ibst gesetzt ist und der Schreiber also doch wol einen ünter- 
^idd gemacht haben wollte; welchen, ist allerdings nicht 
Uar. Dagegen wurde in der Übertragung stets das flLnflinige 
Kotensystem angewendet, da hierdurch grössere Gleichheit 
«rzielt und u. E. auch das Lesen erleichtert wird^). Auch 

^) Bei Übertragung vom vierlinigen System des Originals ¥riire et 
Se&iner, die fdnfte Linie blos zu punktieren, wie es E. Fischer in HSH. 
^^ 775fifL thnt, doch wurde dies wegen technischer Schwierigkeiten 
ttnterlaisen. 



20 P- Arnold Mayer a. Heinrich Bietscli 361 

in der SchlüsselTorzeichnnngy die wir oben als sehr willkfirlich 
bezeichnen mnsstent wurde dem Original nicht aUayisch gefolgt, 
aoszer bei zweifelhaften Stellen, wobei stets die f&nfte, oberste 
Notenlinie als die im Original fehlende zu betrachten ist. Der 
Notentext selbst ist ganz unverändert abgedruckt und auch hier 
sind alle Vermutungen über verderbte Überlieferung einzelner 
Stellen und deren etwaige wahre Oestalt in die Anmerkungen 
verwiesen. — 

Fast nur die geistlichen Stücke unserer Hs. (D) und die 
Oedichte von BL 258 a ab ^) finden sich, bald alle, bald einzelne, 
zum TeU auch um andere, hier nicht erscheinende vermehrt, 
mit und ohne Musiknoten, noch in vielen *) Hss., die hier is^ 
möglichster V(dMiiidigkeit angeführt werden. Direkt braützeo 
konnten wir voi diesen (meines Wissens durchaus Papierhss. ^"-^ 
doch s. u. Texte Ko. 16 Hs. 18) die Hss. 1. 12—17. 41a; a»- 
Hs. 3 verschafften wir uns die nötigsten Collationen. *) Für de ^ 
gröezten TeU der Hss., übrigens meist solche von geringerei^ 
Belfmg für unseren Gegenstand, standen nur abgeleitete Quellet 
zu Gebote. 

I. Münchner Hss. 

1. A, Cgm. 715, 4^ aus Tegernsee, (im Catalogus codicun]^ 
Y 119), die vergleichsweise vollständigste und beste der hiei^ 
zu nennenden Hss., aus der ersten Hälfte des 15. Jhs., s. Pfeiffer^ 
in den Altdeutschen Blättern II 325. P. beschreibt sie und^ 
gibt den Inhalt ausführlich an; ein altes Choralbuch (a. a. 0^ 
326) war sie aber ebenso wenig wie D, denn sie enthält odeci 
enthielt wenigstens auch weltliche Lieder. A bietet aus Ds- 
mit Ausnahme von No. 52 und den wenigstens im alten Registei^ 
der Hs. angeführten NNo. 61. 66, alle eigentlich geistlicheir:: 

*) Wo noch andere Lieder aus D erscheinen, sind im folgende^ 
Verzeichnis ihre Nummern durch den Druck hervorgehoben. 

*) So wie Hoffmann, Geschichte d. deutsch. Kirchenliedes ' 143 " 
schon vermutete, als er dort aus dem Inhalte von D No. 8. 61. 6^^ 
64. 67. 69. 71. 78—76. 76 anführte. 

•) Einen Aufenthalt in München vor mehreren Jahren benütz — 
ich fast ausschlieszlich zu Nachforschungen über den Stoff des U. 
Schnittes (vgl. u. S. 58 Anm. 1). 



352 IHe Handschrift. 21 

Lieder % sowie wenige weltliche (über diese u. S. 36 f.). D 

No. 99, der Cisioianus (s. o. S. 12), ist in A, wie No. 61 und 

66, nur im Begister angef&hrt. Anszerdem enthält die Hs. 

in Dbersetznngen und deutschen Originalen : 4 (lY) (Numerirung 

nach Pfeiffer a. a. 0., der auch die Alinea verzeichnet) Ein 

ander vinger^ Salue mater 6 (V) Ave virginalis forma 7 (XI) 

Vterus virgineus 12 (XII) Stabat mater 15 (XXIII) Festum nunc 

16 (XXII) Surgit Christus cum tropheo 23 (XVI) Crux ßdelis 24 

(XXXII) Van sand Elyzabethen 25 (XXXI) [Celi enarrant] ») 26 

(XXXTTTa) Joseph lieber nefe mein 29 (XVII) Inve(n)tor rutili 

SO (XVni) Salue festa dies 13 (XIX) Zw ostem 32 (XXI) Ain 

^nd^^) Mundi renouacio [des WolkchenstainerJ 33 Von vnnser 

f^trcwen gruefz 34 Ave meres steme usw. 3$ (VIII) Mittit ad virginem 

/hat der Oswald Wolkenstainer gemacht] 44 (XL VII) Von sant 

Jt^arteins gesellesehaft 45 (XLVIII) Ein [rädel von sand MarteinJ 

CXLEK) /Ein rädel von wirtten] (beide nur mehr fragmentarisch 

erhalten, s. näheres im Anh. unter. 2 und 3). Gleichfalls in D 

fehlend, aber auch in A nur im Begister angefBhrt sind : (XXXIV) 

-EXn lied des Münich usw. (XXXV) Salue regina glorie (LIII) 

Oswald Wolkchenstainer von gespot der vrawen usw. (LV) Von 

cLrczten usw. (LVI) Von des hymmels umbsweif usw. (XXIV) Der 

ympnus ze phingstenn usw. (XXV) Veni sancte spiriius usw. 

(XX VI) Der ympnus von der heyligen drt/faltikait usw. 

1 a. Au, Ggm. 379, 4^, 1454 in Augsburg geschrieben (s. 
Bolte, Ein Augsburger Liederbuch vom J. 1454, in der Alemannia 
18, 97 ff.) enthält D No. 63. 26. 17. 60. 

2. C, Cgm. 628, fol., von 1468 (Cat. V 101, Ad. BL II 
325): D No. 1. 5. 6. 70.^72. 78, auszerdem Bl. 250d>is 251b 
A. No. 33. 



') Die Alinea ist unten in VI unter der No. des einzelnen Liedes 
^®^®>i&al genannt; dasselbe gilt von den im Folgenden aufgeführten Hss. 
^ die Stücke au« D. 
•) L. ringer, 

*) Was hier in [] steht, ist aus dem alten Register der Hs. 
*) Im Begister geht unmittelbar voraus: Mundi renouacio 
f^^t^Ä No. 71). 



28 F. Arnold Mayer u. Heinrich Bietsch 353 

3. K, Cgm. 4997, 4 ^ 15. Jh., vgl. B. Ml. und den 
Cat. VI 511 ff. : D No. 1. 5. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 52. 66. 78. 79. 
82. 89 (70 Str.). 90 (4 Str.). 91. 93. 96 (blas 3 Str.). 99. 10». 
A 46 (XXIV)?? (8. u. S. 38). Mitten unter diesen Lieden 
steht eines Bl. 638, das beginnt : Ich hü dich^ geber guter ding^. 

Es folgen nun: 4. Cgm. 1115, fol., erste Hfilfte des IS- 
Jhs. (Cat. V 170 ; W. K.« I 365 ; ebd. II 409 mit B bezeichnet). 
Hier stehen hinter Notata circa res sacraa varia latma: D 4.. 
61. 62 (nur die ersten Zeilen, vgl. W. K.^ I 366, die Angabe 
ebd. II 378 könnte irreführen). 69. 70—76; dazu aus A: BL 21 a 
No. 6 (V), 28 b No. 7 (XI), 39 No. 26 (XXXHIa). 

5. Cgm. 444, 4«, von 1422 (Cat. V 73): aus D No. 1 
N'Z aus des Munchs van Sahburg ABC auf Maria; feraex 
No. 61 (mit dem Orig.); dann BL 18 (vgl. W. K.« H zu ^o. ] 
610) das tewcs magnum namen, voran geht Bl. 17 (vgl. den Cat- 

a. a. 0.) das lateinische Original ; Bl. 20 Dies est laetiiiae, ebenfalls 
lateinisch und deutsch. 

6. Q, Clm. 4423, 8^ J. 1481—1482 (Cat HI 2 S. 16^^' 
W. K. ^ II 409) enthält unter Anderem Carmina Monachi Sdt^ ' 
burgensis, nämlich: D No. 1. 5. 6. 16. 70. 72. 78; BL 5^ 
A No. 33. 

7. Cgm. 361, 4^ v. J. 1474 (Ad. BL II 346 steht irr-^ 
tümlich: 13. Jh.). Darin D No. 8. 96. (S. Aretin's Beitrag 
z. Geschichte u. Litteratur 9, 1128—78). 

8. Cgm. 716, 4^ 15. Jh. (Cat. V 119): D No. 3; auc 
No. 1? (s. Cat. V 34). 

9. Cgm. 270, 2^ 1464 (Cat. V 34): D No. 1. 

10. Cgm. 1019, 4^ 15. Jh. (Cat. V. 166): D No. 9. 

11. Clm. 5967, 4^ 15. Jh., enthält nach dem Cat. UI^ 
3 S. 60 D No. 5. 67. 71. 

II. Handschriften der Wiener Hofbibliothek, 

12. E, 4696, 4^ von Lambacb, aus der ersten Hälfte^ 

des 15. Jhs. (so W. K.* II 409; schlechtweg aus dem 15. Jh 

Tab. III 353, Wolf iq den Ad. Bl. II 311 und H. V. 167) ist::^ 
ausführlicher von W. K. * I 369 beschrieben, nachdem zuerst:::^ 



354 Die Handschrift. 23 

Primisser ^) in Hormayr*s Archiv 1822 S. 362 und danach H. K. ^ 
143 die Hs. erwähnt hatten: D No. 2—4. 16 (mit einer Strophe 
mehr als D). T7. 61. 62. 67—69. 71. 73. 74; aus A: BL 159 a 
6 (VJ, Bl. 145 b 32 (XXI), Bl. 139 a 35 (VIII), BL 149 a 46 
(XXIV), Bl. 150 a 47 (XXV), Bl. 152 a 48 (XXVI), Bl. 168 a 
44 (XLVn), Bl. 170 b 45 (XL VIII); dann ein weltUches Lied, 
das ich im Anh. unter No. 4 mitteile.^ 

13. d, 3741, foL, 15. Jh. (1469), wie D aus Mondsee 
(olim Lunaelac. f. 195, Tab. III 72). Das Papier hat ein Wasser- 
zeichen, dass sich ähnlich auch in D findet, und so sind beide 
Hfls. möglicherweise an demselben Orte, vielleicht in Mondsee 
selbst, entstanden, d enthält D No. 1. 5. 6. 16 (s. unter der 
No. in den Texten). 70. 72. 78, dazu BL 17 a A No. 33. 

14. P, 2975, 4^ von 1465 (s. die Tab. H 165 f.; beschrieben 
auch von H. V. 170 ff., W. K.* I 369 f.): aus D No. 2. 3. 4. 61. 
68-65. 67—77, aus A BL 152 a No. 4 (IV), Bl. 156 a 32 (XXT), 
Bl. 154 b 35 (VIII) (Verzeichnis schon in Mone's Anzeiger 1838 
Sp. 577). 

15. 4494, 4^ 15. Jh. (Tab. HI 286), enthält D 76, 
unmittelbar vorher (BL 61 äff.) das Orig. 

16. 3946, f ^ 15. Jh. (Tab. HI 123), enthält deutsche 
Lieder, unter ihnen D 70. 71, BL 471b A 4 (IV). 

17. 3027,8^ 15.— 16. Jh.(Tab.II182; vgLH.V.188):D16. 

ni. Heidelberger Hss.: 

18. No. 109 (nach alter Bezeichnung, bei Bartsch, Die 
altdeutsch. Hss. der Üniv.-Biblioth. Heidelberg: No. 66), 4^ 
16. Jh.: D 7. 9. 

19. No. 355 (in B. Cat. 182), 4^ 15. Jh.: D 8. 

20. No. 356 (in B. Cat. 183), 4^ 15. Jh.: zuerst BL 87 a 
öiö Gedicht, das beginnt: Da got jn siner Meyenstat / Gar 
^^iclich sin hand getai usw., vom Mönch v. Salzburg ? s. Bartsch* 
gg ganist. Stud. H 309 f.; weiter D 1. 8, 9. 89 (Str. 30, 

*) der sie noch in Lambach fand. 

*) Ampferer, Über d. Mönch v. Salzburg S. 4 verwechselt diese 
^* mit D, ähnliche Versehen gibt es in der genannten Schrift auch 
•Wtttnoch. 



24 ^« Arnold Hayer u. Heinrich Bietsch 355 

ebenso, was auf Str. 60 folgt, fehlt, vgl. Sitzongsberielite i 
Wiener Akademie, Phüos.-hist. Klasse, 1867 S. 471 ff.); »0. 
20a. No. 372 (in B. Cat. 199), f^ 14. Jh.: D 62. 

21. No. 392 (in B. Cat. 214), 4^ 15. Jh.: D 82; 96 
(bricht ab in Str. 6 mit: noch hat vns got ain weisen sin ge[geben]). 

22. No. 693 (in B. Cat 314), 4^ 15. Jh.: D 82. 90. 92. 
Ferner 

IV.: 

23. Eine Yon B. Ml. 70 nicht näher bezeichnete Nürn- 
berger Hs. enthält D 91 (identisch mit einer der folgenden 
Hss. 24. 25 nnd 26?). 

24. No. 3910 des Germ. Museums, U. 8 ^ von 1421, 
enthält D 52, s. Die Erlösung von Bartsch S. 305 und S. LXIV l 

25. Hs. der Nürnberger Stadtbibliothek cent VI. 86, 
15. Jh., 8^: D 67, verhältnismässig nur ganz unbedeutend weichtder 
Nürnberger Text von der sonstigen Dberlieferung ab, s. dagegen 
a. a. 0. S. 293 und S. LX, wonach die Nürnberger Aufzeichnung 
eine ältere Obersetzung sein soll. 

(26. In der Hs. cent VII. 24, 8 ^ 15. Jh., steht (Bl. ?) 
ein deutsches Stabat mater, dessen Verfasser nach Bartsch a* 
a. 0. LVIIf. (vgl. 290 ff.) mit dem von Hs. A No. 12 (XII)i 
dem Mönch v. Salzburg, identisch ist, jene sei eine ältere Über- 
setzung des Originals, aber von demselben Dichter.) 

27. Eine Strassburger Hs. (wie 28. 28 a, 1870 verbrannt> 
B 121, 4^ 15. Jh. (W. K.« II 443. 528, Müller, Loufenberg 
9 ff.) enthielt D 1. 7. 8. 71. 82 (nur vier Str.? Müller 16); BL 
93 a steht ein deutsches Salve mater salvatoris, vielleicht von: 
Mönch (s. W. K.^ II zu No. 585) und dann seine dritte Über- 
setzung des Originals. 

28. Joh. A 82, f ^ Zeit? (s. W. K.^ II 420), enthielt D 7. 
28 a. G 374, 15. Jh., enthielt Str. 1. 2 und die ersten 

fünf Zeilen der dritten Sti-ophe von D 98 (s. W. K.* II No. 845). 

29. Die Hs. der Klara Hätzlerin, fol., von 1471 (s. H.H. 
S. IX) enthält: D No. 7—10. 16. 52. 59. 66. 

30. B echsteins ') Hs. (s. H. H. S. XXXVIII ff., der aber 

') Ludwig Bechsteiu, ehedem Bibliothekar in Meiaingen. 



^56 I>ie Handschnft. 25 

lier ebenso wenig, wie im Bericht der Deutschen Gesellschaft 
iVL Leipzig 1839 S. 44 über die äoszere Beschaffenheit der Hs. 
Genaueres mitteilt; s. jedoch AI. 18,98), 4^ (1612): D 59. 

31. Die Hs. des LL., 4 ^ zum gröszten Teile um die Mitte 
des 15. Jhs. geschrieben, enthält D 16. 17 (Ad. Bl. II 348 als 
Meusebach's Liederhs., s. auch M. Anz. 3, 277 f.). 

31a. Fichard's Hs., 4^ aus derselben Zeit, auszugsweise 
gedruckt F. A. m 196 ff. : D 60. 

(32. Hs. 1305 der Leipziger Üniv.-Bibliothek, Ende des 
U oder Anfang des 15. Jhs. (W.K.* II zu No. 605): Bl. 115 
A 26 (XXXnia), der Text stinuot mit dem von A ziemlich 
genau, nur hat jener um eine Strophe mehr, ebenso wie oben 
Hs. 4, s. W. K.« n No. 606). 

(33. Zwickauer Hs. No. X, 15. Jh. (s. Müller, Loufenberg 
23 ff.) enthält wie Hs. 27 W. K.« II No. 585.) 

34. Eine Hs. in 16® aus der ersten Hälfte des 15. Jhs., 
^6 früher dem Wiener Antiquar Kuppitsch gehörte (Earajan, 
Der Schatzgräber 145 f.), enthält Dl; Bl. 158 A 6 (Y). Wo 
tie Hs. jetzt sich befindet, ist nicht bekannt. 

35. Klostemeuburger Hs. 533, f<^, enthält, wie H. E.' 285 
vermutet, wirklich D 67, auszerdem aber D 74; beide Über- 
letzungen mit dem Datum 1418 am Schlüsse^). 

36. In einer Hs. von St. Florian (Czemy's Catalog XI. 37), 
^^ Anfang des 15. Jhs., stehen D 73 (Strophe um Strophe die 
Übersetzung mit dem lateinischen Original wechselnd). 16 (unter 
^m Titel : Ein gutt gepett) ; vgl. Ad. Bl. H 348. 

37. Hs. I 28 der kgl. PrivatbibHothek in Stuttgart, 4 ^ 
15. Jh., enthält D 16 (M. Anz. 1838 Sp. 288), ebenso 

37 a. Cod. asc. 38 von ebd. nach Bartsch, Beiträge z. 
QaeQeiikunde 381. 

38. Hs.der öffentl. BibUothek ebd.. Theolog. 19, 12 •(W. K.* 
D 421 : 8% 15. Jh. : D 8 (aber nach W. K. a. a. 0. nur der 
Aulgeaang der 1. Str. ; M. Anz. 1838 Sp. 282). 63 (a. a. 0. 283). 
39 a. Hs. 392 der Stiftsbibliothek in St. Gallen, 4 ^ 16. Jh. 

*) Herrn Bibliothekar P. Peterlin in Elostemeubarg bin ich zu 
^ Terpflichtet. 



26 F* Arnold Hayer ü. Heinrich Rietsch 357 

(ca. 1470—1480, M. Anz. 1833, 277), bietet D 16 (7 Str.), & 
Scherer, Verzeichnis der Hss. der Stiftsbibliothek Ton St Gallea 
S. 544. 

39 b. Dasselbe Lied enthält die Hs. 455, f^ 15. Jh., der 
dortigen Yadiana, Scherer, St Gallische Hss. in Auszügen S. 36, 
dazu Scherer, Verzeichnis d. Mannscripte n. Inconabeln der 
Vadianischen Bibliothek in Si Oallen S. 130 (das Benedieite^ 
dem das Gratias folgt, steht hier als Des Münnchs benedictU 
von Saltzbiirg: im ganzen 5 Str.). 

40. Hs. W der Grazer Univ.-Biblioth., 8^ 13.— 14. JL: 
D 82, s. Beiträge z. Kunde steiermärkischer Geschichtsquellen I 
35, Germania 20, 442. 

41. Hs. H ebd., f^ 15. Jh.: D 52 (s. H.K.« 382). 
41a. S.^ die Sterzinger Miscellaneenhs., 4^ aus dem 

Ende des 14. Jhs. (WSB. 54, 293 ff.) enthält von D: 12. Ba. 
26. 36. 63. 73. 76. 

42. Die Wüten. Meistersängerhs., U. f ^ 15. Jh. (WSB. 
37, 331 ff., dazu B. Ml. 102 unter 56) hat von D 89 Str. 1-18. 
43—45, dazu am Anfang 3 Str., die in D fehlen, aber in Hs. 20. 
44 (alle 3 wohl auch in K, s. WSB. 55, 471 f.) stehen; dann 
D 90 (WSB. 37,340, B. Ml. 102) und 98 (WSB. 37, 359 f., 
B. ML 97). 

42a. Eine Friauler Hs., gr. 4^ 14. Jh. (?), enthält D 
No. 63. 69. 70, s. Germ. 23, 30 f. 

42 b. Görzer Hs. No. 447, 4^, vom Ausgang des 14. Jhfl«' 
Bl. 1 Str. 1 von D 16 ; Prof. Adler in Prag besitzt eine phot»- 
graphische Reproduktion. 

43. Die Donaueschinger Hs. 120, kl. 2 ^ 15. Jh. (s. Barack's 
Catalog) ist ein Auszug aus K (B. Ml. 92): D 8. 

43a. Hs. 111 ebd., 4^ 15. Jh.: D 16 (s. u. die Texte)- 

44. Die Göttinger Hs. 21, f^ von 1463 (WSB. 56,452> 
gibt D 82 (8. a. a. 0. 485 unter XIII, 16—20) unter 25 Str.» 
die von der wirde des gesanges und anderem handeln ; 0*89 unter d^^ 
72 Strophen Zu lobe unser frouwen (a. a. 0. 471 ff., 4-^72; 
Str. 47 von D steht vor D 46, die Ordnung von D auch '^ 
Hs. 20 oben); D 90 (s. a. a. 0. VIII, S. 477 f.: Von der schond^ 



Die Handschrift. 27 

natüre); 92 (a. a. 0. S. 464, 21—23, unter II, S. 461 ff.: 
Sprüche Von der herschaft der erde); 93 (Von der kunst 
onomie, a. a. 0. XII S. 482 f.; D Str. 12 steht vor D Str. 11); 
(a. a. 0. 470 f. : Di bibele und di prophSten). 

45. Karlsruher Hs. 81, 4 ^ 15. Jh., s. M. Anz. 7, 393: D 82. 

46. Hs. IV 28 der Basler Univ.-Biblioth., U. 4^, zweite 
fte des 15. Jhs.: D 82 (B. Beitr. 277). 

47. Die Gregoriushs. aus Spiez am Thunersee, Beiträge z. 
chichte d. deutschen Sprache u. Litteratur Ton Faul u. Braune 
90 ff., kl. 4^ aus dem ersten Viertel des 15. Jhs., enthält 
l 9 (a. a. 0. 358 ff.). Beide Gedichte sind in der That Von 
iselben Verfasser', wie Faul nach der gleichen Strophenform 
mutet, und 'nicht viel älter als die Hs.' 

Von den o. S. 20 Anm. 1 bezeichneten weltlichen Liedern, 
D enthält, finden sich, wie das Vorstehende zeigt, nur wenige 
h in anderen Hss. auszer dieser (vgl. u. S. 142). 



Man füge hinzu, zu I: 

48. Cgm. 746, 4«, 16. Jh. (Cat. V 126): D No. 91. 

48 a. Cgm. 811, 8^ Hitte des 15. Jhs. (Keinz in den Sitzungs- 
icbten der bair. Akad., Philos.-histor. Cl., 1891 S. 689 ff.): D No. 78 
nnz a. a. 0. 668). 

49. Hone in seinem Anzeiger 1838 Sp. 493 ff. verzeichnet den In- 
t einer gröszeren Hs. aus dem Anfang des 16. Jhs. in der Stadt' 
liothek zu Begensburg. Diese Hs. muss sich jetzt in München befinden, 
nigBtens sind die Hss. der Regensburger Stadtbibliothek dahin ge- 
Qmen. A. a. 0. Sp 496 unter 49 heiszt es: Münch von Salczpurg 
) Hervorhebung ist von Mone) korbeifz. Ist das Salve Regina glossirt 
l 0. S. 21 Hs. 1). 

Zu IV: 

50. Klostemeuburger Hb. No. 725, aus dem Anfange des 15. Jhi. 
der geschriebene Handschrifbencatalog in Klostemeuburg) : D No. 8. 

l M. Anz. 1838 Sp. 579. Diese Hs. und Hs. 85 konnte ich selbst 
sehen. 

51. Breslauer Hs. I. 4<» 466 enthält nach H. K* No. 128 D 67 
einer *im Wesentlichsten übereinstimmenden Fassung. Vgl. Erlösung 
LX und o. Hs. 25. 



88 



F. Arnold Mayer u. Heinrich Bieteoh. 



369 



(62. y. d. Hagen kennt MS. IV 762 eine Pergh$. {vgl o. S. 9(9 
des 13. (vielmehr 14.) Jha., wdche Dr. KoUer in LondiOn hesiUt, und 
scheint eines der beiden Gedichte D No. 9 oder^ir als in ihr enthalten 
zu bezeichnen. Diese Hs. ist nicht die einzige unter den aufjgreführten, 
über deren Verbleib mir die Nachrichten üshlen.) 

Hs. 42 wäre als Cgm. 6198 anzufahren gewesen. — Von Hs. IS 
besitzt W. Bäumker eine Copie, denn offenbar ist nichts anderes die 
Copie eines geistlichen Liederbuches aus dem Anfange des 15, Jahr- 
hunderts, aus der er in seinem Buche : Das katholische deutsche Kirchen- 
Ued, 1886 ff., wiederholt citirt (z. B. I 366). 



n. 

I>er Mönch von Salzburg und der 

Erzbischof Pilgrim IL 

Der Hof von Salzburg und salzburgische 

Lyrik. 



f'l,h 



Die 31 geistlichen Lieder unserer Hs. D, zu der wir 
8 nnn zunächst rfickwenden, sind bekannt aus W. K.^ 11 409 ff., 
r No. 52 Ich wachter sol erwecken usw. steht a. a. 0. 328, 
ist von Peter von Arberg ^). Von den übrigen 30 nennt zu 
(da in No. 77 No. 63 wiederholt wird «)) die Hs. selbst im Titel 
er den Liedern als Verfasser den Mönch (s. o. S. 12). Es bleiben 
a den geistlichen Liedern somit noch: No. 16 (Allmäcluig got, 
r Jhesu Christ, W. K. * II No. 600). 62 (Eya, herre got, was 
ig das gesein, W. K.* No. 526). 64 (Kunig Christe, macher 
er ding, ebd. No. 595). 65 (Ei/a der grossen liewe, ebd. No. 
5). 72 (Sälig sey der seiden czeit, ebd. No. 588) = fünf, 
ter der oben (S. 6) abgetrennten zweiten Gruppe von 69 Ge- 
hten sind 12 Gedichte, z. T. sehr umfangreich und in der Art 
\ späteren Meistersanges*), die den Schluss der Hs. bilden, 
r heben vorläufig von diesen nur eines heraus, No. 99, das, 
ilich trocken und lehrhaft wie die anderen, doch in der Hs. 
bst schon als Cisioianus des Münichs unterschieden wird 
rL 0. S. 12. 21). 

*) Nicht, wie Germ. 12,90 aDgenommen wurde, Burggraf von 
Ufers in der Schweiz (so noch W. L. I 465); zum Jahr 1866 führt 
> Limburger Chronik seine g^rosze Tageweise an. S. über ihn die weitere 
tteratur bei G. G. I 237. 

«) Unrichtig sagt W.K.« U 481 (zu No. 663) von diesem Liede: 
Zeichnet zweimal den Mönch als Verfasser, 

*) £s sind fast durchaus eigentlich meisterliche Dichtungen: 
*' 89. 90 bezeichnet der Schreiber je am Schlüsse als maistergesangk ; 
i« auch über 90: Hie teil der maister sagen usw.; über 100: Bte- 
^ toil der maister sag^n usw.; 92, Str. 1 ich hör die maister 
* gelatiben anders schreiben; 93, Str. 1 Wer zeucht sich maister für, 
' yem . . . auff sliessetm haist . . . mit der kür gesang, als man es 
f 94, Str. 9 ich sprich, das maister zung ir weyshait nyemand 
''^en hegreiffen chan-, dazu u. S. 132 Anm. 2. 



.v*r, 






32 ^- Arnold Mayer a. Hdnrich Biettch 363 

Genanere Nachrichten über diesen Mönch, Ton dem 
schon jetzt behauptet werden kann, dass er jedesfidls in 
bedeutendem Masze an den Gedichten unserer Hb. beteiligt 
gewesen ist, und seine dichterische Thätigkeit geben nun einige 
der anderen, o. (S. 20 ff.) genannten und im folgenden nochmals 
anzuziehenden Hss. Dem Alter und der Bedeutung nach steht 
A (o. als Hs. 1) voran. Hier besagt die Vorschrift auf Bl. 1k% 
dass folge: 

Ein regtster mit dSurtscheti sequenczen von vnnser lieben 
vratoen, auch sequenczen von etleichen heyligen vnd auch t/mpmu, 
auch geistliche vnd werltliche lied, so ein wolgelerter herr, her 
Herman, ein münich benedictiner orden czw ScUezbwgk, zw dm 
selben czeiten mü sampt ainem laypriester herm Martein gemadd 
haben vnd zw dewtsch bracht durch begrüessen vnd an begem 
des hochurirdigen ffürsten vnd lieren^ herm Ih/lgreim, erczbysckof, 
legat ze Rom, ze ScUczpurk erczbyschof, vnd es hat yeder \ 
puechstab seine natnens ainen vers, darjnn man*) manige ßg^ 
aus der bybel gesammet*) vnnser lieben vrawen zugeleicht mui» 
vnd ist dy erst gexcesen, darvmb jn der bemeü herr ze den nlben 
czeiten ein ritter pfruent geben hat. 

Hier ist der Wortlaut genau zu überlegen. Das folgende 
Begister enthalte, heiszt es: 1) Deutsche Sequenzen auf die U. 
Maria 2) solche auf andere Heilige 3) Hymnen 4) geistliche 
5) weltliche Lieder *). Diese hätten gemacht . . . vnd zw d, brachU 

*) Pfeiffer Ad. Bl. U 826 ; Ampf. 2 ; W. K.« I 866. 

') man ist zu tilgeu. 

*) gesamet (so schreibt die Hs.) vnd wollte Professor Hein^«^ 
lesen, derselbe im folgenden ist daz (dz) für ist dy, 

*) Die aus dem Lateinischen übersetzten Gesänge sind im Begistef 
nur zum Teil speziell als Hymnus oder als Sequenz bezeichnet. Bl. 2^ 
oben steht TmpnuSt das scheint wenigstens für alle Gesänge diese^ 
Seite zu gelten, denn von diesen ist mit Ausnahme eines einzigen jed?^ 
noch ausdrücklich als 'Hymnus* bezeichnet; von Bl. Sa folgen dan^^ 
wieder * Hymnen' und * Sequenzen vermischt. — 'Lied' dürfte hier, wen"^ 
der Ausdruck von einem Gedicht als ganzem gebraucht wird (z. B. Re^ ' 
No. XXXVn Ein kostleich lied ....)» deutsche Originaldichtung be — 
zeichnen, das Wort steht aber auch einfach für * Strophe' (z. B. Reg. Nor - 
XLI Ze iceynachten fünf kostlich lied . . .). 



364 Der Mönch von Salzburg. 33 

d. h. ja wol aus dem Lateinischen übersetzt (zw d. br,) und selbst 
Terfasst (gemacM) zwei Männer : ein Benediktinermönch, Herr ^) 
Hermann, ein wolgelerter lierr (er verstand Lateinisch, denn er 
übersetzte lateinische Originale und dichtete auch lateinisch, s. u. 
S. 48), zw den selben cz. mit sampt, also im vereine mit, unter- 
stözt von einem ka/priester ^) heim Martein; und zwar hätten diese 
beiden gedichtet dwrch begr. vnd an beg, des • . . Pylgreim^ ercz- 
hyschof. . . . Hier heisst an fre^^er^n jedesfaUs auf Wunsch, die 
erste Formel durch begräeesen scheint dieser zweiten nicht blos for- 
mell, sondern auch dem Sinne nach parallel, synonym zu stehen, 
Tgl. auch in der Vorschrift der Lambacher Hs.: durch begeren 
md bete (unten S. 39). Man hätte dann an die alte allgemeinere Be- 
deutung des Wortes grüezen zu denken (Mittelhochdeutsches 
Wörterbuch von Benecke, Müller und Zamcke I 583). Was nun 
in der Vorschrift folgt, kann sich nur auf eines der folgenden 
Lieder beziehen, No. 1, welches im Regidter fehlt (No. 2 in 
D): ^dass jeder Buchstabe seines (des Erzbischofs) Namens 
einen vera CStrophenabschnitt', YgL Mhd. Wb. HI 308 b, 
Leier III 208 unter Ters (Strophe; Responsorium)) habe^ 
das Gedicht bildet ein Akrostichon nach den Worten: 
PTLGREIM ERCZPISCHOF LEGAT. Schüeadich heisst 
M: 'das besprochene Gedicht sei das erste gewesen, darum 
ä ilmen (nämlich den zweien) der Erzbischof eine Ritter- 
ff Pfründe gegeben\ wohl so zu verstehen, es war das erste, was 
^e machten, und der Erzbischof belohnte sie dafür (für dieses eine 
Gedicht oder lieber für ihre ganze Thätigkeit P) in dieser Weise. 
Aus dieser Angabe würde also folgender Sachverhalt 
IiQryorgehen: der Erzbischof Pilgrim von Salzburg, ein kunst- 
^^luiiger Herr, stand mit dem Benediktinermönch Hermann in 
Verbindung, der fär ihn geistliche und weltliche Lieder dichtete 

') Bezeichnet hier wohl nicht den Adel, ygl. Lexer^s Wörterb. 
^ 1269 unter herre; ferner das Deutsche Wörterb. d. Br. Orixom IV/8, 
^^^, unter d. W. de), wonach die Geistlichen volksmäszig auch Herren 
^^^inen (Kirchherr ^ Pfarrherr), auch der 'Laypriester' heiszt u. Herr 
C^- Anm. 2). 

*) d. L Weltgeistlicher, s. Lexer's Wörterbuch I 1867 unter 

^^ienpbaffe. 

8 



i 



34 ^* Arnold Mayer u« Heinrich Rietsch 365 

und übersetzte und dabei Ton einem Leutpriester Martin unter- 
stützt wurde ; der Erzbischof belohnte beide für ihre Bemühung. 

Durch diese Erklärung der Hs. scheint Hermann mit 
dem Martin für alle Lieder, die das nun folgende Begister ?od 
A enthält, als Verfasser bezeugt Da nun dieses Begister alle 
geistlichen Lieder, die in D enthalten sind, aufl&hrt (mit Aiu- 
nahme Ton No. 52, s. o. S. 20), so hätten wir ja auch für 
die fünf geistlichen Lieder Ton D, bei denen dort der Verfasser 
nicht angegeben ist (o. S. 31), den Münch, das hiesse nach der 
genaueren Angabe in A : den Mönch Hermann mit dem Leut- 
priester Martin, als solchen Ton vornherein bestätigt Dem 
stellen sich aber sogleich Bedenken gegenüber, wenn die obige 
Angabe Ton A yor dem Begister sich aus dem Inhalt der Hs. 
selbst als ungenau erweist Denn wenn auch 

Eeg. No. V (Text No. 6) Ave virgmalis forma^ ein swir 
latein. hat maiater Jacob, ein schuelmaister ze Muldorf, gemaek 
gewiss nur so gemeint ist, dass das Original von diesem Jacob 
sei*) (es steht Ad. Bl. II 382, W.K.* I 220), so verhält es 
sich doch anders mit den NNo. 

VIII (35) Ein ander Mittit ad virginem. hat der Oswald 
Wolkchenstainer gemacld; und 

XXI (32) Ein ander Mundi renouacio. des Wolkclienstainer. 

Diese zwei werden indes nur so hinzugekommen sein, dass 
der Schreiber zu den Übersetzungen des Mönchs, die er in seiner 
Vorlage fand, noch je eine des 0. v. Wolkenstein ^) hinzufugte 
als ihm bekannte andere Übersetzungen derselben Origiaale*). 

*) G. G. I 237 fasst im Gegenteile diesen Jakob als deutseben 
Originaldichter. 

') Die Ausgabe von Beda Weber enthalt sie nicht, aber auch den 
Hss. fehlen sie, s. Zingerle WSB. 64, 627. 

') Die Hs. 27 (oben) bezeichnet in einer Vorschrift Laufenberj? 
als Verfasser des Buches, aber auch hier finden sich noch Lieder (rern^^^ 
Verfasser, zu einem katho bemerkt die Hs. selbst, dass er nicht ^^^ 
Laufenberg sei, er steht hier nur wegen des folgenden L/schen FacetuS; 
Müller, Loufenberg 13. Ganz ähnlich folgt in unserer Hs. D auf No- ^* 
nur deshalb No. 82 (von Heinrich von Mügeln, o. S. 12), weil in jenen^ 
gleichfalls das Motiv der 'Temperamente' verwendet ist. 






366 Der Mönch von Salzburg. 35 

Sonst findet sich hier unter den Liedern in der That nur eines 
noch, bei dem ausdrücklich ein anderer Verfasser als der Mönch 
genannt ist: 

Lni (fehlt dann im Text) Oswald Wolkchenstcdner von 
ffespot der vrawen. Der may Das gefräfz May dein}). 

Wir werden wol annehmen dürfen, dass die Erklärung der 
Vorschrift Geltung haben soll, wo die Hs. nicht eigens einen 
anderen Dichter nennt. 

XXXIV (fehlt im Text) ist noch speziell als Eigentum des 
Mönches bezeichnet : Ein lied des Münichz czw den toeynachien. ..., 
ebenso XL VI (im Text 43) Das Benedicite vnd Gracias des 
Munichz. 6L 4b heisst es nochmals (im Register): Etleiehe 
kostparleichew hübsche lied^^, so der bemeU herr gemacht hat mU 
vil ffiguren vnd subüliteten, paide geistleich vnd werlüieh. Die 
weltlichen Lieder, you denen schon in der Vorschrift Tor dem 
Begister und jetzt wieder die Rede ist, stehen auf BL 5 b ver- 
zeichnet, wir dürfen auch diese nach der wiederholten Angabe 
der Hs. dem Mönch und seinem Genossen Martin zuweisen, in- 
dem wir nur das schon erwähnte, nach der Hs. selbst dem 
Wolkenstein angehörige LIH, femer auch die vier Meisterlieder, 
die wie in D den Schluss der Hs. bilden und sich auch ohne 
eigene Bezeichnung schon durch den Inhalt genugsam Yon den 
übrigen scheiden (Tgl. o. S. 31, u. S. 37), hievon ausnehmen. 

Es ist nötig, eine Vorstellung davon zu gewinnen, in 
welcher Art sich Hermann und Martin in die Abfassung der 
Lieder geteilt haben könnten. Vor dem Begister von A heisst 
% der Mönch Hermann habe die Lieder gemacht 'zu den- 
selben Zeiten mitsamt dem Leutpriester Martin'; dann in 

*) Bei Weber beginnt No. XLI, Str. 1: Dtr may mit lieber 
^; LXXXIV, Str. 1: wuniMtcheTf wolgezierter may, dein sOess 
9^chray; XXXV, 2, 10 fF.: may, dein geschray sich floriret usw. 
^^^VI, 2, 1 sagt die Dame zu dem liebegirrenden Bitter: Ir liest 
gh mir wol ewem spot usw. (?); hingegen wird umgekehrt der 
A^chter von Frauen zu Augsburg verspottet, XCL Schlemmer- 
^eder LVni. LX (?). 

') Die geistlichen Lieder, die jetzt folgen, sind fast nur deuttohe 
^ginale, dies spricht für die obige Deutung von Lied (■. S. 82 Aum. 4). 

S* 



geistlicfaen Lieder, die in D enthalten sind, aufführt ( 
nähme Ton No. 52, s. o. S. 20), so hätten wir ja 
die f&nf geistlichen Lieder Ton D, bei denen dort der 
nicht angegeben ist (o. S. 31), den Mönch, das Messe 
genaueren Angabe in A: den Mönch Hermann mit d 
priester Martin, als solchen Ton Tornherein bestätig 
stellen sich aber sogleich Bedenken gegenüber, wenn 
Angabe Ton A vor dem Register sich aas dem Lnhall 
selbst als nngenau erweist. Denn wenn auch 

Reg. No. V (Text No. 6) Ave virgmalU forma, 
laiein. hat maister Jacob, ein schuelmaieter ze Muidorf 
gewiss nur so gemeint ist, dass das Original von dies« 
seiO (es steht Ad. Bl. II 332, W.K.* I 220), so i 
sich doch anders mit den NNo. 

Vni (35) Ein ander Mittit ad mrginem. hat de 
Wolkc/ienstainer gemacht; und 

XXI (32) Ein ander Mundi renouacio. des Wolkch 

Diese zwei werden indes nur so hinzugekommen i 
der Schreiber zu den Übersetzungen des Mönchs, die er 
Vorlage fand, noch je eine des 0. v. Wolkenstein*) h 
als ihm bekannte andere Übersetzungen derselben Ol 

^) G-. G. I S87 fasst im Gegenteile diesen Jakob alt 
Originaldichter. 






• \ 
•M 



geistlichen Lieder, die in D enthalten sind^ aufführt (n 
nähme von No. 52, s. o. S. 20), so hätten wir ja a 
die fünf geistlichen Lieder Ton D, bei denen dort der V 
nicht angegeben ist (o. S. 31), den Mönch, das hiesse n 
genaneren Angabe in A: den Mönch Hermann mit dei 
priester Martin, als solchen Ton Tomherein bestätigt 
stellen sich aber sogleich Bedenken gegenüber, wenn di 
Angabe von A Yor dem Register sich aas dem Inhalt 
selbst als ungenau erweist. Denn wenn auch 

Reg. No. V (Text No. 6) Ave virginalü forma, t 
IcUein. hat maister Jacob, ein schtielmaister ze Muldorf, 
gewiss nur so gemeint ist, dass das Original von diesen 
seiO (es steht Ad. Bl. II 382, W.K.* I 220), so vei 
sich doch anders mit den NNo. 

Vni (35) Ein ander MitHt ad mrginem. hat der 
Wolkchenstainer gemacht; und 

XXI (82) Ein ander Mundi renouacio. des Wolkc/iet 

Diese zwei werden indes nur so hinzugekommen se 
der Schreiber zu den Übersetzungen des Mönchs, die er i 
Vorlage fand, noch je eine des 0. v. Wolkenstein ^) hin 
als ihm bekannte andere Übersetzungen derselben Orig 

^) G. G. I S87 fasBt im Gegenteile diesen Jakob als d 
Originaldichter. 



366 Der Mönch von Salzburg. 36 

Sonst findet sich hier unter den Liedern in der That nur eines 
noch, bei dem ausdrücklich ein anderer Verfasser als der Mönch 
genannt ist: 

LUX (fehlt dann im Text) Oswald Wolkchmstainer von 
ffespot der vrawen. Der may Das gefräfz May dein}). 

Wir werden wol annehmen dürfen, dass die Erklärung der 
Vorschrift Geltung haben soll, wo die Hs. nicht eigens einen 
anderen Dichter nennt. 

XXXIV (fehlt im Text) ist noch speziell als Eigentum des 
Mönches bezeichnet : Ein lied des Münichz czw den weynaekten. ..., 
ebenso XL VI (im Text 43) Das Benedicite vnd Gracias des 
Munichz. BL 4b heisst es nochmals (im Register): Etleiehe 
hostparleichew hübsche lied^, so der bemeh herr gemacht hat mit 
vil ffiguren vnd siJftiliteten, paide geistleich vnd werlüieh. Die 
weltlichen Lieder, von denen schon in der Vorschrift vor dem 
Register und jetzt wieder die Bede ist, stehen auf BL 5 b ver- 
zeichnet, wir dürfen auch diese nach der wiederholten Angabe 
der Hs. dem Mönch und seinem Genossen Martin zuweisen, in- 
dem wir nur das schon erwähnte« nach der Hs. selbst dem 
Wolkenstein angehörige LIU, femer auch die vier Meisterlieder, 
die wie in D den Schluss der Hs. bilden und sich auch ohne 
eigene Bezeichnung schon durch den Inhalt genugsam Ton den 
tibrigen scheiden (vgl. o. 8. 31, u. S. 37), hieyon ausnehmen. 
Es ist nötig, eine Vorstellung davon zu gewinnen, in 
welcher Art sich Hermann und Martin in die Abfassung der 
Lieder geteilt haben könnten. Vor dem Register von A heisst 
es, der Mönch Hermann habe die Lieder gemacht 'zu den- 
selben Zeiten mitsamt dem Leutpriester Martin'; dann in 

*) Bei Weber beginnt No. XLI, Str. 1: Der may mit lieber 
^; LXXXIV, Str. 1: wuniMicher, wolgezierter may, dein sOess 
9^chray; XXXV, 2, 10 fF.: may, dein geschray sich floriret usw. 
^^VI, 2, 1 sagt die Dame zu dem liebegirrenden Bitter: Ir liest 
S^ mir wol ewern spot usw. (?); hingegen wird umgekehrt der 
lichter von Frauen zu Augsburg verspottet, XCI. Schlemmer- 
Üeder LVni. LX (?). 

') Die geistlichen Lieder, die jetzt folgen, sind fast nur deutsche 
OriginiJe, dies spricht für die obige Deutung von Lied (s. S. 82 Aum. 4). 

S* 



86 ^* Arnold Mayer a. Heinrich Bietsoh 

der Erklfinmg auf Bl. 4 b ist von ihm überhaupt 
Bede, der bemeU herr, also jedesfalls Hermann allein 
folgenden geistlichen ond weltlichen Lieder gemacht; 
bei einem einzelnen Liede ein Verfassemame steht, 
der des 'Mönchs\ also wieder des Hermann; die anc 
endlich (s. n. S. 38 f.), kennen überhaupt nur den 
keinen Martin^). Oberlegt man dies, so scheint, ( 
Martin, wenn anders die Nachricht von A überhaui 
verdient, den zu weigern zunächst nichts nötigt, bei dei 
der Lieder eine — wenigstens in den Augen des Schreil 
— mehr untergeordnete, beihelfende Bolle gespielt 
da liesze sich wohl vermuten, dass er die 6edicht< 
Mönch allein verfasste, in Musik setzte: es finden 
den Melodien manche volkstümlichen Charakters (s. Abs 
der Leutpriester kam viel unters Volk und hatte so (j< 
manches der Art aufzunehmen. Ich könnte dabei au 
l(^e des Hugo vonMontfort verweisen, dessen Oedichte c 
Mangold komponierte *). Ist das richtig , so fallen 
Folgerungen fort, die Wackemagel und andere aus der E 
Martin *) für die Autorschaft mancher der Lieder gezo| 

Aus dem Liederbestande von A waren uns (o. 
geistlichen Lieder, der bei weitem grössere Teil, w 
die Autorschaft der geistlichen Lieder unserer Hs. 
weltlichen Lieder in A sind: 

XL VII (44) Sand Marteins gesellsckaft : Wol ( 

») Vgl. dazu auch H. K.« 240. 

•) Eine Darstellung, wie Taf. 91 der Kraus'schen Mit 
der Manesse'schen Liederhs. (vgl. MSH. IV 434) wiedergibt, 
nächst nur die musikalische Begleitung des vortragenden I 
den Diener. — No. 79 A in Uhland's Volksliedern ist von *zv 
jungen , vielleicht einer der Komponist? Vgl., wenn Wizla^ 
auf eine fremde * Weise dichtete. Überhaupt gilt die Id 
Dichter und Komponist nur für die mhd. Blütezeit, weder f 
später, wo man so gern beliebten 'Tönen neue Texte unterl« 

•) Wie aber, wenn diese erst durch grobes Missverst 
Flüchtigkeit des Schreibers aus den Marti nsliedem der 
Ko. 1 — 8) erschlossen wäre? 



368 Der Mönch von Salzburg. 37 

gesellen I (im Text Bl. 180a. mit dem Titel: Von sant Marteina 
geeelleschaft). 

XLVin^) (45) Ein rädel von Band Martein, den voll- 
Bt&ndigen Text dieses mid des Yorhergehenden StQckes bietet 
nur die Wiener Hs. E (o. als 12). 

XLIZ (im Text nur m wenigen Überresten erhalten, s. 
im Anh. nnter No. 3) Ein rädel von unrUen. 

L (nicht im Text) Von den klafem vnd verratem vnd 
sehender priester vnd vrauoen. eint Judas ezugeleickt: dies wird 
dasselbe Lied sein, wie in D No. 59, Tgl. V. 1 lugnir, Idoffeir 
9 Judas ist dein aidgesell 20 du schütest priester vnd 
fratoen 25f. teer vjeib vnd priester schendet, des leben pös* 
kichen endet • . . 

LI (fehlt im Text) Zum newenjar, von anruefen gesellen 
(wohl Qen. sg.) ist vielleicht D 17, vgl. V. 1 Mein traut 
gesell . . ., Überschrift auch hier: Zu nSwen iar*). 

Dagegen ist LH (nnr im Register) Von der graserin : Pey 
fsrlein vnd pey spangen sicher D 28. 

Von den nun folgenden vier MeisterUedem steht eines, 

(Register LIV) Von den vier complexionen^ m D No. 82, ich lese 

hier Complexion, von denfyren (Wackng. Cyren")^ den Beisatz znm 

Utel (s. 0. S. 12 Anm. 4) Müglin (Wackng. Mäczlin, Müezlin\ 

' M ist ein in mehreren Hss. überliefertes Oedicht des Heinrich 

m Mügeln (u. S. 39). Über (Register LV) Von ärczten, wie sy 

i^tnst lernen sallen, astronomia vnd phylosophia, auch physica nnd 

(Register LVI) Von des hymmels vmbswaif, in wie vil jaren weisz 

ich nichts zu sagen ; (Register LVII) Von der planeten regirung 

halte ich f&r D 93, die Überschrift Von der steren (so lies) vnd 

pltmaten gankch steht SUschlich über 92. Das Meisterlied erörtert, 

^ die Gestirne das Leben der Menschen 'regieren', wie die 'Eom- 

' plexion der Menschen je nach der Natiyitftt verschieden seL 

Nach der Hs. A sind nun auch die anderen Hss. Ar die 

^e der Autorschaft der Lieder zu prüfen. 

^ S. im Anh. unter No. 2. 

*) Vgl. jedoch auch wegen anrueffen die Klopfanlieder am Neu* 
J^hrstag, über welche Schade, Weimarisches Jahrb. IE 91 ff., handelt 



38 F- Arnold Mayer a. Heinrich Bietsch 369 

C (o. 8) enthält die Lieder hiuter dem 2. Teil der Predigten 
des Johannes Tauler. Hier steht non BL 253 b Yor dem 
'goldenen ABC' Folgendes über den Dichter (s. Ad. Bl. 11 
327*) : Mayster Harms predigers ordens ^), der gewesen ist pet/ 
dem erczpyschoff zu Salczpurg, genannt pyschoff Pylgram, hat 
gemacht vnd getickt das nachgeschriben köstlich pet von vnser 
frawen (nämlich das folgende goldne A B C). er hat auch getickt 
die oben geschriben pet von vnser frawen* Pet ist im letzten 
Satz FL (früher Nom. sg.): damit werden dem Dichter des 
ABC noch weitere 5 pet aus D, eines aus A zugeschrieben, alle sind 
Marienlieder (s. o. S. 21 unter 2). Im Widerspruche mit A nennt 
also C den Dichter Johannes, nicht Hermann, und bezeichnet ihn 
als Frediger — , nicht Benediktinermönch, aber auch hier steht er 
in Diensten des Filgrim, 'er ist gewesen bei Bischof Pilgrim 
heiszt wieder: er war an seinem Hofe und dichtete in seinem 
Auftrage (als sein 'Hofdichter\ vgL o. S. 33, u. S. 54). 

In E (o. 3) steht zuerst BL 630 Yor den Liedern und 
für alle geltend Darnach Munche von ScUczburg, hierauf folgt 
in 'des Mönchs zartem Ton' D No. 10, dann 'in des Mönchs 
Hofton' (631 und 636) D 78. 79, 'in des Mönchs v. S. langem 
Ton (632—634) D 8. 7. 9, 'in des M. süssem Ton (Korweise)' 
(638) das o. S. 22 unter K am Schlüsse erwähnte Gedicht, als 
'des M. V. S. goldnes ABC' (639) Dl; 643 Dyfz ist daz 
taghoTfi dez Munchs von Salczpurg 644 b Daz nachthom; 644 d 
heiszt es: 'Dies ist es des M. Korweise', und es folgen D 66 
und ein Gedicht mit der Überschrift EiJi ander par in di/sem 
und dem Anfang Got, vater, son, heiliger geist, für das Bartsch 
vieUeicht mit Unrecht auf A 46 (XXIV) (Ad. Bl. II 348) ver- 
weist; 'in des M. v. S. kurzem Ton' (647) folgt D 5; 648 
Dez Munches cisiojanus, die jarwyse (D 99). Dem Nacht- 
hom ist nicht wie den übrigen Liedern noch eine spezielle 
Hinweisung auf den Mönch beigefügt, es steht aber hier mitten 
unter seinen Gedichten, die allgemeine Überschrift vor diesen 
hat auch auf jenes Geltung, und es kommt auch in D unmittel- 
bar verbunden mit dem Taghom des Mönchs vor. 

*) Die Hs. hat hier und nach Fylgram einen Punkt (s. a. a. ^•'* 



) Der Mönch von Salzburg. 39 

E (o. 12) Bl. 107a steht: Dy sequenczen hat ein gelertter 
*r, her Johanns, ain munich, gemacht durch begeren vnd bete des 
zhvjirdi.gen herren herren Pylgreymy erczbyschof 
\ legat^). vnd hat yeder puechstab seine nams 
len vers mit vil hübschen figuren^ vnhser lieben frawen,, der 
zter Marie czu geleichet etc. (vgL Ad. Bl. II 311, wo H, K.^ 
l f. schon citirt ist). Nun folgt zuerst D No. 2. Dy im Anfange 
ieht sich wohl auf alle folgenden ^Sequenzen', nicht blos auf die 
te, das Akrostichon auf Filgrim; welches ohnehin den Eigen- 
d hat: Ain kostliclie (vgl. kostparleichew o. S. 35) sequenczen. 
i — oben durch den Druck hervorgehobenen — wörtlichen Über- 
stimmungen mit A weicht die Bezeichnung des Namens 
i Standes des Dichters ab, darauf konmie ich unten zurück. 
Die übrigen Hss. bieten über die Person des Mönchs nichts 
iter Yon Belang. So steht in d (o. 13) nur über dem goldnen 
3 C von derselben Hand Monachus, bei den andern sechs geist- 
len Liedern aus D (o. S. 23) ist der Verfasser nicht ange- 
len. F (14) nennt zu sieben Liedern den ^Mönch' als Yer- 
}er, zu zweien Oswald von Wolkenstein in Übereinstimmung 
iA^. Bei den ersteren heiszt es in den von derselben Hand 
I der Text geschriebenen Überschriften schlechthin: est 
nachy oder Monachtts. Die Hs. der Klara Hätzlerih (29) giebt 
Tier Gedichten als Verfasser den 'Mönch Yon Salzburg'. 
'41 a) giebt Bl. 8 b D 36 mit der Überschrift Munch von Salz- 
g, 41 b D 26 mit der Aufschrift Munich. Im Anschlüsse 
ile ich aus den genannten Hss. Zeugnisse für andere Dichter 
i Liedern in D zusammen. D No. 52 steht in K unter Peter v. Ar- 
g, No. 82 ebd. im 'grünen Ton Meister Heinrichs v. Mügelin' *), 
21 als 'Müglins grüner Ton*. No. 90 bietet 'im kurzen Ton 
ister He inrichs v. Müglin' Hs. 42, 'im kurzen Mügling' 

') Der Punkt, der hier nach der Hs. gesetzt ist, toll dort yieUeicht 
h andeuten, dass das Folgende sich nicht auf alle Lieder beziehe, 
^ fehlt er an der entsprechenden Stelle. 

•) W. K.* I 370 unter g hat hier wieder ein kleines Versehen. 

*) Im allgemeinen ist natürlich wohl zu beachten, dass eine Hs., die ein 
licht als *in dem Ton eines hestimmten Dichters abgefasst bezeichnet, 
oH noch nicht sagt, dass es von diesem selbst auch wirklich herrühre. 



40 F- Arnold ICayer u. Heinridh Biettoh 371 

in K ; auch in Hb. 44, der VollBtftndiggten Sammlong' der Ge- 
dichte des H. Y. Mügeln (WSB. 66, 468), steht es. Im 'schwarzen 
Ton Eüngsors' ist der hört von der oMronomy (No. 91) in K 
No. 93. 100 (dieses über die Bücher der Bibel) stehen in E so 
wie No. 90, überdies beide auch in Hs. 44. 'Begenbogens grauer 
Ton' bei No. 96 in 21, ebenso im 'granen Ton Begenbogens' in K. 

Ans dem Yorangeschickten erwächst nns znnftchst f&r die 
geistlichen Lieder, bei denen D keinen Verfasser nennt (o. S. 31). 
noch weitere Gewähr. Von denselben ist No. 16 im Etogister 
von A Bl. 5 b aosdrücUich dem Mönch zugewiesen, ebenso k 
Hs. 39 b, abgesehen Ton der allgemeinen Erklftrang in A uid 
(o. S. 89) E, in der letzteren Hs. kommt es nbnlich auch 
Yor (o. S. 88). Die Erklärung in A und E gilt auch ftr 62% 
die in A fftr 64. 65 ^. No. 72 wird durch die Erklärungen in 
A^ und G gesichert. Von den übrigen 69 Gedichten 
(o. S. 81) nennt die Hs. selbst als Verfasser: zu No. 82 
Müglin (s. 0. S. 18. 87. 39)*), zu 91 Klingsor (s. o.). 



<) Nach W. E.* II 878 steht dieses GMioht auch in Hs. 4, aber 
nach demselben I 866 bricht diese Hs. mit den Anfangszeilen ab, "^f^ 
ein Einblick in die äs. auch bestätigte. 

•) No. 66 spricht W. K.* 11 468 dem Mönch ab, oflfenbar nur. 
weil in keiner Hs. der Mönch ausdrücklich als Verfasser genannt wir^* 
solche Lieder weist er überhaupt nur mit Bedenken dem Mönch ^' 
vgl. n 461: No. 72 mit noch fünf anderen Gedichten wird man rf^ 
M^nch von SaUhurg euBchreiben dürfen, o bschon derselbe in keii^^ 
der Hss, als Verfasser bezeichnet ist. — In No. 66 kann übrigens Str. ^^ 
immerhin aus dem Volksmunde stammen (s. ebd. TL 468). 

'J Hier allerdings nur im Text; im Register nicht genannt. 

*) Der Stoff des Gedichtes ist bei den Meistersängem beliebt : v^l - ^' 
B. Germ. 27, 418 ff., ein Gedicht aus einer Papierhs. des 16. Jhs. ; MSH. ^ 
641 Anm. 4, ein Gedicht in der Tann weise Regenbogens über die Verschied^^^ 
heit der vier konplexen; H. H. II No. 11, 69 ff. : Der vier conplexefi cr^fr 
Trefft sy mit edler maisterschaffi Zärtlich geformt an ir person. Eine ^f ' 
de 4, hominis complexionibus führt die Mantissa Chronici LonaelaceO^^' 
(von 1749) S. 412 auf. Über die Complexion auch Pischart. Aller Pralc*»^ 
Grossmutter S. 7 ff, (des Hallenser Neudruckes). Aus einem Antiqi»^^ 
katalog notierte ich mir gelegentlich: In diesem biechlein wirt erfund^ 
von ConplexUm der menscJi . . . Äugspurg Hans Schönperger 1514, 



372 -Der Mönch von Salzburg. 41 

Dieses letztere ist der Meistergesang von dem Teufel im Glas, 

der dem Bannenden Bede steht ^), der Titel ist hier Chlingfsor, 

astromey (s. 0.). Demselben sagenhaften Meister schreibt auch 

die Hs* 42 zwei Qedichte zu: Klingsor im schwarzen don 

(wie No. 91) . . . dtr helle krieg (Germ. 6, 295 ff.) and eines 

anf den Zauberer Yirgil (ebd. 4, 237 ff.), auch im schwarzen 

don, nach Bartsch aus der ersten Hftlfte des 14. Jhs. Klingsor 

und seinen schwarzen Ton kennt ferner die steirische Meister- 

Bftngerhs., Schröer, G. Stud. 11 226. No. 96 ist schon hier in D 

(a. auch o.) überschrieben: Regenpogens mul. jn detn graben 

(i L grauen) dan, es ist der Meistergesang Begenbogens, der 

bei W. E.* II No. 419 nach besserer Oberlieferung gedruckt 

ist'); No. 97: Albrecht Lesch^) in seiner fewerweis. wm 

den frewden (L frewnten und s. G. G. I 312 unter 24); 

No. 98: Ein ander gesang Albrecht Lesch: das guidein 

1) Za dem Dialog zwischen Bannendem und Teufel vgl. die 
Oeapiiche zwiachen Salman und Morolf, beziehungsweise Salomo und 
dem Dämon, in der deutschen, jüdischen, jüd.-christlichen und moslimischen 
8ige, Vogt, Die deutsch. Dichtungen von Salomon u. Harkolf IS. Lllff., 
▼gl. namentlich die orientalische Tradition, wo sich Salomon von 
D&monen in verborgener Weisheit unterrichten lässt, S. LIII ff.; im 
deutschen entspricht speziell der Morolf des Spruchgedichts, S. LH. VgL 
ferner das ags. Gedicht von Salomon und Saturnus, ebd. LIII ff., und noch 
die Geschichte vom 'Fischer mit dem Geiste' in 1001 Nacht (übers, y. 
Habicht, y. d. Hagen und Schall in den Ergänzungswerken der Glass. 
Cabinetsbibliothek, Wien 1826, Bd. I 114 ff.). 

*) Die Hs. D (und £, o. S. 22) kommt also noch zu den G. G. I 
^ unter Regenbogen 6. yerzeichneten Hss. des Gedichts hinzu. — 
^Wlbe Büd der *Mühle' geistlich auch bei Muskatblut (ed. Groote) No. S9 
^d bei Laufenberg, W. K.* II No. 704 (s. Müller, Loufenberg 142), bei 
^^ezland auf Kunstsachen ausgedeutet, s. MSH. IV S. 681 b und die ebd. 
^^oa, 4 beigebrachten Parallelen; auf den Liebesdienst in einem Neu- 
Hrsliede H. H. 11 No. 89. Vgl. auch den Kanzler (MSH. II 896) 
^ 1, 6 din (Winters-) mül niht mer malt; Sachsenheim, Mörin 1679 
*^ miUin malet ffü zu grofs (du redest zu yiel), ygL Martin zu 1678. 

*) Ein A. L. ist als Bürger zu München (wonach G. G. 1 812 yielleioht 
<ii berichtigen ist) am 19. XI. 1460 bezeugt, Obb. Arch. 18, 816. Von dem 
^^ter steht fest, dass er eine Wallfahrt ins Salzburgische Land nach St. 
Wol^^gr (ans Mondsee stammt die Hs. D!) unternommen, eines seiner 
Gedichte berieht rieh hierauf, s. WSB. 87, 861. 



42 P* Arnold Mayer u. Heinrich Bietsch 373 

geaanng (aus der Hb. 42 auch am eben a. 0. genannt, W. E.- 
II No. 846 setzt sein Bruchstück (s. o. S. 24 unter 28 a) ohne 
Angabe des Verfassers schlechthin unter 'Fünfzehntes Jahr- 
hundert'). D 89 Gesang von den edln gestcdn und 92, eine 
philosophierende Grübelei über die 'ydea', den 'Willen, der 
in Gottes Herzen ewig ist', stehen in Hs. 44 unter den 
Gedichten Heinrichs Yon Mügeln, der sich in 89 Str. 6 selbst 
nennt. D 90 läuft hinaus auf das Lob der hl. Jungfrau und 
des Kindes und zieht dabei gewisse merkwürdige Fabeln, wie 
vom Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blute nähre, herein, als 
Verfasser fanden wir (o. S. 39 f.) denselben Heinrich von Mügeln, 
ihm sind auch 93 und 100 zuzuweisen (o. S. 40). D 94. 95 kann ich 
sonst nicht nachweisen. Von diesen preist das erste die als sieben 
'Töchter' personificierten 'freien Künste', das zweite handelt yon 
Erschaffung des Himmelreiches, Sturz der b(ysen Engel, Schöpfung 
des Menschen, 'dass die Chöre nicht leer stünden', Fall der ersten 
Menschen, Fluch Gottes, 'Erbarmung, Milde und Gnade' bitten 
vor den drei göttlichen Personen, 'Gerechtigkeit' widerspricht, 
die drei Personen gehen mit einander zu Rat und Gott beschlieszt, 
den Sohn zur Erlösung zu senden. Über D 99 oben (S. 31, 
dazu K, 8. S. 38, und die Vorschrift von A). 

Von den nun übrigen 57 durchaus weltlichen Liedern, zu 
denen D keinen Verfasser nennt, können wir noch gleich No. 11, 
das Nachthorn, 12, das Taghorn, 26, dann 28, Pey perlin vnd 
pey Spangen, 36 und 59 einem Dichter zuweisen : dem 'Mönch 
von Salzburg', 11 und 12 gestützt auf K (s. o. S. 22. 38), 26. 
36 nach S (s. o. S. 39), 28. 59 nach A, nach A vielleicht auch 
No. 17, wenn es wirklich mit dem hier im Register angeführten 
identisch ist (s. o. S. 37). 

Wer ist nun dieser Mönch von Salzburg? Überlegen wir 
die Zeugnisse der Hss. Der Nachricht in A, die unter den 
Hss. einen so hervorragenden Platz einnimmt (o. S. 20) und 
daher von vornherein einen gewissen Anspruch auf Glauben hat, 
widersprechen nur zum Teile die in C und E. Die Frage ist 
hier zunächst : wie kommt C zu einem Meister Hans Prediger- 
ordens, das letztere um so auffälliger, als aus jener Zeit von 



374 I^er Mönch von Salzburg. 43 

Dominikanem in der Stadt Salzburg selbst ^) nichts bekannt ist. 
Ich glaube die Sache durch den Umstand erklären zu können, dass 
die Lieder des Mönchs, welche G enthält, hinter dem zweiten Teile 
der Predigten des Dominikaners Johannes Tauler stehen. 

Das mag dem Schreiber Yon G Anlass gegeben haben, 
unsem Mönch mit jenem anderen Mönch zu yerwechseln, sei 
es, dass er nur ungenaue Nachrichten über den ersteren hatte 
— nur diese, dass er im Auftrage Pilgrims gedichtet habe — 
und die für ihn unbefriedigenden Nachrichten zu ergänzen 
suchte, sei es, dass der ganze Irrtum auf einen Schreibfehler 
zurückzuführen ist. Was E betrifft, so wird der Schreiber so- 
wohl A als C gekannt haben*). Die Vorschrift stimmt fast 
wörtlich mit der in A, der Name des Dichters stammt aus G, 
und da die Hss. in der Bezeichnung des Ordens abwichen, so 
half sich der Schreiber so, dass er einfach setzte : ein Mönch. — 
Die andern Hss. auszer ACE nennen den Dichter nur schlechthin 
Mönch, Monachus, oder Mönch von Salzburg, ersteres schon in 
D und S. In der Kolmarer Hs. erscheinen die Töne des 
'Mönchs (\ron Salzburg)' als ganz gebräuchlich (o. S. 38). 

Also der 'Mönch Ton Salzburg', YerfEtöser der geistlichen 
und sicher eines Teiles der weltlichen Lieder in D (s. o.), 
hiesz Hermann^) und gehörte dem Benediktinerorden an. 
Heiszt aber weiter Hermann in A ein Mönch Benedik- 
tinerordens zu Salzburg, so scheint damit schon gesagt, 

^) Sonst finden sich allerdings schon früh Dominikaner auf dem 
Gebiete des Erzbistums (in Friesach seit 1217, Zauner, Chronik y. Salz- 
burg I 226). 

*) Dann muss aber £ jünger sein als 1468 (s. o. S. 21)! 

*) Pfeiffer wagte die Sache nicht geradehin zu entscheiden, neigte 
sich aber zu Hermann (Ad. Bl. 11 827), so auch Koberstein, Grundriss 
d. Geschichte d. deutschen Nationallitteratur ^ I 850, und Gervinus 
(Geschichte d. deutschen Dichtung^ III 15; die irrtümlichen Angaben 
der vierten Ausgabe hatte bereits Pfeiffer (gegen H. H. S. XXYII) 
berichtigt). Für Hermann war auch Bartach in der Allgemeinen Deut- 
schen Biographie 12, 165. H. E'. 239 stellt beide Namen nebeneinander, 
ohne einem den Vorzug zu geben. Dagegen für Johannes: Eehrein, Kirchen 
und relg. Lieder aus d. 12. bis 15. Jh., 1858, S. XIX, und W. E.* II 409 ff., 
Tgl. auch G. G. I 237: Johannes {oder Hermann), 



44 ^* Arnold Ifayer u. Heinrich Bietsch 375 

dass er ein Eonventaal des salzborgischen BenedikidnerklosteiB 
zu St. Peter war. Findet sich nun in jener Zeit ein solcher, 
in dem wir unseren Dichter erkennen könnten? 

Ampferer a. a. 0. 2 entscheidet sich auch f&r den 
Namen Hermann und vermutet, dass er der petrische Prior 
Hermannus sei, der in einer Stiftsurkunde von 1424^) mit 
einem ^Präfekten' Jacob Steiner zu Mühldorf erscheint Nor dieser 
eine Hermann finde sich in Elosterurkunden aus der 2. H&lfte 
des 14. und dem 1. Viertel des 15. Jhs.*). Was fl&r Ampf.*s 
Meinung spricht, ist der Name Hermann ; die Abfassungszeit der 
Urkunde würde wenigstens nicht widerstreben, der Dichter wäre 
damals hoch bei Jahren gewesen (ygl. u. S. 145). Er erschiene 
als Zeitgenosse des Pr&f. Steiner, und dieser wird in der That, 
wie Ampf. meint, mit dem Meister Jakob, Schulmeister zu 
Mühldorf, der nach A das Ave v. f. yerfasste (o. S. 34), 
derselbe sein: es wäre dann ganz begreiflich, wenn Her- 
mann ein lateinisches Gedicht dieses Mannes, mit dem er 
nach der Urkunde in Verbindung stand, übersetzt hätte. Nun 
wird aber über eine dichterische Thätigkeit dieses Mönchs nichts 
berichtet: wenigstens in den mir erreichbaren Quellen Ar die 
Geschichte Salzburgs und insbesondere des Klosters fand ich nichts 
einschlägiges, die Chroniken, die sonst oft Kleinlichstes gewissenhaft 
verzeichnen, wissen nichts von einem Dichter Hermann. So wurden 
mir schon Zweifel rege, ob Hermann wirklich dem Stifte St Peter 
angehört hat,^) ja, ob überhaupt die Nachricht der Hs. A sicher 
ist. Jedesfalls spricht auch die ganze Oberlieferung der 
Folgezeit von einem Mönch v. Salzburg: aber immerhin 

') Sie ist nicht näher angegeben; s. jedoch B. Seeauer's Noviss. 
Chron. antiqui monast. ad S. Petr. Salisb. (1772) S. 868 zum Jahr 1421: 
in die conversionia SancH PatUi apostoli (d. i. 25. L) elocavit Dominus 
Ahhas cuidam Jacobo Steiner . . . curiam nostram in MülldAyrf etc. 

^) Doch vgl. die im Archiv f. Kunde österr. Geschichtsqu. Bd. 19 
gedruckten Salzburg. Nekrologien: im I. Nekr. (nach Arch. 28,9 vom 
Domstift, nicht von St. Peter) steht unter dem 2. IX. aus dem 14. Jh. 
(a. a. 0. 273) ein Fr. Hermannus presb, et profesaus 8. Petru 

') Gewiss nicht dem Domkapitel: hier waren Augustiner, auch 
bezeichnete man diese nicht als 'Mönche', sondern als *Herren . 



376 I^er Mönch von Salzburg. 45 

könnte die Meinung in A auch auf einen Benediktinermönch 
gehen, der sich zu Salzburg am Hofe des Erzbischofs nur eben 
aufhielt, vielleicht von diesem aus einem fremden Benediktiner- 
kloster (die Puchheim waren ein österreichisches Geschlecht, u. 
S. 58 ^)) ins Land gebracht. Bedenkt man indes, dass die alten 
Geschichtsquellen auch berühmte Dichter nicht erwähnen^, 
dass insbesondere die Historiker des Hauses von St. Peter — 
derartige Aufzeichnungen, die ich kenne (u. S. 58 Anm. 1), sind 
übrigens wohl alle aus viel späterer Zeit — vielleicht geflissentlich 
die dichterischen Bestrebungen Hermanns übergingen, weil ja 
auch leichte weltliche Lieder von ihm herrühren (s. o. S. 32 das 
ausdrückliche Zeugnis der Hs. A), die auch der Dichter selbst 
vor der Öffentlichkeit mag verleugnet haben'), so scheint die 
Sache nicht zu auffallend. Ampf/s Identifizierung ist an sich 
statthaft, schlechthin überzeugende Kraft besitzt sie freilich 
nicht. Abt des Klosters war im 3. Viertel des 14. Jhs. Johann IL 
(Bosses) % der eifrig den Kirchengesang pflegte und reformierte *), 
hier oder vielleicht erst am Hofe Pilgrims konnte die dichterische 
Thätigkeit eines Hermann wohl Förderung finden. 

H. F. I 328 sagt von unserer Hs. D unter anderem: 
172. a hat eins (ein Lied) die Überschrift: Pylpreim münch, und 
aw den Anfangshuchstahen seiner 24, Strophen ergeben sich die 
Worte: PYLQREIM ERCZPISCHOF LEGAT (s. o. S. 33); 
mir scJieint als habe sich der unter dem Namen des Mönclis von 
Salzburg bekannte Dichter hier mit seinem wahren Namen genannt ; 
denn sehr waJirsoheinlich ist dies Lied nebst mehreren anderen 



^) Aus dem jetzt oberost^rreichischen Mondsee stammt die Hs. D. 

*) Von K. Heinrich VI. als Dichter schweigt die Geschieht^ sie 
kennt nicht einmal Walther von der Yogelweide. 

*) Schon früh schritten die Kondlien gegen die geistlichen Dicifater- 
Vaganten ein , so das Concil. Salisburgen. 1291 c 8. 1810 § 8 (Wein- 
hold, Die deutschen Frauen' II 142), vgl. u. S. 64 Anm. 2, 62fif. 

*) Wenn Ampf. a. a. 0. den Namen Johannes für den Mönch in 
£ und C auf Verwechslung mit diesem Abte zurückführen will, so ist 
das nach meiner Annahme (S. 41) nicht nötig, auch bleibt predigers 
Ordens in G dann noch unerklärt. 

*) Pez, Scriptores rerum Austriac. I 416. 



46 ^* Arnold Ifayer u. Heinrich Rietsch 377 

von i/im usw. ^) Dagegen ist nun zu sagen, dass HofFmann ans 
dem Akrostichon allein diesen Schluss durchaus nicht ziehen 
durfte, den übrigens er selbst im E.^ 239 und schon ^ Anm. 
155 ^) fallen lässt. Die mittelalterlichen Dichter brachten in 
ihre Gedichte, wenn auch zum Teil, wie Heinrich von 
Türlin, ihre eigenen Namen (ygl. Wackemagely Gteschichte 
d. deutschen Litteratur^ I im Beg. unter Akrostichon), 
so doch ebenso oft die Namen ihrer Freunde und Gönner, 
denen sie ihre Werke widmeten^). Entscheidender ist, dass 
über dem Gedicht nicht, wie Hoffinann liest, münch steht, 
sondern Pylgreim Münchz, dabei soll nämlich Pylgreim gleich 
dem Leser das Akrostichon anzeigen, und das zweite Wort 
bezeichnet den Verfasser (ygl. die Zusätze in der Hs. zu den. 
Titeln, o. S. 12). In gleicher Weise ist das folgende Stück eijca 
Akrostichon auf: Reicherus, plebamu jn Rastatj die Formel steh^^ 
wieder über dem Liede und daneben dei Beisatz : des Muniehc:^ 
Dieser Reicherus ist also kein eigener Dichter^ wie W. L. I 34^S 
nur auf unser Gedicht gestützt, annahm. 

Ich kann ihn übrigens in Urkunden als Zeitgenosse 
Pilgrims und daher auch unsres Mönchs nachweisen. Am HT 
III. 1369 stellt Pilgrim dem Reicherus, Plebanus zu Rasta- " 
auf dessen Bitte eine Urkunde aus, worin er ihm gestatte ^ 
das salzburgische Lehen Mosellehen der Kirche in Rastat (Ra(3 
Stadt), für die er es gekauft hat, wirklich einzuverleiben (Wn-:r 
Hs. No. 9273, im Diplomatar OrtoLfs und Pilgrims Bl. StfJ). 
Ohne urkundliche Nachweisungen bietet auch Englmayr, Chronik 

von Radstadt 33 : Irn J. 1385 icar Reicher Pfarrer in Rastat 

Richerus, rector parochialis ecclesiae in Rastat. Er erklärte iti/^ 
Tage St, Johanns des Täufers^ dass ihn die Bürgerschaft -^^^ 

*) Auch in ^I. Anz. 1833 Sp. 284 wird der ^önch mit dem 
Erzbischof identificiert. 

') Hier erklärt er sich ohne weiteres für den Namen Johann c3^^ 
Hs. E, da ihm die Hs. A noch unbekannt war, vgl. o. S. 43 Anm. 3. 

') S© steht schon der Dietrich in Gottfrieds Tristan. Ein 31 i?»*?' 
Verständnis liegt hier nahe, wie es z. B. bei dem Namen des Graf^"^ 
Eberhard von Würtemberjj am Anfang der deutsclien Übersetzung ci^-*' 
Hitopadesa sehr bald der Fall war, Gerv. G. II 333 mit Anm. 389. 



378 I^er Mönch von Salzburg. 47 

RasUit wegen der täglichen Meas daselbst einige Güter 

übergeben habe. . . . Erzbi$chof Pilgrim bestätigte es unterm 4. Jvly 
1385. 1393 baute ein Pfarrer Beicher (wohl derselbe) die Kapelle 
der hl. Anna zu Badstadt, nach Winkelhofer, Der Salzach- 
kreis, 1818, S. 220. Herr Her Beycher Pfarrer ze Rastat ze 
den Zeiten Hofmaister ze Salzburg erscheint aber auch in der 
Residenz des Erzbischofs als Zeuge und Mitsiegler in einer 
Urkunde des Simon, Pfarrers zu Euchel, ausgestellt zu Salz- 
burg, 6. Xn. 1384 (MSL. 12, 237 (No. 151)). Hier dürfte 
auszer dem Ort der Abfassung auch der Ausdruck: Hofmaister 
ze Salzburg^ nicht, wie es sonst gewöhnlich heiszt, Hofmeister 
des Hofs zu Salzburg^), darauf hindeuten, dass sich Beicher 
damals in Salzburg als Hofineister des Hofs dauernd aufhielt ^). 

') Z. B. Erhari .,, die zeit hofmaister dez hofs ze Salzburg 94. II. 

1891 (MSL. IS, 256 (No. 166)). — Über das Hofmeisteramt handelt 

Seeliger, Das deutsche Hofmeisteramt im späteren Mittelalter (Berliner 

Dissertation 1884 und vollsüindig Innsbruck 1886). Nach ihm erscheint 

der * Hofmeister zuerst in den Klöstern, wo sie ursprünglich entweder 

Laienbrüder als Leiter der stifllichen Ackerhofe oder (dies speziell bei 

den Benediktinern und Augustinern) weltliche Ministerialen als Agenten 

der Wirtschaftsgebarung des Abtes waren (^Chef der Beamten und des 

Gesindes bei Hof \ 'die ersten der weltlichen Stiftsbeamten , S. 7 ff. der 

Yollständigen Schrift) ; am Fürstenhofe begegnet im 14. Jh. ein äuszeres 

Hofmeisteramt (Bethätigung an der Landesregierung) und ein inneres 

(Leitung des Hauswesens) (a. a. 0. 18), Land- und Haushofmeister 

(S. 21). Unter Karl IV. und Wenzel hatten die Hofmeister den ersten 

Platz in der Hofbeamtenhierarchie (S. 80 f.). An unserem erzbischöflichen 

Hofe wird dem Haushofmeister der * Hofmeister zu Salzburg' (s. o.), dem 

Landhofmeister werden verschiedene 'Hofmeister des Hofs zu Salzburg' 

Als über die einzelnen erzbischöflichen Güter gesetzte Yerwaltungsbeamte 

entsprechen, vgl. dazu Kleimayrn, luvavia 487 d, der dem Hofmeister die 

Leitung des fürstlichen ürbarwesens zuschreibt. 

') Er wird also einen Pfarrverweser gehabt und nur die Ein- 
J^unfte seiner Pfarre bezogen haben, dies besagt schon der Ausdruck 
rectop ecdesiae (* Kirchherr'), s. Bartsch, Die Schweizer Minnesänger 
^' CCXVI. Andere Beispiele begegnen mehrfach, ich führe an : Hanns^ 
^horherr ze Passow vnd ze den Zeiten chantzler vnsers hofs ze SaUzburch 
iö einer Urkunde Ortolfs 1365, Wnr. Hs. 9273, Bl. 12 im Diplomatar; 
^^A gewisser Lerär, Auditor des Hofs zu Rom, bestellt sich einen Pfarrvikar,, 
^^glm. Chron. 34. 



I 

I 

48 F. Arnold Mayer u. Heinrich Bietsch ^379 

So mag Hermann sich mit ihm befrenndeit und dieser Fremid- 
schaft in der oben besprochenen Widmung Aosdrack gegeben 
haben, während ein anderes Gedicht an seinen Fürsten und 
Gönner Pilgrim ausdrücklich erinnern sollte. Noch bemerke ich : 
in dem zweiten der a. (S. 44 Anm. 2) a. 0. gedruckten Nekrologien 
steht zum 10. September (aus dem 14. Jahrhundert) : Rächenu 
plebanus in JRastcU, quondam magüter curie Salzburffensis ; im 
ersten Nekrologium wird sein Todestag auf den 11. September 
angegeben: Reicherus rector parrochialts ecclesie in 
Maatatt^) fr, nr, quondam mag, curie Salzburff. (saecolüiu 
XIV/XV). Also am 10. oder 11. September eines der letzten 
Jahre des Jahrhunderts (1395 lebte er noch? s. oben) wird ex 
gestorben sein, wol am 11., denn damit stimmt auch die Ein- 
tragung in einem Nekrolog des Domstifts (Arch. f. Kö. G. 2@>. 
135): /// Idus (Sept): Seicherua plebanus in rastat fr. ^\ 
Diesem Nekrolog ist beigefügt ein Registrum fratrum et soronm. ^ 
vivorum und da findet sich (a. a. 0. 171): 1384 receptus ^ 
Reiclierus, rector parochialis ecclesiae in Rastat, quondam magis ^ 
curiae eccl. Salzburgensis. 

Die Hs. K berichtet Bl. 19 c (bei B. Ml. 6 f.) Folgend^! 
Als her peter von Sahsen *) dem inüncli von (die Hs. hat -^'( 
Salczhurg dytz vorgeschr, par schicket da schicket er yme d^^l 
nachgende latynisch par her wyder vmb in dem selben tone, dar^^u 
folgt die Hymne, gedruckt bei Mone, Latein. Hymnen, 1853 ff., II 
329 ff. aus einer Hs., die vorher dem Domdechanten Greith i^ 
St. Gallen*) gehörte, später nach Donaueschingen gekommen ist» 
es ist die oben mit 43, von B. Ml. mit L bezeichnete Hs. Auch sie 
gibt die Nachricht von K. Eingehende Nachforschungen in St. Gallen 

*) VgL o. das Citat aus Englm. Chron. 

•j Ein Barant von her Peter von Safzen in K Bl. 19 a, H* ^ 
(Bartsch a. a. 0. 6). 

•) Nur auf diese, wie ich bekenne, schwache Stütze gründet sich, 
so viel ich sehe, die Meinung, dass dieser Peter ^Sachs' nach St. Gtill^^ 
gehöre (Ampf. S. 28; vgl. u. S. 146). Übrigens ist die urkundlich^ 
Schreibung des Namens nur Safzen oder Sahsen (so in K, in L nur 
Sachsenf B. Ml. 90), Mone a. a. 0. 330 macht daraus einen Peter von Sa^ 
und erst Ampf. a. a. 0. spricht schlechtweg von einem Peter Sax, 



380 Der Mönch von Salzburg. 49 

würden vielleicht noch manches über Peter Sachs (von Sachsen) 
ermitteln. Vorläufig nur dies : Haus Folz ftthrt als filtere Dichter 
unter anderen einen Feter Sack (Petterlein Saa) auf, G. G. I 808, 
Peterleinn Sachs ist auch unter den 'alten Meistern' in der 
Jenaer Handschrift Valentin Voigts genannt (s. MSH. IV 892)» 
Ich finde übrigens den Namen in salzburgischen Quellen ziemlich 
hfiufig, vielleicht stammte auch dieser Peter (in St. Gallen?) 
aus Salzburg. Da gibt es einen Eberhard Sachez, Domprobet 1815 
Cgm. 2906 Bl. 63 b, gestorben 1319, s. den C^. 2889 Bl. 353a. 
Ein Heinrich und ein Eberhard von Sachs sind als Dichter 
bekannt, s. MSH. IV 98 ff., vielleicht ist dieser Peter aus ihrem 
OeschlechteP Dabei will ich anmerken, dass Eberhard von 
Sachs 1309 bezeugt ist, SMB. S. GXGIXf., also in derselben 
2eit wie der Domprobst Eberhard Sachs, jenen bezeichnet freilich 
die ^Pariser' Hs. (s. a. a. 0. S. CXCIX) als Predigermönch 
(ygl 0. S. 44 Anm. 3) ^). 

Nach diesen Ei'örterungen gehe ich an die Frage der 
Autorschaft der noch nicht besprochenen (weltlichen) Gedichte 
von D. Es blieben oben (S. 42) 51 (50) Stücke. 

Ich betrachte vorerst No. 18. Hier heiszt es am Schlüsse: 
Dein antwurt achreib rrUr, libstez Ey 
mir Pilgreim her gen senen etat, 
gegebn, da man zalt M dreu C 
vor vasnacht zway vnd neunczig iar. 
Das Lied ist seiner Form nach eigentUch ein ^Liebes- 
brief" (s. die AnmerL z. Liede), gemachet^ wie die Hs. angibt, 
2U Prag, als der Erzbischof bei dem ihm 'abholden' König 
Menzel weilte, und gesendet dem aUerlibsten . . . weib im Freuden- 
H mit der Bitte um Antwort gen senen etat (d. L Stätte des 
^bnens, nämlich Prag). Das führt uns also neuerdings in 
^^ Kreis des Erzbischofs Pilgrim v. Puchheim, auf den uns 
^ Register von A verwies und dem der Mönch Hermann 

') Caspar der 8ax8 Eb. II S. 864, J. 1860; Johannes Saxo 
Mams in Ehs I. Nekrol. (von St Peter, s. o. S. 44 Anm. 2) zum 
y* OL (saec XIV), und ebenso Johannes dictus Saxo pUibanus in Ebs 
^ V. NekroL zum 3. X. (saec. XIV). 

4 



50 ^« Arnold Mayer n, Heinrich Eietsch 381 

eines seiner geistlichen Gedichte zueignete (o. S. 45 f.). Wir 
haben hier auch die bestimmte Zeitangabe 1392. Damab lebte 
Filgrim allerdings noch (s. u. S.60 ), aber freilich ist auch trotz 
den ausdrücklichen Worten des Liedes nicht ohne weiteres aus- 
gemacht, dass er wirklich der Dichter ist. Von einer dichte- 
rischen Thätigkeit Pilgrims wissen wir sonst nichts, indes be- 
weist der Mangel an Zeugnissen hier so wenig wie oben (S. 45). 
Ist dagegen ein Aufenthalt des Erzbischofs in Frag bei E. Wenzel 
anderweitig nachzuweisen? 

Kb. II S. 683 ff. finde ich folgende Korrespondenz. 
Wenzel schreibt 1388 dem Filgrim und gebietet ihm, ernstlichen 
Frieden mit den Herzögen von Bayern, denen er bereits das 
entsprechende Gebot auferlegt habe, zu machen. Er soll dann 
zum Könige kommen: so wollen wir dich mit aampt den selben 
vnsem öheimen selber verhören vnd solclie Sachen . . . genczUche^ 
verrichten . . . geben czum Betlem *) dez eunabendes vor saw^i 

(1) Andres tag (d. i. 30. XI.) . . . Kb. 683. Darauf erklärt in 
demselben J. am Eritag nach St. Niklas (6. XII.) von Buc£- 

(2) hausen Herzog Friedrich sich bereit, zum König zu konmx.<B 
(a. a. 0.)' S. 685 folgt der dem vorigen inhaltlich ex3t- 
sprechende Brief von Seite Filgrims ohne Datum und Or'. 

(3) aber gewiss aus derselben Zeit wie der vorige. S. 686 st^t^ 
dann ein Schreiben Wenzels, in dem er Filgrim befiehlt, ^üi 
Sonntag nach St. Martins Tag (11. XI.) nach Filsen zu komaaeu 
(zugleich mit Herzog Friedrich), nachdem er schon früher a^f 
St. Michaels Tag (29. IX.) hätte erscheinen sollen; jetzt will 

(4) Wenzel im Notfall auch ohne ihn die Sache entscheiden, geb^^^ 
czvm Betler an aller sele tag 1389. Dagegen erhebt F. Eii^" 
spräche, S. 684 (ohne Zweifel vom selben J.), er hätte d^^ 
letzten Brief zu spät bekommen, um rechtzeitig eintreffen ^^ 
können, zumal er durch Alter und Krankheit gedrückt 
sei; er hofft, der König werde es bei dem Termine beweaJ^^ 

*) D. i. Bettlern, tschecb. Zebräk, eine kleine Tagereise von f r^-^' 
an der Reichsstrasze gelegen, wo Wenzel sich gern aufhielt, es koiti^^^ 
zum ersten Male 1383 vor, Pelzel, Lebensgeschichte d. RömiscU- ^' 
Böhmisch. Königs Wenceslaus I 137 f. 



382 öer Mönch von Salzburg. 51 

lassen, den sein (des Erzbischofs) Schwager, Hans von Liechten- 
stein % mit dem König und seinen Bäthen festgesetzt, nämlich 
nach Weihnachten, mid bittet noch um einen gelegenen Ort 
(Ortsangabe fehlt dem Schreiben). Schlieszlich schreibt aus 
St Florian am Martinstag (11. XI.) 1389 ein Ungenannter (5) 
an den genannten Hans \ron Liechtenstein, er möge sich dahin 
bemühen, dass diese ältere Bestinmiung wirklich aufrecht bleibe. 
(S. 685). (6) 

Also E. Wenzel fordert 1388 Pilgrim und die Herzöge 
Yon Bayern vor sich. Wenzel gebietet jenem dann noch wieder- 
holt, Yor ihm zu erscheinen: zuerst am 29. IX. und dann am 
11. XI. 1389 sollte er sich in Pilsen einfinden. Pilgrim bittet 
um einen näheren Ort und den früher bestimmten Termin 
(nach Weihnachten). Wir sind hier in den Verwicklungen 
des Städtekriegs, der im letzten Viertel des Jahrhunderts 
Deutschland verwüstete. Erzbischof Pilgrim war Yon Herzog 
Friedrich von Bayern 1387 (jedesfalls in den letzten Tagen des 
Novembers, s. Lindner Gesch. 11 448) bei einer Zusammen- 
kunft in Baitenhaslach gefangen genommen worden, es brach 
der Krieg aus, wobei die mit P. verbündeten Städte fQr ihn 
lämpfben, a. a. 0. H 5. Pilgrim wurde schlieszlich der Haft 
entlassen, und zwar auf drückende Bedingungen, welche denn 
&uch das salzburgische Domkapitel nicht ratificierte, ebd. H 7. 
Am 23. IV., beziehungsweise 15. V. 1388 wurden die Priedens- 
^tekunden von Friedrich und Pilgrim ausgestellt, ebd. II 22 f. 
Doch brach schon am 19. X. der Krieg von neuem aus, 
I^ilgrim musste, obwohl er den Bayern Urfehde geschworen hatte, 
doch ehrenhalber die Städte weiter unterstützen. Nun gebot 
^Venzel, dessen Haltung übrigens in der ganzen Angelegenheit 



^) Johann von Liechtenstein-Nikolsburg, der in den Wirren jener 
it oftgenannte Hofmeister Albrechts von Österreich (Lindner, Geschichte 
^« deutsch. Reiches unter K. Wenzel II 205 f., Falke, Geschichte des 
^^inÜ. Hauses Liechtenstein 1 222) hatte zur dritten Gemahlin Elisabeth 
^Q& Pnchheim, Pilgrims Schwester. Er war wiederholt als Schiedsmann 
^^ Streitigkeiten thätig, Falke I 835 ff., namentlich auch bei K. Wenzel 
^ohlgeUtten, a. a. 0. 364 f. 378. 



52 F* Arnold Mayer u. Heinrich Bietsch 383 

schwankend war, Pilgrim brieflich unterm 28. XI., sofort 
Frieden zu schlieszen und persönlich vor ihm zu erscheinen, 
ebd. II 57, wo der Brief angeführt wird (o. No, 1). Pilgrim 
erklärte darauf, dem Gebot des Königs nachkonamen zu wollen 
(o. No. 3) ^). Herzog Friedrich war gegen Ende 1388 wirklich 
in Prag und der angefahrte Brief Wenzels nach der Darstellung 
Lindners, Gesch. II 57, eine Folge dieses Besuches. Schon 
früher hatte sich in diesem J. das Gerücht verbreitet, die beiden 
Gegner würden zusanmien an den Hof nach Prag konmien: 
jedenfaUa ist das nicht geschehens meint Lindner II 23 % Die 
anderen Briefe, die ich oben aus dem J. 1389 mitteilte, sind 
Zeugnisse Ton weiteren Bemühungen des Königs um den Frieden % 
über die spätere Erledigung des Streites s. a. a. 0. II 57 f., das 
Friede wurde am 10. III. 1390 geschlossen. Ich bemerke 
noch, dass Wenzel die Bajemherzöge und den Salzburger 
15. n. 1389 einlud, zur Fastnacht (vgL u« Aimi. 3) zu ihi 
nach Prag zu kommen, a. a. 0. 58. Im April und Mai 13E 
hielt er einen Reichstag zu Eger (Palacky, Geschichte vi 
Böhmen, 1844 ff., IH/l, 52), bei dem freilich Pilgrims 
Wesenheit nicht bezeugt ist. Möglich, dass letzterer um di^ : 
Zeit, vielleicht gelegentlich der im selben J, vor EröffjQung Ä>^ 
Reichstages zu Prag gefeierten Hochzeit Wenzels mit Soptn-ie 
V. Bayern, die er im Auftrage des Königs vermittelt hal^fo 
(s. Lindner II 45. 61), doch in Prag war, in dem Liede No. 15 
also anstatt 92 einzusetzen wäre : 89 '), Übrigens sei zum 
Schlüsse angeführt, dass in dem oben citierten Briefe No. 5 



*) Woher hier Lindner das Datum 8. XII. nimmt, weisz ich nichts 
in der Urkunde fehlt Datum und Ort. 

") Es ist hier der Erwähnung werth, dass "Wenzel am 24. X. einen 
Tag zuerst zu Weiden, dann zu Pilsen (o. No. 4. 6) halten sollte, der 
aber nicht stattgefunden haben dürfte (nach Lindner II 102 Anm. 1). 

') Andererseits ist Wenzel gerade 1392 am Sonntage vor Fast- 
nacht als in Prag anwesend bezeugt, Pelzel Lebensg. I 247. Auf einen 
späteren Besuch in Prag deutet der Geleitsbrief, den er zur Reise nach 
Prag für sich und die Seinen am 12. IL 1896 von Wenzel erhielt, ebd. 
II 319; über einen früheren bei Kaiser Karl, der dem Erzbisohof gewiss 
auch 'abhold' sein musste, u, S. 59. 



384 ^^ Mönch von Salzburg. 53 

Pilgrim von Urkunden Bpricht die er dem König nach Prag, 
Eger and Badweis ^nachgef&hrt' habe. Ganz erfanden ist die 
Nachricht, welche ans die Überschiift von No. 18 aufbewahrt, 
schwerlich, wenn auch auf den Erzbischof hier eine gangbare 
Anekdote nur übertragen scheint, die z« B. Enenkel von 
Friedrich IL and Herzog Leopold erzählt (dieser will der kaiser- 
lichen Einladung zu Tische nicht folgen, der Fürst, darüber 
erzürnt, verbietet ihm das Holz für seine 'Euchel\ der Herzog 
lässt, wie hier, Nüsse kaufen, Zeitschrift für deutsches Alter- 
tum 5, 282 f.) ^). Veranlassung zu dieser Übertragung bot der 
umstand, dassE. Wenzel dem Salzburger ^abhold' war, dies begreif- 
lich bei den oben geschilderten Verhältnissen, da der Städtebund 
in letzter Linie gegen den König gerichtet war, MSL. 28, 14 
Auch der formelhafte Schluss des Liedes: gegehn, da . , . 
scheint fürs erste speciell auf fürstlichen Verfasser zu deuten. 
Derselbe findet sich aber auch in No. 30, und überhaupt wird 
man erwägen, dass die zwei Fälle stattfinden können : der wirkliche 
Dichter kann in einer Absicht der Parodie oder Mystifikation 
eine Maske vorgenommen haben, oder es kann ja auch Pilgrim 
durch seinen 'Hofdichter', eben den Mönch (u. S. 54), das 
Gedicht haben anfertigen lassen. Ich gebe zu bedenken, dass 
sich der Erzbischof 1389 vor dem König mit Alter und Krankheit 
entschuldigt, was schwerlich als leere Ausflucht passieren konnte, 
^d dass man ihm dabei noch drei Jahre später, wenn 1392 
in Ko. 18 richtig ist, Lust und Fähigkeit zu solcher dichteris^Een 
Tätigkeit zutrauen müsste. Eher dichtete Hermann, der ihm 
inrch geistliche Lieder Erbauung, durch weltliche Zerstreuung 
vetschaflPte (u. ebd.), auch dieses Stück für ihn — wie wir 
&Q8 den Hss. A und E (o. S. 32 ff.) wissen, arbeitete er ja auf 
ausdrücklichen Wunsch P.s — mag der Zweck welcher immer 
gewesen sein. Doch haben wir, wie angedeutet, vielleicht auch 
«ine ohne ViTissen P.s abgefasste Parodie vor uns. Ich verhehle 

*) Freundlicher Nachweis von Prof. Seemüller. Unter d«n Anek- 
doteHi welche die älteren böhmischen Geschichtschreiber (2. B. Dabravius 
111 seiner Historia Bohemiae, zuerst 1558) von Wenzel zu erzählen wissen, 
^« ich diese nicht. 



54 F- Arnold Mayer u. Heinrich Rietsch 386 

mir nicht, dass diese ganze Argumentation keine zwingende 
ist, und wir werden bei der näheren Untersuchung der Lieder 
No. 18 besonders im Auge behalten. 

Bethätigte sich der Erzbischof nicht selbst als Dichter, 
so war er doch augenscheinlich ein Förderer der Dichtkunst 
in seinem Lande. Wir dürfen uns wohl seinen Hof als eine 
Art poetischen Liebeshofes yorstellen ^) , der Mönch Hermann 
als ein eigener erzbischöflicher Hofdichter, wie wir ihn jetzt 
nennen können, belebt denselben, und indem er geistliche mit 
weltlicher Dichtkunst vereinigt, sorgt er für religiöse Bedürfiusse 
durch seine prunkvollen Sequenzen und Hynmen, für die geselligen 
durch seine leichten Liebes- und Trinklieder^. Hier in Salz- 

*) Hier wäre der Ort, auf geschichtliche Analogien hinzuweiseTi, 
denn mehrfach spielten deutsche Fürstenhöfe und Fürsten die oben An- 
gedeutete Rolle. In der Blütezeit der mhd. Dichtung der österreichisolie 
und thüringische Hof; im 14. Jh. stand Slarl IV. zu Heinrich -v^od 
Hügeln und Petraroh als Gönner und Förderer; im 16. Jh. bildet <ii€ 
Erzherzogin Mathilde in Südwestdeutschland einen geistigen Mit^'t.el- 
punkt, Scherer in den Quellen u. Forschungen z. Sprach- u. Kul't:'t2r- 
geschichte d. germanischen Völker 21, 16, auch noch andre hohe Göiixier 
fand die Dichtkunst in dieser Zeit, Adlige waren mittelbar oder unmi't tel- 
bar bei der Übersetzung des Amadis thätig, zum Teil begegnen uns bier 
dieselben Familien wie im 15. Jh. (ebd. 68 f.) usw. Bekannte Beispiele 
geben dann die folgenden Jahrhunderte. Noch näher gingen uns speoieU 
geistliche Fürsten als Mäcene an, wofür ich nur an die Beziehunpren 
Ulrichs von Eschenbach zum Salzburger Hof (u. S. 144) erinnere. iH^ine 
eigentliche 'Hofpoesie' gibt es aber doch weniger in der deutschen, »^^ 
in gewissen fremden Litteraturen, der portugiesischen, arabischen. 

') Über 'Geistliche als Minnesänger vergleiche überhaupt Wack^^' 
nagel, Geschichte der deutschen Litteratur *, Band I § 71 Anm. 8. B^^* 
spiele sind Rost von Samen (vgl. Bartsch, Die Schweizer Minnesän^®^ 
S. CCXVI und die Allgemeine Deutsche Biographie, Band 29, 3"^^)' 
Hesso von Rinach (vgl. SMB. S. LXXVI ff.), Abt Wilhebn von St. Gall«^' 
Bischof Heinrich von Konstanz. Besonders gab es in Zürich üppi^^ 
weltlich gesinnte Geistliche, vgl. Uhland in den Schriften zur Geschiol^^^ 
der Dichtung und Sage, Band V 274; am Münster entstand nach cl^^ 
selben Forscher (vgl. seine eben genannten Schriften z. Geschichte ^^^ 
Dichtung und Sage a. a. 0.) die ehemals Pariser, jetzt wieder Hei<5^** 
berger (Mannessesche) Handschrift, für deren Züricher Ursprung »^^ 
ja die neuesten Untersuchungen ausgesprochen haben (vgl. besondß'^ 



386 I^er Mönch von Salzburg. 65 

barg scheint eine Nachblüte der ritterlichen Minnehöfe, eine 
Vorblüte der Benaissance sich entfaltet zu haben, ein Kreis, 
der dem in Göthes Götz geschilderten Bamberger Hof ähnelte. 

Schlieszen lassen auf all dies auszer dem Liede No. 18 
auch die übrigen in D gesammelten Stücke. Denn gerade auf 
Salzburger Zustände und höfische Kreise weist noch mehreres: 

No. 13 hat nach dem Titel (Das kchühom) noch weiter 
als Cberschrift: Vntarn ist gewordich reden ze Salzburg vnd 
hedSutt usw.; dass das ganze Gedicht eine höfische Form auf 
ländliche Verhältnisse des Alpenlandes überträgt, wird unten 
angezeigt werden; besonders aber gehört nochmals No. 18 Mä- 
her, mit den ersten Worten der Überschrift : Der tenor haizt der 



den Aufsatz von Zangemeister in der Westdeutschen Zeitschrift für 
Geschichte und Kunst, Band VII 325 ff.). Übrigens dichten schon im 
zwölften Jahrhunderte Kleriker Liebeslieder, Weinhold, Die deutschen 
Frauen *, Band U 141 f. ; die Mönche von St. Gallen waren die ersten 
Pfleger der volksmäszigen Vulgärpoesie, vgl. Wackemagel, Die Ver- 
dienste der Schweizer um die deutsche Litteratur 9, ü. Sehr. V 10; 
Lesen und Schreiben wurde von Nonnen nicht blosz zum kirchlichen 
Dienst geübt, sondern auch zur Aufzeichnung weltlicher Liedchen, 
die sie einander zusendeten, wogegen schon 789 ein Verbot erging, 
Weinh. a. a. 0. 1 128. Der Kleriker wurde bald ein geHlhrlicher Neben- 
tnüüer des Ritters in der Gunst der Damen, so dichten auch in Frank- 
reich Geistliche im Wetteifer mit den Eittem, vgl. Giesebrecht bei 
Laistner, Golias S. XVI. Li der volkstümlichen Lyrik spiegelt sich 
^ ab, vgl. Carmina Burana No. 55 (noch jetzt ist den Ellerikem, 
^crcs, im Volksgesange der Bretagne eine bedeutende Bolle zugeteilt, 
U< Sehr, m 494); hieher auch der Streit zweier Jungfrauen, Carmina 
^urana No. 65, die eine liebt einen Bitter, die andere einen 'Studenten . 
^^ auch die geistlichen Personen, die öfters in mhd. Tanzliedern 
erscheinen, und Heinzelin von Konstanz, Vom Pfaffen und dem Bitter, 
»^ie wir nun die Erscheinung in jener ersten Übergangszeit am Ein- 
8^ der mhd. Litteratur beobachten können, so auch in der späteren, 
^ der unsere Hs. stammt, am Ausgang der Periode. Es wäre sohUeszlich 
^^ die bekannte Verwandtschaft, die zwischen Kinne- und geistlicher 
Achtung besteht, hinzuweisen, jene hat auf diese gewirkt, weltliche 
Vorstellungen wurden aufs geistliche Gebiet übertragen, vgl. ü. Sehr. 
V 178. 148*); besonders ist hier an die Dichtung der Mystiker zu 
^^em. S. noch Boethe, Beinmar von Zweter S88 mit Anmerk. S98 
^d ebd. zu 19. 166, 8. 268, 1 fgg. 



54 F* Arnold Mayer u. Heinrich Rietsch 386 

mir nicht, dass diese ganze Argumentation keine zwingende 
ist, und wir werden bei der näheren Untersuchung der Lieder 
No. 18 besonders im Auge behalten. 

Bethätigte sich der Erzbischof nicht selbst als Dichter, 
so war er doch augenscheinlich ein Förderer der Dichtkunst 
in seinem Lande. Wir dürfen uns wohl seinen Hof als eine 
Art poetischen Liebeshofes vorstellen ^) , der Mönch Hermann 
als ein eigener erzbischöflicher Hofdichter, wie wir ihn jetzt 
nennen können, belebt denselben, und indem er geistliche mit 
weltlicher Dichtkunst vereinigt, sorgt er fftr religiöse BedürMsse 
durch seine prunkvollen Sequenzen und Hynmen, für die geselligen 
durch seine leichten Liebes- und Trinklieder^). Hier in Sal^- 

*) Hier wäre der Ort, auf geschichtliche Analogien hinzuweise-ci, 
denn mehrfach spielten deutsche Fürstenhöfe und Fürsten die oben aun- 
gedeutete Bolle. In der Blütezeit der mhd. Dichtung der österreichische 
und thüringische Hof; im 14. Jh. stand Slarl IV. zu Heinrich von 
Hügeln und Petrarch als Gönner und Förderer; im 16. Jh. bildet <^i€ 
Erzherzogin Mathilde in Südwestdeutschland einen geistigen Mittel- 
punkt, Scberer in den Quellen u. Forschungen z. Sprach- u. Kul^vr- 
geschichte d. germanischen Völker 21, 16, auch noch andre hohe Göctner 
fand die Dichtkunst in dieser Zeit, Adlige waren mittelbar oder unmittel- 
bar bei der Übersetzung des Araadis thätig, zum Teil begegnen uns hier 
dieselben Familien wie im 15. Jh. (ebd. 68 f.) usw. Bekannte Beispiele 
geben dann die folgenden Jahrhunderte. Noch näher gingen uns specieli 
geistliche Fürsten als Mäcene an, wofür ich nur an die Beziehungen 
Ulrichs von Eschenbach zum Salzburger Hof (u. S. 144) erinnere. Eine 
eigentliche 'Hofpoesie' gibt es aber doch weniger in der deutschen, als 
in gewissen fremden Litteraturen, der portugiesischen, arabischen. 

') über 'Geistliche als Minnesänger vergleiche überhaupt Wacker- 
nagel, Geschichte der deutschen Litteratur ^, Band I § 71 Anm. 3. Bei- 
spiele sind Rost von Samen (vgl. Bartsch, Die Schweizer Minnesänger 
S. CCXVI und die Allgemeine Deutsche Biographie, Band 29, 271)» 
Hesse von Rinach (vgl. SMB. S. LXXVI ff.), Abt Wilhebn von St. Gallen, 
Bischof Heinrich von Konstanz. Besonders gab es in Zürich üppige» 
weltlich gesinnte Geistliche, vgl. Uhland in den Schriften zur Geschieht« 
der Dichtung und Sage, Band V 274; am Münster entstand nach dem- 
selben Forscher (vgl. seine eben genannten Schriften z. Geschichte der 
Dichtung und Sage a. a. 0.) die ehemals Pariser, jetzt wieder Heidel' 
berger (Mannessesche) Handschrift, für deren Züricher Ursprung a^^" 
ja die neuesten Untersuchungen ausgesprochen haben (vgl. besoßdö" 



386 I^er Mönch von Salzburg. 65 

barg scheint eine Nachblüte der ritterlichen Minnehöfe, eine 
Verblute der Renaissance sich entfaltet zu haben, ein Ereis, 
der dem in Göthes Götz geschilderten Bamberger Hof ähnelte. 

Schlieszen lassen auf all dies auszer dem Liede No. 18 
auch die übrigen in D gesammelten Stücke. Denn gerade auf 
Salzburger Zustände und höfische Kreise weist noch mehreres: 

No. 13 hat nach dem Titel (Das kchühom) noch weiter 
als Überschrift: Vntarn ist gewonlich reden ze Salzburg vnd 
bedeuU usw.; dass das ganze Gedicht eine höfische Form auf 
ländliche Verhältnisse des Alpenlandes überträgt, wird unten 
angezeigt werden; besonders aber gehört nochmals No. 18 hie- 
her, mit den ersten Worten der Überschrift : Der tenor haizt der 



den Aufsatz von Zangemeister in der Westdeutschen Zeitschrift für 
Geschichte und Kunst, Band VII 825 ff.), übrigens dichten schon im 
2wolften Jahrhunderte Kleriker Liebeslieder, Weinhold, Die deutschen 
IPrauen ^, Band II 141 f. ; die Mönche von St. Gallen waren die ersten 
Pfleger der volksmäszigen Vulgärpoesie, vgl. Wackemagel, Die Ver- 
^enste der Schweizer um die deutsche Litteratnr 9, ü. Sehr. V 10; 
Lesen und Schreiben wurde von Nonnen nicht blosz zum kirchlichen 
Dienst geübt, sondern auch zur Aufzeichnung weltlicher Liedchen, 
die sie einander zusendeten, wogegen schon 789 ein Verbot erging, 
Weinh. a. a. 0. 1 128. Der Kleriker wurde bald ein gefährlicher Neben- 
tnüüer des Hitters in der Gunst der Damen, so dichten auch in Frank- 
reich Geistliche im Wetteifer mit den Eittem, vgL Giesebrecht bei 
Laistner, Golias S. XVI. In der volkstümlichen Lyrik spiegelt sich 
^ ab, vgl. Carmina Burana No. 66 (noch jetzt ist den Klerikern, 
^erc8, im Volksgesange der Bretagne eine bedeutende Bolle zugeteilt, 
U. Sehr, m 494); hieher auch der Streit zweier Jungfrauen, Carmina 
Borana No. 66, die eine liebt einen Bitter, die andere einen 'Studenten . 
^gl* auch die geistlichen Personen, die öfters in mhd. Tanzliedern 
«ncheinen, und Heinzelin von Konstanz, Vom Pfaffen und dem Bitter. 
•^e wir nun die Erscheinung in jener ersten Übergangszeit am Ein- 
S'Qg der mhd. Litteratur beobachten können, so auch in der späteren, 
^ der unsere Hs. stammt, am Ausgang der Periode. Es wäre sohUeszlich 
^ die bekannte Verwandtschaft, die zwischen Kinne- und geistlicher 
Achtung besteht, hinzuweisen, jene hat auf diese gewirkt, weltliche 
'Erstellungen wurden aufs geistliche Gebiet übertragen, vgl. ü. Sehr. 
^ 178. 148*); besonders ist hier an die Dichtung der Mystiker zu 
^^em. S. noch Boethe, Beinmar von Zweter S88 mit Anmerk. S98 
^d ebd. zu 19. 166, 8. 268, 1 fgg. 



56 P* Arnold Uayer u. Heinrich Bietsch 387 

Freüderual nach cdnem lutthaws pey Salzburg usw. und wieder 
Y. 1 f. Dem aUerlibsten, adtönsten weib im Freüdensal usw. 

Dieses ^Lusthaiis' £uid ich nach längerem Sachen zu- 
n&chst bei Zauner, Chron. Y 307: Da* SeUoss Freyfoal oder 
Freudenaaal, aus welchem die Erzbiseköfe seit uralten Zeiten 
ihren Einritt in die Stadt zu halten pflegten, hatte er (Emest, 
1540 — 54) . • • vom Grunde aus neu erbauen • • • lassen, Ygl. 
Hübners Beschreibung der Haupt^ und Residenzstadt Salzbuigf 
(1792—1793) I 443f:: Der Freysahl^ nahe der Hellebnumer- 
straaze inmitten eines Weihers, mit vielen Bequemlichkeiten für 
eine nicht sehr zahlreiche Herrschaft . . . Jahr der Erbauung . . . 
ist nicht bekannt Steinhauser nennt es Freudensahl (wo?). Ici 
finde es schlieszlich auch urkundlich: Kb. V No. 326, S. 522 
bezeugt Thoman Wyshay am Mittwoch vor Frohnleichnam U63, 
dass er über seine Forderungen, ein bestinmitee Gut ausserhalb 
der etat Salczburg pey dem Freydensal betreffend, sich mit dem 
Erzbischof Burkhard geeinigt habe. Die Bildung ist wie 
Freudenberg, das Kb. n No. 712 belegt wird; vgL auch die 
Freudenau bei Wien (Herders Yolkslieder, Werke herausgeg. v. 
Suphan 2o, 419: Lebt Schwestern alT im Freudensaal). Es war 
also ein Lustschloss der Erzbischöfe yon Salzburg, ein Elein- 
Yersailles, in dem es gewiss lustig genug zugegangen ist. 

Femer gehört hierher No. 19 Ain tenor von hubscher meiodeih 
als sy ez gern gemacht Juxben, darauf nicht y glicher kund vbersiwjen- 
Bewahrt hier sy eine Erinnerung an Hermann und Martin? Daiii> 
könnte yglicher auf die Hofleute gehen, das Publikum, für das 
das Gedicht bestimmt war ^) (s. übrigens die Anm. zum Liede). 

Weiters 25 , 96 ff. ich hold, daz ich mit f rumer diet mich 
freudcn niet, ju! aber dar, du frölich schar, lib frawen gar 
süln yr hilf darzu streken. Der Dichter fordert die Hofleute, 
yielleicht im Freudensaal, zu Pflege fröhlicher Geselligkeit mit 
den Hofdamen auf, er räth ihnen, sich um die H o f gallen (vgl. 
34, 36 hofsieg 40 hofgall) nicht zu kümmern. 

*) Übersingen bietet Lexer II 1658 nur in den Bedeutunsren : 
'einen Probegesang halten und 'im Singen übertreffen'. Es steht aber 
hier als technischer Ausdruck, s. die Anmerk. zum Lied. 



388 Der 3Iönch von Salzburg. 57 

No. 30 (vgl. besonders 1 flf. Wier wier der fiinfczehent^ an 

der schar des des^ hofgesind^ gar des hofs czu Salcz- 

burgk tuen hie kund . . . den frawen^ die vna /toben verumnt) 

gewährt uns einen weiteren Einblick in das galante Treiben des 

Salzbnrger Hofes : ist das Gedicht von Hermann, so hat er hier 

for die Hoflente gedichtet (vgl. damit o. S. 53). Am Schiasse 

heisst es dann: 41 ff. die hantfest gar an argen list in des keysers 

hof geben ist hoch auf der aiben in herbst frist, da drewczehen 

hundert jar Met Krist vnd auch drey sdling^ ^) an drew jar. 

Hantfest . . • geben erinnert an den Ausdrack in No. 18 (s. o. 

S. 53), hier kann doch gewiss nicht an Pilgrim gedacht werden. 

Die Hofleute befinden sich, wie es scheint, mit ihm in der 

Fremde, *in des Kaisers Hof*(?), hoch oben im Gebirge®), im 

Herbst 1387, und schreiben an ihre Damen: können wir an die 

Gefangenschafb Pilgrims zu Raitenhaslach im November d. J. 

(s. 0. S. 51) denken? 

Die eben besprochenen Lieder weisen also in der That 
ausdrücklich auf Salzburg und den Salzburger Hof oder doch 
wenigstens auf höfische Gesellschaft, wofür sich eben am nächsten 
die Salzburger darbietet. Aber auch der Best der Lieder setzt 
meistens höfische Kreise voraus, die 'Klaffer' spielen eine besondere 
Me (No. 14. 15. 19—21. 23—25. 34. 35. 45. 55. 59), ein Zug, 
cier, wenn auch überhaupt der Lyrik der Zeit gemein, hier im 
Zusammenhang erhöhte Bedeutung erhält. 

Es ist mir nicht gelungen, in Chroniken und anderen 
lumdschnftlichen oder gedruckten Quellen weitere bestätigende 
Berichte über jene durch unsere Liedersanmilung bezeugten 
eigentümlichen Kulturzustände am Salzburger Hofe zu er- 
sten, ebenso wenig kann ich genauere unmittelbare Nach- 
richten über Pilgrim, der ja als Mittelpunkt dieser Zustände 
erscheint, besonders auch über sein Leben bis zu seiner 



') Über Schilling s. Lexer u. d. W. (hier dasselbe, was sonst die 
^m SchiUing bedeuten, » 30). 

*) Es gibt aber auch Ortschaften des Namens Alm, so bei Saal- 
'^en and noch sonst, Weilmeyr, Topogr. Lexicon vom Salzachkreise, 
^^^% I 25, der auch (S. 23) ein Alben bei Traunstein nennt. 



58 F* Arnold Mayer u. Heinridh Kietsch 389 

£rwäliliing zum Erzbischof, beibringen. Ans den Hss. nnd 
Drucken, die ich in Wien, Salzburg und München durchsah, 
stelle ich unten das Wichtigere, soweit es noch nicht erwähnt 
ist, zusammen, um etwa weiter Forschenden überflfissige Mühe 
zu sparen^); noch anderes wird an seinem Orte genannt. Pilgrims 
Geschlecht stammte aus Oberösterreich (s. o. S. 45), das Stamm- 
schloss liegt im Hausruckviertel, nahe der Bahnstation Attnang. 
Die Puchheim hatten das Landmarschallamt von Osterreich und 
waren erbliche Truchsessen in Österreich ob u. unter d. Enns; 

>) Wnr. H88. (Tab.): 434. 1499,5. 2217,9. 3028. 3344,4. 8358,16. 
17. 3402, 15. 3766. 3981. 4010, 23. 4889, 3. 4969, 6. 4975, 1—3. 7848, la 
7251,1—2. 7307,1. 7328. 7330,1.3—4. 7380. 7387. 7423,3.7435.7460,1. 
7556. 7691. 7693. 8009. 8072, 1. 8120. 8142. 8161. 8336. 8349, 1. 8416. 
8447. 8537,1. 8545,1. 8547,1. 9273. 9322. 9803. 12014. 12688. 12689. 
13219. 13515. — Arch. Hss. (Böhm, Die Hss. des k. u. k. Haus-, Hof-n. 
Staats-Archivs, Wien 1873): 100, 11. Bd. 115, 1. Bd., 1. 322—326. 887,1 
Bd. 335, 1. 3. 344, 1 a. 1 b— 2 a. 345. 847, 1—3. 19. 350. 353, 3. 7. 9. 358-860. 
365, 1. Bd., 2— 4.5 b. 2. Bd., 9. 370. 1081. — Goddgm.: 1688. 1688. 1691. 
1895. 1698. 1699. 1732. 2880-2885. 2889. 2894. 2895—2906. 8890. 4409. 
- Coddlm.: 901. 1274. 1276. 1378. 1886. 1928. 12635. 14511. 14894. 
23846. 27077. 27085. 27142. Material fiir die Geschichte der Pachheim, 
aber gerade für Pilgrim keine oder nur die bekannten Angaben bieten 
Werke wie: Hund, Metropolis Salisburgensis 1582, desselben Bayer. 
Stammen-Bucb 1698 (Ergänzungen dazu im 3. Bd. von Freyberg's Samml. 
bistor. Schriften 1834 ff.), Sibmacher, Wappenbuch 1605 ff., BuceUnus, 
Germania topo - chrono - stemmato - graphia 1655 ff., Valvasor, Ehre ^ 
Herzogths. Krain 1686 ff., Wurmbrand, Collectanea genealogico-historica 
1705, Pez, Thesaurus 1721 ff., Duellius, Excerpta genealogica I786i 
Hoheneck, Löbliche Herren Stände 1726 ff., Hueber, Austria ex archivi* 
Mellicens. illustrata 1722, Steyerer, Comment. pro bistor. Albert. 11. duc^ 
Austriae 1725, Oefele, Rer. Boicarum scriptores 1763, Caesar, Annale» 
Styriae 1768 ff., Kleimayrn, Juvavia 1784, B^uch, Rer. Austr. scriptor«» 
1793 f., Wifsgrill, Schauplatz 1794 ff., Hanthaler, Fastorum Campilil • • ' 
continuatio 1818, desselben Recensus . . . archiv. Campilil. 1819 f., F^' 
Gesch. des Benedict-Stiftes Michaelbeuern 1833, Esterl, Chronik ^^* 
Frauenstiftes Nonnberg 1841, Muchar, Gesch. des Herzogths. Steierio^^ 
1844 ff., Britz, Gesch. d. Landes ob der Enns 1846 f., Kar^jan, ^^^^' 
brüderungsbuch d. Stiftes St. Peter 1852, Kneschke, Deutsch. Ad^*®* 
lexikon 1859 ff., Pichler, Salzburg's Landesgesch. 1865, Zillner, Salzburg- 
Kulturgesch. 1871, Zahn, Urkundenbuch des Herzogths. Steiermark 187^ ^" 
Wichners Geschichte Admonts 1874 ff. 



390 I>er Mönch von Salzburg. 59 

ihr Wappen, wie es auch in den Chroniken erscheint, war ein 
Silberschild mit roter Mittelfascia. Erzb. Pilgrim 11.^) war ein 
Sohn Pilgrim 11. y. Pnchheim^J. Seine Geschichte beginnt in 
den Chroniken eigentlich erst mit seiner Erwählong zum Erz- 
bischof') (o. S. 57). Jedesfalls hatte er dem Domkapitel angehört 
wenigstens heisst es Arch. Hs. 325 n S. 2403, dass PUgrinus 
dit$ nammens der zweite, ein herr van Puchheim und domherr 
zu Salzburg*') zum Erzbischof gewählt wurde. Nach dem 
Chron. Salisb. (Pez, Scriptores I 418) geschah dies 1365. 

Die Zeit war rauh und kriegerisch. Vielfach nahmen die 
geistlichen Fürsten an den Welthändeln teil. Auch unser Erz- 
bischof ^). Er trat als ein sehr streitbarer, nichts weniger als 
rein geistlicher Herr auf. Schon 1371 unterstützte er die 
Herzoge Friedrich und Stephan von Bayern, um sich ihren 
Beistand gegen seine Widersacher zu schaffen, dagegen traten 
^e Herzöge von Österreich, Kaiser Karl und der Papst Gregor 
Ulf und brachten das Bündnis zur Auflösung, was nur schwer 
gehog. P. besuchte darauf den Kaiser zu Prag und die Öster- 
reicher in Wien (1374) *). 1382 kam er dagegen mit Friedrich 
Ton Bayern in Krieg, weil er den Probst der Kirche in Berchtes- 
g^en, einen Bayern, abgesetzt hatte ^). Aber wichtiger war 
seine Beteiligung an dem groszen Städtekriege (s. o. S. 50ff.). 
Anszerdem wird noch manches abenteuerliche 7on ihm erzählt, 

') Auch Hansiz, Germania sacra II 468—465, gibt nur die auch 
1 •onit bekannten Nacbricbten über ihn. 

«) Vgl Schlachtner in der Arch. Hs. 825 11 8. 2406. 

*) Damals erscheinen noch andre Hitglieder des Geschlechtes in 
^•l^burg (vielleicht von jenem ins Land gezogen?): ein Han8 von 
^^(^uiim . . . phleger ze Eayn 1367 (Arch. Hs. 869 11 S. 488); 
^4—1887 Albert von Puchheim als Hauptmann in Salzburg, Obb. 
"^cb. XXVill 79; Pilgrim von Puchheim, Hauptmann zu Salzburg, 
^b, Hs. 869 n S. 625. 627. 630 (1384). 

*) Der Pilegrinus canonicus Salisburgensis der Monamenta Boica 11 
^ (von 1830) muss wohl ein anderer sein. 

*) Ahnlich z. B. sein älterer Zeitgenosse Balduin von Trier (f 1854), 
^Q Pilgrim kam auch dieser in Gefangenschaft (vgl. ADB. II 11 ff.). 

•) Pez Script. I 421. 

^ Ebd. 427 f. 



60 F* Arnold Mayer o. Heinrich Rieisch 391 

das nicht sicher steht: Zedier, üniversallencon XXIX 1152, 
will wissen, dass er, mit dem Grafen Helfenstein zum Feld- 
herrn gegen Karl V. von Frankreich ernannt, nenn Jahre in Paris 
gefangen gewesen seüi soll, eine Nachricht, die ganz nnglanblich 
ist, Karl Y. (1364—1380) führte ja nie mit Deutschland Kriegt). 

unter Pilgrims kriegerischer Begierong wnrde die Stadt 
zuerst mit Mauern und Thoren umgeben (Clm. 27077 n 793) und 
entstand yielleicht die Bürgerwehr am Mönchsberg (MSL. I 70). 
Er muss viel Ansehen und Einfluss genossen haben: nicht bloa, 
dass er einen Streit zwischen seiner Schwester Scholastica vad 
seinen Verwandten Pilgrim *), Albert dem jüngeren und Geoig 
schlichten durfte, er vermittelte auch den Frieden zu Schftrdiog 
zwischen Österreich und Bayern, 29. IX. 1869 *), und er wurde 
sogar von K. Wenzel erwählt, zwischen diesem und dem Papst 
zu Avignon, Clemens VIL, zu verhandeln*). 1384 bestätigte 
er als Metropolit die Universität Wien*). Er starb Dienstag 
5. IV. 1396 % nachdem er auch seinen Landbesitz erweitert hatte. 

Allem nach war er eine nicht unbedeutende, in gewissem 
Sinuo imponierende Erscheinung, fähig, Willens- und Thatkraft 
zu eutwickeln. Er ist ain groszmüetdger fürst getoesen (Cgm. 2906 
Bl. 35), ain herrlicher vnnd groszmüettiger prelat (60 oder ähnlich 
in (icQ Coddgm. 2895 — 2900 und sonst). Noch Megiser, Annales 
Cavinth. Leipzig 1612, S. 1020 sagt von ihm, dass er eines 
sinnreiclien vnnd grotzmiXtigen Hertzens gewesen. Im Cgm. 1699 

') Zu Pilgrims Zeit machte Karl VI. von Frankreich mehrfaclie 
Vorstösze auf deutsches Gebiet, s. Lindner Gesch. II 81 ff. 319 ff., Ai« 
Reichsstädte fürchteten^ dass die Franzosen den Fürsten Hilfe gegen 5*-^ 
anbieten %oürdenj ebd. 99, und umgekehrt besorgte man in Franki'ei*^^ 
einen Überfall der Deutschen: vielleicht liegt in der obigen Nacliricjti^ 
eine Erinnerung an diese Zustände vor? 

') Dies wird jener Pilgrim sein, der bei Herzog Albrecht z«>^-^ 
Sturz des Johann von Liechtenstein mitwirkte, Falke Gesch. I 3^^^' 
vgl. auch 0. S. 51 Anm. 1. 

') Nach Kleim. Juv. 389. 

*) MSL. XII 243 Anm. 1. 

^) So Kleim. Juv. 170. 

öj Pez Script. I 431. 



I Der Mönch von Salzburg. 61 

428 heiBzt es (nach Angabe der Hs. : ex diromoo S. Petri) 
h anders: Diser war ein mann einer sonderbaren des 
nüeti bestendigckchait. Nach dem Clm. 14894 Bl. 146a 
* er poiena in opere et sermane. Auch seine fürsorgliche 
riening wird hervorgehoben ^), aber besonders — nach den eben 
ebenen Auszügen — seine 'Groszmüidgkeit' gerühmt, d. i. sein 
itlicher Sinn, seine Festigkeit und Energie, nnd femer, dass 
ein ^herrlicher Pr&lat^ gewesen sei Dieses letztere meint 
i wohl die Pracht seines Auftretens, seinen glanzvollen Hof. 
ne Energie ging allerdings bis znr Bücksichtslosigkeit, indem 
sich über die Rechte seiner ünterthanen hinwegsetzte, wenn 
eben etwas zu erreichen wünschte, und Widerspenstige mit 
rker Hand bändigte oder auch vergewaltigte : die Kb. bewahren 
schiedene ürfehdebriefe (z. B. HI S. 432. 435). Andererseits 
zeichnet die Geschichte von ihm Handlungen, die als Zeichen 
i Schwäche gedeutet werden könnten^). Nach seinem Tode 
dagte sich denn auch die Landschaft bei seinem Nachfolger, 
egor von Osterwitz, über die Beschwernis, die sie unter jenem 
itten*), und nicht umsonst wird die Freude hervorgehoben, 
\ jedermann, Klerus und Volk, bei der Wahl Gregors empfand^), 
einer eigenen Urkunde musste noch Erzbischof Eberhard 1403 
ittem, Knechten und Bürgem\ die sich nach Pilgrims Tode in 
m Igelbunde zur Verteidigung ihrer Bechte vereinigt hatten ^), 
rsprechen, dass die Bedrückungen, welche sie von Pilgrim, 
Qehungsweise von seinem Nachfolger Gregor, erfahren hätten, 
ifhören würden*). Die von ihnen damals erhobenen Beschwerden^) 



*) In der That hat er manche gute Friedenswerke ausgeführt; 
bielt auf gute Rechtspflege, Kleim. Juv. 584, und gab Ordnungen, 
^' 878 g. h. Über die gute Behandlung der Bauern im Erzstiffc 
^ 668. 

*) Bei Lindner IE 23 ist P. überhaupt ein 'schwacher Charakter . 

») Cgm. 1688 Bl. 125 b. 

*) Wnr. Hs. 8072 Bl. 18. 

') Die Urkunde ist z. B. MSL. V 182 ff. gedruckt. 

*) Ebd. Y 160; Abdruck des Textes der Urkunde Eberhards vom 
V. 1403 ebd, 176. Vgl. auch Kleim. Juv. 447. 

^3 MSL. V 183. 



62 ^* Arnold Mayer o. Heinrich Eietsch 393 

zeigen wieder, dass Pilgrim mitunter ein recht gewaltthätiger 
Herr war. 

In dieses Bild eines kriegerischen, eigenwilligen, vielleicht 
tyrannischen Fürsten bringen nun künstleriche Neigungen einen 
mildernden Zng. Das ist nicht sonderbar — ich erinnere nur 
an den deutschen Heinrich VI. — und ebenso 'galante Lyrik', 
wie sie unsere jedesfalls zum Hofe von Salzburg enge gehörige ^) 
Sammlung zeigt, gerade in dieser Zeit und an diesem Orte ganz 
gut denkbar : Salzburg, fern im Südosten Deutschlands, erscheint 
damit als ein Zufluchtsort der Musen in rauhen KriegsUuften 

Eben damals, am Ende des 14. Jhs., war ja überall in 
das geistliche Wesen Veitliche Üppigkeit' aller Formen ein- 
gedrungen: man denke daran, dass schon am Anfang des 15. 
Jhs. das Konstanzer Konzil stattfindet. Was insbesondere Salz- 
burg betrifft, so gestatten die erhaltenen dürftigen Berichte, 
wenigstens zwischen den Zeilen zu lesen, dass hier eine 
hervorragende Stätte solchen Treibens gewesen sein muss, so- 
wohl am erzbischöflichen Hofe, als auch im Kloster St. Feter. 

Pilgrim selbst liebte Glanz und Pracht: er fing den 
Dom und viele andere Gebäude zu erneuern an*) und nahm 
auch den erzbischöflichen Hof in Angriff. Zum Teile wenigstens 
wurde seine Thätigkeit auf diesem Gebiete schon durch ü^ 
grosze Feuersbrunst von 1383 veranlasst*). 

Der Hofhalt wird schon unter ihm ziemlich ausgedehnt 
gewesen sein, ein eigentlicher Hofstaat, dessen Hauptbestimmung 
war, den Glanz des fürstlichen Hauses zu erhöhen, wie an deo 
anderen Höfen der Zeit. Das ist das Hofgesind in No. 3*^ 
unserer Sammlung, Hofherren und Hofdamen, deren Beziehungexi 
zu einander die eigentliche Grundlage für die Lieder gegeben 
haben dürften*). Eine vollständige Hofordnung des Hofs z^^ 

») 0. S. 49 ff. 65 ff. 

«) Arch. Hs. 327 II S. 517; Pez Script. I 428. 

') Arch. Hs. 327 a. a. 0. ; Pez a. a. 0. S. noch Arch. Hs. 325 II S. 2430 ^■ 

*) Eberhard III. von Salzburg (vgl. jedoch auch u. S. 67 über ih"»-*' 
hatte auf dem Konzil zu Konstanz einen solchen hofstatt um sich. ui> ^ 
es werden Ritter aus demselben mit Namen aufgeführt (Arch. Hs. 324 ^f^ 
Bl. 460b); Erzbischof Friedrich UI. erwähnt vnnsern Hof, MSL. V l^^' 






394 öer Mönch von Salzburg. 63 

Salzburg konnte ich für diese Zeit zwar nicht finden ^)t aber 
einzelne Würdenträger und Beamtete werden erwähnt. So 
erscheint ein Hofmarschall*), Schreiber^) und Kanzler^) des 
Hofi, Kammermeister ^), Kellner (Kellermeister) % Kastner '') ; 
auszerdem Pfeiffer^), Büchsenmeister*), Küchenmeister^^), Mund- 
schenk ^^), Thürhüter und Jägermeister^^). Dazu kommt natürlich 
der Hofineister (o. S. 47 Anm. 1). Ausführlichere Nachrichten 

^ Erst von 1690 steht eine Hofordnung Wolf Dietrichs ebd. Xu 886. 

^ 1392: Ghonrad der Granns, Kb. 11 S. 663, und noch sonst, 

z. B. 1996: Wühdlfn Wispekch ebd. HI S. 648. 644. — Nur der Hof- 

niftrschall tritt häufiger in Urkunden als Zeuge auf, andere Hitglieder 

des Hofgesindes viel seltener. 

*) Chuenrat, Hofsohreiber 1891, MSL. XII 256 No. 166; Johann 
Meiiter Paul oberster Schreiber dez Hofs zu Salzburg, Hitglied des 
*geschwomen Rathes Pilg^ms', 1870, Eleim. Juv. 676. 
^) Hans Bawtter aus einer Urkunde ebd. 

*) Vgl. Camere Saüzburgensis Magistro, HSL. XIII No. 120 der 
Urkunden des Gonsistorial- Archivs. 'Heins Herren von Salzburg Kammer- 
meistei^, 1372, Kb. II S. 668. — Der Kammermeister besorgt das Kammer- 
wesen überhaupt, nach Kleim. Juv. 487 d. 

*) Konrad Humbel 1267, HSL. XX 187 ; Hanna Bauchenperger . . . 
kfduUner ze Salczburg, Kb. IV S. 81, J. 1431. S. 208, J. 1482. 

'') Cliunrat, probst ze GÖmitZf [ze] den zeytten des von Salczburg 
<ikanärr (^vgl. o. S. 47 Anm. 2), Arch. Hs. 368 BL 273, J. 1390; 
Thman Sintzhauser, Kastner des Hofs zu S., ebd. Bl. 883, J. 1442. 

•) ChUg der Inceller . . . meins herren von Salczburg Pfeiffer, 
1896, HSL. Xn 286 No. 182, vgl. auch XIU 34 (im Urkundenbuche) 
«0. 46, J. 1407, wo noch ein zweiter mit diesem erscheint. 

•) Ein Erhart Han von Zähem 1469, ebd. XIV No. 290 des 'Archivs'. 
*<>) 1241 ein Küchenmeister Wemher, ebd. XX 187; 1300 Chvno 
^ Teysing, Magister Coquine Curie nostre, ebd. X No. 13 des Archivs 
»»t Anmerk. 1 (S. 149). 

") Turner de Neupaum . . . supremus pincema Salisburgensis, 
18/U. Jh., Seeauer Chron, 846. 

»•) Allex außaimer, Thürhüter, MSL. XIV No. 204 des Archivs 
(1**7); Dietrich Behaim, Jägermeister, 1418, ebd. XXVI 220. Später 
^ die Hitte des 16. Jhs. finde ich einen Hofsekretär, Hainrich von 
^^gnitz (ebd. XTV No. 289. 305 des Archivs), einen Zehrgadmer (Zehr- 
8*den >■ Speisekammer) Niclas Winkchler, ebd. No. 178. Für die Aus- 
^ong, die der Hofhalt schon im 16. Jh. bekam, s. Pirckmayer ebd. 
^ 187: 'Aus Küche u. Keller, Gaden u. Kasten d. Fürsten-Erzb. v. Salzb.' 



I 



64 F« Arnold lUyer u. Heinrich Bietsch 395 

beEdtzen wir über einen anderen, freilioh kleineren, geistlichen 
Hof aus dieser Zeit, den von Freising ^). Hier gab es schon 
im 13. Jh. an Laienhofgesinde : zunächst den Praepositos Domini 
Episcopi, Hansho&neister des Bischofs. Er stand an der Spitze 
des f&rstbischöflichen Hauses und gehörte zu den höheren 
Beamten des Hofes, wie der Dienstkftmmerer des Bischofs (Miles). 
Ihm ist das Hofgesinde unterstellt, und er hat (als Vicedominus) 
auf den Tafelgütern des Bischofs Becht zu sprechen. Auszer 
diesem werden genannt: 1. Mactator, 2. Tauernarius (für das 
Hofbräuhaus mit Gastwirtschaft), 3. Chastnerius, 4. Pistor, 

5. Picariator (Oberpechler ? sorgte für alle kleineren Gefäaze f&r 
Keller und Tafel, für Spunde und Bohrer für die Fässer), 

6. Hostiarius cellarii (KeUerthürvorsteher), 7. Hortulanus (Ober- 
gärtner), 8. HofgaemUnus ; dann der Coquinarius, der wohl zur 
Domgeistlichkeit gehörte, und noch einige Kammerboten. Im 
14. Jh. wurden diese Ämter eingeschränkt. Wir finden jetzt den 
Hofgämel (Hausmeister), den Pistor (Hofbäcker), einen Mden- 
dinator (Müller) und den Qrassarius (der, wie es scheint, ur- 
sprünglich dem Pfister das Holz zum Backen zurecht zu machen 
hatte, dann als zweiter Hofdiener dem Hofgämel an die Seite 
trat), zu Oberst aber trat das Hofmarschallamt, welches den 
fürstlichen Haushalt zum Teil durch (Jewerbsleute besorgen 
liesz. Auch sonst haben wir Nachrichten über das Leben am 
Hofe. Der Hofgämel und der Qrassarius hatten die besondere 
Pflicht, der Hoftafel beizuwohnen. Gäste waren häufig, da 
wurden Eber aufgetischt. Der fürstlichen Tafel fehlte nichts: 
Allectia (d. i. marinierte Fische), Bohnen, Erbsen, Mohn 
werden genannt, öfters gab es ein sollempne convivium. Die 
Hofküche wurde dem Bischof stets nachgefahrt, wenn er 
die Stadt verliesz. Übrigens scheint er den Sommer immer 



*) S. Obb. Arch. XXXV 264: ^Das Hofgesinde der Fürstbischöfe von 
Freising in Mitte des 13. und im 14. Jh.' Von Friedr. Hekt. Graf. Hundt. 
Vgl. auszerdem über das zahlreiche Gesinde des Frauenklosters Niedembei^ 
am Anfang des 15. Jhs. die Verhandl. des bist. Ver. f. Niederbayem IV/5 
114; dazu noch Obb. Arch. XI 257 über die Kosten des Hof halts und (ien 
Küchenzettel des Hofes in: 'Münchner Bilder aus dem 14. Jh.* von Hefner. 



396 -Der Mönch von Salzburg. 65 

auf dem Lande verbracht zu haben and erst im Herbste in die 
Stadt gekommen zu sein. Jagden finden eigene Erwähnung. 

Dem geschilderten ähnlich, nur auf noch gröszeren Fnsz, 
wird der Salzburger Hof eingerichtet gewesen sein. Von den oben 
angefahrten Hofämtern begegnen uns der Hofinarschall, Kästner 
und Kellner mehrfach, ein Hortulanus ist unter den Erzbisch. 
Eberhard IV. (1427—1429) und Friedrich IV. (1441—1452) 
bezeugt^) (auch der Ausdruck Hofgämel kommt vor^). Auch 
hier war das Gesinde wenigstens zum Teile aus dem Laien- 
stande, auch der Erzbischof wird den Sommer auf dem Lande 
verlebt haben, auf seinen Lustschlössern, hier z. B. im Freuden- 
saal'), in fröhlicher Geselligkeit^), mit groszen Tafeln und 
Jagden*), im Kreise seiner Hofherren und 'Hofjungfrauen**). 
Zum Hofstaat gehörte gewiss auch 'Maister Hans des Bischof 
Arzt von Salzburg' '^). 

Diese Hofluft konnte künstlerischen Bestrebungen nur 
forderlich sein. Solchen fehlte hier auch die Tradition nicht 
gänzlich. Die grosze mhd. Litteraturblüte weist zwar wenig 
Vertreter in diesen Gegenden auf (doch s. u. S. 144 f. !), dafür 
erscheint die bildende Kunst schon im 12. Jh. in Salzburg 
gepflegt ^). Es mag eben erst PUgrim durch sein litterarisches 



') MSL. VI 313 f., hier mit anderen auch der Truchaess. 

«) Niclas hofgeymel von Egk, 1433, Kb. IV S. 281. 

*) Ein anderes Lnstschloss war das Schloss Neuhaus beim Nonn- 
berg, zu einem tust- und aufenthalt . . . von grundt auferpauth^ Cgm. 1691 
Bl. 246 b. 

*) Vgl. unter den Liedern besonders No. 18. 25. 30. 

*) Eine Jagdordnung von Ortolph, Pilgrims Vorgänger, für seine 
Jagd im Säusel s. Kb. V S. 137 (im Druck MSL. XXVII 443 f.). Er 
verleiht 1350 das Jägermeisteramt daselbst, das Won altem Herkommen 
ist', Heinrich dem Glenzer, Kb. V S. 138, auf dasselbe bezieht sich ein 
Bestätigungsbrief Pilgrims aus Wien 1379, S. 139. 

•) So nennt Kaiser Ludwig in einer Urkunde von 1339 eine 
Agnese die Englinginn seine Hofiunchfrawen, Obb. Arch. V 334; das 
sind dann die frawen^ an die No. 30 sich wendet. 

') Urkunde von 1381, Obb. Arch. XXIV 124. 

*) S. Zillner 105. 213 ff. — Maister Hainreich der maier, 1436 
Kb. V S. 318. 

6 



66 ^* Arnold Mayer o. Heuundi Eietsch 397 

Interesse einen nachhaltigeren Anstosz zu heimischer Produktion 
gegeben haben, der auch in der Folgezeit nicht ganz ohne Wirkung 
blieb. Wenigstens heiszt es von seinem Nachfolger Gr^or ') : 
er ist auch ein grosBer Uebhaher der musica gewesen fmd hat die 
mueieoe in sondern Heb vnd werth gehalten ; und noch von Friedrich IV. 
(f 1452) ^ : libercUis in omnes, tum vel maainte in liUeratos, q%torum 
familiaritate delectatus est Die Weltlichkeit im allgemeinen 
nahm sogar derart überhand, dass Maszregeln dagegen nötig 
schienen. Die Eirchenzucht war freilich seit langem in VerM, 
hier wie überall (o. S. 62): Hansiz f&hrt eine Beihe toh 
Konzilien an, die Ton Seite der Erzbischöfe abgehalten werden 
mussten: schon 1310 (gegen die clericos jacolatores) , tod 
Pilgrim selbst 1886 (gegen das Leben der Geistlichkeit übe^ 
haupt)^). 1418 wendete sich eine Synode gegen das Eonknbioat 
der fi^leriker^), und Johann (f 1441) erliesz zur Yerbesseraug 
der Sitten Ton Klerus und Volk ein Dekret, worin sogar strenge 
bestimmt war, wie die Kleriker sich kleiden sollten ^ ). Bereiis 
Ortolph hatte Erfolge in diesen Bestrebungen erzielt : er hat..- 
die obseruanz des heiigen Ordens sannt Augustin auf dem thumb 
hir gebessert, die zu ab f aal war kchomen gewesen *) ; freilich hätte 
er eher an seinem eigenen Hofe die Zügel straffer anzieheiv 
müssen, denn, wie später unter P., scheint es auch zu sein©^ 
Zeit schon hier recht lose zugegangen zu sein '). Aber auc 
am Hofe selbst trat wohl bald nach Pilgrim eine Reaktion eiiP^ 
Von der Frömmigkeit des letzteren erzählen die Chroniken weni^ 
— dass er Kirchenlieder übersetzen liesz, ist kein ausreichende^ 
Beweis für eine geistliche Lebensführung — auch noch Gvego^ 

M Cgm. 1699 S. 450 (ex chronico S. Fetri). 

2) Wiener Hs. 8120 Bl. 66, so auch im Clm. 1276 Bl. 47 a. 

») H. GS. II 442 f. 462. Ein Konzil Pilirrims schon 1380, ebd. 46C::^ 

*) Ebd. 4«9. 

») Clm. 27077 11 938. 

*) Ggm. 2906 Bl. 34; ÜKm. 2901 Bl. 68 a. 

') Eberhard, Prepos. metropolitico — Sal., klagt über ihn bei de^^ 
Papst zu Avignon: er vernachlässige seine Pflichten, begünstige seirrrrr 
Diener, Verwandten und laicae personae und verschleudere Güt*^ 
an sie. Clm 27077 II 760. 



398 ^^ Mönch von Salzburg. 57 

Sdienk (f 1403) ßdt quietudird et IranquUliUUi deditas, cm 
vinaüo et aucujmany canes et eqtd, soloHo et voluptati fuere rdli- 
giane tarnen non negUeta (die letzten Worte wohl als ein vor- 
sichtiger Zusatz des Chronisten aufzufassen, der einer üblen 
Meinnng von seinem Erzhischof Torbengen will). Sumptus in 
edificia et in quorundam emptianem fecit . . . musicoe amavit et 
fovit (Tgl. 0. S. 66) ^). Jedoch Eberhard IH. (f 1427) war 
einer der frömmsten Herren % devotioni tantopere intentus, rä et 
matatinaU officio in choro cum eanonicis rarissvme non affuerit . . . 
qiutre subiectorum devotio et divmus cuUus plus solito tunc cremt ^), 
Gegen die Beform erhob sich natürlich lebhafte Bewegung, die 
Klerisei soll Eberhard lY. (1429) haben vergiften lassen^). 
Keinesfalls kann diese Richtung von langer Dauer gewesen 
Bein, s. 0. S. 66 die Mitteilung über Friedrich IV. *) ; Bernhard 
Ton Salzburg (seit 1466) war bereits wieder ein üppiger und 
bequemer Fürst, und bekannt ist der prunkliebende Matthaeus 
Lang (t 1540). 

Ähnlich dürften sich auch die Zustände im Kloster St. 
Peter entwickelt haben. Nach dem Tode des Abtes Johannes 11. 
Bosses*), der den Kirchengesang so sorgsam pflegte (s. o. S. 45), 
aber auch viel Schulden gemacht'^ (gestorben den 19. 1. 1375)®) 
wurde zunächst Otto Chalnperger IL gewählt*). Er war ein 
^anzgenie, die 6000 fl. Schulden zahlte er binnen wenigen 
Jahren ab ^®), und die Einkünfte des Konvents wusste er zu 
erhöhen. Er hielt also schon strengeres Regiment. Übrigens 

>) Clm. 1276 Bl. 44 b; im Clm. 27077 II S. 816 aus einer metn- 
•clieii Beries episcoporum erhaltene Verse machen ihn zu einem Freunde 
^^^ ^usik (und der Jagd). 

^ Cgm. 1699 S. 456. 

») Clm. 1276 Bl. 46 a. 

*) S. Arch. Hb. 825 n S. 2707 ff. H. GS. II 472. 

*) Über das von ihm 1451 abgehaltene Konzil H. GS. II 483 ff. 

•) Walz, Grabdenkmäler von St. Peter I S. 42 No. 30. 

') Dückher 190. 

•) a. a. 0. 

•) Pez Script. I 423 ff. 

*•) Cgm. 2906 Bl. 94. 

5" 



l 



1 



68 P* Arnold Mayer u. Heinrich Bietsch. 399 

Terschönerte und bereicherte auch er das Kloster, baute, kaufte 
Eunstgegenstände. Georg Waller aber (1428 — 1435) machte 
sich an eine gründliche Reform^). DerseUng hat dy obsenranz 
der hayligen regul sand Benedicten widerbrctckt , dy bei seinen 
vorvodem in abvall wa£z kommen pey disen kloster, darum er viel 
Widerwärtigkeit erlütenn hat ayben jar und in geverlickeii gewesen 
ist seines lebens (vgl. 0. über Eberhard IV.)*). Petrw Klug- 
haimer (seit 1436) war dann ein Abt Ton unvergleichlicher 
Frömmigkeit, sehr gottesfürchtig und sparsam^). 

>) Dückher 202; Cgm. 2906 Bl. 96; H. ÖS. II 479. 

«) Clm. 27077 I 1828. 

») Cgm. 2889 Bl. 440*bf. — Unter all diesen Wandlungen ge- 
langten jedoch die eigentlich klassischen Stadien in St. Peter zu einer 
auszerordentlichen Blüte, hier war der Humanismus in dem letzten Dezen- 
nium des 16. Jahrhunderts schon zu einem gewissen Gedeihen gelang. 
namentlich ragte da der Abt Ghilian hervor, und sogar manche Dichter 
werden jetzt genannt; übrigens gibt es schon im 15. Jh. zalilreicbe 
Zeugnisse für diese Studien in den Klöstern der Alpenländer (Horawitz, 
Z. Gesch. des Humanism. in den Alpenländem I, WSB. 111, 331 ff-« 
über die litterarische Bedeutung Mondsees speciell S. 837, dazu aacb 
Staufer, Mondseer Gelehrte, in den Programmen des Melker Gymn. 1864. 
1865, und Horawitz, Z. Gesch. . . . III in den WSB 114, 769 ff.) 



m. 

Autorschaft der weltlichen Lieder 

der Handschrift 



m vorstehenden habe ich die historischen Verhältnisse, 
len die Lieder unsrer Sanmünng der Hauptmasse nach 
}en sind, klarzulegen yersucht, soweit ich sie ermitteln 
Freilich werden diese durch die Lieder selbst am 
bezeugt. Denn dass einige von ihnen unmittelbar auf 
g und seinen Hof weisen, ist oben (S. 49 f. 55 ff.) dar- 
; dass auch die übrigen, die jetzt in Frage kommen 
>7), im allgemeinen höfische Verhältnisse zur Grundlage 
)der zum mindesten solchen nicht widersprechen, möge 
rze Überschau deutlicher zeigen. 

No. 1 — 10 sind geistlich.) No. 11: Das 'Nachthom\ 
bende träumt von der Geliebten. No. 12: Das ^Taghom', 
^ed, wie No. 13: Das 'Kuhhom^ wo ein höfischer Dichter 
ichaus ländliche Situation vorführt, vgl. u. S. 143 und die 
lo. 14 : ein Dialog, der Liebende wird von seinem ^Fräulein' 
n@n, sie sprechen einander Trost zu über die Nach- 
igQ der 'Klaffer^ er soll sich nur nicht zu viel 'rühmen*. 
^so ferner: No. 15 a (Besuch bei Nacht, ähnlich der 
m b., Verwünschung der B^laflfer, vor denen noch in No. 
ler ^achter warnt) No. 43 (gegenseitige Liebe und Treue). 
16 is ein geistliches Lied). No. 17 (der Dichter in Sehn- 
), ebiso No. 42 (Glückwünsch, Treue), No. 57 und No. 
lie ga?e Welt möchte er ihr zu Füszen legen) sind Neu- 
ieder, Jo. 18, der 'Freudensaar, ein eigentlicher Liebes- 
so a<ih No. 30, wo die Hofherren an die Hofdamen 
iben. o. 19: Mahnung zur Verschwiegenheit; die bösen 
sr. NoSO : Mögen die Klaffer noch so viel ihren Teufels- 
Q aussäe es bleibt die Hoffnung auf bessere Zeit! No. 
Wunsch, fenigstens im Mai mit der Dame beisanunen zu 
wenn es^chon zur Fastnacht nicht sein konnte; wieder 
bösen Kla\r! No. 22: An staete und Verschwiegenheit 
ich mich Xten ! No. 23 : Leiden der Minne durch Schuld 



72 ^' Arnold Mayer o. Heinrich Bietsch 403 

der Klaffer, Hoffnung auf gutes Ende, Tgl. No. 20. No. S4: 
'Möchten sie sich doch in ihren eigenen Stricken Cangoi!' 
No. 25 : 'Freut euch, Genossen, kümmert euch nicht um die 
hof ff allen /' No. 26 : Die Herrliche ! Seine Verlegenheit vor hr. 
No. 27 : Bitte an die Entfernte um einen Brief, wie in So, 
54; Tgl. No. 18. 30. No. 28: Seine Freude steht bei der ncdd 
. . . tn ki/tels klaid, nicht bei hohen Damen. No. 29 : 'Scheiiin!' 
ebenso No. 54, Tgl. No. 47. (No. 31 = No. 13). No. 32 : Ihr 
'Gute-Nacht-Grusz\ No. 33 : Versicherung der Treue, er flUt 
sich in ihren Banden. No. 34: 'Fluch den Elaffern!' (liofUg, 
hofffall, Str. 3). No. 35: 'Verloren ist alle Mühe der 7er- 
läumder !' No. 36 : Ihre Schönheit und Anmut. No. 37 : litte 
um Versöhnung. No. 38: Sehnsucht, Hoffnung. No. 39 Er 
hat das Schmachten satt. (No. 40 = No. 20). No. 41 : «hn- 
sucht und liebe. No. 44 : Ihre Schönheit, ausführlich gescUdert 
No. 45: Reden (aber nicht der Elaffer) besser in der Liebe 
als Schweigen. No. 46: Er hat endlich Gewährung eralten, 
sein Dankgefühl. No. 47 : Scheiden Ton ihr, seiner erstenLiebe. 
No. 48: Sie ist sein Stern. No. 49: Sie ist eine Ro& No. 
50: Geständnis der Liebe. No. 51: Resignation und I^ffnung 
auf die Zukunft. (No. 52, s. o. S. 31). No. 53: Stfi Arg- 
wohn. No. 55: Sie soll sich mit den 'klaffenden AflBi^ nicht 
abgeben! No. 56: 'Vergissmeinnicht\ No. 58: Nahe Wieder- 
sehen. No. 59: Erbitterung gegen die Klaffer. No60: Lob 
der Geliebten. (No. 61—79 sind geistliche Lieder). (No. 80 
= No. 11).^) No. 81: Übermütiges Herbstlied. (ö. 82, s. 
0. S. 40). No. 83 : Von dem geliebten Falken, den ne Trappe 
entführt hat. No. 84: Sehnsucht nach einer Zusomenkunft 
mit ihr. No. 85: * Würde mir das Kränzlein 'Wolgent' Ton ihr!* 
No. 87 : Schmerz des Getrenntseins. No. 88 : 'Ers« Veilchen*. 
Die Anmerkungen werden die traditionell-höfis^n Elemente 
in diesen Liedern (schon jetzt fällt die fortwähre^ö Betonung 
der Klaffer, der Verschwiegenheit u. s. f. auf, /l. o. S. 57) 
im einzelnen nachweisen. 

*) Was W. in seinem Verzeichnis der Liederau**^^ (K." I 367> 
nicht anmerkt. 



404 Autorschaft der weltlichen Lieder. 73 

Also es steht nunmehr fest: 1. dass ein Hauptteil der 
ganzen Sammlung, geistliche Lieder, nach Salzburg und dem 
Mönch Hermann gehört (o. S. 31 f. 34) ; 2. aber glaubten wir 
auch weltliche Lieder nach dem Zeugnis der Hss. sicher dem- 
selben Dichter zuschreiben zu können (S. 42); 3. weisen von 
den übrigen wieder einige ausdrücklich auf den Salzburger Hof 
(S. 49 f. 55 ff.). So liegt schon von vornherein die Vermutung nahe, 
dass mit diesen letzteren auch der Best der Lieder (mit Aus- 
nahme jener, die sogleich auszuscheiden waren, s. o. S. 31. 34 f. 
40 ff.) von Salzburg und demselben Dichter ausgegangen sei. 

Die Lieder der eben an zweiter Stelle erwähnten Gruppe 
sind wohl zu wenige, als dass sie ein Bild von Hermanns schrift- 
stellerischem Charakter und so einen Prüfstein für die frag- 
lichen Lieder in D geben könnten. Inmierhin zeigen schon 
diese wenigen (No. II. 12. 26. 28. 36. 59 und vielleicht auch 17) 
eine verhältnismäszige Mannigfaltigkeit der Formen, und wenn 
man weiter bedenkt, dass derselbe Dichter im Stande war, 
zwei Kirchenlieder zu dichten, wie z. B. W. K.^ No. 565 und 
No. 600, so wird man ihm auch sonst gar verschiedenartige 
^liöpfungen zutrauen dürfen. Gewissheit des Ergebnisses wird 
^ch unter diesen Umständen ebenso wenig wie bei allen ähn- 
«chen Untersuchungen erreichen lassen, und ich würde mich 
^t dem Nachweise begnügen müssen, dass die zu untersuchenden 
^eder nach ihrer ganzen Beschaffenheit der Annahme eines 
^^ifassers nicht entgegen sind, vielmehr durchgehende Ähnlich- 
^Bltien mit einander zeigen. Dabei beachte ich besonders das 
^^d 11 und die übrigen oben genannten (im folgenden mit einem *, 
'-'^ mit zwei ** bezeichnet), denen ich jetzt auch die erhaltenen (im 
-^^^ih. gedruckten) Martinslieder (s. o. S. 22 unter 12 und S. 36 f.) 
"^Iziehe, während No. 99, der Cisioianus des Mönchs, seiner 
^^^tizen Art nach für die Untersuchung ziemlich abseits bleiben 
^•^ird (o. S. 31); dann No. 18, das am Schlüsse den Erzbischof 
^^grim nennt (o. S. 49, bezeichnet als 18); ferner Lieder, 
^^xen Stil in seiner Einfachheit und Volkstümlichkeit von dem 
^^r anderen besonders abzuweichen scheint (s. die Anmerkungen 
^U den einzelnen Liedern): zu nennen wären etwa NNo. 29. 



74 P* Arnold Mayer u. Heinriidi Bwtsoh 405 

41. 4^. 46—49. 5i. 53. 56—68. 60. 83. 86. Das am besten 
bezeugte Eigentom Hermanns, die Kirchenlieder, ist gleiohMs 
noch heranzuziehen, um vielleicht auch Ton dieser Seite her 
zur Entscheidung der Frage beizutragen. 

Ich untersuche: A. Stil. Über diese Kategorie noch unten. 
B. Phraseologie. Hier ist ftur den Dichter charakte- 
ristisch, inwieweit ihm das Sprachgut zur Yerf&gung steht 
und welche Auswahl er daraus trifft; der 'Formelschatz' iet 
darzustellen, zu betrachten, welche Ausdrücke und Wendungen 
er f&r bestimmte Begriffe und Motive rerwendet. Ffir unsere 
Untersuchung insbesondere ist es wichtig, Übereinstimmung und 
Gleichheit im Gebrauche der Phrasen festzustellen. C. Metrum. 
Für uns sind unter anderem gleiche Beimbindungen bezeich- 
nender Natur von Bedeutung. In diesem Abschnitt kann auch 
über Beimreichtum und -armut (Flickwörter) gehandelt werden. 
D. Sprachliche Eigentümlichkeiten, wesentlich wieder auf 
den Gesichtspunkt des Zieles dieser ganzen Untersuchung ein- 
geschränkt. 

A. Stil. 

Für die Methode der stilistischen Untersuchung haben wir 
noch immer kein allgemein brauchbares natürliches Schema. 
Das hier folgende gibt sich nur als eine Art Notdach für das 
augenblickliche Bedürfnis. 

Ich ordne die stilistischen Erscheinungen ^) nach den 
Gesichtspunkten: Episch verweilend oder Dramatisch- 
bewegt. Auf diese zwei Kategorien hin kann man gewiss de 
Stil eines Schriftstellers ohne Zwang betrachten. Natürlic 
passt sich im einzelnen Falle die Darstellung der Art des 
Stoffes möglichst an, im ganzen wii'd sich doch der eine meha 
auf diese, der andere mehr auf jene Seite neigen, damit abe^ 
seinen Ausdruck verschieden, entweder mehr sinnlich - konkr^- 



*) Für die objektive Beschreibung des Stils ist es ji^leichgiltig, o'*^ 
ein Stilmittel beabsichtigt oder unbewusst verwendet wird : anders freih'c^l/ 
für die Erkennung des dichtenden Subjekts. 



406 Aatorsohaft der welÜichen Lieder. 75 

oder mehr geistig-abstrakt, realistisch oder idealisierend (malend 
oder rhetorisch) gestalten. Danach bestimmt sich aber auch, 
welche spedellen Stilmittel er anwendet. Die bezeichnete ünter- 
scheidmig geschieht z. T. schon in der 

(1.) Syntax (auf dem Standpunkte entwickelter Knnst- 
übung) nach Vorherrschen Ton 

(a) Parataxe oder 

(b) Hypotaxe (die verschiedenen Arten der Neben- 
sätze). Anznschlieszen sind noch 

(c) Anakoluth (Parenthese) und 

(d) Gebrauch der Wortarten. 

Aber besonders darf man 

(2.) die eigentlichen Stilmittel sondern in 

a. *Epische*^) Figuren: 

1. Pleonasmus. 

2. Umschreibung *). 

3. Vergleich. 

4. Metapher. 

5. Oxymoron. 

6. Antithese. 

7. Annominatio (Polyptoton). 

8. Bepetitio. 

9. Parallelismus. 

10. Cumulatio (Häufung). 

11. Polysyndeton. 

b. 'Dramatische' : 

1. Asyndeton — Kürze. 

2. Climax — Steigerung. 

Es yersteht sich, dass diese eigentlich malend-retardierenden 
^['Siu^D auch in dem lebhaft dahineilenden, oben so genannten drama- 
"■^^en Stile Anwendung finden, aber gewiss weniger als die unter b 
^^^gefuhrten (s. o. S. 74). 

*) Hitunter freilich nur durch Beimnot abgezwungen, wie das 
^ B. Minor an Winterstetten (S. XX ff. der Ausgabe) exemplificiert: 
^^^^ nur in der Hinsicht stilistisches Merkmal, als auch in diesem Falle 
^ bestimmter Dichter gewisse Umschreibungen bevorzugt. 



76 F* Arnold Mayer u. Heinrich Riete cb 407 



> — Bewegung. 



3. er. Apostrophe 

ß. Ausrufe 

y. Rhetorische Fragen 

ö, Wünsche 
Handelt es sich nun bei stilistischen Untersuchungen 
darum, die Stileigentänilichkeit bestimmter poetischer Schöpfungen 
oder einer bestimmten dichterischen Persönlichkeit festzusteUen, 
so wird man, wie ja bei ähnlichen Gelegenheiten wiederholt betont 
worden ist, wohl darauf achten mössen, was allgemein gebräach- 
lich ist zu einer bestimmten Zeit, etwa auch in bestimmten 
Gegenden, eiae Erwägung, die oft mit Schwierigkeiten yerbiinden 
sein wird: die Zerlegung darf eben nicht zu weit gehen ^). 

1. Syntax. 

(b) Hypotaxe. Wenig poetische, schleppende Dass-Sätze, 
demnächst relative sind in den Liedern ziemlich gleichmäszig 
beliebt. Beispiele in Hülle und Fülle. Ich f&hre nur an: ll^i 
37 ff. Enczuket wird ich oft so hart, daz ich wen . . . ich seh dich . . • 
vor mir . . . stan, daz ich denn lian den wan, ym sey o&o, rw^ 
j9m gar fro. 81, 11 ff. söleich saft . . . schaft, das liaft met^ 
czung, daz ity nicht klaft, *17*, 2 ff . toizz, daz dir icünscJi^^ 
meine ivort . . . daz dich meid, waz dir versjnacht, 18, 6 ff. iciz ^' 
daz mein hercz ... sich sent, daz mir dy weil ist lank, 1- ^" 
18 ff. WizZj daz ich nyrnand klag das leiden^ das ich trag, bi^ . - • 
daz wir . . . mügen jyey ainander sein, 

Parataxe (a) tritt in der Regel nur iu gewissen inhaltli^*^ 
lebhaft erregten Gedichten auf: so Anh. No. 1*, 1 ff.: WoUm^^J 
. . . seit gemait . . . lat sorgen . . . vns liat frewde bracht Martein M3'^' 
Hierher gehören auch vielfach die erbitterten gegen die KlafiP^^ 
gerichteten Gedichte, die z. T. in einer Art von sentenziö^^^ 
Form erscheinen: 25, Str. 1. 24, Str. 2; vgl. 19, 7 ff . verswi^^^' 
ist daJiyn, nach lugen stet der sy7i, wer all sein ding usw. ^^' 
91 ff. mein friiud mit euch noch freud gewint: kumpt hail, i«^«^'' 



') DcD im folgenden gegebenen Belegen schicke ich für .A-^' 
schnitt B gleich hier die Bemerkung voraus, dass Wiederholungen nic/'^ 
zu vermeiden waren. 



408 Autorschaft der weltlichen Lieder. 77 

Jiebt noch vmnder. 30, 23 flf. söUch dingk . . . der volg yem vnnser 
keiner nicht, den stUl wir hassen vestikUch, 34 ff. guet ist getrewes 
tmgemach ftier pösen lust . . . ein yegleich guet gesell der 
lach, 34, 25 ff. ich wünsch in vngefell, ain yegleich guet 
gesell der wünsch mir nach. Vgl. auch 36, 20 ff. 23, 49 f. 
15 a, 37 ff. 14, 31 ff. Parataxe ferner in mehr volkstümlich 

• 

einfachen Gedichten, wie 66, 21 ff. Es ist so ... glancz , . , so 
ich ye lenger an siech^ ye nier , , . lust es (für einen Dass-Satz), 
ebenso zeigt 83 meist parataktische Anreihong der Sätze. Beliebt 

• 

ist dabei die Asynthese (s. z. B. zu No. 56), also so, dass selbst 
die beiordnenden Konjunktionen meist fehlen. 

Direkte Rede statt indirekter : 55, 28 f. wann ainer spricht, 
dy laicht mich. 8 1 , 30 ff. ich . , . swer, mit starcker wer ain 

m 

grosses her ich pald verker (?). 51, 13 f. ich höret ye dy weisen 
sagen, got tuet alle dink durch das pest, 16 f. so red ichs auf 
dy trewe mein, es möcht noch wol geraten mir, 57, 16 f. vnd 
sprich an allen czweifel czwar, dein guet mag nicht verpergen sich. 
87, 2 f. wifs, es wartt mein hercz dir ain, 17 Ich hoff, mein 
^^itw an dir behart. 

Bemerkens werth ist (d) der Gebrauch des demonstrativen 
Pronomens und Adverbiums zur Aufnahme eines vorhergehenden 
Wortes oder Satzes^): 11*, 14 trSum dy machent. 28*, 37 ff. 
das man . . . ped mund . . . zesammen cztming, das äfs ich, Anh. 
1*» 41 f. sorgen last dy sey. 14, 38 Tust du wol, das tut, 
23, 3 f. wer »ich darinn venvirt, der ist, 1 1 f. ain klaff er . . . 
^ tut. 13 f. der frum . . . der sweigt. 22 frömd sach dy timt, 
33, 30 f. dein liepleich plick vn herczen schrikch die machent, 20, 
*f' mn klaine freud . . . dy unrdt. 84, 13 f. frewden , . . die 
^^*^ 83, 22 f. waidgesellen, die habent. 59*, 18 dein hawpt 
^. 29, 1 3 f. solt mein hercz ein wesen han nach lust, das tat 
^ gern pey dir. 50, 33 ff. wie lang es hat in leit gedort, des 
^cht ein L g. mir machen pues, 60, 13 f. ward ye kain fr. 
^i seh, geert, des pist du . . , werd. Vgl. 50, 9 tag vnd nacht 
^® Mt m. syn. 49, 5 Czw der ain so get ein a, 

') Roethe 293 f. 



78 P* Arnold Mayer u. Heinrich Rietscli 409 

2. Stilmittel. 

a. 'Epische*. 

1. Pleonasmus. 

Besonders gern wird 'Herz' pleonastisch zugesetzt: U^ 
45 f. pin ... fro in herczen grund, 15a, 43 in herczen 
fro (vgl. 13, 7 f. in der stiren macht ez fro.). 30, 6 rn« 
belangt in herczen grünt, 38, 23 des frho^ mich in 
herczen grünt. 50, 37 ff. ein s. stunde dy mir tat kund in 
herczen grünt. 12*, 44 ff. mich betwang ., .indem herczen, 

47, 6 ich ... in herczen gewan, 8 mich in herczen mchi 
verkerst, 57, 10 die mir in herczen fr. geit. 83, \Q das tut 
mir we in herczen. 35, 51 dem sy von herczen wolgefdi, 
Auszerdem vgl.: 34, 5 «y gdachen in yer fäust. Anh. 1*, 
2 f. seit gemait in der frewden klaid. *17*, 7 in fr. gail 
55, 10 ff. gelück . , . ab sneiden ... mit leiden. — 19,50 
m>ein hercz auf erd nicht me begerL 4:7 y 32 die weüich leb au] 

m 

erden. 56, 18 ineins herczen last auf erd. 85, 53 w war 
nye man auf erd so gail. 14, 14 (u. S. 99). 57, 14 in alUr 
loerldy wo ich hinfar. 86, 23 der plüemlein in dem geuild. 
— 86, 36 machen schoten für dye sunn. — Anh. 1*, 55 f. *• 
Martehis nacld . . . lieint czu nacht. 51, 1 hewer das id^- 
85, 6 der lierbst werd hewer so guet. 88, 23 hewer in dt/st^'^^ 
merczen. — 88, 22 f. veyol, den ich vant ... st an. 

2. Umschreibung. 

a) Gepaarte Begriffe (Zwillingsformeln) für einen Gesamm^* 
begriff. All: Anh. 2*, 7 gesoten vnd gepraten. 86, 20 iu^^ 
vnd allt. 22 czam wid wild. 32, 22 armen vnd reich. 13, ^^ 
gut vnd mut. Überall: 55, 26 hye vnd anderswo. 56, 16 ^ 
kirclien vnd czu strafz. Immer: 26*, 56 tag vnd nac/U. 50, 
ebenso. 37, 19 nacht vnd tag. 38, 13. 44, 2. 86, 29 ebenso 

48, 2 des abentz vn des morgen. Nichts: 48, 27 Üb no^ 
laid noch vngemach. Vgl. 13, 48 gold vnd vcchs (== 'Kos ^ 
barkeiten') und unter *^Synekdoche' unten S. 83. 

ß) Substantiva ganz formelhafter, z. T. abgeschwäcfe^ 
metaphorischer Bedeutung treten zu Adjektiven, Pronomine^ 



410 Autorschaft der weltlichen Lieder. 79 

Zahlwörtern: 26*, 29 dy üblich f ruckt (= sie, die liebliche). 

« 

53, 13 tmtrew ist mir ein herttes spil (s» hart). 85, 37 das recht 
geuert (= das Bechte), wo spil, geuert ganz pleonastisch neben 
dem Adjektiv stehen. Vgl. noch: 54, 35 schaidenleich mort 
(= Scheiden). 51, 19 alle dingk (= alles). 27, 22 all werk 

m 

(= alle). 57, 9 Uor aller werlt (= vor allem). 11*, 1 in 
Über acht. 12*, 10 in liber süzz, 28 in liber sacL 11*, 18 in 
solcher liber sach. 22, 14 all sein sach, 26*, 32 zu aller guten sckch, 
15 a, 26 Etiich sach. 23, 22 frömd sach, die ümschreibmig 
ist beliebt (vgl. noch 22, 7 lih sach = die Liebenden). 53, 14 
und 56, 14 in söleicher ma£z {= so). 29, 25 an falschen list 
(= ohne Falschheit). 30, 41. 21, 26 an argen list, vgl. 87, 12 
sßrg list. Insbesondere stehen Genetive mit einem regierenden 
Nomen in der Weise, dass der eigentliche Träger des Begriffes 
der Genetiv ist: 28*, 6 in kytels klaid. Anh. 1*, 30 kecker 
träncke stift. 30, 6 und öfter in herczen grünt, s. 0. nnter 1 
(S. 78, kaum verschieden von: im Herzen), was auch sonst 
sehr gebräuchlich ist bei allen Dichtern, ebenso Fälle wie 
30,43 in herbst frist. 33, 10 an endes czyL 54, 18 für vnnser 
foider tau. 85, 44 aller abentewer anefangk. — Auch in Ver- 
bindungen wie 57, 6 aller tugent vol, 15a5 51 aller schänden voL 
38, 20 ganczer freioden vol. 15 b, 89 aller tugent ler, 24, 14 warhait 
flozz enthält der Genitiv das eigentlich materielle Element. 

Participia formelhaft gesetzt: 36*, 6 f. mit guet behuet. 
29 iungkfrewleich bewart, 21, 22 frum genennt (= frurn). 

y) Umschreibung von Adverbien durch einen prä- 
positionalen Ausdruck. Fälle wie 25, 11 in kurczem zil. 
H 31 ebenso. 38, 22 in kurczer stund. 11*, 34 in den Sachen 
^^iführen sich mit den Beispielen unter ß. Vgl. aber för 
immer: 22, 9 zu aller frist. 24, 13 ebenso. 18, 7 an abegank. 
^^» 17 ebenso. 87, 6 gar an anefangk^), für sogleich: 
^1*, 38 an der selben vart, ferner noch: 28*, 38 mit tust. 
^3, 9 ebenso. 86, 1 nach lust. 28*, 16 f. ngmand . . . an seg 
^ ^(nur sie). 

*) Vgl 12*, 51. 27, 8. 36*, 30 all vart. 56, 9 allweg. 42, 5 all frist. 
^^ 26 Ott stund. 13, 47 allzeit. 



80 P* Arnold Hayer o. Heinrich Rietsch 411 

(!) Verba umschrieben, z. T. wieder in ziemlich gebrauch- 
liehen Formen^): 48, 21 Mein stem ist getietmet, 35, 4 st/ ift 
genennt, 28*, 9 f. mein belangen ist . , , zu yr cUcdn *). 1 1*, 
42 f. (icJi) han den wan. 29,13 ein wesen han, 48,17 hat,., 
gewin. 26* 23 gelwben tau. 21, 15 machet fro. 49, 29. 13, 8 
ebenso (vgl. 28*, 16 f. herczen quäl . . . gemachen smal). 51, 20 
loirt er gra, 49, 10 darvnder vmrd ich m/mmer gro (vgl. 55,27 
manchen gro). 19, 33 nt/mt end. 21, 6 beswer anleü. 39, 31 
trüeg neid, 57, 10 mir . . . frewden geit. 3 frewden tuet. 
22, 21 mit ganczen freuden nert, 13, 52 zu freuden raiczen. 
35, 8 man Ivelt sich , , , in huet. 36*, 17 (ir tun) kumpt . . . 
czu feld (= ist). 84, 16 kumpt mir , , . cze nucz. 51, 19 rr« 
herczen seczt. 14, 9 Mein gedank stet all zeit, fr„ an dkk 
*17*, 21 Dich lazzent mein gedank nicht ain. 60, 10 wesen kan. 
21, 8 fügen kan, 

e) Umschreibung durch einen ganzen Satz: 23, 45 m^ 
ich ymmer ker. 88, 6 wo ichs hin ker^) (beides = überall). 
*17*, 3 auf den tag, so das iar an vacht. 4 waz zu gelvk y ward 
erdacht, 15 b, 77 7üa das Üb des liben gert, das hüt sich (j=si ix^ 
Liebenden hüten sich I). 23, 18 f. Dy mi/nn kximt . . . stoerlich af^^ 
ica Hb dem l. gutes gan. 25, 19 f. der Judas kchus mir freuntU^'^ 
zaigt (= der Klaflfer, zugleich Beispiel für die Metapher), J^^ 
icirdt ... 39, 21 f. da^ mir noch rcerd czu Ion, darnach m^"^ 
h. lang senet sich, 57, 3 gelück, was frewden tuet. 48, 15 -"^^ 
frihct sich alles, das ich pin^). 

3. Vergleich. 

15 b, 79 f. f/r pöser, falscher sijn liehet als dy slang. Jkt^ 
ausgeführterer Detailschildenmg 36*, 14 f. aL^ den edlen iung^^^ 
icelffy dy mit den täczlein scherczen. 25, 7 fru^ch als ain gräslc^ 
(die Geliebte). 28*, 32 Brnstlein als zwo sifnwel pyrn. An^^ 

') die, hier nur beispielsweise angeführt, für sich natürlich g^^ 
nichts charakteristisches haben. 

*) Vgl. 53, 22 f. dein tjuet ist g. rein czu mir allein. 

') Vgl. 51, 10 welichen weg er keret sich. 15b, 76 wy man ez kcher"^ 

*) Vgl. 29, 12 »0 trawert alles mein gedengken (zur * Metapher ^' 



412 Autorschaft der weltlichen Lieder. 81 

1"^, 45 er sweb als vor dem tmnt ein (ist, 42 als ein past 
(past ißt gebräuchliche Umschreibung für: nichts). 36*, 11 f. 
dl/ roten mundlein lachen sam rotes röslein prossen. 25, 76 ff. 
Schalk, der seinen palk frizzt als der kalk. 44, 50 f. Zähne als 
helffenpain. 25 f. Haar als gold gefar. 28*, 25 ir mund als 
ain rot ruhein, 34, 17 pläst . . . lug als das mel. 

4. Metapher. 

Sie dient insbesondere dem Zwecke der Sinnlichkeit der 
Eede, wie dies vielfach schon die unter 1 — 3 behandelten 
Erscheinungen thun. 

a) Die unter 2 ß) genannte genitivische Um- 
schreibung verbindet sich auch mit der Metapher: Anh. 
1*, 3 in der frewden klaid. 41 sorgen last, 84, 27 der sorgen 
rast. 34, 4 in Sünden kalk. 18, 11 der eren pfat, 

ß) Auch von den unter 2 d) gestellten Beispielen können 
einige noch als Metaphern angesehen werden; deutlicher aber 
sind etwa folgende Fälle: 50, 32 senen, das mein hercz durch 
port. 45, 19 f. klaffen . . , stilt frewd. 50, 33 es (das Herz) 
hat in leit gedort. 34, 17 pläst . . . lug. Metaphorisch heiszt 
68 auch 58, 7 ich vnl mich vinden^^, 

y) Als Stoffgebiete lür die metaphorischen Vor- 
stellungen sind besonders zu nennen: 

1. Naturleben (Thierwelt usw.): 19, 31 f. ain tropf an 
^1^ gibt freuden me, denn offner Hb ain ganczer se, 23, 47 f. 
^f^errauts pitterkait, dy manger mir berait, 44, 33 falcken äugen, 
55, 52 äffen (von den Klaffern). 11*, 31 dy herczen libsten pim, 
°5» 32 die Brüste in czwai gepirg , . . gesmogen, — Die Metapher 
^d zur Allegorie in 48 (die Geliebte als ein Stern). 
*^ (als eine Kose). 83 (der Mann als ein Falke). 

2. Menschenleben: 25, 20 den angel slinden (o. S. 80). 
*^ » 5 (mein) hercz hub (sie) auz dem angen. 53, 21 «o ist der 
V^eg gar czu vil. 51, 15 ^ot ein geleicher schiedmann, 34, 
^2 ff. in sölicliem spil *) wirt oft ain f. klaffer hin geschupht, der 

^) Vgl. 39, 19 darinn so lafz ich vinden mich. 80, 27 wer sich 
^nn erfinden lät, 34, 22 f. vnd vindet sich yemer, das. 
*) 53, 13 vntreto . , . ein herttes spil (o. S. 79). 

6 



82 ^- Arnold lUyer a. Heinrich Bietseh 413 

tOT l, toirt gerupht. 35, 55 f. das ich mit manigem lauf, der fort, 

m 

vnd ich den verlauf d. erharr. 41, 27 der czyler hat mich auf 
d, geczüt. 35, 32 secz s, das czil. 4 f. ist die Dame ein L pild, 
39, 35 das ist ein w. w. pild, 45, 19 klaffen ist ein r. dieb. 

S) Auf der anderen Seite, unter den Begriffen, die d n r c h 
metaphorische Vorstellungen gegeben werden, tritt besonders 
die Liebe mit den zugehörigen Gedanken hervor. Eis gibt 
Liebes wunden: 30, 5 den frawen, die vns h. verumnt, vgl. 8 
das (die Damen zu sehen) möcht vns machen w, gesunt. 35, 60 
haut sy mein sendleich vninden, 4A, 8 sy fiai m. h. verhawen. 
Liebes b an d e *): 11*, 52 ff. dein belangen hat gevangen mich. 
41, 9 ff. ich hob mich czu gefangen dir, vngepunden . . . pint inich. 
35, 59 sy ist mir nicht gepunden. 46, 11 Gefangen vnd gepunden. 
33, 1 f. Hercz . . . wer dich verstricket^) hat. Vgl. 23, 1 ff. mynn . . . 
wer sich darinn venoirt, der ist sein selbes nicht (vgl. u. S. 103). 
Liebesfeuer: 35, 3 die mich in h. prennt. 21, 33 Hb, dy preimi. 
50, 1 ff. dein güet tuet^ das ich toüet^) in lieisser glüet. 37, 13 
Dein lieb (ebenso *17*, 15) hat gar enaündet mich. 

e) Zur Metapher gehören 

1. die Synekdoche: 

56, 29 in meinem herczen stet sein stam. 11*, 36 mein h. 
sola frölich sein. 49 dem armen Jierczen. 14, 35 ebenso. 12*. 
22 daz mein h. in freüden schrik. *17*, 7 so wurd m. h. in 
freüden gail. 28*, 45 msin h. erschrikt. Anh. 1*, 60 alles, da-^ 
mein h, hah ye gedacht. 14, 19 dein h. nicht mag vergezzen mein. 
13, 52 sein h. kan sy z. fr. raiczen (o. S. 80 unter ö). 30, 14 
vnnsre hercz (sind euch) allezeit berait. 39 trewes hercz sein trete 
nye pj'och. 33, 35 meines h. van. 49, 4 (der Glanz zweier Rosen) 



^) Vgl. dagegen 22, 13 ynt tvurd laid angesigen. 

*) Dazu 24, 16 so schalk sich vecht in seinem strikch. 

^) Vgl. 25, 31 fl'. gcmüty nu wüt durch frawen gilt (dazu 59 f. 
trostj wiinn v. fri-ud. nu pis berait dhrch r. frawen willen. 47 f. fro 
V. gail durch aller w. frawen hail). 50, 5 er tobt (und zwar 4 f. ye mer 
ich mich vor seneyi hüet. ye fester, vgl. u. S. 83 unter 1, lorner 18, 23 
(S. 102) und 56, 23 f. so ich ye lenger an siech, ye mer czu sehen /ii«t 
es mich. 58, 19 f. du liebest mir , . . ye pas ye pas). 



414 Aatonohaft der weltlichen Lieder. 83 

h, durch frewt das Ä. mein, 11 sy durcürfrewt das h. mein, 

m 

56, 8 meins h, liebste augenwaid^ eine Yerbindong, die eigentlich 
nicht statthaft ist, aber zeigt, wie formelhaft die ümscbreibiing 
mit 'Herz^ in unseren Liedern schon geworden ist, ygl. auch 
86, 10 alles, das ir h, begert vnd siecht; 39, 6 meins A. gier, 
11*, 19. 57, 23 ebenso. 41, 11 deines h, gier. 18, 19 meins 
h. pitter quäl. 21 meins h. frSudensal. 25, 90 falscher h, friud 
g. verswint, 18, 29 erfreu mir k. mein gemüt, 14, 16 Dein k, 
freut mein gemüt. 60, 9 erfrevaen , , , mein gemüet. 36*, 5 
(Scham nsw.) zierd wol ir jungkfr. gemüet. 50, 5 ye fester 
tobt als m. gemüet, 29, 12 «o trawert alles mein gedengken ^). 
21, 18 fF. das weib, der l. zarter leib nymer vbel tut, 
25, 51 f. toeiblicher leib ist laidvertreib. 26*, Iff. Ain libl, 
weib, der zarter leib ist laidvertreib, 15a, 54 Vaig 
ist yr leib (die Klaffer)! 50, 34 ff. ein liebl, grues . . . van 
deinem roten mund. 14, 26 Dcmk s, hob mein^ r. mund, 55, 48 
sein czung dich rüegt. 81, 14 f. das haft mein czung, daz sy 
nicht klaft. 

2. die Hyperbel: 

• • 

58, 19 du liebest mir tawsentfeltig mer. 60, 14 tawsent- 
stund. 47, 19 ebenso. 

3. die Metonymie: 

41, 6 f. ich pitt dein güet (dich bei deiner Güte) . . . dein 
genad tue mich bedencken (du in deiner Gnade). 28 des mag 

m 

dein guet w. erfrewen mich (du mit deiner Güte). 53, 20 ob es 
dein güet herwider tat. 50, 28 tet gern *), was d. guet mich lert, 
58, 10 urie mich etiphahen wil dein güet. 12*, 23 f. Zuversicht, 
der mir d. xceibl. gut verjiclit. 17 ff. guten tag, den mir heut 
sag . . . d. gut. 11*, 54 bis du tröstest mein eilend (d. h. mich 
im eilend). 15 b, 91 des freut sich sein falscher list. 21, 11 bis 
daz enp finden Hb erkennt (d. h. bis ich durch Empf.